Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Armeeberichte.[]

Tagzettel der Kaiserl Königl Armee, vom 3 Merz.[]

[1]

Nachdem der Feind den 1ten und 2ten Merz allenthalben delogieret und geschlagen worden, hiebey 5000 Manngeblieben, 2 Fahnen und 23 Kanonen erobert, und gegen 800 Manngefangen genommen worden, so ist die Armee heute über Fauquemont gegen Mastricht marschirt, und als man wahrgenomen, daß der Feind in der Nacht zwischen dem 2ten und dem 3ten die auf beyden Seiten der Vestung geführte Belagerung aufgehoben, und auf das eiligste die Flucht ergriffen, so hat man ihn auf beyden Ufern der Maas auf und abwärts verfolgt, einige Magazine von Montur und Lebensmittel,2 Mörser, viele Lavetten und Bomben, Kugeln, Wägen erbeutet, und über den glücklich bewürkten Entsaz das Te Deum gefeyert.

Der commandirende Feldmarschall, Prinz Coburg, ist unter grossem Jubel der Mastrichter Einwohner in die Vestung eingezogen, hat daselbst sein Hauptquartier aufgeschlagen, und die Armee zwischen Mastricht und Fauquemont in Cantonirung verlegt.

Den 4ten Merz.

Heute marschirt die Avantgarde und das erste Treffen der Armee über die Maas.

Tagzettel der K. K. Armee d. d. Hauptquartier Mastricht den 5. Merz.[]

[2]

Bey dem gestern erfolgten Uebergang der Avantgarde und des ersten Treffens über die Maas holte die Avantgarde den Feind auf seinem Marsche nach Tongres anderthalbe Stunden von hier ein. Se. Königl. Hoheit, der Erz-Herzog Karl, welcher die Avant-Garde commandirte, griff den Feind mit Entschlossenheit an, ungeachtet der Kavallerie des Korps wegen Entfernung der Quartier noch nicht angekommen war; delogirte ihn, und trieb denselben vor sich her bis gegen Tongres, wo die anfallende Nacht alle weitere Verfolgung unmöglich machte. Mit Anbruch des Tages traten Se. Königl. Hoheit den Marsch wieder an, fanden Tongres verlassen, und besezten diesen vortheilhaften Posten mit 3. Grenadier-Bataillons. Der Feind wurde durch die leichte Truppen verfolgt und ihm 1. Kanonen und 1. Fahne abgenohmen. Zu Tongres wurde ein beträchtliches Magazin, 5. eiserne Backöfen, eine Regiments-Kasse von mehrere Wagen erbeutet. Zu gleicher Zeit machte der Hr. Feld-Zeugmeister, General Clairfait, am linken Ufer der Maas aufwärts gegen Lüttich eine Demonstrazion, durch welche der in Lüttich und im Limburgischen stehende Feind in seinem Rücken bedroht, und, laut eben eingehenden Nachrichten, veranlaßt wurde, von Lüttich gegen St. Tron Anstalten zum Rückzuge zu machen, so daß man hoffet, er werde Lüttich verlassen. Eben dieses bis jezt zu Lüttich und im Limburgischen gestandene feindliche Korps hat der das Detaschement vom |linken Flügel commandirende Hr. Feld-Marschall-Lieutenant, Prinz von Würtemberg, gestern, den 4ten, bey Herve angegriffen, delogiert, auf 2. Stunden weit zurückgetrieben und 2. Kanonen erobert, welche die Infanterie mit dem Bajonnete dem Feinde abgenohmen, auch ein Officier und 35. Mann Gefangene eingebracht. Das Detaschement am rechten Flügel des Feld-Marschall-Lieutenants, Grafen von la Tour, ist gestern von Sittard nach Linne vorgerückt und hat dem ihm aus Ruremonde entgegen gekommenen Feind dahin zurück getrieben, 1. Officier und 42. Mann vom Feinde gefangen. Zu gleicher Zeit ist der General Wenckheim am rechten Ufer der Roer von Wassenberg gegen Ruremonde avanzirt, und hat sich die Kommunikazion mit dem F. M. L. la Tour über die vom Feinde besezte Brücke bey Vlodorp mit Gewalt eröfnet, wobey der Feind etliche 30. MannTodte und 7. Gefangene verlohren. Durch diese Bewegung ist der Feind gezwungen worden, Ruremonde zu räumen, welches heute von unsern Truppen besezt worden.

Tagze_tel der K. K. Armee d. d. Hauptquartier Mastricht den 6. Merz.[]

[3]

Wegen des am 5ten erfolgten gänzlichen Uebergangs der Haupt-Armee über die Maas, und der Besezung von Tongres, wodurch wir dem im Limburgischen und zu Lüttich gestandenen Feind in Rücken gekommen sind, hat derselbe seine Flucht von Lüttich aufs äusserste beschleunigt, so daß der von Herve nach Lüttich vordringende Hr. F. M. L. Prinz von Wirtemberg noch am 5ten zu Lüttich eingerückt ist, und ausser einigen Versprengten vom Feinde nichts hat einholen können. Die Einwohner von Lüttich haben sich sehr übel betragen, die Thore aufzumachen verweigert, so daß man solche mit Gewalt öffnen mußte, an einigen unserer von den Franzosen dahin eingebrachten Gefangenen Grausamkeiten verübt, und eine grosse Anzahl derselben ist mit der französischen Armee von dort emigriert. Dermahlen ist man beschäftigt, alle daselbst zurückgelassene feindliche Vorräthe aufzusuchen, und schäzt man den Werth des vorhandenen Magazins auf 200000. fl. Die noch nicht ganz zusammengeführte Kanonen werden gegen 80. geschäzt, worunter 24 vier und zwanzig Pfünder sich befinden; auch hat man schon 14000 Flinten daselbst in Beschlag genommen. An Gefangenen zählen wir seit dem Uebergang über die Roer gegen 1000., worunter viele Officiers. Das Corps des F. M. L. la Tour hat ebenfalls bereits die Maas passirt, und schließt sich an den rechten Flügel der Armee an. General Wenckheim ist im Begriff über diesen Fluß zu sezen.

Vom 7ten Merz Der Herr F. M. L. la Tour ist von Rüremonde nach Stockem am linken Ufer der Maas marschirt; die Hauptarmee hat nichts unternohmen. Von des Hrn. Herzogs Friedrich von Braunschweig Durchl. ist die Nachricht eingelangt, daß der Feind das Fort St. Michel Venlo gegen über, verlassen habe.


Tagzettel der k. k. Armee, Hauptquartier Mastricht den 8ten Merz.[]

[4]

Der Feind hat Hasseld verlassen, welches die Kayserl. Vorposten besezet. General la Tour ist nach Recken, und General Wenckheim nach Horn von Rüremonde gerückt.

Den 9ten Merz. Feldzeugmeister Fürst Hohenlohe berichtet, daß er den Major Stephaiz von Esterhazy Husaren nach la Roch detaschirt, welcher ein feindliches Detaschement von 600. Mann dergestalt zusammen gehauen, daß sehr wenig davon gekommen sind. 4. Officiers, 74. Mann wurden gefangen genohmen, und dee Kayserl. hatten nicht mehr wie 3. Bleßirte. -- Hr. Herzog Friedrich von Braunschweig hat bey Venlo die Maas passirt.

Den 10. Merz. So wie der Feind Huy mit 8. bis 9000. Mann am 8. dieß besezt hatte, beorderte Ferdinand Friedrich August von Württemberg|der F. M. L. Prinz von Wirtemberg 4. Comp. Jäger, 2. Comp. Freycorps, 2. Escadrons von la Tour und 3. Bataillons von Toscana. Nach Serain giengen Major Kernhofer, um beständig mit Kavallerie und Jägern gegen Huy _u patrouilliren. Um den Feind von da zu verdrängen wurde die Expedition dem Hrn. General Davidowich übertragen, er sezte sich in Bewegung, konnte aber wegen allzuschlechter Strasse erst den andern Tag gegen 7. Uhr früh die Stadt Huy erreichen. Der gröste Theil der feindlichen Macht war auf dem Plaz in der Stadt aufmarschirt, einige Truppen aber waren mit Kanonen an der Brücke und in andern vortheilhaften Stellungen postirt.

Die Kayserl. Truppen rückten ohne Widerstand in der kleinen Stadt am linken Ufer an, bey der abgeschnittenen Brücke aber, wurden sie mit starkem Flinten- und Kartätschenfeuer empfangen, und hätten von diesem Pnnkt, so wie vor der Stadt, wegen vortheilhaften Terrains des Feindes unbeschreiblichen Schaden leiden können. Allein, General Davidovich liesse selbst kanoniren, und durch Jäger vom linken Ufer heftig feuern, und machte Miene zum Uebergang übers Wasser unter der kleinen Stadt. Dieses zwang den Feind Huy zu verlassen und seine Flucht über das Gebürge zu nehmen, weil die genau am Wasser laufende Chaussee nach Namur von 2. Kayserl. Kanonen vom linken Ufer aus bestrichen wurde. -- Die Oesterreicher giengen übers Wasser, besezten Huy, eroberten 2. Kanonen, machten 1. Officier und etliche Mann zu Gefangenen, und erbeuteten Wagen und Bagage und 15. Pferde. -- Der Feind hat sich hiebey ausserordentlich zerstreut und eilfertig geflüchtet. Man verfolgte ihn aber nicht zu weit, weil es vortheilhafter war die Kette der Vorposten zu besezen.

Nun ist man beschäftigt die eroberte feindliche Vorräthe zu sammeln und nach Lüttich zu führen.

