Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Stephan Joachim Peter, Graf und Kardinal von Bernis.[]

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Bernis (Stephan Joachim Peter, Graf und Kardinal von), gebohren zu St. Marcel de l'Ardéche, gestorben zu Rom den 1ten November 1794. Seine Aeltern besassen kein Vermögen und bestimmten ihn daher von Jugend auf zum geistlichen Stande. Anfangs Kanonikus von Brioude, trat er, nachdem er einige Jahre im Seminarium von St. Sulpice zugebracht hatte, in das Kapitel zu Lyon, kam aber nachher wieder nach Paris zurück. Als ein geschmackvoller Poet und liebenswürdiger Literator machte er mit seinen Jugendschriften ein desto grösseres Glück in der Welt, da er mit seinem Talent eine empfehlende Figur und unverbrüchliche Rechtschaffenheit verband. Dessenungeachtet mißfiel er dem Kardinal Fleury. Nach dem Tode desselben erhielt er Zutritt bey Frau von Pompadour, diese gewann ein lebhaftes Interesse an ihm. Er erhielt die Gesandtenstelle in Venedig, ward in seiner Abwesenheit zum Staatsrath ernannt und bekam nach seiner Rückkunft den Auftrag, zwischen den seit langer Zeit mit einander rivalisirenden Höfen von Frankreich und Oesterreich eine Allianz zu stiften. Nach Vollendung des Geschäftes ward er mit den ausgezeichnetesten Gunstbezeigungen belohnt, und bald darauf zum Posten eines Ministers der auswärtigen Angelegenheiten erhoben. Seine Feinde brachten es aber bald so weit, ihn von Ministerium entfernt und sogar auf seine Abtey St. Medard verwiesen zu sehen. Er blieb mehrere Jahre in Ungnade; nur erst 1764 ward er zum Erzbischof von Albi ernannt. Fünf Jahre darauf gieng er nach Rom mit dem Auftrage, im Nahmen des Pariser und Madriter Hofes die Aufhebung der Jesuiten zu betreiben. Nach dem Conclave von 1774, wo er seine Geschicklichkeit bewährte, nahm er zu dem Titel eines Bothschafters noch den eines Beschützers, der Kirchen von Frankreich an. Er lebte als solcher in dieser Hauptstadt länger als 20 Jahre in Gunst und Achtung, bis die Revolution seine letzten Tage trübte. Im Dezember 1790 verlangte man von ihm den Schwur, den die Nationalversammlung vorgeschrieben hatte, er gab aber zur Antwort, daß er schon zwey Schwüre geleistet habe, einen seinem Gott und den andern dem Könige, und daß er nun nicht noch einen dritten schwören wolle. Seine Stellen wurden daher einem andern übertragen. Er blieb in Rom und empfieng 1791 daselbst die Tanten Ludwigs XVI. Seine zum Theil scherzhaften, zum Theil ernsten Poesien sind mit unter nachlässig und geziert, enthalten jedoch einige artige Verse. Sein Leichnam wurde in einen marmornen Sarg gelegt und zu Ripa-Grand im September 1802 eingeschifft, um nach Frankreich gebracht zu werden.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
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