General Dümurier hat bey Gelegenheit seiner Reise in Flandern die Küste von Nieuport bis Ostende in Augenschein genommen, um selbige, auf den Fall eines Landungsversuches von Seite der Engelländer und Holländer, in hinlänglichen Vertheidigungsstand zu sezen. Er ist von da am 2. dieses wieder zu Antwerpen angekommen, und hat die nöthigen Verfügungen getroffen, um an den Ufern der Schelde mehrere Batterien zu errichten und den feindlichen Flotten dadurch die Auffahrt dieses Flusses zu verhindern. Nunmehr zieht er ein ansehnliches Truppenkorps zusammen, um unverzüglich in Holland einzurücken. -- Zu Mecheln ist die Stückgiesserey bereits in voller Thätigkeit und dieser Tagen hat man mit dem Güsse von 10. Vierpfündnern angefangen.
Da General Dümurier entschlossen ist, die in Belgien befindlichen Französis. Armeen sogleich in Thätigkeit zu sezen, um sowohl den Oesterreichern und Preussen, welche sich ihrerseits zum Angriff rüsten, zuvorzukommen, als auch nun in Holland einzurücken; so sind jezt unter den Truppen viele Bewegungen, und sie rücken in starken Korps theils gegen Lüttich voran. Täglich sehen wir viele hierdurch passiren, und auch sind gestern wieder 5. bis 600. Artilleriepferde und ein Train schwerer Belagerungsstücke, nebst einer grossen Anzahl Munitionswagen, Pontons, Röste, und andern Kriegsgeräthe angekommen. -- Bey Gelegenheit der neuen Primar-Versammlungen zu Mons ist ein sehr blutiger Auftritt zwischen der Partey, welche die Vereinigung Hennegaus mit Frankreich verlangte, und jener, welche sich dieser Vereinigung wiedersezte, entstanden. Viele Bürger sind in diesem leidigen Handgemenge theils ums Leben gekommen, theils verwundet worden.
Gestern um 9 Uhr Morgens ist die hiesige Besazung aufgebrochen und hat ihren Marsch gegen Breda gerichtet. Ihr folgte ein Zug Belagerungsgeschüzes, Mörser und Haubizen. Die in kurzem sich bey Breda zusammenziehende Armee soll 30000 Mann ausmachen. Der Vortrab derselben besteht aus der 8000 Mann starken Legion Bataver, sowohl Infanterie als Cavallerie, und 2 Divisionen Pariser Gendarmerie, die Tags vorher ausmarschirt waren.
Der Plan des General Dümourier ist, Holland an mehrern Seiten zugleich anzugreifen. Während eine Armee von mehr als 30,000. Mann mit starken Schritten auf Breda anrückt, wird ein anderes Truppenkorps unter General Champmorin über Venlo einzudringen suchen. Gegen Breda hin formirt die Bataver-Legion, welche 3000. Mann stark ist, nebst 2. Divisionen der Pariser Gendarmerie, die Avantgarde der Französis. Armee; jene Legion besteht aus lauter ehemals in Holländis. Diensten gestandenen Officieren, die das Lokal des Landes kennen, und den Franzosen als Führer dienen. Der Statthalter hat seiner Seits dafür gesorgt, in den Gränzstädten lauter solche Commandanten anzustellen, die dem Interesse seines Hauses fest ergeben sind. Zu Breda ist der bekannte Graf von Byland Vestungsgouverneur. Dieser eifrige Oranier hat bey dem Annähern der Franzosen eine grosse Anzahl Bürger, deren demokratische Grundsäze ihm verdächtig waren, aus der Vestung weggeschaft. -- Die Züge von Munitions und Proviant-Transporten, so wie von Truppen zu Fuß und zu Pferde, welche gegen Holland hinströmen, dauern Tag und Nacht fort. Heute sind das 12te Infanterie-Regiment, ehemals Auxerrois, unter mehrere Bataillons Nationalgarden und Füßjäger durchgezogen. Auch sind 2. Bataillons Belgier Freywilligen, die erst neuerlich in Westflandern errichtet worden sind, hier durch eben dahin aufgebrochen.
Leyden, vom 25. Hornung.
Von den Unternehmungen der Franzosen wider unsere Republick wissen wir weiter nichts, als daß die Herzogenbusch, Breda und die holländischen Pläze, so über den Moerdyk hinaus liegen, zugleich angreifen wollen. Schon hat sich ein Detaschement französischer Truppen vor der kleinen Vestung Klundert gezeigt und dieselbe zur Uebergabe aufgefodert; der Commandant gab aber zur Antwort, daß er sie vertheidigen und seine Pflicht erfüllen würde, worauf sich die Franzosen zurückzogen. Aus dem Haag sind 2. Compagnien Grenadier von Bose de la Calmette nach Willemstatt bey Klundert zur Verstärckung abgegangen. Der Feind hat in den umliegenden Gegenden die Quartier bezogen: das Erdreich ist aber durch die Witterung und durch die Ueberschwemmungen zu sehr verwässert, als daß er sich seiner schweren Artillerie mit einigem Erfolge bedienen könnte. Die in der Mayerey von Herzogenbusch eingerückte französische Abtheilung welche anfangs zu Helmont das Haupt-Quartier hatte, und, der Sage nach, durch eine gegenwärtig auf dem Marsche aus Franckreich begriffene Kolonne verstärkt werden sollte, hat in den Gegenden gesagter Stadt Posto gefaßt, und man glaubt, daß sie ehester Tage werde berennt werden, Breda ist dergestalt umzingelt, daß keine Briefe mehr von da herauskommen, als mit der äussersten Beschwerlichkeit. Die Unterwassersezung bedeckt den grösten Theil der Werker, ausser dem Erdstriche zwischen dem Gennekenschen- und dem Herzogenbuscherthore, der mehr erhaben ist. Mitwochs den 20sten, versuchten die Franzosen, eine Batterie daselbst zu errichten; allein das Feuer aus der Vestung störte sie in ihrer Arbeit. Als man in Erfahrung brachte, daß ein französischer Officier mit 11. Gemeinen in einen Gasthof unweit der Stadt gekommen war, wurde ein Capitain mit 24. Dragoner dahin gefertigt, um die Feinde aufzuheben; allein, es gelang ihnen, den Officier mit 7. von seinen Leuten zu Gefangenen zu machen. Bey ihrer Rückkunft wurden sie von einer 150. bis 200. Franzosen starcken Abtheilung abgeschnitten; sie schlugen sich aber durch, und rückten mit Verlust eines Dragoners und zweyer Pferde wieder in Breda ein.
