Juli.[]
Paris, vom 5. Heumonat. [1]
Das N. Convent erhielt in der Seßion am 1. dieses Monats Depeschen von seinen Commissarien oder den Volks-Representanten bey der Armee an der Küste von Brest, worinn sie aus Nantes unterm 27. Junius berichten: Die bevorstehende dieser Stadt drohende Gefahren haben sie bewogen zu deklarieren, daß sich die selbe in dem Zustand der Belagerung befi_de. (Die jüngst erwähnten über die Rebellen erfochtene Vortheile scheinen also nicht sehr entscheidend gewesen zu seyn.) Sie haben deswegen gemeinschaftlich mit dem General Canclaux und den konstituierten Autoritäten eine Proklamazion publizieren lassen und Verfügungen getroffen, deren Genehmigung sie von dem N. C. verlangen. In der Proklamazion fordern sie die Einwohnern von Nantes auf, die Freiheit aufs standhafteste zu vertheidigen und sagen unter anderm: Da diese Stadt auf allen Seiten von Feinden umringt sey, so sey es höchst nöthig, daß das die belagerten Städte betreffende Gesez vollzogen werde und die Sorge für ihre Vertheidigung nicht mehr bey der bürgerlichen Autorität stehe, und also die bewafnete Macht künftig nur nach den Befehlen der militärischen Chefs agiere. Das N. Convent hat diese Verfügungen der Volks-Representanten in Nantes genehmiget. -- Aus Corsika hat man Nachrichten erhalten, welche zufolg in diesem Departement die Gegen-Revoluzion völlig ausgebrochen ist. Ein von dem Wohlfahrts-Committe dem N. Convent zugestelltes Schreiben von einem der 3. dortigen Commissarien aus Bastia vom 27. Junius ertheilt darüber folgenden Bericht: Alles ist nun vollendet, die Contre-Revolution ist vollständig, Paoli ist zum Generalißimus ernannt; die Geistlichkeit ist wieder in ihre vorigen Rechte eingesezt; die Emigrierten sind zurük gekommen. Paoli hat der Masque, der Religion sich bedient; er ist zum Presidenten der Consulta oder ausserordentlichen Versammlung der Deputierten aller Commünen von Corsika gewählt worden; vier Fünftheile der Einwohner dieser Insel haben sich von ihm verführen lassen. In verschiedenen Gegenden haben sie bey 1000. bis 1200. an der Zahl die Waaffen ergriffen, und zwar auf Kosten der Republik, indem sie sich der Magazine bemächtigten. Diejenigen welche noch einigen Muth in der Vertheidigung der Repu~~ nischen Parthey zeigen, werden niedergeschossen; die St__te werden als rebellisch deklariert, wenn sie für die Republik sind, und durch starke Besazungen im Zaum gehalten. Paoli hat eine Schrift gegen die Commissarien pub__ziert, die er Zerstörer aller Ordnung und Agenten von Genua nennt. St. Florent, Bastia und Calvi halten es noch mit der Republik, und unsere dortigen Besazungen sind sehr zu gelegener Zeit durch das Bataillon von Aveyron verstärkt worden. Die Consulta hat am 26. May ihre Sizungen unter Paolis Presidium eröfnet. Diese Versammlung hat alle patriotischgesinnten Deputierten proscribirt; ihre Familien sind in Verhaft genommen und ihre Häuser in Brand gestekt worden. Sie haben verordnet, daß alle Militärs, die für die Republik waren, aufgefordert werden sollen, innerhalb 3. Tagen ihre Fahnen zu verlassen, in welchem Fall sie Pardon erhalten, sonst aber, wenn sie der Aufforderung nicht folgen, gefangen genommen und ihre Güter konfisziert werden sollen.
Das N. Convent hat in seiner vorgestrigen Seßion aus Vernon im Departement der Eüre in der Normandie die Nachricht erhalten, daß in dem dortigen Canton und den benachbarten Commünen General-Marsch geschlagen werde, um sich dem Marsch der Armee von Evreux, dem Hauptort dieses Departements, an der Gränze von Isle de France, die sich Paris schon bis auf 16. Stunden genähert habe, entgegen zu sezen; weil aber die Anzahl der Aristokraten in dortiger Gegend sehr groß sey, so werde wohl die Stadt Vernon, die an der Seine liegt, und patriotisch gesinnt ist, ein Opfer von der Rachsucht der Administratoren von Evreux werden, und es sey also höchst nöthig, daß Paris zu ihrer Beschüzung Truppen marschieren lasse. Der Bischoff von Evreux, Lindet, ein Mitglied des N. Convents, zeigte in der gestrigen Seßion hierüber noch weiter an; daß die Armee, welche auf Büzots Anstiftung gegen Paris marschiere, sich bereits von Passy an der Eüre bemächtiget habe und nun gegen Vernon anrücke; diese patriotische gesinnte Stadt werde nun wohl für ihre Anhänglichkeit an die Einheit der Republik büssen müssen; Büzot, (eins von den zum Verhaft verurtheilten, aber entwischten Conventsgliedern) werde in Zeit von 8 Tagen mit 4000 Mann aus dem Departement von Calvados in Evreux seyn, und man dörffe keinen Augenblik versäumen, wenn man verhüten wolle, daß Paris die Lebensmittel von dieser Seite her abgeschnitten werden. Das Wohlfahrts Comitte müßte also aufgefordert werden sich über die hierüber genohmenen Maasregeln zu erklären. Ein Mitglied dieses Comitte erwiedere hierauf; diese Maasregeln seyen bereits genohmen worden; aber es würde unklug seyn, dieselben offentlich bekannt zu machen. Dieses beruhigte die Versammlung.
Ein Schreiben des General Cüstine aus Cambray vom 30 des v. M., welches in dem N. C. verlesen worden, enthielt Aeusserungen seines Unwillens über die von einigen Journalisten gegen ihn ausgestreuten Verläumdungen. Merkwürdiger als das Schreiben selbst ist ein Postscript desselben, worinn Cüstine, zwar noch ziemlich unbestimmt, eines unerwarteten Umstandes des Erwähnung thut; er schreibt nemlich: man hatte aus England Nachricht erhalten, daß 12000 zur See aus Petersburg abgegangene Russen ankommen werden; die sollen nun gegenwärtig zu Quievrain im Henegau sich befinden. (Vermuthlich hätten sie also in Ostend oder dortherum gelandet.) -- In einem zweiten Schreiben vom 2ten dieses Monats berichtet der General die Truppen der R__ublik seyen am 1. zu gleicher Zeit von einer überlegenen feindlichen Macht angegriffen worden; haben sich aber theils standhaft auf ihrem Posten behauptet, theils die Feinde mit Verlust zurükgetrieben; so daß die Communikation zwischen Douai und Lille noch nicht abgeschnitten sey. Uebrigens ist das alles, was die Umstände und Vorfälle bey den Armeen an den Niederländischen Grenzen anbetrift. Weder von Valenciennes noch von Conde ist nichts neues einberichtet worden.
