Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Fell's

Reise

durch die

Batavische Republik

Aus dem Englischen übersetzt, und mit Anmerkungen begleitet

von

D. Karl Murhard.

Leipzig,

bei C. H. Reclam. 1805.


Eilfter Brief.[]

Amsterdam.

Nachmittags gegen vier Uhr langten wir in dieser weitläuftigen Stadt unter einem heftigen Regenschauer an, der uns völlig eingeweicht haben würde, hätte nicht eine ältliche Dame uns ihr Haus zum Schutz angeboten. Unsere Lage als Fremde und die stürmische Witterung waren unsre einzigen Empfehlungsbriefe an sie. Wir mussten mit ihr Kaffee trinken, und ohngeachtet sie weder englisch noch französisch sprach, so konnten wir doch durch Zeichen eine ziemlich verständliche Unterredung mit ihr halten. Bei unsrer Erwähnung, dass wir im Treckschuyt von Haarlem kämen, ärgerte sie sich sehr über unsre Reisegefährten, dass sie uns als Fremden keinen Schutz gegen den Regen verschafft hatten. Kaum waren sie aus dem Boote gestiegen, so eilten sie über Hals und Kopf davon, und liessen uns mit einem schmutzigen Jungen, um, so gut wir konnten, unsern Weg selbst zu finden. Übrigens muss man es den Holländern zum Ruhme nachsagen, dass sie den mit ihnen reisenden Fremden oft ihre Begleitung anbieten und sie gegen die Prellereien der Schiffer und Bootsleute warnen.

Ein Fiacker ward bestellt und wir liessen uns nach dem uns empfohlenen Gasthofe zum Stern fahren. Allein wir fanden dieses Hotel verschlossen und mussten es dem Kutscher überlassen, ein andres für uns zu wählen. Er brachte uns in den Gasthof, welcher den sonderbaren Namen, Englische Bibel, führt.

Wir hätten kein schlechteres Hotel finden können. Das Haus, die Wirthin und die Aufwärter waren abscheulich schmutzig; alles trug das Gepräge einer niedrigen Kneipe. Dies war besonders für uns ekelhaft, da uns die überall auf unsrer bisherigen Reise angetroffene Sauberkeit und Nettigkeit verwöhnt hatte.

Im Allgemeinen empfehlen sich die holländischen Gasthöfe ganz vorzüglich durch Nettigkeit und Reinlichkeit von aussen wie von innen; auch die Bedienten, besonders die weiblichen, halten viel aufs Äussere, und zeichnen sich durch bescheidene Sitten, wie ich sie selten bei den Aufwärtern englischer Gasthöfe wahrgenommen habe, vorzüglich aus. Ausserdem empfiehlt sie ihre Aufmerksamkeit gegen Fremde ohne sklavische Unterthänigkeit; sie sind höflich ohne Schmeichelei und ehrerbietig ohne zu kriechen. Der grossen Anzahl ihrer Herren und des unmittelbaren Vortheils wegen, den sie von einer guten Bedienung derselben ziehen, besitzen die Bedienten eines Gasthofs gewöhnlich weniger Gefühl von Menschenwürde als andere Dienstboten; aber den holländischen lässt sich dieses nicht nachsagen. Sie verrichten alle Geschäfte, die ihr Stand mit sich bringt, ohne sich dadurch entehrt zu fühlen; ihre Höflichkeit artet nie in Niederträchtigkeit aus und ihr Bemühen, sklavische Unterthänigkeit zu vermeiden, geht nie in Rohheit über.

In den vereinigten Staaten befinden sich überhaupt die Domestiken in einer weit günstigern Lage als in England. Der Grund davon liegt in den einfachen, prunklosen Sitten der Holländer und ihrer republikanischen Verfassung, die, so verderbt auch ihre gesetzgebende und ausübende Gewalt seyn mag, doch wegen ihres heilsamen Einflusses auf die Privatverhältnisse des Lebens alle Achtung verdient. Die Abschaffung der Livréen hat ein gehässiges Unterscheidungszeichen zwischen Herrn und Diener vernichtet, ohne jenen etwas von ihrem Ansehn zu nehmen, doch diesen ein neues Recht einzuräumen.

Die Behandlung der weiblichen Domestiken in Holland ist ausserordentlich sanft und menschenfreundlich. Treten nicht besondere Gründe ein, sie abzuschaffen, so bleiben sie gewöhnlich eine lange Reihe von Jahren in der Familie und werden mehr wie Glieder derselben als wie Dienstboten betrachtet. Die Regelmässigkeit der holländischen Lebensart macht den Bedienten ihre Arbeiten sehr leicht; sie wissen genau, was sie jeden Tag zu thun haben, und so können sie alle Arbeiten nach ihrer Bequemlichkeit verrichten. In Häusern, wo zwei Dienstboten gehalten werden, wird einem jeden abwechselnd der siebente Tag der Woche zum Vergnügen und zur Erholung frei gegeben, auch bei schönem Wetter und bei öffentlichen Festen geniessen sie gleiche Begünstigung.

Es war schon zu spät am Abend, um die englische Bibel zu verlassen und einen andern Gasthof aufzusuchen; wir mussten uns also mit Geduld in die Umstände schicken. Um indessen so bald als möglich aus dieser unangenehmen Lage zu kommen, besuchten wir die französische Komödie, den einzigen öffentlichen Unterhaltungsort, wo wir Zutritt erhalten konnten. Man führte hier auf: "Les dangers de l'absence, ou le Souper de Famille," eine empfindsame Komödie in zwei langweiligen Akten, und "La Caravane de Cairo," eine hübsche Oper mit Balletten und vortrefflicher Musik von Gretry, in drei Aufzügen. Das französische Theater ist klein, aber niedlich, und die Bühne so wie die Dekorazionen geschmackvoll. Die Anzahl der Zuschauer war, verglichen mit der in den holländischen Schauspielhäusern, die wir bisher besucht hatten, ansehnlich.

Die Logen waren eben nicht stark besetzt, aber das Parterre war beinahe voll und auf der Gallerie drängte man sich. Jede Bank im Parterre ist mit einer Rücklehne versehen, eine Bequemlichkeit, die ich schon oben bei den holländischen Theatern rühmte. Die angesehensten und reichsten Leute in Holland halten es nicht unter ihrer Würde, im Parterre zu sitzen und sind hier eben so gut wie in den Logen gekleidet. Die meisten ältlichen Damen im Parterre trugen eine erstaunliche Menge von Diamanten. Ein Juwelier mag ihren Glanz und ihr Wasser, ihre Grösse und ihren Werth beschreiben, ich kann nur sagen, dass die Verschwendung edler Steine hier ausserordentlich war. Eine neben uns sitzende Dame trug ein Halsband von drei Reihen grosser Diamanten, Armbänder und Kopfnadeln von gleicher Kostbarkeit, diamantne Ohrringe und Schnallen und an den Fingern unzählige Ringe. Ich wage es nicht, zu berechnen, wie viel dieser Schmuck werth seyn mochte. Die Juwelen dieser Dame waren nach alter Mode gefasst und sind wahrscheinlich seit anderthalb Jahrhundert im Besitz ihrer Familie gewesen. Ich erwähne besonders dieses Schmucks, weil ich dicht dabei sass; aber andere Damen im Parterre waren vermuthlich eben so kostbar und verschwenderisch gekleidet.

Der Fiaker, in dem wir in's Theater und wieder zurückfuhren, war eine auf einem Schlitten befestigte und von einem einzigen Pferde gezogene Kutsche. Der Kutscher ging mit der Peitsche und den Zügeln in der Hand neben her und lenkte die Maschine, wenn sie sich im eine scharfe Ecke wenden sollte. Dieses Fuhrwerk ist in Amsterdam sehr gewöhnlich und wird halb so theuer wie die Räderkutschen vermiethet. Der Amsterdamer Magistrat ist besorgt, nur wenige Kutschen mit Rädern zu erlauben, weil er glaubt, der wenig festen Boden der Stadt würde zu sehr erschüttert und verdorben werden, wenn vielen solcher Fuhrwerke gestattet würde, durch die Strassen zu rollen. Die Bewegung einer Schlittenkutsche ist langsam und stossend, wenn das Pflaster an manchen Stellen nicht gut ist, und nur wenige Fremde finden diese Art zu fahren angenehm. Sind die Fuhrleute nicht aufmerksam, so kann man leicht umgeworfen werden; aber der Kutschkasten steht so nahe über der Erde, dass dergleichen Zufälle selten von Folgen sind.

Bei der Rückfahrt aus dem Theater bediente sich unser Fuhrmann einer Fackel; diese war sehr überflüssig, denn die Amsterdamer Strassen sind vortrefflich erleuchtet; seine Absicht dabei war aber nur, das Fuhrlohn zu erhöhen. Übrigens war seine Forderung, verglichen mit den Londner Preisen, sehr mässig. Die im Theater zugebrachte Zeit mitgerechnet hatten wir den Schlitten auf vier Stunden gemiethet, und dafür forderte man uns nur einen holländischen Gulden oder zwanzig Pence ab; der Fuhrmann selbst nahm mit einem kleinen Trinkgeld vorlieb.

Den folgenden Morgen begaben wir uns aufs Rathhaus, um unsere Pässe vorzuzeigen. Die Männer, die dieses Geschäft besorgten, behandelten uns mit ungewöhnlicher Höflichkeit. Kaum hatten sie die Beschreibung unsrer Person gelesen, und uns gefragt, wie lange wir ohngefähr in Amsterdam zu bleiben dächten, so visirten sie unsre Pässe und wünschten uns in den verbindlichsten Ausdrücken einen angenehmen Aufenthalt in der Stadt. Da ich von einem Lande, wo die Taxen ungeheuer und die Schreiber unverschämt und habsüchtig sind, auf die Sitten andrer Nazionen schloss, so setzte mich die Höflichkeit dieser Holländer, die uns nicht einen Pfennig für das Visiren der Pässe abforderten, in Erstaunen. Wer die Londner Munizipalität kennt, wird sich dies leicht erklären können.

Wie dieses Geschäft auf dem Rathhause beendigt war, machten wir dem General d'Henisdal, dem französischen Kommandanten von Amsterdam, an den wir einen Empfehlungsbrief vom General Chorié hatten, unsre Aufwartung. Er empfieng uns mit vieler Höflichkeit, und da wir ihm unsre Unzufriedenheit mit unserm Gasthofe zu erkennen gaben, so liess er uns nach dem Doele auf dem Cingel, einem der besten Hotels in Amsterdam, fahren.

Das Rathhaus ist eine der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten dieser Stadt, worauf die Neugierde der Fremden gerichtet ist. Ohne Zweifel ist es eine der prächtigsten Gebäude in der Welt sowohl in Ansehung des vortrefflichen Styls der Baukunst und der Schönheit seiner Verzierung, als in Hinsicht des grossen Raums, den es einnimmt. Der erste von den Pfählen, welche die Grundfläche dieses Pallasts tragen, wurden den zwanzigsten Januar 1648 eingerammelt und am sechsten Oktober desselben Jahres standen deren dreizehntausend, sechshundert und fünf und neunzig, lauter mächtige Bäume, worauf das Gebäude jetzt ruht, im Morast. In demselben Jahre wurde der Grundstein mit einer passenden Inschrift gelegt, und sieben Jahre darauf nahmen die verschiedenen obrigkeitlichen Kollegien Besitz von den ihnen angewiesenen Zimmern. Der vorzüglichste Baumeister war Johann van Kampen; er hatte vier Bürgermeister der Stadt an seiner Seite, die ihn kontrollirten. Nach der Berechnung verschiedener Schriftsteller stiegen die Kosten dieses Gebäudes auf zwei Millionen Pfund Sterling *).

*) Dies kostbare Gebäude ist 282 Schuh lang 255 Schuh breit und 116 Schuh hoch. Der Thurm hat ausserdem noch 41 Schuh. Die südliche und nördliche Façade schmückt ein 82 Schuh langes und 18 Schuh hohes Kapital, das für ein Meisterstück der Bildhauerkunst gelten kann.

Die verschiedenen Zimmer im Rathhause, die Schatzkammer, die Sekretariatsstube, den Saal für geringfügige Prozesse, den grossen Justizsaal, die Kammer der Domainen, der Assekuranz, der Waisen, die geheime Rathsstube, die Comptoirs der Bank, den Bürgersaal u. s. w. einzeln zu beschreiben, würde für einen blossen Reisenden ein zu gewagtes Unternehmen seyn, um sich davon eine würdige Ausführung versprechen zu können. Inzwischen darf ich einige dieser Zimmer besonders auszeichnen.

Der Saal, wo die Verbrecher ihr Urtheil empfangen, befindet sich auf dem Flur des Rathhauses, und ist mit Bas-Reliefs, die auf seine Bestimmung Bezug haben, ausgeschmückt. An einer Wand ist die Geschichte des Junius Brutus vorgestellt, wie er seine Söhne ermordet; an einer andern, Zaleucus, wie er sich eine Auge aussticht, um eins für seinen Sohn zu retten, der wegen eines begangnen Ehebruchs nach seines Vaters Gesetz verurtheilt war, beide Augen zu verlieren; und an einer dritten Wand befindet sich das Urtheil Salomo's. Der Kopf der Bellona bei jener römischen Geschichte ist so trefflich in Marmor gehauen, dass er einem griechischen Meissel Ehre machen würde. Auch darf ich hier eine Figur nicht mit Stillschweigen übergehen, die eine auf dem Boden sitzende Frau mit dem Finger auf dem Munde und zwei über einen Todtenkopf weinende Kinder vorstellt. Dieses Zimmer enthält ausserdem noch allegorische Bilder von Strafen, z. B. Beile, Fasces und Ketten, die Instrumente der Tyrannei oder der Gerechtigkeit. Soll einem Verbrecher das Todesurtheil gesprochen werden, so wird er von Wache begleitet in diesen Saal geführt; die Mitglieder des Stadtraths sitzen in Feierkleidern auf einer erhöhten Gallerie und nichts wird versäumt, was diese traurige Szene feierlicher machen kann.

Der grosse Saal dient denen, welche hier Geschäfte haben, zum Spaziergange. Die messingnen Gitterthore, durch die man eintritt, sind von seltner Schönheit, Festigkeit und Kunst. Oben auf diesem Saale steht die Figur des Atlas mit der Erdkugel auf der Schulter, begleitet von der Weisheit und Wachsamkeit. Auf dem Dache wird Amsterdam als eine reich gekleidete und von den Gottheiten der heidnischen Mythologie umgebne Frau vorgestellt. Neptun überreicht ihr eine Krone, Merkur beut ihr einen Szepter und Cybele ihre Schlüssel dar. Auf dem Flur des Saals sind die Erd- und Himmelskugel mit Messing und mannigfaltig gefärbtem Marmor gezeichnet; aber die vielen Füsse, die hier täglich herumwandern, haben die Himmelszeichen und die Abtheilungen der Erde beinahe verwischt.

In der Bürgermeisterkammer befindet sich ein schönes Gemälde von Ferdinand Bol, das den Fabricius im Lager des Pyrrhus, und ein anderes, das den Curius bei seiner sparsamen Mahlzeit vorstellt. Die Geheimeraths-Kammer ist mit einem grossen Gemälde von Brankhorts, den Mosen und die siebzig Ältesten Israels vorstellt, und einem andern von dem bereits oben gerühmten Künstler Flink ausgeschmückt, auf welchem Salomo die unschätzbare Gabe der Weisheit vom Himmel erfleht. Die marmornen Kaminstücke in diesem Zimmer sind mit einigen kunstvoll gearbeiteten historischen Basreliefs geziert, und über den Thüren sind einige schöne nachgeahmte Basreliefs von Johann de Witt angebracht, dem Künstler, der den grossen Speisesaal in dem Hause im Busch beim Haag mit ähnlichen Produkten schmückte.

In einem andern Zimmer sieht man ein grosses Gemälde von B. Vanderhelst, auf welchem ein Fest abgebildet ist, welches die Amsterdamer Bürgermeister den spanischen Gesandten nach dem Münsterschen Frieden gaben, welcher den Krieg beendigte, der achtzig Jahre hindurch die Niederlande verwüstete; das Gegenstück dazu von Vandyke, stellt einen Greis vor, für dessen Kopf man einst die Summe von siebentausend Gulden bot. Ich bemühte mich an diesem Kopfe etwas ausserordentliches zu entdecken, das diesen hohen Preis rechtfertigen könnte; aber vergebens. Ich betrachtete ihn noch einmal, und dennoch fand ich nichts.

Bei einem solchen Sammelplatz von Prachtstücken, wie das Amsterdamer Rathhaus, wo man zugleich den edlen Styl der Baukunst und die Schönheiten seiner Verzierungen bewundert, wird der Geist mit Gegenständen überladen und die Urtheilskraft durch die ausserordentliche Anstrengung geschwächt. Diesem Umstande muss man es denn auch wohl zuschreiben, dass ich nicht im Stande war, an Vandyke's Greis die besondere Vortrefflichkeit zu finden, die Kenner darin entdecken. Eben dieses Zimmer enthält auch Gemälde von Rubens, Otto Venius und Jordaens, aber, die beiden von mir erwähnten Stücke sind darunter die besten.

Der Thurm auf dem Rathhause wird von Fremden wegen des darauf befindlichen Glockenspiels besucht. Dieses spielt alle Viertelstunden eine verschiedene Arie und dreimal wöchentlich um zwölf Uhr lässt sich ein besonders dazu angestellter Musiker zum Vergnügen der Amsterdamer Bürger darauf hören. In Holland werden die schwersten Töne mit erstaunlicher Genauigkeit auf den Glocken hervorgebracht. Ein Hauptfehler dieser Musik besteht darin, dass die verschiedenen Töne zu sehr in einander laufen, und wenn die Glocken nicht in gehöriger Ordnung sind, so verursachen diese verworrenen Töne einen ausserordentlich widrigen Missklang. Die Arbeit eines Glockenspielers ist so angreifend dass, wenn er dieses Geschäft eine Stunde lang verrichtet hat, er dann nothwendig zu Bette gehen muss, und selbst im Winter spielt oder arbeitet er vielmehr im blossen Hemde.

Auf dem Flur des Rathhauses befindet sich auch das Stadtgefängniss für Criminalverbrecher, und die Zimmer zur Verwahrung der Schuldner. Die Anzahl der letztern stieg nicht auf dreissig, und die Zahl der erstern an diesem Orte oder vielmehr derer, die nur im Verdachte schwerer Verbrechen standen, -- denn keiner war bisher überführt worden, -- betrug nur fünfe. Ich habe nur eine von diesen Zellen gesehen, in welcher zwei Gefangne verwahrt wurden, und glaube davon auf die übrigen schliessen zu können. Sie war luftig, rein und weitläuftig, auch hatten ihre Bewohner ein gesundes Ansehn. Sie waren zwar in Eisen, aber die Fesseln waren ohne Vergleich leichter als die in England gewöhnlichen. Einer der Gefangenen war ein Jüngling von zwanzig Jahren mit einer sehr scharfsinnigen Physionomie. Lavater's Regeln habe ich bisher immer umgekehrt wahr gefunden; hätte ich aber diesen Menschen aus seinem Kerker retten können, so würde ich ihm meine Person und mein ganzes Eigenthum anvertraut haben.

In die Folterkammer wollte man mich nicht einlassen, und ich konnte auch nicht in Erfahrung bringen, seit wann sie nicht mehr gebraucht wird. Auf meine Frage, ob seit der Revoluzion auch Staatsgefangene wären auf die Folter gebracht worden, erhielt ich eine so peremtorisch-verneinende Antwort, dass ich daraus schloss, man halte durch meine Frage die Menschlichkeit der holländischen Nazion beleidigt, und man versicherte mich dagegen, selbst während der unruhigsten Periode wären die begangener Staatsverbrechen wegen verdächtigen Personen mit der äussersten Sanftmuth und Milde behandelt worden.

Die Zimmer der bösen Schuldner waren nicht so nett und ordentlich wie die der Hauptverbrecher, und rochen sehr unangenehm nach Brantwein und Taback. Die Menschen selbst waren sehr schmutzig und elend. Was ihnen ihre Gläubiger zum Lebensunterhalt auswerfen müssen, konnte ich nicht genau erfahren; auch ist diess nach den Umständen verschieden: so viel aber sagte man mir, dass es in baarem Gelde bestehe und zu einer Zeit bestimmt worden sey, wie alle Lebensmittel weit wohlfeiler waren, daher die Leute damit fast nicht auskommen könnten.

Die geringe Anzahl der hier verhafteten Schuldner ist eine glückliche Folge der vortrefflichen holländischen Gesetze in Ansehung der Gläubiger und Schuldner. Niemand kann hier Schulden wegen verhaftet werden, der nicht dreimal, mit einem jedesmaligen Zwischenraume von vierzehn Tagen, deshalb gerichtlich vorgeladen worden ist, und dann müssen noch sechs Wochen, von der letzten gerichtlichen Bekanntmachung an, verstreichen, ehe es dem Gläubiger gestattet wird, die Person oder das Vermögen des Schuldners anzugreifen. Durch diese nachsichtsvolle Verfahrungsart werden die Schuldner in den Stand gesetzt, entweder die nöthigen Mittel zur Befriedigung ihrer Gläubiger herbeizuschaffen oder sich mit ihnen zu vergleichen, so dass nur wenige das Schicksal trifft, wegen bedrängter Vermögens-Umstände ins Gefängniss zu kommen.

In seinem eigenen Hause, selbst wenn er vor der Hausthüre steht, kann niemand arretirt werden, wenn gleich alle nöthige Vorladungen bereits erfolgt wären, und liegt die Frau des Schuldners im Kindbette, so kann er selbst während dieser Zeit das Haus verlassen, ohne eine Verhaftung von Seiten seiner Gläubiger oder ihrer Sachverwalter zu besorgen.

Einige Ausnahmen von diesen wohlthätigen Regeln finden statt in Ansehung der ausgestellten Wechsel, der in die Staatskasse zu zahlenden Gelder, wie z. B. Auflagen, Steuern und Geldstrafen, und in Ansehung der Hauszinsen, wenn sie über ein ganzes Jahr zurück stehen. Aus der geringen Anzahl der Arretirten dieser Art, lässt sich indess vermuthen, dass die Strenge der Gesetze nur in wenigen Fällen gegen insolvente Schuldner angewandt werde. Ein anderer niedrigerer Gerichtshof, dessen Mitglieder lauter verständige und rechtschaffene Bürger sind, hat das Recht, über geringe Schuldforderungen zu verfügen, und durch ihn sind schon viele kostspielige Prozesse verhindert worden. Seine Entscheidungen sind bestimmt, menschenfreundlich und billig. Bei einer genauern Untersuchung würde man, glaube ich, finden, dass beinahe ein Drittheil der Summen, weswegen in England Personen im Gefängniss sitzen, aus den Prozesskosten bestehe; -- ein äusserst schädliches Übel, das die weise Politik der Holländer sorgfältig vermieden hat.

Die kleine Anzahl von Criminalverbrechern in Amsterdam giebt einen erfreulichen Beweis von den guten Sitten der Bewohner dieser grossen Stadt oder von der Wachsamkeit ihrer Polizei. Seit dem Jahre 1_96, einer Periode, wo sich der Staat in der bedrängtesten Lage befand, die auch von den niedern Klassen der Gesellschaft sehr lebhaft gefühlt wurde, haben nur drei Verbrecher ihr Leben durch die Hand des Scharfrichters verloren. In London und Middlesex geschehen jährlich über vierzig Hinrichtungen, ein trauriger Beweis des blutdürstigen Geistes der englischen Gesetze oder der verderbten Sitten der Nazion.

