Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Zeitungsnachrichten.[]

[1793]

Turin, vom 12. Brachmonat. [1]

Es wird von Saorgio berichtet, daß am 8. dieses Morgens ein allgemeiner Angriff auf unsere Posten bey Authion, Brois, Perus und Liniere geschehen sey. Da dieser leztere verlassen worden, so veranlaßte dieses den Verlust von Molinetto; das Lager bey Perus wurde zufolg eines gegebenen Befehls geräumt und fiel ebenfalls in feindliche Hände; aber unsere Truppen besezten die Anhöhen von Cogola, Brois, Albarca, Croce di Mangiabo und Baissa di Levens, und behaupteten sich da 17. Stunden lang, indem sie heftig auf den Feind feuerten und allen seinen muthigen Angriffen Wiederstand leisteten. Nur die Nacht unterbrach das Gefecht. Der General-Lieutenant, Graf von St. Andre versammelte hierauf einen Kriegs-Rath und fand gut, alle diese Posten zu verlassen, und eine solche Stellung zu nehmen, worinn er Saorgio decken, und mit unsern Lagern bey Raus und Authion eine schnelle und leichte Communikazion unterhalten könnte. Die Versuche der Feinde gegen dieses leztere Lager waren vergeblich; sie wurden von den Regimentern Christ, Casale, Acqui und Lombardey, die sich unter dem Commando der Generalen Colli und Dellera besonders auszeichneten, nachdrücklich zurückgetrieben. Unser Verlust ist noch nicht genau bekannt; aber er kan nicht anderst als beträchtlich seyn, besonders von Seite der Officiers. Hauptsächlich bedaurt man, den Verlust des Chevalier von Valdengo, Oberst-Lieutenants vom Regiment Saluzzo. Wie viel die Feinde verlohren haben, wissen wir auch nicht; aber das heftige Feuer von unserer Seite, und der Umstand, daß sie zweymahl zurückgetrieben seyn müsse. Wir haben 40. Kriegs-Gefangene gemacht.

Turin, vom 15. Brachmonat. [2]

Ein von dem Herzog von Chablais aus dem Haupt-Quartier Sr. Königl. Hoheit zu Fontan bey Saorgio abgeschickter ausserordentlicher Kourier hat die Nachricht hierhergebracht von einem Sieg, welchen die Königl. Armee über die Französische erfochten, bey Anlaß eines zweyten Angriffs dieser leztern auf unsern Posten bey Raus und Authion, von denen sie sich, es mochte kosten, was es wollte, Meister zu machen suchten. Zufolg dieser Nachricht haben am 12ten dieses 16000. Franzosen in 4. Kolonen diese Posten von 4. Seiten zugleich mit der grösten Hize angegriffen; sie sind aber von unsern Truppen unter dem Commando der Generalen Colli und Dellera, mit dem entschlossensten Muth empfangen und nach einem achtstündigen äusserst hartnäckigen Gefecht genöthigt worden nach einem grossen Verlust an Todten, Verwundeten und Gefangenen schleunigst die Flucht zu ergreiffen. Der Herzog ertheilt in diesem ersten wenige Stunden nach dem Gefecht abgefaßten Bericht den Generalen Colli und Dellera, so wie allen Piemontesischen und Oesterreichischen Offiziers und Truppen, hauptsächlich aber dem Grenadier- und Jäger-Korps und dem Garde-Regiment die grösten Lobsprüche. So viel man sehen konnte, soll der Feind an Todten, Verwundeten und Gefangenen ungefehr 5000. Mann verlohren haben, unser Verlust aber Vergleichungsweise sehr gering seyn. Der Hof hat nächstens umständlichere Nachrichten von Sr. Königl. Hoheit über diesen für unsere Truppen rühmlichen Vorfall zu erwarten.

