Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Denkwürdigkeiten

der

Marquise de la Rochejaquelein,

von ihr selbst geschrieben.

Aus dem Französischen

nach der

dritten sehr vermehrten und verbesserten Ausgabe.

Herausgegeben

von

Karl Müchler.

Berlin, 1817.

Bei August Petsch.


Sechstes Kapitel.[]

Die Vendeer besetzten Bressuire. Schilderung der königlichgesinnten Armee.

Mit anbrechendem Tage erhielt ich einen Brief von Herrn von Lescüre, er schrieb mir, daß er mit Heinrich an der Spitze von 80 Reitern ankommen würde. Wir machten alles zu ihrem Empfang bereit, und sie brachten noch den Chevalier von Beauvolliers mit. Dies war ein wohlgewachsener Jüngling von achtzehn Jahren, den man mit Gewalt zu Loudün unter die Gensd'armen angeworben, und nach Bressuire geschickt hatte. Den Tag vorher hatte er Gelegenheit gefunden, sein Korps zu verlassen, und sobald er die Stadt völlig leer sah, ritt er in vollem Galopp zu den eben ankommenden Insurgenten, um ihnen diese Nachricht zu bringen. Seine Uniform als Gensd'arme zog ihm von den ersten Reitern, die auf ihn stießen, eine übele Begegnung zu, doch ein Bauern-Offizier schenkte ihm bald etwas mehr Vertrauen. Herr von Beauvolliers machte ihm den Vorschlag, er solle mit ihm nach Bressuire gehn, um dort den Freiheitsbaum nieder zu hauen. Der Bauer versetzte: "wir sind dazu bereit, sind aber Leute in der Stadt und wir werden überfallen, so jage ich Dir die Kugel durch den Kopf." "Ich bin's zufrieden," antwortete Herr von Beauvolliers, "ich bin weder ein Verräther, noch ein Feiger." Er hat sich in der Folge stets eben so tapfer als edelmüthig gezeigt, er ward der Adjudant und vertrauter Freund des Herrn von Lescüre.

Alle andern Reiter, welche mit diesen Herren kamen, hatten eben kein kriegerisches oder ausgezeichnetes Äußere. Ihre Pferde waren von sehr verschiedener Größe und Farben, viele hatten nur Saumsättel, Stricke statt Steigbügel, und hölzerne Schuh statt Stiefeln. Sie trugen Kleider aller Art, Pistolen am Gürtel, Gewehre und Säbel waren mit Bindfaden festgebunden. Einige hatten weiße Kokarden, andre grüne oder schwarze, alle aber ein geweihtes Herz auf ihren Röcken, und einen Rosenkranz im Knopfloch. Dreifarbige Kokarden und Epaulets, welche sie den Blauen abgenommen, hatte sie ihren Pferden an die Schwänze gebunden. Die Offiziere waren etwas besser gerüstet als die Soldaten, aber ohne besondere Abzeichen.

Diese ganze Trupp zeigte sich vor den Thoren von Parthenay, blos um einen falschen Lärm zu machen, in der Absicht, den Marsch der Armee zu verbergen, welche auf Thouars losgehen sollte.

Die Soldaten frühstückten nun. Aus allen umliegenden Kirchspielen kamen Bauern, sich mit ihnen zu vereinigen; Weiber mit Äxten in der Hand, nachdem sie die Freiheitsbäume herunter gehauen hatten. Das Schloß war mit Menschen angefüllt, welche aßen, tranken, sangen und riefen: "es lebe der König!"

Herr von Lescüre erzählte mir, daß man ihn zu Bressuire mit offnen Armen empfangen, und als Anführer aller Kirchspiele seiner Gegend behandelt habe, daß er zum Kriegsrath gezogen worden sey, und man meinen Vater, Herrn von Marigny und Herrn Dessessarts mit Ungeduld erwarte. Es war ein großes Glück, wenn man Offiziere fand, denn es mangelte der Armee daran. Mitten in dieser Unterhaltung hörten wir einen heftigen Lärm im Hofe. Die Vendeer hatten ihre Pferde angebunden, und nach ihrem Gebrauch keine Schildwachen ausgestellt. Drei Einwohner von Bressuire, deren Frauen sich nach Clison geflüchtet hatten, wollten diese abholen, und nach Parthenay führen. Diese Männer waren in der Nationalgarden-Uniform, wohl bewaffnet und zu Pferde. Da sie so viel Pferde im Hofe sahen, glaubten sie, daß ein Detachement aus Parthenay gekommen sey, uns wegzuführen. Sie fanden einen kleinen funfzehnjährigen Bedienten, und sagten zu ihm: "guten Tag, Bürger!" Das Kind antwortete laut rufend: "hier giebt es keine Bürger! Zu den Waffen, die Blauen sind da!" Im Augenblick stürzten die Reiter mit dem Säbel in der Hand, wie Rasende hinaus. Mein Vater und ich waren von ungefähr im Hofe, wir liefen gleich voraus und stellten uns vor die drei Männer, die man eben umbringen wollte. Wir sichten die Bauern zu belehren, daß diese Leute in keiner üblen Absicht gekommen wären, und nur ihre Frauen mitnehmen wollten; diese baten knieend um Gnade, die Bauern wollten aber nichts hören. Herr von Rochejaquelein sprach nun mit ihnen, und während dieser Zeit ließen wir die Männer in's Schloß gehen, dort legten sie ihre Kleider ab, und steckten weiße Kokarden auf. Um die Reiter zu besänftigen, mußten sie auf die dreifarbige Kokarde spucken, und rufen: "es lebe der König!"