In mehrern Provinzen Hollands sah man das barbarische Schauspiel einer öffentlichen Hinrichtung ein ganzes Jahrhundert hindurch nicht, und zu Amsterdam kann in dieser Periode auf ein Jahr nicht einmal ein einziges Opfer gerechnet werden, das übertretene Gesetze mit seinem Leben büsste. Wie menschenfreundlich und aufgeklärt ist diese Politik, verglichen mit der Blutverschwendung in den englischen Gerichten! Zu verschiedenen Zeiten hat die englische Gesetzgebung nach vorgängiger Berathschlagung hundert und sechzig Verbrecher mit der Todesstrafe belegt. Man kann wohl mit Zuverlässigkeit behaupten, dass ein so blutdürstiger Criminalkodex keine andere Periode oder Nazion entehrt.

Auf dem Flur des Rathhauses befinden sich ausserdem noch die wohlverwahrten Behälter, in denen ehemals die unermesslichen Schätze der Amsterdamer Bank aufbewahrt wurden, nebst den dazu gehörigen Geschäftszimmern. Ich werde unten von dieser Bank und ihrer Lage zur Zeit der französischen Invasion noch ausführlicher sprechen. Eine kleine Anzahl Schreiber steht noch in Diensten der Bank, um die häufigen Forderungen ihrer Gläubiger in Empfang zu nehmen. Nach geschlossenem Frieden wird wahrscheinlich diese Anstalt, wegen ihres grossen Nutzens in der Handlung, wiederhergestellt werden, und unter ehrlicher und rechtschaffner Verwaltung Vortheil verschaffen und Ansehn erhalten.

Von aussen hat das Rathhaus ein edles und erhabnes Ansehn und ist gewiss in jeder Hinsicht der reichen Stadt, für die es erbaut ist, vollkommen würdig. Der Eingang durch sieben kleine Thore wird für ein so prachtvolles Gebäude unschicklich gehalten, und ohne Zweifel würde ein geschmackvolles Portal der Bauart des Ganzen angemessener seyn. Aber hier musste Sicherheit der Schönheit vorgezogen werden. Die Bürgermeister, welche bei dessen Erbauung die Aufsicht hatten, überlegten, dass hier die Schätze der Bank, die Archive der Stadt und die Urkunden der Gerichtshöfe sollten aufbewahrt werden; sie kannten die Heftigkeit und Unbeständigkeit des Pöbels und glaubten, dass sieben kleine Thore besser als ein grosses vertheidigt werden könnten, wenn bei einem Aufruhr der Pöbel ins Rathhaus dringen wollte, um es seiner Schätze zu berauben oder durch Vernichtung der hier befindlichen Papiere das ganze Land in Verwirrung und Unglück zu stürzen.

Das Dach des Rathhauses ist mit mehrern vortrefflichen Statüen verziert, von welchen die eine, -- die kolossalische Figur des Atlas mit einer ungeheuer grossen kupfernen Weltkugel auf den Schultern, -- vorzüglich schön gearbeitet ist. Die Stellung dieser Figur ist bewundernswürdig und die ganze Idee erhaben. Ich muss hierbei bemerken, dass die schönsten Bildhauerarbeiten, die das Amsterdamer Rathhaus schmücken, Produkte des berühmten Künstlers Arthur Quellinus aus Antwerpen sind.

Auf dem Platz vor dem Rathhause befindet sich auf einem hundert Fuss hohen Pfahle, oder vielmehr Mastbaume, der holländische Freiheitshut. Der Mast selbst ist mit den Nazionalfarben, roth, weiss und blau gemalt, und an der Spitze mit künstlichen Palmblättern geschmückt. Das Fussgestell dieses Pfahls hat die Form einer Säule, an welche Bretter mit den Bildern der Freiheit, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit befestigt sind. Auch hier fand man, wie in andern holländischen Städten, dass der Freiheitsbaum nicht gedeihen wollte, darum pflanzte man einen Mastbaum, um das Sinnbild der holländischen Freiheit recht anschaulich zu machen.

Der Raum vor dem Rathhause, der sogenannte Damm, wird durch ein schlechtes Gebäude, -- das Zollhaus der Stadt, -- verunstaltet. Es ist ein kleines, elendes Gebäude, das dem Fremden, der die weitläuftigen und prächtigen Zollhäuser in London gesehen hat, keine grosse Idee vom Amsterdamer Handel einflösst. Hier bemerkte ich kein Gedränge von Menschen, und doch war es die Tagszeit, wo man die meisten Geschäfte macht; ich sah nur eine beträchtliche Menge von Waaren untersuchen und wiegen. Dies ist das Hauptzollhaus; ausserdem giebt es aber noch zwei andre, zur Erleichterung des Handels in zweckmässiger Entfernung von einander erbaut.

Dreizehnter Brief.[]

[12.]

Amsterdam.

In Ansehung der Schönheit und Sauberkeit lassen sich die Amsterdamer Strassen mit denen zu Haarlem und Leiden gar nicht vergleichen. Einige wenige in den vorzüglichsten Quartieren der Stadt ausgenommen sind sie im Allgemeinen sehr schmutzig und die Kanäle mit stinkenden Auswürfen aller Art angefüllt. In den heissen Tagen des Sommers müssen die schädlichen Ausdünstungen der letztern, deren Gewässer durch viele animalische und vegetabilische Substanzen verdorben ist, der Gesundheit sehr nachtheilig werden und das Vergnügen der Einwohner stören.

Um sie zu reinigen, sind an den äussersten Enden der Stadt Mühlen erbaut, die das faulende Wasser auspumpen und die stagnirenden Sümpfe in Zirkulazion bringen. Jeden Tag werden die Thüren und Schleussen geöffnet und viele Barken sind beschäftigt, den Unrath zu sammeln, der auf der Oberfläche der Kanäle schwimmt, oder den Schlamm vom Boden zu holen. Sind diese Böte angefüllt, so bringen sie ihre Ladungen nach Brabant, und der Preis, der für diesen Dünger hier bezahlt wird, ersetzt die Unkosten der Reise.

Aber aller angewandten Sorgfalt ungeachtet bleiben diese Kanäle immer ekelhaft schmutzig. In vielen bemerkt man die Auswürfe der Schlachthäuser, faulende Fische und den Abfall der Gemüssmärkte. Unzählige todte Hunde und Katzen schwimmen darauf, und in einem Kanal sah ich sogar ein Pferd im abscheulichsten Zustande der Verwesung. Das Wasser derselben steht gewöhnlich eine Elle unter dem Strassenpflaster, ist acht bis neun Fuss tief und hat eine Elle dicken Schlamm unter sich, so dass wenn Menschen oder Thiere hineinstürzen, sie ohne schleunige Hülfe nur durch besondres Glück vom Ertrinken gerettet werden können. Nur an wenigen Kanälen ist der Rand mit einem Gitter oder einer Kette besetzt, aber eine hinreichende Anzahl von Lampen in gehöriger Entfernung von einander, zeigt die Nähe derselben auch in den dunkelsten Nächten, und da Fremde beim Gehen in den Strassen sehr vorsichtig zu seyn pflegen, die Einwohner der Stadt aber die Lage der Kanäle kennen, so geschehen nur selten Unglücksfälle dieser Art.

Die Strassen in Amsterdam haben keinen besondern Pfad für die Fussgänger, wie in England. Platten, das beste Pflaster zu diesem Behuf, kann man in einem Lande nicht erwarten, wo es keine Quadersteine giebt (indessen erinnere ich mich, dass die rechte Seite von London mit schottländischen Steinen gepflastert ist). Aber besser hätte man doch für die Sicherheit und Bequemlichkeit des Volks sorgen sollen. Die Amsterdamer Strassen sind mit Backsteinen gepflastert und im handelnden Theile der Stadt so kothig wie Wapping oder Thames-street in London.

Die Amsterdamer Kaufleute pflegen ihre Waaren nicht wie die Londner auf eine besonders vortheilhafte Art in den Läden auszustellen, und besitzen auch überhaupt dazu wenig Talent. Einige der gröbsten Handelsartikel, die durch die Ausstellung am wenigsten beschädigt werden können, setzt man ohne Regelmässigkeit und Geschmack in die Fenster, und man hat dabei nur den Zweck, die Gattung des Handels anzuzeigen. In den Läden, die wir zufällig besuchten, trafen wir höfliche und verständige Leute. Wenn sie nicht englisch oder französisch verstanden, -- ein Fall, der mehrmals eintrat, -- so kostete es uns selten viele Mühe, ihnen unsre Bedürfnisse verständlich zu machen, und wir wurden von ihnen, ohngeachtet wir Fremde und mit den Preisen ziemlich unbekannt waren, nicht im geringsten übertreuert.

Indessen kann ich den Frauenzimmern, mit denen ich handelte, weder das Lob der Höflichkeit, noch des Verstandes, noch der Ehrlichkeit beilegen. War die Schwierigkeit, uns ihnen verständlich zu machen, besiegt, welches oft viel Geduld und Scharfsinn erforderte, so schreckten uns ihre ungeheuren Forderungen zurück. Eine Handelsfrau verlangte für eine kleine Büste von Bonaparte, die ich zu kaufen wünschte, weil sie mir General Henisdal als dem Originale sehr ähnlich empfohlen hatte, sechszehn Gulden. Überzeugt von der Unbilligkeit dieser Forderung verliess ich den Laden und kaufte in einem andern eine völlig ähnliche für zehn Gulden. Diese üblen Eigenschaften der holländischen Damen, deren ich mich mit Verdruss erinnere, haben wahrscheinlich in ihrer fehlerhaften Erziehung und in der Geisttödtenden, das Sittengefühl abstumpfenden eingeschränkten Lage, wozu sie in Holland, und ich möchte wohl sagen, in sieben Achttheilen der Welt verdammt sind, ihren Grund.

Das Betteln ist in Holland so streng verboten, dass man wirklich keinen einzigen Bettler in den Strassen zu Gesicht bekommt. Indessen begegnet man in den volkreichsten Quartieren der Stadt einer Menge armer Leute, die mit Kleinigkeiten handeln und die Vorbeigehenden lauf anrufen, ihnen aus Barmherzigkeit und christlichem Mitleiden etwas abzukaufen. Ein kleiner Tabuletkrämer der Art, noch nicht einmal sieben Jahre alt, bat mich in drei verschiedenen Sprachen, französisch, englisch und holländisch, ihm seine Waaren abzukaufen, und lässt sich anders von der Physionomie des jungen Sprachkenners auf seine Herkunft schliessen, so mochte er wohl auch noch die hebräische neben den neuern Sprachen verstehen.

Eins so frühzeitige Kenntniss konnte natürlich nicht weit her seyn; was er vom Englischen und Französischen verstand reichte kaum hin, seine Waaren anzupreisen und Mitleid gegen sich zu erwecken. In dieser letztern Kunst hatte er es indessen weit gebracht und den darin genossenen Unterricht mit einem solchen Scharfsinn aufgefasst, wie sich's von seinen Jahren kaum erwarten liess. Man wird leicht denken, dass ich die Bitten eines mit solchen Talenten ausgestatteten Kindes in dürftiger armseliger Kleidung nicht unerhört liess, und aus Dankbarkeit, oder vielmehr, -- welches mit wahrscheinlicher ist, -- um seine Kunst zu zeigen, erbat der Knabe für mich in drei verschiedenen Sprachen den Segen des Himmels.

Im Haag und zu Rotterdam, wo das Betteln erlaubt ist, habe ich Bettler getroffen, die in französischer und englischer, so wie in ihrer Muttersprache um Almosen baten; aber es waren schon Leute von gewissen Jahren, und dies verminderte mein Erstaunen. Ich muss hier bemerken, dass in den holländischen Städten, die ich besucht habe, nicht solche empörende und ekelhafte Gegenstände das Mitleiden des Publikums erpressen, wie man sie auf den englischen Strassen und Wegen so häufig antrifft. In den grossen Städten von Holland befinden sich reiche Stiftungen zur Aufnahme jeder Art von Kranken, wo sie mit Zärtlichkeit behandelt und mit Sorgfalt gepflegt werden.

Ungeachtet des Verfalls des Amsterdamer Handels doch in den Geschäftsstunden die Börse mit Kaufleuten und Krämern angefüllt. Dieses Gebäude ist weder so gross, noch so schön und bequem, wie die königliche Börse zu London. So wie die Rotterdamer dient auch die hiesige zum Versammlungsort der Stadtgarnison, die hier wöchentlich einmal exerzirt. Bei der fast gänzlichen Vernichtung des Handels geschieht es wohl blos aus Gewohnheit, dass sich die Kaufleute jetzt wie vorher auf der Börse versammeln. Die Geschäftsstunden sind zwischen zwölf und zwei Uhr, dann erblickt man hier eine Versammlung von Menschen in den verschiedensten Nazionaltrachten, die alle nach einem gemeinschaftlichen Ziele, der Anhäufung des Gelds, zu streben scheinen.

Gern eile ich von einer Szene, wo die Energie des menschlichen Geistes mit so unwürdigen Gegenständen beschäftigt ist, um eine Anstalt zu beschreiben, die für Amsterdam eben so ehrenvoll als für die Wissenschaften nützlich ist.

Im Jahr 1777 trat zu Amsterdam eine Gesellschaft von vierzig reichen und aufgeklärten Männern in der lobenswürdigen Absicht zusammen, die Wissenschaften und schönen Künste zu befördern. Anfangs wurden ihr von Seiten der statthalterischen Partei, der orthodoxen holländischen Geistlichkeit und den sparsamen Kaufleuten der alten Schule, die alle mit dem Handel nicht in unmittelbarer Verbindung stehende Untersuchungen als gefährliche Neuerungen betrachteten, viele Hindernisse in den Weg gelegt. Trotz dieser mächtigen Vereinigung unangenehmer Umstände, dem politischen Hass, der religiösen Furcht und den eingewurzelten Vorurtheilen, wogegen diese Gesellschaft zu kämpfen hatte, wurde ihre Lage bald blühender, als selbst die feurigsten Hoffnungen ihrer ersten Unternehmer erwarten liessen. In kurzer Zeit stieg der Fonds dieser Anstalt auf eine Million Gulden, und in einer der Hauptstrassen von Amsterdam wurde für sie ein prächtiges Gebäude *) errichtet. Diese Anstalt wurde den ersten November 1788 für den öffentlichen Unterricht durch eine vom Professor Van Swinden gehaltene passende Rede eröffnet.

*) Dieses in einem schönen Styl errichtete und mit einer vortrefflichen Kolonnade versehene Gebäude hat 300,000 Gulden gekostet.

Die Gesellschaft gab sich den Namen Felix meritis, vielleicht in Beziehung auf das Glück, das den Menschen durch die Kultur der Wissenschaften zu Theil wird, und die _ahl ihrer Mitglieder stieg von vierzig auf zwölfhundert *).

Ihre Untersuchungen haben fünf Hauptgegenstände zum Zweck. Physik, welche Naturgeschichte, Arzneiwissenschaft und Chemie unter sich begreift; Handel, wohin Schifffahrtskunst, Ackerbau und Manufakturen gerechnet werden; die nachahmenden Künste, Mahlerei und Bildhauerkunst; Musik und Literatur.

*) Die Mitglieder dieser Gesellschaft sind theils wirkliche, theils Ehren-, theils allgemein tituläre, theils besonders tituläre Mitglieder. Sie müssen sämtlich christlicher Religion und über achtzehn Jahre alt seyn Die wirklichen Mitglieder zahlen eine jährlichen Beitrag von fünf Dukaten. Aus diesen Beiträgen werden die Lehrer besoldet und Bücher und Instrumente angeschafft. Die titulären und andern Mitglieder können vom ganzen Institute Gebrauch machen; auch dürfen sie Fremde einführen, denen aber die Benutzung der Vorlesungen versagt ist.

Jede dieser Klassen besitzt ein eigne mit den zu Versuchen nöthigen Werkzeugen versehenes Zimmer. Das physikalische Kabinet enthält eine kleine naturhistorisches Museum und einige anatomische Präparate. Die Einrichtung darin ist schön und wissenschaftlich. Im Handelssaal befinden sich verschiedne Modelle nützlicher Erfindungen. Das musikalische Zimmer wird wegen der vortreffliche Verfassung seines Orchesters bewundert; worin aber das besondre Verdienst desselben liege, konnte ich nicht recht erfahren, und ich wurde leider durch eine Einladung verhindert, das Konzert, das wöchentlich hier gehalten wird, zu besuchen und selbst darüber zu urtheilen.

In dem der Literatur gewidmeten Zimmer steht eine ausgesuchte Bibliothek. Das Lesepult von Mahagoniholz ist mit vortrefflich gearbeiteten Sinnbildern der Gelehrsamkeit geschmückt. Der Saal für die Malerei verschaffte uns keine günstige Idee von dem gegenwärtigen Zustande dieser Kunst in Holland. Er enthielt nur zwei Gemälde, wovon das eine die Fronte eines Gebäudes, das andre eine Gruppe von Studenten, die die Vorlesungen eines Professors anhören, vorstellt. Ausserdem sah man noch eine ziemlich gute Sammlung von antiken Formen zum Unterricht junger Maler, und man versicherte mich, mehrere hoffnungsvolle Zöglinge benutzten sie täglich *).

*) Bei Gelegenheit dieses vortrefflichen Instituts in Amsterdam muss ich die Leser auf eine andre, für Holland noch weit wichtigere, Bildungsanstalt aufmerksam machen, die der Verf. ganz mit Stillschweigen übergeht, ich meine die Seeschule (Kweekschool voor de Zeevart). Sie kam im Jahre 1785 zu Stande und verdankt dem Patriotismus mehrerer reichen Kaufleute von Holland ihr Daseyn. Das für diese Anstalt am Quay des y errichtete Gebäude zeichnet sich nicht blos durch äussere Schönheit und Eleganz, sondern vorzüglich durch Zweckmässigkeit in der Bauart aus. Der Saal für den Unterricht, so wie die Schlafsäle der Knaben, sind gerade so niedrig, wie auf dem Schiffe. In letztern vertreten Hängematten die Stelle der Betten. Die Knaben erhalten hier im Schreiben, Zeichnen, Rechnen, Rissemachen und in der Religion Unterricht. Ihre Speisen bestehen in der gewöhnlichen Schiffskost. Auf dem Hofe erblickt man ein grosses, vollständiges, dreimastiges Kauffahrteischiff mit allem Zubehör, das der reiche Hope dieser Anstalt verehrte. -- Anfangs genossen hier nur 50 Knaben Unterricht, nachher stieg ihre Zahl bis auf 150, jetzt aber, da der Krieg ihre Fonds geschwächt hat, ist diese Anzahl wieder auf 100 herabgesetzt worden. Wohlhabende Eltern zahlen für ihre Kinder jährlich 50 holländische Gulden; arme hingegen gar nichts.

Von der Spitze dieses Gebäudes genossen wir eine herrliche Aussicht über Amsterdam. Der Tag war vorzüglich heiter, eine Seltenheit zu Amsterdam im Monat November, und da die Stadt auf einer vollkommnen Ebene liegt, so konnten wir sie von dieser Anhöhe ganz übersehen. Dem Anschein nach nimmt die Hauptstadt Hollands nicht den dritten Theil der Fläche von London mit Westminster und Southwark ein. Viele nicht mit Kanälen versehene Strassen sind eng, und da hier nur wenige beträchtliche Plätze sind, so ist die Anzahl der Häuser in Amsterdam nach Verhältniss der Fläche, auf der sie stehen, gross. Das Rathhaus, von der Spitze des Felix meritis aus betrachtet (denn dieser Name steht mit goldenen Buchstaben an der Fronte des Gebäudes), gewährt einen erhabnen Anblick. Die Kirchen und andre öffentliche Gebäude der Stadt aber verdienen weder in Ansehung der Schönheit, noch des erhabnen Styls erwähnt zu werd n.

Nach einer genauen Zählung belief sich im Jahr 1783 die Anzahl der Häuser in Amsterdam auf dreissigtausend, siebenhundert und funfzig, und man rechnete damals, dass diese Zahl jährlich durch funfzig neue Wohnungen vermehrt werde. Der nachherigen traurigen Zeitumstände ungeachtet wurden doch jährlich ohngefähr eben so viele neue Gebäude errichtet, und die Anzahl der Häuser in Amsterdam beläuft sich jetzt wohl gewiss über zwei und dreissig tausend. Rechnet man nun auf jedes Haus sieben und einen halben Einwohner, -- eine Berechnung, deren sich berühmte Männer bei Schätzung der Bevölkerung von London bedient haben, und die man auch mit Grund auf Amsterdam anwenden kann, wo im Ganzen die Häuser geräumig, hoch, und für drei bis viel Familien eingerichtet sind, -- so beträgt die Bevölkerung der holländischen Hauptstadt zweihundert und vierzigtausend Seelen. Die Fremden sind hierunter nicht begriffen; man kann ihre Anzahl indessen wenigstens auf zehntausend annehmen; es läßt sich daher mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten, dass zweihundert und funfzigtausend Menschen diese grosse Stadt bewohnen.

Bei einer so starken Bevölkerung, die aus Menschen von den verschiedensten Nazionen und Sprachen zusammengesetzt ist, wo man die Extreme von Reichthum und Armuth neben einander erblickt, verdient die Polizei und gute Ordnung, die Vortrefflichkeit ihrer städtischen Einrichtungen und die Menschlichkeit der Gesetze, wodurch diese Stadt regiert wird, das höchste Lob, da wie ich schon erwähnt habe, jährlich nur ein einziger Missthäter durch die Hand des Scharfrichters stirbt und die Anzahl der verhafteten Schuldner selten über dreissig steigt.

Die Amsterdamer Polizei ist geblieben, wie sie vor der Revoluzion war, nur sind die Namen der Obrigkeiten nach den neuern republikanischen Benennungen verändert worden; auch wäre es gewiss sehr gefährlich gewesen, wenn man wesentliche Veränderungen in ein System hätte bringen wollen, das durch Beschützung der ruhigen und Verwahrung der schädlichen Staatsbürger so thätig für die öffentliche Sicherheit würkt.

Hier sind die Nachwächter nicht wie in London abgelebte schwache Greise, sondern starke handfeste Männer, von denen beständig zwei zusammen die Strassen durchwandern, um desto schneller Verbrecher aufzuspüren und die Nachlässigkeit und Untreue der andern anzuzeigen. Diese Leute sind mit einem Degen und einem Stabe bewaffnet, der am Ende mit einem Haken versehen ist. Allein sie dürfen sich bei schwerer Strafe der Degen nur in Fällen eines hartnäckigen und gefährlichen Widerstands bedienen, und ich vermuthe auch, dass in den meisten Fällen die Stäbe hinlängliche Waffen für sie sind. Ausserdem führen sie noch eine hölzerne Klapper bei sich, mit der sie die ganze Nacht hindurch einen fürchterlichen Lärm erregen, um dadurch ihre Aufmerksamkeit auf ihren Dienst zu erkennen zu geben und wenn irgend ein Aufruhr Lärm zu machen nöthigt, so dient ihnen dieses Instrument zum Hülfe rufen.