Die Munizipalitäts-Beamten der Commüne von Louveciennes bey Marly haben dem N. Convent berichtet, daß sie die berüchtigte Dübarry, die unter der vorlezten Regierung so viel von sich reden gemacht, haben in Verhaft nehmen lassen; sie habe alle Aristokraten in dortiger Gegend bey sich aufgenommen, und mit der nicht wenig Verdacht erregenden Erlaubniß des Ministers Lebrün verschiedene Reisen nach Engelland gemacht.
Die lange daurende Unthätigkeit der Französischen Flotte unter dem Admiral Trüguet seit ihrer fehlgeschlagenen Unternemmung auf Sardinien muste natürlicher Weise bey dem Publikum Verwunderung erregen. Dieser Umstand veranlast hier die Mittheilung eines Schreibens von dem genannten Admiral an den Presidenten des N. Convents; dasselbe ist in Paris vom 28. des vorigen Monats datiert und lautet also: Bürger und President! Ich bin der Republik für meine Handlungen, aber eben darinn auch für meine Unthätigkeit verantwortlich. Da ich nach Paris beruffen worden um Vorschläge zu thun über die Anwendung unserer Flotte im mittelländischen Meer und die Einrichtung unserer Seemacht, so bleibt mir nun weiter nichts übrig, als daß ich in meiner Qualität eines Befehlshabers und Bürgers ansuche, man möchte mich in den stand sezen, meinem Vatterland nüzlich zu seyn. Drey Monate sind nun verflossen und das sich verwundernde Europa fragt, was aus den Schiffen und Seeleuten Frankreichs geworden sey? Unsere Handlung in der Levante ist dem Untergang nahe; die Seuche der Insubordination greift immer weiter um sich; der niederträchtige persönliche Eigennuz dekt sich mit der Maske des Patriotismus, und die Feinde kreuzen an unsern Küsten und drohen uns. Wie können wir den Gedanken von einer auch nur eine zeitlang daurenden Superiorität der Spanier ertragen? welche Schande für ein republikanisches Gemüth, für einen Französis. Seemann! Ich muß ihnen die Wahrheit sagen; ich bin sie meinem Vatterland und mir selbst schuldig. Ja wir haben eine furchtbare Seemacht, die besten Schiffe von der Welt und fürtrefliche Seeleute, die von Patriotismus und Muth entflammt sind und unter den republikanischen Flaggen unüberwindlich seyn würden; aber ich weiß nicht was für eine Schläfrigkeit alle unsere Arbeiten fesselt, und die Ausführung der von mir vorgeschlagenen Plane hindert; eine unsichtbare Aristokratie zerstört alle unsere Hülfsmittel, und unterhält in unsern Seehäfen eine sträfliche Bewegung, die uns beschimpft und zu Grunde richtet; noch ist es Zeit; gerechte Geseze, strenge Regeln müssen die gutgesinnten lehren, was sie zu thun und die übelgesinnten, was sie zu fürchten haben. Die Disciplin ist die beste Waaffenrüstung; die Schiffsarmee in Toulon etwartet sie und ihr Befehlshaber deklamiert, daß er ohne dieselbe nichts ausrichten könne. Nicht das Com'ando allein; die Gehorsam sichert den glüklichen Erfolg und den Ruhm: u. s. w.
Paris, vom 8. Heumonat [2]
Die Volcks-Representanten bey der Armee an der Küste von Rochelle haben in ihrem Schreiben aus Saumür vom 1. dieses dem N. Convent berichtet: daß sie am 30. Junius daselbst mit der Avant-Garde angekommen, und die ganze Armee ihnen folge; sie haben sogleich unter lautem Zuruf des Volcks den Freyheits-Baum wieder aufrichten, und die dortige Citadel in Vertheydigungsstand sezen lassen; viele von den Verräthern, welche Saumür den Feinden in die Hände geliefert haben, seyen bereits in Verhaft genohmen und ihre Güter eingezogen worden.
In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent Nachricht, daß Nantes gerettet sey. Partikular-Briefe hatten schon am Tag vorher das Gerücht verbreitet; ein Mitglied des N. Convents zeigte diesen Brief zufolg demselben an, daß die Royalisten in der Nacht vom 29. auf den 30. Junius Nantes angegriffen, aber zurückgeschlagen worden seyen und so viel Volck verlohren haben, daß man ihre Armee als nicht mehr vorhanden ansehen könne. Dieser vorläufige Bericht ist nun durch offiziellen Depeschen von den dortigen Volck-Representanten und Generalen bestätiget worden. Einer der ersten, Merlin, schreibt darüber aus Nantes selbst vom 30. Junius folgendes: vorgestern und gestern den ganzen Tag ist diese Stadt belagert worden, aber ohne einigen Erfolg. Die 18. Stunden lang daurende Belagerung endigte sich mit einem Gefecht, welches zum Ruhm der tapfern Einwohner von Nantes und der sie unterstüzenden muthigen Garnison ausgefallen ist. Schon seit dem 28. war die Stadt lebhaft bombardiert worden, allein man hat das Kanonenfeuer eben so lebhaft erwiedert; wir hielten indessen dieses blos für einen falschen Angriff. Am 29. kamen die Rebellen in 3. starcken Kolonnen zum Vorschein, jede mit 20. Kanonen versehen; eine dieser Colonnen bestand aus 8000. Mann auserlesener Truppen; das Gefecht daurte den ganzen Tag, schon um Mittag hatten wir viele von den Feinden erlegt, und besonders mehrere Officiers; endlich bey Anbruch der Nacht benahm die tapfere Gegenwehr der Einwohner von Nantes den Rebellen vollends allen Muth; sie lieffen mit sehr grossem Verlust aus einander und haben sich bis auf 3. Stunden weit zurück gezogen. Dem General Canclaux, welcher unsere Truppen anführte, ist eine Kugel durch das Kleid gefahren und seinem Adjutanten, der sich neben ihm befand, hat eine Kanonen-Kugel den Schenken gequetscht. Die Anzahl unserer Verwundeten belauft sich auf 150., die Anzahl der Todten wissen wir noch nicht bestimmt. Die Stadt Nantes, auf welche sich die Rebellen sichere Rechnung machten, blieb während der 18stündigen Belagerung ganz still und ruhig, die dortigen Uebelgesinnten wurden durch die nachdrücklichsten und schärfsten Maas-Regeln in Schranken gehalten. Unter der 8000. Mann starcken feindlichen Kolonne waren über 300. Deutsche, und man hat unter ihnen Todten Desertörs von der Legion Germanique und andere gefunden, welche Rosenkränze auf den Hüthen hatten. -- Mit diesem Bericht stimmt auch der vom General Beysser überein, welcher die Defensions-Arbeiten und Operazionen dirigierte. Ein Scheiben des General Canclaux aus Nantes vom 2ten dieses sagt: der am 29. erfochtene Sieg sey noch vollständiger, als er in den ersten Berichten angegeben worden: die Rebellen seyen gänzlich ausgerottet; man wisse zuverläßig, daß mehrere ihrer Anführer geblieben seyen; wenn sie noch nicht über die Loire zurückgegangen seyen, so komme dieses bloß daher, daß die Truppen von Nantes zu sehr ermüdet waren, um sie weit zu verfolgen.