Turin, vom 3. Heumonat. [3]

Als am 21. des vorigen Monats die Französis. Truppen in starker Anzahl unsere Vorposten bey Argentiera angriefen, so musten die unserigen sich zurük ziehen. Aber der General Graf Strasoldo brachte ein ansehnliches Corps von verschiedenen Truppen zusammen, grief mit demselben den Feind an, schlug ihn in die Flucht und ließ den Posten von seinen Truppen besezen. Nachdem er seine Leute ein paar Stunden hatte ausruhen lassen, that er einen neuen Angriff auf den Feind, welcher nach einer lebhaften Gegenwehr abermals zum Weichen gebracht wurde, und sich so weit zurükzog, daß es dem General Strasoldo gelang, in Maison-Meane, einem Fleken auf Französischem Boden Posto zu fassen.

Am 24. vorigen Monats ist der Admiral der spanischen Flotte hier angekommen, und in wenigen Tagen soll auch der Admiral der Engl. Flotte hier eintreffen, um mit unserm Hofe gemeinschaftlich einen Operationsplan gegen die Franzosen zu entwerfen. Um die combinirte Armee zu verstärken, sind neuerdings 2000. Deutsche, und 18000. Flinten aus Triest hier angekommen. Die Schlacht gegen die Franzosen am 12. Jun. von der man jezt umständliche Nachrichten hat, war viel blutiger als man anfänglich glaubte. Sie fiel eigentlich bey Raus vor, und es blieben wenigstens 6000. Franzosen Todte und Verwundete auf dem Plaz, weil sie wie Wüthende auf unsere Verschanzungen losstürmten. Sie begehrten einen Waffenstillstand auf 5. Tage um ihre Todten zu begraben, der ihnen auch bewilligt wurde. Der General Dellera der an diesem blutigen Tage kommandirte, ist vom König mit Gnadenbezeugungen überhäuft worden.

Turin, vom 13. Heumonat. [4]

Die Franzosen haben am 21ten Junius unser bey Maison Meane auf Französischem Gebiet postiertes Corps angegriffen, um sich dieses Posten wieder zu bemächtigen, sie sind aber mit Verlust abgetrieben und dergestalten verfolgt worden, daß sie auch noch zwey andere Posten, nemlich Arche und Mairola verlassen haben. Bald darauf am 24ten kamen sie in stärkerer Anzahl wieder und nöthigten unsere Truppen sich gegen Argentera zurückzuziehen; von da machte sich der General Strasoldo mit 400 Deutschen Grenadiers, und einer beträchtlichen Anzahl Pimonteser noch einmal auf den Marsch, rükte gegen obengenañte Orte vor und trieb den Feind weit zurük; weil er aber wahrnahm, daß er von einer ihm ziemlich überlegenen Macht angegriffen werden sollte, so zog er sich wieder zurück. Auf diesem Rückzug führten die Deutschen Truppen viele Sachen von Wehrt mit sich, und mit 130 mit Lebensmitteln und Munition beladenen Mauleseln bezogen sie nun ein Lager auf der Anhöhe Magdalena, einem sehr sichern Posten, wiewohl er auch noch auf Französischem Gebiet liegt. Am 28ten machten die Franzosen grosse Anstalten um einen neuen Angriff auf Saorgio zu versuchen; wir wissen aber nun, daß sie denselben nicht haben ausführen können, weil ein heftiger Aufstand zwischen den Freywilligen und regulierten Truppen ausgebrochen ist, indem die erstern sich gröstentheils weigerten zu fechten, und entschlossen waren, nach Haus zurückzukehren.

Turin, vom 24. Heumonat. [5]

Man glaubt hier, das Französis. National-Convent sey entschlossen, Savoyen von seinen Truppen räumen zu lassen, und die Fran_osen gehen auch damit um, sich aus der Grafschaft Nizza wegzuziehen; indem sie bereits ihre Magazine von dieser Stadt entfernt haben aus Besorgniß eines Angriffs von der vereinigten Engl. und Spanis. Seemacht.

Am 18. Morgens haben 2000. Mann Franzosen das Dorf Maison Mean angegriffen, wo sich eine Division von dem Oesterreichischen Frey Corps Giulay befand, wie auch die Anhöhe Mala Morte, wo ein 30. Mann starkes Piquet von eben diesem Corps postiert war. Aber ungeachtet der überlegenen feindlichen Macht und der Canonen die sie bey sich hatten, konnten sie doch des Postens von Maison Mean sich nicht bemächtigen; und wir hatten nur 2. Todte und 11. Verwundete.