Tagzettel der Haupt-Armee vom 19. Merz. Haupt Quartier Tongern.[]

[5]

Gestern mit Tages Anbruch sah man den Feind in mehreren Kolonnen gegen uns marschiren. Er deploirte sich rechts und links von der Chaussee auf den Anhöhen herwärts Tirlemont, so daß sein linker Flügel an Wilmorsum, sein rechter an Goidsenhoven appuyrt war. Gegen 8. Uhr Vormittags rückte eine Kolonne mit vielem schweren Geschüze auf der Chaussee nach St. Tron bis Orsmael vor, delogirte aus diesem Dorfe unsere Freykorps, und führte ansehnliche Batterien bey der Kirche auf. Se. König. Hoheit liessen sogleich das Geschüz der Avantgarde in Batterien aufführen und demontirten dem Feinde viele Kanonen, die er aber immer mit andern ersezte. Obschon ihm das weitere Vordringen dadurch erschweret wurde, so poußirte er dennoch fortan heftig, und ließ, unter Begünstigung des Terrains, eine Kolonne links gegen Leau, die andere rechts über Racour in unsere rechte und linke Flanke und in unsern Rücken marschiren, um uns so von beyden Seiten zu umgehen, wobey immer hinlängliche Truppen in seinem Centro zum weitern Nachdruck stehen blieben. Nun beorderte der Hr. Feld-Marschall gegen alle diese Kolonnen eben so viele Attaken, und zwar den F. M. L., Prinzen von Würtemberg, mit einem Theile des zweyten Treffens rechts gegen Leau, mit dem andern Theile dieses Treffens den F. M. L. Benjofsky gegen die Chaussee gegen Orsmael und Donmael, des Erz-Herzogs Königl. Hoheit mit 2. Bataillons Sztarai auf das Dorf Orsmael, den F. Z. M., Grafen Clerfait, gegen Racour, der Feldzeugmeister Colloredo hingegen blieb im Centro stehen. Diese Herren Generals griffen jeder den vor sich habenden Feind an, und schlugen mit Gottes Hilfe, ihrer Klugheit und der unbeschreiblichen Tapferkeit der Truppen den Feind allenthalben. Bey Racour führte General Dümourier mit 30000. Mann selbst den Angriff auf den wichtigsten Punkt, von dessen Behauptung unser Schicksahl abhieng; aber der F. Z. M., Graf Clerfait, gieng ihm mit seinem Corps der Reserve, das kaum 7. bis 8000. Mann betrug, entgegen, und schlug den von seinen Truppen bisher angebeteten Dümourier, ungeachtet er alle Kräfte zusammen nahm, und bey Repoßirung seines ersten Treffens den Angriff mit dem zweyten Treffen wiederholt jedesmahl zurück. Während der Attake bey Racour poußirte der Feind eine Colonne auf unser Centrum; aber der F. Z. M., Graf Colloredo, schlug ihn auch hier zurück, delogirte ihn aus Neerwinden, und behauptete das Dorf. Nur die Nacht endigte diese 11stündige Schlacht, und hinderte unsere siegreiche unüberwindliche Truppen, den Feind weiter zu verfolgen. Wegen der ausserordentlichen Tapferkeit, mit welcher der Feind gefochten hat, kostete uns dieser Sieg theuer. Wir haben an Todten und Bleßirten 12. bis 1500., worunter der Major Hugo Odonell todt, General Rebach und Oberster Nische bleßirt und andere viele Officiers sind. Der Feind verlohr etliche 30. Kanonen, wenigstens 4000. Mann Todte und Bleßirte, gegen 200. Gefangene.

Heute bey Tages Anbruch sah man auf der vorigen Posizion des Feindes eine starcke Arriergarde und seine Armee in einem ziemlich unordentlichen Rückzuge begriffen. Feldmarschall Benjofsky wurde mit 6. Bataillons und 10. Eskadrons detaschirt, um ihn zu verfolgen, und brachte durch besonders geschickte Bewegungen auch die feindliche Arriergarde dergestalt zum Weichen, daß der F. M. L. mit seinem Detaschement ganz nahe an Tirlemont steht.

Tagzettel der Kayserl. Königl. Haupt-Armee d. d. Haupt-Quartier Tirlemont vom 20ten Merz.[]

[6]

Der Herr General-Feld-Marschall-Lieutenant Benjofsky hat noch die feindliche Arriergarde über Tirlemont zurückgetrieben, und dieselbe mit seinem Detaschement bis anderthalbe Stunde über Tirlemont verfolgt. Der Feind hat seinen Rückzug mit vieler Gelassenheit und Ordnung gedeckt. Zu Mittag um 12. Uhr ist die Armee rechts abmarschirt und über Tirlemont hinausgezogen. Die 2. Treffen lagerten sich hinter Tirlemont, und den grossen Beethebach im Rücken, die Chaussee nach Löwen in ihrer Mitte, das Corps der Reserve aber auf dem linken Flügel, so daß ihm das Dorf Hugarth im Rücken blieb. Der mit 2. Bataillons M. Wallis und einigen leichten Truppen bey Kempten detaschirte Obriste, Freyherr von Mylius, hatte den Befehl erhalten, den Feind aus Tist, am 20ten zu delogiren, welches er glücklich und mit vieler Geschicklichkeit ausführte, wie dessen nachsteh. R_lation aussaget. "Um 7. Uhr frühe hat Hr. Oberster von Mylius den ersten Angriff auf Tist gemacht, wurde aber repoußirt, worauf bey der 2ten Attacke er von zweyen Seiten in die Stadt eingedrungen, 50. Mañ gefangen gemacht und 1. Kanone und Munitionskarn erobert hat. Der diesseitige Verlust an Todten und Bleßirten besteht in einem Hauptmann und 50. Mann vom Feldwebel an. Der Feind hat sich gegen Herrnthals, da er von der Löwenerstrasse abgeschnitten war, zurückziehen müssen."

Tagzettel aus dem Haupt-Quartier zu Tirlemont, vom 22. Merz.[]

[7]

Am 20. bey Anbruch des Tages marschirte unsere Armee in 3. Colonnen ab. Die erste näherte sich rechts der Löwener Chaussee; die zweite links, und die dritte, welche die Avantgarde ausmachte, nahm ihren Weg nach Tourine.

Als die 2te Colonne auf den Anhöhen ankam, wo sie campiren sollte, fande sie dieselben mit einem zahlreichen Corps Französis. Cavallerie besezt, und das Dorf Blamden, auf welches sich der linke Flügel anlehnen solte, mit vieler feindlicher Infanterie besezt. Der Feind wurde auf allen Seiten angegriffen, aber er that den hartnäckigsten Widerstand: verstärkte und ersezte die zurükgeschlagene Truppen mit frischen, die er aus Löwen, und seinem hinter dieser Stadt befindlichen Lager zog. Das Treffen war sehr blutig; es kostete unserer 2ten Colonne über 400, und dem Feinde mehr als 2000. Mann; inzwischen wurde er doch durch die Tapferkeit der Kayserl. Truppen überwunden, von allen seinen Posten verjagt, und genöthigt, Löwen zu räumen, den Fluß Dyl zu verlassen, und sich hinter Löwen auf der Seite von Brüssel zu flüchten. Die 1te Colonne traf bey Belemberg ein feindliches Corps an, das die Anhöhen zwischen diesem Dorfe und Löwen besezt hatte, um diese leztere Stadt zu decken. Der Feind vertheidigte sich daselbst 7. Stunden lang mit der grösten Hartnäckigkeit, aber gleichwohl wurde er überwunden, und bis über den Dylfluß gesprengt. -- Dieses Treffen war noch blutiger als das der 2ten Colonne, und wir schäzen da unseren noch nicht genau bestimmten Verlust über 500. Mann. Der Feind verlohr mehr als 2000. Unsere Colonne bemächtigte sich 3. Kanonen und eines Pulverwagens.

Der Feind hinterliesse in Löwen ein beträchtliches Magazin; Schrecken und Unordnung vermehrten sich wieder unter seinen Truppen; er verließ den vortheilhaften Posten, den er auf dem Eisenberge hatte, und lagerte sich vor Brüssel zwischen dem Canal und dem Soigneser Wald.

Tagzettel von der K. K. Haupt-Armee d. d. Haupt-Quartier Bierbek vom 23. Merz.[]

[8]

Heute hat die Armee Rasttag gehalten.

Den 24ten: Die Armee ist nach dem Abkochen in einer Kolonne auf der Chaussee durch Löwen defilirt, und hat ihr Lager vorwärts von Löwen genohmen. Das Korps de Reserve des Herrn Feldzeugmeisters, Grafen Clerfait, blieb zu Tourinnes stehen. Auf die eingegangene Nachricht, daß der Feind auch von Mecheln sich zurückgezogen habe, wurde der Oberste, Freyherr von Mylius, befehligt, diese Stadt zu besezen, und ist heute Abend daselbst eingerückt. Die Einwohner der Stadt Löwen haben die K. K. Truppen mit ungemeiner Freude und lautem Jubelgeschrey aufgenohmen.

Den 25sten: Weil der Feind durch das siegreiche Gefecht vom 22sten zum gänzlichen Rückzuge gegen Dornick bewogen worden und in volle Bestürzung gerathen ist, so hat die Armee ihm heute bis und über Brüssel gefolgt. Der Einzug des Herrn Erz-Herzogs Karls K. Hoheit mit dem kommandierenden F. M. in diese Stadt wurde durch den Zusammenlauf vieler tausend Menschen mit grossem Frohlocken und Vivatrufen gefeiert.

Tagzettel der k. k. Armee, Hauptquartier Mons den 5ten April.[]

[9]

Vom 1. April. Die Armee hat Rasttag gehalten. In dem heutigen des F. Z. M. Grafen Clairfait wird die aufrichtigste Freude und das Frohlocken, welches alle Classen der Einwohner von Dornick über den Einmarsch der K. K. Truppen bezeigten, so wie die schönsten Merkmahle von ihrer gänzlichen Ergebenheit für ihren rechtmäßigen Souverain besonders angerühmt. Oberster Michalowich meldet, durch das nach Brüges geschickte Detaschement, nebst dem ansehnlichen Magazine, auch 12. Kanonen vom Feinde alldort erbeutet zu haben; und nachdem sich der Feind nach Nieuport und Färnes zurückgezogen, ist selbiger mit seinen Truppen zu seiner Bestimmung nach Cortrick abgegangen. Oberster Mylius hat die Stadt und Zitadelle von Antwerpen, dann die Posten Lillo und Liefkenshoeck besezt, und seine leichte Truppen die Schelde passiren lassen.

Vom 2ten April. Die Armee hat Rasttag gehalten. F. Z. M. Clairfait hat vor Dornick ein Lager bezogen. F. M. L. Latour ist von Souffillies in die Gegend von Binch gerückt, hat einige leichte Truppen zur Kommunikazion mit Namur zurückgelassen, und wird morgen das Lager vor Mons beziehen. Oberster Mylius ist mit seinen übrigen Truppen von Antwerpen nach Brüges marschirt, von wo er seinen Marsch an seine Bestimmung nach Ypern und Fürnes fortsezen wird. -- Der Preußische General-Lieutenant von Knobelsdorf ist in Antwerpen eingerückt, und hat seine Avantgarde die Schelde paßiren lassen.