Nicht glüklicher als bey Nantes geht es den Royalisten bey Niort und Bessüyre. Der General Westermann hat darüber an den General Biron folgendes berichtet: Ich habe die Patrioten von Parthenay an den Rebellen auf eine ausgezeichnete Weise gerächet; ich habe sie in Amaillon, wo sie sich zuerst versammelt hatten, angegriffen, sie geschlagen, dieses Dorf der Plünderung Preis gegeben, und in Brand stecken lassen, nachdem vorher alle darinn gefundene Beute den Einwohnern von Parthenay zugestellt worden. Morgen werde ich nach Bessüyre marschieren, wo ich die dort sich aufhaltenden 15000. Rebellen ebenfalls zu vertreiben hoffe; das Schloß des Escüre, eines ihrer Anführer, habe ich in Brand steken und von Grund aus zerstören lassen; den Escüre selbst aber nur um wenige Stunden verfehlt. Die Plünderung von Amaillon hat unter den Rebellen Schreken verbreitet, und viele von ihnen kehren nach Haus zurük. Beaurepaire, auch einer von ihren Chefs, ist ums Leben gekommen. -- In einer zweiten Depesche an General Biron schreibt Westerman: Ich bin wircklich in Bessüyre; die Rebellen sind da, so wie in Amaillon geschlagen worden; morgen gehe ich nach Chatillon, wo ich sie gleichfalls zu vertreiben hoffe. -- Auch dieses ist zufolg einer in der gestrigen Seßion erhaltenen Nachricht geschehen; Westermann hat sich der Stadt Chatillon bemächtiget, wo das Haupt Quartier und das Central Committe der Rebellen war. Vor dem Einmarsch der Franzosen in diese Stadt ist ein zwostündiges Gefecht vorgefallen, in welchem die Rebellen 2000. Mann, 5. Kanonen und alle ihre Munition und Lebensmittel verlohren haben. Die Fahne der Kathol. Armee ist weggenommen worden; sie ist weis, mit 3. in Gold gestikten Lilien; 600. Französische Kriegsgefangene und die Weiber und Kinder der Richter und Administratoren von Parthenay waren in Chatillon in Verhaft; Westermann hat sie nun in Freiheit gesezt. Dieser General hat Verstärkung und Lebensmittel von Niort erhalten; er marschiert nun gegen Cholet und von da gerade nach Nantes.
Der Prokureür-General Syndik vom Departement der östlichen Pyrenäen hat unterm 27. des vorigen Monats berichtet, daß die Vestung Bellegarde in Roussillon nach einer tapfern Gegenwehr am 25. sich an die Spanier habe ergeben müssen. Die Wälle, bewohnbaren Häuser und Casematten waren ruiniert und die Soldaten fanden keinen Schuz mehr gegen die Bomben; die Spanier wußten die Noth, worinn die Vestung sich befand und daß die Besazung nur noch für wenige Tage Lebens-Mittel hatte, und darum haben sie derselben auch weiter nichts als den Auszug mit allen militarischen Ehren bewilligt, aber sie dann zu Kriegs-Gefangenen gemacht. -- Zu gleicher Zeit berichtete der General Deflers, welcher die Armee an den östlichen Pyrenäen kommandiert, vom 1. dieses aus Perpignan: die Feinde haben die beyden Pläze Mont Libre und Callioure angegriffen; sie seyen zwar mit einigem Verlust zurückgetrieben worden; aber dem ungeachtet könne der leztere der genannten Orte sich nicht mehr lange halten, wenn man ihm nicht schleunige Hülfe zuschicke.
Paris, vom 12. Heumonat. [3]
Die Volcks-Representanten bey der Armee an der Küste von Brest haben in einem Schreiben aus Nantes vom 2ten dieses Monats berichtet; die Rebellen haben die dortigen Gegenden noch nicht ganz geräumt, sondern beschiessen noch von Zeit zu Zeit die dasigen Vorstädte mit glühenden Kugeln; ihr Feuer werde aber nachdrücklich erwiedert. Zugleich melden sie, daß sie dem General Süreau, ungeachtet sie ihm zugleich das Zeugniß eines guten Officiers geben, wegen verschiedenen begangenen Fehlern das Commando genohmen haben. -- Die erste Nachricht, daß nemlich die Rebellen sich noch in dortiger Nachbarschaft befinden, haben sie noch in einem zweyten Schreiben vom 3. dieses wiederholt und bestätiget.
In der Seßion am 8. ist endlich einmahl von Seite des Wohlfahrts Committe ein Rapport abgestattet und ein Vorschlag zu einem Decret gemacht worden betreffend die 32. zum Verhaft verurtheilten Convents-Glieder, von denen freylich die meisten durch Entfernung sich der Vollziehung dieses Schlusses zu entziehen gewußt haben. Es ist dieses Gegenstandes schon so oft Erwähnung gethan und das Publikum auf die Entscheidung der Sache aufmercksam gemacht worden; daß allerdings auch etwas genaueres aus dem eingegebenen Gutachten hier angeführt werden muß. Der Rapporteur sagte unter anderm: der grössere Theil der arrettierten Convents-Glieder seyen mehr unbesonnen als strafbahr gewesen; aber es befinden sich doch wircklich Strafbahre unter ihnen und die Verschwörung sey nun entdeckt. Arthur Dillon sey zum Chef derselben bestimmt gewesen; man habe den Sohn Ludwigs XVI. auf den Thron sezen und Maria-Antonia zur Regentin des Königreichs machen wollen. Das Committe habe die Beweise davon bey Handen, die gedruckt werden sollen. Die arrettierten Convents-Glieder seyen niemahls im Ernst für die Republick und den Umsturz des Throns gewesen; sie haben die Absezung Ludwigs XVI. zwar vorgeschlagen, aber bloß darum, weil sie nur den König, und nicht das Königthum traf. Als sie nachher durch das, was am 10. August 1792. geschah und durch die Einführung der Republick ihre Projekte umgestürzt sahen; so streuten sie den Saamen des Hasses und der Zwistigkeit in dem N. Convent aus, um dem Volck die republikanische Verfassung zu verleiden; sie veranlaßten die Anarchie und schrien immer gegen die Anarchisten; sie redeten immer die Sprache des Dümouriers, Coburgs und Paoli. Als Ludwig Capet für strafbahr erklärt wurde, so brachten sie, um ihn zu retten, die Appellazion an das Volck aufs Tapet; und als dieselbe verworffen, Ludwig gestraft, und sogleich der Thron zerstört und die Königswürde verächtlich gemacht worden, bedienten sie sich des Mittels der Verläumdung; sie erfanden eine orleanssche Faktion, verlästerten die Popular-Sozietäten, und unterhielten besonders die Zweytracht im N. Convent, um desto sicherer zu der Usurpation, die man im Sinn hatte, zu gelangen; denn man hat noch nicht vergessen, daß der Herzog von Jork zum König vorgeschlagen worden, der gerade jzt den Krieg gegen uns mit Höflichkeit führet, den Bauren den erlittenen Schaden ersezt, und sich schon als ruhigen Besizer der Länder und Städte ansieht, die er