Kurzgefasste historische Darstellung der Entstehung und des Wachsthums des Französischen Haupt-Krieges-Depôts.[]
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Die Kriege unter Ludwig dem Vierzehnten hatten gelehrt: dass die Einrichtung in dem Kriegesdepartement sehr unvollkommen sei; dass die Geschäfte sich, bei dem gebräuchlichen Gange, verwirrten, statt man sie hätte zu vereinfachen suchen sollen. Louvois legte zuerst Hand an; er liess das Depôt zu einem Laboratorium umschaffen, von welchem Leben und Bewegung der Heere ausgehen und die Dokumente des Ruhmes oder der gemachten Fehler niedergelegt werden sollten. Und indem er mit seinem Charakter, und seinen Kenntnissen als Geschäftsmann, sowohl auf das Personal, als auf die Anordnung der verschiedenen Klassen dieses Instituts wirkte, sah man bald die wohlthätigen Folgen dieser neuen Anordnung. Alle Schriften, sowohl der Departements, als Correspondenz der Generale, wurden hier niedergelegt.
Nach Louvois Tode trat Gleichgültigkeit gegen diese Schätze ein; man sah sie nur als aufgehobene Akten an. Nachsuchungen politischer Art waren dann Veranlassung, dass das Archiv in das Hotel der Invaliden verlegt und ihm einige Commis zur Aufsicht gesetzt wurden, bis endlich das Nachsuchen über alle Lieferungs-Rechnungen den Schatz entdeckte. Nun fing man an die Materien zu ordnen; die Correspondenz der Generale wurde der Zeitfolge nach zusammen getragen, und nach den verschiedenen Kriegen gesondert. Jeder Band ward mit einem Register und dem Tagebuche der militairischen Operationen des Jahres versehen.
Diese Werke häuften sich zu 2700 Bänden an, und gehen vom elften Jahrhundert bis in die letzten Jahre des Amerikanischen Krieges; sie machten das sogenannte alte Archiv aus. Ein Zögling Villars, der Marschall von Maillebois, erhielt die Direktion.
Im Jahre 1696 wurden die sonst vom Krieges-Depôt getrennt gewesenen Ingenieur-Geographen, zu einem eigenen Corps gebildet, und Feld- und Armee-Ingenieurs genannt. 1762 kam der Titel Feld- und Armee-Ingenieur-Geographen hinzu. Sie dienten in dem um diese Zeit folgenden Kriege bei dem Generalstabe zum Aufnehmen; doch da sie bloss für den Stab arbeiteten, so sah man auch noch nicht den grossen Nutzen, selbst für das Karten- und Plan-Depôt, das von Krieges-Depôt getrennt war.
Im Jahre 1744, während der Italiänischen Kriege, ward das Karten- und Plan-Depôt des Kriegesministeriums mit dem der Fortifikationen vereinigt, wodurch zugleich die Ingenieur-Geographen zu einem besondern Corps der Armee organisirt, und nach Versailles in Garnison gelegt wurden.
Nach dem Aachener Frieden ward auch der erste und grosse Schritt zur Vervollkommnung der Topographie gemacht, indem die schon lange vorbereitete Cassinische Karte 1750 unternommen wurde.
Die für das Kriegesdepartement durch den siebenjährigen Krieg entstehenden Geschäfte, wurden Veranlassung zur Erbauung des Krieges-Hôtels in Versailles. Berthier, Officier des Generalstabs in den Flanderschen Kriegen, erhielt die Leitung des Karten- und Plan-Depôts, welches nun wieder von jenem der Fortifikation getrennt wurde. Um diese Zeit wurden kostbare Materialien über einige Länder Deutschlands für dieses Institut geliefert; so wie auch das Krieges-Depôt, das noch an seinem alten Orte war, treffliche Arbeiten über Deutschland und Italien erhielt *). 1761 kam es auch in das neu erbauete Hôtel, so wie die Ingenieur-Geographen, Karten und Plane.
- *) Herr de Vault war jetzt Direktor des Depôts; sein Adjutant, Herr Beaudouin, im siebenjährigen Kriege Chef der Ingenieur-Geographen, lieferte die erwähnten Arbeiten.
Bei der Menge der Schriften fehlte noch immer die Vereinigung aller auf eine Begebenheit oder einen Feldzug Bezug habenden Schriften; diese Arbeit unternahm Herr de Vault, und bearbeitete ein Werk in 125 Bänden, das von 1677 bis 1763 geht. Bis hier geht nun das sogenannte alte Archiv.
