Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Frankreichs Zustand. Begebenheiten.[]

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Januar.[]

Die Französische Republik hat in den letzten Tagen des verfloßnen, und in den ersten Tagen des neuen Jahrs große merkwürdige Schicksale gehabt. Sie betrafen aber theils auswärtige Verhältniße, theils ereigneten sie sich außerhalb der Grenzen Frankreich, und sind allso in den andern Kapiteln unsers Journals, in ihrem historischen Zusammenhange beschrieben. Die Geschichte der Abbrechung der Friedens-Unterhandlung zu Paris, die der so übel abgelaufnen Seefahrt nach Irland, jene vornehmsten Gegenstände der allgemeinen Neugierde, sind in eignen Kapiteln vorgetragen. Der Verlust der Festung Kehl, die üblen Umstände der Französischen Armeen am Rheine, und in Italien, die Gährungen und Insurrectionen in vielen Gegenden, welche die Republiicanischen Truppen besetzt halten, sind in andern Kapiteln beschrieben. Hier müßen wir nur noch die merkwürdigen Begebenheiten, und den Zustand, des Innern von Frankreich darstellen.

Wir können uns dabey kurz faßen, denn die Regierung selbst, das Directorium selbst, hat diesen Zustand, in einem Berichte an den Rath der 500, geschildert, welcher als eine officielle Urkunde keinem Zweifel unterworfen seyn kann. So drückte sich das Directorium in einer Mißive an den gesetzgebenden Rath, am 14ten December aus: -- "Bürger Repräsentanten! Die vervielfältigten Bedürfniße der Republik rufen auf eine gebietrische Weise Ihre Aufmerksamkeit zur Hülfe, um Rettungsmittel ausfindig zu machen, und anzuwenden. Alle Theile des öffentlichen Dienstes leiden; Sie wißen es. Der Sold der Truppen ist im Rückstande, die Vertheidiger des Vaterlandes sind der schrecklichsten Blöße überlaßen; (les defenseurs de la patrie sont livrés aux horreurs de la nudité) ihr Muth wird durch das schmerzliche Gefühl ihrer Bedürfniße entnervt, der Ueberdruß, der eine Folge davon ist, zieht die Desertion nach sich; der Hospitälern mangelt es an Vorräthen, an Feurung, an Arzneymitteln; die wohlthätigen Anstalten, müßen, wegen eben dieses Mangels, den Dürftigen, den Kranken abweisen, die Gläubiger des Staats, die Lieferanten für die Armeen, erhalten, mit Mühe, kaum einige kleine Theilgen von den ihnen schuldigen Summen: ihre Noth verscheucht diejenigen, die noch eben dergleichen Dienste leisten könnten: die Straßen sind verdorben, die Communicationen unterbrochen: die öffentlichen Beamten sind ohne Gehalt: von einem Ende der Republik zum andern sind die Richter, und Administratoren in die schreckliche Wahl versetzt, entweder mit ihren Familien im Elende zu schmachten, oder sich an die Intrigue zu verkaufen: überall regen sich boshafte Gesinnungen: an vielen Orten organisirt sich der Meuchelmord, und die Policey ohne Stärke, ohne Thätigkeit, weil sie von allen Geldmitteln entblößt ist, kann den Unordnungen keinen Einhalt thun."

Zu einem solchen Geständniße der Regierung braucht man nichts hinzusetzen, um einen Begrif von den Umständen in Frankreich zu geben. Die öffentlichen Pariser Blätter sind täglich mit der Beschreibung der Details des allgemeinen Elends angefüllt. Nur eine frappante Parallele zwischen Frankreich und England wollen wir aus einem Pariser Jonrnale entlehnen.

In England forderte im November 1796 der Minister 18 Millionen Pf. Sterl. zu den Ausgaben des künftigen Jahrs, und in weniger als sechszehn Stunden waren 18 Millionen da.

In Frankreich wurde im November auf Befehl der Regierung die Einnahme bey der Oper von einer Vorstellung weggenommen, um 500 Pf. Sterl. zu bezahlen, die nothwendig an diesem Tage bezahlt werden mußten.

Wirklich ist der Fall gewesen; wie mehrere Pariser Tagblätter erzehlen. Die Regierung mußte wegen einer dringenden Ausgabe, wozu kein Geld vorhanden war, die Einnahme eines Schauspielhauses wegnehmen laßen. Unter solchen Umständen wurde die Regierung in allen Pariser Zeitungen, und Journalen, (ausgenommen die zwey von ihr besoldeten) mit Vorwürfen und Tadel überhäuft, und eben dadurch das Mißvergnügen noch mehr verbreitet. Nicht allein in Paris, sondern auch durch ganz Frankreich, herrschte eine allgemeine Erbittrung gegen die Regierung, und selbst die Partheyen der Royalisten, und der Jacobiner, vereinigten sich in den Angriffen gegen dieselbe. In dem Rathe der 500 neigte sich die sogenannte Parthey des Bauchs, welche eine Art von Neutralität zwischen den andern Factionen behauptet hatte, auf die Seite der Berg-Parthey, der Jacobiner, weil man die Parthey der gemäßigten, puren Republicaner für verloren hielt.

Um den dringenden Geldmangel einigermaaßen abzuhelfen, betrieb man das Project einer neuen Bank bey der nach Paris berufnen Versammlung der Kaufleute aus den vornehmsten Handelsstädten. Allein die Kaufleute erklärten gleich anfänglich, daß die Errichtung einer neuen Bank, so lange der Krieg dauere, von keiner Wirksamkeit seyn könne; nachher verlangten sie die feyerlichste Erklärung von dem gesetzgebenden Corps, daß sich die Regierung niemals, und auf keine Weise in die Geschäfte der Bank mischen dürfe, und dabey verlangte die Kaufmannschaft so große Hypotheken an National-Gütern für ein Darlehn von 15 Millionen, und andere Bedingungen, daß die Zustandebringung einer Bank verzögert, und verhindert wurde.

Wenn zu Paris die Regierung die Kaße der Opern-Einnahme, wegen dringender Zahlung, wegnehmen mußte, so sahen sich in den Provinzen die Commißarien genöthigt, die öffentlichen Kaßen der Administratoren zu leeren, um die Noth bey den Armeen zu mindern. So kam am Ende des Decembers ein Commißair in Dijon an, und nahm alles bey der öffentlichen Kaße vorräthige Geld weg, mit der Bedeutung, alle andre Zahlungen müßten bey den dringenden Bedürfnißen der Truppen, die dem Feinde im Gesichte standen, aufhören, und er werde noch in 5 Departements das nämliche vornehmen müßen. Zu eben der Zeit nahmen zwey Commißarien bey den öffentlichen Kaßen in Champagne alles vorräthige Geld weg. In dem Pariser Tagesblatt, Quotidienne, wurde öffentlich angezeigt, daß die Armeen in 3 Monaten keinen Sold bekommen hätten, und deshalb ganze Schaaren von 200 und mehr Mann desertirten. Unterdeßen hat der Rath der 500 zu den Kriegskosten von vier Monaten, bis in den April 120 Millionen bewilligt. Es kam nun darauf an, das Geld herbeyschaffen zu können.

Die unglücklichen Nachrichten von vielen Orten wurden durch die von Domingo vermehrt. Die ganze dasige Französische Colonne war in einem Aufstande, gegen die Commißarien der Regierung, und Morden und Plündern hatten die Oberherrschaft. Und unter diesen Umständen war das Pariser Directorium im Begriffe, noch einen neuen Krieg gegen die vereinigten Staaten von Nordamerica anzufangen, welche einer Begünstigung der Engländer zum Nachtheile der Französischen Flagge beschuldigt wurden. Schon hatte das Directorium Befehle nach Westindien geschickt, alle Americanische Schiffe wegzunehmen, und der Gesandte der Französischen Republik zu Philadelphia hatte die Suspension aller seiner Ministerial-Verrichtungen angekündigt.

Bey der gewaltsamen Spannung der Gemüther durch ganz Frankreich sah man fast täglich einer heftigen Explosion entgegen, welche aber noch durch die Beschäftigungen der ganzen Nation mit den Vorbereitungen zu den Ur Versammlungen, im Monate März, um ein neues Drittheil der beyden gesetzgebenden Räthe zu wählen, verhindert, und aufgehalten wurden. Jedermann sah diese Epoche als einen entscheidenden Zeitpunct für das künftige Schicksal Frankreichs an.


Februar.[]

Frankreichs Zustand. Angebliche Verschwörung. Aufschlüße derselben. Begebenheiten.

Der verfloßne Monat hat die schon im vorigen (S. 103) angezeigte Crisis in Frankreich näher herbeygeführt. Die Regierung, welche niemals stark genug war, alle Partheyen niederzudrücken, und daher ihre Autorität immer einer Faction gegen die andere lief, um sie durch einander aufzureiben, ist durch die dabey vorfallenden Leidenschaften, durch Intereße, und durch Rachsucht, selbst zu einer Parthey geworden, und hat sich den Haß aller andern Partheyen zugezogen. In diesem gefährlichen Kampfe, in welchem Furcht und Zutrauen verloren gieng, suchte sie wenigstens die Furcht durch Schrecken wiederherzustellen, und ergrif alle Maaßregeln einer militairischen Regierung. Die Siege, welche Buonaparte in Italien erfochte, bedeckten sie mit dem Schilde der Achtung, die dem Glücke immer zur Seite steht. Die Journalisten schwiegen, und die Pamphletsschreiber, welche ihre Verunglimpfungen des Directoriums auf den Straßen ausschreien ließen, verschwanden. Indeßen blieb der Haß in den Gemüthern.

Nicht weniger zur Vermehrung dieses Haßes trug die unnatürliche Feyer des Ermordungs-Tages Ludwigs des XVIten bey. Dieses Fest des 21sten Januars war für den größten Theil von Paris und ganz Frankreich ein ärgerliches Scandal. In den Pariser Journalen redete man dagegen fast allgemein, mit den heftigsten Ausdrükken des Unwillens, und der Vorwürfe. In einer dieser Schriften standen die Worte: "Nur Cannibalen können um die zerstreuten Gebeine von Feinden tanzen, die sie zerrißen haben."

Es war auch allein das Directorium (nicht die gesetzgebenden Räthe, die keinen Theil daran nahmen) welches dieses abscheuliche Fest feyerte. Diese Feyerlichkeit geschahe in der Kirche zu U. L. Frauen (Notre Dame), und bestand aus einer Proceßion der fünf Directoren, im großen Costume, welche von ihren Ministern, einigen Officieren begleitet, und mit einem starken Corps von Soldaten umgeben waren. Der Zug bestand aus 6 Wagen, und einigen Cabriolets. Das häufig versammelte Volk, welches durch die Cavallerie und Infanterie von den Wagen abgehalten wurde, beobachtete ein düstres Stillschweigen. Doch hörte man einige laute Verwünschungen auf die Directoren, und harte Drohungen. Beym Einzuge in die Kirche, wo an der Stelle des weggenommenen Altars die erhabnen Sitze für die Directoren sich befanden, und für die Minister, und ihr anderes Gefolge, in einer tiefern Abstuffung gesetzte Stühle, entstand ein dumpfes Geräusch und Murren, indem die Directoren zwischen einer doppelten Reihe von Bajonetten nach ihren Plätzen giengen, und dort wieder von den Bajonetten umgeben wurden. Als sie sich eben setzten, verbreitete sich ein fauler so unausstehlicher Gestank durch die ganze Kirche, daß der größte Theil des Volks herausstürzte, um an frische Luft zu kommen. Dieses Heraus- und Wieder-Hereindrängen, und ein dumpfes Murren machte so viel Geräusch, daß man, wie gegenwärtig gewesene Personen versichern, von der Rede, die der Director Barras hielt, nur einzelne Worte verstehen konnte. Sie enthielt nichts, als tausendmal gesagte Sachen von des glorreichen Revolution, Hinrichtung des Tyrannen, Zerbrechen der Feßeln, Erringung der Freyheit, Haß gegen die Könige u. s. w. in einem schlechten Stile. Während der Rede, gleich im Anfange, fielen aus einer Oefnung in dem Kirchengewölbe an der höchsten Stelle, eine Menge kleine Steine, Sand, und Unflath auf die Directoren herab, die davon überhäuft, sich diese Bescheerungen mehrere male abschütteln mußten. Die Kirche wurde sogleich umrungen, und Untersuchungen angestellt, aber nichts gefunden. Nach der Rede schwuren die Directoren mit ihrem Gefolge Haß dem Königthume, und eine Musik endigte das Schauspiel. In ganz Paris nahm sonst Niemand Antheil an dem Feste dieses Tages. Aber des Abends erschien eine Gruppe Frauenzimmer vor dem Palais Royal, und sang: Es lebe der König. Doch blieb alles in der Stadt ruhig.

Es muß in der Geschichte nicht unbemerkt bleiben, daß dieses Mord-Fest außer Paris nirgends in ganz Frankreich und, welches besonders merkwürdig ist, auch nicht, wie ehmals, bey den Armeen, gefeyert worden ist.

In einem Pariser Journale las man die Verse:

Solemniser les jours de la justice

C'est proclamer les decrêts éternels;

Mais célébrer la fête du supplice

C'est aux bourreaux éléver des autels.

Das Mißvergnügen über die Regierung, die innre Gährung durch ganz Frankreich, hatte so zugenommen, daß der General le Fevre, der um diese Zeit nach Paris kam, sagte: "Ein Republicanischer Officier ist anjetzt sichrer, wenn er den Oesterreichern gegen über steht, als in den meisten Gemeinden von Frankreich. Er gestand, daß er nichts, als die plattesten Injurien, und die schrecklichsten Verleumdungen gegen die Regierung, allenthalben, auf seinem ganzen Wege bis nach Paris hin, gehört habe.