Gegen Mittag gingen Herr von Lescüre und Heinrich nach Parthenay und wir nach Bressuire ab, vorher erlaubten wir noch den geflüchteten Patrioten, so lange in Clisson zu bleiben, als sie sich dort für sicherer als anderswo halten würden, es waren alles ehrliche und friedliche Leute.

Wir stiegen in den Wagen und bewaffnete Bediente begleiteten uns. Als wir nahe bei der Stadt waren, wurden wir Vendeer gewahr, se kannten uns schon, und riefen: "es lebe der König!" wir stimmten, gerührt weinend, mit ein. Ich sah etwa ihrer funfzig, die am Fuß einer kleinen Kapelle knieten, sie ließen sich durch nichts in ihrem Gebete stören.

Die Stadt war ungefähr von 20,000 Mann besetzt: höchstens 6000 hatten Schießgewehre, die übrige trugen Sensen mit verkehrtem Stiel; eine Waffe, die Furcht erweckt; sie hatten Messerklingen und Sicheln an Stöcken befestigt, Spieße, oder auch große Keulen von knotigem Holz. -- Alle diese Bauern schienen freudetrunken; sie hielten sich für unüberwindlich. Die Straßen waren voll Menschen, alle Glocken wurden geläutet, und auf dem großen Platz brannte ein Freudenfeuer von dem Freiheitsbaum und den Papieren der Administrationen.

Mein Vater, Herr von Marigny und der Ritter Dessessarts begaben sich zu den Generalen; ich ging mit meinen Kammerfrauen in der Stadt spazieren. Die Bauern fragten mich, ob ich aus Bressuire sey? Ich erzählte ihnen: auf welche Art ich noch den Tag vor ihrer Ankunft dort gefangen gewesen, und wie sie mich befreit hätten; sie fühlten sich sehr glücklich, eine Edelfrau befreit zu haben. Sie benachrichtigten mich, daß die Emigrirten ihnen zu Hülfe kommen würden, um den König wieder einzusetzen und die Religion herzustellen. Sie wollten mich nachher zur Maria Johanna führen; dies war eine zwölfpfündige Kanone vom Schloß Richelieu, wo der Kardinal sie einst mit fünf andern hatte aufstellen lassen; die Arbeit daran war sehr schön, geschmückt mit Zierrathen und Inschriften zur Ehre Ludwigs XIII und des Kardinals. Die Republikaner hatten diese Kanone von Richelieu weggenommen, um sie gegen die Brigands zu führen, diese aber solche im ersten Gefecht bei Chollet erobert. Die Bauern hatten ihr, ich weiß nicht warum, den Namen Maria Johanna gegeben; sie verbanden damit einen Begrif von Wunderthätigkeit, und glaubten, sie sey ein sicheres Zeichen des Sieges. Ich fand diese Kanone auf dem Platz, sie war mit Blumen und Bändern geschmückt, und die Bauern küßten sie; sie verlangten, ich sollte sie auch küssen, welches ich herzlich gern that. Noch dreizehn andere Stücke von verschiedenem Kaliber befanden sich dort.

Am Abend setzte es mich sehr in Verwunderung, und erbaute mich noch mehr, als alle Soldaten, die in unserm Hause lagen, niederknieten und den Rosenkranz nachbeteten, den einer von ihnen laut vorsagte; ich erfuhr, daß sie diese Andacht dreimal des Tages unausgesetzt verrichteten.

Ihre Tapferkeit und ihr Enthusiasmus hatten ihrer natürlichen Sanftheit nichts benommen; ihre Liebe und Achtung für die Religion, obschon sie wenig aufgeklärt waren, vermehrten noch diese Tugend. In den ersten Monaten des Krieges, ehe ihnen die Abscheulichkeiten der Republikaner den Wunsch nach Rache und Wiedervergeltung eingeflößt hatte, verdiente die Armee der Vendee für ihre Tugenden eben so viele Hochachtung, als für ihre Tapferkeit Bewunderung, und auch nachher, ungeachtet der Grausamkeiten der Republikaner, hat keine der sonst vom Kriege unzertrennlichen Ausschweifungen die Siege der Royalisten befleckt. Sie drangen oft mit der größten Gewalt in die Städte, doch ohne sie zu plündern; sie mißhandelten die Überwundnen nicht, und forderten von ihnen weder Lösegeld noch Brandschatzung, wenigstens machten die Landbewohner sich solche Ausschweifungen nie schuldig. Nur einige Überläufer, junge Bretagner, welche, um den Werbung zu entfliehen, über die Loire gegangen waren, und von Hause nichts zu ihrer Unterstützung erhalten konnten, betrugen sich nicht immer ganz untadelhaft, aber sie wurden streng bestraft. In den Abtheilungen von Nieder-Poitou und der Grafschaft Nantes liefen die Sachen nicht immer gut ab, und es sind dort einige Unordnungen vorgefallen. An diesem Tage, den ich zu Bressuire zubrachte, konnte ich das Charakteristische der Vendee-Soldaten wahrnehmen. Sie verabscheuten diese Stadt wegen der dort von den Republikanern begangenen Ermordungen, aber sie dachten nicht daran, zur Befriedigung ihres Zorns, irgend einem Einwohner an seiner Person oder seinem Hause Schaden zuzufügen; sie beschränkten sich blos darauf, die äußern Mauern von Bressuire niederzureißen.

