Von Bastille bis Waterloo. Wiki

British Library.


Beschreibung der Stadt Düsseldorf.[]

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Düsseldorf liegt unter dem 24°, 26' 36", 2 geographischer Länge und 51° 14' 4", 3 nördlicher Breite. Sie ist eine schöne, wohlgebaute Stadt in einer angenehmen ebnen Rheingegend, die ihrer niedlichen Häuser wegen mit den holländischen Städten viel ähnliches hat. Sie war ehedem immer die Residenz des Landesfürsten, und wurde erst kürzlich wieder von Herzog Birkenfeld zu seinen lebenslänglichen Aufenthalt gewählt. Sie ist der Sitz der Regierung und der hohen Landesstellen. Durch sie fließt die Düssel, und vereiniget sich unterhalb dem Schlosse mit dem Rheine. Die Festungswerke wurden gegen das Ende des lezten französischen Krieges geschleift. Man zählt hier mehr als 1387 Häuser, unter denen sich die der Karlstadt vortheilhaft auszeichnen. Das kurfürstliche Schloß hat im Jahr 1796 durch die französische Beschiessung zwar sehr viel gelitten, enthält aber an der vortrefflichen Bildergallerie, in welcher Gemälde von den besten teutschen, italienischen und niederländischen Malern sich befinden, einen kostbaren Schatz. Sehenswürdig sind hier noch die Gebäude der Akademie der schönen Wissenschaften, die Bibliothek, das physikalische Kabinet, der botanische Garten, die neuen Kasernen und die zu Pferdesitzende eherne Statue des Kurfürsten Joh. Wilhelms. Die Einwohner der Stadt, deren mehr als 12000 sind, bekennen sich theils zur katholischen, theils zur reformirten und lutherischen Religion, und haben Kirchen, Schulen und öffentliche Lehrer. Die Juden halten hier Synagogen. Auch befindet sich ein zahlreiches Militär in Garnison. Die Handlung fängt an lebhafter zu werden, als vorher, und mehrere Zweige der Industrie sind im Aufblüheu. So z. B. trifft man hier eine Seifensiederey, Essigbranerey, zwey Tabakmanufakturen, eine Schreibfederschleisserey, eine Senfmanufaktur, Baumwollenspinnereyen auf Handmaschinen und eine Färberey. In der neu errichteten Armenversorgungsanstalt werden Strümpfe, Fußteppiche und andre wollene Zeuge gemacht. Auch fehlt es nicht an Weinhändlern, Krämer, Klein- und Großhändlern aller Art. Die Neustadt und Pempelfort sind als Vorstädte zu betrachten, worinn durch mancherley Annehmlichkeiten für das Vergnügen der Stadtbewohner gesorgt ist; denn hier sind angenehme Spaziergänge, theils an den Ufern des Rheins, theils im Angesichte des prächtigen Jägerhauses und anderer schönen Gebäude und Anlagen zu Pempelfort. In den grossen geräumigen Waldungen und Düsseldorf fängt man viele kleine Pferde, die dort, wie das Wild herumlaufen, und denen man nur im Winter etwas Heu hinsteckt. Sie sind klein, und es kostet nicht wenig Mühe, sie abzurichten. -- Verschiedene der vornehmsten Einwohner leben zum Theil beständig, zum Theil nur während der angenehmen Jahrszeit in ihren Gärten, welche um die Stadt liegen, und nach Art kleiner Landsitze eingerichtet sind. Der unüberwindliche Hang zum Prozessiren aller Landeseinwohner, welche wechselsweise die Hauptstadt selbst besuchen, oder doch grosse Summen dahin schicken, macht Düsseldorf sehr lebhaft und gewerbsam. So z. B. sollen blos durch die Handwerksprozesse der Bürger von Solingen der Stadt allein jährlich 4000 Rthl. zufliessen. Durch die vortreffliche Lage am Rhein hat sie grosse Vortheile von dem Handel nach Holland und in alle benachbarte Gegenden, auch tief in Teutschland. Der stärkste Handel wird Indeß mit Getreid getrieben. Düsseldorf ist übrigens unter den Bergischen Städten, welche auf dem Landtage Sitz und Stimme haben, der Ordnung nach die dritte, obgleich hier die Landstände ihre Versammlungen halten.


Düsseldorf.[]

[2]
Düsseldorf, wohlgebaute, schöne und stark bevölkerte Hauptstadt des Herzogthums Berg, an der Düssel, wo sie in den Rhein fällt. Sie ist befestigt, hat ein ehemals prächtiges Schloß, welches seit J. 1794 durch das Bombardement der Franzosen in Ruinen lag; jezt aber wieder zur Residenz des Herzogs Wilhelms von Pfalz-Birkenfeld eingerichtet worden ist. Die zwey wichtigen Bildergallerien, darinn kostbare Gemä~de von Rubens, von der Dyck xc. nebst mehrern merkwürdigen Sachen anzutreffen sind, hat man gerettet. Ausserdem findet man in der Stadt die Jülich-Bergischen Landescollegia eine Malerakademie, eine 1776 errichtete Handlungsakademie und einen neuen kurfürstlichen, durch die Franzosen vernichteten Marstall und einen regelmäßigen Marktplatz, an welchem das Rathhaus und Gouvernementhaus liegt. Auf diesem Platze hat sich die große metallene Statue des Kurfürsten Joh. Wilhelm zu Pferd in den lezten Besitznehmungen der Franzosen erhalten. Die Stadt wurde vom J. 1795 an durch die Franzosen zu einer Festung, deren Werke aber beym Frieden wieder demolirt worden sind. Es werden hier sehr schöne gemalte Papiertapeten, Seife, Essig, Tabak, Senf, Wollenzeuge xc. verfertigt. Hier ist auch die westphälische Kreiskanzley. Im J. 1785 rechnete man allda 10,000 Einwohner, und diese Anzahl hat sich seitdem auf 12,102 vermehrt.