Die Gewalthaber selbst fiengen an in Uneinigkeit zu gerathen. In dem Rathe der 500 entstanden bey mehrern Debatten tumultuarische Auftritte, denjenigen ähnlich, die im vorigen Convente immer die Vorbedeutungen großer Explosionen waren. Die gesetzgebende, und die ausübende Macht kamen zu Verwürfen gegen einander. Im Directorio zeigten sich zwey Partheyen, deren eine Carnot, die andre Barras an der Spitze hatten. Carnot wurde besonders von den Anarchisten heftig angegriffen. Man suchte ihn in den öffentlichen Blättern als verdächtig vorzustellen, weil er ehmals ein Mitglied des Wohlfarts-Ausschußes unter Robespierre gewesen war. Man konnte jedoch keine Beschuldigung durch Facta rechtfertigen. Anders verhielt es sich mit Barras, gegen den man Beweise vorbrachte, daß er der Chef der Royalisten von der Orleanschen Parthey sey. Der vornehmste dieser Beweise war ein Brief, den man unter des zu Vendome verhafteten, und vor das dasige National Gericht gestellten, Baboeufs Papieren gefunden hatte, in welchem Barras als ein geheimer Mißvergnügter geschildert wird, der bereit sey, eine neue Revolution bewirken zu helfen. Bald nach der Bekanntmachung dieses Briefes, wurde der Herausgeber des Journals, in welchem der Brief zuerst gelesen worden, Poncelin, in das Haus des Directors Barras geholt, und dort in der Stube der Kammer-Dieners vom Stallknechten auf das ärgste gemißhandelt, und blutig geschlagen. Poncelin brachte die Sache gerichtlich an: die andern Journalisten nahmen sich seiner mit den nachdrücklichsten Eifer an. Ganz Paris schien an dem meuchelmörderischen Attentate eines Directors selbst Antheil zu nehmen. Auf einmal verbreiteten sich nun wiederholte Gerüchte von neuen Verschwörungen, die im Werke wären, und machten der öffentlichen Unterhaltung eine Diversion, wodurch sie von Poncelin, und Barras auf wichtigere Gegenstände gelenkt wurde. Und am 31sten Januar meldete das Directorium selbst in einer Bothschaft den beyden Räthen des gesetzgebenden Corps eine entdeckte neue greuliche Royalistische Verschwörung, und zwar zu Gunsten der Kron-Prätendenten, Ludwigs des XVIIIten, der bekanntlich sich jetzt zu Blankenburg, im Braunschweigschen aufhält. Dem Directorio war diese Verschwörung durch den Policey-Minister Cochon angezeigt worden, und diesem durch den Escadrons-Chef der Garde des Directoriums selbst, Namens Malo. An diesen Mann, deßen eifriger Republicanismus bey dem Ueberfalle des Lagers von Grenelle sich mit der äußersten Gefahr erprobt hatte, und der schon durch seine Stelle, als Garde-Officier des Directoriums, ein bewährter Republicaner seyn, mußte, und an einen andern Officier, Chef der Grenadiere, der Garde des Raths der 500, Namens Ramel, deßen Vater Finanz-Minister ist, hatten sich, der Anzeige nach, die Chefs der Royalisten-Verschwörung gewendet, um sie zu verführen. Diese hatten sich gestellt, als wenn sie dem Complotte beyträten, und nachdem sie genug Erkundigung eingezogen, überfallen, und arretiren laßen.

Es waren nicht mehr als drey Conjuranten, die zugleich auch als Chefs der Verschwörung angegeben wurden. Und diese Chefs einer so wichtigen Verschwörung, die zugleich Commißaire Ludwigs des XVIIIten seyn sollten, waren 1) ein Ex-Abbe Brottier, der ehmals ein Royalistisches Journal geschrieben hatte, gegenwärtig in tiefer Dunkelheit lebte, und ohne allen Anhang und Ansehn war, 2) ein gewißer Berthelot Laville-Harnois, ehemaliger Requetenmeister, und als ein Projectmacher, und unbedeutender Phantast längst bekannt, und 3) ein Gewürz-Krämer in Paris, Namens Dunant. Nachher wurde noch, als ein Unter-Agent einer, Namens Poly, arretirt, der als ein teutscher Edelmann angegeben wurde.

Der Plan, den diese Leute gehabt, und dem Malo, und Ramel, mitgetheilt haben sollten, was so beschaffen, daß kein vernünftiger Mensch ihn ohne Lachen lesen konnte. Es waren keine Mittel angegeben, wie sie die Verschwörung ausführen wollten, außer daß sie auf 12,000 Mann Engländer rechneten, und auf die allgemeine Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Zustande der Dinge; aber wenn sie selbst nicht wußten, wie sie Ludwig den XVIIIten auf den Thron setzen wollten, so wußten sie doch was Ludwig der XVIIIten thun würde, wenn er auf dem Thron sitzen würde. Er würde eine Amnistie zwar publiciren, aber das Parlament würde sie aufheben -- worüber sie allso schon die Berathschlagungen und Stimmen der nicht existirenden Parlamentsherren haben mußten -- . La Fayette würde in einem eisernen Käficht nach Paris gebracht werden, und alle Höfe würden eingeladen werden, Gesandten nach Paris zu schicken, um zu sehen, wie Lafayette, bestraft würde. Einer der vornehmsten agirenden Personen bey der Revolution sollte der Marquis von Bouillé seyn, der in Westindien bey der Englischen Armee ist. Auch der bekannte Tallien, und der Spanische Minister del Campo wurden als mitwißende Theilnehmer der Verschwörung angegeben, und überhaupt war alles, was von dem Plane bekannt gemacht wurde, ein solches Gemengsel von lächerlichen Ungereimtheiten, daß man nicht begreifen könnte, wie dergleichen Unsinnigkeiten irgend eine Aufmerksamkeit erregen konnten, wenn nicht besondre verdeckte Ursachen dabey zum Grunde gelegt wären.

Die Beweisstücke, welche man vorbrachte, waren des Plans völlig werth. Sie bestanden 1) in einer Vollmacht von Ludwig dem XVIIIten, datirt von Verona, den 25 Februar 1796. 2) ein Schreiben von Ebendemselben, worinnen der Prinz dem Abbe Brottier seine Achtung bezeigt. 3) Ein Paß für den Gewürzkramer Dunant nach Hamburg. 4) ein Paar Quitungen über 15, und über 150 Louisd'or, von einem gewißen Rochehot, und Rozi. 5) Ein Portrait von Ludwig dem XVIten, und eine Tobacksdose mit deßelben, und der verstorbnen Königin Bildniß.

Bey dem Verhöre sagte Brottier ganz naiv, auf die Frage, ob er ein Agent Ludwigs des XVIII. sey? -- "Ich kann es nicht sagen, aber meine Papiere da sagen es ja." Der Gewürz-Krämer Dunant versicherte, daß es ihm nur um eine Branteweins-Lieferung zu thun gewesen sey, und dasjenige was er gesagt, seyen leere Gedanken von ihm gewesen. Von einem Complotte wiße er nichts. Der Projectmacher la Ville-Harnois leugnete nicht, daß er ein Project zu einer Contre-Revolution gemacht habe, und man fand auch einen sogenannten Plan bey demselben. Dieser Plan war aber die Erfindung seines eignen Gehirns, und eben so ungereimt chimärisch, wie die ganze sogenannte Verschwörung. "Es sollten sichre Wachen bey den Barrieren von Paris gestellt, und in 24 Stunden kein Mensch weder herein- noch herausgelaßen werden; die Vorstädte St. Anton, und Marceau sollten durch Militair-Mittel im Zaume gehalten werden, die Directoren, und die Mitglieder der beyden Räthe sollten festgehalten werden, die Preßen der Jacobinischen Journale sollten vernichtet werden; auch hatte der Projectmacher schon die neuen Minister ernannt, worunter Benezech war, und sogar einen Minister der Indischen Angelegenheiten: ob Cochon sollte Polizey-Minister bleiben, sollte erst ausgemacht werden u. s. w. und dergleichen Ungereimtheiten mehr. Zur Ausführung des Plans sollten 12000 Mann aus England kommen. Dieser Umstand allein ist hinreichend, den verrückten Kopf des Planmachers zu beweisen. Nur 12000 Mann, und noch dazu Engländer, sollten Paris, und ganz Frankreich bezwingen, und der Graf von Artois (der ruhig in Edimburg wohnt, und England nicht verlaßen kann, wenn er auch wollte,) wurde, nach diesem Plan, täglich in Paris erwartet. -- Wir würden unsre Geschichte entstellen, wenn wir sie mit allen Absurditäten anfüllen wollten, die dieser Verschwörungs-Plan enthält. Die öffentlichen Blätter haben damit bereits die Neugierde weitläuftig genug unterhalten.

Indeßen hatte diese Anzeige einer neuen und zwar Royalistischen Verschwörung viele Folgen. Es wurden viele Personen, und auch einige Soldaten von den Garden der Directoren und der beyden Räthe arretirt, und die Arretirung wurden so häufig fortgesetzt, daß eine große Menge von Personen nicht allein in Paris, sondern auch an andern Orten in Frankreich in Gefängniße kamen, die die Regierung für verdächtig angab. Auch in den beyden Räthen selbst wurden nicht allein Tallien, sondern auch Dumas (der kurz vorher den Frieden sehr nachdrücklich empfohlen hatte) und andre Personen verdächtig gemacht. In dem Rathe der 500 entstanden, bey der Berathschlagung über diesen Verschwörungs-Plan solche heftige stürmische Scenen, wie sie ehmals im Convente waren, wenn große Bewegungen bevorstanden, und eine Faction die andre stürzen wollte.

Einige Pariser Journalisten waren dreist genug, das ganze Verschwörungs-Project für ein neues Kunststück der Jacobiner zu erklären, um ein neues Attentat, welches sie vorhätten, zu bedecken. Man habe wollen die Aufmerksamkeit der Nation auf die gegenwärtige, freylich schon wieder in Stillstand gekommne, Untersuchung der Baboeufschen Verschwörung, auf das zu Vendome niedergesetzte Gericht, von diesen Gegenständen abziehen, und sie auf die vorgeblichen Royalisten wenden. Vornehmlich habe man die Royalistische Parthey, bey den bevorstehenden Wahlversammlungen, wollen furchtsam machen, und sich Gelegenheit verschaffen, die Royalistisch-Gesinnten, wenn sie sich bey den Ur-Versammlungen und Wahlen zu dem neuen Drittheile des gesetzgebenden Corps einfinden sollten, als Verdächtige arretiren zu laßen. Diese letztere Bemerkung ist einleuchtend. Die Furcht, für Mitschuldige der Verschwörung gehalten, und gefangen zu werden, mußte alle Royalistischgesinnte von den bevorstehenden Wahlen abhalten, und den Jacobinern freyen Spiel-Raum geben. Diese Furcht war um so gegründeter, da man in Paris allgemein urtheilte, diese neue Verschwörung habe mit allen denen große Aehnlichkeit, die man zu den Zeiten der Jacobiner-Herrschaft so häufig zum Vorscheine brachte. Es ist auch auffallend, daß der vierte Agent Ludwigs des XVIIIten, Poly, ein bekannter eifriger Jacobiner ist, und wegen Jacobinischer Conspirationen schon einige male arretirt worden. Man glaubte in Paris, daß dieser Poly das Werkzeug gewesen, jene 3 Personen, deren zu unvorsichtige Aeußerungen Royalistischer Gesinnungen, und phantastische Köpfe der Ueberredung, und Verführung so empfänglich schienen, unter der Maske des Royalismus zu verführen. Man wird aus der Wendung welche die Sache noch ferner nehmen wird, zu gegründetern Urtheilen berechtigt werden.

Sonderbars ists, daß um dieselbe Zeit von allen Seiten her an die Regierung Klagen mit Beweisen, wie der die Tactik der Jacobiner einliefen, welche Frankreich von neuem umzuwälzen, und ihre Intriguen auf die Royalisten zu schieben suchten. So brachten sie zu St. Chomond einen Mann, Namens Prost, um, und steckten, wie er todt war, in die Taschen seines Rocks einen Royalistischen Brief -- wie zu Orleans-Egalite-Zeiten -- Mode war, aber bey Prost wurde der Betrug durch die Justiz entdeckt. An andern Orten, zu Lyon, Marseille, Toulouse wüteten und mordeten die Jacobiner, unter Royalistischem Vorwande. Die Gegenden von Aix, Orles, Eculy sind von den Jacobinischen Mord- und Räuberbanden unaufhörlich beunruhigt worden. In Paris gab die Jacobiner-Parthey diese Räubereyen den Royalisten Schuld, und war arglistig genug sie in Verbindung mit der entdeckten neuen Verschwörung setzen. Zu Toulouse waren am 21sten Januar blutige Unruhen ausgebrochen, in welchen viele Menschen ihr Leben verloren. Als der Bericht darüber in dem Rathe der Alten verlesen wurde, so entstanden heftige tumultuarische Debatten zwischen zweyen Deputirten, die von den Unruhen zu Toulouse ganz entgegen gesetzte Nachrichten haben. Perez schrieb sie den Royalisten, und Mailhe den Terroristen zu, und bewieß dieses mit Thatsachen, worüber ein großer Lärm entstand, um Mailhe nicht weiter fortreden zu laßen. "Wollt ihr denn nicht einsehn, sagte Mailhe, daß man Euch betrügt, und in den Abgrund stürzen will. Ich bin auch dafür, daß man den Royalismus verfolge, wenn er sich regt, aber ich will nicht, daß man die Royalistische Maske über die Ermordeten werfe, um die Mörder zu beschützen, und das Reich der Jacobiner, unter der Gestalt der Verfolgung der Royalisten, wieder herstelle." Ein andrer Deputirte, Bornes, unterstützte diesen Vortrag: "Die Bewegungen, sagte er, die man uns hier ankündigt, sind nicht die einzigen. In vielen Theilen der Republik geht daßelbige vor. So hat man in einem Departement ein groß Geschrey über eine Contre-Revolution erhoben, die die Royalisten vorhätten. Als man die Sache genau untersuchte, waren die bewafneten Ruhestörer Jacobinische freygelaßne Galeeren-Sclaven, die sich mit dem Mantel des Royalismus bedeckten." –

Ueber diese Entdeckungen, wurde im Rathe der 500 der Tumult so stark, daß der Präsident, so heftig er auch klingelte, und sich wiederholt bedeckte, die Ruhe nicht wiederherstellen konnte. Viele Mitglieder schrieen und schimpften gegen den Präsidenten selbst, und drohten ihm sogar. Die Huißiers liefen im Saale herum, und schrien Stille, Stille; aber umsonst. Dem Präsidenten wurde endlich, bey dem gräßlichen Lärme, übel, und er mußte ein Glas Waßer sich reichen laßen. Endlich brachten es die in verschiednen Theilen des Saals mit einander streitende Deputirte dahin, daß man über Mailhes Vortrag stimmen wollte, und er wurde zum Drucke beordert.

Diese Scene deutet denjenigen, die sich der ehmaligen Katastrophen im Convente erinnern, genug an, was für Auftritte in Paris vorbereitet werden.

Die Freude über die Siege der Italienischen Armee wurde sehr durch den drückenden Geldmangel vermindert. Das Directorium verlangte zu den ersten Monaten des neuen Feldzugs 1300 Millionen Livres in baarem Gelde. Die Mandate hatten so wie die Aßignate, allen Werth verloren: sie verloren 99 Procent, und selbst der gesetzgebende Rath der 500 hatte decretirt, daß die Mandate unter Privat-Personen keinen erzwungnen Cours mehr haben, und im National-Schatze nur noch bis zum 21sten März mit 99 Procent Verlust angenommen werden sollten.