belagert. -- Die zum Verhaft dekretierten Convents-Glieder haben ferner sich unsere provisorische Regierungs-Einrichtung zu Nuz gemacht, um die Mitglieder des N. Convents gegen einander zu erbittern, sich ihre Zeit unnüz zubringen, und Franckreich Glauben zu machen, es müsse einen König haben. Es findet sich unter den Gesezgebern ein Ungeheuer, und das ist Brissot. Er hat den Krieg erklären lassen, um die Franzosen von der Revolution abzuziehen und doch die Anarchie müde zu machen, gegen die er immer deklamirte und die er doch in seinen verläumderischen Blättern unterhielt. Er hat als Haupt-Person im diplomatischen Com'itte die Depeschen und Friedens-Vorschläge des General Kalkreuth an Kellermann zur Zeit des Rückzugs aus Champagne unterschlagen, so daß diese Eröfnungen, wie sich auch Kellermann darüber beklagte, dem N. Convent niemahls kommuniziert worden sind. -- Büzot hat unter der angegenohmenen Maske von Philosophie in seinen Rapports und Meynungen den Saamen der Zweytracht auszustreuen gewußt, der die vorgehabte Usurpation hervorbringen sollte. -- Barbarux hat ein Bataillon von Marseille aufgefodert, das N. Convent anzugreifen, und einer von den Marseillanern hat geruffen: Es lebe der König! Mit der gerichtlichen Prozedur gegen dieses Vorgehen ist bereits der Anfang gemacht worden. -- Louvet, Barbarux, Büzot und einige andere von den Inhaftierten haben Projekte von einer Diktatur vorgegeben, nur um die Intriguen besser zu verbergen, welche Frankreich zerrütten und einen Usurpator zum Vorschein bringen sollten. -- Manuel und Petion hat man sagen hören, sie haben sich am 2. Sept. des vorigen Jahrs nur darum nicht zeigen wollen, damit sie die Gunst des Volcks nicht verliehren; und nun sieht man die zum Verhaft verurtheilten Convents-Glieder die Maske abnehmen und sich an die Spize einer Armee stellen, welche die Jakobiner und Paris zerstören soll. -- Das sind die Haupt-Punkten in dem Rapport des Committe, welchen zufolg der Rapporteur nachfolgendes Dekret vorschlug: Einmahl sollen die Convents-Glieder, welche sich geflüchtet haben, für Vatterlands-Verräther erklährt; sodann soll gegen Gensonne, Vergniaud, Guadet, Molleveau und Biroteau, als Mitschuldige der Geflüchteten, ein Akkusazions-Dekret abgefaßt werden; und endlich ruft das N. Convent den Bürger Bertrand, Mitglied von der Zwölfer-Commißion, welcher die Schlüsse seiner Collegen nicht unterschrieben hat, nebst den übrigen in Verhaft genohmenen Deputierten wieder in die Versammlung zurück; weil sie mehr betrogen worden, als selbst strafbahr sind. -- Dieses Dekrets Projekt ist aber für diesmahl noch aufgeschoben und nichts darüber entschieden worden. -- In der gleichen Seßion ist auf den Antrag des Sicherheits-Committe ein Verhafts-Dekret gegen zwey Convents-Glieder, Condorcet und Deverite abgefaßt, und zugleich erkannt worden, daß ihre Papiere versiegelt werden sollen. Condorcet wurde nemlich beschuldiget, daß er etwas gegen die neue Constitution geschrieben und eine andere vorgeschlagen habe; und Deverite soll Condorcets Schrift in der Republick verbreitet haben. -- Ein dritter Gegenstand der Berathschlagungen in eben dieser Seßion war Hr. Necker, oder vielmehr ein Theil seines Vermögens. Das Finanz-Committe ließ nemlich dem N. Convent den Rapport abstatten, daß Hr. Neker schon vor 17. Jahren die Summ von 2. Millionen Livres in den offentlichen Schaz gegeben habe, mit der Bedingung, daß ihm dieselbe zu 5. Prozent verzinset, und der zwölfte Theil des jährlichen Zinsen monatlich ausbezahlt werden soll. Dieses sey auch bis auf den ersten May dieses Jahres immer geschehen, aber von dieser Zeit an unterblieben, weil man Hr. Necker als einen Emigrierten ansehen und behandeln wollen. Dagegen macht er nun Einwendungen, welche das Committe für gegründet erklährt. Indessen wurde doch die Entscheidung der Sache noch aufgeschoben und die Ausbezahlung der Zinse für die 2. Millionen einsweilen suspendiert aus dem Grund, weil der Creditor der Nation noch Rechnung abzulegen habe von der Verwaltung seiner vormaligen Finanz-Minister-Stelle. -- Es ist auch noch durch ein Dekret dieser Seßion das ehemalige Königl. Schloß in Versailles zu einem offentlichen National-Etablissement, und zwar wenn Barreres Vorschlag darüber befolgt wird, zu einem Central-Erziehungs-Institut für jungen Republikaner bestimmt worden.
Die kürzlich über die Royalisten erhaltenen Vortheile scheinen eben nicht sehr grosse Folgen gehabt zu haben. Wenigstens hat das N. Convent in den beyden Seßionen am 9. und 10. Nachricht erhalten von zwey Vorfällen bey Lüzon und Chatillon, die nicht beweisen, daß die Uebermacht der Patrioten über die Rebellen sehr groß sey. In der ersten dieser beyden Nachrichten theilt ein National-Commissär bey dem Tribunal in Rochelle von dem am 4. dieses bey Lüzon vorgefallenen Gefecht nachfolgende Umstände mit: 6600. Rebellen seyen mit 4. Kanonen gegen diesen in Poitou gelegenen Ort anmarschiert, indessen die dortigen Republikaner nur höchstens 1800. Mann waren. Kaum sey die Kanonade angegangen, so habe der General Sandos Befehl zur Rückzug gegeben, und sich auch wirklich mit 800 Mann und der Artillerie zurükgezogen. Seine übrigen Truppen haben es für schimpflich gehalten, vor den Rebellen zu weichen, und ohne General und Kanonen dieselben auch wirklich geschlagen, ihnen die Kanonen weggenohmen, ungefehr 400 von ihnen getödet, und 120 zu Kriegsgefangenen gemacht -- Zugleich mit dieser Nachricht erfuhr auch das N. C., daß die Volks-Representanten in Rochelle bereits den General Sandos abgesezt, in Verhaft nehmen lassen und das Commando dem General Boissiere übergeben haben. Nach einem Dekret des N. C. soll Sandos vor das Revolutions-Tribunal gebracht werden.
Die andere obenerwähnte Nachricht kommt ebenfalls aus la Rochelle von den Deputierten des N. C. bey der dortigen Armee, welche melden: der General Westermann habe sich am 5ten dieses bey Chatillon von den Feinden überraschen und umringen lassen; sein ungefehr aus 3000 Mann bestehendes Corps sey übel behandelt und der Rest gänzlich zerstreut worden, 11 Kanonen seyen den Feinden in die Hände gefallen; Westermann habe sich mit dem Ueberrest der Legion, die seinen Namen führt, gegen St. Maixence und Niort zurükgezogen.