Genf, vom 10. Augstmonat. [6]

Man hat hier die sichere Nachricht, dass die Piemontesische Truppen in Savoien eingerükt sind, um die Franzosen aus diesen Gegenden zu verdrängen.

Von den Französischen und Italienischen Grenzen, vom 13 Augstmonat [7]

Die beyden Königl. Grenadier-Regimenter Maurienne und Genevois sind in Maurienne eingerückt, und haben Waffen für die dortigen Bauren mitgebracht, die in grosser Anzahl zu ihnen gestossen sind; sie befinden sich gegenwärtig in Modena.

Turin, vom 7 Augstmonat.

Am 29. des vorigen Monats grieffen die Feinde unsere Lager bey Raus und Authion an, aber sie wurden an beyden Orten muthig und mit Verlust zurückgeschlagen von unsern Truppen unter dem Commando des Generals Grafen von St. Andre, und des Generals Baron Colli. -- Man hat auch zuverlässige Nachricht, daß unsere Truppen vor wenigen Tagen die Franzosen, welche den Posten von Belvedere besezt hatten, muthig angegriffen, und daß diese, nachdem sie den Angriff eine Zeit lang ausgehalten, denselben verlassen haben.

Turin, vom 14. Augstmonat. [8]

Die Franzosen haben in gröster Eil zwischen Roquette und Bouson eine Brücke über den Var geschlagen; man vermuthet hieraus, die feindliche Armee wolle entweder die Grafschaft Nizza räumen, oder sie habe sich wenigstens ein Mittel zu einem schleunigen Rükzug dadurch verschaffen wollen, im Fall sie von unsern Truppen verfolgt werden sollte. -- Man hat hier die Nachricht erhalten, daß die Französis. Truppe' die Thäler St. Martino, Blora, Rimplas und St. Maria gänzlich verlassen haben, und dieses bestätiget die Meinung, daß die feindliche Armee Anstalten mache, sich theils nach dem Lager, welches in der Provence formiert wird, theils nach Dauphine zur Verstärkung von Grenoble zu begeben.

Von den Gränzen, vom 21 Augstmon.

Von Chambery wird berichtet, daß die Königl. Sardinischen Truppen sich einer Schanze bey Termignon von 12. und in dem Gehölz von Bramant einer andern von 4 Kanonen bemächtiget haben. In Chambery selbst herrsche grosse Bestürzung; man habe Befehl gegeben, alle Kaufmanns-Läden und Werkstätte zu schliessen, um sich nur mit den offentlichen Angelegenheiten zu beschäftigen; die Clubisten nehmen überall die Flucht.

Eine spätere Nachricht sagt: Es seyen keine Clubisten und keine Soldaten mehr in Chambery, und man habe am 20ten Abends die Königl. Sardinischen Truppen vor den Thoren dieser Stadt erwartet.

In Nizza soll der Französische General Brünet von seinen eigenen Truppen in Verhaft genohmen worden seyn.

Auszug eines Schreibens aus Genf, vom 23. Augstmonat.

Es hat mit der Wiedereroberung v. Savoyen einen sehr guten Fortgang; die Franzosen werden überall vertrieben und ziehen sich zurück; schon ist die Avantgarde von 35000 Mann Piemontesischer Truppen bey Chambery, und 5 bis 6 Stunden von hier; sie rüken immer weiter vor. Annecy, die zweite Stadt die_es Herzogthums, hat die Gegen-Revolution bey sich zu Stand gebracht, die Freiheitsbäume umgehauen, die Clubisten in Verhaft genohmen, und die Cokarde des Königs von Sardinien aufgesteckt.