Das letzte Finanz-Rettungs-Mittel, die Errichtung einer National-Bank, ist gänzlich gescheitert. Die dazu nach Paris berufne Commerz-Deputation der Kaufleute aus den vornehmsten Städten Frankreichs, gab die Erklärung, daß, unter den gegenwärtigen Umständen, die Errichtung einer Bank nicht statt finden könne. Ihr Memoire macht den obigen ersten Artikel aus.

Noch werden wir die fernern Nachrichten von Frankreich in einem eignen Kapitel, weiterhin, mit theilen.


März.[]

Frankreichs Zustand. Begebenheiten.

Die Monatsgeschichte der Französischen Republik bis zum 9ten März enthält keine wichtige neue Merkwürdigkeiten. Der im vorigen Monate beschriebne innre Zustand dauerte, mit wenigen Veränderungen bis dahin fort. Die allgemeine Aufmerksamkeit beschäftigte sich noch immerfort mit den Vorbereitungen zu den neuen Wahlen. Das Directorium hatte eine Proclamation ergehen laßen, in welcher die Volks-Versammlungen ermahnt wurden, nur solche neue Mitglieder zu den neuen Drittheile der beyden Räthe zu wählen, welche weder Anarchisten noch Royalisten, sondern gute Freunde der gegenwärtigen Constitution wären, solche Männer, deren Republicanismus, Talente und Tugenden, in den neuen Stellen Treue, und Eifer, und glücklichen Fortgang der Dinge versprächen.

Unterdeßen waren in den beyden Räthen diejenigen Deputirten durchs Loos bestimmt worden, welche, als das abgehende Drittheil, den Neu-Erwählten Platz machen sollten. Unter den abgehenden waren mehrere von der moderirten Republicanischen Parthey, und auch solche, die an der Verfaßung der jetzigen Constitution Antheil gehabt hatten, z. B. Boißy d'Anglas, Cambaceres, Lanjuinais; ferner Mercier, Durand Mail~ane, Camus, Daunou u. s. w. Doch giengen auch manche von der Parthey der Anarchisten ab. Louvet, Dubois Crancé, Lesage Senault, Treilhard u. a. m. Privat-Briefe, und öffentliche Blätter bemerken einstimmig, daß sowohl in den Provinzen, als besonders auch in Paris, sich eine Menge von solchen Personen mit Eifer zu den Listen der neuen Wahl-Versammlungen hinzudrängte, die man bey den bisherigen Volks-Versammlungen nicht sahe, und die die Wahlen dießmal sehr merkwürdig zu machen schienen.

Der Verfaßer des Pariser Journals des hommes libres, ein großer Freund der sogenannten Terroristen, der Jacobiner, machte eine auffallende Bemerkung: "Die Regierung, sagte er, will die Republik, und doch zieht uns ein reißender Hang, gegen welchen ich von Seiten der Regierung keine Mittel zum Widerstande sehe, nach der alten Regierungsform hin. Auf den Theatern applaudirt man nur den Anspielungen auf das Königthum, allenthalben sucht man die Gebräuche, die Formalitäten, die Einrichtungen der alten Regierung hervor. Die Sonntage werden gefeyert, und die Decaden nicht. In den Geschäften wird der neue Republicanische Kalender-Stil gar nicht gebraucht. Die Republicanische Benennung, Citoyen, wird in den Gesellschaften verhöhnt, und nur den Bedienten, und Apfel-Höckern gegeben." Wer kann an der Wahrheit dieser Bemerkungen zweifeln, da sie von einem, bey diesem Geständniße, unverdächtigen Manne, unter den Augen der Pariser, zu ihrem Vorwurfe gemacht worden?

Nach der Bemerkung andrer aufmerksamer Personen ist es nicht die alte Regierungs-Form, welche die Gegner der jetzigen Republicanischen Verfaßung wiederherstellen wollen, sondern einen Theil der Constitution von 1791, mit der gegenwärtigen Constitution zusammengeschmolzen. Die Terroristen behaupten, man wolle den ältesten Sohn des Orleans Egalité auf den Thron setzen, und er befinde sich wirklich in Paris. Indeßen kam ein Attestat aus Philadelphia bey der Regierung an, welches die Ankunft des jungen Orleans daselbst versicherte. Die Orleansche Parthey hatte auch so sehr verloren, daß alle diejenigen sie verleugneten, deren ehmalige genaue Verbindung mit Orleans offenbar bekannt war. Alle Partheyen vereinigten sich in dem heftigen Tadel über die gegenwärtige Regierung, und überhäuften sie täglich mit Vorwürfen, Satiren, und Schmähungen. -- Man ersieht aus allen diesen Umständen, daß der gegenwärtige Zustand der Dinge, von der ganzen Nation, mit Ausnahme weniger intereßirter, oder kurzsichtiger Republicaner, gehaßt wird.

Die Situation des größten Theils der Einwohner in Paris mußte diesen Haß vermehren. Die Lebensmittel waren nicht sehr theuer, aber eben diese Wohlfeile kam von dem Mangel des Geldes her, und von der sich stets verringernden Volksmenge. An dem Tage, da die Eroberung Mantuas mit vielem Pompe verkündigt wurde, wobey keine frohe Theilnahme des Volks, sondern ein düstres Stillschweigen sich bemerklich machte, ereigneten sich viele Selbstmorde in Paris. Sie wurden täglich häufiger. Es gab viele Unglückliche, die das Elend in Verzweiflung stürzte. Unter diesen befand sich der bekannte Freund Mirabeaus, der Arzt Cabanis, welcher sonst 25,000 Livres Renten aus den öffentlichen Fonds gehabt hatte, und nun im 68sten Jahre, bey dem Staatsbankerotte, in das tiefste Elend versetzt war, wie alle Rentenirer. Eine schwangere Frau stürzte sich vom 5ten Stockwerke auf die Straße. Eine andre sprang in einen Brunnen. Ein alter Mann stieß sich auf öffentlicher Straße ein Meßer in die Brust. Ein andrer stürzte sich in die Seine. Fast täglich waren die Pariser Blätter mit Selbstmorden, Meuchelmorden, Raub, und Diebstahls-Geschichten angefüllt. unter den Selbstmördern verdient Charlier, einer der Jacobinischen Unmenschen, angeführt zu werden. Seine Stelle als Mitglieds des Raths der Alten, konnte ihn für die Strafe der höhern Gerechtigkeit nicht schützen. Er fiel aus dem Unsinne der Verbrechen endlich in den Wahnsinn der Verzweiflung, und erschoß sich. Ein Pariser Journalist erzehlt, Charlier habe oft, mit wüthendem Schreyen gerufen, "Schatten Ludwigs, willst du mit denn keinen Augenblick Ruhe laßen?"

Indem Unglück und Elend so viele Menschen umbrachte, überließen sich diejenigen, die die Revolution, und die gegenwärtigen Umstände reich gemacht hatten, allen Arten der Verschwendung. Die Gastmale, Bälle, und Feste der Bereicherten zeigten auffallende Ueppigkeit und Glanz. Man sahe in Paris zugleich den Contrast der beyden Extreme, des Jammers, und der Freude.

Das allgemeine Elend überwog die partielle Freude so sehr, daß auch die Siege in Italien keinen öffentlichen Eindruck machten. Außer den beyden Räthen, und den Directoren hörte fast Jedermann die neuen Siegs-Nachrichten mit eben solcher Gleichgültigkeit an, als die Berichte von dem verunglückten Brester Seezuge. Buonaparte konnte durch übersandte Trophäen, und die Schätze von Loretto, wo er jedoch nur eine Million an Geld und Kostbarkeiten gefunden hatte, höchstens nur die Neugierde, aber keine Glückwünschungs-Ruffe für die Republik erwecken. Man sagte, "die Lorbeern, die Buonaparte sendet, bedecken nur unser innres Elend, wie Adam seine Blöße mit Feigenblättern bedeckte."

Das Directorium benutzte unterdeßen die Erniedrigung des Pabstes dazu, daß durch ein Decret befolen wurde, alle Priester, die nicht den Constitutions-Eyd geschworen, und alle andere, die Frankreich verlaßen wollten, dem Pabste, in die ihm übrig geblieben Staaten zu schicken. Man hielt dieses Decret für ein List, der katholischen Religion in Frankreich den letzten Stoß der Regierung beyzubringen.

Die Protocolle der ersten Verhöre der als Royalisten-Verschwörer eingezognen Personen, wovon wir im vorigen Monate Nachricht gegeben, bestätigen das Urtheil, welches wir schon damals fällten, daß diese Leute höchstens die Unvorsichtigkeit gehabt hatten, die Einbildungen ihrer Köpfe dem sie aushorchenden Escadrons-Chef Malo mitzutheilen. Es gieng auch das Gerücht, diese Protocolle wären durch Auslaßungen verfälscht worden. Der verhaftete Villeurnois sagte aus: "Die verschiednen Ideen, die ich auf ein Papier hingeworfen, ohne alle Verbindung mit einander, sind mir durch ein Conversation eingegeben worden, (m'ont été suggerées par une conversation que j'ai eue précédemment avec le Citoyen Malo) die ich mit dem Bürger Malo gehabt habe. (Malo war sein Ankläger.) Er sprach mit mir von der Gefahr, die man haben würde, wenn man ein müßiger Zuschauer bey den äußerst beunruhigenden Bewegungen der Faction der Jacobiner, und der des Herzogs von Orleans bleiben wollte, und wenn die gegenwärtige Regierung auf eine oder die andre Art gestürzt würde, so würde Frankreich von neuem im Blute ersäuft werden, wenn nicht Freunde, die ihr Vaterland liebten, einige Ideen, vor einer andern Administration vorbereitet hätten, die man unterstützen könnte." -- So lockte Malo den unvorsichtigen Männern die Herzens-Ergießungen ab, die sie zu criminellen Verbrechern machen sollten. Alles waren, wie die fernern Verhöre ergaben, nach den eignen Ausdrücken der Gefangnen -- "Ideen, so in Maße hingeworfen, wie sie sie im Publico gehört hatten, und deren Widersprüche selbst bewiesen, daß sie keinen formellen Plan zum Grunde hatten. Wenn es uns möglich wäre, das ganze Protocoll in voller Weitläuftigkeit, mitzutheilen, so würde man über die Machination dieser Verschwörungs-Angabe ein gar helles Licht bekommen. Da die Verhafteten von einem Tribunale, vor welches sie nach der Constitution gehören, gewiß würden freygesprochen werden, so hat man es mit stürmischen Debatten im Rathe der 500 durchgesetzt, daß sie vor ein Kriegs-Gericht gezogen werden sollten. Und -- um diese Competenz scheinbar zu machen, hat man vorgeschlagen, sie als falsche Werber, als Recruten-Werber für den Kron-Prätendenten, zu richten. Dawider haben denn nun die Arretirten sehr protestirt, und bis zum 9ten März hatte das Kriegs-Gericht es doch noch nicht gewagt, in dieser Sache das Urtheil zu sprechen.

Unterdeßen hatte die herrschende Parthey gesucht, neue Besorgniße für die Royalisten zu erregen, und eine (höchstwahrscheinlich erdichtete) Proclamation des bekannten General Puisaye, ausgestreut, und die Nachricht verbreiten laßen, daß Puisaye zu Laval wirklich arretirt worden sey. Aber die Unwahrheit dieser Nachricht wurde bald bekannt, und Puisaye, der schon mehr wie einmal arretirt, erschoßen, und wieder arretirt seyn sollte, ist immer noch da, wo Niemand weiß daß er ist. –

Indem die herrschende Obermacht die Royalisten-Parthey verfolgte, ließ sie auch die Parthey der Anarchisten durch die Eröfnung des National-Gerichtshofes zu Vendome, über Baboeuf, Germain, und Complicen, in Schrecken setzen. Diese so lange Zeit her fast ins Vergeßen gekommene Verschwörung gab durch die am 20sten Februar angefangnen Verhöre der Schuldigen, wiederum neues Intereßse. Aber die Conspiranten wollten den Gerichtshof auch nicht anerkennen, verlangten die Mittheilung aller vorherigen Protocolle, und betrugen sich mit einer Insolenz und Verwegenheit, die in Erstaunen setzte. Man sahe dem Ausgange der Verschwörungs Inquisitionen mit Neugierde entgegen.

Aus den Provinzen kamen üble Nachrichten nach Paris. Im mittägigen Frankreich dauerten die blutigen Scenen des bürgerlichen Krieges zwischen den verschiednen Partheyen mit vieler Wuth fort. Zu Avignon wurde viel Blut vergoßen, aber nach mehrern Gefechten hatten die Anarchisten die Oberhand behalten. So waren auch zu Toulouse, Tours, und an mehrern Orten mördrische Kämpfe gewesen. Nach den neuesten Berichten hatten die Vorbereitungen der Volks-Versammlungen zu den neuen Wahlen an vielen Orten einen neuen bürgerlichen Krieg erregt.

Auch diese beunruhigende Nachrichten suchte die Regierung durch auswärtige Kriegs-Nachrichten zu unterdrücken. Man machte mit vielem Geräusche bekannt, daß eine kleine Escadre mit Landungs-Truppen am 16ten Februar von Brest abgesegelt sey. Dieß waren die zwey Fregatten, welche 1400 Mann Galeeren-Sclaven und zu Ketten verdammte Verbrecher in Pembrokeshire in England, ans Land setzten, und die sogleich, bey ihrer Erscheinung, gefangen wurden, wie an andern Orten erzehlt ist. Da dieses so schnelle Mißglück in Paris bekannt wurde, machte man sogleich das Vorhaben einer neuen großen Landungs-Expedition bekannt, welche zu Dünkirchen vorbereitet wurde, und wozu schon 40 Schiffe bereit waren. Man sahe wirklich zu Dünkirchen große Rüstungs-Anstalten, und im Anfange des März schon über 12,000 Mann Truppen, welche noch aus den Niederlanden her Verstärkungen erhalten sollten. Man gab auch der Holländischen ausgerüsteten Kriegs-Flotte im Texel von 10 Linienschiffen die Bestimmung, daß sie jene Dünkirchner Expedition decken, und sich mit der Französischen Flotte zu Brest vereinigen sollte, zu welcher Vereinigung auch die große Spanische Kriegs-Flotte von Cadix aus bestimmt war. Das Schicksal vereitelte aber, wenigstens vorerst, diese Bestimmung, da die Spanische Flotte durch die Englische des Admirals Jarvis bey Cap Vincent eine so große Niederlage erlitte, wie in andern Kapiteln erzehlt ist.

Ueberhaupt suchten die Französischen Gewalthaber noch die äußersten Kräfte gegen England anzustrengen, um diesen übermächtigen siegenden Feind zu bekämpfen.