In dem Hause, in welchem ich mich aufhielt, und sogar in der Stube, in welcher ich abgestiegen war, befanden sich viele Soldaten. Sie beklagten sich, keinen Taback zu haben, ich fragte sie daher, ob denn keiner in der Stadt sey? "Es wird wohl welcher verkauft," antworteten sie: "aber wir haben kein Geld." Nun ließ ich Taback kaufen und gab ihnen solchen. Zwei Reuter geriethen auf der Straße unter unsern Fenstern in Streit, einer zog seinen Säbel und berührte den andern nur leicht damit. Dieser wollte es erwiedern; mein Vater, welcher dabei stand, hielt ihm den Arm zurück und sagte: "Jesus Christus hat seinen Peinigern vergeben, und ein Soldat der katholischen Armee will seinen Kameraden tödten?" Sogleich umarmte der Beleidigte den andern. Übrigens habe ich nie von einem Zweikampf in unsrer Armee gehört; der Krieg war so gefährlich und beschäftigte die Streiter so sehr, daß niemand daran dachte, seinen Wuth auf andre Weise, als gegen den Feind, zu zeigen.

Die Armee, welche Bressuire besetzte, bestand aus Eingebornen von Angers und Poitou, aus den Kirchspielen, welche Anjou berühren; die, deren Aufstand Herr von Lescuire bewirkt, vereinigten sich mit ihnen, und nun nannte man sie "die große Armee." Gewöhnlich bestand sie nur aus zwanzigtausend Mann; für wichtige Unternehmungen konnte sie leicht verdoppelt werden. Diese Armee hatte die mehrsten Feinde zu bekämpfen, und trug den Sieg am häufigsten davon. Fast immer handelte sie vereint mit der Division des Herrn von Bonchamp, welche sogar als ein Theil derselben angesehn werden konnte. Diese Division bestand aus den Kirchspielen, welche die Loire, von der Seite von St. Florent, berühren; die Bretagner, die über den Fluß gegangen waren, hatten sich mit ihr vereinigt. Sie zählte zehn- oder zwölftausend Mann, und mußte sich gegen die republikanischen Truppen, welche Angers besetzten, kräftig vertheidigen.

Herr von Charette war Anführer in der Sumpfgegend und an den Küsten, er befehligte zwanzigtausend Mann, wenn die Vereinigung am stärksten war; besonders hatte er es mit den Besatzungen von Nantes und des Sables zu thun. In den nämlichen Gegenden handelten noch drei oder vier kleine Korps, angeführt von den Herren von la Catheliniere, Couetüs, Jolly und Savin, sehr oft einstimmig mit Herrn von Charette.

Herr von Royrand besetzte Montaigü und die angrenzende Gegend. Seine Division bestand aus zwölftausend Mann, der nur mit den Truppen kämpften, welche zu Lücon standen.

Zwischen Nantes und Montaigü hatten die Herren von Lüret und Isigny drei oder viertausend Mann; sie mußte sich nach der Seite von Nantes zu vertheidigen. Man sieht daraus, daß die große Armee sich hinterwärts an diese Divisionen lehnte; aber sie mußte sich auf einer sehr ausgedehnten Linie behaupten, sie stand gegen Mitternacht, Morgen und Mittag unbedeckt. Die Republikaner konnten sie von Fontenay, Parthenay, Airvault, Thouars, Vihiers, Doué und Brissac aus angreifen; auch hat sich nach uns nach alle diese Städte angegriffen und eingenommen, bald wenn sie die Feinde aufsuchte, bald wenn sie solche zurücktrieb. Ich will nun die Feldherren schildern, welche sie anführten. Nach hatte keine Ernennung von Generalen statt gefunden, die Soldaten folgten denen, in welchen sie Vertrauen setzten, und diese verstanden sich sehr wohl unter einander, ohne daß die Rede von Rang oder bestimmter Subordination war.