Zu Verhütung der Feuersgefahren und zu ähnlichen nützlichen Zwecken befinden sich Schildwachen des Nachts auf den Kirchthürmen und an andern hohen Orten, die vermittelst Trompeten die halben Stunden anzeigen; wenn sie ein Haus in Brand erblicken, eine grosse Laterne an der Seite, wo sie das Feuer wahrnehmen, heraushängen und dadurch in kurzem die ganze Stadt in Bewegung bringen. Wegen des grossen Ueberflusses an Wasser, das überall zu Gebot steht, und der Schnelligkeit, womit Lärm gemacht und Hülfe geschaft wird, kann das Feuer hier selten grossen Schaden anrichten.

Die Stadtmilitz besteht aus fünf Bataillons, wovon jedes zwölf Kompagnien enthält, so dass der Dienst alle vierzehn Tage herum kommt. Vor der Revoluzion war jeder, der einen andern an seine Stelle schickte, welches zu einem wohlfeilem Preis geschehen konnte, vom persönlichen Dienste befreit; seit der Umsturz der Aristokratie aber musste der reichste wie der ärmste Bürger durch persönlichen Dienst zur allgemeinen Sicherheit beitragen.

Diese Einrichtung war von nicht so grossen Folgen, als man vermuthete; denn schon vorher, wie es noch von eines jeden Willkühr abhieng, verleitete viele der Geiz, der sich hier in der niedrigsten Gestalt zeigt, lieber selbst zu dienen, als einen Stellvertreter zu bezahlen, und mehrere reiche und angesehene Bürger liessen sich aus Patriotismus und edlem Pflichtgefühl bei diesem nützlichen Korps anwerben.

Diese verschiedenen Wachen sind vollkommen hinreichend für die nächtliche Sicherheit der Stadt und verhindern viele Beraubungen und Gewaltthätigkeiten.

Das Zuchthaus und Spinnhaus, -- Gefängnisse zu Bestrafung und Besserung der Verbrecher beiderlei Geschlechts, -- können von jedermann gegen Erlegung eines kleinen Trinkgeldes von zwei Stübern für den Gefangenwärter in Augenschein genommen werden. Im Zuchthause beschäftigen sich die Gefangenen mit Sägen und Reiben des Campeche-Holzes und anderer Farbehölzer. Sie müssen täglich funfzig Pfund reiben, eine Arbeit, die sie an einem Nachmittage, wenn sie stark und fleissig sind, verrichten können. Das Zuchthaus ist ein viereckigtes drei Stockwerk hohes Gebäude mit einem Hofe in der Mitte, der sehr schmutzig und mit einer Menge hölzerner Pfähle bedeckt war. Es werden hier nur Männer verwahrt und ihre Anzahl belief sich auf siebenzig. Die Hauptverbrecher befinden sich auf dem Flur, je zwei in einer Zelle, die ein offnes durch eiserne Stäbe verwahrtes Fenster hat, in welcher sie schlafen und arbeiten; sie waren ohngeachtet ihrer sauern Arbeit stark gefesselt. Alle Arbeiteten hier ohne Hemde und ich bemerkte auf einigen Rücken Striemen, die nicht mit sparsamer Hand ausgetheilt waren. Wenn ich sage, dass ihre Arbeit des Nachmittags verrichtet werden kann, so behaupte ich damit nicht, dass sie leicht sey; es findet vielmehr das Gegentheil Statt: aber die Züchtlinge arbeiten desto eifriger des Morgens, um sich für den Abend Erholung zu verschaffen.

Ehemals wurden die Nachlässigen Arbeiter in einen Behälter gesteckt, wohin man Wasser in solcher Menge leiten konnte, dass die Gefangenen, um sich vom Ertrinken zu retten, beständig pumpen mussten; hierdurch bekamen sie dann bald wieder zur weniger gefährlichen und unangenehmen Arbeit des Holzreibens Lust. Aber diese barbarische Methode, die Verbrecher zur Arbeit zu zwingen, wurde abgeschafft, als ein durch seine Lage in Verzweiflung gestürtzter Unglücklicher einst das Wasser überströmen liess und ertrank. Körperliche Strafen, einsame Verwahrung und Entziehung der Speisen sind jetzt Mittel, wodurch man die Widerspenstigen zur Arbeit zwingt, und ich fürchte, sie werden mit einer solchen Härte angewandt, dass man den beabsichtigten Zweck nie verfehlt.

Im Ganzen scheinen die Züchtlinge durch die Einkerkerung, ungesunder Luft, schlechte Nahrung, harte Behandlung und schwere Arbeit sehr mager geworden zu seyn. Ihre Zellen sind ausserordentlich schmutzig und ihre Betten, -- Matrosen-Hängmatten, -- befinden sich in einer elenden Verfassung.

Die Dauer der Gefangenschaft ist nach Beschaffenheit der Verbrechen von einem Monat bis auf fünf Jahre verschieden; bei besonders schweren Vergehen und hartnäckigen Verbrechen dauert sie sieben bis vierzehn und mehrere Jahre, zuweilen, -- doch dieser Fall ist selten, -- wird ein Delinquent zu lebenslänglicher Gefangenschaft vorurtheilt.

Von dieser letzten Art befand sich hier nur ein Einziger. Die moralische Schändlichkeit seiner That war gross; nimmt man aber auf die Triebfedern der Menschen und ihre Schwäche Rücksicht: so bin ich geneigt zu glauben, dass die Strafe mit dem Vergehen in keinem Verhältniss stand. Er war einst ein vornehmer und angesehner Kaufmann, dem die Fonds zur Unterhaltung und Versorgung der Amsterdamer Wesen anvertraut waren. In diesem Amte missbrauchte er das in ihn gesetzte Vertrauen und blieb sechzig Tausend Gulden schuldig. Die Sache ward entdeckt, man machte ihm den Prozess und wie der Beweis vollkommen war, wurde er zur Genugthuung des Publikums zu lebenslänglichem Gefängniss verurtheilt. In England wäre diese That wie ein blosser Betrug behandelt und mit Landesverweisung oder einer Gefangenschaft von bestimmten Jahren bestraft worden. Der Missbrauch eines Zutrauens, das man besonders heilig halten sollte, vergrösserte freilich die Schuld: aber man muss auch bedenken, dass die Verführung zum Missbrauch mit diesem Zutrauen im Verhältniss stand.

Dieser Plünderer der Waisenkasse hatte die Miene eines ganz gemeinen Bösewichts. Er ging im Hofe frei und ohne Fesseln umher, und schien durch seine Lage wenig niedergebeugt zu seyn, ohngeachtet ihn seine Mitgefangenen wie einen Verbrecher behandelten, dessen Schuld die ihrige weit überträfe, und mich auf ihn durch meinen Lohnbedienten, der die Stelle des Dollmetschers vertrat, als auf einen Bösewicht aufmerksam machten, der den grössten Abscheu verdiene.

Mehrere Züchtlinge arbeiteten nicht, und ich erfuhr, dass man diese Befreiung von der Arbeit mit Geld erkaufen könnte. Im Ganzen täuschte dieses Gefängniss meine Erwartungen sehr. Das Amsterdamer Zuchthaus war mir von mehrern Personen in Holland als ein Muster seiner Art geschildert worden; auch hatte ich in verschiedenen Büchern über Holland eine vortheilhafte Beschreibung davon gelesen. Aber in jeder Hinsicht fand ich mich betrogen. Der Ort selbst ist schmutzig und die Behandlung grausam. Diejenigen, die die Menschlichkeit des Gefangenwärters zu bestechen im Stande waren, wurden mit Sanftmuth behandelt; der dürftige Gefangene aber, den wahrscheinlich bittrer Mangel und nagender Kummer zu Vergehungen gereizt hatte, wurde mit saurer Arbeit überladen und mit beständiger Strenge gequält.

Über dem Thore des Zuchthauses steht eine schlecht gearbeitete die Strafe vorstellende hölzerne Figur, mit einer Ruthe und zwei gefesselten Verbrechern zu ihren Füssen; neben ihr erblickt man verschiedene Straf- und Tortur-Instrumente. Die lateinische Inschrift:

Virtutis est domare, quae cuncti pavent, bezeichnet die Nothwendigkeit und den Nutzen der Gefängnisse.

Das Spinnhaus, ein zur Bestrafung weiblicher Verbrecher bestimmte Gefängniss hat mit dem Zuchthause viel Ähnlichkeit und enthält eine gleiche, oder, wie mich dünkt, grössere Anzahl von Gefangenen. Die Arbeiten der Weiber sind nach ihren Geschicklichkeiten oder der Willkühr der Obrigkeit verschieden. Die schwersten und hartnäckigsten Verbrecherinnen haben unangenehme Beschäftigungen, wie zum Beispiel das Rupfen der Fäden von aufgedrehten Schiffstauen u. d. gl., während geringere Verbrecherinnen mit der Nadel Arbeiten müssen. Die Aufsicht über das Spinnhaus ist einer bejahrten Frau anvertraut, die ihre weiblichen Gehülfen hat, und im Ganzen scheint sich diese Anstalt in guter Verfassung zu befinden Die Gefangenen sind lauter liederliche Weibspersonen, die sich durch ein sehr nettes und reinliches Äussere auszeichnen; diejenigen, welche selbst keine anständigen Kleider besitzen, erhalten eine Art Uniform.

Auch hier findet lebenslängliche Gefangenschaft Statt; aber jetzt war keine einige Verbrecherin da, die auf so lange Zeit wäre verurtheilt worden. Bei wenigen dauert die Gefangenschaft länger als zwölf Monate, und erhält die Obrigkeit Beweise von ihrem guten Betragen, so werden sie oft noch vor diesem Termin in Freiheit gesetzt. Auch hier giebt man ein kleines Douceur, so wie im Zuchthause aber, wie ich vermuthe, hier zum Vortheil der Gefangenen. Die weiblichen Züchtlinge haben ein gesünderes und muntreres Ansehen als die männlichen, auch sind ihre Bequemlichkeiten so wie ihre Behandlung besser.

Von den Gefängnissen zu Amsterdam komme ich nun zu den privilegirten Bordellen dieser Stadt, den Pflanzschulen und Treibhäusern des Lasters. Lustdirnen dürfen ihr Gewerbe nicht auf den Strassen treiben; aber in verschiedenen Gegenden der Stadt sind sogenannte Spielhäuser unter dem Schutze der Obrigkeit errichtet, welche davon ein jährliches Einkommen zieht; diese stehen jede Nacht zum Empfang der Ausschweifenden beiderlei Geschlechts offen. Auffallend ist es, dass an diesen Plätzen der Unzucht die Sittsamen und Unschuldigen sich unter die Frechen und Ausgelassenen mischen. Der ehrbare Handwerker führt hier seine Familie an einen solchen Vergnügungsort, wie ein Londner die Seinige ins Theater oder an andere öffentliche Unterhaltungsplätze begleitet.

Der erste Theil des Abends wird mit Tabackrauchen, Trinken oder Tanzen nach drei bis viel elenden Geigen zugebracht; gegen Mitternacht beginnt das Karoussel, wobei die äusserste Unanständigkeit gestattet und selbst gefördert wird.

Dergleichen Anstalten lassen sich nicht billigen; inzwischen muss man gestehen, dass die Anzahl der Lustdirnen in Amsterdam, im Vergleich mit der Bevölkerung der Stadt und der Anzahl der Freudenmädchen in andern grossen Städten von Europa, nur gering ist.


Dreizehnter Brief.[]

Amsterdam.

In Amsterdam findet man zahlreiche Gotteshäuser für alle Religionen und Sekten. Die neue reformirte Kirche neben dem Rathhause wird von Fremden als das Mausoleum für die durch Tapferkeit und Talente berühmt gewordenen Holländer besucht. Hier hat die Nazionaldankbarkeit Monumente errichtet zum Andenken des Admirals de Ruyter *) und des berühmten Admirals von Galen, der in einem Seetreffen gegen die Engländer blieb. Unter andern erblickt man hier ein dem Kapitain Bentink zu Ehren errichtetes Denkmal, der an den Folgen seiner in der Schlacht von Doggersbank erhaltenen Wunden starb. Hier liegt auch Vondel, ein holländischer Dichter, der im siebzehnten Jahrhundert blühte, begraben, und ein schönes Denkmal bringt die Hochschätzung seiner Zeitgenossen auf die Nachwelt. Er hat viel geschrieben und zwar in allen Gattungen der Dichtkunst; er erreichte das ein und neunzigste Jahr und erfuhr in seinem Leben das gewöhnliche Schicksal der Dichter, nämlich Armuth und Geringschätzung.

*) Dies Denkmal stellt de Ruyter's kolossalische Bildsäule von weissem Marmor auf einem Ehrenbett von schwarzem Marmor liegend vor. Sein Kopf ruht auf einer Kanone, in der rechten Hand führt er den Kommandostab, die linke hält er auf der Brust; auf beiden Seiten erblickt man einen blassenden Triton. Zwei Marmorsäulen unterstützen das Kapital; im Hintergrunde sieht man ein Seetreffen, darüber die Göttin des Ruhms, und Genien, die das Wappen des Staats halten; über dem Kapital aber befindet sich das Wappen des Admirals. Das Mausoleum hat zwei Nischen, in der einen ist die Klugheit, in der andern die Stärke vorgestellt. Unter der Figur steht folgende Inschrift mit goldenen Buchstaben:
D: O. M. S.
Et. aeternae. memoriae. Michaelis de Ruyter. Archithalassii. Hollandiae. et Westfrisae. a. tribus. . . . .

In der alten Kirche befindet sich eine Orgel, die der berühmten Haarlemer in Ansehung der Grösse wenig nachgiebt, in der Stärke und Harmonie der Töne aber beinahe gleich kommt. Die Kanzel wird wegen ihrer Bildhauerarbeit bewundert, und die gemalten Fensterscheiben stellen verschiedene historische und religiöse Begebenheiten vor. Auf einer dieser Scheiben, -- vielleicht der schönsten und gewiss der interessantesten, -- ist König Philipp der vierte von Spanien in seiner königlichen Kleidung abgebildet, wie er den holländischen Abgesandten den Vertrag überreicht, wodurch er die Unabhängigkeit der vereinigten Provinzen anerkennt. Auch befinden sich in dieser Kirche verschiedene Denkmäler, welche die Stadt Amsterdam oder die Generalstaaten einige Seehelden und Generalen zu Ehren errichteten, die sich durch wichtige der Republik geleistete Dienste Ansprüche auf ihre Dankbarkeit erworben hatten.

Die weise, unbeschränkte Toleranz der holländischen Regierung in Ansehung der Religion geht so weit, dass es fast keine Religionssekte giebt, die hier nicht ihren besondern Ort zur Verrichtung des Gottesdienstes besässe. Die portugiesische Synagoge ist vielleicht der prächtigste Tempel, in welchem seit der Zerstreuung dieses fanatischen Volks jüdischer Gottesdienst gehalten wird. Es ist ein hohes, weitläuftiges, nach den Vorschriften des mosaischen Gesetzes für den jüdischen Gottesdienst eingerichtetes Gebäude, das auch besondere Zimmer für die Rabbinen enthält, die täglich hier das hebräische Gesetzbuch und den Talmud erklären.

Auch die deutschen und holländischen Juden, deren Glauben von dem ihrer portugiesischen Brüder abweicht, besitzen eine schöne Synagoge, und in verschiedenen Theilen der Stadt sieht man noch andere Tempel für den jüdischen Gottesdienst. Die Zahl der Juden in Amsterdam wird auf achtzigtausend angegeben. Ich weiss nicht, worauf sich diese Berechnung gründet bin aber geneigt zu glauben, dass sie die wahre Zahl eher übersteigt, als unter ihr steht.

Ausserdem haben die Juden zu Amsterdam ein Theater, wo dramatische Stücke in hebräischer Sprache aufgeführt werden. Dieser Vergnügungsort war leider nicht offen, sonst hätte ich ihn gern besucht; auch konnte ich weder von den Stücken, die hier aufgeführt werden, noch von den Schauspielern selbst einige Nachrichten einziehen. Das äussere Ansehen dieses Gebäudes ist so hässlich wie möglich, daher ich vermuthe, dass es nur von den niedrigsten Klassen dieser Nazion besucht wird.

In der kirchlichen Verfassung der vereinigten Staaten hat die Revoluzion nicht die geringste Veränderung bewürkt. Die protestantischen Prediger erhalten, ungeachtet sie fast ohne Ausnahme dem alten Systeme ergeben und Feinde des neuen sind, fortdauernd regelmässig ihre Besoldungen vom Staate, und verrichten ungehindert ihre Ämter. An den Tagen des öffentlichen Gottesdienstes sind die Kirchen und andere zu frommen Zwecken bestimmte Plätze stark besetzt.

Der von den Christen dem Dienste der Religion vorzüglich gewidmete Tag wird in Amsterdam mit grosser Strenge gefeiert, und obgleich in keinem Theile von Europa weniger Gleichgültigkeit als hier in Ansehung der Verschiedenheit der Religionspunkte herrscht, so ist man doch in Holland in Beobachtung der Religion selbst sehr eifrig. Die glückselige [[Toleranz], die alle Sekten hier geniessen, und die weise Absonderung der Geistlichkeit von allem Einflusse in die Regierung, sind die vorzüglichsten Ursachen, die alle Religionszwiste in Holland im Keime ersticken.

Seit der ersten Festsetzung der Unabhängigkeit der vereinigten Staaten ist die Ruhe der Republik fast nie durch Religionsstreitigkeiten unterbrochen worden. Die Dordrechter Synoden haben sich oft nichts so sehr durch die Mässigung ihrer Grundsätze als vielmehr dadurch ausgezeichnet, dass sich die Regierung weigerte, an ihrer religiösen Erbitterung Theil zu nehmen, und sich dem Verfolgungsgeist und theologischem Hasse, den sie an den Tag legten, nachdrucksvoll widersetzte.

Von diesem Systeme der Toleranz erndtete die Regierung mannichfaltige Vortheile. Um ungestört in ihrem Glauben zu bleiben und nach den Eingebungen ihres eignen Herzens Gott dienen zu können, flüchteten sich viele, die in Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und England heftige Verfolgungen zu erdulden hatten, nach Holland, wo sie mit Gastfreundschaft empfangen wurden und durch ihren Fleiss und Geschicklichkeit die Wohlfahrt der Republik beförderten. Sie brachten liberale Gesinnungen mit und hatten, durch eigene Erfahrung belehrt, eine entschiedne Abneigung gegen jede Art religiöser Verfolgung. Diese gemässigten Gesinnungen, die sie vielleicht Anfangs nur aus Nothwendigkeit, oder um das Benehmen ihrer triumphirenden Gegner in ein nachtheiliges Licht zu stellen, annahmen; wurden in der Folge Grundsätze, die an Festigkeit und Dauer immer mehr zunahmen, so wie eine Reihe von Jahren die Gefühle persönlicher Erbitterung abstumpfte.

Die ehrwürdige Sekte der Quäker ist in Holland weniger zahlreich als ich erwartete, da die Gebräuche und Sitten dieser religiösen Gemeinheit dem Genius der holländischen Nazion so angemessen sind. Die Wiedertäufer sind in grosser Menge vorhanden und in der ganzen Republik zerstreut. Die Anhänger dieser Sekte haben sich immer als warme Freunde der bürgerlichen und Religionsfreiheit gezeigt, und ihr Einfluss hat sich beständig bei der patriotischen Partei geäussert.

Amsterdam ist reich an Wohlthätigkeitsanstalten für Dürftige ohne Unterschied auf Religionsglauben. In dem Hospital für Fündlinge werden die Kinder der Christen wie die der Juden aufgenommen, aber alle in der reformirten Religion erzogen. Vor der Revoluzion konnten hier beinahe zweitausend von ihren Eltern verlassene Kinder Unterhalt finden; aber durch diese unglückliche Katastrophe haben die Fonds dieser Anstalt beträchtlich gelitten, und die Anzahl derer, die hier Versorgung finden können, ist vermindert worden. Die Römischkatholischen, die Lutheraner, die Wiedertäufer und Juden haben besondre Häuser für die verlassenen Kinder ihrer Glaubensgenossen. Das den Katholiken gehörige Haus ist das schönste darunter und hat die meisten Einkünfte.

Bei dieser Gelegenheit, wo ich von Hospitälern und Armenanstalten spreche, scheint mir's ein schicklicher Ort zu seyn, der Kuhpocken, -- vielleicht der schätzbarsten Erfindung der Arzneikunst, -- zu erwähnen, die von der medizinischen Fakultät in Holland eine gleichgünstige Aufnahme wie in England erfuhren. Wenige Bigotte, abergläubische Weiber und schwache Männer, behaupten zwar, die Kuhpockenimpfung bringe einen thierischen Krankheitsstoff in den menschlichen Körper; aber die aufgeklärtern Ärzte bedienen sich dieser Methode mit Eifer, einer ekelhaften und gefährlichen Krankheit vorzubeugen, und der Erfolg ist bisher immer glücklich gewesen. Bei den Bauern in Friessland, derjenigen Provinz, wo die meiste Butter und Käse verfertigt wird, hat diese Krankheit seit undenklichen Jahren gewüthet; aber auch hier haben die mit dieser Erfindung angestellten Versuche die erwünschtesten Resultate geliefert.

Der Glaube an den Nutzen und die Würksamkeit dieser Erfindung ist in Holland so allgemein verbreitet, dass im Findelhause zu Amsterdam und bei andern wohlthätigen Anstalten, wo junge Kinder aufgenommen werden, die bisher übliche Einimpfung der natürlichen Blattern abgeschafft und die der Kuhpocken an ihre Stelle gesetzt worden ist. Zu dieser Abänderung der bisherigen Heilmethode musste vorher die Einwilligung und Genehmigung der Verwalter und Kuratoren dieser wohlthätigen Anstalten eingeholt werden, und es lässt sich daher vermuthen, dass die Einimpfung der Kuhpocken auch in den Privatfamilien allgemein herrschend geworden ist.

Das holländische Schauspielhaus zu Amsterdam ist ohngefähr so gross als das Haymarket-Theater in London. Es ist selten mit Zuschauern angefüllt; ob daran aber der geringe Geschmack der Holländer für dramatische Vorstellungen oder vielmehr das die Republik betroffene Unglück Schuld ist, kann ich nicht bestimmen. Obgleich im holländischen Theater wöchentlich nur drei Vorstellungen gegeben werden, und das den Abend, da ich es besuchte, aufgeführte Stück zu den Lieblingsstücken gehörte, so war dich kaum die Hälfte der Logen angefüllt, und selbst das Parterre und die Gallerie waren nach Verhältniss nicht viel stärker besetzt. Das Haus war schlecht beleuchtet und schien seit langer Zeit nicht angestrichen zu seyn. Vor der Bühne steht auf der einen Seite die Figur der tragischen und auf der andern die der komischen Muse; diese Statüen sind mit vielem Geiste gearbeitet und thun vortreffliche Würkung.