Wir haben schon mehrmalen der neuen Stimmung in Frankreich, in Absicht der religiösen Gesinnungen erwähnt. Die Folgezeit bestätigt unsre Nachrichten. Je härter die Regierung die Katholische Religion in Frankreich bedrückte, desto mehr erhielt sie neue eifrige Anhänger, selbst von solchen Personen von Ansehn, die vordem ganz andre Gesinnungen gezeigt hatten. Der bekannte Gelehrte, de la Harpe, hat vor kurzen eine Schrift herausgegeben, die viel Sensation macht, die den Titel führt: Vom Fanatismus, in der Revolutions-Sprache; oder die Verfolgung des Christenthums und der Priester, im achtzehnten Jahrhunderte. (Du Fanatisme, dans la langue revolutionaire, ou la persecution dans le dix huitiême Siècle contre le Christianisme, & les Prétres.)

Eine andre Schrift, welche in Paris und in ganz Frankreich großes Aufsehn macht, ist ein Werk des H. Neckers über die Französische Revolution. Man nannte sie in Paris; eine Anklage-Schrift der Republicanischen Regierung. Mit Verwunderung las man folgende Stelle in dieser Schrift: "Die Stütze der Ordnung, die Stütze der Freyheit, die Stütze des Zutrauens, die Stütze des Glücks ist die Moral, und die Moral selbst hat nöthig, von einer großen Idee unterstützt zu werden, die außerhalb des Bezirks unsrer methodischen Raisonnements, und doch leicht faßlich für das Volk ist." --


April.[]

Frankreichs Zustand. Begebenheiten.

Alle die großen Fortschritte der Französischen Truppen, und ihre durch Uebermacht siegreichen Züge bis gegen Wien hin, machten im Innern von Frankrei_h, und in Paris selbst keinen großen Eindruck. Niemals, sagte der Verfaßer der Gazette Nationale, sind die Französischen Waffen so weit gekommen, und dennoch beschäftigt sich die öffentliche Aufmerksamkeit nicht mit diesen Wundern, die man in vorigen Zeiten durch Gesänge, Hymnen, dramatische Prologe, Allegorien, und Triumph-Bogen gefeyert haben würde. Als die Kanonen die Einnahme von Triest verkündigten, sagte man, ist es weiter nichts? man glaubte entweder die Gefangennehmung des Erzherzogs Carl, oder den Friedens-Schluß angekündigt zu hören. Selbst in den beyden Räthen erklärten viele der geschätztesten, und weisesten Mitglieder, daß die die neuen und unaufhörlichen Siege nur als Fortschritte zum Frieden achteten, da die Erfahrung aller Jahrhunderte beweise, daß zu weit ausgedehnte Eroberungen immer den Sturz der Republiken verursacht haben.

Zu welchem Zwecke, sagte man öffentlich in Paris, sollen uns alle diese unaufhörlichen Siege führen, die dem Blutvergießen kein Ende machen? Man hatte uns gesagt, daß der Friede in Mantua wäre. Mantua ist unser, und man schlägt sich mit mehr Erbitterung als jemals. Wo soll das Ziel unsrer Eroberungen seyn? Wollen wir Blutströme durchwaden, um den Frieden in Kamschatka zu suchen?

Mitten unter den Triumphen der Truppen, wurde Frankreich innerlich immer schwächer, und verlor immer mehr von den noch übrigen Resten seines ehmaligen Wohlstandes. Nach einem von dem Minister des inländischen Departements dem Rathe der 500 vorgelegten Etat, welcher, wie leicht zu erachten, sehr günstig abgefaßt war, betrug die Ausfuhre in Frankreich, gegen die Einfuhre im vorigen Jahre, drey Millionen weniger; allerdings ein kleines Deficit im ersten Anblicke, aber für den statistischen Kenner von Frankreich, erschrecklich, und für jeden, der da weiß, daß sonst der Gewinn Frankreichs in der Handels-Bilanz jährlich über 70 Millionen betrug. Und wenn man erwägt, welche Schaaren der am meisten des Unterhalts bedürftigen Menschen, außerhalb Frankreich sich ernährten, für welche die Einfuhre in diesem Zeitraume nicht nöth-g war, und die Ausfuhre in vielen Artikeln vergrößert wurde, so wird dieser Etat für den Staats-Arithmetiker, ein noch schrecklicherer Beweis von dem innern Unvermögen Frankreichs.

Die Finanz-Umstände der Regierung geben dieses Unvermögen auf vielfache traurige Art allgemein, und öffentlich zu erkennen. Die jetzige Regierung ist in die Verlegenheit der vorigen, in ihrer letzten Zeit, gefallen. Von den Abgaben, die in diesem Jahre fällig sind, hat sie schon einen großen Theil im voraus verzehrt. Für die verkauften National-Güter, ist alles, was eingekommen ist, längst hinweg, und was noch rückständig ist, nicht mehr einzutreiben; da viele Personen theils nicht bezahlen wollen, theils nicht können. Die Anweisungen auf den National-Schatz, die schon längst gebräuchlich gewesen, wie im Journale angezeigt worden, verlieren 35 bis 50 Procent. Die Rentenirer können nicht mehr bezahlt werden. Selbst die Besoldungen wurden nur theilweise gegeben. Man hat angefangen neue Auflagen auf Taback, und auf Salz zu legen, über welche Auflagen man der vorigen Regierung so bittre Vorwürfe machte. Dabey waren die Verschwendungen an die bey den Regierungs-Departements angestellten Personen, größer wie jemals. Das Directorium brauchte für sich, in diesem Jahre, 1 Million, 500,000 Livres. Die beyden Räthe 6 Millionen, 719,000 L. Der Kriegs-Minister 95 Millionen. Der Minister des Innern 56 Millionen, der Minister der Marine 138 Millionen; die Policey 3 Millionen und die Commißarien der Central-Administrationen 3 Millionen.

Es ist eine für jeden Unpartheyischen unleugbare Wahrheit, welche durch die unverwerflichsten Zeugniße, durch schriftliche und mündliche Berichte bestätigt wird, (so wenig oder nichts davon man auch in den öffentlichen Blättern findet) daß die jetzige Regierung, vornehmlich das Directorium in Paris, und ganz Frankreich allgemein verhaßt ist, und daß die despotischen Maasregeln, wodurch die Directoren ihre Gewalt behaupten, durch offenbare Ungerechtigkeiten, und schreyende Mißbräuche der Autorität, alle Herzen gegen sie empören.

Einen solchen Gewaltsstreich, dergleichen sich kein Monarch erlauben darf, verübte das Directorium über die wegen eines Royalisten-Complotts, verhafteten, vor eine Militair-Commißion gestellten Personen, deren schon im vorigen Monate gedacht worden. Durch chicaneuse Verdrehungen wurden sie als fremde Werber, und Soldaten-Verführer vor das Kriegsgericht gestellt, weil sie dem Rittmeister Malo, ihrem Ankläger, Belohnungen an Geld und Würden versprochen hätten, wenn er für Ludwig dem XVIIIten wirksam seyn wollte. Der Unwille des Publicums über diese militairische Procedur wurde durch die Umstände sehr vermehrt. Das Caßations-Tribunal verbot dem Kriegs-Gerichte in einer Sache das letzte Urtheil zu fällen, deren letzte Instanz, nach der Constitution das Caßations-Tribunal sey. Das Directorium verbot dem Kriegsgerichte, dem Caßations-Tribunal Folge zu leisten. Dieses verklagte das Directorium bey den gesetzgebenden Räthen. Aber die Parthey des Directoriums war in dem Rathe der 500 so stark, daß die Klage des Caßations-Tribunals verworfen wurde. Dabey hörte man von der Minorität der Mitglieder selbst sehr bittre Beschwerden, über die anmaaßende, gesetzwidrige Gewalt der Directoren. In einer heftigen Bewegung schrieben viel Deputirte: "Wie weit wollen sie noch ihre Gewalt treiben? Sie wollen uns in Schrecken setzen. Es ist um die Freyheit geschehen." Die öffentlichen Pariser Blätter überhäuften die Directoren mit Vorwürfen. Alles rührte sie nicht. Sie ließen vielmehr durch den Justiz-Minister dem niedergesetzten Kriegsgerichte befehlen, ihre Urtheile zu beschleunigen. Das Volk nahm an den Verhören so starken Antheil, daß es in großen Schaaren nach dem Hotel de Ville, wo die Commißion ihre Sitzung hatte, hinstürmte, und das Directorium hielt es für nöthig, ein starkes Detaschement Soldaten hinzuschicken, und den Gerichtshof zu einem Lager zu machen.

Von den Angeklagten sagten Brottier, Dunan, (Duverne de Presle) und Villeurnois einhellig aus, daß ihre Ankläger, Malo, sich bey mehrern Gelegenheiten gegen sie so erklärt, und solche Gesinnungen geäußert habe, daß sie ihn für einen gar zu heftigen Royalisten hätten halten müßen, daß er, einige Tage nach der Bestürmung des Lagers zu Grenelle, gesagt habe, es sey ein Unglück, daß Ludwig der XVIIIte in jenem Zeitpuncte nicht in Paris gewesen sey, weil er blos durch die Dragoner (bey welchen Malo Rittmeister ist) wäre auf den Thron gesetzt worden; daß Malo selbst ihnen Plane einer Contre-Revolution vorgelegt hätte, und sie eingeladen hätte, zu ihm zu kommen, da er sie denn hatte gefangen nehmen laßen. Brottier und Duverne sagten aus, daß sie, anstatt Unruhen zu erregen, vielmehr die Royalistische Parthey davon abgebracht, und selbst Ludwig dem XVIIIten gerathen hätten, allen seinen Agenten ein ruhiges Verhalten zu befehlen, weil dadurch der Zweck am besten von der Zeit herbey geführt werden würde, und daß diese ihre Maaßregeln den Puisaye, und andre, von Ergreifung der Waffen abgehalten, und sie sich das Verdienst der Ruheerhaltung erworben hätten." Solche und andre offenherzige Bekenntniße wirkten nicht allein auf das allgemeine Publicum, sondern machten auch auf die Richter Eindruck. Nach geendigten Verhören giengen diese zu einer Berathschlagung, welche von drey Uhr am 7ten April bis 1 Uhr des Nachts dauerte, und deren Resultat das Urtheil war: "daß Brottier und Duverne de Presle zu einem zehnjährigen Gefängniße, Poly zu einem Gefängniße auf 5, und Lavilleurnois auf ein Jahr verurtheilt, die übrigen Mitbeschuldigten aber alle freygesprochen wurden, außer zweyen Personen, Leserteur und la Houßaye, welche an ein anderes Gericht verwiesen wurden.

Mit diesem Urtheile, worüber das Publicum seine Zufriedenheit laut äußerte, waren die Directoren nicht zufrieden. Sie ließen die Gerichteten, von neuem ins Gefängniß werfen, und befahlen, das sie noch einmal gerichtet werden sollten. "Das gegebne Urtheil, sagten sie in ihrem Decrete, spricht die Gefangnen nur in so fern frey, als sie wie fremde Werber und Soldaten-Verführer angeklagt waren; nun sollen sie noch einmal als solche gerichtet werden, die eine Verschwörung gegen die innere und äußere Ruhe der Republik angezettelt haben. Zwar waren schon dem Kriegsgerichte alle Acten vorgelegt worden, zwar waren schon alle Aussagen der Beschuldigten vollständig, zwar waren sie selbst von dem Directorio als Werber dem Gerichte übergeben worden, und es war kein Gedanke von einem andern Gerichte gewesen, in der Voraussetzung, daß "wenigstens die meisten der Verhafteten würden zum Tode verdammt werden" wie ein Pariser Journalist sehr naiv sagte. Allein da das Kriegsgericht das Todes-Urtheil nicht aussprach, so ließen die Directoren die Gerichteten nochmals wieder einem andern Criminal-Gerichte überliefern, und sie ins Gefängniß führen, und auf eine neue Weise anklagen.

Man muß sich wundern, daß die Directoren den fast allgemeinen Haß, in dem sie standen, durch eine solche barbarische Tyranney vergrößerten, da durch die Hauptpersonen der angeblichen Verschwörung nicht in Freyheit kamen, sondern zu einer langen Gefangenschaft verdammt worden. Man kann leicht erachten, daß die öffentliche Stimme sich über solch Verfahren laut erhob. Man machte in den Pariser Journalen die richtige Bemerkung, daß keiner von allen Tyrannen Frankreichs dergleichen gethan habe, noch habe thun dürfen.

Einen frappanten Contrast mit dem Verfahren gegen die Royalistischen Verschwörer machte jener Gerichtshof zu Vendome, der die Jacobinischen Verschwörer, Baboeuf und Complicen, deren oft schon erwähnt worden, richten sollte. Die Angeklagten bewiesen fortdauernd die wütendste Heftigkeit gegen die Richter, bezeigten sich als unsinnige Spötter, lachten den Richtern ins Gesicht, und zogen durch unaufhörliche Zwischenfälle, und Einwendungen die Verhandlung so in die Länge, daß man noch keinen Ausgang sahe.

Diese und mehrere andere Umstände führten neue Beunruhigungen herbey. Es formirten sich Partheyen. Man wollte neue Complotte entdeckt haben. Die Directoren ließen selbst in ihrem officiellen Blatte: le Redacteur, anzeigen, daß eine neue Verschwörung vorhanden sey, daß man die Directoren ermorden wollen, aber daß sie ihre geheimen Kundschafter und Freunde in der Mitte der Verschwornen hätten, welche ihnen alles verrathen würden. Daß die Regierung Spione hatte, sie sich verstellten, als wenn sie Feinde der Directoren wären, bey den Feinden der Directoren falsche Brüder wurden, und alles an die Directoren verriethen, wußte man wohl, und hatte davon schon Beweise. Es kam nun drauf an, ob die Gegenparthey der Directoren, die sehr zahlreich war, dennoch ihre Absichten durchsetzen, und die Directorialische List der Spione besiegen konnte.

Unterdeßen waren in dem Rathe der 500 viele wieder zu der Jacobiner-Parthey übergegangen. In dem Journale, l'Historien, zeigte einer der schätzungswerthesten Mitglieder des Raths der 500, Dupont de Nemours an, daß das Directorium selbst neue Projecte vorbereite, nachdem es dem ersten Projecte, eine große Anzahl von Deputirten, 184 als Verschwörer anzugeben, und dergestalt alles in Furcht zu setzen, entsagt hätte, so habe es nun andere Plane gemacht, um diejenigen Deputirten zu stürzen, und zu entfernen, die nicht von seiner Parthey wären. Diese Plane bezögen sich auch auf die neuen Wahlen, im Falle daß die neuerwählten Deputirten den Directoren nicht gefällig seyn würden. Poultier kündigte in seinem Journale einen neuen zehnten August an. In Paris verbreitete man allgemein, daß die Directoren mit den Jacobinern in geheimer Verbindung ständen. Indeßen wurden wieder Versammlungen von den Häuptern der verschiednen Partheyen gehalten, und eine Parthey beschuldigte die andre, daß sie neue Unruhen erregen wolle. Das officielle Blatt des Directoriums schilderte das vielfache Unglück, welches ein Triumph der Royalistischen Parthey über die Republik bringen würde, und drohte mit dem kräftigsten Widerstande der Directoren.

