Von Bastille bis Waterloo. Wiki

1795.[]

Nachrichten von Großbrittannien. [1]

Von allen See-Expeditionen, welche in dem Verlauf dieses Krieges veranstaltet worden, hat keine mehrere Verzögerungen und Mißgeschick erfahren, als die welche jetzt unter dem Admiral Christian nach Westindien unter Wegs ist. Sie sollte schon vor Ende Augusts unter Segel gehn, und überhaupt 30,000 Mann dahin bringen, aber man hat bey weitem nicht die Hälfte dieser Zahl zusammengebracht, und als endlich ein Theil derselben im November auslief, wurde er von einem zerstöhrenden Sturme heimgesucht, und nach Portsmouth zurückgeworfen. Am 9ten December lief die ganze Flotte, über 200 Transportschiffe stark, mit einer Division von Kriegs-schiffen unter Admiral Christian aufs neue aus, hatte aber vom 14 bis 18 December wieder fortdauernd sehr stürmisches Wetter, während welchem der Admiral von 218 Transportschiffen nur 183 beysammen behielt, und 35 Schiffe verschlagen wurden, die sich größtentheils nach Irland gerettet haben, aber für diese Expedition doch verloren sind. Man hat nachher noch ungünstigere Nachrichten von dieser Flotte, daß noch mehrere Schiffe von ihr getrennt worden wären, verbreitet, allein das Sichere ist, daß sie am 27 December mit ungefähr 180 Transportschiffen die weitere Reise nach Westindien fortgesetzt hat.

Die Verzögerung dieser Flotte ist für die Angelegenheiten Englands auf den Westindischen Inseln von widrigen Folgen. Es sind zwar dort seit mehrern Monaten, keine erhebliche Veränderungen vorgefallen: aber auf den Inseln Grenada und St. Vincent, auf welchen das Englische Militair, im Besitz der Forts, bis zum October noch immer im Stande gewesen war, den daselbst gelandeten Franzosen und rebellischen Negern, das Gegengewicht zu halten, wurden die Franzosen immer zahlreicher und am 15ten October eroberten sie auf Grenada den wichtigen, Hafen und Stadt beherrschenden, Posten Gouyave, so daß man wegen den fernern Nachrichten aus Westindien besorgt zu seyn Ursach hatte. Martinique und Barbadoes waren in guter Vertheidigung und versprachen reiche Zucker-Erndten, Tobago, Dominica, und Kitts, wurden mit keinem feindlichen Angrif bedroht. Auf St. Domingo hatte die Lage der Sachen sich nicht verändert. Ein großes Uebel, war das gelbe Fieber, welches unter dem Militair in fast allen Garnisonen herrschte, und die Militair-Operationen noch mehr erschwerte. Doch litte das Französische Militair ebenfalls stark davon.

Die Eroberung der wichtigen Holländischen Besitzung Trinconomale auf Ceylon (am 26sten August) ist um 3 Wochen früher geschehn, als die des Vorgebirges der guten Hofnung (am 16ten September) und die Eroberer des Caps, welche sich von dort auf den Weg machten, um auch die Holländischen Besitzungen auf Ceylon zu erobern, sind viel zu spät gekommen. Ein kleines Brittisches Armament unter den Befehlen des Commodore Rainier, auf welchem die eingeschiften Landtruppen vom Obersten Stuart commandirt wurden, gieng schon zu Ende des Julius von Madraß unter Segel, hatte vorher den Holländischen Gouverneur zu Colombo auf Ceylon, Herr von Angelbeck, für Englands Interesse gewonnen, und gieng am 1sten August in der nordwärts der Forts Trinconomale und Oostenburg gelegenen Backbay vor Anker, von dort die Brittischen Commandeure dem Commandanten des Forts Oostenburg den Befehl seines Vorgesetzten des Herrn von Angelbeck zuschickten, daß er das Fort den Englischen Truppen als Freunden übergeben sollte. Dieß verweigerte der Commandant, worauf die Englischen Truppen am 3ten August gelandet wurden, und die Arbeiten zur Belagerung anfiengen, am 23sten August die Batterien gegen das Fort eröfneten, und schon am 26sten eine Bresche bewirkten, da denn noch am nämlichen Tage die Capitulation zu Stande kam, nach welcher die über 600 Mann starke Holländische Besatzung mit den Kriegshonneurs ausmarschirte, das Gewehr außerhalb dem Fort streckte und Kriegsgefangen wurde. Das Geschütz aus 42 metallenen und 65 eisernen Kanonen bestehend, so wie alle Munitions- und Proviant-Vorräthe, überhaupt alles öffentliche Eigenthum fielen in Englische Hände, so wie 2 Holländische Schiffe, welche während der Belagerung einlaufen wollten. Dagegen scheiterte am 3ten bey der Landung der Truppen die Englische Fregatte Diomede von 44 Kanonen. Das Fort Oostenburg gieng am 31sten durch Capitulation unter den nämlichen Bedingungen, die Trinconomale hatte, an die Englischen Befehlshaber über.

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Neue Depeschen aus Ostindien bis zum 10ten October, aus Trincomale auf Ceylon datirt, melden daß im September die Holländischen Posten Batticaloe, Point Pedro auf Ceylon, auch Chinsurat, und die Insel Manar von den Englischen Truppen eingenommen worden. Der Hofbericht über die am 17ten August erfolgte Einnahme, der, wegen Sicherung des Handels in der Straße von Malacca für England so wichtigen Halb-Insel Malacca, meldet, daß die Uebergabe dieser Besitzung, außer einigen anfänglich gefallenen Schüßen, ganz durch gutliche Uebereinkunft geschehen sey, daß man die Englische Flagge neben der Holländischen aufgepflanzt, und der aus 160 Mann bestehenden Holländischen Garnison sogar die Waffen gelaßen, und bloß ein Englischer Commandant zu Malacca angestellt worden. Von der Einnahme von Batavia hatte der Englische Gesandte in Wien einen Bericht über Cairo und Constantinopel erhalten.


Quellen.[]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1796.