Von den Gränzen, vom 26. Augstmonat. [9]

Die Königl. Sardinischen Truppen waren, nach verschiedenen über die Franzosen erhaltenen Vortheilen, am 23ten bis Carouge vorgerükt, wo 80 Patrioten ums Leben gekommen sind. --

Turin, vom 21. Augstmonat. [10]

Am 16. dieses ist der Feld-Marschall, Baron von Vins, aus hiesiger Hauptstadt abgereiset, um sich nach Demonte zu begeben. -- Der Oesterreichische F. M. L., Graf Strasaldo, Commandant des Lagers bey Magdalena, schickte ein Detaschement gegen die auf dem Berg Malamorte postirten Franzosen ab. Der Angriff war so gut eingerichtet, daß es unsern Leuten gelang, dem Feind 2. Kanonen wegzunehmen, viele niederzumachen und die übrigen in die Flucht zu schlagen, so daß die Franzosen nicht nur besagten Berg, sondern auch einige kleine Lager räumten, die sie in der Nähe von Malbuiset und bey Arche hatten. -- In der Nacht vom 16. forzierten und eroberten unsere Truppen die feindliche Verschanzung unterhalb Tuesch; wir uachten 51. Kriegs-Gefangene, ein Kapitain kam ums Leben, und es wurden einige Kriegs-Geräthe erobert.

Der Düc von Monferat befindet sich seit dem 17ten bey dem unter seinem Commando stehenden Korps in dem Fleken St. Moriz in Tarantaise. Man hat noch keine umständliche Nachricht von den Operazionen dieses Korps; nur so viel weißt man, daß auf unserer Seite nur wenige Grenadiers verwundet und ungefehr 60. Mann von den Franzosen zu Kriegs-Gefangenen gemacht worden sind.

Das Corps unter dem Commando des Generals Marchese von Cordon, ist bereits bis in Mauriene vorgerückt. Unsere Truppen haben gegenwärtig die Posten von Braman, Sardieres und Aucois besezt, und die Feinde genöthiget, auch Villarodin zu verlassen.

Turin, vom 28. Augstmonat. [11]

Die Armeen unter dem Commando Sr. K. H. des Herzogs von Monferrat und des Marchese von Cordon rücken in Savoyen immer weiter vor. Die erstere befand sich am 19 zu Villette in Tarantaise; die andere war bereits zu St. Andre in Maurienne, und der Marchese von Cordon hat das Jäger Bataillon unter dem Commando des Chevalier von Germangnano auf die Anhöhen von St. Michel detaschirt.

In der Nacht vom 21 haben die Franzosen die Dörfer Isola, St. Dalmazzo und St. Steffano gänzlich verlassen und den Weg über Entraunes und Güillaumes genommen. Der Major Colli läßt die Flüchtlinge, welche vielerley Waaren, Vieh und auch einige Einwohner beyderley Geschlechts mit sich genommen, verfolgen, und viele von ihnen sind erschlagen oder verwundet, auch 4 gefangen worden.

Turin, vom 4 Herbstmonat. [12]

Von Aosta wird berichtet, daß nach Uebersteigung der ersten Schwürigkeiten die Königl. Truppen überal, wo sie die Franzosen in Savoyen angegriffen, schnelle Progressen gemacht haben: Annecy, Thonon, Evian u. s. w., waren bereits geräumt, noch ehe sie daselbst angekommen waren. Auf die erhaltene Nachricht, daß die Franzosen die Stadt Montiers verlassen haben, machte sich der General der Cavallerie, Baron de la Tour, auf den Weg, um dieselbe in Besiz zu nehmen, nachdem er ein feindliches Corps von 1500 Mann Infanterie, welches an der Mitte der Anhöhe postirt war, angegriffen und in die Flucht geschlagen. Wir hatten auf unserer Seite 13 Todte und 35 Verwundete, und daß der Verlust auf feindlicher Seite beträchtlicher gewesen seyn müsse, schließt man aus der Menge von Leichnamen, die man auf der Isere schwimmen sah.