Obgleich an verschiednen Orten, besonders im südlichen Frankreich, in den Urversammlungen stürmische, und zum Theil blutige Auftritte vorgefallen waren, worüber Berichte und Klagen einliefen, welche den Rath der 500 in vielen Sitzungen beschäftigten, so war doch in den vornehmsten Städten, und in Paris selbst, die Ernennung der Wahlmänner ruhig vor sich gegangen. Nach den einstimmigen Urtheilen von allen Orten sind dazu größtentheils solche Männer ernannt worden, deren gute Gesinnungen, Einsichten, und Geisteskräfte gerühmt werden. Viele Namen sind auch im Auslande mit ehrenvoller Auszeichnung bekannt. Ohnerachtet aber man allgemein hofte, daß der National-Geist nach den Grundsätzen zurückkehren würde, die allein das Glück der bürgerlichen Ordnung sichern können, und so wenig auch die Jacobiner in den Urversammlungen hatten ausrichten können; so war man doch allgemein in aengstlicher Erwartung, auf die Wahl der Deputirten selbst, und auf den Ausgang der Wahlversammlungen. Es sollten 250 Deputirten gewählt werden, und man rechnete über 300 tausend Competenten in Frankreich. Am 9ten April giengen die eigentlichen Wahlen in der ganzen Republik an, und am 19ten April sollten sie geendigt seyn. Die Nachrichten gehen beym Schluße dieses Artikels nur bis zum 10ten April. Wir werden die fernern Nachrichten von dieser merkwürdigen Epoche für die Französische Republik, noch in einem eignen, unten folgendem, Artikel mittheilen.


Mai.[]

Frankreichs Zustand. Begebenheiten.

Indem die Jacobinische Parthey alle Hofnung verlor, ihre Mord-Regierung wiederum empor zu bringen, und sich von der Allgewalt der allgemeinen Stimmung, und der wahren National-Kraft niedergedrückt sahe, bestrebte sie sich noch etwas zu wagen. Sie bediente sich dazu des Mittels, welches Robespierre, und seine herrschende Bande so oft zu schrecklichen Blutvergießungen angewandt hatte. Aber eben weil dieß Mittel eine zu abgenutzte Bosheit war, so that es keine Wirkung. Der mördrische Anfall auf Sieyes sollte nämlich zur Gelegenheit diesen, zu erklären, daß die Republik in Gefahr sey, und man große Maaßregeln ergreifen müße, daß heißt, das Schrecken wieder an die Tags-Ordnung setzen, und eine Revolutions-Blut-Regierung einführen müße. Nach der öffentlichen Angabe der bekannten Pariser Zeitung, la Quotidienne, waren selbst im Directorio ein Paar Mitglieder geneigte, eine solche Bothschaft an das gesetzgebende Corps ergehen zu laßen. Aber andere Mitglieder widersetzten sich mit solchem Nachdrucke, daß man das Project aufgeben mußte. Eine Parthey Ruhestöhrer hatten sich vorgenommen, wenn die Bothschaft ergangen wäre, eine Büste von Sieyes durch die Straßen von Paris zu schleppen, und das Volk zum Aufruhr zu electrisiren. Dieß mußte freylich nun auch unterbleiben, da die großen Maaßregeln nicht ausgeführt werden konnten. Indeßen machte doch ein Mitglied des gesetzgebenden Corps, der bekannte Lamarque, einen Versuch, Feuer anzulegen. Er hielt eine Rede, in welcher er in dem ehmaligen Tone der Berg-Parthey sprach, und den Anfall auf den Ex-Abbé Sieyes für die erste Wirkung eines durch die ganze Republik ausgebreiteten Complotts gegen die republicanischen Patrioten angab, welches die äußersten Maasregeln nöthig machte; da seine Rede aber aus leeren Declamationen, und Exaltationen, ohne die geringsten Beweise bestand, so wurde er mit Murren, und Mißbilligungen überhäuft, und mußte die Bühne, mit völlig verlornem Endzwecke, verlaßen. Der Verfaßer der Quotidienne sagt: die rechtlichen Leute (les honettes gens) dürfen doch noch kein Te Deum singen, der Feind wird den Angriff wiederholen. -- Die Gelegenheit, welche Sieyes gegeben hatte, gieng jedoch vorbey; er wurde von seiner Wunde wieder hegestellt, und sein Mörder, ein geschworner Priester, und nachheriger Jacobinischer Revolutionair, Poule, gab in seinen Aussagen an, daß er mit keinem Menschen wegen seiner That im Verständniße gewesen, daß ihn die Verzweiflung über sein Elend, und die Härte, mit welcher ihn Sieyes, bey seinem Bitten um Allmosen, behandelt, zu seiner gewaltsamen That gebracht habe. Nach war am 10ten Mai der Mörder vor kein Gericht gestellt, und kein Urtheil über ihn gefällt worden.

So wenig die Jacobinischen Manoeuvres in Paris gelangen, eben so wenig richteten die Insurrections-Ermahnungen in den Provinzen aus. Es kamen zwar Gesandte von der Brüderschaft in der Vorstadt St. Antoine an, aber sie giengen mit der wenig trostreichen Antwort zurück, daß keine wirkliche Insurrection zu hoffen stände, wenn sich nicht einige Volks-Repräsentanten, oder einer der 5 Directoren an die Spitze stellte. Ein Wagestück, welches ein Anhänger Robespierres, Canebray, Commandant im Manche-Departement versuchte, indem er wirklich eine Insurrection ankündigte, und schon organisirte, wurde auch bald vernichtet. Die Orts-Obrigkeiten trafen sogleich militairische Verfügungen gegen den Empörer, und ließen ihn arretiren.

Die öffentliche Meynung war schon allenthalben so mächtig geworden, daß kein Widerstand gegen sie bestehen konnte. Sie neigte sich offenbar zum Royalismus, und die sogenannten puren Republicaner verminderten sich täglich. In den ersten Tagen des Maimonats verkaufte man in Paris in den Buchhandlungen und Neuigkeits-Buden, und verschickte durch die Posten nach den Provinzen, ein sogenanntes: Glaubensbekenntniß der Politik und der Religion: in welche Schrift man offenbar die Wieder-Einführung der Monarchie verlangte. Selbst im Directorio gab es Männer, welche für eine monarchische Verfaßung günstig dachten. Nicht allein Carnot, sondern sogar auch Barras hatten solche Gesinnungen. Man machte dabey die Bemerkung, daß kluge Leute auf die Zukunft zu sehen pflegen, und in Paris war jedermann überzeugt, daß der gegenwärtigen Staats-Verfaßung eine wesentliche Veränderung bevorstehe.

Die ersten Wochen des Maimonats hindurch beschäftigten die Friedens- und andre auswärtige Angelegenheiten das Publicum. Nie war eine Freude reiner, allgemeiner, und gegründeter, als diejenige, welche die Verkündigung des Friedens mit dem Kaiser, erweckte. Es ist davon bereits in dem obigen Briefe aus Paris erwähnt worden. Im Rathe der 500 schwenkte man die Hüthe in die Höhe, mit enthusiastischen Freuden-Geschreye. Ein Mitglied, Dumolard, hielt eine feurige Rede, in welcher er den Frieden prieß, und ein Decret vorschlug, welches auch genehmigt wurde: "daß sich die braven Armeen beständig um das Vaterland, und nun um die Menschheit wohl verdient gemacht hätten."

Ungewöhnlich, und auffallend war es, daß die Directoren den Inhalt der Präliminair-Friedens-Artikel nicht öffentlich bekannt machten, sondern nur drey für Frankreich vortheilhafte Puncte, anzeigten, nämlich die Abtretung Belgiens an Frankreich; die Anerkennung der Grenze Frankreichs und Unabhängigkeit einer Republik in die Lombardey. -- Es sind aber schon an andern Orten unsers Journals die Gründe angeführt worden, welche eine Geheimhaltung des ganzen Inhalts des Friedens-Tractats verursachten. Diese Gründe walteten noch ob, als am 9ten Mai der General Maßena die Ratification des Kaisers über die Friedens-Artikel gebracht hatte, und die Ratification des Directoriums schon in Wien angekommen war. -- Bis zum 12ten Mai, als so weit, in diesem Augenblicke, die Nachrichten aus Paris gehen -- war noch nichts von dem bestimmten Inhalte der Friedens-Präliminarien öffentlich, authentisch bekannt. Man wußte indeßen wohl, daß die Maas die Grenze von Frankreich machen sollte, und daß der Kaiser für Belgien durch Venetianische Provinzen entschädiget, und Mantua und einen Theil der Lombardey wieder zurück erhalten würde.

Die Hofnung, daß auf den Oesterreichischen Frieden bald der allgemeine folgen würde, verbreitete sich. Auch mit England hofte man einen baldigen Waffenstillstand zu Stande zu bringen. Dieser mußte die Friedens-Vergleiche Spaniens, und Portugalls nothwendig herbeyführen. Doch hatte der Portugiesische Gesandte Paris verlaßen müßen, da er die Französische übertriebne Forderungen durchaus verweigert hatte. Die Streitigkeiten mit den Americanischen Freystaaten hatten zugenommen. Das Französische Directorium sahe besonders den letzten Handlungs-Tractat zwischen America und England als einen starken Beschwerde-Grund an, und gab Ordres zur Aufbringung der Americanischen Schiffe. Man hielt den Krieg für erklärt, glaubte aber nicht, daß er von langer Dauer seyn, und nur der Französisch-gesinnten Parthey in America das Uebergewicht verschaffen sollte.

Von dem neuen Kriege gegen Venedig ist an andern Orten gehandelt. Hier bemerken wir nur, daß auch dieser Krieg gleich bey seinem Anfange geendigt zu seyn schien, da die Republik Venedig der Französischen Uebermacht alle Forderungen zugestehen mußte, durch deren Erfüllung eben der Friede mit dem Kaiser seine Vollständigkeit erhalten sollte.


Juni.[]

Frankreichs neue Epoche. Neue Partheyen. Innrer Zustand. Finanzen. Begebenheiten.

Ohnerachtet der Beunruhigungen, welche die anarchische Parthey der Stadt Paris durch ihre Bemühungen, Tumulte zu erregen verursachte, und der Gefahr, in welcher sich Paris in den letzten Tagen vor dem Eintritte des neuen Drittheils in die beyde gesetzgebende Corps b_fand, ist doch diese wichtige neue Epoche, ohne Ruhestöhrungen herbeygekommen, und der 20ste Mai gab der Französischen Republik eine Majorität von Gesetzgebern, deren Einsichten und Denkungsart beßere Zeiten für Frankreich, als die bisherigen waren, hoffen laßen.

Lamarque, der nur zu bekannte und zu ausgezeichnete Mann der Montagne|Jacobinischen Berg-Parthey, verließ an jenem Tage den in den letztern Wochen beseßnen Präsidenten-Stuhl im Rathe der 500, und machte dem Generale Pichegru Platz, welcher, sobald die Vollmachten des neue Drittheils der Deputirten anerkannt waren, einstimmig zum ersten Präsidenten der neuen Versammlung erwählt wurde. Das erste Gesetz der ersten Sitzung bestand in einer Gerechtigkeits-Handlung. Die Wahl des (abwesenden) zum neuen Deputirten ernannten, berüchtigten Robesperrianer Barrere, wurde für null und nichtig erklärt. Eben so zeigte die Wahl der vier neuen Secretaire die Stimmung der Majorität an. Die wohldenkenden Männer, Simeon, Vaublanc, Laviriere, und Parisot, erhielten diese Stellen. Auch wurden die fünf Deputirte, welche als Theilnehmer an dem Aufstande am 5ten October 1795 von ihren Stellen waren suspendirt worden, wiederum in den Rath zurückberufen.

Die ersten Sitzungen der beyden Conseils in der neuen Zeit gewährten den angenehmen Anblick von Einigkeit und Ordnung. Die Mitglieder der zwey neuern Drittheile umarmten sich, mit der Vergnügen, welches man empfindet, wenn ein längst erwarteter Beystand endlich ankommt. Diejenigen Mitglieder der ehmaligen Convents, welche sich durch gemäßigte Denkungsart ausgezeichnet haben, vereinigten sich mit der weisen, und guten Majorität. Die andern noch zurückgebliebnen Convents-Männer nahmen eine affectirte Zufriedenheit an, da sie Ruhe und Ordnung herrschen sahen.

Aber bald zeigten sich die Wirkungen der Partheyen, da die Wahl eines neuen fünften Directors vorgenommen wurde. In dem Directorio hatte das Loos den Director Letourneur getroffen, seine hohe Stelle verlaßen zu müßen. In einigen Journalen las man: daß Letourneur für den Preis von 400,000 Livres, welche ihm die 4 andern Directoren gegeben, sich das Loos des Abganges habe zuspielen laßen. Ein Pariser Journal kündige wirklich, 5 Tage vorher, ehe das Loos gezogen wurde, unter den Augen der Directoren an, daß der durch das Loos abgehende Director Letourneur seyn würde.

Wir haben schon zu andrer Zeit von derjenigen Parthey, die den so genannten Club von Clichy ausmacht, und dem Clubbe von Noailles entgegen arbeitet, geredet. Der Club von Clichy wird als Royalistisch von den Jacobinern gehaßt. Nach unsern Nachrichten arbeitet diese vereinte Gesellschaft an der Rettung des unglücklichen Frankreichs; der Club von Noailles hingegen sucht, unter dem Blendwerke von republicanischem Patriotismus, die Jacobinischen Maximen der Anarchie wieder empor zu bringen. Jene Vereinigung erhielt durch den Eintritt der neuen Deputirten einen starken Zuwachs; der Noaillsche Club wurde verhältnißmäßig so schwach, daß er selten Sitzungen hielt, und seine Plane vielmehr ins geheim schmiedete. Bey der Wahl eines neuen Directors zeigte er doch noch einen starken Einfluß. Er schlug eine Liste von Candidaten zur neuen Director-Stelle vor, die ganz andre Subjecte enthielt, als diejenigen, welche der Club von Clichy auf seine Liste setzte. Aber letzterer hatte die Entscheidung des Erfolgs. Der bisherige Gesandte der Schweiz, Barthelemy, wurde von dem Rathe der Alten zum Director erwählt, und das Publicum freute sich über diese Wahl. Barthelemy rechtfertigte gleich bey seiner Ankunft die Hofnung, die man von ihm hatte. Das Directorium hatte ihm bey seiner Ankunft eine Menge von so rauschenden, glänzenden Ehrenbezeigungen bestimmt, wie kein Fürst, kein Despot bisher sich hatte in den Sinn kommen laßen. Die Instructionen darüber waren weitläuftiger, als die wichtigsten Friedens-Tractate, und Instructionen zur Umstürzung ganzer Staaten. Der bescheidne und kluge Barthelemy sah das ridicüle eines solchen republicanisch-despotischen Pomps ein; er kam unvermuthet, incognito, in einem Miethwagen, am 5ten Junius des Abends in Paris an, stieg bey dem Präsidenten des Directoriums, Carnot ab, und übernahm seine wichtige Stelle, mit stiller Würde.