Im Jahre 1769 ward das Corps der Ingenieurs-Geographen noch mehr organisirt; sie arbeiteten dann die Reihenfolge der Operationen des siebenjährigen Krieges. Der Minister St. Germain vertheilte sie 1776 in die Genie-Direktionen, um gemeinschaftlich mit diesen, unter Leitung des Direktors der Fortifikationen, zu arbeiten. 1777 wurden erstere Militair-Ingenieur-Geographen genannt.
Herr de Vault und Beaudouin starben; Mathieu Dumas folgte ersterem 1790.
Die Gewitter der Revolution naheten; deshalb ward das Depôt 1791 nach Paris verlegt.
In diesem Jahre noch trennte die Nationalversammlung das Fortifikations-Depôt vom Krieges-Depôt, hob die Ingenieur-Geographen auf, und übertrug den Officieren des Geniecorps ihre Verrichtungen.
Der entstehende Krieg war Ursache, dass man dem Institut eine neue Organisation gab.
Das vom Könige den 25sten April 1792 gegebene Reglement war im wesentlichen folgendes:
- Das Krieges-Depôt enthält
- 1) die Correspondenz der Generale und Minister aller geführten Krieges dieses und des Endes des vorigen Jahrhunderts; die Details der Operationen; Nachrichten über die Schauplätze, und historische Darstellung der Feldzüge;
- 2) die Karten fast aller Küsten und Gränzen des Landes, so wie die Zeichnungen von Nr. I.; die vorzüglichsten Karten fast aller Theile von Europa, nebst angefertigten Memoirs und Planen von den Officieren des Generalstabs.
Wer die Direktion erhält, soll hieraus Auszüge machen, die den Minister in Stand setzen können, mit Sicherheit den Plan eines Feldzuges entwerfen und die Operationen verfolgen zu können.
Der General-Direktor soll alles so inventariren, dass man das Verlangte schleunig auffinden kann; das Kabinet des Ministers erhält ein solches Inventarium.
Keinem wird, ohne schriftliche Erlaubniss des Ministers, etwas anvertrauet; er selbst muss einen Empfangschein geben.
Der Direktor soll
- 1) das Vorhandene analysiren;
- 2) was neu bearbeitet werden muss, so wie die Gegenden, wo topographische Operationen von dem General-Adjutanten einer jeden Division vorgenommen werden müssen, bestimmen, und dies dem Minister anzeigen;
- 3) im Voraus, in militairischer Hinsicht, Vortheile und Nachtheile möglicher Gränzveränderungen berechnen, und sich darüber mit der Comité der Fortifikationen, oder dem Direktor dieses Depôts, in Hinsicht der Vertheidigung gewisser Plätze besprechen;
- 4) die militairischen Ansichten, wo Gränzvertheidingungen einer Verbesserung bedürfen, oder neue Strassen, Kanäle und Brücken angelegt werden müssen;
- 5) alle Schriften ect. in Klassen ordnen, die für einen militairischen Unterricht die passendsten sind.
Der Direktor des Fortifikations-Depôts wird bei allen diesen Arbeiten zugezogen; so wie dies Depôt Beschreibungen der Kriegesschauplätze und verschanzten Läger liefern wird.
Die Direktoren beider Depôts können wechselseitig von den Materialien des andern Abschriften nehmen lassen.
Die Ingenieure der Brücken und Strassen sollen ihre Vorschläge durch ihre Direktoren dem Minister machen lassen, damit seine Verfügungen mit dem militairischen Nutzen übereinstimmen.
Es verging einige Zeit, ehe Officiere mit hinreichenden Kenntnissen an die Spitze gesetzt wurden, bis Carnot 1793 ein besonderes topographisches Kabinet bildete, zu welchem ihm das Krieges-Depôt die Elemente hergeben musste.
Der Mangel der Ingenieur-Geographen zeigte sich nun immer dringender; die Officiere des Geniecorps hatten zu viel andere Arbeiten; die alten waren zerstreuet; man musste also eine neues organisiren. In 6 Wochen wurden 3 Brigaden, jede zu 12 Mitgliedern, errichtet; 12 Eleven wurden für das Corps unterrichtet, geschickte Officiere zugezogen, so dass 38 für die innere Arbeit und 36 Ingenieur-Geographen, bei den Heeren vertheilt, zusammen kamen.
- (Die Fortsetzung folgt.)
Quellen.[]
- ↑ Mars. Eine allgemeine militärische Zeitung. Berlin, 1805. In der Himburgischen Buchhandlung.