Von der Armee unter dem Commando des Herzogs von Monferrat in Tarentaise hat man die Nachricht erhalten, daß am 18ten August ein Detaschement von 300 Freywilligen nach Faußigny abgeschickt worden, um die bereits dort befindlichen Königl. Truppen zu verstärken. Als dieses Detaschement bey der St. Martinsbrüke bey Salanch_s ankam, fand es dort ein feindliches Corps, welches ihm vermittelst seiner Artillerie den Durchzug streitig zu machen suchte. Aber unsere Truppen rükten so entschlossen vorwärts, daß die Feinde sich genöthiget sahen, den Posten zu verlassen und die Flucht _u nehmen. Sie hatten bey diesem Vorfall viele Todte und Verwundete, und verlohren auch einige Kriegsgefangene.

Turin, vom 18 Herbstmonat. [13]

Nachrichten aus Maurienne melden, das Corps d'Armee unter dem Commando des Marquis von Cordon mache immer weitere Progessen, nachdem dasselbe am 8. dieses St. Jean von Maurienne in Besiz genohmen. Am 10. rückte der Baron Della Torre bis Chapelle und von da nach Argentine vor, wo seine Avantgarde die dort kantonnierenden Franzosen nach kurzem Wiederstand vertrieb. -- Am 10ten Abends kehrten Se. Maj. der König in Gesellschaft der Königl. Prinzen nach Tenda zurück. -- Die Expeditionen des Herzogs von Aosta und des Generals Grafen von St. Andre werden immer wichtiger, so wie die Franzosen sich von verschiedenen Posten zurück ziehen. -- Von Briga wird berichtet, daß eine Division des Generals Grafen Strasaldo bereits von Giletta bis St. Martino del Varo vorgerückt sey, und daß die Truppen unter den Befehlen des Herzogs von Aosta sich von Bevenza bemächtiget haben.

Turin, vom 25. Herbstmonat. [14]

Die Stellung der Königl. Armeen ist sehr vortheilhaft in einigen Theilen der Grafschaft gegen Tenda. Das ganze Thal St. Martino, Belvedere, Roccabigliera, Lantosca, Bollena und die umliegenden Gegenden sind in unserm Besiz. Die Kolonne unter dem Kommando des Herzogs von Aosta ist Meister von Torre und den nördlichen Anhöhen v. Tinea; auch hat sie das Dorf Utelle umringt und hält den Berg Vergine im Respekt, wo die Franzosen noch im Besiz ihrer dortigen Verschanzungen sind. Die Truppen des Generals Strasaldo haben eine Besazung in der Stadt Guilliaume, in Poggetto, Seros, Penna und Cuebris gelassen und sind bis Rocchetta und St. Martino de Varo, nur 5. Stunden von Nizza vorgerückt. -- Von Vintimiglia wird gemeldet, die Flotten haben sich der Insuln Hieres bemächtiget, wohin sich die Jakobiner von Toulon in grosser Anzahl geflüchtet hatten. Man machte diese zu Gefangenen, die eisernen Kanonen, die sie bey sich hatten, wurden ins Meer geworffen, u. die dortigen Verschanzungen zerstört. -- Am 10. dieses haben sich die Königl. Truppen von Lantosca, nach langer feindlicher Gegenwehr Meister gemacht, wo man ein Proviant Magazin, dessen Werth auf 10000. Livres geschäzt wird, gefunden hat. -- Am 18. sind v. Tenda 2. Bataillons Grenadiers und Jäger abmarschiert, um sich in Oneglia nach Toulon einzuschiffen. -- Der General de Vins nimmt die Thäler von Tinea in Augenschein, wohin sich auch der Major Marchetti, ein österreichischer Ingenieur, bereits begeben hat, um die dortigen Strassen zum Transport der Artillerie in stand stellen zu lassen. Verschiedene Korps der Königl. Truppen sind bereits durch diese Gegenden marschiert, und andere nähern sich denselben, woraus man eine nahe bevorstehende wichtige Unternehmung in dasigen Gegenden vermuthet. -- Aus dem Lager von St. Anna sind 350. Croaten abmarschiert, und aus der Grafschaft Nizza ein Bataillon Grenadiers; viele andere Truppen-Korps sind auch bereits weiter vorgerückt.