Herr von Bonchamp, Anführer der Armee von Anjou, war ein Mann von zwei und dreißig Jahren. Er hatte in Indien, unter dem Herrn von Süffren, mit Auszeichnung Kriegsdienste gethan, und ward wegen seiner Tapferkeit und Geistesgaben allgemein gerühmt, nicht ein einziges mal habe ich solche bestreiten hören. Er ward als der geschickteste unter den Generalen anerkannt, und sein Corps galt für besser geübt, als die andern. Er besaß keine Ehrsucht, machte keine Ansprüche, war sanft und verträglich, bei der großen Armee sehr beliebt, und man setzte völliges Vertrauen in ihm; er hatte aber Unglück auf dem Schlachtfelde selbst, denn selten ging er in's Feuer, ohne verwundet zu werden, seine Armee hat folglich oft seiner Gegenwart entbehren müssen, und deshalb habe ich auch nicht Gelegenheit gehabt, ihn zu sehn. In seiner Division befanden sich vortreffliche Offiziere, die Herren von Fleuviot, langgediente Krieger, welche in seiner Abwesenheit seine Stelle vertraten, die Herren Soyer und Martin, Herr von Scepaux, Schwager der Herrn von Bonchamp, und noch andre, alle sehr brav und treue Anhänger der guten Sache.

Bei der großen Armee war für jetzt Herr von Elbée Hauptanführer, unter seinen Befehl standen besonders die Bewohner der umliegenden Gegenden von Challet und Beaupreau. Er war ein ehemaliger Sous-Lieutenant, der sich seit einigen Jahren in die Abgeschiedenheit zurückgezogen hatte. Damals war er vierzig Jahr alt, klein von Wuchs, sehr schwärmerisch andächtig, und besaß großen und ruhigen Muth. Seine Eigenliebe ward leicht verletzt, und er gerieth dann ohne Grund in Hitze, ob er gleich sonst eine sehr angemessene Höflichkeit beobachtete. Er besaß etwas Ehrgeiz, aber dieser war, wie alle seine Ansichten, beschränkt. Vom Kriege verstand er nichts weiter, als daß er, wenn es zum Angriff kam, vorwärts ging, und zu den Soldaten sagte: "Kinder, die Vorsehung wird uns Sieg geben!" Seine Frömmigkeit war ohne Heuchelei, da er jedoch bald bemerkte, daß er sich dadurch bei den Bauern beliebt machte, und ihnen Muth einflößen konnte, so nahm er hierin einen oft lächerlichen Ton der Übertreibung und des äußern Gepränges an. Er trug Heiligenbilder in seinen Kleidern, hielt den Soldaten geistlichen Reden und Ermahnungen, besonders spracht er immer von der Vorsehung, so daß die Bauern, obwohl sie ihn sehr liebten, und alles achteten, was auf die Religion Bezug hatte, ihm doch, ohne Böses dabei zu denken, den Namen "General der Vorsehung" gaben. Ungeachtet dieser kleinen Lächerlichkeiten war Herr von Elbée im Grunde ein so schätzenswerther und rechtlicher Mann, daß ein jeder Achtung und Anhänglichkeit für ihn hatte.

Stofflet befand sich an der Spitze der Kirchspiele von Maulevrier; er war ein Elsasser, und hatte in einem Schweizerregiment gedient. Zu Anfang des Aufstandes war er Förster im Schlosse Maulevrier, damals vierzig Jahr alt, groß und ansehnlich. Die Soldaten liebten ihn nicht, weil er hart und auffahrend war, aber sie gehorchten ihm besser, als jedem andern, und dies machte ihn sehr nützlich. Die Generale hatten großes Vertrauen zu ihm; er war thätig, einsichtsvoll und tapfer. Nachmals hat er einen grenzenlosen unvernünftigen Ehrgeiz gezeigt, wodurch er sich viel zu Schulden kommen lassen, und die Armee unglücklich gemacht hat, aber jetzt hatte er, wie alle, die Absicht, so viel als möglich zum Besten des Ganzen zu wirken, ohne an sich selbst zu denken.

Cathelineau führte die Bewohner von Pin en Mauge und der umliegenden Gegenden an. Er war, wie ich schon erwähnt habe, ein bloßer Landmann, der einige Zeit das Gewerbe eines hausirenden Krämers bei'm Wollhandel getrieben hatte. Nie hat man einen sanftern, bescheidnern und rechtschaffnern Mann gesehn, und er wurde um so mehr geachtet, als er sich immer an die letzte Stelle setzte. Er besaß außerordentlich viel Einsicht, hinreißende Beredsamkeit, natürliche Talente zum Kriege, und die Soldaten zu lenken; er war vier und dreißig Jahr alt. Die Bauern beteten ihn fast an, und hatten die größte Achtung für ihn. Er stand seit langer Zeit in einem sehr großen Ruf der Frömmigkeit und Sittlichkeit, so daß die Soldaten ihn "den Heiligen von Anjou" nannten. Wenn sie es irgend konnten, stellten sie sich in der Schlacht dicht neben ihm, in dem Glauben, man könne an der Seite eines so heiligen Mannes nicht verwundet werden. Als Herr von Lescüre zur Armee kam, ward er auch "der Heilige von Poitou" genannt, und man hatte für ihn, wie für Cathelineau, ein Art von religiöser Verehrung.