Die beyden oberwähnten Partheyen kamen immer mehr in Widerstand gegen einander, welcher bis zu Bitterkeiten gieng. Man besorgte, daß es zu stürmischen Auftritten kommen, und daß die Heftigkeiten, und Verschiedenheiten der Plane eine schreckliche Bewegung verursachen möchten. Ein stürmischer Auftritt ereignete sich auch wirklich schon am 3ten Junius. Die Gelegenheit dazu gab ein Bericht über den entsetzlichen Zustand der Westindischen Colonien. Tarbé sagte bey Anführung der Plünderungs- und Mord-Regierung des berüchtigten Santhonax, des Westindischen Robespierre, daß es Niemand wagen könne, diesen Unmenschen zu vertheidigen, und daß doch diejenigen die Untersuchung verzögern wollten, welche die Revolutions-Decrete gemacht, die ganz Frankreich in den Abgrund gestürzt hätten. Darüber liefen der gar sehr bekannte Merlin, und einige seiner Consorten in voller Wuth auf die Rednerbühne, ließen viele Invectiven hören, daß man ein neues System einführen wolle, und Merlin drohte allen denen, mit Dolchstichen und Ermordung, welche die Revolution wurden wollen rückgängig machen. (Non! la revolution ne retrograders pas; ceux, qui tenteroient d'aneantir la liberté, trouveroient ici leur tombeau.) Man beendigte die Scene durch den Vorschlag, daß ein neuer Bericht über den Zustand der Colonien erstatter werden sollte.

Die Colonial-Angelegenheiten, und die in Westindien verübten Greuelthaten haben nicht allein in dem Rathe der 500 unter den Partheyen Zwist veranlaßt, sondern auch das Directorium selbst in eine heftige Spannung mit den gesetzgebenden Corps gebracht, und große Ereigniße vorbereitet. Man beschuldigt das Directorium, daß es die Klagen der Colonisten stets unterdrückte, daß es die Verwüstungen, Ermordungen, und Tyranneyen auf den Westindischen Inseln verborgen gehalten, und theils geleugnet, theils zu beschönigen gesucht habe. Zwar rufte, unter solchen Andringungen das Directorium, den Greuelmann Santhonax, welcher in Westindien mit unbeschreiblicher Barbarey wütete, endlich zurück; aber damit war man im Rathe der 500 noch nicht zufrieden. Man verlangte eine strenge Untersuchung. Nun kamen zu den Beschwerden über das Directorium wegen der Colonien noch neue, in Betref des üblen Finanz-Zustandes hinzu. Man gab den Directoren und ihren Ministern und Agenten eine strafbare Verschwendung der öffentlichen Gelder, und eine so üble Staatswirthschaft Schuld, daß man neue Verfügungen für nöthig hielt. Man fand, daß unter den vielen Gebrechen, die die jetzige Constitution hat, auch ein Gesetz mangle, welches die Directoren, und ihre Agenten für ihre Vergehungen verantwortlich mache. Selbst Boißy d'Anglas, einer der Mitarbeiter an der Constitution, gestand ein, daß diese Lücke in der Constitution ausgefüllt werden müße. Auf seinen Vorschlag, den mehrere unterstützten, wurden beschloßen, eine Commißion zu ernennen, um die Art und Weise zu bestimmen, wie die ausübende Macht (das Directorium) und die Minister, und Agenten des Directoriums verantwortlich gemacht, und dieses Recht vollzogen werden sollte. So kam das Directorium in offenbaren Anspruch, und in Zwist mit dem gesetzgebenden Räthen. Von beyden Seiten erfolgten Bitterkeiten, und starke Schritte. Die Deputirten in den Räthen beschwerte sich, daß sowohl sie, als die öffentlichen Beamten des Staats, seit mehrern Monaten keine Besoldungen erhielten, daß hingegen scandalöse Contracte mit verschiednen Handels-Compagnien wegen Lieferungen für die Truppen und die Flotte, wobey Millionen verschleudert, und veruntreut worden, geschloßen wären. In einem Berichte von dem Präsidenten des Raths der Alten, Barbe-Marbois, wurden fast unglaubliche Dinge bekannt gemacht; "Man hat, hieß es in diesem Berichte, alles verzehrt, verkauft, veräußert, war nur veräußert werden konnte, unter andern, den berühmten Diamant, genannt der Regent, welcher für 7 Millionen Livres wegegeben worden. Die Republik habe 240 Millionen Contributionsgelder von fremden Nationen, im Kriege erhoben, welches die Hälfte der ordinairen Staats-Einkünfte Frankreichs betrage, und diese ungeheuern Summen wären in keiner Rechnung erwähnt worden. So habe man alles verschleudert."

Das Directorium beschwerte sich dagegen über die beyden Räthe, in einer Bothschaft voller bittern Ausdrücke, "daß die beyden Räthe, wohl 30 Vorstellungen über den schlechten Zustand der Finanzen erhalten hätten, ohne darauf zu achten, und alle Vorschläge des Directoriums in Finanz-Sachen mit Gleichgültigkeit angenommen, und ohne Beantwortung gelaßen, höchstens an bloße Commißionen verwiesen hätten. Es sey wahr, daß den Staats-Beamten keine Besoldungen ausgezahlt würden, aber es fehle überall an der Einnahme; die Einkünfte der Stadt Paris z. B. betrügen nicht den 20sten Theil deßen, was eingehn sollte; die eingegebnen Finanz-Berichte von den Staats-Einkünften wären grundlos, und falsch. Die Central-Verwaltung des Seine-Departements bedürfe alle Wochen 200,000 Livres, und es kämen niemals 180,000 Livres ein. Die beyden Räthen sollten Geld herbeyschaffen."

Man ersieht aus diesen Umständen, in welchen streitigen, und kritischen Verhältnißen sich die gesetzgebende Macht in Frankreich gegen die ausübende Macht befand. Nach unsern Berichten bereitete man von beyden Seiten stürmische Auftritte vor, und es schien, daß über die vier alten Directoren ein schwer Gewitter sich zusammenzog. Diese hatten auch ihren Anhang, und es wurde der Plan, die vier alten Directoren zu suspendiren, und Barthelemy zum einzigen Chef der executiven Macht ad interim zu ernennen, viel Kämpfe kosten.

Beyde Theile sind jedoch darinnen eins, daß sich die Finanzen der Republik in einer völligen Desorganisation befinden. Wir haben schon öfters, und noch im vorigen Monate, die falschen Vorspieglungen, und Unwahrheiten der Französischen Finanz-Berichte gerügt. Die Zeit, die alles ans Licht bringt, und so viele unsrer Bemerkungen und unpartheyischen Urtheile, bestätigt hat, zerriß auch endlich den Schleyer, den die Pralerey über den Finanz-Zustand geworfen hatte. Das Directorium selbst kündigte in mehrern Bothschaften dem Rathe der 500 an, daß die eingegebnen Finanz-Rechnungen falsch wären, daß die von der Finanz-Commißion zu 100 Millionen angesetzten Einkünfte der Einregistrirungs-Gebührden nur 54 betrügen, daß die Post-Einkünfte nicht, wie man angegeben, 12 Millionen, sondern nur etwas über 4 Millionen ausmachten, daß überhaupt ein Deficit von 106 Millionen vorhanden sey. -- Da diese einleuchtende authentische Data viel Eindruck auf das betrogne Volk machten; so fand sich bald ein gewißer Namens Aubin, der da mit betrügerischen Vorspieglungen beweisen wollte, daß Englands Finanzen noch weit schlechter wären. Aber es fanden sich auch gleich Gegner von dem falschen Statistiker, die Widerlegungen seiner Vorspieglungen dem Publico mittheilten.

Wie sehr begründet aber die Beschwerden über die Verschleuderung der Staatsgelder sind, davon gab unter andern der mehrmals erwähnte Gerichts-Hof zu Vendome einen neuen Beweis. Es kostete dem Staate 1 Million und 600,000 Livres, und sein ganz Geschäft bestand in dem Verhöre des Conspiranten Baboeufs, und seiner Complicen. Am 25 Mai sprach endlich der Gerichtshof das Urtheil. Baboeuf und Darthé wurden zum Tode verurtheilt, und am folgenden Morgen guillotinirt. Beyde hatten sich selbst, nach ausgesprochnem Urtheile, mit einem Stilette, vor den Augen der Gerichtsversammlung, schwer verwundet, so daß sie noch wenig Leben mehr hatten, als sie hingerichtet wurden. Der berüchtigte Drouet war bekanntlich schon lange aus dem Gefängniße entflohen. Sieben andre wurden zur Deportation verrutheilt, und die übrigen freygelaßen.

Ein andrer Gefangner, der Ex-Priester Poul, welcher den Ex-Abbé Sieyes verwundet hatte, wie zu seiner Zeit umständlich erzehlt worden (S. 436.) erhielt das Urtheil, 6 Stunden am Pranger zu stehen, und 20 Jahre in Feßeln gefangen zu sitzen. Er wurde von der Todesstrafe befreyt, weil erwiesen war, daß er sein Verbrechen nicht mit Vorbedacht begangen, sondern durch das harte Betragen des Sieyes gegen ihn, dazu verleitet worden. Sieyes war von seiner Wunde wieder geheilt, und schon einige male im Rath der 500 erschienen. Als ihn die neuen Deputirten zum erstenmale im Rathe sahen, betrachteten sie ihn genau, fragten ihre Begleiter: Est-ce là ce fameux abbé? und giengen sodann von um weg. Er wollte zur Wiederherstellung seiner Gesundheit eine Reise ins Bad machen. Die politische Witterung in Paris war auch der Gesundheit eines Mannes von seinen Maximen nicht sehr vortheilhaft.

Der Zustand des Innern von Frankreich war überhaupt in einer immer höher steigenden Zerrüttung. In den südlichen Provinzen wurde der bürgerliche fortdauernde Krieg so gefährlich, daß Buonaparte in Italien von den Directorium ersucht wurde, ein Corps Truppen, wenigstens 12,000 Mann stark, aus Italien dahin zu thun. In Paris selbst drohte man öffentlich mit dem Ausbruche von neuen Unruhen, und das Volk bezeugte noch mehr Unwillen gegen das Directorium, als die beyden Räthe; einen lauten Unwillen, der in Murren des bittersten Haßes ausbrach.

Es gereichte dem Directorium eben nicht zum Vortheile, und zur Verminderung der öffentlichen Meynung von demselben, daß es sich mit pomphaften Ceremonien, die die aller Königlichen Regierungen weit übertrafen, zum Schauspiele gab. Dergleichen sahe man am 8ten Junius, da im Audienz-Saale, mit feyerlichem Etiquetten-Pompe die Minister der Könige von Dänemark, von Neapel, und der Republik Genf, und der von Constantinopel zurückberufne Gesandte Verninac vorgestellt wurden, wobey man von allen Seiten geschmückte Ceremonien-Reden hielt, und die Gleichheit, Freyheit und Brüderschaft in den Personen der Bürger, Directoren genannt, in einem überköniglichen Gepränge glänzen sahe. Die Geschichte kann solche eitle Erscheinungen der philosophisch-democratischen Regenten nicht unbemerkt laßen. -- -- -- Wahrscheinlich haben sie auch selbst das unpaßende, und fast beleidigende für ihre Principien gefühlt, und es als eine Satire angenommen, daß die Ottomannische Pforte in der Depesche des Gesandten Verninac die Directoren nannte: Die unter den Großen ausgezeichneten Chefs, welche den Glauben von Jesus bekennen, die Stützen der Magnaten der Religion des Meßias!

Die beyden Räthe giengen mit Nachdruck zu Werke, da die Majorität der Guten stark wirkte, die Uebel und Ungerechtigkeiten der bisherigen Herrschaft zu heben, und beßre Zeiten herbey zu führen. Es ist eine wichtige Commißion ernannt worden, zur Untersuchung und Aufhebung der revolutionairen Gesetze. Es ist auch schon das seit der Revolution bestehende, drückende Gesetz, daß Niemand nach Paris kommen, oder aus Paris gehen konnte, ohne einen Paß und eine sogenannte Bürger-Charte vorzuzeigen, aufgehoben worden. Im Rathe der 500 ist, auf den Vorschlag des Deputirten Bergier, beschloßen worden, mehrere Commißionen von sachkundigen Mitgliedern zu ernennen, welche die Gegenstände bearbeiten, und reiflich erwägen sollen, die dem Rathe zur Discußion vorgelegt werden. Auch ist es in Antrag gekommen, die Rathsversammlungen nicht alle, wie bisher, öffentlich zu halten, sondern nur immer über den andern Tag eine öffentliche Versammlung anzustellen, um die Gegenstände zur Entscheidung genug vorzubereiten.

Der kritische innre Zustand des Landes zog die öffentliche Aufmerksamkeit von den auswärtigen Angelegenheiten ab. Doch sehnte sich alles nach dem Frieden, und man harrte mit großer Ungeduld auf die Bekanntmachung des Friedens-Tractats mit dem Kaiser. Noch hatte das Directorium bis zum 13ten Junius den beyden Räthen den bestimmten Inhalt dieses Tractats nicht mitgetheilt, sondern nur bekannt machen laßen, daß die Ratification der Präliminarien am 2ten Junius angekommen sey, welches von dem Tage der Unterzeichnung, den 18ten April angerechnet, ein äußerst auffallend langer Termin war.

Wie so häufig in Frankreich, so war auch hierbey die diplomatisch-officielle Anzeige unrichtig. Das Directorium ließ anzeigen, daß der Friede auf dem Schloße Eckenwald bey Leoben unterzeichnet worden. Es giebt so wenig ein Schloß Eckenwald bey Leoben, als ein Schloß Rewbel bey Paris. Der Friede wurde auf einem Gartenhause bey Leoben geschloßen, welches Gartenhaus einem Herrn von Eggenwald gehört. Solche Unrichtigkeiten muß der sorgfältige Geschichtsschreiber aus Pflicht rügen.