Vom 3ten April. Aus dem nachgetragenen Berichte des Obersten Mylius ist ersichtlich daß selbiger am 26sten Merz mit vieler Geschicklichkeit und Einsicht bey der Attake auf Antwerpen zu Werke gegangen, den Feind aus Berchen delogiert, die Vestung aufgefordert und in dem nämlichen Augenblicke eine ihm weit überlegene feindliche Kolonne, welche ihm in seiner rechten Flanke attakirte, durch zweckmäßige Bewegung nach einem zweymahligen und mit heftigen Kanonenfeuer unterstüzten hartnäckigen Angriff repoußirt, wobey er 2. Kanonen, 2. Pulverkarn erobert und 17. Gefangene eingebracht hat. Durch diese so gut ausgeführte Expedition wurde die Kapitulation der Stadt und Zitadelle geschlossen, wo der Feind 93. metallene und 7. eiserne Kanonen nebst dem vorhandenen Magazin übergeben hat. Die in Dinant vom General Werners dem Feinde abgenohmenen Kriegsrüstungen bestehen in 9. zwölfpfündigen Kanonen, 32. Pulverkarren und Lavetten, 1400. Musketen, 500. Fässern mit Pulver und Kugeln, dann 5. Schiffen mit Haber und Heu. Zwischen der in Niederland stehenden K. K. Armee und jener, welche General Dümourier kommandirt, ist ein Waafenstillstand gegen eine 24stündige Aufkündigung geschlossen, und sind beyderseitige Feindseligkeiten eingestellt worden.

Den 4ten April ist bey der Haupt-Armee nichts vorgefallen. Aus Ostende wird berichtet, daß der Feind diese Stadt am 29sten Merz geräumt hat.

Den 5ten April ist das Lager bey Mons bezogen worden.

Tagzettel der K. K. Haupt-Armee d. d. Haupt-Quartier Mons, den 6. April.[]

[10]

Bey der Armee ist nichts vorgenommen worden. Durch die veranlaßte Inventur der im Canale zu Brügges vom Feinde zurückgelassenen 13. Schiffe ist befunden worden, daß 8. Schiffe und Cutter mit 66. theils metallenen, theils eisernen Kanonen, 2. Haubizen und 2. Böllern, dann mit Kugeln und Pulver, auch andern Artillerie-Geräthschaften, ferner 3. Schiffe mit Mehl und 2. mit Haber beladen ware'.

Am 7. und 8. ist bey der Armee nichts neues vorgefallen. Da der Feind das Lager bey Maulde verlassen, sich in seine Vestungen geworfen, und alle Nachrichten vom Feinde dahin übereinkommen, daß er keine beträchtliche Armee zur Unterstüzung seiner Vestungen dermalen im Felde stehen haben könne, wurde der Entschluß gefaßt, die für Niederland wichtige, durch Lage und Kunst wohlbevestigte Stadt Conde einzuschliessen und zu blokiren. In dieser Absicht wurde am 8. der Waffen-Stillstand aufgekündigt, hierauf ist aber

Am 9ten die Armee aus ihren Stationen um Mons aufgebrochen; hat auf den Anhöhen von Ouivrain, den Heinellebach, Crepin, Quivrain, und Baissieux vor ihrer Fronte lassend und mit dem nächsten Flügel an Heußies appuyrt, ein Lager bezogen, und durch die vorpoußirten leichten Truppen die Communication mit Valenciennes abgeschnitten. Das Haupt-Quartier wurde nach Boussü verlegt. Ferner wurde durch das Corps des F. Z. M. Grafen von Clairfait bey Maulde, Bryuille und St. Armand verschiedene Lager genohmen. Wegen Beobachtung der Vestung Lille blieb ein Theil des Clairfaitischen Korps im Lager von Dornick, so wie auch um Maubeuge zu observiren und zu beschäftigen, das Corps des F. M. L. la Tour hat bey Bettigni Posto gefaßt. -- Das preußische Truppen-Korps unter Commando des General-Lieutenants von Knobelsdorf ist in der Gegend bey Dornick eingetroffen.

Tagzettel der K. K. Haupt-Armee d. d. Haupt-Quartier Boussü den 10. April.[]

[11]

Bey der unter gestrigen Dato unternommenen Einschliessung der Festung Conde wurde der Feind in Crepin, Thivencelle, Fresne, Vois de St. Amand, Doumet, Vieux Conte und Cocq von unsern Truppen angegriffen, aus diesen Dörfern und umliegenden Waldungen, nachdem er einige Zeit durch seine beybehaltene Kanonen Widerstand leistete, delogirt und in die Festung zurück gedrukt; unsere Truppen sind aber durch das heftige Kanonenfeuer der Festung von der weitern Verfolgung der nach Conde fliehenden Feinde abgehalten worden. Bey diesem Gefechte und Kanonade sind unsererseits 5. Mann und 4. Pferde getödet und 4. Mann bleßirt worden. Aus Vick, Onneg und Quarouble wurde der Feind nach einem geringen Widerstande delogirt, welcher sich eiligst gegen Valenciennes zurückzog. Conde ist nun ganz eingeschlossen; alles Schlachtvieh aus den umliegenden Dorfschaften wurde zurükgeschaft, 10. Schiffe mit Einwohnern, welche von Conde auf der Schelde abwärts fahren wollten, wurden zurückgewiesen.

Den 11. und 12ten ist, ausser einigen Vorposten-Scharmüzeln, wobey der Feind immer den Kürzern gezogen, nichts bedeutendes vorgefallen. -- Der im Lager von Dornick gebliebene Theil des Clerfaitschen Korps und ein Theil der Preußis. Truppen sind zur Verstärkung der beiden Lager nach Maulde und Brülle abgerükt, die übrigen Preußischen Truppen aber haben das Lager vor Dornick bezogen. -- In der Absicht, der Garnison von Valenciennes oder einem sich dort versammelnden feindlichen Korps die Möglichkeit zu benehmen, sich über Wick die Kommunikazion mit Conde zu eröfnen, ist das bey Quievrain gelagerte Korps der Armee am 13. aufgebrochen, und hat bey Onneg ein neues Lager bezogen. Der Generalmajor Otto wurde mit den leichten Truppen beordert, die feindlichen Vorposten aus dem vor Onneg gegen Valenciennes liegenden Mayerhofe zu delogiren und Posto zu fassen, welches von ihm mit solcher Geschicklichkeit ausgeführt wurde, daß er nicht nur die Vorposten vertrieben, sondern selbst den bis 2000. Mann starken und mit 6. Kanonen versehenen Feind aus St. Sauve durch ei_en 2maligen Angriff, ungeachtet des durch 3. Stunden geleisteten Widerstandes, zurück geschlagen, und bis auf die Anhöhen von Valenciennes verfolgt hat. Mit gleicher Thätigkeit ließ er auch die vom Feinde besezten Dörfer Courgies und Sauldein angreifen und bis unter den Kanonenschuß von Valenciennes verfolgen. Zur nemlichen Zeit machte der Herr General Feld-Zeugmeister, Graf Clerfait, eine Attacke auf den Valencienner Wald, ließ von St. Amand aus den Feind observiren und von der andern Seite über Eshauvont eine Kolonne vorrücken, um den Wald zu umgehen und den Feind von Rande des Waldes und den Anhöhen zu vertreiben. Dieses Gefecht war blutig und anhaltend, und durch die Tapferkeit, mit welcher unsere Truppen den Angriff unterhielten, wurde der Feind aus dem Walde und der Abtey Vicogne, Gammis, Bruay mit Hinterlassung vieler Todten vertreiben. Zwo Kanonen und 2. Pulverkarren wurden erobert und etliche 60. Mann zu Kriegsgefangenen gemacht. Der vertriebene Feind floh mit vieler Unordnung und Eile unter den Schuz seiner Festung.

Tagzettel der K. K. Haupt-Armee d. d. Haupt-Quartier Quieverain den 17. April.[]

[12]

Am 17. dieses haben einige feindliche Kavallerie-Patrouillen unsere Vorposten bey Saultain beunruhiget, der General-Major Otto aber hat sie aus gedachtem Dorf, das sie rasend angriffen, wider verjagt und sie bis unter die Kanonen von Valenciennes verfolgen lassen. Der Feld-Marschall Graf von Clairfait besezte am nemlichen Tag an der Spize des Reservekorps, das Lager zwischen Bruille und Echampons. Am 20. kam der Herzog von York mit den Engl. Truppen zu Courtrai an, wo das Haupt-Quartier ist. Den 21ten rekognoscirte der Feldmarschall Graf Latour auf der Seite von Maubeuge längst der Sambre, um die Aufmercksamkeit des Feindes von dieser Seite an sich zu ziehen, und sein kleines Lager zwischen Maubeuge und Boussay zu überfallen. Der Feind wurde von allen seinen Posten längst dieses Flusses vertrieben, und bis nach Austergnies verfolgt, bey welcher Gelegenheit unsere Truppen eine ansehnliche Zahl Feinde tödteten, verwundeten und 30. zu Gefangenen machten. Unser Verlust bestehet nur in 4. Verwundeten. Zu gleicher Zeit ließ der F. M. L. Latour den Obrist, Fürst von Reuss von Wenzel Colloredo, auf Lonqueville anrücken, bis auf einen Kanonenschuß von Maubeuge, traf aber keinen Feind mehr an. Während der Abwesenheit des Hrn. Obristen sammelte sich wieder der Feind, und griff sehr lebhaft unsere Vorposten bey Bavay an, ward aber zurückgeschlagen. Seinen Verlust wissen wir nicht recht; der unserige besteht in 2. Todten und 5. Bleßirten.


Zeitungsnachrichten.[]

[1793].

Aachen, vom 12 Jenner. [13]

Von der französischen Avantgarde an der Ruhr haben wir noch keine Berichte von einem entscheidenden Vorfalle. Indessen fallen fast täglich zwischen den beyderseitigen Vorposten Scharmüzel vor, die öfters sehr blutig sind. Auch sehen wir von Zeit zu Zeit Wägen mit Verwundeten hier ankommen.

Erwitte vom 11 Jenner. [14]

Das nach den Niederlanden bestimmte königl. preußische Truppenkorps, 20,000 Mann stark, ist bereits in hiesigen Gegenden eingetroffen. Morgen frühe erwarten wir dahier etwa 1000. Reuter, die aber am 13. weiter vorrücken. Der gröste Theil geht durch Münsterland.

Vervier, vom 22. Jenner [15]

Heute sind 300 Französische Nationalfreywillige mit 2 Kanonen hierdurch nach Spaa gezogen. Diesen folgten noch einige andere, welche hier übernachten und sodann morgen ebenfalls nach Spa abgehen. Diese Bewegung, soll die Folge eines Auftrittes seyn, welcher in den Ardennen zwischen den Franzosen und den Vorposten der Beaulieuschen Armee, zum Vortheil der leztern, vorgefallen ist. Auch heißt es, ein anderer Theil von der Armee des Generals Beaulieu mache Miene, sich Namür zu nähern.