Herr von Rochejaquelein war Anführer der Kirchspiele, welche um Chatillon her liegen. Sein feuriger und kühner Muth erwarb ihm den Beinamen "der Unerschrockne." In den Schlachten zeigte er einen richtigen Überblick, und faßte schnell einen zweckmäßigen Entschluß; er flößte den Soldaten viel Enthusiasmus und Vertrauen ein. Man warf ihm vor, daß er sich ohne Noth der Gefahr aussetzte, sich zu weit hinreißen ließ, und mit den Feinden gleichsam auf den Säbel kämpfte. Wirklich setzte er, ohne Rücksicht auf seine persönliche Sicherheit, den Republikanern bei ihrer Niederlagen nach. Man bat ihn oft, sich mehr für den Berathschlagungen des Kriegsrath zu interressiren. Er fand diese oft überflüssig und unnütz, und wenn er seine Meinung gesagt hatte, begegnete es ihm wohl, daß er einschlief. Er antwortete auf alle diese Vorwürfe: "warum soll ich General seyn? Ich will nichts seyn als Husar, und Vergnügen haben, zu fechten." Ungeachtet dieses Geschmacks an Gefechten, war er doch voll Sanftmuth und Menschenliebe: War die Schlacht vorüber, so hatte keiner mehr Sorgfalt und Mitleid für die Überwundenen als er. Oft, wenn er einen Gefangnen machte, bot er ihm vorher an, Mann gegen Mann mit ihm zu kämpfen.

Herr von Lescüre besaß eine Tapferkeit, die mit dem Muth seines Vetters nichts gemein hatte, sie entfernte ihn nie von seiner gewöhnlichen Kälte, und selbst wenn er Kühnheit zeigte, hörte er nicht auf, ernst und nachdenkend zu seyn. Er war der gebildeste Offizier der Armee, immer hatte er Geschmack an militärischen Studien gefunden, und sich mit Eifer darauf gelegt. Fast alle Bücher über Kriegskunst hatte er gelesen, er allein verstand etwas von Befestigungskunst, und wenn man die Schanzen der Republikaner angriff, so mußte jeder bei ihm sich Raths holen. Er ward geachtet und geliebt, aber in den Berathschlagungen war er halsstarrig. Seine Menschenliebe hatte wirklich etwas wunderbares und himmlisches. In einem Kriege, wo die Anführer blos Soldaten waren, und unaufhörlich Mann gegen Mann kämpften, ward nie ein Mensch von seiner Hand getödtet. Nie, so lange er sich nur dagegen setzen konnte, ließ er einen Gefangnen umbringen oder mißhandeln, selbst nicht zu einer Zeit, wo die von den Republikanern verübten schrecklichen Ermordungen die sanftesten unserer Offiziere hinrissen, das Wiedervergeltungsrecht zu üben. Einmal zielte ein Feind in der Schußweite auf ihn, er schlug ihm das Gewehr mit der Hand weg und sagte: "führt diesen Gefangnen fort." Die aufgebrachten Bauern tödteten den Menschen hinter seinem Rücken. Er kehrte sich um, und mit einem noch nie an ihm bemerkten Zorn, überhäufte er die Thäter mit Verwünschungen. Dies sey das einzigemal gewesen, erzählte er mir, wo er einen Fluch ausgestoßen. Die Anzahl der Menschen, denen er das Leben gerettet, ist sehr groß, daher wird auch sein Andenken von allen Partheien in der Vendee geehrt und geliebt, und von allen, welche in diesem Kriege sich einen Namen gemacht, hat keiner einen edlern Ruhm erworben, als er. Rochejaquelein und Lescüre waren eins, wie Brüder, ihre Namen wurden immer zusammen genannt, ihre Freundschaft war in der Armee berühmt. Bei verschiedener Gemüthsart waren sie doch beide von Ehrgeiz und Eitelkeit gleich weit entfernt. Heinrich sagte: "wenn wir den König wieder auf den Thron setzen, wird er mir wohl ein Husarenregiment bewilligen." Herrn von Lescüre's Wünsche waren eben so bescheiden.

Mein Vater hatte anfänglich keine besondere Befehlshaberstelle, ob er gleich die Würde eines Feldmarschalls besaß, und die Kriege in Deutschland mitgemacht hatte. Da er im Lande fremd war, so machte er sich nichts daraus, kommandirender General zu werden, er wünschte nur bei der Armee zu seyn, um seine Pflicht zu thun. Im Kriegsrath ward er sehr geachtet. Er blieb stets etwas verschlossen, theilte nicht die schwärmerischen Ansichten einiger Anführer und sah den beklagenswürdigen Ausgang dieses Krieges vorher. Sich wichtig zu machen, was ihm zuwider, als um daher der Herr von Elbée bei der Ankunft in Bressuire mit der Miene des Beschützers sagte: "er würde dem Könige diejenigen einst bekannt machen, die Belohnungen verdienten, er schmeichle sich, einige Gunst durch einen seiner Verwandten, Stallmeister bei dem Prinzen von Condé, zu erlangen," hütete sich mein Vater wohl, ihm zu sagen: er habe sein Leben selbst bei Hofe zugebracht. Auch kam es ihm nicht in den Sinn, die Versprechungen des Herrn von Elbée lächerlich zu machen, er antwortete blos: er verlange nichts, als die Ehre, dem Könige zu dienen.