Diesen Berichten zufolg ist dem General Westermann das Commando genohmen, und derselbe zur Verantwortung vor das N. C. beruffen worden. Das Wohlfahrts-Committe hat dem N. C. anzeigen lassen, daß die Administratoren von Montpellier ein Central-Comitte der allgemeinen Wohlfahrt errichtet haben, um mit den Departements zu korrespondieren. Dieses Comitte habe unter anderm auch erkannt, daß alle Mitglieder des gegenwärtigen N. Convents nach Endigung desselben zur Verantwortung gezogen und von der Nation über sie geurtheilt werden soll. Weil ein anwesendes Mitglied diesen Schluß Beifall ertheilte, so wurde er zur dreytägigem Verhaft in der Abtey verurtheilt.
Mit der Stellung der Leute welche der Armee des General Wimpfen oder Büzot entgegen gehen sollen, geht es in den hiesigen Sektionen sehr langsam zu; es sind nach einem vor ein Paar Tagen von dem Maire vorgelegten Verzeichniß viel mehrere derselben, welche erst noch deliberieren, als solche, welche wirklich Hand ans Werk legen. In einige Sektionen herrschen wirklich Unruhen, die dieser Gegenstand veranlaßt hat.
Von Zeit zu Zeit erhält das N. C. Anzeigen von der Genehmigung der Constitution in verschiedenen Distrikten der näher gelegenen Departements -- Gestern legte Garat, der Minister der innern Angelegenheiten, dem N. C. ein Verzeichniß vor von den Departements, deren Administratoren nicht mehr mit dem vollziehenden Staatsrath korespondieren; es sind folgende: die Departements von Eure, Calvados, Rhone und Loire, Gard, den Rhone-Mündungen, Corsika, Jura, Finistere und der Gironde. -- Von allen 48 Sektionen hatten noch vorgestern erst 5 ihr Contingent an Leuten geliefert. -- Das N. C. hat vor wenigen Tagen durch den Tod eines seiner Mitglieder verlohren in der Person des Hr. Karl Vilette, welcher die von Voltaire zur Tochter angenohmene Mademoiselle de Varicourt geheyrathet hatte. Er ist durch diese seine Gattin eben so bekannt geworden, als durch seine geschmakvollen Poesien von der leichtern Gatttung und durch Briefe von manigfaltigem Inhalt. Bey der Revolution hat er gleich von Anfang an viel Patriotismus geäussert.
Der General Servan hat dem Kriegsminister Nachricht ertheilt, daß unsere Truppen am ersten dieses sich eines Spanischen Lagers bemächtiget, 93 Kriegsgefangene, und einige Beute an Gewehr, Munition und Feldgeräthschaft gemacht haben.
Paris, vom 15. Heumonat [4]
Marat lebt seit dem 13. dieses nicht mehr. An diesem Tag Abends um 7. Uhr kam eine noch junge unverheirathete Frauensperson in einer Mieth-Kutsche vor seine Wohnung und verlangte sehr dringend vor ihn gelassen zu werden; er war eben im Baad; doch ließ er sie vor sich kommen; sogleich überreichte sie ihm mit der einen Hand eine vorgebliche Bittschrift, und mit der andern stieß sie ihm ein Besser in die Brust; er hab einige Augenblike nachher den Geist auf. Ueber diesen Vorfall stattete Chabot dem N. Convent in der gestrigen Seßion nachfolgenden Bericht ab: Das allgemeine Sicherheits-Committe habe schon seit 3. Wochen viele Anzeigen erhalten von einer grossen Verschwörung, welche am 14. dieses Monats, dem Gedächtniß-Tag der eroberten Freiheit, in Paris ausbrechen solte; die verschwornen in Caen haben mit dem Convents-Gliedern von der linken Seite Correspondenz unterhalten. Noch in dieser Woche sey ein Kurier bey dem Deputierten Düperray angekommen, welcher dem Bischoff von Calvados, Fauchet, Nachricht davon ertheilt habe; dieser Kurier sey eine Frauensperson und allem Ansehen na~~ eben diejenige gewesen, welche den Marat ermordet hat: Man habe Fauchets Papiere versiegelt, und zwar die wichtigsten davon nicht mehr, aber doch noch genug gefunden, um ihn zu überführen. Man habe in Paris eine Massakre vornehmen wollen, und um sie auszuführen es vermuthlich für das sicherste Mittel gehalten, den Marat ermorden zu lassen, weil bekannter massen das Volk auf ihn das gröste Vertrauen sezte. Die Mörder seyen von Caen aus abgeschickt worden, und diese Frauensperson sey am 11. in Paris angekommen. Mit vielem Geist, einnehmenden Reizen und einer edeln Gestalt verbinde sie alle zu gewagten Unternehmungen erforderlichen Eigenschaften. Um ihren Zwek zu erreichen habe sie verschiedene mahl an Marat geschrieben, um vor ihn gelassen zu werden, unter dem Vorgeben, daß sie in ihrem Unglük seinen Schuz bedörfe und ihm wichtige, die allgemeine Sicherheit betreffende Dinge mitzutheilen habe. Als sie endlich vor ihn gelassen wurde, sprach sie von den Complotten, welche Frankreich zerrütten; Marat erwiederte ihr, alle Verschwornen müsten auf dem Schaffot sterben. Bey diesen Worten zog sie ein Messer hervor (welches Chabot vorwies) und stieß es ihm ins Herz: er konnte nur noch sagen: Ich bin des Todes. Nun verlaß Chabot das Protokol des Verhörs, welches noch am 13. Abends um 8. Uhr mit der Thäterin vorgenommen worden. Nach demselben heist sie Charlotte Gordet, vormahlige von Armand, Tochter des vormahligen Königl. Ecüyer von Armand. Sie wohnte in Caen; ist noch nicht völlig 25. Jahr alt und unverheirathet. Sie deklarierte, daß sie absichtlich nach Paris gekommen sey, um Marat zu ermorden, den sie für den Urheber alles Unglüks von Frankreich ansehe. Als sie nach dem Gefängniß der Abtey gebracht wurde, sagte sie zu wiederholten mahlen: "Mein Geschäft ist nun vollbracht, die andern mögen das übrige thun." -- Uebrigens blieb sie ruhig, und als man ihr vom Tod sagte: Antwortete sie darauf mit unbegreiflicher Gleichgültigkeit und Sicherheit; so sehr scheint sie überzeugt zu seyn, daß die Contre Revoluzions Projekte gelingen werden. Sie sagte: sie habe Frankreich retten wollen, und die vornemsten von den Convents-Gliedern der sogenannten Montagne sollen alle ermordet werden. Ihren Auftrag habe sie vollzogen. In ihrer Wohnung ist eine Untersuchung vorgenommen worden; man hat die Addresse an Düperray, ein Convents Glied, gefunden und sogleich ein Verhafts- nachher auch ein Akkusazions-Dekret gegen ihn abgefast. Düperray gestand, daß die Urheberin von Marats Tod bey ihm gewesen sey, und er sie am Tage nachher zweymahl in ihrer Wohnung besucht habe. Er wies auch einen Brief von Barbaroux auf, worinn er ihm unter anderm schreibt: Ich bitte dich, dieses Frauenzimmer dich anzunehmen; sorge dafür, daß der Minister der innern Angelegenheiten ihren Vorstellungen Gehör gebe und ihr Recht wiederfahren lasse; alles geht hier gut; nächstens werden wir vor Paris seyn; u. s. w. -- Diesem fügte er noch bey: das Frauenzimmer habe sehr in ihn gedrungen, sie zu dem Minister der innern Angelegenheiten zu führen; er habe aber ihrem Verlangen nicht entsprechen können, und sie mit dem Ansuchen verlassen, daß sie sein Antwort-Schreiben an Barbaroux nach Caen überbringen möchte, im Fall er sie nicht selbst dahin begleiten könne. -- Fauchet, Deputierter vom Departement Calvados, wurde beschuldiget, er habe in der Seßion am 13. mit Düperray eine Conferenz gehabt, und über das Schreiben von Barbaroux eine unbesonnene Freude geäussert; er wurde deswegen zum Verhaft verurtheilt. Das Revoluzions-Tribunal hat den Auftrag bekommen, der Urheberin von Marats Tod und allen Mitschuldigen an demselben ungesäumt den Prozeß zu machen.
