Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Französische Armee im Juny 1808.[]

[1]
Die Französische Armeekorps hatten im Juny folgenden Stand:

1) Das Beobachtungskorps der Westpyrenäen unter Marschall Bessieres, bestehend aus den Divisionen Merle, la Salle und Verdier, und einigen Kompagnien der kais. Garde, befand sich in Burgos und Umgegend.
2) Das Beobachtungskorps der Ostpyrenäen unter General Duhesme: Divisionen Lecchi, Chabran, und eine dritte, stand in und um Barcelona.
3) Das Beobachtungskorps der Küsten des Weltmeers unter Marschall Moncey: Divisionen Grouchy, Musnier, Gobert, Morlot, nebst einigen Kompagnien der kaiserl. Garde, stand in und um Madrid.
4) Das Beobachtungskorps der Gironde unter General Dupont: Divisionen Barbou [xx], Vedel [xx], Mouton, Fusta, stand im Eskurial, Segovia, Valladolid, und war größtentheils auf dem Marsche nach Süden.

Man schätzt die Truppenanzahl in Spanien über 100,000 Mann.


Zeitungsnachrichten.[]

[2]

Aus Spanien vom 23. November. Seit einigen Tagen sind uns ~~er die neuesten Ereignisse in Spanien Privatnachrichten zugekommen, aus denen erhellt, daß der Kaiser auch hier in diesem Lande, wie in den Feldzügen von 1796, 1797, 1800, 1805 und 1806, mit einer grossen Truppenmasse die feindliche Linie durchbrach, und, indem er sich zwischen die einzelnen Korps der Gegner stellte, dieselben umgieng, und einzeln aufrieb. Der erste Hauptangriff wurde gegen die Armeekorps des linken Flügels der Spanier gemacht, weil es darauf ankam, sich der Nordküste zu bemeistern, die Feinde der nächsten Kommunikazion mit England zu berauben, und sich eine grössere Operazionsbasis zu schaffen. Während also das Monceysche Armeekorps die feindliche Armee in Arragonien beobachtete, und das Neysche die Castilisch-Andalusische Armee unter Castanhjos, welche sich sogleich beym Uebergang der Französischen Truppen über den Ebro begab, auf verschiedenen Punkten verfolgte, wurden 4 Armeekorps (das Soultsche, das Victorsche und das Lefebvresche, und das Kavalleriekorps des Marschalls Bessieres) zur Vernichtung der nördlichen Armeekorps bestimmt. In verschiedenen Richtungen durchzogen sie Altkastilien. Das Treffen bey Burgos wurde vorzüglich darum geliefert, weil sich ein aus dem südwestlichen Spanien heraufgezogenes Korps nicht zeitig genug zurückgezogen hatte. Denn von Burgos aus mußte ein Theil der gegen Westen operirenden Armee zu dem Hauptzweck der Vernichtung der nördlichen Gallizischen Armee, auf Umwegen vorrücken, um letztere zu umzingeln. Das bey Burgos geschlagene Spanische Korps retirirte über Valladolid nach Salamanka. Ohne seine schnelle Flucht wäre es durch die über Lerma und Pesquera vorgedrungenen Kavallerieabtheilungen abgeschnitten worden. Die Hauptmacht der nördlichen Armee war an der südwestlichen Gränze der Provinz Montana konzentrirt. Um sie hier gänzlich im Rücken zu fassen, brach das Soultsche Korps auf der Strasse, die von Burgos über Villadiego nach Aquilar de Campo führt, in Eilmärschen auf, während Marschall Victor mit seinen Truppen in derselben Richtung von Alava ausmarschirte, und Marschall Lefebvre auf der Heerstrasse von Bilbao nach Burgos ebenfalls vordrang. Letzterer konnte die Spanier nicht mehr einholen, denn auf die Nachricht von der Besetzung von Burgos hatten sie sich wieder nördlich gezogen, und die von Villacayo nach der Provinz Montana führende Strasse eingeschlagen. Mittlerweile wurden sie aber vom Victorschen Korps, das ihnen den Vorsprung abgewonnen hatte, bey Espinosa eingeholt und geschlagen. Nunmehr zerstreute sich diese Armee, der durch den Marsch von Soult nach Aquilar de Campo der Rückzug abgeschnitten war, nach allen Richtungen. Was nicht über Lavega nach Asturien durchkommen konnte, mußte sich ergeben, oder ist noch in den Gebirgen zwischen Montana und Altkastilien. Eine Spanische Truppenabtheilung, die vor den Franzosen Aquilar erreicht hatte, entkam in die Provinz Leon, wohin sie verfolgt wird. Von Palencia aus sind einige Regimenter Kavallerie dahin beordert. Durch diese konsequenten Unternehmungen sind nun Biscaya, Montana und Altkastilien erobert, und