Kriegs-Begebenheiten am Rheine.[]
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Nachdem sich die Festung Kehl den ruhmvollen Waffen der Kaiserlichen Truppen hatte unterwerfen müßen, so war die Demolirung dieser eroberten Festung die einzige kriegerische Denkwürdigkeit in jenen Gegenden, und die Beschäftigung der Sieger. Die Verschanzungen und Befestigungswerke wurden geschleift, und man wollte den Abgang von Kehl durch Anlegung einer andern neuen Festung zu Kork ersetzen. Aber der Held des Französischen Kriegs floh die Ruhe; er eilte nach Hüningen, um dort neuen Ruhm zu erringen, und die stark befestigte Brückenschanze bey Hüningen einzunehmen, den letzten Platz, den die Franzosen noch dießeits des Ober-Rheins inne hatten. Er nahm seinen Weg über Freyburg, wo er den 30sten Januar in Begleitung des Generals Bellegarde ankam. Hier wurde er mit dem größten Jubel empfangen; das Volk suchte seine Verehrung und Liebe durch die lebhaftesten Freudenbezeigungen zu beweisen, und zog selbst den Wagen des jungen Kriegs-Gotts in Triumph durch die Stadt. Die ungeheuchelte dankbare Freude der guten Einwohner rührte den Helden, der den seinetwegen angestellten Feyerlichkeiten beywohnte, und erst am folgenden Tage Freyburg verließ, nachdem er zuvor die vorderösterreichischen Landstände zusammenberufen hatte. Der Zweck und der Gegenstand dieser Versammlung der Landstände war die allgemeine Bewafnung der Landes-Einwohner, die, durch Truppen unterstützt, das dortige Rhein-Ufer schützen und vertheidigen sollten, indeß die übrige Armee zu andern Operationen bestimmt war.
Die Hüninger Brückenschanze war bis dahin fortdauernd durch die unermüdeten tapfern Oesterreicher belagert worden; sie hatten noch in der Nacht zum 27 Januar einen starken Ausfall der Belagerten angeschlagen. Auch an den folgenden Tagen, den 29sten, 30sten und 31sten Januar unternahmen die Franzosen neue wiederholte heftige Ausfälle, und suchten die Verschanzungen der Belagerer zu zerstören. Aber der Muth und die Standhaftigkeit der Kaiserlichen Truppen vernichteten ihre Absichten, und trieben sie jedesmal mit großem Verluste zurück. Man glaubte indeßen nicht, daß diese Brückenschanze sobald von den Franzosen würden geräumt werden, da sie sich daselbst durchaus behaupten zu wollen schienen, und sich ansehnlich verstärkt hatten. Der General Moreau war sogar selbst mit einem starken Truppen-Corps am 29sten Januar bey Hüningen angekommen.
Aber die Ankunft des Erzherzogs veränderte sogleich die Gestalt der Dinge. Gleich nach seiner Ankunft in der Nacht wurde der Brückenkopf von Hüningen, durch ein schreckliches Kanonen- und Bomben-Feuer beschoßen, und schon am folgenden Tage, den 1sten Februar, Nachmittags um 4 Uhr, ließ der Französische General Dufour durch einen Officier, eine Capitulation anbieten. Diese kam nach mehrern Unterhandlungen erst am folgenden Tage, den 2ten Februar, gegen Mittag fast auf eben den Fuß, wie die von Kehl, zu Stande, und wurde Oesterreichischer Seits von dem tapfern commandirenden Generale, Fürsten von Fürstenberg, und Französischer Seite von dem Divisions-General Dufour abgeschloßen und unterzeichnet. Zufolge dieser Capitulation, wurde die Brücken-Schanze von Hüningen von den Franzosen, den 5ten Februar, mit Waffen, Bagage, Munition, und allem was zur Vertheidigung diente, geräumt, und von den Kaiserlichen nebst allem, was die Franzosen zurückgelaßen hatten, den 5ten Febr. Mittags in Besitz genommen. Auch diese Brückenschanze sollte nebst allen dazu gehörigen Vertheidigungswerken zerstört und geschleift werden, wozu schon Truppen befehligt waren. Und in dieser Hinsicht wurde ein sechswöchentlicher Waffenstillstand für diese Gegend des Ober-Rheins zwischen den Kaiserlichen und Französischen Oberbefehlshabern geschloßen.
Die Eroberung der Brückenschanze von Hüningen, die der Sicherheit des südlichen Teutschlands neue Festigkeit gab, fügte das letzte Blatt zu dem Lorbeerkranze hinzu, den sich Carl der Siegreiche in diesem Feldzuge, in Teutschland erworben hatte. Er übertrug dem Generale der Artillerie, dem Grafen de la Tour, das Interims-Commando über die gesammte Kaiserliche Armee in Teutschland, und dem Feld-Marschall-Lieutenant, Baron von Staader, den Oberbefehl über die Reichs-Armee, und eilte am 3ten Februar von Lörrach über Kempten, unmittelbar nach Inspruck und Tyrol, um dort sein Vaterland zu beschützen, und neue Siege zu erfechten.
Am Nieder-Rhein war die bisherige Waffenruhe durch keine kriegerische Ereigniße gestört worden, und die Truppen blieben in den Standquartieren. Auch bey Neuwied waren die Umstände noch dieselben: nur war auch die Insel vor Neuwied für neutral erklärt und anerkannt worden. Die Französische Regierung nahm indeßen Veränderungen bey den Armeen vor, die fast ganz neuorganisirt wurden. Man kam von den neuen Einrichtungen auf die alten zurück; die Brigaden wurden abgeschaft, die Halb-Brigaden in Regimenter umgewandelt, und viele andre Verfügungen getroffen. Wir haben schon bemerkt, daß die Benennungen, Rhein-Mosel- Sambre- Maas- und Nord-Armee zugleich mit den Armeen verschwunden waren; man machten neue Namen und Eintheilungen. Die ganze Landmacht, die eine Linie von der Etsch bis an das Nordmeer formirte, sollte nun in die rechte, linke und Central-Armee abgetheilt, und 3 Oberbefehlshabern unterworfen seyn, indem Moreau die mittlere oder Central-Armee, Buonaparte die rechte, und Beurnonville die linke commandiren sollten. Während dieser Vorbereitungen zum neuen Feldzuge bezeigten die Soldaten eine große Mißvergnügen, und eine heftige Abneigung gegen den Krieg. Sie desertirten, und warfen die Gewehre weg; man brachte nach Strasburg über 1200 solcher Gewehre, die man auf den Landstraßen aufgesammelt hatte. Indeßen kamen neue Verstärkungen aus dem Innern von Frankreich an, und die Armee des Generals Hoche, sollte nach dem Nieder-Rhein aufbrechen, und er selbst die ehemalige Sambre- und Maas-Armee commandiren, welche diesen Namen durch ihre Stellung nach der Maas zu, von neuem verdiente.
Quellen.[]
- ↑ Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.