Das aufgeführte Stück war eine Tragödie, wozu eine Familiengeschichte den Stoff geliefert hatte; es enthielt viele rührende, aber für den eigenthümlichen Gang der Leidenschaft allzu deklamatorische Stellen. Im Ganzen agirten die Schauspieler recht brav und wir waren besonders mit Madame Kamphuyzen, -- der Mrs. Siddons auf dem holländischen Theater, -- welche die Heldin des Stücks machte, vollkommen zufrieden. Diese Frau besitzt alle Eigenschaften einer vortrefflichen Schauspielerin. Sie ist gross, gut gewachsen, und hat sehr schöne und ausdrucksvolle Gesichtszüge. Ihre Stimme ist stark, und fähig, die verschiednen Töne der Leidenschaften richtig auszudrücken. Man schreibt ihr viel Beurtheilungskraft in allem zu, was das Theater betrifft, auch in der Literatur überhaupt soll sie mannichfaltige Kenntnisse besitzen. Ihre Verehrer versichern, sie besitze ein gleiches Talent, sowohl heftige pathetische Bewegungen des Herzens als wilde Äusserungen des Wahnsinns und stille Melancholie der Verzweiflung darzustellen. Am glücklichsten gelingen ihr, wie ich glaube, die Rollen, in denen zarte Empfindungen ausgedrückt werden; in einer solchen sah ich sie auftreten. Ihre Akzion ist sittsam, immer thätig und vollkommen richtig, ohne Anschein eines besondern Studiums oder Zwangs. Bei ihrer ersten Erscheinung auf der Bühne ward sie mit allgemeinem Beifallklatschen empfangen, eine Gunstbezeugung, die keinem andern Schauspieler zu Theil ward, und jede Stelle, die sie mit mehr als gewöhnlicher Energie vortrug, wurde gleich lebhaft applaudirt. Madame Kamphuyzen ist noch nicht über dreissig, und schon seit mehrern Jahren die Lieblingsschauspielerin der holländischen Bühne. Eine holländische Dame, in deren Gesellschaft wir das Theater besuchten, gab ihr vor Mstrs. Siddons, die sie in den Hauptrollen gesehen hatte und von deren Verdiensten sie mit gerechter Bewunderung sprach, den Vorzug; wir aber hielten die Holländerin noch weit unter dieser berühmten Schauspielerin der englischen Bühne, so vortreffliche Talente sie auch übrigens besitzt.

In der Tragödie kam eine Szene vor, die das Gelächter oder den Unwillen des englischen Publikums würde erregt haben. Einer der Haupthelden des Stücks hat eine angesteckte Tabackspfeife im Munde, die er in aller Gemächlichkeit raucht, während er dabei ein Selbstgespräch führt. Das holländische Publikum duldete nicht blos diese Szene, sondern beklatschte sie sogar.

Fast alle Stücke, die in Deutschland oder England aus Kotzebue's fleissiger Feder erschienen, sind auf der holländischen Bühne vorgestellt worden; auch sind die Theater dieser Nazion mit treuen Übersetzungen der vorzüglichsten englischen oder französischen Produkte bereichert worden. Ausserdem hat es den Holländern nicht an Schriftstellern gefehlt, deren Werke auf der Bühne mit Beifall aufgenommen wurden.

So wie zu Rotterdam sind auch in der Hauptstadt Hollands die Konzerte die Vergnügungsorte, welche am meisten besucht werden. Sie werden entweder in Felix meritis oder auf dem französischen Theater gegeben. An letzterem Orte hörten wir an einem Sonntage, der diesem Vergnügen in Amsterdam vorzüglich gewidmet wird, ein schönes Konzert mit Vokal- und Instrumentalmusik. Das Auditorium war zahlreich und bestand aus den reichsten und gebildetsten Bewohnern der Stadt beiderlei Geschlechts. Sowohl die Sänger als Musiker waren der Zuhörer würdig. Auch hier, wie vorher im holländischen Theater, blendete uns die Verschwendung der Edelsteine, die wir an den Damen bemerkten.

Einige nach dem Geschmack des siebzehnten Jahrhunderts gekleidete Mädchen, mit auf dem Kopfe zusammengebundenen Haaren, die eine kleine schmucklose Mütze deckten, wie sie die weiblichen Quäker in England tragen, mit hervorragenden dünnen goldnen Platten auf beiden Seiten und in der Mitte des Kopfs, mit schweren Ohrringen und Halsschnallen von gleichem edlen Metall, in reich gestickten Kleidern von starkem Seidenstoff mit unnatürlich langen Taillen, bildeten einen auffallenden Kontrast mit den nach dem neusten Gout der eleganten Welt gekleideten Damen. Es waren Töchter aus dem alten Stock der Bürger, die, wahrscheinlich auch zum Theil aus Affektazion, an den neuern Verschönerungen und Abänderungen der weiblichen Kleidung keinen Antheil genommen hatten, sondern der geschmacklosen Sitte ihrer Voreltern unerschütterlich treu geblieben waren.

Die holländischen Frauenzimmer sind im Allgemeinen mehr hübsch als schön. Die meisten sind gut gewachsen, ihre Gesichtsfarbe ist schön, ihre Auge voll, und ihre Züge offen und regelmässig; aber ihr äusseres Ansehn ist seelenlos, es fehlt ihnen Mienen das Ausdrucksvolle und Interessante, ohne welches nach meiner Idee kein hoher Grad von Schönheit existiren kann, und dessen Daseyn auch einem übrigens gewöhnlichen Gesichte Anmuth giebt. Ich spreche hier von Frauenzimmern, deren Reize durch die Hitze von fünf und zwanzig Sommern oder durch den Frost eben so vieler Winter noch nicht verdorben sind; denn nach dieser Periode verlieren die holländischen Damen alles Anlockende, die Jugendröthe verlässt ihre Wangen und ihre schönen Züge bekommen ein welkes, herbstliches Ansehn.

Die Weiber leben in Holland nicht so lange als die Männer; die Ursache davon kann ich nicht angeben; in England findet gerade das Gegentheil Statt, aus dem einfachen Grunde, weil die Weiber ein weit ordentlicheres und mässigeres Leben führen als die Männer. Man trifft hier wenige, vielleicht gar keine, Beispiel von ausserordentlich hohem Alter, und daran ist mehr das ungesunde Klima als Mangel an Sorgfalt für Erreichung eines hohen Lebensziels Schuld. Die Holländer sind im Allgemeinen in ihrer Diät mässig, und bedienen sich der geistigen Getränke und Weine nicht so stark wie die Engländer. Selten sieht man einen Betrunkenen, und man rechnet hier dieses Laster, wenn es oft begangen wird, zu den schimpflichsten. Eine Frauensperson aber, die sich dessen schuldig machen wollte, würde, wenn sie zu den höhern Ständen gehörte, von ihren Bekannten verstossen und verachtet werden, wäre sie aber aus den niedern Klassen, so würde sie die Obrigkeit zur Strafe und Besserung ins Spinnhaus schicken.

Da ich gerade von der Mässigkeit und Gesundheit der Holländer rede, so wird es mir erlaubt seyn, der frühern Behandlung ihrer Kinder als eines damit in Verbindung stehenden Gegenstandes hier zu erwähnen. Die Luft des Landes wird für sehr junge Kinder so nachtheilig gehalten, dass man sie in den ersten zwei oder drei Monaten derselben gar nicht aussetzt und während der Zeit ihrer Gefangenschaft die Fenster des Zimmers sorgfältig verschliesst. Ihre ganze Kleidung besteht aus flanellen Windeln, die ihnen so fest um den Leib gewunden werden, dass das Kind die Glieder gar nicht rühren kann; diese Windeln sind noch ausserdem mit einem weiten flanellenen Umschlag bedeckt, der drei bis vielmal um den Leib gewickelt und sorgfältig mit Stecknadeln bei den Füssen befestigt wird. Diese Windeln werden abgenommen und mit andern vertauscht, so wie es die Vermögensumstände der Eltern mit sich bringen; die Kinder mögen aber von den reichen oder armen Eltern abstammen, so ist ihnen das Baden und überhaupt jeder Gebrauch des Wassers streng untersagt. Viele Monate hindurch besteht die Unterkleidung der Kinder allein aus wollenen Zeugen, und wird ihnen das Ausgehen gestattet, so hüllt man sie zuvor sorgfältig in einen flanellenen Mantel, der ihren Kopf ganz bedeckt und sie am Einathmen der frischen Luft hindert.

Bei einer so widernatürlichen Behandlung bleiben die Kinder kränkliche, unsaubere Geschöpfe, und die frische Röthe der Gesundheit zeigt sich erst auf ihren Wangen, wenn sie von den Fesseln der Amme befreit sind. Man gewöhnt hier die Kinder, besonders die Mädchen, gar zu sehr an heisse Öfen; dies giebt ihnen ein ungesundes, krankhaftes Ansehn.

Ich darf hier eine den Holländern eigenthümliche Sitte nicht unerwähnt lassen. Sobald eine Frau ins Kindbett gekommen ist, wird vierzehn und nach Befinden mehrere Tage lang am Hause ein Zeddel angeschlagen, auf welchem der Gesundheitszustand sowohl der Mutter als des Kindes bemerkt ist. Dieser Zeddel wird, nachdem es die Vermögensumstände der Kindbetterin gestatten, auf ein mit Spitzen verziertes Brett befestigt, und hat die Absicht, die Erkundigungen ihrer Freunde zu beantworten und jedes unnöthige Geräusch von der Thüre der Wöchnerin zu entfernen. In Leiden, wo wir die Bedeutung dieser Bretter zuerst erfuhren, sahen wir die meisten mit Spitzen besetzt. Liegt eine, besonders vornehme, Person gefährlich krank, so wird gewöhnlich auch ein Gesundheitszeddel am Hause angeschlagen, um die vielen Nachfragen, die dann geschehen oder wenigstens erwartet werden, zu beantworten; aber nur bei einer Kindbetterin wird das Brett, woran der Zeddel befestigt ist, mit Spitzen verziert.


Vierzehnter Brief.[]

Amsterdam.

Seit der frühsten Periode der Republik bis auf unsre Zeiten hat sich die Stadt Amsterdam durch ihre feste und unerschütterliche Liebe zur Freiheit ausgezeichnet. Diese Liebe ist weder durch ihren Reichthum noch durch ihren Handel geschwächt worden. Sie glühte eben so stark im Jahre 1650, wie die Amsterdamer Bürger Wilhelm den zweiten, einen der ehrgeizigsten Prinzen aus dem Hause Oranien, von ihren Thoren zurücktrieben, als im Jahre 1787, da deren Nachkommen, genöthigt durch den Drang der Umstände, sich wider Willen die Bedingungen mussten gefallen lassen, die Wilhelm der fünfte, von den preussischen Waffen und den Ränken und Drohungen Grossbritanniens unterstützt, ihnen auflegte.

Die für die oranische Partei günstige Beendigung der holländischen Unruhen im Jahre 1787 erstickte in Amsterdam auf eine Zeitlang den Geist der Freiheit. Die ausgezeichnetsten Patrioten wurden ihrer Ämter entsetzt und für unfähig erklärt, dem Staate ferner zu dienen *); die ganz dem Statthalter ergeben waren. Viele Männer von grossen Talenten und erprobter Rechtschaffenheit, die sich durch ihren den ehrgeizigen Absichten des Prinzen von Oranien geleisteten Widerstand ausgezeichnet hatten, und theils fürchteten, dass ihre persönliche Sicherheit gefährdet sey, wenn sie in Holland blieben, theils sich für unfähig hielten, gegen ihre triumphirenden Gegner etwas auszurichten, von denen Erbitterung sie viel zu besorgen und von deren Mässigung sie wenig zu hoffen hatten, verliessen zu ihrem eigenen Schaden das Vaterland und flohen nach Frankreich *). Die freiwillige Verbannung einiger der entschlossensten, thätigsten und aufgeklärtesten Gegner erleichterte der statthalterischen Partei die Ausführung ihrer Plane. In der ganzen Republik und besonders in Amsterdam wurden die obrigkeitlichen Stellen mit Männern besetzt, auf deren Treue und Anhänglichkeit das Haus Oranien sich ganz verlassen konnte. Die Regierung der vereinigten Staaten wurde bald nach den Wünschen des Statthalters eingerichtet, und die glückliche Besiegung seiner Feinde verschaffte ihm die kurz dauernde Gunst der unwissenden und unaufgeklärten Bürger.

*) Die Prinzessin von Oranien, welche die Verhandlungen zwischen der Stadt Amsterdam und dem die preussische Armee kommandirenden Herzog von Braunschweig lenkte, erklärte in einem mehr beleidigenden als gnädigen Tone, "nur aus Grossmuth wolle sie das Leben der Schuldigen schonen, aber sie verlange dagegen auch, dass dieselben von allen öffentlichen Geschäften entfernt würden". Unter denen, die auf diese Art ihre Ämter verloren, waren die Bürger Block, Cammerling, de Witt, Toulon und Van Forest. Deputirte von Holland; Costerus, Bürgermeister von Wörden, de Lange, ein Regierungsmitglied von Gouda; Gislaer, ein Mann von ungewöhnlicher Beredsamkeit und vorzüglichen Talenten; Zeeberg und Van Casteelen aus Haarlem; Van Berkel und Visscher aus Amsterdam; Kempenaar, Rath von Alkmaer, Abbema, Bicker, Van Leyden und de Jonge, Mitglieder der Regierung zu Amsterdam. Die meisten von diesen Bürgern, die die Revoluzion überlegt haben, bekleiden unter der neuen Regierung ausgezeichnete Stellen und geniessen das Zutrauen und den Beifall ihrer Mitbürger.
*) Unter andern angesehen und berühmten Männern, die damals Holland verliessen, befanden sich auch der General Daendels und der Admiral de Winter. Beim Ausbruch der französischen Revoluzion standen sie bei den republikanischen Truppen, und Daendels war bei der Armee, die Holland eroberte, Divisions-General, de Winter hingegen Brigade-General.

Aber die Ereignisse der französischen Revoluzion veränderten merklich die Lage der Dinge in Holland. Immer hatten die holländischen Patrioten die französische, monarchische sowohl als republikanische, Regierung als eine Stütze gegen die ungebührlichen Anmassungen des Statthalters und gegen den gefährlichen Einfluss Grossbrittanniens auf die Rathgeber der vereinigten Staaten betrachtet. Eine feste und dauerhafte Verbindung mit Frankreich sah jene Partei als das einzige Mittel an, die Ehre der Republik zu retten und sie von der nachtheiligen Verwaltung eines Individuums zu befreien, das unter der unmittelbaren Kontrolle und Leitung einer rivalisirenden Regierung stand.

Auf der andern Seite empfand dagegen der Statthalter, dem jede Verbindung mit Frankreich verhasst war, den heftigsten Verdruss über die Abschaffung der alten Regierung dieses Landes und über die Zertrümmerung eines Staatssystems, von dem er die längere Behauptung seines Postens zu hoffen hatte. Die Generalstaaten, -- die eigentlichen, jedoch dem Prinzen von Oranien ganz ergebenen, Herren der Republik, -- missbilligten dessen feindselige Plane höchlich und vermieden sorgfältig jeden Krieg mit Frankreich, bis endlich die Arroganz und Unvorsichtigkeit des Nazionalkonvents denselben unvermeidlich machte.

Die Anhänger des Statthalters und die Kreaturen der Regierung stimmten mit Freuden für den Krieg, der ihre Absichten zu begünstigen und ihre Wünsche zu befriedigen versprach. Aber die Mehrheit der holländischen Nazion, die sich entweder von der Nothwendigkeit der Feindseligkeiten nicht überzeugen konnte, oder wegen ihrer Folgen besorgt war, billigte jene gewaltsamen Maassregeln der Regierung nicht, sondern liess sie sich nur ohne Murren gefallen.

Die meisten Amsterdamer Bürger hatten aus Erbitterung gegen den Statthalter oder aus andern damit verwandten Ursachen eine entschiedene Abneigung gegen den Krieg mit Frankreich, und betrachteten die siegreichen Fortschritte der republikanischen Armeen Anfangs mit geheimer Zufriedenheit,  nachher aber mit offenbarer ausgelassener Freude.

Aber die Obrigkeiten waren dem Statthalter völlig ergeben und man benutzte ihr Ansehn, um die öffentliche Stimmung zu unterdrücken.

Um öffentliche Zusammenkünfte zu verhindern, wobei das Volk seine Wünsche hätte können laut werden lassen, wurde ein altes Gesetz wieder in Ausübung gebracht, nach welchem den Bürgern verboten was, sich in bedrängten Zeitumständen zur Berathschlagung über öffentliche Angelegenheiten zu versammeln. Diese Verordnung wurde erlassen, wie die Franzosen an den Grenzen der Republik standen und zu einer Zeit, da der Statthalter und seine Partei auf die äussersten Maassregeln zur Sicherstellung der Republik bedacht war.

Im Monat Oktober 1794, wie der kritische Zeitpunkt immer näher rückte, erschien der Statthalter in Begleitung des Herzogs von York wieder in Amsterdam, um, wie man glaubte, mit der Regierung dieser Stadt über die schreckliche Maassregel sich zu berathschlagen, den weitern Fortschritten der französischen Armee durch Überschwemmung des ganzen Landes zuvor zu kommen, eine Maassregel, deren man sich bereits im Jahre 1672, wie Ludwig der vierzehnte mit einer zahlreichen und wohl versehenen Armee sich der Stadt Utrecht bemeistert hatte und Amsterdam bedrohte, mit dem glücklichsten Erfolge bedient hatte.

Beunruhigt durch die Fortschritte der Franzosen und bestochen oder in Furcht gesetzt durch den Statthalter würde die Regierung dieser Stadt wahrscheinlich die vorgeschlagene Überschwemmung genehmigt haben, hätten nicht die Amsterdamer Bürger von diesem Vorhaben Nachricht bekommen und bestimmt erklärt, sie würden sich der Ausführung desselben mit Gewalt widersetzen.

Ungeachtet des erlassenen Verbots gegen die Volkszusammenkünfte vereinigte sich ein zahlreiches und furchtbares Korps Amsterdamer Bürger, um die Lage des Staats in Erwägung zu ziehen, und dem Rathe der Regierung eine Bittschrift oder vielmehr eine Vorstellung gegen die beabsichtigte Überschwemmung und gegen die Einlassung fremder Truppen in Amsterdam, die man bei jener Maassregel zugleich beschlossen hatte, zu überreichen. Dieses Korps versammelte sich, aller Bemühungen der Militär- und Zivil-Obrigkeiten, es zu zerstreuen, ungeachtet, regelmässig und mit vieler Ordnung auf dem Platze vor dem Rathhause und ernannte eine aus drei Personen bestehende Deputazion, (worunter sich auch Visscher befand), die ihre zwar kräftige, aber zugleich ehrerbietige Vorstellung der Regierung überreichen musste.

Der Magistrat weigerte sich Anfangs, die Vorstellung anzunehmen, weil Zusammenkünfte dem Volke verboten wären; aber aus Furcht, die grosse unwiderstehliche Volksmenge aufzubringen, welche die Gänge des Rathhauses, den Platz und die umliegenden Strassen anfüllte, und während der Konferenz ihrer Deputirten mit der Regierung ein tiefes, drohendes Stillschweigen beobachtete, unterdrückte der Magistrat jene legalen Bedenklichkeiten und die Vorstellung ward gelesen. Die den Supplikanten ertheilte Antwort erklärte mit wenigen Worten: "die Frage wegen der Überschwemmung des Landes zur Verhinderung der weitern Fortschritte der französischen Armee wäre im Geheimenrathe noch gar nicht zur Untersuchung gekommen und noch hätte man keine Maassregel getroffen, um fremden Truppen den Einmarsch in Amsterdam zu verstatten". Mit dieser Versicherung zufrieden gingen die Bürger ruhig aus einander, liessen aber in der Seele des Magistrats Eindrücke von Gefahr und Widerstand zurück, die wahrscheinlich auf ihre nachfolgenden Operationen einen wesentlichen Einfluss hatten.

Zu schwach zur Ausführung der vorgeschlagenen wichtigen Maa_sregeln legten die Mitglieder der Amsterdamer Regierung durch harte Bestrafung der Personen, die an jener Vorstellung thätigen Antheil genommen hatten, ihren Verdruss und Unwillen an den Tag. Visscher und seine Kollegen, die Überreicher der Bittschrift, wurden heimlich verhaftet und zu einer sechsjährigen Gefangenschaft im Zuchthausee bei Dieben und Bösewichtern verurtheilt. Dies war die letzte Handlung der Rache, die der alte Magistrat von Amsterdam ausübte.

Nicht geschreckt durch die Einkerkerung ihrer Häupter und aufgemuntert durch die Fortschritte der Franzosen setzten die Bürger ihre Versammlungen fort und bildeten ungehindert, so sehr dieses auch für eine gegen die Statthalterische Partei feindselige Handlung anerkannt wurde, aus ihrer Mitte regelmässige Korps zur Vertheidigung der Stadt. Die dabei angestellten Generale waren meistens Männer, die bei den Unruhen vom Jahre 1787 sich thätig bewiesen, oder durch ihre Liebe zu den französischen Grundsätzen sich ausgezeichnet hatten.

Die Einnahme von Nimwegen und der darauf erfolgte Übergang über die Waal setzte die statthalterische Partei in die äusserste Bestürzung. Die brittischen und deutschen Hülfstruppen, die wegen ihrer geringen Anzahl und wegen der eingefallenen strengen Kälte, die Holland seiner natürlichen Vertheidigungsmittel beraubte, mit unbeschreiblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, leisteten an den Grenzen der Republik sehr tapfern Widerstand; da sie aber aus dem Innern des Landes gar keine Unterstützung bekamen, so blieb es ungewiss, ob sie nicht auf der einen Seite die Angriffe eines erbitterten Volks würden zu ertragen haben, und auf der andern von einem siegreichen Feinde würden zurückgedrängt werden. Vergebens erliessen der Statthalter und der Erbprinz wiederholte Proklamazionen, in denen die Holländer aufgefordert wurden, zur Vertheidigung ihres geliebten Vaterlandes, ihrer Religion, ihrer Freiheiten und alten Gesetze in Masse aufzustehen *). Diese pathetischen Anreden an die Nazion wurden entweder verlacht oder doch wenigstens nicht geachtet, und wo nicht Trägheit und Unthätigkeit die Herzen der Menschen beseelte, war der vorherrschende Nazionalgeist der Regierung und ihren Bundsgenossen entgegen. -- Der unselige Rückzug der brittischen Armee ist zu bekannt, um hier noch erwähnt zu werden.

*) Vergl. die Beilage Nr. 1.

Den 16ten Januar 1795 räumten die englischen Truppen in grösster Eile die Provinz Utrecht, deren Hauptstadt den Tag vorher kapitulirt hatte, und den 20sten desselben Monats führte eine Deputazion Amsterdamer Bürger den General Pichegrü mit fünf tausend Mann französischer Truppen in die Stadt.

An diesem wichtigen Tage nahm das patriotische Korps von Amsterdam früh Morgens Besitz vom Rathhause und besetzte die Wachten in den vorzüglichsten Quartieren der Stadt. Die dreifarbige Flagge wehte auf allen Thürmen, alles trug die französische Kokarde und der Freiheitsbaum wurde feierlich auf dem Platze vor dem Rathhause errichtet. Alles ging so trefflich von Statten, dass nicht der geringste Aufruhr, nicht die mindeste Unordnung oder Verwirrung vorfiel, und, um mich der Vergleichung eines verständigen Augenzeugen dieser Begebenheit zu bedienen, sah Amsterdam damals aus wie zur Zeit des Jahrmarkts.

Denselben Tage, wie die Franzosen einrückten, wurden zwei Proklamazionen erlassen, die eine von Seiten der Patrioten, welche sich den revoluzionären Ausschuss von Amsterdam nannten, in der sie die Bürger zu beruhigen suchten und ihnen einige Individuen zur Wahl der provisorischen Repräsentanten vorschlugen; die andere von Seiten der Repräsentanten des französischen Volks, welche die Holländer heilig versicherten, sie sollten wie eine unabhängige Nazion behandelt, Personen und Eigenthum geschützt, die strengste militärische Disciplin bei der republikanischen Armee beobachtet und die Religionsfreiheit auf keine Art beschränkt werden. Sie versprachen, die holländischen Gesetze und Gebräuche sollten vorerst beibehalten und das batavische Volk, vermöge der ihm zukommenden Souverainität, allein die Macht haben, in der Regierungsform ihres Landes Abänderungen zu treffen *).