Leon erwartet dasselbe Schicksal. Vermuthlich wird eine starke Kolonne nach Ferrol nnd Corunna aufbrechen, wo sich 10,000 Engländer befinden; zugleich wird eine Division, die jetzt an die Küsten von Montana vorgedrungen ist, von dort nach Oviedo in Asturien vorrücken. -- Die Kavalleriedetaschements von der Avantgarde des Neyschen Korps sind schon in Segovia. Nach den Bewegungen dieses Korps und der übrigen, zum Zentrum der Französis. Armee gehörigen Truppen zu schliessen, scheint es im Plan des Kaisers zu liegen, daß auch Arragonien umgangen, und die dort befindlichen Truppen alsdann von mehreren Seiten zugleich angegr_ffen werden sollen. Die Armee von Spanien besteht nach ihrer neuen Organisazion aus 7 aktiven Truppenkorps, wovon 6 die Hauptarmee, und das 7. die Observazionsarmee in Catalonien bilden. Jene 6 stehen unter den Befehlen der Marschälle Moncey, Soult, Ney, Victor, Lefebvre und Mortier, (letzteres ist noch auf dem Marsch,) dieses wird vom General Gouvion St. Cyr kommandirt. Hiebey sind aber nicht gerechnet: die schwere Kavallerie der Armee, unter Anführung des Marschalls Bessieres, und das Reservekorps, unter Marschall Lannes, zu welchem unter andern die kaiserl. Garde gehört. Für die Subsistenz der Armee und die Bekleidung der Truppen sind neuerdings energische Anstalten getroffen worden. Ungeheuere Quantitäten von Zwieback werden den Truppen nachgeführt. Jedes Korps hat seinen eigenen Ordonnateur en Chef, und die zum Dienst erforderliche Anzahl von Kriegskommissären. Alle diese Beamten stehen unter dem Generalintendanten, der noch nicht in Spanien angekommen ist, (der Staatsrath Daru ist zu dieser Stelle ernannt;) und den Generalkommissär der Armee. In den eroberten Städten werden in dem Masse, als die Armee vorrückt, Magazine errichtet. In Catalonien ist bis jetzt wenig von Bedeutung vorgefallen. Das Haup_quartier des Generals St. Cyr, soll zuletzt von Figuieras nach Gerona aufgebrochen seyn. Die Feinde sind aus dieser Gegend gänzlich vertrieben, und die Kommunikazion mit Barcellona soll wieder frey seyn. Die Hauptmacht der Catalonischen Insurgenten steht bey Manresa. In den Distrikten zwischen diesem Orte und Arragonien, und überhaupt im westlichen Theil der Provinz, befinden sich keine Franzosen. Diese beschränken sich für jetzt auf die Wiedereroberung der K~stengegenden. Der Hafen von Tosa, wo ein starkes Englisches Detaschement in Garnison war, soll bey Annäherung einer Französischen Kolonne (von der Division Souham) geräumt worden seyn. Die Engländer schifften sich ein, und retteten sich zu ihrer Flotte, deren Schiffe am Gestade des mittelländischen Meeres umherkreuzen. Der vornehmste Punkt, den die Spanier behaupten, ist die Festung Rosas, welche jetzt seit einigen Wochen von 10,000 Franzosen und Italienern belagert wird. In der Citadelle befinden sich einige Bataillone Spanischer Linientruppen und einige hundert Mann Engländer, besonders Artilleristen. Von Perpignan ist vor ungefähr 14 Tagen ein starker Transport schweres Geschütz dahin abgegangen. -- Zu Barcellona soll alles ruhig, und die öffentliche Stimmung im Ganzen ziemlich günstig für die neue Regierung seyn.


Großbrittanien. [3]

London, den 24. Nov. "Aus Plymouth wurde gestern gemeldet, daß Marschall Ney's Armee geschlagen, Bilbao vom General Blake wieder erobert sey, und der Feind wiederholt von Saragossa abgeschlagen worden wäre. Ein Fremder, der aus Sant Ander ankam, erzählte, daß nach dem Treffen bey Valmaseda, worin die Franzosen geschlagen wurden, diese in so grosser Zahl anrückten, daß Gen. Blake es für geeignet hielt, sich nach Reynosa zurückzuziehen, wo er am 11. Nov. ankam. Während seines Rückzuges plänkelte er in Einem fort, und mit abwechselndem Glücke mit den Franzosen. Eine Spanische Armee von 22,000 Mann aus Estremadura habe Burgos erreicht, und die Franzosen wären aus Barcellona verjagt. --


Quellen.[]

  1. Wiener-Zeitung. Nro. 59. Sonnabend den 23. July 1808.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 100. Mittwoch, den 14. Dezember 1808.
  3. Wiener-Zeitung Nro 102. Mittwoch, den 21. Dezember 1808.
Advertisement