Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Departement der Marne.[]


9. Das Departement der Marne,[1] das seinen Namen von dem Flusse Marne hat, der es durchströmt, uod hier mehrere kleine Flüßchen aufnimmt. Der Flächenraum beträgt 146 Quadr. Meilen, die Bevölkerung aber nur 310,500 Seelen. Es besteht aus den vormals zu Champagne gehörigen Ländchen Remois und Perthois, nebst demjenigen Theile von Brie, welcher den Beinamen pouilleuse (d. h. die lausige) erhalten hat. Dieses Departement ist in die fünf Gemeindebezirke von Chalons, Rheims, St. Menehould, Vitry und Epernay abgetheilt, welche in 32 Cantonen, 699 Gemeinden unter sich begreifen.

1) Chalons (mit dem Beinamen sur Marne) ansehnliche Stadt mit etwas über 12000 Einwohnern, in einem angenehmen Thale an der Marne, 41 fr. M. von Paris. Die Stadt ist ziemlich groß, hat 2800 Feuerstellen, ist aber nicht hübsch, sondern altmodisch gebaut, mit vielen engen und krummen Gassen, und meistens unansehnlichen Häusern. Der Marktplatz zeichnet sich aus; auf demselben steht das schöne Rathhaus. Ueber die Marne und ihren Arm führen 13 Brücken, worunter eine, die im J. 1787 erbaut wurde wahrhaft prächtig ist. Sehr anmuthig ist der öffentliche Spazierplatz Jard von der Stadt. Man fabricirt hier Tuch, allerlei Zeuche, Gersche, Leinwand, Essig, Senf u. s. w., doch Alles nicht in beträchtlicher Menge; auch ist der Handel seit der Eröffnung des Kanals von Briare sehr gesunken. Die Stadt ist jetzt der Sitz der oberen Gewalten des Departements.

2) Reims oder Rheims, Hauptort eines Bezirks, (vormals des Ländchens Remois) alte und ansehnliche Stadt, mit etwa 32,000 Einwohnern, in einer von Bergen umgebenen Ebene an der Vesle, 9 fr. M. von Chalons, 34 von Paris. Die Stadt ist groß und schön, alt und berühmt, hatte vormals einen Erzbischof, welchem das Recht zustand, die Könige von Frankreich zu salben, und eine Universität. Die alte gothische Domkirche, in welcher jene Salbung geschah, ist ein sehr schönes, merkwürdiges Gebäude *); das Rathhaus hat eine sehr schöne Façade. Der Freiheits- (vormals Ludwigs-) Platz, zeichnet sich vortheilhaft aus. Außer mehreren anderen Sehenswürdigkeiten ist auch die hydraulische Maschine zu bemerken, welche die Stadt mit trinkbarem Wasser versieht. Man findet hier schöne Promenaden, auch römische Alterthümer. Man fabricirt daselbst allerlei Wollen- und Seidenzeuche, Tücher, Flanelle, Leinwand, Hüte, Strümpfe, Flor, Lichter u. s. w., mit welchen, eben so wie mit Wein und Getraide, ansehnlicher Handel getrieben wird.

*) Man sehe den Ausriß ihrer Fasade auf Tafel 7.

3) Sainte Menehould mit 5200 Einwohnern, hübsch und symmetrisch gebaute Stadt zwischen Felsen, zu beiden Seiten der Aisne. Es sind hier und in der umliegenden Gegend Glasfabriken, Gärbereien, eine Fayencefabrik, eine Rothgießerei, Ziegelhütten, Eisenschmelzen u. s. w.

4) Vitry-sur-Marne (sonst Virty-le-français) hübsche feste Stadt mit 7400 Einwohnern, an der Marne, mit Gärbereien, Zeuch- und Strumpffabriken.

5) Epernay, kleine alte Stadt mit 4000 Einwohnern, in einer sehr schönen Gegend, - Hauptorte von Bezirken.


Carte du Département de la Marne.


Quellen.[]

  1. Neueste Kunde von Frankreich nach dessen gegenwärtigem Zustand aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Prag 1808, in der Diesbachischen Buchhandlung.
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