Venlo, vom 19. Jenner.

Der strengen Jahrszeit ungeachtet, fangen die Franzosen wieder an, sich in unserer Nachbarschaft stark zu bewegen. Zu Kaldenkirchen, eine Stunde von hier, rükten gestern 800 und in die umliegenden Ortschaften 500 Mann ein. In und um Leuth kamen 200 Mann, so daß sich die Anzahl derselben auf 1500 Mann, theils Reuterey theils Fußvolk, beläuft. Sie führen 2 Feldstüke mit sich, erwarten aber, nach ihrer eigenen Aussage, noch mehrere Kanonen. Aus bracht, unweit Kaldenkirchen, wird berichtet, daß heute Abend 200 Mann mit den Brodwagen und sonstigen Kriegsbedürfnissen allda eintreffen sollen. Einige behaupten, die Bestimmung dieser Kolonne gehe dahin, die herannahenden K. Preußischen Truppen zu beobachten. Andere hingegen sind der Meinung, gesagte Kolonie werde zu einer andern, welche, wie man sagt, nach Wassemberg marschirt ist, stossen, und mit derselben auf die Kaiserl., welche bey und um Erkelens postirt sind, losgehen, um dieselben, wo möglich, zu verdrängen. Der Erfolg dieses Unternehmens soll es eigentlich entschieden, ob die Clairfaitische Armee im Stande seyn wird, sich auf dieser Seite des Rheins zu behaupten.

Jülich, vom 21. Jenner.

Vorgestern kam ein starke Abtheilung Franken zu Fuß und zu Pferde, an die 1000. Mann stark, aus der Gegend von Linnich. Die Kavallerie sezte bey Roerdorf sogleich durch die Roer; die Füsser legten aber in der Geschwindigkeit eine Art von Brücke über diesen Fluß, und rückten, wiewohl ohne Kanonen, hinter ihren Reitern an. Der Zug gieng auf Buschkamp, wo ein österreichisches Jägerpicket, ungefähr 40 Mann stark, Posto gefaßt hatte, welche sich gleich anfangs tüchtig zur Gegenwehr sezten, doch endlich der Uebermacht weichen mußten, nachdem ein paar Mann davon Schußwunden erhalten hatten; da aber das Picket gleich hernach Verstärkung erhielt, so gieng es wieder auf die Franzosen los, und jagte dieselben über die Roer zurük. Auf beiden Seiten war der Verlust unbeträchtlich.

Aachen, vom 23. Jenner. [16]

An die Stelle eines vorgestern von hier abegegangenen Bataillons Französischer Truppen ist gestern wieder ein neues eingerückt. Noch werden 15 Bataillone zur Verstärkung des diesseits der Ruhr stehenden Corps d'Armee erwartet.

Dem Vernehmen nach haben die Franzosen einen Oesterreichischen Vorposten von 50 Reutern nächst der Ruhr aufgehoben. General Lamorliere ist von Rüremond mit einem Corps nach Wassenberg abgegangen, wohin ihm täglich Verstärkung folgt; von da soll er durch das Jülicher Land gegen den Rhein anrücken, um die Operationen des General Stengel von dieser Seite gegen das Clairfaitische Corps zu unterstüzen.

Düsseldorf, vom 25. Jenner. [17]

Die Armeen stehen noch immer in der nämlichen Position, und werden noch 4. bis 5. Wochen so bleiben, bis die erwartet werdende neue Truppen alle angekommen. Da die Franzosen auf der andern Seite der Roer nicht so stark sind, als man sie angegeben, so wäre es wohl ein leichtes, sie bis nach Aachen zurückzutreiben. Allein man will die Truppen auch etwas ausruhen lassen. Von Beaulieu's Armee sind 2. Bataillon von Stouart und 2. von Anton Esterhazy bey der Clairfaitischen Armee zur Verstärkung angekommen. Die Franzosen bemühen sich durch ihr Hin und Hermarschieren ihre Stärke zu maskiren. Unter den Nationalgarden siehet man alle mögliche Farben. Jeder hat einen andern Rock an. Im Jülichschen sind die Bauern sehr gegen sie aufgebracht. Zu Gilgenrath wollten die Franzosen einen Freyheitsbaum aufpflanzen, die Bauern läuteten aber Sturm und nöthigten die Franzosen den Baum selbst wieder anzuhauen. Ohnlängst wollten die Franzosen die diesseits der Roer stehenden Kayserl. Truppen überfallen, und bestellten verschiedene Leiterwagen, die sie in der Nacht über den Fluß bringen sollten. Die Kayserlichen erfuhren es aber, wahrscheinlich durch die Bauren, und es versteckten sich mehrere Jäger in die Gebüsche an der Roer. Da die Franzosen mitten im Fluß waren, krachte es von allen Seiten. Die Fuhrleute sprangen gleich von den Wägen, und die österreichischen Jäger schossen etliche 40. Franzosen herunter, einige sind auch ertrunken. Vor 2. Tagen versuchten die Franzosen wieder in 2. Orten über die Roer zu sezen, wurden aber mit Verlust von 50. Todten zurück geschlagen. Das Michaelowizische Freycorps thut bey solchen Attaken vortrefliche Dienste. Diese Leute schwimmen durch das Wasser wie die Enden, und haben Bravour.

Niederrhein, vom 26 Jenner.

Gestern und heute sind die in Wesel angekommenen Königl. Preußis. Truppen mit ihrem schweren Geschüze über den Rhein gegangen. Sie haben sich in den beyden Königl. Preußis. Städten Moers und Soensbeck und in den Kuhrkölnischen Städten Alpen // . . . . . . . . . // gen in die Dorfschaften verlegt. Täglich treffen Preußis. Truppen in unsern Gegenden ein. Die hieher kommende Armee, zu welcher auch die hannöverischen Truppen und ein Korps Kayserlicher Kriegs-Völker stossen, soll 40. bis 50000. Mann ausmachen.

Aus der Eifel, vom 26. Jenner.

Hier hat man die gesicherte Nachricht, daß gestern 500. Franken aus Malmedi nach St. Veith gekommen sind, um Fourage abzuholen. Da die Kayserlichen Nachricht davon erhalten hatten, so schickten sie ihnen eine Truppenabtheilung entgegen, welche die Franken zerstreuete und 70 Gefangene über dieselbe machten. So viel vernehmen wir nur vorläufig. Die Zahl der Getödeten und Verwundeten ist uns noch unbekannt. Die in Call gelegene Abtheilung von dem odonellischen Freikorps ist heute auf Düren abmarschirt. In hiesiger Nachbarschaft fangen die Kayserlichen an, sehr zahlreich zu werden.

Ruremond, vom 28. Jenner.

Die Annäherung der Preußischen und Oesterreichischen Truppen macht die bey uns stehenden Franzosen aufmerksam. Sie treffen daher alle Anstalten, um nicht über 300 Mann an den Batterien, welche vor dem Ven_oischen Thore aufgeworfen werden. Die Artillerie, so noch immer blos aus einigen Feldstüken besteht, soll erster Tage vermehrt und das la Morlieresche Korps mit mehr als 10000 Mann, meistens Reuterey, verstärkt werden. Die Fourage, welche in den verschiedenen Preußischen Dörfern statt der Brandschazung ausgeschrieben worden, kömmt noch täglich hier ein. Gestern wurden 13 Pferde und 6 Französische Deserteur hier ein gebracht, welche in der Gegend von Wassenberg entkommen waren. Seit einigen Tagen beginnt die Desertion merklich zu werden. Briefe aus Lückischkempen melden, daß Tag auf Tag mehrere Truppen zu Hamont, Achsel, Peer xc. ankommen. Unsere jüngsten Briefe aus Aachen berichten uns, daß die dasige Besazung ausgezogen ist um mit einer nachdrücklichen Macht gegen die Clairfaitsche Armee bey Jülich anzurücken. Täglich erwartet man daselbst 15 Bataillons frischer Truppen, die ebenfalls zur Verstärkung der Armee gegen die Oesterreicher bestimmt sind. In und um Sittard haben die Franzosen eine ansehnliche Fouragelieferung ausgeschrieben; allein, die dasigen Einwohner wollen sich lieber einer Exekution von Seiten der Franzosen aussezen, als diese Lieferung bewerkstelligen. Die Vollziehung des Urtheils über Ludwig XVI hat unter den hiesigen Officieren eine gewaltige Bestürzung verursachet. Sie hatten sich eines edelmüthigern Entschlusses von Seiten des Konvents verseyen. Man sucht den gemeinen Soldaten diese Nachricht sorgfältigst zu verhelen, aus Furcht, daß eine allgemeine // . . . . . . . . . // soll man so was verhehlen können?

Venlo, vom 29. Jenner.

Der Zeitpunkt ist nun nahe, daß der Schrecken des Krieges auch in unsere Nachbarschaft seine Verwüstungen tragen wird. Das Preußische Lager nähert sich mit raschen Schritten, und von Oesterreichischen Truppen waren am vergangenen Freitage 2 Regimenter in der Gegend von Neus. Dieser Tage rekognoszirten die Uhlanen bis über Geldern hinaus, und alle Umstände führen uns auf die Vermuthung, daß man die Französischen Vorposten zu Kaldekirchen nicht lange mehr ruhig lassen werde. Dem äusserlichen Scheine nach zu urtheilen, schicken die daselbst postirten Franzosen sich zum Rückzuge an. Die Abführung ihrer Fourage nach Ruremond, so man seit 2 Tagen wahrnimmt, kann fast nichts anders zur Absicht haben, als um, im Falle eines nachdrücklichen Angriffs, den Rückzug mit mehrerer Fertigkeit bewerkstelligen zu können. Die Anstalten, welche die Franzosen zu Ruremond machen, lassen nicht vermuthen, daß sie willens sind, diese Stadt ohne Gegenwehr zu verlassen. Alle Berichte von da melden einstimmig, daß das la Morlieresche Korps in kurzem noch mit 10000 Mann verstärkt werden soll.

Zufolge einem Briefe aus Rotterdam soll die Landmacht der vereinigten Niederland vorgestern bestimmt worden seyn, nämlich jede Compagnie von den Schweizer-Regimentern mit 50 Mann; jede von der National-Kavallerie mit achtzehen; von der Infanterie mit 15, so daß unsere Truppen in allem mit 14,000 Mann vermehret werden. Hierzu kommen noch die 3. Subsidien-Regimenter von Munster und das 3te Battaillon von Waldeck nebst 2 Brigaden Artillerie zu Pferde.

