Capitulation von Mantua. Französischer Zug nach Rom. Vorfälle in Tyrol.[]
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Unter den vielen beyspiellosen Auszeichnungen des gegenwärtigen Französischen Kriegs verdient vornehmlich bemerkt zu werden, daß die Franzosen alle die großen und wichtigen Festungen, die sie eingenommen, ohne förmliche regelmäßige Belagerungen in ihre Gewalt bekommen haben. So ist ihnen auch endlich die wichtige Festung Mantua, der Schlüßel von Italien, in die Hände gefallen. Nach einer neunmonatlichen Blokade, und fünfmonatlichen völligen Einschließung, sah sich Feldmarschall Graf von Wurmser, mit den vortreflichen Generalen, Lauer, Otto, Meszaros, und andern, welcher er bey sich hatte, durch Hunger und Mangel an allen Bedürfnißen, nachdem der letzte Versuch der Entsetzung mißlungen war, gezwungen, die Festung zu übergeben. Die Capitulation kam am 2ten Februar, des Abends um 10 Uhr zu Stande. Sie war, nach den Umständen ehrenvoll. Die Garnison wurde zwar im allgemeinen Kriegsgefangen, aber mit sehr vielen Ausnahmen. So erhielten nämlich der Graf von Wurmser, und seine Adjutanten, und sein Gefolge, ferner 200 Mann Cavallerie mit ihren Officieren, noch 500 Mann, die der Auswahl des Feldmarschalls überlaßen wurden, die Generale und Officiere vom Generalstabe, und jeder andre, den der Feldmarschall dazu zu rechnen für gut fand, einen freyen Abzug. Die gesammte Garnison marschirte mit allen kriegrischen Ehrenzeichen aus der Festung, und legte die Waffen auf dem Glacis ab. Den Generalen und Officieren, welche den freyen Abzug erhielten, wurden ihre Pferde gelaßen, den Generalmajors 10, den Obersten 8, den Majors 7, den übrigen Officieren, jedem 2 Pferde. Die Garnison wurde, zur baldmöglichsten Auswechslung über Padua nach Treviso geführt. Alle Civil-Beamten konnten sich unaufgehalten hinwegbegeben. Den Einwohnern wurden ihre Rechte, und Privilegien gesichert, und die Freyheit, innerhalb eines Jahrs, mit ihren Gütern und Vermögen, die Stadt, wenn sie wollten, ungehindert zu verlaßen. -- Die Zahl der Garnison, die sich ergab, die der eroberten Artillerie, und Munition, und die Beute aller Art, welche die Sieger in der Festung fanden, wird erst durch die fernern Französischen Berichte bekannt werden. Schwerlich aber wird man den Werth aller der Schätze und Kostbarkeiten erfahren, welche bey dem Vordringen der Franzosen, aus ganz Italien, nach Mantua, als ein sichres Depot gebracht wurden, und nun den Franzosen in die Hände fielen. Wir werden noch künftig eine vollständigere Geschichte der Eroberung von Mantua geben; wie auch von den Folgen, welche ganz Italien davon haben wird.
Indem der General Serrurier Mantua einnahm, brach Buonaparte mit einem starken Heere in dem Kirchenstaat ein. Er erklärte durch ein Manifest vom 1 Februar den Waffenstillstand mit dem Pabste für aufgehoben, und marschirte von Bologna nach Imola, von da ein Corps auf Faenza zog, und dort ein päbstliches Truppen-Corps von 4000 Mann (nach französischer Angabe) angrif, welches sich am Fluße Senio verschanzt hatte. Da der Fluß bey der trocknen Witterung sehr seicht war, so kam ein Theil Franzosen durch den Fluß den Päbstlichen Truppen in den Rücken, welche, dadurch bestürzt, in Unordnung kamen, und die Flucht ergriffen. Die Franzosen zogen darauf weiter über Forli und Cesena nach Rom zu, wo General Colli große Anstalten zur Vertheidigung machte.
Das Corps unter dem Generale Joubert, welches in Tyrol eingedrungen war, und Trident besetzt hatte, machte keine weitere Fortschritte. Es wurde durch den General Liptay, der sich bey Salure, vier Meilen von Botzen, in eine gute Stellung gesetzt hatte, aufgehalten, und die Vorposten mußten sich bis Welschmichel zurückziehen. Unterdeßen war auf der Erzherzog Carl bey der Armee angekommen, welche am 6ten Februar ihr Hauptquartier zu Udine, im Venetianischen Friaul hatte, und Görz deckte. Von allen Seiten eilten Verstärkungen herbey, und man sahe fernern großen Begebenheiten entgegen.
Quellen.[]
- ↑ Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.