Herr von Marigny ward zum General der Artillerie ernannt; er verstand sich sehr gut auf diesen Theil der Kriegskunst. Während des Krieges gegen England hatte er an verschiedenen Landungen Theil genommen, und daher mehr Erfahrung, als der größte Theil der Offiziere, aber er ward zuweilen so hitzig, daß er völlig den Kopf verlor; auch hat er zuweilen dem Glück der Armee geschadet, indessen brachten seine Talente ihr doch viel öfter Nutzen. Seine feurige Lebhaftigkeit verleitete ihn zu Härte und Unmenschlichkeit gegen die Überwundenen. Aller Vorstellung ungeachtet, verschonte er fast nie einen derselben; er war fest überzeugt, daß dieses unsrer Parthei nützlich sey. Von dieser Ansicht war er nicht abzubringen, und so nur kann man die Grausamkeiten eines Mannes erklären, welcher von Natur gutmüthig und freundlich war; Eigenschaften, die er in seiner Handlungsweise gegen die Soldaten immer bewährte. Er besaß übrigens eine ausgezeichnete Tapferkeit.

Herr Dommaigné war General der Reiterei, und muthvoller und rechtschaffner Mann. Man betrachtete auch noch den Herrn von Boisy als General; wegen seiner schwachen Gesundheit sah man ihn jedoch selten bei der Armee, und er ward ihr auch wenig uützlich. Herr Dühaux d'Hautrive, Schwager des Herrn von Elbée und Ritter des Ludwigsordens, nicht ohne Verdienst, stand in keinem großen Ansehn.

Viele Offiziere, selbst diejenigen, von vorzüglichen Talenten, hatten weder einen festgesetzten Rang noch eine bestimmte Gewalt in Händen. Sie kämpften auf den Posten, wo sie am nöthigsten waren und vollzogen, was man ihnen auftrug. Die vorzüglichsten waren damals: die Herren Forestier, Tonnelay, Foret, Villeneuve du Cazeau, Cathelineau's Brüder, die Ritter Dühoux und Dessessarts, die Herren Guigeaud, Odaly, die Brüder Cadi, Bourasseau u. a. einige waren Edelleute, andre Bürger, noch andre Landleute, und zu diesen Offizieren kamen in der Folge noch viele andere. Jeder ehemalige Soldat, jeder Adliche oder etwas gebildete Mann, jeder, welchem die Bauern einiges Zutrauen bewiesen, jeder Soldat, der Tapferkeit und Klugheit zeigte, ward gleichsam von Rechtswegen Offizier; die Generale übertrugen ihm ein Kommando und er vollzog diese Aufträge nach bestem Vermögen.

Vielleicht glaubt man, daß ein auf diese Art bestehender Generalstab, wo alles dem Zufall überlassen schien, der Schauplatz vieler Uneinigkeiten und Mißverständnisse hat seyn müssen, aber es fanden gerade deshalb keine bestimmte Regeln statt, weil solche überflüssig und sogar schädlich gewesen wären. Jeder vertraute sich selbst und den andern; Männern, die immer ihr möglichstes thaten, brauchte man ihre Pflicht nicht vorzuschreiben. Alle strebten nach dem nämlichen Ziel, und hatten sich ihm gänzlich und aufrichtig geweiht; es herrschte hier weder Ehrgeiz noch Eitelkeit, wenigstens schweigen beide. Beinah alle Tage gab es Kampf, es blieb also keine Zeit übrig, zu streiten, Ansprüche zu behaupten, oder sie in Unterredungen zur Schau zu stellen. Hegten je Einige Hoffnungen, so waren diese von einem glücklichen Erfolg der Verwirklichung so weit entfernt, daß es lächerlich gewesen wäre, davon zu sprechen. Der Unterschied der Stände war vergessen; der brave Bauer, der Bürger einer kleinen Stadt, des Edelmanns Waffenbrüder, alle theilten die nämliche Gefahr, führten das nämliche Leben, waren fast gleich bekleidet, und sprachen von der nämlichen Sache, die ihnen allen gemeinschaftlich am Herzen lag. Diese Gleichheit hatte nichts erkünsteltes, sie entstand durch die That, sie beseelte das Herz jedes rechtschaffenen Edelmanns, der gesunde Vernunft besaß. Die Verschiedenheit politischer Meinungen ward auch verwischt. Mehrere Anführer oder Offiziere hatten während der Revolution ursprünglich davon eine verschiedene Ansicht gehabt, aber früher oder später fingen sie an, diese zu verabscheuen; nie war die Rede von aristokratischer Eigenliebe, man bewies seinen Eifer zu sehr, um ihn auf Rechnung der Eitelkeit schreiben zu können.