Aus dem Haag, vom 24. Hornung.
Lord Aukland hat gestern Abend einen Kurier aus Londen mit der Nachricht erhalten, daß ein Korps von wenigstens 2000. Mann Englis. Garden sich nach hiesiger Provinz eingeschifft habe.
Von den Armeen ist weiter keine Nachricht eingegangen, als daß ein Schreiben von dem General Dümourier die Einnahme des Holländischen Forts Klundert berichtet. Die aus ungefehr 150. Mann bestehende Besazung desselben habe sich nach einer achtstündigen Gegenwehr mit Verlust von 73. Kriegs-Gefangenen weggezogen; auch habe man viele Kanonen daselbst gefunden.
Allem Ansehen nach, macht die Dümouriersche Armee in den vereinigten Niederlande keine sonderliche Fortschritte. Das Gerücht von der Einnahme einiger kleinen Pläze hat sich nicht bestätigt; im Gegentheil vernimmt man, daß Admiral Kinsbergen die Schleusen zu Willmstadt mit Kanonen hat zusammenschiessen lassen, wodurch eine jählinge Ueberschwemmung entstanden seyn soll, bey welcher 1300. Franzosen ihr Grab im Wasser fanden. Die Oesterreicher gedenken bis morgen in Brüssel einzurücken. -- General Beaulieu hat den Weg über Namür genohmen, um den Franzosen den Rücken abzuschneiden. Man ist begierig zu sehen, wie Dümourier sich aus dem Winkel, in welchen er hineingedrungen ist, heraushelfen werde, da er vor sich nur Flüsse und Seen, und die holländische und englische Truppen und hinter sich die Kays. und Preußis. Armeen hat.
Allem Ansehen nach, haben die Franzosen sich, wenigstens zum Theil, in dem Lütticher Kempen zusammengezogen. Auch hat man Ursache, zu glauben, daß General Dümourier einen Theil seiner Macht, womit er unserer Republick zu Leibe gieng, zu denselben habe stossen lassen. So viel ist gewiß, daß die Franzosen all ihre Posten zu Helmont, Erp, Vechel und St. Oedenroy, wo sie Herzogenbusch bedroheten, verlassen haben. Mehr aufwärts in der Provinz Holland sind sie schon von Heusden weggezogen, wo man bereits eine Belagerung erwartete. In Willemstadt trozt Generalmajor Boezelaer und seine muthige Mannschaft aller Anstrengung des Feindes, der jezt sogar seine schwere Artillerie vor dieser Stadt aufgepflanzt und dieselbe dergestalt beschossen hat, daß man hier in Leiden den Kanonendonner seit Mittwoch, den 6ten hören konnte. Briefe vom 9ten melden, daß Willemstadt keineswegs gesinnet ist, die ihm wiederholtermalen angetragene Capitulation anzunehmen, obgleich die Franzosen nicht aufhören, die Stadt mit Bomben und glühenden Kugeln zu verbrennen.
Die Commissarien des N. C. in Belgien hatten bereits vor ein Paar Tagen die Einnahm von Breda durch unsere Truppen berichtet. Aber damals war die Nachricht noch zu voreilig; jezt aber ist sie zuverlässig; und der Kriegsminister hat dieselbe in der gestrigen Seßion auf eine offizielle Weise bestätiget. Es ist der General Darson, welcher Breda zufolg einer am 24ten Hornung unterzeichneten Capitulation in Besiz genohmen hat. Es befindet sich nun eine Französische Besazung daselbst; die Batavier, die es mit den Franzosen hielten, haben ein Comitte daselbst errichtet, vermittelst dessen man nun die Französische Freiheits-Grundsäze in Holland weiter zu verbreiten hoffet. Von den Umständen der Einnahm dieser Stadt und von dem Inhalt der Capitulation sagt indessen die vom Kriegsministerdem N. C. mitgetheilte Nachricht noch nichts. Aber sie fügt obigem noch bey: Klundert und Willemstatt, worinn sich bey 200 Kanonen befinden, stehen im Brand und werden nun wohl in unsern Händen seyn; ferner Berg-op-Zoom, Steenbergen und Tholem seyen eingeschlossen und bloquiert, so daß nichts hinein und heraus könne, und Gertruidenberg sey angegriffen.
Quellen.[]
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Hornung, 1793. Num. 16.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 2. Merz, 1793. Num. 18.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 6. Merz, 1793. Num. 19.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Merz, 1793. Num. 20.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Merz, 1793. Num. 21.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Merz, 1793. Num. 23.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Merz, 1793. Num. 24.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Hornung, 1793. Num. 16.
↑Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Merz, 1793. Num. 20.