Schon in der Seßion am 12. dieses berichteten die National-Commissarien in den westlichen Departements, daß Ancenis im Departement der Niedern-Loire, worinn Nantes die Hauptstadt ist, von den Patrioten in Besiz genommen worden, und die Armeen von Niort und Tours, deren Hauptquartier gegenwärtig in Angers sey, sich vereiniget haben. -- Ein anderes Schreiben der Commissarien im nördlichen Departement vom 11. meldet die Genehmigung der Constitution von den Primar-Versammlungen in Maubeuge, Lille, Cambray, u. s. w. nnd sagt zugleich, daß schon seit 3. Tagen die Batterien der Belagerer von Valenciennes diesen Ort nicht mehr bombardieren. -- Couthon, ein Convents-Glied, theilte demselben in eben dieser Seßion einige von dem National-Commissar Maulde und einem der Administratoren des Distrikts von Isore eingegangene Nachrichten mit, betreffend den gegenwärtigen Zustand von Lyon. Diesen zufolg ist Biroteau und Chassey dort angekommen und ein Departemental-Congreß, aus Administratoren und Wälenden bestehend, errichtet worden, worinn beschlossen wurde: Das Departement von der Rhone und Loire, worinn Lyon der Hauptort ist, erkenne das N. Convent nicht weiter, dieser Schluß wurde mit grosser Feyerlichkeit proklamiert und am Abend die ganze Stadt erleuchtet. Am folgenden Tag erklährte der Congreß, daß die Convents-Glieder von der sogenannten Montagne alles Schuzes der Geseze verlustig, und die Galerien im N. Convent als ein Gegenstand der allgemeinen Verwünschung anzusehen seyn sollen. Er bemächtigte sich alles für die Armeen bestimmten Vorraths und der Gewehr-Manufaktur von St. Etienne. -- Ein vom General Dubois-Crance nach Paris abgefertigter Kurier sey in Lyon angehalten und ihm seine Depeschen abgenommen worden. Täglich werde General-Marsch geschlagen; 100. Kanonen seyen aus dem dortigen Zeughaus genommen, und ein in der Stadt liegendes Regiment durch aufgepflanzte Kanonen gezwungen worden, zu bleiben. -- Diesen Berichten zufolg ist auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Committe nachfolgendes Dekret abgefast worden: 1) Die Stadt Lyon wird für rebellisch erklährt; 2) Biroteau, vormaliges Convents-Glied, wird als Vatterlands-Verräther und des Schuzes der Geseze verlustig deklariert; 3) das Vermögen der Verräther ist sequestriert; 4) die Munizipalitäts-Glieder und Administratoren, welche den vorgeblichen Departemental-Congreß in Lyon errichten lassen, sind ebenfalls für Verräther des Vatterlandes erklährt; 5) die den Lyonern zukommenden Interessen von einem Darlehn sind suspendiert; 6) die gutgesinnten Bürger dieser Stadt werden aufgefordert, innerhalb 3. Tagen dieselbe zu verlassen; und wenn dieses nicht geschieht, so sollen sie als Mitschuldige der Verräther anzusehen seyn; 7) sie sollen sich mit der bewafneten Macht vereinigen, die gegen Lyon anrüken wird; 8) die Volks-Representanten bey der Alpen-Armee werden bevollmächtiget, alle erforderlichen Maasregeln zu nehmen, um die Ruhe und Ordnung in Lyon wieder herzustellen. -- Das Aufsichts Committe in Lyon hat auf dem dortigen Postamt die Bülletins oder täglichen Berichte von den Verhandlungen des N. Convents und die Dekrete, welche die Armeen betreffen aus dem Grund wegnehmen lassen, weil Lyon mit den Volks-Representanten weiter keine Communikazion habe. -- In der vorgestrigen Seßion wurde dem N. Convent von seinen Commissarien aus Angers unterm 11. dieses berichtet: die Rebellen haben, durch die tapfere Gegenwehr der Einwohner von Nantes erschrekt, das rechte Ufer der Loire gänzlich verlassen, und ihre gewöhnlichen Posten in Cholet Chatillon und den benachbarten Commünen wieder bezogen, und die Französische Armee rucke wircklich gegen sie an. -- In eben dieser Seßion ließ das Wohlfahrts-Committe dem N. Convent anzeigen: die Armee, welche Valenciennes belagern, habe in der Meinung, daß die dortige Besazung aus Mangel an Munizion zu schiessen aufgehort habe, in der Nacht zwischen dem 5. und 6. dieses Monats einen Sturm auf diese Festung unternemmen wollen, welchen die Engelländer, Hungarschen Grenadiers und Hanoveraner ausfuhren solten. General Ferrand, der Commandant des Plazes (so schreibt der Brigadier Dupont aus dem Haupt Quartier zu Cambraj vom 10. dieses) merkte das Vorhaben der Feinde und ließ sie anruken; aber, als sie nahe genug waren, wurde mit kleinem Gewehr und Kartätschen so heftig auf sie gefeuret, daß man den feindlichen Verlust an Todten wohl auf 6000. Mann schäze. Die Belagerer, heist es, nahmen in gröster Unordnung die Flucht und wurden bis in ihr Lager verfolgt. Eine ge_prengte Mine vollendete ihre Niederlage. -- Zugleich mit dieser Nachricht erhielt das N. Convent auch eine andere, daß nemlich die Festung Conde nach einer vierthalb Monate langen Gegenwehr aus gänzlichem Mangel an Lebens-Mitteln habe kapitulieren und sich an die Feinde ergeben müssen. Ein Umstand, welcher Valenciennes immer noch grosser Gefahr ausseze, weil nun 2. feindliche Armeen gegen diese Festung sich vereinigen können.