Der Friede mit dem Kaiser hatte England, und der schreckliche Finanz-Mangel Frankreich, zum Wunsche einer neuen Englisch-Französischen Friedensverhandlung bewogen. Der ehmalige Englische Gesandte in Turin, Lord Trevor, bekam die gesuchte Erlaubniß, über Paris nach England zurück zu kehren. Es war so geschickt und glücklich, eine neue Friedens-Einleitung zu bewerkstelligen. Das Directorium erklärte dem Hofe zu London, daß es mit Vergnügen neue Friedens-Eröfnungen anhören würde. Von England giengen darauf über Calais neue Anträge nach Paris, und von da annehmliche Antworten zurück. So wurde eine neue Friedens-Verhandlung eröfnet, von welcher in diesem Augenblicke noch weiter nichts, als Zeitungs-Gerüchte, bekannt sind. Wir werden nicht ermangeln, unsern Lesern, sobald die authentischen Berichte eintreffen, eine genaue historische Darstellung mitzutheilen. Bemerken müßen wir hier zur allgemeinen Beurtheilung, daß die mehreren Partheyen der regierenden oder an der Regierung Antheil nehmenden Männer den Friedens-Abschlüßen große Schwierigkeiten in den Weg legten. Es ist, mitten unter allen Ungewißheiten, nur zu gewiß, daß Buonaparte zu Leoben mehr accordirt hatte, als wozu er beglaubigt war, daß das Directorium in seinem Friedens-Puncten Abänderungen gemacht hat, daß eine starke Parthey noch immer bisher darauf bestanden, den Rhein zur Grenze von Frankreich zu machen, daß mehrere streitige Puncte den Abschluß des Definitiv-Friedens verzögert haben.


Nachrichten.[]

[2]

Januar..[]

Frankreich.

Ohnerachtet die fernern Berichte aus Frankreich, bis zum 16ten Januar, keine merkwürdige Begebenheit in dem Innern der Republik anzeigen; so enthalten sie doch Schilderungen von Umstanden, welche eine neue Krisis herbeyführen. Gegenwärtig ist das Directorium der Gegenstand des allgemeinen Haßes, und wird mit großen Gefahren bedroht. Um sich mit der Macht zu schützen, hatten die Directoren viele Truppen theils nach Paris, theils in die Nähe kommen laßen. 18,000 Mann waren in Paris, und 15,000 Mann erwartete man noch von den Armeen her, welche von jeder Compagnie 7 Mann hatten absenden müßen. Aber die Soldaten selbst, und vornehmlich die Officiere waren gegen die Directoren aufgebracht. Dabey bewieß der Rath der 500 eine sehr ungünstige Stimmung, und setzte die Directoren in die äußerße Verlegenheit, indem, alles Andringens ohnerachtet, die Berathschlagungen zur Abhelfung des Mangels der Finanzen keinen Fortgang hatten. Umsonst beschworen die Directoren den Rath der 500, um das Wohl des Vaterlands willen, schleunige Hülfe zu schaffen. Man beschwerte sich vielmehr in dem Rathe über das Directorium, welches sich zu viel anmaaße, und Gesetze geben wolle. So erhielten weder die Armeen, noch die Beamten, noch die Rentenirer, und Staatsgläubiger, noch die Lieferanten, Bezahlungen, und die ganze Staats-Maschine kam in Zerrüttung. Diejenigen welche näher unterrichtet seyn wollten, behaupteten, daß die Orleansche Faction dabey vorzüglich wirke, und Frankreich an den Rand des Verderbens bringen wolle, um an die Stelle der Directoren den Herzog von Orleans zu setzen, und so endlich den Zweck der Revolution bey ihrem Ursprunge, zu erreichen. Die unendliche Menge der Journalisten trug viel dazu bey, nicht allein die Directoren, sondern die beyden Räthe selbst noch immer verhaßter zu machen. Man verkaufte in Paris die Listen von denjenigen, welche im Convente für den Tod Ludwigs des XVI. gestimmt hatten, indeßen der Rath der 500 beschloß, daß der Todes-Tag des Königs, der 21 Januar, durch ganz Frankreich gefeyert, und an demselben der Schwur für die Erhaltung der Constitution erneuert werden sollte. Die Periode der Ur-Versammlungen, zur Wahl eines Drittheils der beyden Räthen, die im März gehalten werden sollte, nahete heran, und alle Partheyen setzten sich in Bewegungen, und drohten mit Unruhen. Zu allen diesen Umständen kam noch das Mißglück der fruchtlosen Unternehmung zu einer Landung in Irland, wovon das folgende Kapitel die kurze Beschreibung enthält.


Februar..[]

Frankreich.

Bis zum 13ten Februar, als so weit die Nachrichten beym Schluße unsrer Monatsgeschichte gehen, war die Aufmerksamkeit in Paris von der angeblichen, oder beschriebnen, Verschwörung, durch die Nachricht von der mit Capitulation an die Franzosen übergebnen, Festung Mantua einigermaaßen, unterbrochen, aber diese Unterbrechung war nur von kurzer Dauer. Das Publicum und alle öffentliche Schriften hörten nicht auf, über die Gründe dieser vorgeblichen Verschwörung ihre Zweifel, und sehr dreiste Bemerkungen, die mit Spöttereyen begleitet waren, zu machen. Man hatte über die Verhafteten ein Kriegsgericht angeordnet, so sehr auch im Rathe der 500 Pastoret an der Spitze einer großen Anzahl Mitglieder dagegen gestritten, und behauptet hatte, daß diese Verschwörer, nach der Constitution, durch kein Kriegs-Gericht, sondern durch einen Criminal-Gerichtshof müßten gerichtet werden. Aber die Parthey, welcher daran gelegen war, daß die Verhafteten nicht freygesprochen würden, und daß die Conjuration eine förmliche Bestätigung ihrer Existenz erhielte, drangen durch, und es wurde ein Militair-Gericht ernannt. Die ersten Verhöre hatten den Journalisten vielen Stof gegeben, Der ehemalige Abbé Brotier erklärte, daß er gar nicht wiße, wie die Proclamationen Ludwigs des XVIIIten, und die andern Beweisstücke in seine Taschen gekommen wären. Alle diese Beweisstücke enthielten blos Drohungen, Versprechungen, und Phantome. Von einem Plane zur Ausführung war keine Spur zu finden. Die Angaben widersprachen sich sogar. Nach einigen rechneten die Verschwörer auf die Vorstädte St. Anton, und Marceau, nach andern wollten sie diese Vorstädte mit Militair besetzen, und im Zaume halten laßen, weil sie sich für sie fürchteten. Man nannte die ganze Verschwörung in Paris, eine Verschwörung ohne Verschwörer. Der Verfaßer des Messager du soir sagte in seinem Blatte öffentlich: "Die Beweisstücke dieser Royalisten-Verschwörung sind erdichtet, so wie es die von le Maitre waren."

Es ist bemerkenswerth, daß im Rathe der 500, als Dumolard die Versammlung ermahnte, auf ihrer Hut zu seyn, weil man sich nicht so sehr für die Royalisten, als für die hinter den Jacobinern sich versteckende Orleansche Faction zu fürchten habe, sich in dem ganzen Saale ein Geräusch, ein Murren, und eine so heftige Bewegung erhob, daß der Redner unterbrochen wurde, und zu keinem zusammenhängenden Vortrage kommen konnte. Ueberhaupt kamen die Gemüther der Partheyen immer mehr gegen einander in Erbitterung, und drohten immer mehr mit solchen Ausbrüchen, wie man im vorigen Convente gesehen hat. Das Publicum, welches die Actenstücke von Baboeufs Proceße las, und von der erneuerten Wuth der Jacobiner im südlichen Frankreich, wo viele Städte und Gegenden mit Blut überschwemmt waren, tägliche traurige Nachrichten bekam, war für die schreckliche und genaue Verbindung aller Jacobiner durch ganz Frankreich in Angst gesetzt.

In Absicht der Preßfreyheit ist ein Gesetz decretirt worden, durch welches verboten ist, irgend Jemanden in Druckschriften Vorwürfe über Vergehungen zu machen, wenn solche nicht zugleich bewiesen würden. Wenn der Vorwurf nicht bewiesen wird, soll derselbe als ein Verläumder bestraft werden."

So lange der Krieg dauert, ist noch niemals in Paris ein Sieg, oder die Eroberung einer Festung mit Abfeurung von Kanonen, und mit öffentlichen Feyerlichkeiten verkündigt worden. Dieß geschähe zum ersten male bey der Bekanntmachung der Einnahme von Mantua, am 11ten Februar. Den ganzen Nachmittag donnerten die Kanonen, und des Abends wurde ein Proceßion von einem Herolde, in Begleitung eines großen Detaschements Truppen, durch die Stadt gehalten, und die Einnahme von Mantua auf den vornehmsten Plätzen der Stadt feyerlich ausgeruffen. Der Zulauf des Volks bey dieser ganz ungewöhnlichen Erscheinung war zahlreich, und viel Republicaner gaben Feste. Die Sieges-Nachrichten wurden durch die Nachrichten vervielfältigt, welche aus dem Päbstlichen Gebiete kamen, in welches Buonaparte eingerückt war, schon ein Corps Päbstlicher Truppen geschlagen hatte, und gegen Rom anzog. Der größte Theil der Armee des Generals Buonaparte bestand aus Italienern, welche in den neuerrichteten Republiken, Bologna, Ferrara, Modena, und Reggio zum Kampfe gegen ihre Landesleute waren ausgehoben worden.


März..[]

Frankreich.

Bis zum 15ten März, als so weit die Nachrichten aus Paris, bey Abfaßung dieses Kapitels gehen, war noch Paris, und ganz Frankreich mit den Vorbereitungen zu den neuen Wahlen anstatt der abgegangnen Deputirten, in beyden Räthen, beschäftigt. Die Wahlen selbst hatten noch nicht angefangen. Unter den Mitgliedern des ehmaligen Convents, welche noch aufs nächste Jahr in dem gesetzgebenden Corps geblieben waren, sind folgende besonders zu bemerken. Sieyes. Tallien. Merlin von Thionville. Bentabolle. Chenier. Garan-Coulon. Prieur. Poultier. Legendre. Lacombe St. Michel. Robert Lindet. Saladin. Jean de Bry. Echaßeriaux der jüngere. Rovere. Breard. In der Geschichte der Revolution, und des Convents, schrecklichen Andenkens, sind diese Männer besonders ausgezeichnet. In Allem sind von den Convents-Männern im Rathe der 500, noch anjetzt 166, und im Rathe der Alten 77 geblieben.

Das niedergesetzte Kriegsgericht, welches die angebliche Verschwörung der Royalisten verurtheilen sollte, hatte am 12ten März seine Sitzungen angefangen. Es bestand aus 7 jungen Militair-Personen, von denen der allerälteste noch nicht 30 Jahre alt war. Es sollte über 22 Personen das Urtheil gefällt werden. Die Jacobinische Verschwörung Baboeufs und seiner Complicen wurde zu Vendome vor dem dasigen hohen Gerichtshofe verhandelt; aber die Conspiranten wollten sich noch immer auf keine Antworten einlaßen, und erklärten ihre Richter, und diejenigen, die sie ernannte hätten, für Tyrannen und Agenten der Contre-Revolution, drohten ihnen mit den Fäusten, und machten durch ihre Frechheit nothwendig, daß der Gerichtshof um neue Verfügungen bey dem gesetzgebenden Corps ansuchen mußte.

Die Finanzen sanken immer tiefer ins Verderben hinab. Die allgemeinen Ausgaben des Jahrs wurden auf 1000 Millionen bestimmt, 450 für die ordinairen, und 550 für die außerordentlichen Bedürfniße. Nach einigen Berichten fand sich ein Deficit von 62, nach andern aber von 314 Millionen. Zur Deckung dieses Deficit rechnete man auf fernere Verkäufe von National-Gütern, und -- sogar auf die Contributionen, die die Soldaten in fremden Ländern eintreiben sollten, die Treilhard im Rathe der 500 auf 20 Millionen wenigstens anschlug. Unterdeßen fehlte es so sehr an Gelde, daß seit 2 Monaten die Druckkosten der Gesetze nicht hatten bestritten werden können, und das Directorium in einer eignen Bothschaft den Rath der 500 ersuchen ließ, für die Gelder zu dieser nothwendigen Ausgabe Anstalten zu treffen.

Die großen Erfolge des Generals Buonaparte in Italien schützten ihn nicht für bittre Vorwürfe in Paris. Man sagte, er sey eine Creatur des bekannten Ex-Abbé Sieyes, und habe zwar mit stürmischer Kühnheit Siege erfochten, nehme aber nun ein so arrogantes Betragen, und einen Ton an, wodurch er die Autorität des Directoriums, und der Regierung wenig zu erkennen schiene.


April..[]

Frankreich.

Unter allen denjenigen Stiftern der Französischen Revolution, welche schon den 14ten Julius vorbereiteten, und an den nachher erfolgten Katastrophen den wirksamsten Antheil hatten, war der bekannte Ex-Abbé Sieyes fast noch der einzige übrige, der noch lebte, und sich im Ansehn und Wirksamkeit bey der geheimen Direction der Angelegenheiten und der Plane der Regierung erhalten hatte. Seine geheime Zurückhaltung, seine listige Kunst, immer hinter den Coulißen die Acteurs zu dirigiren, schützte ihn zwar nicht völlig für die öffentlichen Vorwürfe, die man ihm in Paris machte, hielt aber diejenigen Angriffe, und Bestürmungen von ihm zurück, unter welchen seine Collegen hatten erliegen müßen. Er war der Patriarch der Revolution, und wahrscheinlich noch weit mehr! Sein Einfluß war noch bis auf die Besetzung der Feldherrn-Stelle allmächtig. Buonaparte hatte auch seine Stelle durch ihn erhalten. Bey aller Klugheit, und geheimer Macht konnte er seinem Schicksale nicht entgehen. Er hatte, wie sich ein Französisches Blatt ausdrückt, das Schicksal Marats. Er wurde am 11ten April des Morgens gegen 10 Uhr in seinem Zimmer meuchelmördrisch angefallen, und schwer verwundet. Ein ehmaliger Pfarrer zu Draguignon, Namens Poul, kam unter dem Vorwande, mit Sieyes etwas nothwendiges zu sprechen zu haben, auf sein Zimmer, machte ihm viele heftige Vorwürfe, und legte eine Pistole auf ihn an, welche zwar Sieyes mit der linken Hand parirte, aber doch zwey Kugeln in die Hand und den Arm, und eine Streifwunde am Unterleibe in der Hüfte erhielt. Der Rath der 500 schickte sogleich eine Bothschaft an den Verwundeten. Der Priester, der ihn verwundet hatte, wurde ohne Schwierigkeit gefangen genommen, und zeigte eine besondre Dreistigkeit bey dem Verhöre. Er bedauerte nur, wie ehmals Mutius Scävola, daß er den Sieyes nicht getödtet, und sein Werk völlig ausgeführt habe. Im Rathe der 500 gab man sogleich den Priester Poul für einen Royalisten aus; aber ein so eben ankommendes Schreiben des Justiz-Ministers zeigte an, daß Poul ein Terrorist, und Jacobiner sey, und zu der Gesellschaft des Baboeufs und seiner Mitschuldigen, und geheimen Verbrüderten gehöre. Er war aus demselbigen Departement, du Var, (der Provence) und aus derselben Gemeinde gebürtig, in welcher Sieyes geboren war, ein geschworner Priester, und Jacobiner.