*) Vergl. die Beilage Nr. 2.

Die Mitglieder der Amsterdamer Regierung nahmen ihren Abschied oder wurden versetzt, und Visscher, der kaum vor zwei Monaten zu einer sechsjährigen Gefangenschaft im Zuchthause verurtheilt worden war, wurde im Triumph aus seinem Kerker befreit und unter dem Titel eines Maire an die Spitze des Magistrats gestellt. Zu diesem schweren Posten hatten ihn seine vorhin mit Ehre verwalteten Ämter, so wie die unbestechbare Rechtschaffenheit und der Patriotismus seines Charakters, fähig gemacht.

Während dem erliess General Pichegrü eine Proklamazion an die französische Armee, in welcher den Truppen bei Lebensstrafe jede Plünderung und Gewaltthätigkeit untersagt und dagegen anbefohlen wurde, die holländischen Soldaten nicht länger als Feinde, sondern als Bundsgenossen und Brüder zu behandeln. Die Offiziere der Armee erhielten Befehl, auf die strengste Mannszucht bei ihrem Korps zu halten, und allen, die durch die republikanischen Truppen  Schaden erlitten hatten, wurde ein hinlänglicher Ersatz versprochen.

Die französischen Soldaten wurden unpartheiisch bei den Einwohnern einquartirt, und allen, die nicht gern Militair in ihren eigenen Häusern haben mochten, wurde es freigestellt, in fremden dafür Wohnungen zu miethen, nur durften dieses keine Wirthshäuser seyn.

Wenige Tage darauf begannen die provisorischen Repräsentanten von Holland ihre Sitzungen im Haag. Peter Paulus, ein Mann von vorzüglichen Talenten und ausgezeichnetem Patriotismus, der sich im Jahr 1787 gegen die statthalterische Partei sehr feindselig bewiesen, wurde zum Präsidenten der Versammlung ernannt und eröffnete die Sitzung mit einer Rede voll Vernunft, Edelsinn und Mässigung *). Er wünschte den Repräsentanten zum Ausgange dieses Feldzugs Glück, und machte sie in der Sache angemessenen frommen und ehrerbietigen Ausdrücken gegen die wunderbare Einwürkung der göttlichen Vorsehung auf das Glück der französischen Waffen aufmerksam. Besonders empfahl er ihnen, herzliche Eintracht unter einander zu beobachten, und alle vormalige Erbitterungen und Parteistreitigkeiten gänzlich zu vergessen. "Dies," fügte er hinzu, "sey das vorzüglichste Mittel das Glück des Vaterlandes zu begründen," und schloss zuletzt seine Rede mit einem andächtigen Gebet, in welchem er den Himmel um Segen zu ihren Rathschlägen und Maassregeln anflehte.

*) Vergl. Die dritte Beilage.

Hierauf schritten die provisorischen Repräsentanten zur Aufstellung einer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte *). Zu den natürlichen Menschenrechten zählte man Gleichheit, Freiheit, Sicherheit, Eigenthum und Widerstand gegen Unterdrückung. Hierunter waren vollkommen begriffen Freiheit der Presse und der Religionsübung, ruhiger Genuss des gesetzmässig erworbenen Eigenthums und das Recht, seine Stimme zu geben, in Person oder durch Repräsentanten.

*) Vergl. Die vierte Beilage.

Die Souverainität ward für ein Eigenthum des ganzen Volks erklärt und ihm das Recht, die Regierung zu allen Zeiten zu verändern, abzusetzen und eine neue an ihre Stelle zu ernennen, feierlich zugesichert. Die Stellen eines Erbstatthalters, Generalkapitains und Generaladmirals der Republik wurden als den Menschenrechten widersprechend abgeschafft und alle erbliche Auszeichnungen, z. B. der Adel und die Ritterorden, völlig aufgehoben. Verschiedene Magistrats- und Finanzkollegien wurden aufgelöst, und ein Ausschuss für die öffentliche Sicherheit, ein anderer für die Finanzen, ein dritter für das Militär und ein vierter für die Rechnungen provisorisch angesetzt, bis die von der ganzen Nazion gewählten Repräsentanten hierin eine definitive Einrichtung getroffen haben würden.


Funfzehnter Brief.[]

Amsterdam.

Während dieser bedenklichen Periode beeiferten sich die Amsterdamer Repräsentanten unaufhörlich, die Ruhe der Stadt zu erhalten und ihre patriotischen Bemühungen wurden auch mit dem glücklichsten Erfolge belohnt. Einige geringe Unruhen wurden von einer unbedeutenden Anzahl unwissender oder übelgesinnter Personen versucht, die sich einbildeten, das Reich der Freiheit und Gleichheit würde sie von allen Abgaben befreien, und daher die von der Regierung verlangten Steuern zu entrichten sich weigerten.

Diese Unruhen wurden ohne Schwierigkeit gleich beim Entstehen gedämpft und eine Proklamazion erschien, wodurch allen Bürgern befohlen wurde, die Steuer und Auflagen wie vorher zu entrichten. Zu gleicher Zeit bekamen die Accise und Zollbedienten, so wie alle mit Erhebung öffentlicher Einkünfte beschäftigte Personen Befehl, auf ihren Posten zu bleiben, und kein bei dem vorigen Polizeisystem angestellter Beamte durfte, ohne Pass vom Inspekzionsausschusse, Amsterdam verlassen.

Einige Wochen vor der Ankunft der Franzosen machte eine Deputazion von Kaufleuten aus patriotischem Eifer den Direktoren der Amsterdamer Bank ihre Aufwartung, um sich von der Wahrheit oder Falschheit einiger mit Zuversicht in der Stadt verbreiten, dem Kredit dieses Instituts sehr nachtheiligen, Gerüchte zu überzeugen. In den ehrerbietigsten Ausdrücken verlangten die Kaufleute von den Direktoren der Bank hierüber nähere Auskunft; aber statt befriedigender Antworten, die sie mit Recht erwarten konnten, erhielten sie nur in allgemeinen Ausdrücken die Versicherung, "die Bank sey zahlfähig," und man gab ihnen sogar zu verstehen, "ihre Absicht bei dieser Untersuchung sey keine andere, als nur Unruhen zu erregen und die Verwirrung des Staats zu vermehren".

Noch vor wenigen Jahren wähnte man, die Amsterdamer Bank besitze die reichsten Schätze der Welt. Sie wurde für das europäische Vorrathshaus der edlen Metalle gehalten und man schätzte ihren Reichthum auf vierzig Millionen Pfund Sterling. Da es eine Depositen-Bank war, so glaubte man, der Kredit in ihren Büchern stehe in genauem Verhältniss mit den Schätzen ihrer Koffer. Diess war allerdings der Plan des Instituts; denn so ungegründet auch die gewöhnliche Idee war, dass das einmal in der Bank niedergelegte Geld nie herausgenommen werden könne, so behauptete man doch fest, es werde hier eine mit den Summe, wofür Kredit in den Büchern gegeben sey, in Verhältniss stehende Masse edlen Metalls in baarem Gelde oder in Barren verwahrt. Wie die Truppen Ludwigs des vierzehnten im Jahre 1672 beinahe vor den Thoren Amsterdams standen, wurden alle an die Bank gemachte Forderungen auf eine ehrenvolle Art augenblicklich befriedigt und die Zahlfähigkeit klar bewiesen.

Seit dieser Periode bis zum Jahr 1795, wie die französischen Armeen an den Grenzen der Republik standen, genoss die Amsterdamer Bank eines beinahe ununterbrochenen Handels-Zutrauens. Die Magistrate verschiedener Parteien, deren Rechtschaffenheit die Direkzion der Bank anvertraut war, beschuldigte ihre Vorgänger nie der zweckwidrigen Anwendung ihrer Schätze; es wurden daher alle verbreitete Gerüchte, dass die Bank bei verschiedenen Gelegenheit der Regierung Geld vorgeschossen, besonders da Personen, die hierüber die besten Auskunft geben konnten, ihnen förmlich widersprachen, für Würkungen parteiischer Bosheit gehalten. Jeder Zweifel an der Festigkeit der Bank wurde als eine Handels-Ketzerei betrachtet und daher alle ihr nachtheiligen Gerüchte von der handelnden Welt mit Kälte angehört und ihnen mit Bitterkeit widersprochen.

Die Ankunft der Franzosen in Amsterdam und die Errichtung einer machthabenden patriotischen Partei bewirkte endlich eine gründliche Untersuchung der Umstände derselben. Aus dem auf Befehl der provisorischen Repräsentanten von Amsterdam erstatteten offiziellen Berichte hierüber ergab sich, dass die Bank in den letzten funfzig Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten der unter Garantie der Stadt Amsterdam stehenden ostindischen Kompagnie verschiedene Summen, die sich auf mehr als sechs Millionen Gulden beliefen, gegen Schuldverschreibungen vorgestreckt hatte. Das Amsterdamer Leihhaus hatte von der Bank die Summe von einer Million, siebenmal hundert und funfzig tausend Gulden geborgt, und die Stadt Amsterdam selbst war ihr noch ausserdem über viermal hundert tausend Gulden schuldig. Zusammen genommen machte dies die Summe von mehr als neun Millionen Gulden.

Ursprünglich lag diese Summe in baarem Gelde oder in Barren hier verwahrt und es war eine Verletzung des zwischen der Bank und ihren Gläubigern geschlossenen Vertrags, einen Gulden davon auszuleihen. Wurde indessen das Geld, statt es in den Koffern der Bank aufzuhäufen, auf die erwähnte Art benutzt, so vermehrte sich das allgemeine Tauschmittel im Lande auf eine doppelte Art; einmal wirklich durch das Wegnehmen der baaren Münze aus den Geldkisten der Bank, und zweitens scheinbar, durch den Kredit, den sie wegen des in ihr verborgenen eingebildeten Schatzes besass.

Da hierdurch das Zutrauen und die Thätigkeit des Handels befördert und alle seine Operazionen erleichtert wurden, so verdiente dieses Verfahren der Bankdirektoren, merkantilisch betrachtet, vielmehr Lob als Tadel. Aber die Amsterdamer Kaufleute dachten anders. Die Lücken in den Bankniederlagen erregten den lebhaftesten Unwillen gegen alle, die bei diesem Institut angestellt gewesen war, und der Parteigeist suchte die Flamme dieser Erbitterung zu unterhalten und immer mehr anzufachen.

Das auf diese Art aus den Koffern der Bank genommne Geld konnte von den Gläubigern derselben nie in Anspruch genommen werden; denn es bestand aus Summen, deren Empfangscheine, durch die allein Bezahlung gefordert werden konnte, bereits erloschen waren. Von diesen Empfangscheinen, vermittelst deren allein aus der Amsterdamer Bank Geld zu bekommen war, muss ich hier eine nähere Erklärung mittheilen. Wenn jemand Geld oder Barren in die Bank legte, so erhielt er in ihren Büchern für die entrichtete Summe Kredit und einen Empfangschein, worauf er binnen sechs Monaten nach vorgängiger Auslöschung seines erhaltenen Kredits in den Büchern die eingelegten Geldsummen oder Barren zurück erhalten konnte. Diese Empfangscheine konnten gegen Bezahlung eines geringen Prozents an die Bank für die Miethe des Hauses erneuert werden. Geschah diese Erneuerung nicht, so konnten die Barren oder das Geld nicht zurückgefordert werden, sondern der Besitzer des Empfangscheins besass für die darin ausgedrückte Summe einen Bankkredit, den er aber wieder gegen baares Geld verkaufen konnte.

Von den Geldsummen und Barren, die auf diese Art an die Bank verfallen waren, oder vielmehr nach der Verfallzeit der Empfangscheine bei der Bank hätten verwahrt werden sollen, war kein einziger Gulden übrig geblieben, und dieser so reich und mächtig ausgeschrieene Schatz würde, wäre er sorgfältig in den Gewölben und Kellern der Bank aufbewahrt worden, kaum die Summe von einer Million Pfund Sterling betragen.

Dieser Mangel an baarem Gelde in der Amsterdamer Bank betraf nur denjenigen Bankkredit, dessen Empfangscheine verfallen waren. Nach der Idee der provisorischen Repräsentanten von Amsterdam musste die Quantität vorräthigen Geldes in der Bank den Summen gleich seyn, worüber Empfangscheine ertheilt waren, und die Besitzer dieser Scheine mussten die Freiheit haben, ihr Geld aus der Bank zurückzufordern, wann es ihnen gutdünkte. Die Umstände der Bank wurden also nur dadurch schlimm, dass der Bankkredit, wofür die Empfangscheine noch gültig waren, auch die Bankschulden übernehmen musste, wofür die Empfangscheine bereits verfallen waren. Im Ganzen befand sich nach dem von den provisorischen Repräsentanten erstatteten Bericht die Bank in einem bessern Zustande, als man allgemein erwartet hatte; aber dennoch äusserte man darüber öffentlich den heftigsten Unwillen, dass gegen den zwischen der Bank und ihren Gläubigern abgeschlossenen Vertrag grosse Summen herausgenommen worden waren.

Zu gleicher Zeit wurden die Umstände und das Betragen der ost- und westindischen Kompagnien, so wie auch anderer öffentlichen Korporazionen untersucht. Mancherlei Missbräuche wurden entdeckt und die vornehmsten Beamten sogleich ihrer Ämter entsetzt. ---Diese Entdeckung einer schlechten Verwaltung verschiedener Zweige des öffentlichen Dienstes, verbunden mit dem Andenken ehemals erlittenen Unrechts, das in mancher Brust wühlte und eine lebhafte Begierde nach Rache erzeugte, brachte eine grosse Gährung hervor. Kräftig unterstützte Addressen wurden den provisorischen Repräsentanten überreicht, in welchen darauf angetragen wurde, alle Mitglieder der alten Regierung und andere bei der Bank und den öffentlichen Korporazionen angestellte Beamten zu verhaften, und mit grösster Strenge ihre Verbrechen zu untersuchen, damit die öffentliche Gerechtigkeit und die Rache einer beleidigten Nazion die Schuldigen strafen könne. Das Betragen der Franzosen gegen ihre Staatsverbrecher wurde als ein nachahmungswürdiges Beispiel empfohlen und die Nothwendigkeit strenger Maassregeln lauf verkündigt.

Die Neigung eines thätigen und unter dem neuen System wichtigen und furchtbaren Theils des Publikums zu einem blutdürstigen, wenigstens heftigen, Verfahren gegen die Mitglieder der alten Regierung würde wahrscheinlich bei der Erbitterung der Partei würklich ausgeführt worden seyn, hätten die provisorischen Repräsentanten von Amsterdam diesen Geist revoluzionairer Rache nicht weislich gleich im Keime erstickt.

In einer, in Beziehung auf die empfohlenen rachgierigen Maassregeln gegen die Mitglieder der alten Regierung und andere schädliche Personen, an das Volk von Amsterdam erlassenen Proklamazion gaben die provisorischen Repräsentanten in einem Tone voll bewundernswürdiger Mässigung und Menschenliebe ihr Missfallen über diese Gesinnungen zu erkennen. Nie hat ein reinerer Geist der Billigkeit und Versöhnung eine Staatsschrift beseelt. Nachdem sie auf eine passende Art die Vorstellung getadelt, worin sie zu strengen Maassregeln gegen die abgesetzten und überwundenen Agenten der umgestürzten Regierung aufgefordert wurden, fuhren die aufgeklärten und tugendhaften Republikaner fort, ihre edelmüthigen Gesinnungen in folgenden Ausdrücken an den Tag zu legen: "Der verdient nicht zu triumphiren, der auf eine niedrige Art den Sieg missbraucht. Die Ausübung der Rache mag in den Augenblicken der Leidenschaft und des Wahnsinns ein vorübergehendes Vergnügen gewähren; aber ihre Folgen sind gewöhnlich traurig und niederschlagend, während die Ausübung der Billigkeit und Grossmuth nur angenehme Gefühle zurücklässt."

Eintracht und Vernichtung des Andenkens an alle ehemalige Feindschaft wurden mit Nachdruck und überzeugend als die zweckmässigsten und lobenswürdigsten Mittel empfohlen, die Wohlfahrt und das Glück der Republik zu befördern. In Beziehung auf den gethanen Vorschlag, dass gleiche Strenge und Vorsicht wie bei der französischen Revolution auch gegen alle verdächtige Personen in Holland angewandt werden möchten, wurde der grosse Unterschied zwischen der holländischen und französischen Revoluzion klar aus einander gesetzt und die verhältnissmässig glückliche Lage der batavischen Patrioten beiläufig bewiesen. "Die holländische Nazion," setzten sie hinzu, "sey nicht eine blosse Partei, die triumphirt habe; die Sache der Freiheit und Gleichheit, nicht der Geist der Zerstörung und Rache habe sie aufgefordert." Das Volk wurde ermuntert, ihren hintergangnen und verführten Brüdern die Hand der Freundschaft zu bieten und sie nicht durch Schrecken, sondern durch Gerechtigkeit, Mässigung und Grossmuth für das neue Regierungssystem zu gewinnen *).

*) Vergl. die Beilage Nr. 6.

Diese Proklamazion benahm vielen, die unter der vorigen Regierung einen grossen Wirkungskreis gehabt und daher, wie bei den frühern holländischen Revoluzionen, Verfolgung von Seiten der siegreichen Partei erwarteten, nunmehro alle Furcht, und erstickte zugleich bei den heftigsten Patrioten, deren Erbitterung mancherlei Umstände gereizt hatten, jedes Gefühl von Rache.

Zu gleicher Zeit ertheilten die provisorischen Repräsentanten von Holland zur Beruhigung des Volks eine Verordnung wegen des Umlaufs der Assignate, wovon in den Proklamazionen der Generale Pichegrü und Daendels an ihre Landsleute Erwähnung geschah. Nach dieser Verordnung waren die mit den nothwendigsten Lebensbedürfnissen handelnden Krämer verbunden, von den französischen Soldaten und andern bei der Armee angestellten Personen Assignate zu einem festgesetzten Preise als Bezahlung für ihre Waaren anzunehmen, und erhielten nachher bei Überreichung einer wöchentlichen Liste der auf diese Art erhaltenen Assignate an die Munizipalität, von derselben den Betrag in baarem Gelde oder in Staatspapieren, wofür die Regierung verantwortlich war. Zugleich wurde bestimmt, dass man von einem Soldaten nie mehr als zehn Livres auf einmal anzunehmen brauchte, und um den Umlauf der Assignate noch mehr zu beschränken, durften die Soldaten nicht anders als nach erhaltener schriftlicher Erlaubniss ihrer Offiziere einen Kauf damit schliessen; die Offiziere aber, denen der Gebrauch der Assignate nach Verhältniss ihres Rangs und ihrer Besoldung erlaubt war, mussten, wenn sie sich ihrer bedienen wollten, erst eine schriftliche Genehmigung ihres Divisionsgenerals einholen. Auf jede andre Art war ihr Gebrauch verboten.

Um die französische Armee mit den dringendsten Bedürfnissen zu versehen, verlangten die Repräsentanten der französischen Nazion die Lieferung einer Quantität Kleider und Lebensmittel binnen Monatsfrist *). Die Generalstaaten, an welche diese Requisizion gerichtet war, befahlen in einer Furcht und Schwäche zugleich verrathenden Proklamazion, die von den Franzosen verlangten Artikel sollten mit der schleunigsten Pünktlichkeit verabfolgt werden. An alle, die jene geforderten Bedürfnisse besassen, ergieng der Befehl, sie besonders dazu bestellten Kommissarien zu überliefern, und die Provinzialregierungen mussten mit der grössten Schnelligkeit ihre Quoten zu dieser Lieferung einsenden.

*) Zu Nimwegen, Herzogenbusch und Thiel wurden requirirt 200,000 Zentner Weitzen, fünf Millionen Razionen Heu, 200,000 Razionen Stroh, 150,000 Paar Schuhe, 20,000 Paar Stiefeln, 20,000 Röche und Westen, 40,000 Paar Beinkleider, 150,000 Paar Pantalons, 200,000 Hemden, 50,000 Hütte und 12000 Ochsen. Der ganze Werth dieser Lieferung wurde, aber wahrscheinlich zu hoch auf anderthalb Millionen Pfund Sterling geschätzt.

Bald darauf wurden die Einwohner der vereinigten Staaten aufgefordert, einen freiwilligen Beitrag zur Versorgung der französischen Armee zu liefern. Unterstützung Suchende giengen von Haus zu Haus durch die ganze Republik, und da nur wenige durch Mangel an Freigebigkeit in den Verdacht fallen wollten, feindselige Gesinnungen gegen die Franzosen zu hegen, viele hingegen sich bemühten, durch mehr als gewöhnlichen Eifer für die neue Regierung und deren Bundsgenossen ihre unter dem alten System begangnen Fehler wieder gut zu machen, so betrugen die auf diese Art erhobenen Steuern eine beträchtliche Summe.

Grosse Einkünfte werden jährlich durch freiwillige Beisteuern zu Unterstützung und Unterhaltung der Armen, so wie für die wohlthätigen Anstalten in Holland erhoben. In Amsterdam wurde einige Tage nach der Ankunft der Franzosen eine Summe von beinahe vierzigtausend Gulden für die Dürftigen dieser Stadt gesammelt. Dieser Umstand verdient darum angeführt zu werden, weil er die innere Ruhe dieses Orts zu einer Zeit beweist, als er wie eine eroberte Stadt zu betrachten war.

Den sechszehnten Februar 1795 wurde im Haag eine feierliche Versammlung von Deputirten aus allen Provinzen gehalten, in welcher förmlich beschlossen wurde, das Statthalterthum auf immer abzuschaffen. Denselben Tag wurde ein republikanisches Fest gefeiert, woran die französischen Repräsentanten und die Anführer der Armee mit den holländischen Gesetzgebern zugleich Antheil nahmen.

In Amsterdam wurde die feierliche Bekanntmachung der Abschaffung des Statthalterthums mit den ausgelassensten öffentlichen Freudensbezeugungen empfangen. Alle Geschäfte hörten auf, um eine so glorreiche Begebenheit recht ungestört zu feiern. Auf alle Thürme ward die dreifarbige Fahne gesteckt, von allen Kriegsschiffen und Bastionen wurden Salven gegeben und alle Glocken der Stadt spielten patriotische Hymnen. Des Abends ward die Stadt erleuchtet und auf dem Platze vor dem Rathhause wurden Feuerwerke abgebrannt. Bei dieser Gelegenheit wurde den Holländern von Seiten der französischen Repräsentanten ihre Unabhängigkeit von neuem zugesichert.