Paris, vom 30. Herbstmonat. [15]

-- Die Truppen der Republik haben einen Sieg über die Piemonteser erhalten.

Turin, vom 9. Weinmonat. [16]

Von Aosta wird unterm 5. dieses berichtet, daß zufolg eines unlängst von dem Französis. N. Convent abgefasten Dekrets alle Arten von Gewaltthätigkeit angewendet worden seyen, um ganz Savoyen unter das Gewehr zu bringen. Die Königl. Truppen, welche in diesem Herzogthum immer weiter vorgerükt waren sahen sich auf allen Seiten von einer ihnen sehr überlegenen Anzahl von Truppen angegriffen, und musten in dem Augenblik eines plözlichen Ueberfalls der feindlichen Uebermacht die Spize bieten. Es fielen von beyden Seiten hizige Gefechte vor; aber die Patrioten verlohren mehr Volk als wir nach Proportion ihrer grössern Anzahl. Indessen haben sich die Königl. Truppen, welche in Tarentaise und Maurienne sich befanden, jene auf die Anhöhen des Thals Aosta, und diese auf die nächsten Anhöhen bey dem Berg Cenis, in guter Ordnung zurük gezogen, und bey diesem Rükzug aus Savoyen nur 2. Feldstüke und wenige Leute an Todten, Verwundeten und Gefangenen verlohren.

Berichte aus Saorgio vom 6. dieses Monats sagen: Der Hauptmann bey dem Freycorps, Herrn von Bonaud, habe mit seiner Compagnie und 50. Mann von dem Bataillon, welches aus den Schweizer-Regimentern Peyer im Hof, Bachmann und Zimmermann besteht, nebst noch ein paar Compagnien Miliz, sich zufolg des ihm ertheilten Befehls nach St. Pierre begeben, um die Anhöhen von Bon-Villar zu erreichen und sich dann während der Nacht dieses Postens zu bemächtigen. Diese Expedizion sey auch vollkommen gelungen, so daß von den 56. Mann, welche die Besazung von Bon-Villar ausmachten, 42. zu Kriegsgefangenen gemacht wurden, unter denen sich auch der sie kommandierende Hauptmann nebst einem Lieutenant befindet; die übrigen wurden theils niedergemacht, theils von den Anhöhen herunter gestürzt. Unser Verlust bey diesem Vorfall besteht in einem einzigen Todten und 4. Verwundeten.

Turin, vom 15. Weinmonat. [17]

In zwey mit den Feinden vorgefallenen Gefechten bey Gaudel und oberhalb Breglio haben unsere Truppen Vortheile erhalten, ihre Verschanzungen forziert, die Franzosen daraus verjagt und 45. Gefangene gemacht, worunter sich 2. Officiers befinden. Auch hat man gewisse Nachricht, daß unsere Truppen aus Sardinien glücklich im Haven von Toulon angekommen sind.

Turin, vom 26. Weinmonat. [18]

Der General de Vins ist mit 10000. Mann, theils regulierter Truppen, theils Miliz, in die Provence eingefallen, und bis nahe an die Mündung des Var vorgerückt. In der Gegend von Nizza haben sich die Königl. Truppen des engen Passes, la Vierge des Mirades genannt und des ebenfalls sehr wichtigen Postens Levenzo bemächtiget. -- Die Franzosen drohen dem Haven Ventimiglia, welcher der Republick Genua zugehört, die deswegen die dortige Besazung hat verstärcken lassen. -- Beym Angang der Post ist hier die Nachricht eingegangen von zwey am 14. und 15ten dieses zwischen den allierten Truppen und den Franzosen bey Toulon vorgefallenen Gefechten, in welchen die Patrioten-Armee mit grossem Verlust soll zurückgeschlagen worde' seyn. Die nähern Umstände sollen das nächstemahl mitgetheilt werden. -- In Nizza sollen auf die Nachricht, daß der Senat von Genua der grossen Verbindung gegen Franckreich beygetretten, sehr viele Genueser in Verhaft genohmen worden seyn; der genuesische Consul daselbst habe sich geflüchtet.