Indeßen wurden die Wahlen der neuen Deputirten in Paris, Versailles und andern Orten ruhig vollzogen, und man rühmte fast allgemein den Charakter und die Talente der Neuerwählten. Es wurden viele erwählt, welche unter der vorigen Regierung in öffentlichen Aemtern gestanden hatten, oder Mitglieder der ersten National-Versammlung gewesen waren. Eine auffallende Erscheinung war es, daß das Directorium selbst eine Proclamation Ludwigs des XVIIIten bekannt machte, in welcher dieser Prinz in einer väterlichen einnehmenden Sprache sagte, man solle ihm die öffentlichen Wünsche über die zu verbeßernden Mißbräuche der vorigen Regierung, deren Reform ein beständiger Gegenstand seiner Sorgfalt seyn werde, zuschicken, man solle keine Gewaltthätigkeiten begehen, und nur die Rückkehr der Blut-Regierung verhindern, die Wahlen der neuen Deputirten auf Gutdenkende Leute, Freunde der Ordnung und des Friedens, lenken, zur Herstellung der Ordnung und des Glücks von Frankreich keine grausame Mittel brauchen, und von der öffentlichen Meynung den Erfolg erwarten; oder wenn man zur Gewalt der Waffen schreiten müßte, so bedient euch (sagt Ludwig) dieses traurigen Mittels nur im äußersten Nothfalle, um der Sache eine gerechte und nothwendige Stütze zu geben." Dieses Manifest ist datirt vom 17ten März 1797, und seine Erscheinung unter Autorität der Regierung machte es zu einem sonderbaren Phänomen. Zwar setzt das Directorium hinzu, man mache dieses Manifest bekannt, weil man überzeugt sey, die Franzosen würden sich durch die Fallstricke nicht verführen laßen; aber das ganze Manifest ist nicht geeignet, gegen den Thron-Prätendenten Abneigung zu erzeugen.

Ueberhaupt ist der gegenwärtige Zeitpunct, auf alle Art und Weise, ein Uebergang zu einer neuen Epoche in Frankreich.


Mai..[]

Frankreich.

Die Nachrichten aus Paris gehen, gegenwärtig bis nahe an den Zeitpunct, in welchem der Eintritt der neuerwählten Deputirten in die beyden Räthe, eine neue Epoche begann. Ganz ruhig war Paris nicht. Man bemerkte Versammlungen von Jacobinern, man sahe sich hier und da Haufen zusammenrottiren, es waren aus den Provinzen sehr viele böse Menschen angekommen, die Factions-Menschen drohten mit wilder Auftritten, und sie schienen Anhang zu bekommen. Indessen hatte die Regierung, nach ihrer gewöhnlichen Tactik, falsche Brüder unter den Rottirern, die ihr die Plane verriethen; und die getrofnen Anstalten vereitelten bisher (den 16ten Mai) alle Ausbrüche.

Man unterhielt indeßen das Publicum mit schönen Hofnungen, stellte die Finanzen, wie vom Anfange der Revolution an, in einer guten Aussicht, wenigstens aufs künftige, dar, wobey es nicht an leeren Declamationen fehlte, hob das Gesetz auf, daß die Anverwandten der Emigrirten keine öffentliche Aemter verwalten sollten, verordnete eine Reducirung der innern Truppen, um die von den Grenzen zurückkehrenden zur Erhaltung der innern Ruhe gebrauchen zu können, und suchte möglichst die Spaltung, die sich im Directorio sowohl, als auch in den beyden Räthen, in Betref der Friedensbedingungen äußerte, der Kenntniß des Publicums zu verbergen, und jede Parthey wollte immer noch nicht das System und die geheime Plane aufgeben, die sie bey dem Preußischen Basler Frieden gehabt hatte: die andre, welche die Majorität hatte, behauptete das neue durch die Ratification des Directoriums auch bestätigte Friedens-System. Doch war der Präliminair-Friedens-Tractat noch nicht den beyden Räthen zur Genehmigung vorgelegt, und noch weniger der wahre umständliche Inhalt dem Publico bekannt gemacht worden. Viele Umstände machten den Ausgang der Krisis unruhig, und gaben mancherley Besorgniße. Viele Pariser Journalisten schilderten den traurigen Zustand des Staats mit lebhafter Energie, und hoften nur von einer neuen Ordnung der Dinge eine Beßerung. Der Gemeingeist war, mit Ausnahme einiger weniger intereßirten, oder fanatischer Democraten, durchaus in Royalistischer Stimmung, und bereitete Veränderungen vor.


Juni..[]

Frankreich.

Nachdem die Wahrheit zu einleuchtend, und zu unleugbar geworden, daß alle die wilden Siege der Französischen Heere, die so viel Geräusch gemacht haben, nur das innre Unglück Frankreichs durch Menschenverlust, und gänzliche Verarmung des Staats, und alle Arten von Uebel vermehrten, und daß es unmöglich sey, auch in Verbindung mit der ganzen Hülfsmacht Spaniens, die Englischen Flotten zu besiegen, so hat das Directorium sich zu neuen Friedens-Unterhandlungen mit England bequemt, wobey es scheint, daß man aufrichtig zu Werke geht. Die vorläufigen Unterhandlungen sollen zu Ryßel (Lille) gehalten werden. Vom Directorio sind der abgegangne Director Letourneur, der im diplomatischen Fache bekannte Maret, und ein erfahrner Marine-Verständiger Pleville le Pelley, zu Bevollmächtigten ernannt worden. In London bestimmte man dem Lord Malmesbury die Ehre der Unterhandlung für England. Eine kurze Zeit wird lehren, ob die Französischen Forderungen für Englands errungne Vortheile nicht zu unangemeßen, nicht zu übertrieben seyn werden.

Eben beym Anfange dieses Friedens-Geschäftes zeigte das Directorium dem Rathe der 500 die schlechte Beschaffenheit der Marine an. Die nöthigen Ausgaben für dieses Departement im gegenwärtigen Jahre (wovon das halbe Jahr schon verfloßen) waren auf 133 Millionen 418,943 Livres angesetzt. Zufolge der beygelegten Etats wurden sogleich 65 Millionen 129,000 Livres verlangt. Ein neuer Bericht über die Finanzen von Gilbert Desmoliers tröstete, wie gewöhnlich mit der Zukunft. Seine Berechnungen giengen alle auf die Zukunft, wie vom Anfange der Revolution immer Mode gewesen, aber die Zukunft hat immer gezeigt, daß sie sich nicht berechnen läßt. Besonders läßt sich, bey den gegenwärtigen Umständen in Frankreich, keine Einnahme auf die Zukunft sicher berechnen. Einen kläglichen Beweis der Finanz-Noth gab das öffentliche Findelhaus, in welchem von 1800 Kindern, 1400 aus Mangel an Nahrung gestorben waren. Wer die entsetzliche Situation des Innern in Frankreich will im Detail kennen lernen, der lese die Blätter des öffentlichen Anklägers (L'accusateur Public) von dem bekannten Richer-Serify.

In den beyden gesetzgebenden Räthen nahm man noch keine weitere wichtige Beschlüße, sondern verwieß die meisten Sachen an die dazu ernannten Commißionen. Zur Ausführung vieler Entwürfe schien der Zeitpunct noch nicht gekommen zu seyn, und je mehr man in den Pariser Journalen von diesen Entwürfen, besonders von der Suspension der 4 alten Directoren, und von der Interims-Verwaltung eines einzigen Directors zu lesen gab; desto weniger war von dergleichen in den beyden Räthen zu bemerken. Auch war den beyden Räthen, bis zum 15ten Junius, noch nicht der Friedensschluß mit dem Kaiser vorgelegt worden.


Briefe.[]

Paris, 8. Mai.[]


Aus einem Schreiben von Paris, vom 8ten Mai.

-- Der Friede mit Oesterreich, von deßen detaillirtem Inhalte man immer noch nichts authentisches bis heute weiß, ist das Werk der gemäßigtern Majorität im Directorio. Rewbel war den Bedingungen, die Oesterreich machte, sehr entgegen, und der Minister der auswärtigen Verhältniße, de la Croix, sehr unzufrieden, daß seine Plane, davon man eine Skizze in dem Berichte des Lords Malmesbury gelesen hat, vereitelt waren. Carnot unterstützte besonders den Frieden, und drohte zwey Directoren bey den beyden Räthen zu verklagen, wenn sie auf ihren Projecten so bestünden, daß der Friede rückgängig würde. Rewbel mußte nachgeben, und selbst, da er eben Präsident war, die Friedens-Bothschaft an den Rat der 500 schicken. Seitdem ist der Zwispalt im Directorio noch größer geworden, und die bisher herrschende Parthey, welche dem Hause Oesterreich und dem Teutschen Reiche nicht wohl wollte, sondern -- -- -- hat der andern weichen müßen. Man schreibt diesen Einflüßen die Kritiken zu, die schon jetzt über die Friedensbedingungen gemacht werden. ohnerachtet man sie noch nicht einmal genau weiß. Die Jacobiner fangen an neuen Lärmen zu blasen, und drohen mit Unruhen. Ihre Parthey in den beyden Räthen rüstet sich auf heftige Scenen, wenn es zur Bestätigung des Friedens kommen wird.

Indeßen ist die allgemeine Stimmung aller Unpartheyischen jubelnde Freude über das Ende des Kriegs.

Als man am 25sten v. M. des Abends um 6 Uhr die Kanonen den Frieden ankündigen ließ, so schrie man für Freuden auf den Straßen, daß der Donner der Artillerie, der so oft das Signal des Mordes sey, nun endlich im Namen des Friedens, und der Menschlichkeit erschallte. Der Enthusiasmus war so stark, daß man auf allen Straßen rufen hörte: Es lebe der Friede! Es lebe die Republik! Es lebe der Kaiser! Es leben Buonaparte, und Erzherzog Carl! -- Man rief sich mit der den Franzosen eignen Herzens-Ergießung zu. Der Friede ist gemacht, man wird nicht mehr Franzosen tödten; man wird nun der großen Maaßregeln des öffentlichen Wohls (grandes mesures de salut public) die währendem Kriege auch im Innern Frankreich mit Leichen und Blut bedeckten, nicht mehr nöthig haben.

Die Jacobiner-Parthey sucht die letzte Zuflucht ihrer Secten-Absichten, die man wohl kennt, in dem Kriege gegen England, und schreyt, daß man wenigstens keinen Frieden mit England machen müße, so gemäßigt auch die Bedingungen seyn möchten, und daß man mit dem Londner Cabinet nur in London Frieden schließen solle.

Alles das sind die Convulsionen der Jacobinischen Anarchie, deren Absicht es ist, die Welt umzustürzen. Dagegen erhebt sich schon eine starke Stimme durch ganz Frankreich, daß die Republik sich ihren Ende nähere, und die Monarchie herbeykomme. Ich kann mich hierbey nur auf das beziehen, was Sie in allen unsern öffentlichen Blättern lesen können, auf die Wahlen der neuen Volks-Repräsentanten, und auf die allgemeine Religions-Stimmung.

Seit einem Jahrhunderte wenigstens, ist das Osterfest in Paris nicht mit einer solchen brünstigen Andacht gefeyert worden als dieses Jahr. Wie man sonst sich eine Ehre des guten Tons daraus machte, über die Religion zu spotten; so macht sich jetzt Jedermann eine Ehre daraus, die heilige Religion der Väter, als den Grund der wahren Moral, zu beobachten. Alle Kirchen, ehmals verlaßen, waren jetzt vollgestopft von Menschen, und bis auf die Straßen heraus knieten Menschen nieder, um der katholischen Religion, und ihren heiligen Gebräuchen Huldigung zu leisten. Um sie herum waren eine zahlreiche Menge von den schönsten Equipagen. Für den Religions-Freund der alle Religionen schätzt, die keine Aufwieglungen und Staats-Verheerungen zum Grunde haben, war dieser Anblick rührend.

Ein unüberwindlicher Instinct führt die Franzosen zu den alten Gebräuchen zurück. Die Promenade auf Longchamp ist dießmal wieder ganz in dem Geschmacke der vorigen Zeit gewesen, glänzend, mannichfaltig, nach voriger Sitte. Man sagte bey dieser Gelegenheit allgemein. -- Die gute Zeit kommt wieder. Die Revolution ist nur ein schmerzhafter Traum gewesen.

Der mördrische Anfall auf Sieyes, (der jedoch wieder in der Herstelling ist) hat seine geheime dirigirende Wirkung sehr gehindert. Indeßen hat sein Busen-Freund, und Sprach-Rohr Chazal im Rathe der 500 sehr wider den Frieden mit dem Pabste geeifert. Er sagte einer der Haupt-Zwecke des Italienischen Krieges sey die Vertilgung des Aberglaubens gewesen, und er wundre sich daher, daß der Pabst seine Religions-Bullen nicht habe widerrufen müßen. Er verlangte sogar, man solle den Friedens-Tractat mit dem Pabste nicht ratificiren. -- Voila l'humanité de la nouvelle Philosophie! rief man gegen ihn. Chazal mußte unter höchster Mißbilligung die Tribune verlaßen. Der Tractat wurde ratificirt -- und die Parthey der Weltumstürzer muß nun überhaupt dem Bon Sens weichen -- -- -- -- -- .


Zeitungsnachrichten.[]

Vermischte Nachrichten. [3]

Aus vielen Gegenden von Frankreich meldet man, daß die Einwohner einen ganz besondern neuem Religions-Eifer zeigen. Sie laßen die Kirchen von neuen einweihen, nehmen meistens ungeschworne Priester an, und es werden häufige Meßen gelesen, wobey der Zulauf des Volks ganz ungemeine zahlreich ist.


Quellen.[]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.