Dies war im Anfange des Krieges der Charakter der Anführer und des Generalstabes, mit wenigen Ausnahmen. Das Aeußere und die Mannszucht der Armee boten auch ein Schauspiel, sehr verschieden von dem, dar, was andre Kriege gewöhnlich zeigen. Die Armee war nie länger als drei oder vier Tage beisammen; war die Schlacht einmal gewonnen oder verloren, das Unternehmen ausgeführt oder verfehlt, so ließen sich die Bauern durch nichts halten, sie kehrten wieder zu ihren Hütten zurück. Die Anführer blieben mit einige hundert Mann allein, dies waren Überläufer oder Fremde, die keine Familie hatten, zu der sie gehen konnten; aber sobald man ein neues Unternehmen versuchen wollte, war die Armee sehr schnell wieder vollzählig. Man sandte in alle Kirchspiele, die Sturmglocke ward gezogen, und alle Bauern stellten sich ein. Dann verlas man einen Aufruf folgenden Inhalts: "Im heiligen Namen Gottes, im Namen des Königs, wird das Kirchspiel *** eingeladen, so viel Mann als möglich an den und den Ort, an dem und dem Tage, zu der und der Stunde zu schicken, Lebensmittel sind mit zu bringen." Der Anführer, in dessen Gebiet das Kirchspiel lag, unterzeichnete den Aufruf, er ward mit Eifer befolgt; die Bauern stritten darum, wer sich stellen sollte. Jeder Soldat brachte Brod mit, die Generalen sorgten auch dafür, eine gewisse Anzahl backen zu lassen; Fleisch ward den Soldaten ausgetheilt. Die Generale forderten das zu den Lebensmitteln nöthige Korn und Schlachtvieh ein, und man sorgte dafür, diese Auflage auf die Edelleute, reiche Eigenthümer und die Güter der Ausgewanderten zu vertheilen. Doch war es nicht immer nöthig, zu solchen Forderungen seine Zuflucht zu nehmen, denn mit vieler Bereitwilligkeit schaffte man alles freiwillig. Die Dörfer schossen zusammen, um der Armee auf ihrem Zuge Karren und Brod nachzuschicken; die Bäuerinnen beteten knieend ihren Rosenkranz, hielten sich auf der Heerstraße und boten den Soldaten Lebensmittel an. Die Reichen gaben so viel, als ihnen möglich war. Da überdies die Versammlung des Heeres nie lange dauerte, so hat es auch nie an Lebensmitteln gefehlt.

Die Armee hatte also weder Wagen noch Gepäck; von Zelten war die Rede nicht. Die Lazarethe wurden mit großer Sorgfalt versehen, alle royalistische und republikanische Verwundete wurden nach St. Laurent an der Sevre gebracht. Die Schwesterschaft der Schwestern der Weisheit, welche eine Art Barmherzigen sind *), hatte dort ihren Hauptsitz; diese armen Schwestern, überall verjagt, hatten sich in großer Anzahl dorthin geflüchtet, es waren ihrer mehr als hundert. In dem nämlichen Städtchen hatten auch die Missionarien vom heiligen Geist sich der Krankenpflege gewidmet. Wundärzte folgten der Armee, andere hatten die Aufsicht über kleine Lazarethe an verschiedenen Orten.

*) Deren Amtspflicht Krankenpflege ist.

Wenn die Armee versammelt war, so theilte man sie in einzelne Kolonnen, um auf verschiedenen Punkten anzugreifen, die von den Generalen vorher bestimmt wurden. Man sagte: der und der geht jenen Weg, wer will ihm folgen? die Soldaten, welche ihn kannten, folgten ihm; blos dann, wenn eine Abtheilung vollzählig war, ließ man keine mehr dazu stoßen, sondern schickte sie nach einer andern Seite. Wenn die Anführer zu dem Angriffspunkte gekommen waren, bildeten sie die Kompagnieen ihrer Offiziere auf die nämliche Art. Man sagte nie zu den Soldaten, geht rechts oder links, man rief ihnen nur zu: geht auf dieses Haus, auf jenen dicken Baum zu, und dann begann der Angriff. Die Bauern unterließen nie, zu beten, ehe sie in die Schlacht gingen, und fast alle machten bei jedem Schuß das Zeichen des Kreuzes.

Uebrigens war es unmöglich, wenn man auch noch so viel hätte bieten wollen, sie als Schildwachen auszustellen, oder auf Patrouillen auszuschicken; diese Dienste mußten nöthigenfalls die Offiziere selbst übernehmen. Bei wichtigen vorher überlegten Gefechten trug man einige Fahnen voraus, sobald aber der Sieg errungen war, warfen die Bauern Fahnen und Trommeln auf einen Karren, und kamen, wie ein fröhlicher Haufen, zurück.