Gederath, vom 29 Jenner. [18]

Gestern um 7. Uhr Abends haben sich die Franzosen, welche in Wassenberg und auf den Dörfern in der dasigen Gegend zertheilt lagen, über Flodorf zurück gezogen. Drey Stunden vor ihrem Abzuge befanden sich 400. Mann Oesterreicher in Golkerath, und waren darauf bedacht, ihre Feinde aufzuheben; allein, da sie den Abmarsch erfuhren, brachten sie die Nacht mit patrolliren zu. Es dörfte in den dasigen Gegenden bald ernsthafte Auftritte erfolgen.

Venlo, vom 31. Jenner.

Mit dem Abzuge der Französischen Vorposte aus Kaldekirchen hat es seine Richtigkeit. Sie haben sich in der Nacht vom 29ten über Bracht weiter nach Flodorf über die Roerbrücke zurückgezogen. Ein Detaschement von 18 bis 20 Mann, so zu Blerick einige Zeit gestanden, erhielt vorgestern ebenfalls den unerwarteten Befehl, den Ort schleunigst zu verlassen; allein, sie sind heute Nachmittags wieder erschienen. Man versichert von da, daß noch diesen Abend und Morgen über 2000 Mann zu Helden, Baerle, Blerick und in den umliegenden Gegenden erwartet werden. Wahrscheinlich wollen die Franzosen die Maas besezen, um den anrückenden Preußischen Truppen den Uebergang über diesen Fluß zu erschweren, oder ihnen doch wenigstens die Zufuhr an Kriegs- und Mundvorrath streitig zu machen.

N. S. Augenzeugen versichern uns, daß heute Nachmittag ungefehr 1000 Franzosen zwischen Neer und Kessel gesehen worden sind. Diesen soll noch eine Verstärkung von Thoren aus zukommen.

Geldern, vom 31. Jenner.

Bey der Besorglichkeit, in welcher man hier stand, daß die Franken bey uns einen zweyten Besuch abstatten würden, der nicht so freundlich als der erste seyn sollte, erhielten wir gestern ein Anschreiben, daß der Herzog Friedrich von Braunschweig mit 10 Compagnien Grenadier im Anmarsche hieher begriffen sey. Wirklich ist das erste und zweyte Bataillon von Kuninsky und 2 Compagnien Knobelsdorff, unter Anführung Sr. Durchl., hier eingerückt. Diesen Nachmittag wird eine starke Abtheilung Preußischer Infanterie mit einigen 50 Mann Uhlanen in Strahlen eintreffen. So eben berichtet man uns, daß 200 Mann daselbst schon angekommen sind und mehrere erwartet werden. In die umliegenden Dörfer kommen auch diesen Abend noch andere Truppen. Man erwartet auch einen ansehnlichen Zug Artillerie, wozu 340 Pferde sind aufgebotten worden. -- Gestern sollen die Preussen ein Französisches Magazin erbeutet haben.

Xanten, vom 1. Hornung.

Nun sind wir für einen Besuche der Franzosen sicher gedeckt, obgleich ihre Husaren vor kurzem noch bis an unsere Thore streiften. In den hiesigen Gegenden, diesseits des Rheins, stehen jezt 12000. Preussen, theils Kavallerie, theils Infanterie. Der Herzog Friedrich von Braunschweig befindet sich mit dem Haupt-Quartier in Geldern. Erster Tage werden die Husaren von Golz nebst den hanöverischen Truppen hier eintreffen. Die Preussen sind schon in Stralem, und wir erwarten jeden Augenblick die Nachricht, daß sie die Franzosen aus Ruremond verdrängt haben. Auch sollen die holländischen Truppen zu den unsrigen stossen. Es heißt, sie seyn bereits auf dem Marsche.


Gladbach vom 2. Hornung.

Gestern sind die Kaiserlichen und Franzosen auf der Heide zwischen Birgeln und Wassenberg aufeinander gestossen. Man hörte stark aus kleinem Gewehre, auch aus Kanonen schiessen. Heute fielen ebenfalls noch einige Schüsse; von dem Vorgange können wir nichts eigentliches bestimmen.

Wesel, vom 2 Hornung. [19]

Es wird hier eine Schiffbrücke über den Rhein gelegt werden; die Arbeit ist bereits angefangen, und muß binnen 14 Tagen fertig seyn. Allem Anscheine nach müssen noch mehrere Truppen hiehin kommen, denn hier und in Emmerich sind schon beträchtliche Magazine vorhanden, und dem ohnerachtet werden in Xanten und Calcar ebenfalls grosse Magazine angelegt. Man will behaupten, daß nächstens Hannöversche, Braunschweigische, Münstersche und mehrere Reichs-Truppen aus dem Westphälischen und Niedersächsischen Kreise in hiesige Provinz einrücken werden.

Merzenig, vom 5 Hornung.

Gestern war bey Düren nochmahls zwischen den Oesterreichern und Franzosen ein Gefecht, wovon man erst folgende Umstände erfährt. Am Samstage gieng ein Meineidiger von den Kayserl. Vorposten zu den Franzosen über, verrieth diesen die Lage, Stärke und Schwäche der Oesterreicher. Die Franzosen schienen sich dieser Nachrichten bedienen zu wollen, und entschlossen sich, ihr Glück gegen die Oesterreicher zu versuchen. Allein diese bekamen schon Sonntag Wind von diesem Beginnen, und noch am Abend wurde der in Düren liegenden Besazung, welche auf 1500. Mann angegeben wird, der Befehl ertheilt, sich die ganze Nacht hindurch zum Ausrücken bereit zu halten. Montag Morgens um 4. Uhr standen schon alle auf dem Markte unter Gewehr, und nun zogen sie mit Artillerie über die Rurbrücke ihrem Feinde entgegen, den sie wircklich 6. bis 8000 Mann stark in Bereitschaft finden. Die _ _ _ kamen aus der Gegend von Gärzenig und Diederich_weiler. Beym Anzug der Kayserlichen zogen sich die Franzosen zurück, und versteckten sich in das meroder Gebüsch, sie machten dort ein starckes Kanonenfeuer, das aber den Kayserlichen keinen Schaden that. Diese suchten ihren Feind hervor und näher zu ihren versteckten Batterien zu locken, da sie verstellte Rückzüge machten. Die Franzosen liessen sich dann auch näher sehen; allein beym Anrücken der Kayserlichen zogen sie sich wieder zurück. Die Kayserlichen Scharfschüzen näherten sich dem Feinde, doch so, daß sie zum Theile unsichtbar blieben; so oft sie nun den Feind auf 3. und 400. Schritte zum Schusse hatten, brannten sie los, und jedesmahl mit der besten Wirckung. Die Kayserlichen brauchten ihre Kanonen gar nicht, die Franzosen feuerten aber damit von Morgens halb 8. bis gleich nach Mittag, wo sie endlich des fruchtlosen Bestrebens müde sich zurückzogen. Die Kayserlichen zogen um 4. Uhr wieder in Düren ein, und brachten nur 1. Tambour und einige Beute von den Erschossenen mit. Heute sehen wir hier, so weit das Aug reichen konnte, alles von Kayserlichen wimeln, welche sich auf Düren zogen. Vielleicht vermuthet man von Seiten der Franzosen einen neuen Versucht.

Der Pastor zu Gürzenich ist ganz ausgeplündert worden, so wie auch das Kloster Schwarzenbroich, wo sie alles weggenommen, und das übrige zu Grunde gerichtet haben; die Klostergeistlichen sind nach Düren geflüchtet. Den lezten vorigen Monats haben die Kayserlichen diesseits der Rurbrücke bey Jülich einen Generalpardon angeschlagen. Tages darauf errichteten die Franzosen auf der andern Seite einen Freyheitsbaum auf, wobey es zu einem Musketenfeuer kam, und unerwartet der Entfernung drey Franzosen von den Scharfschüzen niedergeschossen wurden.

Venlo, vom 5. Hornung.

Allem Ansehen nach, sind die Franzosen nicht gesinnt, den annähernden Königl. Preußischen Truppen Ruremonde gutwillig einzuräumen. Heute haben sie in gesagter Stadt eine ansehnliche Verstärkung an Truppen erhalten, denen in kurzem noch mehrere folgen werden. Zu Zwalmen, eine Stunde von da, wo ihre Vorposten stehen, wird mit aller Thätigkeit an einer Batterie gearbeitet, welche zu Dekung der Brücke dienen soll. Diesen Abend rückten in Blerik nahe bey unserer Stadt 4 bis 500 Mann mit 4 Kanonen ein. In Wassenberg und Crüchten sind, nach einem Schreiben aus Ruremond, jezt auch Französische Truppen, so daß dieselbe die Roer von Jülich bis an die Mündung dieses Flusses besezt haben. Aus Lüttich wird berichtet, daß es allda von Franzosen wimmelt, und die Fortziehenden immer durch neue ersezt werden. Wir sind hier in Erwartung grosser Dinge. Rechts in unserer Nachbarschaft steht ein starkes Korps Preussen, wozu noch vor Ablauf dieses Monats das Hannöverische, Münsterische und Paderbornische Reichskontingent stossen wird. An der andern Seite haben wir die Clairfaitsche Armee, welche jezt durch verschiedene Verstärkungen auf mehr als 30000 Mann anwachsen wird. Es könnte also ehestens etwas entscheidendes vorfallen.

Gladbach, vom 6. Hornung.

Bekanntlich waren hier am 2ten dieses für 600 Kaiserl. Uhlanen Quartier angesagt worden. Demnach wurde zu ihrer Verpflegung und Unterbringung der Pferde alles nöthige bewerkstelligt; diese Mannschaft ist aber nicht eingetroffen. Vermuthlich hat sie eine andere Bestimmung erhalten. Die Kaiserlichen sind aus Erkelenz und der dortigen Gegend weggezogen.

Orsoy, vom 8. Hornung. [20]

Hier und zu Rheinberg werden Magazine angelegt; lezterer Ort aber mit einigen Verschanzungen versehen werden. Zu Ruremond arbeiten die Franken mit verdoppelten Kräften an neuen Verschanzungen. Es scheint, als wenn sie da einen ernsthaften Angriff abwarten wollen. -- Zu Wesel wird künftige Woche die Brücke über den Rhein zu Stande gebracht, um desto leichter das schwere Geschüz hinüber zu bringen. Die Golzischen Husaren, so wie auch einige tausend Hannöverische und Münstersche erwartet man täglich, die alle über den Rhein sezen werden, sobald die Brücke im Stande ist.

Köln, vom 10 Hornung.

Die Kaiserl. und Französische Vorposten feuern von beyden Ufern der Rur beständig auf einander. Dieser hochangeschwollene Fluß ist jezt die Scheidewand zwischen beyden Theilen, und daher entstehet die Ursache, daß nunmehr 6 Posten aus Frankreich, eben so viel aus den Niederlanden, und zwey aus Holland fehlen.

