Von Reisende.[]
Christian Ulrich Detlev von Eggers.[]
Rastadt, den 27. März 1798.
Auf diesem Platz sah ich den ersten Freiheitsbaum, eine Eiche, umgeben mit Stakitten. So hat man in allen Städten Frankreichs mit großen Kosten und großem Eifer die Symbole eines Gottesdienst errichtet, mit dem es wohl niemand herzlich meint. Die Stakitte um den Baum schienen mir die treffendste Satyre zu seyn. Sie zwangen mir bei dem ersten Anblick ein Lächeln ab. Aber schnell fuhr mir durch die Seele der Gedanke an die Ströme Blut, die in Frankreich auch um dieses Symbols willen geflossen waren. Sie wissen, lieber Münter, wie ich zu jeder Zeit den Zwang der Meinungen haßte: Sie können sich denken, mit welcher bitteren, wehmüthigen Empfindung ich den Platz verließ. Unwillkührlich schlug ich die Augen in die Höhe. Es war mir, als vernähme ich die sanfte, warnende Stimme unsers guten Vaters, wie er in jenen täuschenden Tagen der Morgenröthe der Revolution zu uns sagte -- jubelt nicht, Kinder! wir wissen noch nicht, was unter dem Laube verborgen ist!
F. J. L. Meyer.[]
Brüssel im Juni 1801.
Die Freiheitsbäume sieht man noch in allen Dörfern, Fleken und Städten. Der üppigste steht, von eben herab mit Sinnbilder geziert, auf dem Markt von Herzogenbusch. Die neuholländische Philosophie, Verzierungskunst und Malerei haben sich darin ein Denkmal gestiftet. Eine junge schlanke Eiche wächst hier aus einem wie ein grosser Altar geformten Treibkasten hervor, und wird von republikanischen Fasces gehalten. Vier gesudelte Bildnisse des Iunius Brutus, Olden Barnevelt, Hugo Grotius und der de Witt sind daran gehängt, und der Altar ist mit Symbolen der Freiheit, der Gleichheit, des Akerbaues u. dgl. an zwei Seiten dekorirt. An der dritten Seite steht der Freiheitsruf: Eindelyk ouit te Onderdrüking (Endlich aus der Unterdrükung). Auf der vierten Seite lieset man in dem aufgeschlagnen Buch, das auf dem mit einem lodernden Herzen verzierten Altar liegt: Fryheit van Godsdeenst. Die leztere leicht missverstandne Inschrift könnte als Starkgeisterei erklärt werden. Mir wenigstens fiel, als ich sie las, die von einem berühmten französischen Astronom vor einigen Jahren in Deutschland ernstlich und oft gesagte Phrase: nous sommes Athées! als Gegenstük ein.
Quellen.[]
- ↑ Bemerkungen auf einer Reise durch das südliche Deutschland, den Elsaß und die Schweiz in den Jahren 1798 und 1799 von C. U. D. von Eggers, königlich-dänischem Legationsrath und Deputirten im Finanz-Collegio. Kopenhagen, 1801. Bei Christian Georg Prost.
- ↑ Briefe aus der Hauptstadt und dem Innern Frankreichs, von F. J. L. Meyer Dr. Domherrn in Hamburg. . . Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1802.