[3]
Düsseldorf, zählte im Jahr 1806. 19008 Seelen. Die Bildergallerie wurde nach München abgeführt. Die Stadt ist seit 1806 die Residenz des Großherzogs von Berg, der Sitz des Oberappellationstribunals und der übrigen höchsten Landeskollegien, die Hauptstadt des Landes, der Hauptort im Departem. des Rheins, und der Hauptort eines Bezirks, welcher die Cantons Düsseldorf, Ratingen, Velbert, Mettman, Richrath und Oppladen, begreift. 1806 ist die Universität von Duisburg nach Düsseldorf versetzt worden.


Düsseldorf..[]

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Düsseldorf, während der französischen Herrschaft die Hauptstadt des Großherzogthums Berg, nun aber der Sitz der Regierung des preußischen Herzogthums Berg, zählt gegen 1600 Häuser und an 13,000 Einwohner. Ungeachtet ihrer günstigen Lage am Einfluß der Düssel in den Rhein war Düsseldorfs Handel in älteren Zeiten ohne alle Bedeutung. Nach geschehener Definitiv-Vereinigung des linken Rheinufers mit Frankreich haben die Düsseldorfer ihre bisher nur schwach bestandene Schiffahrt mit Holland sehr ausgedehnt. Von dieser Zeit an vermehrte sich auf der einen Seite die Versendung der täglich an Extension gewinnenden bergischen Fabrikate und auf der andern das Einkommen der zu den bergischen Fabriken erforderlichen Urstoffe. Auch wurde jetzt der Zwischenhandel mit Colonialwaaren und Getraide, so wie das Wechsel- und Geld-Negoz, und die Spedition sehr lebhaft. Düsseldorfs Handelsstand gab sich in dieser Zeit alle Mühe, auch freie Fahrt nach dem Oberrhein zu erhalten, und von der Umladungs-Verbindlichkeit in Cöln und Mainz befreit zu werden. Diese Bemühungen hatten beim französischen Gouvernement aber keinen Erfolg, und die Stadt hat nur das Recht beibehalten, während der frankfurter Messen bei Cöln und Mainz den Rhein auf- und niederzupassiren, ohne der Umladung unterworfen zu seyn. Düsseldorf hat einen Freihafen und eine Handlungskammer. Vor der Einführung der französischen Tabaksregie war auch die Rauch- und Schnupftabaks-Fabrikation von Bedeutung. Sehr berühmt ist der düsseldorfer Senf, welcher weit und breit versandt wird. Es existiren noch verschiedene andere Fabriken in Düsseldorf, von denen jedoch keine sich zu besonderer Bedeutung erhoben hat. Zu den ehemaligen Merkwürdigkeiten von Düsseldorf gehörte die berühmte Gemäldegallerie. Forster hat sie in seinen herrlichen Ansichten xc. beschrieben. Auch gibt es ein Verzeichniß derselben von Hrn. von Pigage. Zu Anfang des französischen Revolutionskrieges wurde sie nach Holstein geflüchtet und nach der Cession des Landes an Frankreich kam sie nach München. In den neunziger Jahren wurde Düsseldorf durch die Anbauung der Carlstadt eben so erweitert als verschönert, und sie gehört mit zu den angenehmsten Städten Deutschlands. Die daselbst befindliche Universität ist ganz unbedeutend geworden.


Zeitungsnachrichten.[]

1808.[]

Politische Notizen. [5] [Dezember]

Die Familienväter der Judenschaft, die in Düsseldorf wohnhaft ist, haben mit Feierlichkeit den Eid der Treue dem Kaiser abgelegt. Von diesem Augenblick an genießen sie nun alle bürgerliche Rechte.


Quellen.[]

  1. Erdbeschreibung der gesammten pfalzbairischen Besitzungen mit steter Hinsicht auf Topographie, Geschichte, physische Beschaffenheit, Land- und Staatswirthschaft, von Johann Georg Prändel, Professor der Mathematik,. . . Amberg, in der Uhlmannschen Buchhandlung, 1806.
  2. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  3. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  4. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  5. Neues Politisches Journal oder: Der Kriegsbote. Hamburg, Büreau für Litteratur, 1808.


Literatur.[]

  • Wegweiser Düsseldorf's oder Grundlage zur Geographisch-, Statistisch-, Topographisch-, Historischen Darstellung von Düsseldorf, nach seinen frühern und derzeitigen Verhältnissen. Aus den zuverläßigsten Quellen entnommen, zusammengetragen und aufgestellt vom Königlich-Preußischen Kreis-Polizei-Inspektor Carl Heinrich August Mindel. Düsseldorf, gedruckt bey Hofkammerrath Stahl, 1817.
  • Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf nach seinem Umfange, seiner Verwaltungs-Eintheilung und Bevölkerung. Düsseldorf, 1817. Gedruckt bei Hofkammerrath Stahl, Grabenstraße Nro. 429 3/4.