Da den Batavern die Besorgung ihrer eigenen Staatsangelegenheiten fast ganz überlassen war, so zogen die französischen Repräsentanten und Generale die öffentliche Aufmerksamkeit nach Verhältniss nur wenig auf sich. Von den Repräsentanten hörte ich nichts merkwürdiges; aber vom General Pichegrü wird in Holland -- der trüben Wolken, die in den neuesten Zeiten seine Thaten verdunkelten und der Verrätherei, die seinen Charakter befleckte, ungeachtet, -- noch immer mit vieler Ehrfurcht und Hochachtung gesprochen. Ich habe seine militairischen Talente von Personen bezweifeln hören, denen hierüber eine Stimme zukam; aber der bewundernswürdige Erfolg seiner Feldzüge machte mich immer misstrauisch gegen solche Urtheile. Ist er auch nicht den ersten Generalen an die Seite zu setzen, die der letztere Krieg hervorgebracht hat, so verdient er doch immer eine vorzügliche Stelle unter den Heerführern, welche die Waffen der französischen Republik mit Lorbeern bedeckten. Sein Betragen als Befehlshaber der Armee, welche die vereinigten Provinzen eroberte, wird von den Holländern als sehr liebenswürdig geschildert. Er war von gemässigtem menschenfreundlichen Charakter und ohne alle Anmaassung. Die grosse Macht, die er in Händen hatte, wurde durch keine unterdrückende oder ungerechte Handlung gemissbraucht, und er verliess zuletzt Holland unbereichert durch die Plünderung eines Volks, das er beschützte.

Die Geldverlegenheiten der Republik erforderten bei der neuen Ordnung der Dinge früh die Aufmerksamkeit der Provisorischen Repräsentanten von Holland. Es erschien eine Verordnung, die allen Einwohnern des Landes ihr sämtliches ungeprägtes Gold und Silber, Löffel und Gabeln ausgenommen, einzuliefern befahl. Gegen diese Lieferung wurden Quittungen ausgestellt, die als ein Theil der vom Inhaber derselben an den Staat zu bezahlenden Steuern angenommen wurden. Belief sich der Werth dieses edlen Metalls über die zu entrichtende Kontribuzion, so hatte man die Wahl, entweder Papiergeld oder Staatsobligazionen dafür anzunehmen. Unter dieser Verordnung war jeder über dreihundert Gulden werthe Schmuck, wie auch alle Medaillen und fremde in der Republik nicht kursirende Münzen begriffen. Diese bei einer fürchterlichen Noth und Verlegenheit des Staats getroffene Maassregel wurde nicht nur ohne Murren und Unzufriedenheit, sondern sogar mit ausgelassener Freude und Bereitwilligkeit in der ganzen Republik befolgt. Die Vaterlandsliebe überwand bei dieser Gelegenheit den Geiz; denn aus der grossen Menge gelieferten Silbers, die alle Erwartung weit übertraf, konnte man schliessen, dass nichts verhehlt worden war.

Die Hauptursache dieser Pünktlichkeit der Holländer ihre neue Regierung zu unterstützen, lag in der Erbitterung der Nazion gegen Grossbrittannien, mit welcher Macht der Krieg nun unvermeidlich wurde. Die Zurückhaltung ihrer Schiffe und ihres Eigenthums in England, die verächtliche Behandlung ihrer zur Reklamazion derselben abgesandten Deputirten, und die feindseligen Absichten der Engländer gegen die Kolonialbesitzungen der Republik vereinigten sich, um die Flamme des Hasses, der gegen die brittische Nazion schon längst in den Herzen der Holländer gewüthet hatte, noch mehr anzufachen. Gierig ward jedes Mittel ergriffen, wodurch die Republik gegen ihren Verhassten und alten Nebenbuhler gestärkt werden sollte. Diesen Volksenthusiasmus benutzte die Regierung, und verfiel zur Wiederherstellung des öffentlichen Kredits auf Auswege, die zu einer andern Periode von weniger Nazionalgeist und Eifer nicht wären versucht worden.

In allen Arsenälen der Republik herrschte die lebhafteste Thätigkeit, und grosse Summen wurden verwilligt, um der Nazionalmarine ein ehrwürdiges Ansehn zu verschaffen. Fast nichts erbitterte das Volk so sehr gegen die alte Regierung, als der vernachlässigte Zustand, in den sie die Seemacht der Republik hatte sinken lassen. Es war eine der vorzüglichsten Beschuldigungen gegen den Statthalter, dass er den Eingebungen Englands. welches die holländische Marine in einem glücklichen Zustande zu erblicken besorgte, Gehör gegeben und daher nicht blos die Seemacht ausser Acht gelassen, sondern sogar jedes Mittel ergriffen habe, sie zu schwächen.

Dieses Verfahren der provisorischen Regierung in Rücksicht der Marine war das zweckmässigste Mittel, sich die Volksliebe zu verschaffen. Der Enthusiasmus der Nazion wurde durch beständige Erinnerungen an die glänzenden Perioden der Republik, an die Zeiten eines Ruyter, Tromp und Van Brakel lebendig erhalten, wie die holländischen Flotten stolz der Küsten Englands spotteten, oder kühn den engen Pass des baltischen Meers durchsegelnd dem Norden Gesetze vorschrieben *).

*) Im Jahr 1659 sandten die Holländer ihrem Bundsgenossen, dem Könige von Dänemark, der damals in seiner Hauptstadt Kopenhagen von den Schweden belagert wurde, eine Flotte zu Hülfe. Ohngeachtet die schwedischen Truppen bereits die festen Schlösser von Kronenburg und Helsingör besetzt hatten und tapfern Widerstand leisteten, so segelte dennoch die holländische Flotte triumphirend durch den Sund, richtete die schwedische Marine vor Kopenhagen zu Grunde und nöthigte Schweden unter billigen Bedingungen Frieden mit Dänemark zu schliessen.

Bei Annäherung des Frühlings verliessen starke Korps französischer Truppen, die bisher in den vereinigten Provinzen Winterquartier gehalten hatten, zur grossen Erleichterung der Einwohner das Gebiet der Republik. An Requisizionen und theils gezwungenen theils freiwilligen Beiträgen mancherlei Art hatten die Franzosen in kurzer Zeit die Summe von beinahe vier Millionen Pfund Sterling erhoben. Dieses, verbunden mit der Anstrengung der Holländer, ihre Seemacht auf eine ansehnliche Höhe zu bringen, wozu noch der grosse Verlust kam, der ihnen durch Zurückhaltung ihrer Schiffe und ihres Eigenthums in England zugefügt wurde, würde grosse Geldverlegenheit und folglich viel Missvergnügen verursacht haben, hätte nicht die Nazion die Maassregeln der neuen Regierung gebilligt und mit Eifer unterstützt.

Die starken Forderungen der Franzosen wurden ohne Weigerung bezahlt; denn man betrachtete sie als eine Art Lösegeld für die öffentlichen Arsenäle und Magazine und als einen von der Nazion bezahlten Preis für die Freiheit, ohne die entehrende Genehmigung des Siegers jede beliebige Veränderung in ihrer Regierungsform vorzunehmen. Auch trug die bewundernswürdig gute Mannszucht der französischen Armee, so wie die Gerechtigkeit und Menschenliebe ihrer Anführer viel dazu bei, das Volk wegen der schweren Auflagen, welche die Unterhaltung ihrer neuen Bundsgenossen nothwendig machte, zufrieden zu stellen.

Sechszehnter Brief.[]

Amsterdam.

Bis hierher hatte die holländische Regierung den glücklichsten Fortgang, und mit Erstaunen sah die Welt eine Nazion unter den Augen ihrer Eroberer in Abschaffung der Missbräuche ihrer Regierung ruhig fortschreiten. Dieses Schauspiel war um so erhabner und erfreulicher, da es zu einer Zeit vorfiel, wo Europa durch innere Zwistigkeiten und einen beinahe allgemeinen Krieg bis in sein Innerstes erschüttert wurde. Diese Feindseligkeiten entsprangen nicht aus den sonst gewöhnlichen Ursachen des Kriegs, sondern aus ganz entgegenstehenden Grundsätzen, wodurch die Nazionen zu einer Erbitterung gereizt wurden, von der man in allen frühern Zeiten kein Beispiel aufzuweisen vermag.

In jener Periode schien der Ausdruck "Revoluzion" blos Szenen von Grausamkeit und Härte, schändliche Verfolgung der Tugend, Rechtschaffenheit und Talente, Beleidigung der Moralität und aller gesellschaftlichen Pflichten, Verachtung der Menschenrechte, Fakzionen aller Art, von welchen die spätere an Grausamkeit der Maassregeln die frühere übertraf, schien blos Beförderung der Blutdürstigen und Bösewichter, und Unterdrückung der Tugendhaften und Edlen zu bezeichnen. Aber bei der holländischen Revoluzion ist, wie ich bereits erwähnte, kein einziger Tropfen Bluts gesetzlich vergossen worden.

Die Auswanderungen vor der Ankunft der Franzosen waren sehr beträchtlich; aber dennoch wurden gegen die Flüchtlinge keine strenge Gesetze erlassen, und die durch die neue Regierung bewirkte Ruhe und Ordnung verleitete viele in ihr Vaterland zurückzukehren. Ein Edelmann, der den Präsidenten der provisorischen Repräsentanten für seinen Bruder, welcher den Statthalter nach England begleitet hatte, um die Erlaubniss zur Rückkehr nach Holland bat, erhielt zur Antwort, "es wären zwar Gesetze gegen das Emigriren, aber keine gegen das Zurückkehren ins Vaterland vorhanden."

Das Betragen der Franzosen gegen die holländische Nazion wurde von letzterer mit den lebhaftersten Gefühlen der Dankbarkeit betrachtet, bis im Monat May 1795 die Artikel des zwischen beiden Republiken geschlossenen Friedenstraktats bekannt wurden. Die den Holländern darin von Frankreich gemachten Bedingungen erregten in sämtlichen vereinigten Staaten die grösste Unzufriedenheit. Sie waren so hart, dass sie auch die eifrigsten Anhänger des neuen Systems und die treuesten Freunde der Franzosen nicht rechtfertigen konnten. Aber auf welche Art konnte man sie verwerfen? Den Holländern, die sich ganz in der Gewalt Frankreichs befanden und von seiner Gnade abhiengen, blieb keine andre Wahl übrig als die Bedingungen anzunehmen oder ihre Städte dem Raube und der Plünderung Preis zu geben.

Ausser den von den Holländern bisher erhobenen schweren Kontribuzionen wurde durch einen Artikel des Friedensvertrags noch die ungeheure Summe von hundert Millionen Livres in baarem Gelde oder in Wechseln auf fremde Mächte, wie nachher noch ausgemacht werden sollte, als Entschädigung der französischen Republik für die gehabten Kriegskosten gefordert.

Da Antwerpen mit Frankreich vereinigt war, so wurde die Fahrt auf der Schelde für die Schiffe beider Republiken frei erklärt, und im Hafen zu Vliessingen, wo sich die Schelde ins Meer ergiesst, wurden den Franzosen Magazine und Schiffsvorrathshäuser angewiesen.

Ungeachtet ihres Friedens mit Österreich und den deutschen Mächten wurden die Holländer gezwungen, mit der Hälfte ihrer Truppen Frankreich zu unterstützen; die Feinde der französischen Republik wurden für Feinde von Holland erklärt, und zwölf Linienschiffe und achtzehn Fregatten (mit diesem Artikel des Vertrags waren die Holländer am meisten zufrieden) mussten für die Nordsee versprochen werden *).

*) vergl. die sechste Beilage.

Das grosse Missvergnügen, welches dieser Vertrag erregte, wurde noch durch Errichtung einer Regierung für die vereinigten Staaten vermehrt, die der französischen völlig nachgebildet war. Die gemässigte Partei wünschte die alte Verfassung zurück, nur mit einigen Modifikazionen und Veränderungen, wohin besonders die Abschaffung des Statthalterthums und des Erbadels, wie auch eine Erweiterung des Stimmenrechts gehörte. Aber der gegen jeden Widerstand zu mächtige Einfluss Frankreich, und die für kalte Überlegung zu heftige Neuerungsliebe unterdrückten jene Gefühle. Das ehrwürdige Staatsgebäude der sieben vereinigten Provinzen Bataviens wurde umgestürzt, und ein luftiger, leichter und schwacher gallischer Bau an seine Stelle gesetzt. So wie die Schwächen und Schandthaten des französischen Direktoriums seinen Umsturz beschleunigten und die erleuchteten Plane des grossen Mannes, der zum Glück für Europa jetzt Frankreichs Schicksal lenkt, beförderten, so bringt auch ihre Tochter, die batavische Regierung, ihre innere Schwäche der Auflösung nahe. Möge sie ruhig sich endigen *)!

*) Wie dieser Wunsch des Verfassers in Erfüllung gegangen, ergiebt sich aus der dem siebenten Briefe beigefügten Note.

Bei Errichtung der Direktorialregierung in Holland hassten viele edle und aufgeklärte Patrioten die neue Ordnung der Dinge, und da sie wegen des unwiderstehlichen auswärtigen Einflusses ausser Stande waren, ihrem Vaterlande fernere Dienste zu leisten, so entzogen sie sich zum grössten Nachtheile der Nazion allen öffentlichen Geschäften. Ihre Stellen wurden durch Patrioten andrer Art besetzt, die ihre Wichtigkeit der Revoluzion verdankten, und dieselbe mehr aus persönlichem Interesse und Dankbarkeit, als aus fester Überzeugung von ihrem Werthe und Nutzen unterstützten; es waren Männer von beschränkten Fähigkeiten, aber brennenden Begierden, die ihre Sucht zu Neuerungen irrig für ein Bestreben zum Guten hielten.

Der Verlust der auswärtigen holländischen Besitzungen, die Wegnahme ihrer wichtigen Kolonie auf dem Vorgebirge der Guten Hoffnung und die schimpfliche Übergabe der ihr zu Hülfe gesandten Flotte, vermehrten noch die Unzufriedenheit des Volks mit der neuen Regierung und es herrschte sogar ein starker Verdacht, dass sich unter den Direktoren und Räthen eine von England besoldete Partei befinde, die, wie die statthalterische, gegen das Interesse der Republik der Sache ihres gefährlichsten Nebenbuhlers diene. Besonders glaubte man, dass die nach dem Kap der guten Hoffnung gesandte Flotte bestimmt gewesen sey, den Engländern als leichte Beute in die Hände zu fallen, und noch ehe sie die holländischen Häfen verliess, verbreiteten sich die Gerüchte von jener Verrätherei.

Der Grund, worauf sich dieses Gerücht stützte, lässt sich nicht leicht angeben; aber schon der Umstand, dass es in Umlauf war und geglaubt wurde, zeugt von der geringen Meinung, die man von der Regierung hegte, und beweist, dass Männer, die in angesehenen und wichtigen Ämter standen, für niedrig genug gehalten wurden, um aus eigennützigen Rücksichten ihr Vaterland zu verrathen.

Die Seeschlacht vom 11ten Oktober 1797, ohngeachtet sie mit dem gänzlichen Verlust ihrer Flotte sich endigte, erhob auf kurze Zeit den Geist der holländischen Nazion und verschaffte der Regierung einige Vortheile. Von Seiten der Holländer wurde ehrenvoll und muthig gefochten, und auf keinen fiel der Verdacht, seine Pflicht vernachlässigt oder der Sache des Feindes gedient zu haben. Da ich in England viel Nachtheiliges vom Admiral Story gehört zu haben, mich erinnerte, so suchte ich über ihn besondere Erkundigungen einzuziehen, und erhielt von einem Schiffskapitain, der am 11ten Oktober eine Fregatte kommandirt und das ganze Treffen mit angesehen hatte, die Versicherung, der Admiral Story habe sich wie ein braver und achtungswerther Seemann betragen. Gegen das Ende der Schlacht verlor er den einen Schenkel, und erst nach diesem Unfall verliess sein Schiff die Linie. Nachher hat man sein Betragen bei einer andern Gelegenheit getadelt; aber gewiss verdient sein Benehmen am eilften Oktober nicht nur keinen Tadel, sondern das höchste Lob.

Admiral de Winter war zur Zeit der Invasion von Holland Brigade-General bei der französischen Armee und hat den Ruf eines guten Soldaten wie eines braven und geschickten Admirals. Er ist ein Mann vom edelsten Charakter und allgemein beliebt. Sein Betragen hat sich immer durch Mässigung und Menschenliebe ausgezeichnet, und ohngeachtet er den hohen Posten, den er bei der holländischen Marine bekleidet, dem Einflusse Frankreichs allein verdankt, so hat der doch nie das Benehmen dieser Republik gegen sein Vaterland gebilligt. Bei jeder Gelegenheit hat er sich als ächter und edler Patriot gezeigt, als Patriot, der in den glücklichsten Zeiten der Republik zu leben verdiente.

Die Volkszufriedenheit, welche die hartnäckige, aber unglückliche, Schlacht vom 11ten Oktober hervorbrachte, dauerte nicht lange. Schon im Anfange des folgenden Jahrs machten Missvergnügen und Widersetzlichkeit gegen die Maassregeln der batavischen Regierung nicht bloss beim Volk, sondern auch bei den Räthen, solchen Fortschritte, dass das Direktorium, um sein Ansehn zu behaupten, sich genöthigt sah, die gefährlichen Mitglieder mit bewaffneter Hand aus der gesetzgebenden Versammlung herauszustossen. Die übrigen mussten Hass gegen das Statthalterthum schwören und es wurde verordnet, dass der Tag der Hinrichtung Ludwigs des sechszehnten als ein Fest in der ganzen Republik gefeiert werden solle.

Diese Revoluzion ereignete sich ohne Vermittlung der Franzosen; aber aus dem Maassregeln, die kurze Zeit nachher genommen wurden, lässt sich leicht schliessen, dass sie ganz ihren Beifall hatte. Eine ähnliche gewaltthätige Handlung geschah bald darauf von einem Theile der ausübenden Gewalt Frankreichs gegen die Gesetzgeber dieser Republik.

Ohngeachtet durch den Friedensvertrag von der holländischen Nazion eine bestimmte Summe als Entschädigung der französischen Republik für die gehabten Kriegskosten verlangt worden war; so diente doch dieses ungeheure und unverhältnissmässige Lösegeld mehr dazu, die Raubgier der Franzosen zu reizen, als zu besänftigen, und neue Forderungen wurden gemacht unter den verschiedenen Formen von Anleihen, Requisizionen von Kleidungsstücken und Lebensmitteln, freiwilligen Beisteuern, Sudsidien und gezwungnem Umlaufe der Assignaten.

Man beklagte sich, dass die in französischen Diensten stehenden holländischen Truppen mit besondrer Strenge und Ungerechtigkeit behandelt würden. Auf dem Schlachtfeld wies man ihnen die gefährlichsten Stellen an und bei Auswechslung der Gefangnen wurden sie stets übergangen. Bei einer solchen Behandlung mussten in der batavischen Armee häufige Desertionen vorfallen; aber die Regierung war verbunden, durch neue Rekruten die dadurch verursachte Verminderung wieder zu ersetzen. Gleich beim Anfang des Kriegs erhielten die holländischen Soldaten von ihren Waffenbrüdern, den Österreichern und Britten, den Vorwurf der Feigheit oder Verrätherei, und gleiche Beschuldigungen mussten sie sich von ihren Bundsgenossen, den französischen Legionen, gefallen lassen.

Im Jahre 1799 scheint die batavische Republik am tiefsten gesunken zu seyn. Aufs äusserste gebracht durch die wiederholten Erpressungen der Franzosen, durch die Zerstörung ihres Handels, durch den Verlust ihrer Kolonien und durch die willkührlichen Handlungen der Regierung, sehnte sich das Volk ungeduldig nach einer Veränderung seines Systems, und das in der Republik herrschende Missvergnügen nahm einen hochmüthigen und drohenden Ton an. Die vorige Verfassung unter der Regierung des Statthalters war beneidenswerth, verglichen mit der verachteten, herabgesetzten und der Raubgier Frankreichs blosgestellten Lage unter der Direktorialregierung.

Durch ihre Leidenschaften wahrscheinlich verblendet hier die statthalterische Partei dieses Missvergnügen und Murren irrig für eine allgemeine Neigung des Volks zur Wiederherstellung der alten Regierungsform, wenn ihm nur hinlängliche auswärtige Hülfe verschafft würde, um die Franzosen vom Gebiete der Republik zu vertreiben. Es wurden daher mit Übertreibung ihrer eignen Stärke an England die dringendsten Vorstellungen gemacht, es möchte eine hinreichende Macht zur Unterstützung der Freunde des Statthalters nach Holland senden und die Republik vom Joche Frankreichs befreien. Der Hass gegen die neue Regierung, der offenbar bei den See- und Landtruppen der Republik herrschte, wurde mit den lebhaftesten Farben geschildert, und man gab die Versicherung, die Engländer würden, wo nicht thätige Unterstützung, doch wenigstens sehr schwachen Widerstand, antreffen. Es wurde ferner behauptet, die Anzahl der französischen Truppen in Holland habe sich mehr als zu irgend einer andern Zeit seit der Eroberung dieses Landes vermindert, und die grossen Armeen, die die Franzosen in Italien und Deutschland, wo der Ausgang des Kriegs noch zweifelhaft sey, zu unterhalten hätten, würde sie wahrscheinlich hindern, ihrer Armee in Holland eine beträchtliche Verstärkung zuzusenden.

Diese den Neigungen der brittischen Regierung so angemessenen Vorstellungen brachten im Herbste desselben Jahrs eine Expedizion gegen Holland zu Stande. Die statthalterische Partei beschwerte sich darüber, dass die zu ihrer Befreiung bestimmte Armee erst nach Verstreichung der zu Feldzügen günstigen Jahrszeit sich eingeschifft habe; einige Tage anhaltende ungünstige Witterung nach dem Auslaufen der Flotte aus dem Texel vergrösserte noch die Nachtheile dieses Aufschubs. Ein Theil der feindlichen Flotte lag im Helder vor Anker, man suchte den Punkt auf, wo eine Landung zu befürchten war und liess die zum Empfang der Feinde bestimmten Truppen marschiren.

Gleich beim Landen der Truppen bemerkte man, dass man sich in der Stimmung der holländischen Soldaten gar sehr geirrt habe. Sie wurden vom General Daendels, einem sehr erfahrnen und geschickten Kriegshelden, kommandirt, dessen heftige Erbitterung gegen die brittische Nazion seine Treue gegen die neue Regierung sicherte und der sich dem Landen der feindlichen Truppen mit der grössten Tapferkeit und Entschlossenheit widersetzte. Endlich, -- aber auch nur nach einem heftigen Widerstande und nachdem sie den Engländern einen starken Vorschmack von der Vertheidigung der batavischen Armee gegeben hatten, wichen sie der Ubermacht des Feindes.

Hatte sie die statthalterische Partei von der holländischen Landarmee zu überspannte Hoffnungen gemacht, so scheint sie dagegen die Stimmung der Seetruppen vollkommen richtig beurtheilt zu haben. Beim Zurückweichen der Truppen, die die Landung der Engländer abwehren sollten, brachen heftige Symptome von Aufruhr und Insubordinazion bei der holländischen Flotte aus

In Holland ist man fest überzeugt, diese Tendenz zum Aufruhr würde bald unterdrückt worden seyn, hätten der kommandirende Chef und einige der vorzüglichsten Offiziere der Flotte ihre Pflicht treu erfüllt; aber man hielt sie von der statthalterischen Partei bestochen und die schimpfliche Übergabe der Flotte wurde für eine Folge ihrer Verrätherei gehalten. Die Rechtfertigung des Admirals Story, die er dem batavischen Direktorium selbst überreichte, spricht ihn, wenn man sich anders auf die darin angeführten Thatsachen verlassen kann, von aller Schuld vollkommen frei; aber man hegt in Holland eine gegentheilige Meinung und es ist nicht wahrscheinlich, dass man ihn jemals wieder anstellen wird.