In der gestrigen Seßion erschien die Commüne von Paris vor dem N. Convent mit den Protokollen von der Genehmigung der Constitutions-Akte von allen 48. Sektionen dieser Hauptstadt. -- Jambon St. Andre ist seit dem 12. dieses President des N. Convents. -- Demselben ist an eben diesem Tag von dem Bürger und berühmten Mahler David im Namen des Insurektions-Committe ein Projekt zu der National Feyer, die am 10. August vor sich gehen soll, vorgelegt worden. Er ist aber für die Mittheilung in diesem Blatt zu weitläufig. Das N. Convent hat dekretiert, daß dieses Projekt gedruckt, offentlich angeschlagen und an die Departements und Armeen überschickt werden soll, und zugleich dem vollziehenden Conseil aufgetragen, alle nothigen Veranstaltungen zu seiner Ausführung, wozu die Kosten aus dem National-Schazamt hergegeben werden sollen, zu machen; auch soll das Instruktions Committe zwey Commissarien ernennen, um sogleich über die Zubereitungen und die Ausführung die Aufsicht zu haben.
Paris, vom 19. Heumonat. [5]
Das Todes-Urtheil über die Urheberin von Marats Ermordung ist schon vorgestern von dem Revoluzions-Tribunal gefällt, und noch am gleichen Tag um 7. Uhr auf dem Revoluzions-Plaz vollzogen worden. Sie antwortete in dem Verhör mit der grösten Entschlossenheit und Kaltblütigkeit. In dem Protokol dieses Verhörs heist sie nun: Maria Anna Charlotte Corday, vormahlige von Armand, gebürtig von St. Saturin des Vignaux und wohnhaft in Caen. Auf die Frage, was sie zu Marats Ermordung bewogen habe, antwortete sie: Seine Verbrechen, und diese bestehen in den durch die Anarchie in ihrem Vatterland verursachten Verwüstungen. Sie wolte nichts davon wissen, daß sie von irgend jemand zu ihrer That aufgestiftet worden sey. Was die Zeugen, welche über die Umstände dieser That und ihre Verhaftnehmung verhört wurden, aussagten, das gestand sie gröstentheils ein. Auf die Frage: Ob sie die Republik nicht liebe, antwortete sie: Ja wohl, aber die Franzosen haben nicht Geistes-Stärke genug, um Republikaner zu seyn; sie sehe in ihnen weiter nichts als Egristen, die auf die Ruinen von dem Wohlstand ihrer Mitbürger den Ihrigen gründen wollen. Auf alle weitere Fragen war ihre Antwort blos: Sie habe weiter nichts zu sagen, als daß ihre Absicht ihr gelungen sey. Sie habe aber keinem Menschen und auch dem Convents-Glied Düperray nichts davon gesagt, auch die Addresse an Marat nicht von ihm erhalten.
In der vorgestrigen Seßion stattete ein Mitglied des N. Convents Bericht ab von den bey Marats Leichen-Begängniß beobachteten Ceremonien. Das ganze National-Convent, alle konstituierten Autoritäten, Tribunale, Friedensrichter und Deputierten der Sektionen haben demselben beygewohnt.
Die Volks-Representanten bey der Armee an den Küsten von Brest hatten unterm 14. dieses aus Ancenis berichtet, der in Nantes kommandierende General Beysser sey nun auch ein Verräther und Revoluzions-Feind. Kaum haben am 5. dieses die Commissarien des N. Convents Nantes verlassen, so sey von den administrierenden Corps dieser Stadt ein Schluß abgefast worden, worinn sie erklären, daß sie das N. C. und seine Commissarien nicht mehr anerkennen, und Beysser habe diesen Schluß unterschrieben; welcher auch dem General Canclaux zugeschikt worden sey, nebst einer Einladung, demselben beyzutretten und ihn den Volks-Representanten zu kommunizieren. Auf diese Nachrichten erklärte das N. Convent den General Beysser und die Administratoren von Nantes, welche den obenerwähnten Schluß unterzeichnet, für Vatterlands-Verräther und des Schuzes der Geseze verlustig. Aber in der gestrigen Seßion wurde ein zweites Schreiben der Volks-Representanten aus Ancenis vom 15. verlesen, welches beruhigendere Berichte enthält. Die gutgesinnten Bürger in Nantes, heist es in diesem zweiten Schreiben, das dortige General-Conseil der Commüne und der Distrikt haben es dahin gebracht, daß die föderalistische Akte vom 5. wiederruffen worden; auch Beysser habe seine Beystimmung zu diesem Schluß zurük genommen, und das Commando in Nantes dem vom Ober-Befehlshaber Canclaux ernannten Officier abgetretten. Zugleich habe der dortige Distrikt die Ankunft der Constitutions-Akte und die Zusammenberuffung der Primar-Versammlungen mit der grösten Feyerlichkeit proklamieren lassen. Indessen herrsche doch immer noch in Nantes eine starke Gährung. Die Unruhstifter sezen das Volk in Bewegung, und dasselbe verlange daß Beysser wenigstens für jzt noch das Commando in der Stadt behalten soll. Auch habe das Departement diesen Officier in seine Seßion eingeladen, und da habe derselbe unter lautem Geschrey einer zahlreichen Versam'lung das Commando, von welchem er abgesezt worden, aber nur einsweilen, wieder übernommen, bis die National-Commissarien über die zu seinen Gunsten gemachten Vorstellungen einen Ausspruch würden gethan haben. Wirklich haben sich auch am 15. bey diesen Commissarien 4. Deputationen von Nantes, eine vom Departement, eine vom Distrikt, eine vom Conseil der Commüne und eine von der National-Garde eingefunden mit dem Ansuchen, daß sie den General Beysser wieder in sein Commando einsezen möchten; sie haben ihnen aber zur Antwort ertheilt: Der Ausspruch hierüber komme dem N. Convent zu. -- Dieses hat nun auf diesen zweiten Bericht sein obenerwähntes Dekret von der vorgestrigen Seßion gegen den General Beysser und die Administratoren von Nantes zurük genommen; dich aber diesen nebst dem Presidenten und Prokureur-General-Syndik des Departements der Niedern-Loire und einem Mitglied des dortigen Distrikts und des General-Conseils der Commüne von Nantes zur Verantwortung und Mittheilung der nöthigen Erläuterungen vor sich beruffen.
Von Bordeaux wird berichtet, die Avant-Garde der dortigen bewafneten Departemental-Macht sey ausmarschiert; sie bestehe aus 200. Mann, gehe aber nicht gerade nach Paris, sondern vorher nach Lyon, um sich mit den dortige' Convents-Gegnern zu verbrüdern.
General Cüstine ist seit gestern auf Einladung des Wohlfahrts-Committe hier, und Lamarsche hat indessen das Interims-Commando von der nördlichen Armee. Es scheint aber, er werde es nicht lang behalten, weil er gestern in dem Jacobiner-Club als ein Verräther und Gegen-Revoluzionist klagbar angegeben worden.