Bei'm Anfang der Schlacht, wenn die Artillerie und das kleine Gewehr sich hören ließ, gingen Frauen, Kinder und alles was von Einwohnern zurückblieb, in die Kirchen, um zu beten, oder warfen sich auf freiem Felde auf die Kniee, um Glück für unsere Waffen zu erflehen. So war in der ganzen Vendee auf einmal nur ein Gedanke, nur ein Gelübde; jeder erwartete betend den Ausgang einer Schlacht, von welcher das Schicksal aller abhing.

Dies ist das treue Gemälde der Vendee-Armee, während der ersten Monate des Krieges. Wenn man daraus sieht, wie wenig richtige Berechnung, Ordnung und Vorsicht zu ihrem Glück beigetragen haben, so wird dies Glück noch bewundernswerther scheinen. Gewöhnlich hat man sich die Insurektion ganz anders gedacht, und geglaubt, daß sie durch vielumfassende Pläne vorbereitet worden, die Anführer geschickte Politiker, und die Bauern blos ihre blinden Werkzeuge gewesen wären, die nur an der Ausführung großer, vorher gefaßter Absichten gearbeitet hätten. Wie sehr diese hochtönenden Auslegungen von der Wahrheit entfernt sind, springt in die Augen; dieser Krieg war mehr ein Vertheidigungs- als Angriffskrieg. Nie konnte ein Plan verabredet werden, der zu einem höhern Resultat geführt hätte, als zu dem der Sicherheit des Landes. Nach sehr günstigem Erfolg erwachte die Hoffnung gewiß sehr lebhaft in den Herzen aller Vendeer, kräftig zur Gegenrevolution beitragen zu können, aber dies hatte auf ihre Schritte keinen Einfluß. Uebrigens blieben auch in den kurzen Augenblicken, wo man sich dieser glücklichen Hoffnungen überlassen konnte, die Ansprüche der Insurgenten bescheiden und gemäßigt. Ich weiß nicht, welche ehrgeizigen Träume in der Folge einige Anführer gehabt haben mögen, aber der Wunsch der Armee, der guten Bauern und ihrer Offiziere, beschränkte sich auf sehr wenig. Ernstlich wünschten sie, "daß der Name Vendee, der ihnen von ungefähr gegeben worden, für eine Provinz, aus der ganzen Gegend der Holzung gebildet, beibehalten, und daß sie besonders verwaltet würde." Seit langer Zeit betrübten sich vernünftigen Männer, eine Gegend, die durch Sitten, Kunstfleiß und Beschaffenheit des Boden vereinigt war, in drei Theile zerstückelt zu sehen, und noch dazu hingen sie von drei verschiedenen Provinzen ab, deren Administration Bocage beständig vernachlässigt hatte. Zweitens würden sie den König gebeten haben, "dies wilde und entfernte Land eimal mit seiner Gegenwart zu beehren." Drittens wünschen sie die Erlaubniß, " daß zum Andenken des Krieges, die weiße Fahne immer auf den Thürmen jedes Kirchspiels gesteckt, und daß ein Korps Vendeer der Garde des Königs einverleibt werde."

Übrigens verlangten die Bauern weder Verringerung der Auflagen, noch Befreiung vom Kriegsdienst, oder andre besondere Vorrechte; man würde auch die Ausführung ehemaliger Entwürfe zur Eröffnung der Landstraßen und der Schiffahrt auf den Flüssen, wieder nachgesucht haben.

Es macht mir Freude, daß ich bei der Erzählung unsre Hoffnungen und Wünsche zeigen kann, wie sehr der Vendeekrieg den Charakter der Einfachheit, Vernunft und des edlen Eifers hatte; hierin war er von fast allen andern Insurrektionen sehr verschieden, bei welchen man selten diese Reinheit der Bewegungsgründe findet. –

Wir reisten von Bressuire den 4. Mai Morgens ab. Etwa eine halbe Viertelmeile von Chatillon fanden wir eine große Menge Leute aus der Stadt, die uns entgegen kamen, sie waren unter Waffen. Sie riefen vielmals: "es lebe der König, der Adel und die Geistlichen!" Sie fragten uns, wo Herr von Lescüre wäre, und da sie erfuhren, er sey bei der Armee, verdoppelten sie das Freudengeschrei. Zu Chatillon hielt eine dort eben angestellte Rathsversammlung uns eine Rede und wir mußten eine Ehrenwache annehmen. Wir entließen diese sehr bald, nachdem wir derselben dreißig Louisd'or geschenkt hatten, und setzten unsern Weg fort. Am Abend kamen wir im Schloß la Boulaye an. Wir bezogen dort unsre Wohnung, meine Mutter, meine Tante, Herr von Auzon, Herr Dessesarts, seine Tochter und ich.


Quellen.[]

  • Denkwürdigkeiten der Marquise de la Rochejaquelein, von ihr selbst geschrieben. Aus dem Französischen nach der dritten sehr vermehrten und verbesserten Ausgabe. Herausgegeben von Karl Müchler. Berlin, 1817. Bei August Petsch.
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