Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Zeitungsnachrichten.[]

Paris, vom 8. Jan. [1]

Aus dem ein und zwanzigsten Bulletin der Armee in Spanien: In den ersten Tagen des Monats December erfuhr man, daß die Kolonnen der englischen Armee auf dem Rückzuge begriffen seyen, und sich gegen Corunna wendeten, um sich daselbst wieder einzuschiffen. Später erfuhr man, daß sie Halt gemacht, und daß sie am 16ten von Salamanca aufgebrochen seyen, um den Feldzug zu eröffnen. Vom 15ten an hatte die leichte Kavallerie zu Valladolid sich blicken lassen. Die ganze englische Armee gieng über den Duero, und erschien am 23ten zu Saldagna, vor dem Herzoge von Dalmatien. Sobald als der Kaiser zu Madrid von dieser unerwarteten Entschliessung der Engländer Nachricht erhalten hatte, brach er auf, um ihnen den Rückzug abzuschneiden und in den Rücken zu kommen; allein, so sehr auch die franz. Truppen eilten, so wurde doch der Marsch derselben durch den Uebergang über das Gebirg von Guadarama das mit Schnee bedeckt war, durch das unaufhörliche Regenwetter, und durch das Austreten der Gewässer, aufgehalten, Am 22ten war der Kaiser von Madrid abgereiset; sein Hauptquartier befand sich am 23ten zu Villa-Castin, am 25ten zu Tordesillas, und am 27ten zu Medina del Rio Secco. Am 24ten mit Tagesanbruch hatte der Feind sich in Marsch gesetzt, um den Herzog von Dalmatien auf seiner linken Flanke zu umgehen; allein da er des Morgens die Bewegung erfuhr, die von Madrid aus Statt hatte, so trat er auf der Stelle den Rükzug an, und gab jene seiner Anhänger im Lande, deren Leidenschaften er wieder geweckt hatte, die Reste der Armee von Gallizien, einen Theil seiner Lazarethe und seines Gepäks, nebst vielen Nachzüglern, Preis. Diese feindliche Armee befand sich in der höchsten Gefahr; ein Unterschied von 12 Stunden, und sie war verloren für England. Sie hat viele Verwüstungen angerichtet, sie hat die Bettdecken, Maulesel und viele andere Effekten mitgenommen; sie hat viele Klöster und Kirchen ausgeplündert. Die Abtey von Sahagun, worin sich 60 Mönche befanden, und die stets von der franz. Armee mit Achtung und Schonung behandelt worden war, ist von den Engländern verheert worden. Diese Unordnungen haben das Land gegen die Engländer erbittert. In den zulezt verflossenen 14 Tagen hat man nicht einen Flintenschuß gethan; bloß bei der leichten Kavallerie ist es zu einigen Säbelhieben gekommen. Der Gen. Durosnel sties mit 400 Chevauxlegers von der Garde, bei einbrechender Nacht, auf eine auf dem Marsch begriffene Kolonne englischer Infanterie, säbelte viele davon nieder, und verbreitete Unordnung unter der ganzen Kolonne. Der Gen. Lefebvre-Desnouettes, Oberster der Chasseurs von der Garde, der seit 2 Tagen mit 3 Eskadronen seines Regiments aus dem Hauptquartier detaschirt worden war, glaubte, nachdem ihm viel Gepäck, Weiber und Nachzügler in die Hände gefallen waren, und er die Brücke über die Erla abgebrochen fand, daß die Stadt Benavente geräumt seyn müsse; hingerissen von jener Hitze, die man so oft dem französischen Soldaten vorgeworfen hat, schwamm er über den Fluß, um nach Benavente zu kommen, wo er die ganze Kavallerie des englischen Nachtrabs fand; es begann nun ein Gefecht von 400 Mann gegen 2000. Man mußte endlich der Ueberzahl weichen; diese Tapfern giengen über den Fluß zurück; eine Kugel tödtete das Pferd des General Lefebvre Desnouettes, der durch einen Pistolen-Schuß verwundet, und da er nun zu Fuß war, gefangen gemacht wurde. Zehn seiner Chasseurs, die auch ihre Pferde verloren hatten, wurden gleichfalls gefangen; 5 ertranken; 20 wurden verwundet. Dieses Wagestück mußte den Engländern zeigen, was sie von solchen Leuten in einer allgemeinen Affaire zu fürchten hätten. Der Gen. Lefebvre hat ohne Zweifel einen Fehler begangen; aber es ist der Fehler eines Franzosen; er verdient zu gleicher Zeit Tadel und Belohnung. Die Zahl der Gefangenen, die man bis jetzo gemacht hat, und die größtentheils aus Verirrten und Nachzüglern bestehen, beläuft sich auf 300. Am 28ten war das Hauptquartier des Kaisers zu Valderas, das des Herzogs von Dalmatien zu Mancilla, und das des Herzogs von Elchingen zu Villafer. Als der Kaiser Madrid verließ, ernannte er den König Joseph zu seinem General-Lieutenant und zum Befehlshaber der Besatzung der Hauptstadt, der Korps der Herzoge von Danzig und Belluno, und der Kavalleriedivisionen Lasalle, Milhaud und Latour-Maubourg, welche zum Schutze des Centrums zurückgelassen wurden. Das Wetter ist sehr schlecht. Auf eine lebhafte Kälte sind heftige Regengüsse gefolgt. Wir leiden; aber die Engländer leiden wohl noch mehr.


Quellen.[]

  1. Großherzoglich Hessische Zeitung. Darmstadt den 14. Januar. 1809. (Samstag.) Nro.6.