Bei den ersten glücklichen Fortschritten der Engländer und der Übergabe der holländischen Flotte war zu erwarten, dass die Armee schnell tiefer ins Land vorrücken würde. Keine hinreichende Macht leistete ihnen Widerstand und Haufen von Unzufriednen waren bereit, sich mit ihnen zu vereinigen.

Wenn gleich die Mehrzahl der Amsterdamer Einwohner geneigt war, die neue Regierung zu unterstützen, so gab es doch hier noch eine mächtige Partei zu Gunsten des Statthalters, die täglich neuen Zuwachs vom Lande bekam, und nur das weitere Vordringen der brittischen Armee erwartete, um sich förmlich dafür zu erklären.

Die Ankunft der Engländer in Amsterdam und eine Gegenrevoluzion in ganz Holland wurden so zuverlässig erwartet, dass die Mitglieder des Direktoriums sich schon zur Abreise vom Haag vorbereiteten. Aber statt die Bestürzung zu benutzen, die ihre ersten glücklichen Fortschritte und die Wegnahme der Flotte verbreitet hatten, blieben die Anführer der brittischen Armee bei einer Langsamkeit, die selbst ihre Freunde in Holland laut tadelten, in einem Zustande vorsichtiger, wo nicht furchtsamer, Unthätigkeit, bis die Jahrszeit zu raschen Operazionen verflossen war.

Die Zahl der Anhänger des Statthalters, die zu der brittischen Armee übergingen, war, die von der Flotte abgerechnet, unbeträchtlich; die Ursache davon schrieb man aber dem Umstande zu, weil der von den Engländern besetzte Distrikt Holland unter allen die feindseligsten Gesinnungen gegen das Haus Oranien hegte. In den südlichen Theilen von Holland, gegen die Mündung der Maass zu, wo die statthalterische Partei die Invasion gewünscht hatte, waren die Freunde der alten Regierung weit zahlreicher. Indessen würden ohne Zweifel noch viele zur englischen Armee übergetreten seyn, wäre diese nur weit genug vorgerückt gewesen, um es mit Sicherheit und ohne Gefahr thun zu können; aber ihre Unthätigkeit erregte bei diesen Leuten nur Missmuth und Besorgniss.

Ein französischer General, mit dem ich über diese Periode des Feldzugs in Holland sprach, sagte zu mir: "C'étoit par la sottise des generaux Anglois, que l'Amsterdam n'étoit pas pris". "Allein", setzte er hinzu, "hätten auch die Engländer damals Amsterdam genommen, so wäre es dich unfehlbar sehr bald wieder in die Hände der Franzosen gefallen".  Das Zögern der brittischen Armee verschaffte den Franzosen Zeit ihre Truppen zu sammeln, und wie der Herzog von York mit einer Verstärkung von Engländern und Russen ankam, übernahm General Brüne mit einem starken Korps französischer Hülfstruppen das Kommando über die Gallobatavische Armee.

Mit dem Herzoge von York erschien zugleich der Erbprinz von Oranien bei der Armee, und richtete, wahrscheinlich übermüthig gemacht durch das bisherige Kriegsglück, eine Proklamazion an das holländische Volk, jedoch in gemässigtern Ausdrücken, als wenn die oranischen Farben noch auf dem Amsterdamer Rathhaus geweht hätten. Sie bildete einen auffallenden Kontrast mit den von den Repräsentanten des französischen Volk vier Jahre vorher erlassenen Proklamazionen. Aber wo die Gewalt keine Schranken kennt, findet man oft mehr Mässigung als wo Schwäche vorherrscht, nur darf die Gewalt nicht in den Händen eines Alba oder Philipps von Spanien seyn.

Nach einer Reihe blutiger und hartnäckiger Treffen nahmen die brittischen und russischen Truppen Besitz von Alkmaer, und die Hoffnungen der Freunde des Hauses Oranien, welche durch die langsamen Bewegungen der Armee beinahe waren vernichtet worden, lebten wieder auf. Die für die neue Ordnung der Dinge eingenommnen Amsterdamer Bürger zitterten von neuem für die Sicherheit der Hauptstadt, und in der ganzen Republik frohlockten die Freunde des Statthalters.

Aber diese Empfindungen der Traurigkeit auf der einen, und der ausgelassenen Freude auf der andern Seite, waren von kurzer Dauer. Nach einem fürchterlichen Treffen, in welchem die Britten, jedoch mit grossem Verluste, den Sieg davon trugen, sah sich ihr Oberbefehlshaber genöthigt, mit der Armee sich zurückzuziehen.

Diese Maassregel war für den General Brüne, der sich einbildete, die Engländer würden ihre Feindseligkeiten sogleich fortsetzen, so unerwartet, dass er, selbst auf den Rückzug bedacht, seine Bagage mit einem Theile der Artillerie bereits über den Y geschickt hatte.

Von der Dunkelheit einer stürmischen Nacht und der Unkunde des Feindes von ihrer Absicht begünstigt, geschah der Rückzug der brittischen Armee mit unbedeutendem Verluste. Frühe bei Tagesanbruch waren die Engländer schon dreissig englische Meilen von den französischen Truppen entfernt und es war nun beschlossen, dass die Britten und Russen Holland räumen sollten. Um diese Absicht ohne weiteres Blutvergiessen auszuführen, trat der Herzog von York mit dem General Brüne in Unterhandlungen.

Die vom französischen Generale Anfangs vorgeschlagenen Bedingungen, unter denen es der Armee des Herzogs von York erlaubt seyn sollte, ohne Hinderniss sich einzuschiffen, waren so übertrieben, dass sie sogleich verworfen wurden. Brüne verlangte, die holländische Flotte solle zurückgeliefert und funfzehn tausend französische und batavische Gefangene unbedingt aus den englischen Gefängnissen befreit werden. Die Forderung wegen Zurücklieferung der Flotte liess man bald nach, ungeachtet das batavische Direktorium in seinen dem General Brüne gegebnen Instrukzionen darauf drang, dass die Zurückgabe der Flotte in jedem mit dem Herzoge von York abzuschliessenden Vertrage den Hauptartikel ausmachen sollte, und die Anzahl der ohne Auswechslung zu befreienden Kriegsgefangnen wurde auf acht tausend vermindert. Die andern Punkte der Konvenzion bestimmten, dass die brittischen und russischen Truppen vor dem dreissigsten November das Gebiet der Republik verlassen und keine Beschädigungen an den Dämmen, Kanälen oder den Schiffen im Texel verübt werden sollten.

Über diese leichten Bedingungen unter denen den Britten und Russen die Räumung Hollands gestattet worden war, beklagte sich das batavische Direktorium laut, und starke Vermuthungen gegen die Rechtschaffenheit des Generals Brüne wurden von der den Engländern feindseligen Partei in der ganzen Republik in Umlauf gebracht. Dieser Argwohn stützte sich auf den bekannten habzüchtigen Charakter dieses Generals und auf die Meinung, dass er das Kommando der französischen Armee in Holland durch Bestechung erhalten habe und folglich kein Bedenken tragen würde, durch die dem Staate nachtheiligsten Mitten sich zu entschädigen. Sehr wahrscheinlich aber waren die Stärke der brittischen Armee, ihre grossen Vertheidigungsmittel und vielleicht die edle Absicht, Menschenleben zu schonen die Triebfedern, die den General Brüne zu jenen den Engländern vortheilhaften Bedingungen vermochten.

Die Franzosen, welche gegen die Engländer in diesem Feldzuge dienten, sprechen mit dem grössten Lobe von der Tapferkeit der brittischen Soldaten; von ihren Generalen aber geben sie keine so vortheilhafte Idee. Doch fand unter letztern eine Ausnahme statt, nämlich der Prinz Wilhelm von Gloucester flösste den Franzosen vorzüglich Bewunderung ein, und man erwähnt seiner ruhmvoll und mit grosser Hochachtung als eines Feldherrn, der einst der brittischen Nazion Ehre machen wird, wenn man anders von den frühen Proben, die er von seinem Muthe und seinen militairischen Talenten ablegte, auf die Zukunft schliessen darf.

Die kriegsgefangnen Britten und Russen wurden mit besondrer Menschenliebe und Grossmuth behandelt. Ein Theil der zur englischen Armee gehörigen Weiber und Kinder war dem Feinde in die Hände gefallen; man schickte sie nach Amsterdam, wo eine Kollekte zu ihrer Unterstützung gesammelt wurde, und nachdem man sie hier einige Tage mit vieler Gastfreundschaft unterhalten, wurden sie, durch die Wohlthätigkeit des Feindes neu gekleidet, ihren Gatten und Eltern zurückgeschickt.

Mit der Aufführung und Mannszucht der brittischen Armee während ihres Aufenthalts in Holland waren die ruhigen und arglosen Bewohner jener Gegenden, die zum Kriegsschauplatz dienten, sehr zufrieden. Jeder für die Truppen gekaufte Artikel wurde mit der äussersten Pünktlichkeit bezahlt, und wo am Eigenthume der Einzelnen zur Vertheidigung oder zum Angriff unvermeidliche Beschädigungen vorgefallen waren, fanden reichliche Vergütungen Statt.

Aber weniger ehrenvoll war das Betragen der Seesoldaten. Eine Flottile von Kanonierböten und kleinen Fahrzeugen, zu schwach, um nützliche und glänzende Eroberungen zu machen, kreuzte an den Küsten des Zuydersees, zerstörte Fischerpinken und feuerte auf elende Dörfchen, die die oranische Flagge nicht ausgesteckt hatten. Wo sie aus Furcht als Freunde empfangen wurden, war ihr erstes Geschäft, die Munizipalitätsbeamten abzusetzen, die Freiheitsbäume niederzureissen und an alle, die sie annehmen wollte, orangefarbige Kokarden auszutheilen. Gleich nach ihrer Abfahrt wurde die alte Ordnung der Dinge wieder hergestellt, und so fiel oft ohne alle Rücksicht auf die von den Einwohnern gewählte Partei in demselben Dorfe in Zeit von wenigen Stunden eine Revoluzion und Gegenrevoluzion vor.

Hätte man die Expedizion gegen Holland in einer frühern Jahrszeit unternommen, oder wäre die Armee nach den ersten glückliche Fortschritten weit vorgerückt, ehe die Franzosen und Holländer Zeit gewannen, ihre Truppen zusammenzuziehen, so würde höchst wahrscheinlich Amsterdam in englische Hände gefallen und ein grosser Theil der Republik wieder zum Gehorsam gegen den Statthalter zurückgebracht worden seyn. Aber vielleicht war es gut für die Menschheit, dass der Feldzug einen andern Ausgang nahm.

Wäre Amsterdam erobert und der Statthalter wieder in seine vorige Würde eingesetzt worden, so wären die Franzosen immer im Besitz der Grenzfestungen der Republik geblieben, aus denen sie weder das Haus Oranien, noch England hätte vertreiben können, und Frankreich würde, statt eine so wichtige Eroberung, wie Holland, fahren zu lassen, zahllose und unbesiegbare Truppenkorps ins Land geschickt haben. Dann wäre die brittische Armee vielleicht genöthigt gewesen, in einer ungünstigen Jahrszeit durch ein trauriges, unwirthbares Land, mit einem schnellen und wachsamen Feinde im Rücken, eine unglückliche Retirade zu unternehmen, und der Prinz von Oranien wäre wahrscheinlich zum zweitenmal genöthigt gewesen, seine persönliche Sicherheit in einer schleunigen Flucht aus seinem Reiche zu suchen.

Das gänzliche Misslingen dieser auf ihren Antrieb und zu ihrer Unterstützung unternommnen Expedizion benahm der statthalterischen Partei die letzte Hoffnung und befestigte die Gewalt der neuen Regierung auf eine dauerhafte Weise. Die Zurücktreibung einer mächtigen Armee angreifender Feinde erhob den Nazionalgeist, und das Murren der Missvergnügten gegen das Direktorium und die Gesetzgeber verlor sich im Triumphgeschrei, das die ganze Republik durchschallte.

Siebenzehnter Brief.[]

Amsterdam.

Der mächtige Handel, den Amsterdam in frühern Zeiten nach allen Weltgegenden führte, ist jetzt, durch die unglücklichen Zeitumstände, zum kleinen inländischen Verkehr und unbedeutenden Handel mit dem Auslande, vermittelst neutraler Schiffe, herabgesunken. Die ungeheure Menge abgetakelter Fahrzeuge, die den Hafen anfüllten, bewies die vormalige Blüthe und den gegenwärtigen Verfall desselben. Die meisten Schiffe waren in der elendesten Verfassung und würden, wenn nach geschlossenem Frieden der Handel wieder aufleben sollte, zur Fahrt unbrauchbar befunden werden. Ich bemerkte, dass im Ganzen die kleinern Schiffe in einem verfallnern und schlechtern Zustande waren als die grössern, vielleicht weil ihre Besitzer, Leute von mittelmässigem Vermögen, durch den Krieg mehr als die reichern Schiffseigenthümer gelitten hatten und also nicht im Stande waren, die zur Erhaltung ihres Eigenthums erforderlichen Kosten anzuwenden.

Beim Anfang der Revoluzion wurden die Umstände der holländisch-ostindischen Kompagnie, -- des grössten Handels-Instituts der vereinigten Provinzen, -- aufs schärfste untersucht. Zufolge eines Vertrags vom Jahre 1787 war der Statthalter zum Gouverneur dieser Handelsgesellschaft ernannt worden und hatte sonach das einträgliche Recht, viele wichtige Stellen zu besetzen. Bei Vergebung derselben scheint er oder seine Minister oft nicht das Interesse der Gesellschaft berücksichtigt zu haben, und der Verlust der holländischen Besitzungen in Ostindien, die als eine leichte Beute den Engländern in die Hände fielen, wurde grösstentheils der Verrätherei oder Nachlässigkeit derer zugeschrieben, denen der Prinz die vorzüglichsten Stellen in den Kolonien anvertraut hatte.

Allein die Ehre des Obersten Gordon, der auf dem Kap der guten Hoffnung zur Zeit der Wegnahme desselben Gouverneur war, ist unbefleckt geblieben, und mit Hochachtung und Bedauern wird seiner noch immer erwähnt. Er war unglücklich, aber schuldlos. Seine Truppen wurden von der angreifenden feindlichen Armee geschlagen und er selbst genöthigt, die seinem Kommando anvertraute Kolonie zu übergeben. Ein seines innres Gefühl, das seinem Herzen als Soldat Ehre macht, liess ihn dieses Unglück nicht überleben nach vielem Sträuben willigte er endlich in die Kapitulazion und schoss sich darauf eine Pistolenkugel durch den Kopf.

Man fand die Finanzen der ostindischen Handelsgesellschaft in der grössten Verwirrung; sie hatte eine beträchtliche Anleihe bei der Amsterdamer Bank eröffnet. Bestechung und Unordnung herrschten in den auswärtigen Besitzungen, so wie Nachlässigkeit und Missbräuche in allen Departements zu Hause. Viele unnöthige Ämter waren geschaffen worden, um die Freunde des Statthalters zu besolden, und über die Ausgabe grosser Geldsummen konnte man keine gehörige Rechenschaft ablegen.

Aber die grossen Magazine der Kompagnie waren mit theuern ostindischen Waaren angefüllt, und das Volk erfuhr zu seinem Vergnügen, dass noch immer ein grosser Vorrath von asiatischen Gewürzen und Spezereien, übrig bleiben würde, wenn auch der Verkehr der Holländer mit Ostindien sieben Jahre lang unterbrochen werden sollte. Der Verkehr mit Batavia geschieht hauptsäch- vermittelst amerikanischer Schiffe, von denen jährlich drei mit Produkten jener Kolonie beladen nach Amsterdam kommen. Ohngeachtet ein Angriff der Engländer auf diese Kolonie eben nicht zu befürchten steht, so scheinen die Holländer doch wegen dieser, ihrer kostbarsten Besitzung in Indien nicht ohne Sorgen zu seyn. Der Verlust der übrigen Kolonien und Inseln wird mehr wegen des dadurch den holländischen Waffen wiederfahrnen Schimpfs, als wegen des der Nazion daraus entspringenden wesentlichen Nachtheils bedauert. Die Übermacht der Engländer zur See musste nothwendig den Verkehr der Holländer mit ihren auswärtigen Besitzungen unterbrechen, und man ist vollkommen überzeugt, dass nach geschlossnem Frieden alle Kolonien ohne Ausnahme werden zurückgeliefert werden.

Die neueste Revoluzion in Frankreich, durch welche einer der grössten Feldherrn, der tiefdenkendsten Staatsmänner und aufgeklärtesten Gesetzgeber an die Spitze der Regierung gesetzt wurde, wird in Holland als ein für diese Republik sehr günstiges Ereigniss betrachtet. Bonaparte's Charakter wird hier geliebt und bewundert; seine militärischen Talente, die Mässigung, die er bei allen Siegen bewies, seine edlen Gesinnungen, sein eifriges Bestreben, den Frieden wieder herzustellen und die reichlichen Aufmunterungen der Künste und Wissenschaften sind hier Gegenstände des lauten und allgemeinen Lobes. Unzählige Gemälde und Büsten dieses grossen Mannes, werden in Holland zum Kauf angeboten und bei der grossen Nachfrage nach ihnen schnell abgesetzt. Bei jeder Tafel, wo Toasts gegeben werden, wird die Gesundheit Bonapartes jedesmal mit Enthusiasmus getrunken, und bei französischen Tafeln bringt man beständig die Gesundheit des ersten Konsuls, so wie in England die des Königs aus.

Ich hatte das Vergnügen, mehrere Personen anzutreffen, die mit Bonaparte genau bekannt waren und ihn seit seiner Erhebung zur ersten Staatswürde der französischen Republik beobachtet hatten. Die hohe Stelle, die er jetzt bekleidet, hat in seinem Charakter und Betragen fast gar keine Veränderung hervorgebracht. Wie vorher ist er auch jetzt gegen Fremde zurückhaltend; aber gesprächig, herablassend und zutraulich gegen seine Freunde. Wird jemand von seiner Bekanntschaft zur Audienz gelassen, so pflegt er ihn ungezwungen und freundschaftlich am Arm zu nehmen, und während der Unterredung im Zimmer mit ihm auf- und abzugehen.

Sein Gedächtniss ist so ausserordentlich, dass er sich auch von den entferntesten Umstände aufs genaueste zu erinnern weiss, und hält er Revüe über die Truppen, so ertheilt er oft einzelnen Soldaten, die bei irgend einer Gelegenheit unter ihm gedient und sich ausgezeichnet haben, öffentliches Lob. Durch Auszeichnung des Konsuls fühlt sich ein französischer Soldat sehr geschmeichelt, besonders da dieser Beifall immer vom Andenken an ruhmvolle Thaten herrührt. Bonaparte wird eben so sehr von den Gemeinen wie von den Offizieren geliebt, und beide scheinen zu wetteifern, um ihm die grössten Beweise ihrer Liebe und Zuneigung an den Tag zu legen. Nie hörte ich einen französischen Offizier von ihm anders als mit Ausdrücken beinahe vergötternder Bewunderung sprechen, und gleiche Gefühle herrschen bei den niedrigsten Klassen der Armee.

In seinem Privatleben ist er mässig, ordentlich und enthaltsam; er hängt keinen kostbaren Vergnügungen nach und ist ein Freund zügelloser Sitten. Ich war neugierig zu wissen, ob und welche religieuse Meinungen er hege und erfuhr, dass man allgemein überzeugt sey, der Glaube vom Daseyn eines höchsten Wesens liege tief in seiner Seele.

Madame Bonaparte wird als eine Dame von ungewöhnlichen Geisteskräften und sehr einnehmenden Sitten geschildert. Man rühmt ihren Geschmack an den schönen Künsten und Wissenschaften und Unterstützung bedürfendes Verdienst jeder Art findet an ihr eine freigebige Wohlthäterin. Es fehlt ihr nicht an Talent zu Staatsintriguen, wodurch sich die Damen des französischen Hofs unter der alten Regierung so sehr auszeichneten; aber da wo sie ihren Einfluss äussert, geschieht es immer zum Glück der Nazion und zum Ruhm des Helden, mit dem sie das Glück hat, vereinigt zu seyn. Sie ist nicht so schön wie Madame Tallien, die noch immer die Bewunderung von Paris geniesst; aber dennoch ein Weib von grossen persönlichen Reizen. Ihre Tochter aus der ersten Ehe wird, als eine vorzüglich schöne und gebildete Dame geschildert.

Wie Bonaparte der batavischen Republik seine Ernennung zum ersten Konsul der französischen Republik offiziel bekannt machte, wiederholte er die von den vorigen Regenten Frankreichs gegebenen Versicherungen, dass die Unabhängigkeit Hollands zu allen Zeiten ein Gegenstand besondrer Sorgfalt für die französischen Nazion seyn solle, und dem Direktorium wurde nachher noch erklärt, dass bei allen zwischen Frankreich und Grossbrittannien abzuschliessenden Verträge auf das Interesse der batavischen Republik sorgfaltige Rücksicht genommen werden solle.

Seitdem Bonaparte die Regierung Frankreichs übernommen, sind die Holländer weniger wie vorher mit Kontribuzionen und ähnlichen Erpressungen gequält worden. Eine Anleihe zum Vortheil Frankreichs wurde zwar in Amsterdam unterhandelt, aber ohne den gehofften Erfolg. Sie schlug zwar nicht fehl, aber die subscribirte Summe war von keiner Bedeutung. Die letzte Requisizion bestand in einer Quantität Käse und Butter für die französische Flotte in Toulon, und wir sahen fünf grosse schnell segelnde damit beladene Böte von der Maas auslaufen; andere ähnliche Schiffe mit gleicher Ladung waren einige Tage zuvor abgesegelt.

Schwer, aber nicht unmöglich dürfte es fallen die Summe die den Holländern von den Franzosen unter mancherlei Formen auferlegten Kontribuzionen anzugeben. Ein sehr angesehener Kaufmann, auf dessen Genauigkeit und Sachkenntniss man sich verlassen kann, sprach mit mir darüber. Er schätzte seinen durch die Franzosen auf verschiedene Art, als Requisizionen, Anleihen, freiwillige Kontribuzionen, Einquartierungen und unzählige andere Abgaben, erlittnen Verlust auf fünf und vierzig Prozente seines Kapitals. Als Kaufmann musste er vielleicht einen verhältnissmässig grössern Beitrag zu den Kontribuzionen liefern als andere Einwohner der vereinigten Staaten; diess gab er selbst zu; aber er behauptete zugleich, man könne im Allgemeinen den durch die Franzosen erlittenen Verlust der Holländer nicht viel unter vierzig Prozent des ganzen Nazionalvermögens rechnen. Den übrigen Nachtheil, welcher der Republik durch andere Ursachen zugefügt worden, getraute er sich nicht zu schätzen.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit behauptete er, dass England durch die ungeheure Schuldenlast, die der Krieg nothwendig machte, und durch die unverantwortliche Verschwendung seiner Minister eine gleiche, wo nicht grössere Verminderung seines Nazionalkapitals erlitten habe. In Holland herrscht überall die Meinung, dass nach wiederhergestelltem Frieden ein Nazional-Bankrott in England unvermeidlich sey, und diese Überzeugung ist so fest, dass viele Holländer, die in den englischen Fonds Vermögen besitzen, dieses nicht viel höher achten als ihrer französischen Assignate.