Düren, vom 9 Hornung.

Seit dem lezten Vorfall am 4ten dieses ist es wieder stille. Man erzehlt noch, daß die Franzosen nach ihrem Abzuge sich wieder zum Theil nach Schwarzenbroich gezogen, und dort die Kühe und Schweine, die sie noch zurückgelassen, tod geschlagen, und alles übrige nun völlig verdorben haben. Auf einen Tag sind schon 2 Französische Trompeter hieher gekommen. Was sie wollen, weis man nicht.

Aachen, vom 9. Hornung. [21]

Die französis. Vorposten haben nach einem hartnäckigen Gefechte die Oesterreicher aus Wassenberg, Birgeln, Esselt xc. vertrieben, worauf leztere sich nach Erkelens zurückgezogen haben. -- Gestern und vorgestern sind die nächstgelegenen Oerter Vaels, Gülpen, Heerle im holländischen Antheile von Limburg durch französische Detaschements besezt worden. Mastricht ist seit dem 6ten von französischen Truppen blockirt, welche dieser Vestung zu Wasser und zu Lande alle Zufuhr abschneiden.

Cleven vom 13 Hornung.

Die Armee des Herzogs Friedrich von Braunschweig ist nunmehr mit der Clairfaitschen dergestalt vereiniget, daß beyde sich in wenigen Stunden Zeit Hilfe leisten können. Wie wir vernehmen, so ist wircklich ein Theil unsers Kriegsheeres in Venlo eingezogen.

Neersfluß, vom 13. Hornung.

Es hat seine Richtigkeit, daß ein Korps Königl. Preußischer Truppen mit einigen Kayserl. Uhlanen nunmehr zu Venlo eingerückt ist. Gesagtes Corps griff vorgestern die in dem Dorfe Blerick gelegenen Franzosen an, schlug dieselbe, machte die übrigen zu Kriegs-Gefangenen, und eroberte einige Kanonen.

Venlo, vom 18. Hornung. [22]

Wir sind noch immer fast in der nämlichen Lage. Die Wachsamkeit, der Muth und die Kriegszucht der bey uns befindlichen Preußis. Truppen übersteigen alle Einbildung. Dem äusserlichen Scheine nach, ist es noch weit davon entfernt, daß die Franzosen im Stande seyn solten, etwas wichtiges gegen unsere Stadt zu unternehmen. Die jenseits der Maas auf der Seite von Blerik aufgerichtete feindliche Schanze ist in guter Ordnung; man entdekt aber höchstens 2. bis 3. Kanonen darauf, die nicht vermögen, gegen die ansehnliche Artillerie, so wir schon hier hatten, geschweige gegen diejenige, so vorgestern noch hieher gebracht worden ist, Stand zu halten. Auch läßt sich aus den Bewegungen der Franzosen nicht urtheilen, daß sie zahlreich an Mannschaft seyn solten. Gestern sind Se. Hochfürstl. Durchl., der Herzog Friedrich von Braunschweig, hier eingetroffen und noch am nämlichen Tage nach dem Hauptquartier in Kempen abgegangen. Nämlichen Tage Nachmittags kamen 2. Französis. Deserteur hier an, welche mittelst eines Kahnes über die Maas entkamen. Von ihren starck abgenüzten Kleidungsstücken zu urtheilen, müssen ihre Truppen starcken Mangel daran leiden. Aus dem Cücker Gebiete wird berichtet, daß dasselbe sowohl als Boxmeer, Vierlingsbeek xc. durch die Franzosen besezt ist.

Gederath, vom 23. Hornung. [23]

Heute ist bey den Vorposten zwischen Wassenberg und Erkelens ein scharfes Gefecht vorgefallen, welches bey 2. Stunden dauerte. Die Franzosen verlohren dabey 40. Todte und viele Verwundete. Auch machten die Kayserl. 11. Mann von ihren zu Gefangenen. Kayserlicherseits sind 2. Mann todt geblieben und einige verwundet worden. So viel in Eil.

Von der Rur bey Jülich, vom 24. Hornung. [24]

Gestern gegen Mitternacht wurden die an den Vorposten nächst liegenden Truppen aus Titz, Jakerath xc. auf einmal beordert, nach der Gegend von Erkelenz schleunigst aufzubrechen. Man hatte Nachricht, die Franzosen wären in grosser Anzahl versammlet, und willens das Kloster Hohenbusch auszuplündern. Gegen 6. Uhr Morgens stiessen die Vorposten zusammen; sie hatten aber beyderseits keine Kanonen bey sich, und wurden also sehr bald handgemein, wobey es den Franzosen übel gieng, wiewohl sie vielmal stärker waren, als die Kayserlichen: über 100. Franzosen blieben todt auf dem Plaze liegen, und eine Menge ward zu Gefangenen gemacht, sogar die wenigen Kayserlichen, welche in Titz liegen, haben für ihr Theil 10. Gefangene eingebracht; von den Kayserlichen ist nur ein Corporal und 3. Gemeinen todt geblieben. -- Die Franzosen jenseits der Rur führen ihre meisten Kanonen gegen Mastricht; sie scheinen nach dem, was man hier von ihnen höret, ganz zerstört und ausser sich; keiner darf mehr des Nachts aus seiner Kleidung, und jeden Augenblik bereit zu seyn, vermuthlich zum Abzuge, wozu es immer mehr Anschein gewinnt. Das Ausreissen unter den Franzosen wird immer stärker; täglich, fast stündlich arbeiten sie sich herüber.

Frankfurt, vom 4 M_rz. [25]

Aus dem Kayserl. Haupt-Quartier ist folgender Bericht unter dem 1. Merz hier angekommen; die Kayserlichen bemächtigten sich der Verschanzungen bey Aldenhoven am 1. Merz, verfolgten die fliehenden Franzosen bis zu einer andern vortheilhaften Stellung, vertrieben sie auch von dorten, nahmen denselben 12. Kanonen, viele Munitionswägen, Pferde und Bagage ab, und machten einige hundert zu Gefangenen, wovon aber die meisten tödlich verwundet sind. Auf dem Plaze blieben mehr als 2000. Franzosen. Von den Kayserl. wurden nur 30. bis 40. Mann getödet u. verwundet. Die Kayserl. Cavallerie that Wunder der Tapferkeit. Die Infanterie, die Jäger ausgenohmen, kam gar nicht zum Treffen. Die Franzosen fiengen wie gewöhn- mit einer lebhaften Kanonade an, man erwiederte es fast gar nicht, sondern drang auf sie loß. Die Franzosen waren bey 8000. Mann starck.

Der heutige Kourier, der mit dieser Nachricht hier durch nach Wien passirt, kan nicht genug die Tapferkeit und den unerschrockenen Muth schildern, mit welchem die Kayserl. Cavallerie sich hervorgethan. Sie war ganz in Wuth und mezelte alles nieder. Der Verlust von 3. ausgezeichneten Officieren ist sehr zu bedauern, worunter sich der Obrist Baron von Pforzheim vom Dragonerregiment de la Tour befindet. Tags darauf sezte die Armee ihren Marsch weiter fort, und will a, 4. dieses die Franzosen bey Mastricht angreifen.

Niederrhein, vom 3 Merz. [26]

Die Kayserl. Armee ist nach dem Siege bey Aldenhoven nach Herzogenrath marschieret; der rechte Flügel lehnte sich aus Geilenkirchen, und der linke auf Aachen. Der Feind hatte sich zu Herzogenrath starck verschanzt, aber ohne einen Angriff abzuwarten, ein paar Stunden vor Ankunft der Kayserlichen sich davon gemacht und den Weg nach Mastricht genommen. Der linke Flügel der Armee unter Commando des Herrn Feldmarschallieutenants Prinzen von Wirtemberg hat die Stadt Aachen mit Gewalt einnehmen müssen, welche von 6000. Franzosen vertheidigt ward. Tausend Mann dieser leztern sollen in Aachen niedergehauen worden seyn, auch wurden mehrere Kanonen erobert. Die nach Mastricht entflohene Franzosen haben unter ihren dasigen Kriegsgefährten einen so grossen Schrecken verbreitet, daß sie die Belagerung von Mastricht aufgehoben, und in gröster Unordnung über die Maas zurück nach Viset gelaufen sind. Die sie verfolgende Kayserliche richteten noch eine grosse Niederlage an, wovon die nähern Nachrichten stündlich erwartet werden. So viel weiß man indessen, daß die Kayserlichen bis jezt 22. Kanonen erbeutet haben. Die Franzosen standen schon 14. Tage lang vor Mastricht, forderten den 24. Februar den Commandanten zur Uebergabe auf, und nach deren Verweigerung, fiengen sie an die Stadt so heftig zu beschiessen, daß viele Häuser abbrannten. Mehr als 2000. Bomben hatten sie in dieselbe geworfen, und eben wollten sie den Anfang mit glühenden Kugel machen, als sie über Hals und Kopf davon mußten. Morgen soll Rüremonde angegriffen werden, und dem nach Viset entflohenen Feinde ist ein Corps nachgeschikt worden. -- Der Herzog von Yorck ist glücklich mit 2000. Mann von der Garde seines Vatters, des Königs von Engelland in Holland angekommen.

Eschweiler, vom 4. Merz.

Der Hr. F. M. Prinz von Koburg, ist gestern um 1. Uhr Mittags in Mastricht eingerückt, wo die Franzosen die Belagerung eiligst aufgehoben und sich nach Lüttich zurückgezogen, auch einige Kanonen hinterlassen haben. In Aachen ist es den Franzosen ebenfalls nicht gut gegangen. Ihr Korps hat sich bis über gesagte Stadt zurückgezogen, ohne das weder auf dem rechten, noch dem linken Flügel der K. K. Armee ein Kanonenschuß geschehen sey. Die Oesterreicher haben Wunder gethan, besonders die Kavallerie, welche bis in die Redouten geritten, alles zusammengehauen und alles Geschüz weggenohmen haben. -- Royal-Allemand hat in einem Defilee 1600. Franzosen zusammengehauen, ohne einen Mann zu verliehren. Eben so viele wurden vom linken Flügel von Düren herwerts getödtet. Das Regiment la Tour hat ungefehr 600. zusammengehauen. Im Ganzen kan man sicher rechnen 4000. Todten, 600. Gefangene, deren aber viele Blessiert sind.