Turin, vom 27. Wintermonat. [19]

Von Saorgio wird berichtet: Der General Baron Colli habe in der Nacht vom 16. dieses den Posten bey Maurigon angegriffen, wo der Feind verschanzt war. Fünf Französische Grenadier-Compagnien, welche die Verschanzungen dieses Postens vertheidigten, sind ach dem Verlust einiger Mannschaft an Todten und Gefangenen genöthiget worden, denselben zu verlassen. Der obengenannte General ließ sogleich die Verschanzungen, nebst den Barraken, welche die Feinde daselbst errichtet hatten, niederreissen, und ertheilte seinen Truppen Befehl, an ihren vorigen Posten zurükzukehren, weil er sich in demjenigen, woraus er den Feind vertriebe' hatte, nicht behaupten koñte.

Der Feld-Marschall-Lieutenant Graf Strasoldo, welcher in das Französis. Gebiet vorgerükt war, um dem Feind den wichtigen Paß des Thals Stura desto besser zu versperren, hat sich nun wegen dem häufig gefallenen Schnee und der Strenge der gegenwärtigen Jahrszeit genöthiget gesehen, sich zurükzuziehen, um gute Winter-Quartiere beziehen zu können.

Turin, vom 4. Christmonat. [20]

Die neuesten Nachrichten von Saorgio melden, die Franzosen haben in der Hofnung, sich einiger unserer Magazine in der Grafschaft Nizza zu bemächtigen, am 25. des vorigen Monats verschiedene von unsern Posten angegriffen. Auch haben sie sich wircklich von dem bey Broc d'Utelle Meister gemacht, welchen unsere gar nicht zahlreichen Truppen, nachdem sie sich aufs möglichste gewehrt, mit Verlust einiger Unterofficiers und Soldaten verlassen mußten; von 5. Ober-Officieren sind 2. geblieben und 3. verwundet worden. Durch diesen erhaltenen Vortheil muthiger gemacht griefen uns die Feinde Tages darauf noch einmahl an verschiedenen Orten an. Aber durch die Tapferkeit des Majors Brentano, welcher den Posten Testa des Pins kommandierte, und das Grenadier-Corps von Wollust, eine Division vom Regiment Caprara unter dem Hauptmann Schmid und das Corps Giulay unter seinem Commando hatte, ist der Feind gänzlich geschlagen und hizig verfolgt worden von den Oesterreichischen Truppen, und den Freywilligen Seiner Majestät, so wie auch von der Miliz, die sich unter dem Commando des Chevalier Radicati bey ihnen befanden. Dieses Gefecht, in welchem die Franzosen eine beträchtliche Anzahl an Todten und Verwundeten, nebst 16. Kriegsgefangenen verlohren, hat bis in die Nacht gedaurt, und hat uns nur 2. Todte und einige wenige Verwundete gekostet.


Quellen.[]

  1. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 26. Brachmonat, 1793. Num. 51.
  2. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 29. Brachmonat, 1793. Num. 52.
  3. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 17. Heumonat, 1793. Num. 57.
  4. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 31. Heumonat, 1793. Num. 61.
  5. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 7. Augstmonat, 1793. Num. 63.
  6. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 14. Augstmonat, 1793. Num. 65.
  7. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 21. Augstmonat, 1793. Num. 67.
  8. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 28. Augstmonat, 1793. Num. 69.
  9. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 31. Augstmonat, 1793. Num. 70.
  10. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 4. Herbstmonat, 1793. Num. 71.
  11. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 11. Herbstmonat, 1793. Num. 73.
  12. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 18. Herbstmonat, 1793. Num. 75.
  13. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 2. Weinmonat, 1793. Num. 79.
  14. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 9. Weinmonat, 1793. Num. 81.
  15. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 9. Weinmonat, 1793. Num. 81.
  16. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 19. Weinmonat, 1793. Num. 84.
  17. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 30. Weinmonat, 1793. Num. 87.
  18. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Wintermonat, 1793. Num. 90.
  19. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 11. Christmonat, 1793. Num. 99.
  20. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 18. Christmonat, 1793. Num. 101.