Ich will nun meine Bemerkungen über die holländische Revoluzion mit einer kurzen Schilderung des nach der Meinung wohlunterrichteter Personen wahrscheinlichen künftigen Zustandes dieses Landes nach geschlossenem allgemeinen Frieden endigen.

So viel auch die holländische Nazion sowohl vor als nach dem Einmarsch der Franzosen durch den Krieg gelitten hat, so ist doch ihre Lage nicht Verzweiflungsvoll, und noch lässt sich Rettung hoffen. Ihr Reichthum hat sich vermindert; allein die Quellen, woraus er floss, sind nur schwächer worden, aber nicht versiegt. Das grosse Unglück, das Holland wiederfuhr, ist in mancher Rücksicht von wohlthätiger Würkung gewesen; es hat der Nazion die Augen geöffnet, um ihre wahre Lage zu erkennen, und das Volk wieder zu den Tugenden der Mässigkeit, Enthaltsamkeit und Sitteneinfalt zurückgeführt, die ehmals auf das Wohl der Republik einen so mächtigen Einfluss hatten.

Durch den Umsturz der alten Regierung ist die Nazion von vielen Mängeln, Schwächen und Missbräuchen befreit worden, und so fehlerhaft auch das gegenwärtige System seyn mag, so ist es doch in Ansehung der nützlichsten Einrichtungen weniger mangelhaft als die abgeschaffte Konstituzion. Die Vernichtung der Aristokratie in Holland, ohngeachtet sie nie weder zahlreich noch mächtig war, muss als ein für die Republik glückliches Ereigniss betrachtet werden und noch mehr kann man die Abschaffung der Statthalterwürde, wie sie im Jahre 1787 existirte, als eine für das Interesse Hollands günstige Veränderung ansehen.

Die Fehler der jetzigen Regierung wird man in kurzem einsehen und ein heilbringendes System aufgestellt werden, wodurch die Republik ihre vorlorne Grösse wieder erlangen wird. Der Hauptvorwurf, der dem jetzigen Systeme gemacht wird, besteht darin, dass der handelnde Theil der Republik keinen seiner Wichtigkeit angemessenen Einfluss auf die Verhandlungen und Maassregeln der Gesetzgebung habe. Nach wieder hergestelltem Frieden wurde dieses Ubel, wenn ihm nicht schleunig abgeholfen würde, die nachtheiligsten Folgen haben.

Um Hollands Handel wieder zu beleben, muss das alte merkantilische System und Interesse wieder aufgemuntert, die reichen Kapitalisten, die bei der Revoluzion auswanderten, müssen zur Rückkehr gereizt und die grossen Handelsgesellschaften von Amsterdam und andern grossen Städten der Republik in ihre vorige Rechte und Privilegien wieder eingesetzt werden. Diese Grundsätze sind zwar dem Systeme der berühmtesten englischen und französischen Schriftsteller entgegen, die für Freiheit des Handels und gegen ausschliessliche Privilegien sprechen; aber nur hierdurch allein kann der holländische Handel wieder aufblühen.

Wollte man die weise Politik beobachten und den Handel der Republik so viel möglich auf den vorigen Fuss bringen, so würde die holländische Nazion durch ihre Industrie, Mässigkeit, unverdrossene Ausdauer, und, aufgemuntert durch eine in merkantilischer Hinsicht aufgeklärte Gesetzgebung, in wenigen Jahren der Ruhe sich nicht nur von ihrem erlittnen Unglück erholen, sondern auch in einen Zustand von Reichthum versetzt werden, der dem in der blühendsten Periode der Republik nicht nachstehen würde.


Achtzehnter Brief.[]

Maaslandsluys.

Die Atmosphäre von Amsterdam ist wegen der sumpfigen Lage dieser Stadt zu allen Jahrszeiten mit feuchten Dünsten geschwängert und während unsers wöchentlichen Aufenthalts daselbst ist kein einziger Sonnenstrahl durch die Wolken gedrungen. Ich will keine Vermuthung wagen, welche Würkungen die Luft auf die Bewohner derselben äussern mag; aber grösstentheils haben sie ein trauriges und schwermüthiges Ansehen, und Physionomien voll Sorgen und Kummer. Ich muss indessen hier bemerken, dass ich weder auf der Börse, noch in den Buden oder in den Strassen ein einziges holländisches Gesicht angetroffen, das jene niedrige kaufmännische Schlauheit verrathen hätte, die fast auf allen Gesichtern der holländischen Krämer zu lesen ist.

Die Miene eines Holländers, sein Beruf sey welcher er wolle, ist ehrlich, freimüthig und bieder, und der einzige missfällige Ausdruck derselben ist eine gewisse Behutsamkeit, die an Argwohn grenzt. Erziehung, Beispiel und Gewohnheit hat den meisten holländischen Kaufleuten den Fehler der Geizes oder vielmehr eine heftige Leidenschaft zum Sammeln eingeflösst; allein ich glaube, keine Nazion in der Welt verdient mehr wie diese das Lob gewissenhafter Ehrlichkeit und unbestechlicher Rechtschaffenheit, und ich kann wohl hinzufügen, auch das des Patriotismus, des Gemeingeists und der Wohlthätigkeit. Welche Stadt in Europa kann sich reicherer Armen-Anstalten rühmen als Amsterdam? Das Institut *) zur Verbreitung der Wissenschaften und Beförderung der schönen Künste ist noch in seiner Kindheit; aber sein Nutzen ist schon erprobt und in wenigen Jahren kann es sich den ältesten und reichsten gelehrten Gesellschaften in Europa an die Seite stellen.

*) Das oben erwähnte Felix meiritis.

Während unsers Aufenthalts in Amsterdam liessen wir uns über das Y setzen, um die schönen Dörfer Broek und Saardam in Nord-Holland zu besuchen. Jenes ist wegen seiner ausserordentlichen Reinlichkeit, dieses wegen der vielen Windmühlen und grossen Schiffs-Bauplätze berühmt.

Das Dorf Broek liegt sechs englische Meilen von Amsterdam, und wird besonders von überreichen Kaufleuten bewohnt, die nach Beendigung ihrer Geschäfte sich dem Lärm und Getöse der Stadt entziehen, um der Ruhe eines einsamen Dorfs zu geniessen. Broek zählt über hundert Häuser, die sämmtlich mit der grössten Sorgfalt geschmückt und bemahlt sind. An jedem Hause befinden sich zwei Thüren; dies ist in ganz Nord-Holland der Fall; die eine wird nur bei Leichenfällen oder Kindtaufen geöffnet, die andere dient zum gewöhnlichen Gebrauche. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, welcher Aberglaube dieser sonderbaren Sitte, die nur in Nord-Holland gewöhnlich ist, zum Grunde liegen mag. Der Fremde findet darin etwas Feierliches, und der Anblick dieser Thüren, die nur bei Leichenbegängnissen oder bei der Aufnahme eines Kindes in die christliche Gesellschaft geöffnet werden, flöste uns eine Art religiöser Ehrfurcht ein.

Über verschiedenen Thüren waren Bildhauer-Arbeiten angebracht, welche die Lebensbeschreibung einiger der vorigen Besitzer dieser Häuser enthielten. Eine darunter zog besonders unsre Aufmerksamkeit auf sich. Sie war in vier Quartiere getheilt; das erste stellte die Einschiffung eines jungen Mannes, und die über seine Abreise weinenden Verwandeten am Kay vor. Im zweiten war die Ankunft desselben in einem fremden Welttheile vorgestellt, wo eine Menge Indianer ihn empfingen. Das dritte zeigte ihn als Pflanzer, umgeben von |Sclaven und den Produkten der Wendekreise. Auf dem letzten sieht man ihn schon bejahrt und mit Reichthümern gesegnet in sein Vaterland zurückkehren. Die dabei bemerkte Jahrszahl war 1661. Auf ähnliche Art erblickte man über einer andern Thüre die Lebensbeschreibung eines Krämers, und über einer dritten die Schicksale eines durch den Wallfischfang reich gewordnen Holländers.

Die Häuser in Broek sind mit verschiedenen Farben, hauptsächlich aber grün und weis gemahlt, einige sogar mit Vergoldungen verziert. Sie sind klein, enthalten selten mehr als acht Zimmer und sind nie über zwei Stockwerke hoch. Vor den meisten befindet sich ein kleiner Garten, mit Muscheln, Scherben von gefärbtem Glas, Stückchen Porzellain und ähnlichen Dingen auf abgeschmackte Art verziert, und Bäume und Gesträuche nach allen möglichen Formen geschnitten. In einem dieser Gärten hatte ein Baum die Gestalt eines mit Bouteillen und Gläsern besetzten Tisches; ein andrer glich einem Schiffe und ein Beet von Buchsbaum stellte eine Haasenjagd vor. Dieser lächerliche Geschmack in der Gartenkunst rührt noch aus jenen Zeiten, wie Holland nach Abwerfung des spanischen Jochs sich fast ausschliesslich dem Handel widmete, und daher alle blos schöne und angenehme Künste vernachlässigte, und eben so herrscht er noch jetzt nach zwei Jahrhunderten ohne Veränderung oder Verbesserung in Broek.

In den Strassen dieses Dorfs scheint die Reinlichkeit ihre höchste Stuffe erreicht zu haben. Sie sind dicht mit kleinen Ziegeln gepflastert, ihre engen Zwischenräume werden oft gereinigt und nirgends bemerkt man die geringste Spur von Schmutz, ja nicht einmal ein Grashälmchen. Kein Thier darf diese Strassen entweihen; Hunde und Katzen werden sorgfältig in den Häusern ihrer Herren eingeschlossen und dürfen nie die entzückende Freiheits-Luft einathmen. Selbst die Vögel in der Luft verscheucht man aus diesem Wohnsitze der Reinlichkeit, damit sie nicht, gleich jenen hässlich Harpyen Virgils, die Strassen oder Häuser mit ihrem Unrathe besudeln.

Die Tugend der Reinlichkeit wird in Broek bis zum lästigen Extrem getrieben. Nie sah' ich einen so freudeleeren, traurigen und schwermüthigen Ort. Wir erblickten eine Gruppe Knaben, von einem Alter, dem Scherz und Fröhlichkeit vorzüglich eigen sind, ganz still und sittsam am Rande eines Kanals sitzen, und mit so ernsthaften, gesetzten, nachdenkenden Mienen, wie man sie nur von alten Leuten erwartet. Ihre Neugierde wurde durch unsre Erscheinung so wenig gereitzt, dass sie nicht einmal den Kopf umwenden mochten, um zu sehen, welchen Weg wir nehmen würden. Waren Frauenzimmer am Fenster, so zogen sie sich bei unsrer Annäherung eilig zurück, und stand eine Hausthüre offen, so wurde sie mit ungastfreier Härte zugeschlagen. Mangel an Neugierde ist, wie ich glaube, eine charakteristische Eigenschaft der holländischen Nazion, und im höchsten Grade herrscht sie gewiss in diesem Dorfe.

Von Broek fuhren wir nach Saardam. Die Landstrasse geht zum Theil über den Damm, der Nord-Holland gegen die Gewässer des Y sichert. An verschiednen Orten der Strasse bemerkten wir Batterien von drei bis vier grossen Kanonen, die man im vorigen Jahre errichtet hatte, um das weitere Vordringen der Engländer, wenn sie bis nach Amsterdam gekommen wären, zu verhindern. Von einigen dieser Batterien wurden die Kanonen durch holländische Soldaten weggeführt, und man hält jetzt den Zustand des Landes für so sicher, dass sie bald gänzlich geschleift werden sollen.

In Saardam und der umliegenden Gegend zählt man über zwei tausend Windmühlen, die in der Entfernung einem Walde gleichen. Der Handel dieses Orts ist so gesunken, dass kaum noch zwei hundert dieser Mühlen im Gange und unter den übrigen viele sehr beschädigt waren. Der Krieg hat durch Störung der Schifffahrt einen sehr nachtheiligen Einfluss auf den Wohlstand Saardam's geäussert, indem dadurch die Nachfrage nach Schiffen, deren Erbauung die Hauptquelle des Reichthums von Saardam ist, sich sehr vermindert hat.

Ich habe hier kein einziges Schiff auf dem Gerüste gesehen; aber drei bis vier grosse Kriegsschiffe, die man vor kurzem von Stapel gelassen, standen im Hafen. In den vielen zum Schiffsbau bestimmten Höfen, bei denen wir vorbeikamen, erblickten wir einen grossen Überfluss von vortrefflichem Bauholz; aber nur wenige Zimmerleute waren beschäftigt. Auf einigen dieser Plätze schein eine beträchtliche Zeit hindurch nicht gearbeitet worden zu seyn, und manche Flecke, wo sonst mächtige Flotten geschaffen wurden, sah' man jetzt mit Gras bewachsen.

Wir besuchten die Hütte, die Peter der Grosse von Russland einst bewohnte, als er, um sich in der Schiffsbaukunst praktische Kenntnisse zu erwerben, seine kaiserliche Würde bei Seite legte und eine Zeitlang als gemeiner Zimmergeselle auf den Schiffswerften und in den Arsenälen Saardam's arbeitete. Das Haus, in welchem dieser Fürst sich aufhielt, ist eins der schlechtesten in der Stadt, als die dem gemeinsten Handwerker zukommen. In der Stube zeigte man uns die Nische, in welcher des Kaisers Bette stand, so wie sein Bildniss, das ein französischer Künstler abscheulich in Kupfer gestochen, und eine Kupfermünze, worauf sein Kopf geprägt war. Die Bewohnerin des Hauses wiess und ausserdem noch zwei Weingläser, die sie vor einigen Jahren von Kaiser Paul I. bei seinem Besuch in dieser Hütte zum Geschenk bekommen hatte.

Bei unserm Aufenthalt in Saardam hatten wir Gelegenheit ein Leichenbegängniss mit anzusehen. Es war die Beerdigung einer armen Person, und kein Priester war dabei zugegen. Der Sarg bestand aus blossen ungefirnissten Bretern, ohne allen Schmuck; das Grab, in das er gesenkt wurde, war eine weite Höle, in welcher bereits zwölf Särge standen und noch eben so viele Raum hatten. Kaum war der Sarg herabgelassen, so wurde das Grab mit Bretern bedeckt und die Trauerleute begaben sich wieder nach Hause. Die Sparsamkeit der Holländer zeigt sich nirgends auffallender als bei Leichen. Der würde von seinen Nachbarn als ein ausgelassener Verschwender verachtet werden, der einem verstorbenen Verwandten ein prächtiges Leichenbegängniss veranstalten wollte, und es sind hier besondre Gesetze gegen kostspielige Begräbnisse vorhanden. Das Beten beim Grabe, so wie das Glockengeläut hält man für blossen Aberglauben; auch ist das weibliche Geschlecht ganz von den Leichenzügen ausgeschlossen.

Den folgenden Tag nahmen wir, vielleicht auf immer, von der Hauptstadt Hollands Abschied. Von Amsterdam nach Utrecht reisten wir im Treckschuyt und waren so glücklich, auf dem ganzen Wege Plätze im Roef zu bekommen.

Wir brachten neun Stunden auf der Fahrt zu und erreichten Utrecht sehr ermüdet und erschöpft. Auf beiden Seiten des Kanals von Amsterdam bis Utrecht befinden sich fast ununterbrochene Reihen von schönen Häusern, Landsitzen und Gärten, die nach holländischem Geschmack mit grotestken Tempeln, Statuen, Teichen, chinesischen Brücken und Alleen besetzt sind, deren Bäume man zum Theil in tausend verschiedene Formen geschnitten hat. Das Land, das wir durchreisten, schien ausserordentlich bevölkert und vortrefflich angebaut. Auch bemerkten wir hier weniger Wasser, als an andern Orten; nicht deswegen, weil diese Gegend höher liegt, sondern weil hier die Mühlen, wodurch es in die Kanäle gepumpt wird, zahlreicher vorhanden sind und das Wasser besser ableiten.

Utrecht ist eine der angenehmsten Städte in der batavischen Republik und etwas grösser als der Haag. Der anmuthige Lage und gesunden Luft wegen wird Utrecht von vielen Personen zum Wohnort gewählt, die durch den Handel ihr Glück gemacht haben und Willens sind, ihr unruhiges Geschäftsleben gegen die sanften Freuden der Ruhe zu vertauschen. Hierzu lässt sich kein besserer Ort denken als Utrecht.

Die Strassen dieser Stadt sind breit und geräumig, auch herrscht hier dieselbe Reinlichkeit, welche die vorzüglichsten Städte Hollands auszeichnet. Sie war ehemals eine ansehnliche Festung, aber zum Glück für die Einwohner sind ihre Werke nicht mehr im Stande, dem Angriffe eines Feindes zu widerstehen.

Im Jahre 1672 ergab sie sich an Ludwig den vierzehnten, ohne sich zu vertheidigen, und länger als ein Jahr war Utrecht der Schauplatz der Triumphe dieses stolzen Monarchen. Er befahl den Soldaten, die schöne Maillebahn zu schonen, die durch sieben Reihen Bäume beschattet wird und beinahe eine englische Meile lang ist. Diese Gnade wurde von bestochenen Dichtern damaliger Zeit besungen, aber den Einwohnern dieser Stadt wurde dagegen eine Kontribuzion von zweimalhundert tausend Pfund Sterling auferlegt.

Im Jahre 1787 ergab sich Utrecht ohne Widerstand an die Preussen, ohngeachtet sieben tausend Mann regulärer Truppen in der Stadt lagen und ihre Bewohner gegen den Prinzen von Oranien, dessen Sache die preussischen Waffen unterstützten, die heftigste Erbitterung hegten. Es wurde bei dieser Gelegenheit dem Gouverneur derselben, dem Rheingrafen von Salm, Verrätherei zur Last gelegt; denn so überzeugt man auch war, dass die Stadt den Preussen nicht lange würde widerstanden haben, so hielt man es doch für feig und schimpflich, bei der starken Garnison und jener Stimmung der Einwohner sie ohne Schwerdstreich zu übergeben. Der Charakter des Grafen, der die Garnison kommandirte, rechtfertigte den Verdacht der Verrätherei.

Bei Annäherung der französischen Armee im Jahre 1795 öffnete Utrecht sogleich die Thore und die republikanischen Truppen wurden wie Freunde und Befreier empfangen. Nirgends in den vereinigten Staaten war die Stimmung des Volks den Franzosen günstiger als hier, und der schweren Auflagen ungeachtet, die sie bezahlen mussten, hegen die Einwohner dieser Stadt noch immer die lebhafteste Zuneigung zu den Franzosen.

Die Universität zu Utrecht hat durch den Krieg mehr als die Leidner gelitten und zählt jetzt kaum noch funfzig Studenten. Die Leidner Akademie hat von jeher den Vorrang vor der Utrechter behauptet, theils in Ansehung der Gelehrsamkeit und des Rufs ihrer Professoren, wodurch viele Studenten hingezogen wurden, theils in Hinsicht ihrer gelehrten Anstalten, öffentlichen Bibliotheken, botanischen Gärten und des anatomischen Theaters. Der Utrechter Universität wird besondere Anhänglichkeit an die französischen Grundsätze, so wie der Leidner vorzüglich Begünstigung des alten Systems zugeschrieben, ohngeachtet letzere durch eine Deputazion Studirender den provisorischen Repräsentanten Hollands zur Veränderung der Regierungsform Glück wünschen liess.

Von Utrecht fuhr ich auf dem Postwagen nach Nimwegen. Diese Stadt zeigt auf allen Seiten die traurigen Folgen der letzten Belagerung; zerstörte und wieder erbaute Häuser, im Schutt liegende öffentliche Gebäude, niedergestürzte Bäume und aufgerissenes Pflaster, um das Zurückprallen der Kugeln und Bomben zu verhindern. Die Festungswerke von Nimwegen waren beim ersten Angriff in guter Verfassung, die holländische Garnison der Stadt war ansehnlich und eine Armee von dreissig tausend Engländern hatte sich auf der andern Seite der Waal gelagert, von da sie vermittelst einer fliegenden Brücke Hülfstruppen in die Stadt schaffen konnten. Man dachte daher eine lange Belagerung auszuhalten, wo nicht gar die Absicht der Feinde gänzlich zu vereiteln. Ausser den gewöhnlichen Befestigungen war diese Stadt mit besondern Aussenwerken versehen und ihre Garnison bestand aus dem Kern der holländischen Armee.

Aber alle Vertheidigungsmittel waren fruchtlos gegen die Hitze der Belagerer. Nach einem Bombardement von etlichen Tagen machten die Franzosen Vorbereitungen zum Sturm. Diess beunruhigte die Engländer und sie zogen ihre Truppen aus der Stadt. Die holländische Garnison wäre ihnen gefolgt, aber die Brücke war durch die feindliche Artillerie niedergeschossen. Von ihren Bundesgenossen verlassen waren sie zum Widerstand zu schwach und mussten sich unbedingt den Franzosen ergeben. Die Stadt wurde wirklich mit Sturm erobert, aber die Menschlichkeit des französischen Generals Souham schützte Garnison und Einwohner vor jenen Grausamkeiten, wozu der Kriegsgebrauch den stürmenden Feind berechtigt.

Die Bewohner Nimwegens sprechen von dieser Periode mit der lebhaftesten Rührung; Traurigkeit und Schwermuth herrscht in der ganzen Stadt. Die Strassen wimmeln von Bettlern und unter ihnen scheinen viele an glücklichere Tage gewöhnt zu seyn.

Die französische Garnison in Nimwegen besteht aus ohngefähr achthundert Mann, von denen die meisten im Dienste Wunden erhalten hatten. Sollte diese Festung belagert werden, so erforderte sie sechs bis sieben tausend Mann zur Vertheidigung ihrer Werke, aber zum Glück ist dieser Fall eben nicht wahrscheinlich. Die Festungswerke von Nimwegen selbst sind seit der letzten Belagerung wieder hergestellt, allein die Aussenwerke sind zerstört und wo sonst eine furchtbare Batterie stand, prangt jetzt ein schön gebauter Garten. Diese Stadt ist einer der vorzüglichsten Waffenplätze der französischen Armee in der batavischen Republik und wird vermuthlich auch nach hergestelltem allgemeinen Frieden, und wenn sie auch durch Vertrag den Holländern zurückgeliefert werden sollte, von französischer Garnison besetzt bleiben.

Ich hielt mich nur einen Tag in Nimwegen auf und kehrte gegen Abend nach Utrecht zurück. Früh Morgens verliessen wir im Treckschuyt diese Stadt, kamen gegen Abend in Rotterdam an und bestiegen hier ein nach London segelndes Fahrzeug.

Welche Veränderung auch die Revoluzion in den Sitten und Gebräuchen der Holländer hervorgebracht haben mag, so bin ich doch überzeugt, dass bei dieser Nazion noch ein reicher Fonds von alt-batavischer Tugend, Rechtschaffenheit und Ehre wohnet; dass die ächten Grundsätze der Freiheit nirgends besser verstanden oder lebhaftet bewundert, wenn gleich durch die unglücklichen Zeitumstände hintangesetzt oder unrichtig angewandt wurden, und dass nirgend häusliche und gesellschaftliche Pflichten heiliger beobachtet werden als hier. -- Möge ein baldiger Friede diese Nazion zur Ausübung jener Tugenden noch mehr ermuntern!

Quellen.[]

  • Fell's Reise durch die Batavische Republik Aus dem Englischen übersetzt, und mit Anmerkungen begleitet von D. Karl Murhard. Leipzig, bei C. H. Reclam. 1805.