Aachen, vom 8. Merz. [27]

Die Zahl der hier begrabenen Franzosen, belauft sich auf 55. Täglich kommen hier noch eroberte Kanonen und Munitionswägen an, die weiter über Jülich fortgebracht werden. Glücklich sind wir, daß uns die Franzosen nichts mitnehmen konnten. Würcklich standen schon an der Münsterkirchen 4. grosse Wagen bereit, um sie mit den besten Kostbarkeiten zu beladen, allein die Kayserl. kamen ihnen zu schnell auf den Hals, und zogen also leer ab. Bald kommt hier wieder alles ins vorige Gleis, und die nie geliebten Neuerungen verschwinden schneller als sie entstanden. Bis Sontag heißt es, soll hier ein Danckfest gehalten, und Abends die ganze Stadt erleuchtet werden. General Beaulieu soll dem Vernehmen nach schon in Namür seyn. Vieles Blut kostete die Einnahme Lüttichs. Die Einwohner hatten mit den Franzosen gemeinsame Sache gemacht, und sich mit zur Gegenwehr gesezt. Sogar aus den Kellerlöchern sollen sie auf die Kayserlichen gefeuert, und die Weiber siedendes Wasser auf selbige gegossen haben. Durch diesen hartnäckigen Widerstand aufgebracht, drangen sie nun wüthend ein, hieben alles nieder, und straften andere durch Plünderung. Von den Aufrührern wagt es nun niemand mehr, sich öffentlich sehen zu lassen, und die blutigen Auftritte vom 4. und 5. dieses wo verschiedene Köpfe flogen, schreckte sie auf einmahl in die Schlupfwinkel zurück. In einem Zeitraum von 8. Tagen, warfen die Franzosen mehr als 8000. Bomben auf Mastricht. Zu verwundern ist es, daß von den Belagerten demohngeachtet so wenig umkamen, allein ein grosser Theil der Häuser hat sehr gelitten. Die französische Armee hat auch Tongern räumen müssen, welches von den Kayserl. bereits besezt ist. Sie hält sich nun noch hinter Borchloen zwischen Tongern und Löwen, vielleicht aber doch nicht lange.

Herve, vom 8. Merz.

Der Prinz-Würtembergische Armee steht noch in Lüttich. Man hat alldort an Kriegsbedürfnissen überhaupt sehr viel erobert. Der Prinz von Koburg verfolgt die Neufranken auf dem Fusse, und ist Tirlemont paßirt. Man wil behaupten, daß in Tongern ein Schaz von 16 Millionen in Gold gefunden und sehr grosse Summen an Aßignaten aufgehoben worden.

Venlo, vom 11. Merz. [28]

Die abwechselnden Ereignisse dieser Tage folgen einander mit einer fast unbeschreiblichen Schnelligkeit. Das Haupt-Quartier des Kayserl. soll bereits in Tirlemont seyn. In Löwen sollen sich noch einige tausende Franzosen befinden, welche Widerstand leisten zu wollen scheinen; da sie aber allenthalben eingeschlossen sind, so sieht man nicht ein, wie es ihnen möglich seyn werde, sich aus der Gewalt ihrer Ueberwinder loszureissen, um somehr, da die Einwohner von Brabant sich überall mit den Oesterreichern vereinigen, um gegen die Franken-Nation zu kämpfen, so daß man aus allem schliessen kan, daß der Rückzug der Franzosen weder so glücklich, noch so rühmlich seyn dörfte, als jener, wodurch der verdienstvolle General, Graf Clairfait, seinen Heldennamen auf ewig unsterblich gemacht hat. Man rechnet, daß bis den 15ten dieses das Haupt-Quartier der K. K. Armee zu Mons in Hennegau seyn, und so ganz österreichisch Niederland wieder unter dem Zepter Franz II., des Vielgeliebten, Kaysers der treuen deutschen Nation, stehen werde. Schon vor drey Wochen hatten die Belgier ein Geschenk von 12. Millionen für ihren geschäzten Souverain in Amsterdam niedergelegt. Zwölf andere Millionen sollen angebotten worden seyn und ausbezahlt werden, sobald die Kayserlichen den ersten Fuß in Brüssel sezten. Dreysigtausend Niederländer stehen in Bereitschaft, um sich mit der siegreichen Armee der Oesterreicher zu vereinigen und gesammter Hand den Franken das Ziel zu stecken.

Cleve, vom 13 Merz. [29]

Vorgestern stand die Kaiserl. Armee unter Anführung des Erzherzogs Carl zu Tongern, ihre Vorposten aber erstreckten sich bis nach St. Trond und Hasselt.

Lüttich, vom 13. Merz.

Heute rückt die Kolonne des Prinzen von Würtemberg theils über Orey, theils über Huy vor. General Beaulieu marschirt schon seit 3. Tagen über Marche gegen Namur. Die Armee des F. M. Prinzen von Koburg ist ebenfalls in Bewegung. Der Feind soll sich in der Gegend von Löwen gesammelt haben. Also stehen bald, ja stündlich siegreiche Nachrichten zu erwarten.

Hasselt, vom 12. Merz.

Die siegenden Kayserlichen sind hier eingerückt und haben ein reiches Magazin vorgefunden. Die Franzosen haben nun auch Tirlemont verlassen, das dasige Magazin hinter sich in Brand gesteckt, und sich auf Löwen gezogen. Die Verwirrung unter den Generals und Truppen wird immer grösser, auch die furchtbar gemachten Linien-Truppen verliehren Muth und Fechtlust, und reissen häufig aus.

Wien, vom 18 Merz. [30]

Seit 4 Tagen folgen die Siegesnachrichten schnell aufeinander; ein Unterlieutenant brachte die Nachricht von der Verjagung der Franzosen von dem Roerflusse; ein Oberlieutenant jene von der Wegnahme von Aachen, und ein Rittmeister jene der Entsezung von Mastricht. Se. Maj. sagten hierüber im Scherze: wenn das so fort geht, so können wir bald bis zum Obersten kommen. Die Freude aller hiesigen Einwohner über den glüklichen Anfang dieses Feldzuges ist unbeschreiblich, um so mehr, als man hier aus officielen Berichten wußte, daß Mastricht nur 5000 Mann Besazung hatte, und sich über 8 Tage nicht hätte halten können.

Lüttich, vom 22. Merz. [31]

Nach eben hier eingehenden Berichten, sind die K. K. Truppen nun in Löwen eingerükt, und haben daselbst 3. Bataillons zur Besazung gelassen.

Cölln, vom 25. Merz. [32]

So eben erhalten wir die sichere Nachricht, daß die kaiserl. Truppen nicht nur von Brüssel, sondern auch von Mecheln Meister sind. Die Franzosen ziehen sich über Niville und Mons mit vieler Ordnung zurück. Am 22. dieses wurden sie nochmahls auf der linken Seite von Löwen geschlagen, und verlohren 3500. Mann und 4. Kanonen. Ihren ganzen Verlust seit dem 15ten dieses kan man auf 16000. Mann rechnen. In der Schlacht am 19. ritte Dümourier durch die Reihen, feuerte die Mannschaft mit den Worten an: es geht gut, meine Freunde! der Sieg ist unser xc. Auf ihrem Rückzuge thaten sie durch eiserne Fußangeln, die sie überall hinwarfen, der kaiserl. Cavallerie vielen Schaden.

Andenne, vom 26 Merz. [33]

Ich melde ihnen hiemit, daß die Franzosen in vergangener Nacht aus Namur abgezogen sind. Die Oesterreicher sind heute um 8 Uhr Morgens daselbst eingezogen. Der Feind hat alle seine Canonen auf den Wällen gelassen. In Namur ist nun alles in lautem Jubel. Man läutet mit allen Glocken und die Luft ertönet vom frohen Vivat.

Köln, vom 29 Merz.

Nach eben eingetroffenen Berichten, soll die französische Armee theils durch Flandern auf Lille, theils durch Hennegau auf Valenciennes abgezogen, und die Kaiserlichen schon in Mons eingerückt seyn.

Brüssel, vom 30. Merz. [34]

Gestern ist General Clairfait an der Spize einer Colonne Oesterreichischer Truppen in Flandern eingerückt, und folgt den Franzosen auf dem Fuße nach; Erzherzog Carl hingegen hat das Commando der Colonne übernohmen, die sich auf Mons zieht, neckt den Feind unaufhörlich und jagt ihm viele Gefangene ab. Die Hauptarmee unter dem Prinzen von Coburg begnügt sich einstweilen mit der Verdrängung der Franzosen aus den Niederlanden, und wird alsdann erst den Feldzug auf feindlichem Boden eröffnen, wenn die Preußischen Truppen sich völlig an ihn angeschlossen haben. Auch wird das schwere Belagerungsgeschüz erst erwartet, und soll selbiges gegen Anfangs April zu Köln eintreffen. Es hat also das Ansehen, daß man nur mit einer fürchte~~e' Macht in Franckreich eindringen werde, um desto gewissere und schleunigere Fortschritte machen zu können, und da d~~fte es noch bis an den May dauern, bis die grosse militairischen Unternehmungen ihren Anfang nehmen. Gestern und heute sind noch viele Truppen und Artillerie durch hiesige Stadt gezogen, welche ihren Marsch auf Gent richten. Stündlich werden Französische Gefangene und Verwundete zu ganzen Wagen voll hier eingebracht. Die Franzosen von der Nordlegion laufen in Menge davon. Sie kommen hier truppenweise an. Aus Mons vernimmt man, daß die Franzosen vor ihrem Abzuge daselbst ihre Heu- Stroh- Haber- und Fruchtmagazine in Brand gesteckt haben. Die Flamme ergrieff auch das ehemalige Klarissenkloster; wurde aber von den Franzosen selbst gelöscht.

Am 23ten soll Dümourier einen Trompeter an den Prinzen von Coburg geschickt und einen Waffenstillstand von 6 Tagen verlangt haben, binnen welchen er die sämmtlichen Niederlande räumen würde; man versichert aber, ersterer habe zur Antwort erhalten, daß er thun könne, war ihm gut dünke; allein, er brauche auf keinen Stillstand Rechnung zu machen.

Mons, vom 6. April. [35]

Nach einem so eben hier eingehenden Berichte, ist die Jakobiner-Armee nun zum Theil zerstreuet. Was die Linien-Truppen angeht, davon befindet sich eine beträchtliche Anzahl bey uns. Bis jezt zehlt man deren schon bey 20000. Mann. Ausser den kleinen Truppen zu 50. bis 60. Mann sind gegenwärtig 11. französische Regimenter, meistens Kavallerie, zu uns übergegangen, unter welchen Kolonelgeneral Husaren, Bourbon Dragoner, Berchini Husaren, Chamboran Husaren, Royal Cravate Dragoner, Vivarais, Couronne, Conde Infanterie. Lezteres hatte sich in die Stadt Conde geworfen, sich der dasigen Besazung bemächtigt und dem Prinzen von Sachsen-Koburg die Ueberlieferung derselben angetragen. Der Herr Feld-Marschall schickte demnach seinen General-Adjutanten, Obristen, Freiherrn von Mack, nebst dem ehemaligen Französis. Generale mit 2. Bataillons ungarischer Grenadier dahin, bey deren Ankunft das Französische Regiment Conde die Waffen ablegte und den Oesterreichern Stadt und Vestung einräumte.

Boussü, vom 12 April. [36]

Allem Vermuthen nach, wird das K. K. Hauptquartier nicht lange hier verbleiben, um somehr, da es in der Vestung Conde, die seit vorgestern völlig berennet ist, an Lebensbedürfnissen so weit gebricht, daß die Besazung auf halbe Portion gesezt worden seyn soll. Uebrigens ist die Armee gestern und heute gegen Valenciennes vorgerückt.

Brüssel, vom 15. April. [37]

Der K. K. bevollmächtigte Minister, Graf von Metternich, ist am 10ten dieses von der Reise nach Antwerpen wieder hier eingetroffen. -- In Ostende sind bereits 7000. Mann englischer Truppen, und die Ankunft der Hannoveraner wird nun mit ehestem erwartet, um so mehr, da der Vortrap derselben schon im holländischen Brabant eingerückt ist.

Gestern wagten die Franzosen aus Valenciennes mit 6000. Mann einen Ausfall auf unsere Vorposten. Erzherzog Carl führte das Commando, und schlug den Feind mit vielem Verluste zurück. Er eilte dem rückziehenden Feinde mit solcher Eilfertigkeit nach, daß dieser sich, um seinen Rückzug zu decken, gezwungen sah, ein Dorf in Brand zu stecken. Man zweifelt nicht, Franckreich und die Grenzvestungen werden jezt von verschiedenen Seiten zugleich angegriffen werden. Dies soll wenigstens der Aufschluß der zu Antwerpen gehaltenen grossen Berathschlagung gewesen seyn, der Convent möge auch in Rücksicht der Königl. Familie drohen oder versprechen, was er immer wolle. Schon ist in wenigen Tagen viele schwere Artillerie aus Holland hier angekommen, und man erwartet noch mehreres Geschüz von dieser verbündeten Macht, um desto eher die Belagerungen vornehmen zu können. Heute erhielt Dümourier, welcher seit einigen Tagen hier in Brüssel war, die zweyte und lezte Audienz bey Sr. Excel. dem Hrn. Minister; sie dauerte anderthalb Stunde, und Dümourier schien nach seinem Aussehen zu urtheilen etwas unzufrieden abzutreten. Morgen wird er als Privatmann seine Reise nach der Schweiz antreten.

Brüssel, vom 23. April. [38]

Der Gouverneur von Conde hat die Schleusen eröffnen lassen und dadurch die Stadt eine Stunde weit rund herum unter Wasser gesezt. Dem ungeachtet glaubt man, daß die Vestung sich ehestens an unsere Truppen werde ergeben müssen, weil der Mangel an Lebensmitteln sich schon sehr heftig darin spüren läßt. Die Besazung ist bereits auf halbe Razion gesezt und bey jedem Bürger eine Haus-Untersuchung vorgenohmen worden, um alle etwa vorfindliche Lebens-Mittel wegzunehmen. Die Besazung hat 2. Ausfälle gewagt, um die Oesterreicher zu hindern, sich der Stadt zu sehr zu nähern; allein, die Franzosen wurden jedesmahl mit grossem Verluste zurückgeschlagen. Auf einer andern Seite hat ein Korps unserer Truppen sich von Bavai Meister gemacht, und die auf den Anhöhen von Hausin verschanzten Franzosen auf diesem vortheilhaften Posten, von wo Valenciennes bestrichen werden kan, angegriffen. Nach einem sehr langen und blutigen Kampfe erstiegen unsere Truppen die feindlichen Batterien, eroberten verschiedene Kanonen und machten einige Gefangene. Die Franzosen haben viele Leute verlohren. An eben dem Tage ereignete sich ein zweyter Auftritt in dem Walde bey Raismes, aus welchem die Feind zurückgeschlagen wurde und sich in Eil unter die Kanonen seiner Vestungen zurückziehen mußte Die Rysseler-Besazung ist bey einem neuen Ausfalle nicht glücklicher gewesen, als bey dem ersten. Sie hatten zwar einige Vortheile über unsere Vorposten, die ihr aber nach erhaltener Verstärckung so zu Leibe sezten, daß sie mit Verlust in ihre Mauren zurück gedrängt wurde.

Vorgestern hatten wir beynahe das unübersehbahre Unglück, unsern Erz-Herzog Carl in die Gefangenschaft der Franzosen zu verliehren; der Prinz recognoscirte bey Valenciennes, und wagte sich dabey so sehr, daß er wircklich vom Feinde überrascht, und in wenigen Augenblicken umrungen wurde. Zum Glücke eilte das Murraysche Infanterie-Regiment herbey, und ward sein Retter. Er kömmt morgen auf Anordnung des Prinzen von Koburg hieher, und wird nun, weil er sich zu vieler Gefahr aussezet, nicht mehr zur Armee abgehen, sondern das Schloß Laeken beziehen, da der hiesige Pallast von den Verwüstungen der Franzosen noch nicht hergestellt ist.

Feldlager bey Valenciennes, vom 24. April. [39]

Am 22sten dieses sind 2. Regimenter Hanoveraner und 4. Regimenter Engelländer zu Fuß bey Conde auf unserm rechten Flügel eingerückt. Die Kavallerie soll erst in einigen Tagen nachkommen. Sie der Einrückung obigen Truppen hat die grosse Armee eine neue Position bekommen. Sie umzingelt nunmehr die 3. Vestungen Valenciennes, Conde und Ryssel. Man erwartet hier noch 5. Bataillons Kayserl. und das zur Belagerung erfoderliche grobe Geschüz. Sobald dieses eingetroffen seyn wird, so soll der Tanz auf Valenciennes losgehen. Unsere Officier, und besonders jene von den Pikets, gehen bis zur Vestung Valenciennes, vor welcher wir stehen, bis auf die Glacis, und die Franzosen stellen sich auf die Wälle und Mauern, und bieten den unsrigen gute Nacht. Man sollte sagen, wir lebten mit ihnen in vollkommenem Frieden. Seit dem 19ten höret man aus der Vestung keinen Schuß weder aus dem groben noch kleinen Geschüz.

Quellen.[]

  1. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Merz, 1793. Num. 21.
  2. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Merz, 1793. Num. 21.
  3. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 16. Merz, 1793. Num. 22.
  4. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Merz, 1793. Num. 23.
  5. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 30. Merz, 1793. Num. 26.
  6. id.
  7. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 3. April, 1793. Num. 27.
  8. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 3. April, 1793. Num. 27.
  9. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 17. April, 1793. Num. 31.
  10. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 24. April, 1793. Num. 33.
  11. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 27. April, 1793. Num. 34.
  12. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 4. May, 1793. Num. 36.
  13. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 23 Jenner, 1793.
  14. id.
  15. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 2 Hornung, 1793. Num. 10.
  16. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 6 Hornung, 1793. Num. 11.
  17. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9 Hornung, 1793. Num. 12.
  18. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Hornung, 1793. Num. 13.
  19. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 16. Hornung, 1793. Num. 14.
  20. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Hornung, 1793. Num. 15.
  21. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Hornung, 1793. Num. 16.
  22. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 2. Merz, 1793. Num. 18.
  23. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 6. Merz, 1793. Num. 19.
  24. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Merz, 1793. Num. 20.
  25. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Merz, 1793. Num. 20.
  26. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Merz, 1793. Num. 21.
  27. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Merz, 1793. Num. 23.
  28. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Merz, 1793. Num. 24.
  29. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Merz, 1793. Num. 24.
  30. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 27. Merz, 1793. Num. 25.
  31. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 30. Merz, 1793. Num. 26.
  32. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 3. April, 1793. Num. 27.
  33. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 6. April, 1793. Num. 28.
  34. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 10. April, 1793. Num. 29.
  35. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 17. April, 1793. Num. 31.
  36. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 24. April, 1793. Num. 33.
  37. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 27. April, 1793. Num. 34.
  38. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 4. May, 1793. Num. 36.
  39. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 8. May, 1793. Num. 37.

Literatur.[]

  • Kurze Uebersicht des Feldzuges im Jahr 1793 zwischen dem Rhein und der Saar von einem unpartheiischen Beobachter. Aus dem Tagebuch eines bey der Alliirten Armee befindlichen Englischen Officiers frey übersetzt. Frankfurt und Leipzig 1793.
  • Kurze Uebersicht der Campagne von 1793, vorzüglich in Rücksicht des im Felde gestandenen Corps Königl. Chur-Hannöverischer Truppen. Von einem Officier derselben. Hannover, bey den Gebrüdern Hahn. 1794.
  • Freimüthige Briefe eines Engländers über den Feldzug des Herzogs von Braunschweig und des General Wurmsers. Uebersicht des Feldzugs im Jahr 1793. Germanien, 1794.
  • Ueber den Feldzug der Preußen gegen die Nordarmee der Neufranken im Jahr 1793. Von einem Beobachter, welcher die jetzigen Feldzüge der verbündeten deutschen Heere mitmacht. Stendal, bei Franzen und Grosse, 1795.
  • Geschichte der vereinigten Sachsen und Preussen, während des Feldzuges 1793. zwischen dem Rheine und Saar in Form eines Tagebuches von einem Augenzeugen. Mit sechs Kupfertafeln. Dresden und Leipzig, in der Richterschen Buchhandlung, 1795.
  • Tagebuch von dem Theil des Feldzuges der Königl. Preuss. Truppen an dem Nieder-Rhein im Jahr 1793 in welchem der Herzog von Braunschweig-Oels das Commando über dieselben führte, nebst denen dazu erforderlichen Belägen. Von einem Königl. Preuss. Officier der diesen Feldzug mitgemacht hat. Breslau 1796. bey Wilhelm Gottlieb Korn.
  • Der Feldzug der Preussen gegen die Franzosen in die Niederlanden im Jahr 1793, von Albrecht, Reichs- Burggrafen zu Dohna, Ritter des Ordens vom Verdienst, Königl. Preuss. Hauptmann, und General Adjudanten bey dem Gouverneur und General der Infanterie Freyherrn von Knobelsdorff, Befehlshaber der Preussischen Truppen in den Niederlanden. Erster Band. Stendal 1798, auf Kosten des Verfassers und in Commission bei Himburg in Berlin.
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