Briefe aus St. Domingo berichten: Es herrschen in dieser Colonie neue Unruhen; und die Begünstiger derselben, die Civil-Commissarien, Polverel und Santonax, haben den Anschlag gefast St. Domingo der Engl. und Spanischen Flotte zu überliefern. Gegen diese beyden Commissarien ist deswegen in der Seßion am 16. von dem N. Convent ein Akkusazions-Dekret abgefast und dem Wohlfahrts Committe aufgetragen worden, auf Mittel zu dencken, wie dasselbe vollzogen werden könne.
Die National-Commissarien im Departement der Eüre in der Normandie berichten aus Pacy vom 15. dieses: Die Bürger von Evreux, dem Hauptort dieses Departements, haben, so bald sie von der Anwesenheit der Rebellen befreyt gewesen, ihre unverbrüchliche Anhänglichkeit an die Republik und das N. Convent erklärt. Die Rebellen haben diese Stadt gänzlich geräumt und ziehen sich nach dem Departement von Calvados zurük. Die Avantgarde von der Armee der Republik sey in Pacy angekommen. Der Ueberbringer dieses Schreibens, Mazüel, Adjutant des Kriegs-Ministers, fügte diesem schriftlichen Bericht noch mündlich bey: Die Rebellen-Armee von Evreux, mit dem vormaligen Marquis von Püisaie, unter dem Ober-Commando des General Wimpfen, an ihrer Spize, habe sich am 12. von Vernon bemächtigen wollen; es sey ihr aber nicht gelungen; worauf Püisaie die Flucht genommen. Man habe sich mit leichter Mühe seines Schlosses bemächtiget. -- Das N. Convent dekretierte: das Haus, welches Büzot in Evreü~ besessen, soll niedergerissen werden, und nicht erlaubt seyn, auf dem Plaz, wo es gestanden, wieder zu bauen; sondern es soll auf demselben ein Pfahl aufgestellt werden mit der Aufschrift: Hier wohnte der Böswicht Büzot, welcher sich zu dem Verderben der Republik verschworen hat.
Paris, vom 22. Heumonat. [6]
Die Volcks-Representanten bey der Armee an der Küste von la Rochelle haben in einem Schreiben vom 15. dieses dem N. Convent Nachricht ertheilt von einem beträchtlichen Vortheil, welchen die Truppen der Republik eben an diesem Tag bey Chemigne, im Departement de la Vendee über die Rebellen erhalten. Die Armee dieser leztern war 20,000. Mann stark. Nachdem das Gefecht mit einem lebhaften Musketenfeur den Anfang genommen, wurde es bald allgemein und endigte sich gänzlich zu unserm Vortheil. Die Cavallerie und Husaren trugen am meisten dazu bey, daß die republikanischen Truppen Meister vom Schlachtfeld blieben. Die Generalen Berthier, Menou und Santerre, dieser leztere an der Spize der Pariser, haben mit viel Muth und Einsicht agiert. Die Niederlage der Rebellen soll vollständig und ihr Verlust beträchtlich seyn.
In der Seßion am 19. hat der Umstand, daß ein Priester, der sich verheirathen wolte, von seinem Bischoff abgesezt worden, ein Dekret veranlast, wodurch das Cölibat der Geistlichkeit so viel als gesezmässig aufgehoben worden ist. Es wurde nemlich dekretiert, daß jeder Bischoff, der einen Geistlichen an seiner Verheirathung hindern wolle, seiner Stelle entsezt und aus der Französischen Republik weggeschaft werden soll. -- In eben dieser Seßion wurde dem N. Convent berichtet, daß die constituierten Authoritäten in Brest dasselbe nicht mehr anerkennen wollen, und zwey Commissarien des vollziehenden Conseils in Verhaft haben nemmen lassen. Es wurde ihnen durch ein Dekret anbefohlen, dieselben wieder in Freiheit zu sezen.
Der Neapolitanische Bottschafter, Marquis von Cirullo, ist ohne einen Paß zu verlangen, und ohne bey dem Büreaux der auswärtigen Angelegenheiten ein Verzeichniß seiner Sachen zu hinterlassen, von Paris abgereiset. Es sind deßwegen einige Sachen, die man als ihm zugehörig wegbringen wolte, arretiert worden; und das General Conseil der Commüne hat beschlossen, daß sie sequestriert seyn und beysammen bleiben sollen, bis sie von dem König, seinem Herrn, auf eine authentische Weise reklamiert werden.
In der vorgestrigen Seßion ertheilt das N. Convent von seinen Commissarien bey der Armee an den Alpen die Nachricht, daß Savoische Truppen in Gemeinschaft mit einem Detaschement dieser Armee die Marseillaner angegriffen und aus Avignon und Orange vertrieben haben. Diese Nachricht wurde noch mündlich von einem Conventsglied bestätiget, welcher berichtete, die Marseillaner seyen bey Pont St. Esprit geschlagen worden, und haben 6 Kanonen und 5 ihrer Anführer verlohren; die Französische Armee seye über die Dürance und Rhone gegangen und alles weiche vor den republikanischen Truppen. -- Ein anderes Conventsglied verlangte in eben dieser Seßion, man möchte dem Wohlfahrts-Comitte den Auftrag gegen zu untersuchen, ob es nöthig sey, daß die Republick mit grossen Kosten Agenten an auswärtigen Höfen unterhalte, die doch gröstentheils Anti-Republikaner seyen. Auch finde er es eben so unnüzlich, bevollmächtigte Minister der Allierten Höfe in Paris zu haben. Er nannte besonders den Baron von Stael, Neckers Tochtermann, welcher einen geheimen Auftrag von der Schwedischen Regierung zu haben vorgebe, und Frankreich gar keine Dienste leiste. Die Sache wurde an das Wohlfahrts-Committe gewiesen. -- Aus Lille berichten die dortigen Volks Representanten: Die Einwohner dieser Stadt haben beschlossen, die 4. nördlichen Departements zusammen zu beruffen, in einer gewissen verabredeten Zeit überal Sturm läuten und General-Marsch schlagen zu lassen, und dann mit gesammter Macht über die Feinde, welche in das Französische Gebiet einrücken, herzufallen. Sie haben ihnen über ihr Vorhaben Vorstellungen gemacht, aber sie nicht können davon abwendig machen, sondern ihnen versprechen müssen, das N. Convent ungesäumt durch einen Kurier davon zu benachrichtigen. Auch haben sie in eben dieser Absicht an die Generalen und ihre Collegen in den benachbarten Departements Kouriers abgefertiget. -- Das N. Convent billigte diese Maas-Regeln und wiese dieselben an das Wohlfahrts-Committe, um die Vollziehung derselben zu dirigieren. -- Zugleich dekretierte dasselbe, daß dem Instruktions-Committe die Summ von einer Million und 200000. Livres zur Veranstaltung des auf den 10. August angesezten National-Festes zugestellt werden sollen.
Paris, vom 26. Heumonat. [7]
Der General Cüstine, ist nun auch in Verhaft und befindet sich seit dem 23. im Gefängniß der Abtey zufolg eines in der Seßion am 22. vom N. Convent abgefaßten Dekrets. Es hatte nemlich in dieser Seßion ein Convents-Glied, Bazire, angezeigt, daß das Publikum in Absicht auf diesen General Besorgnisse äussere. Er befinde sich bereits seit einigen Tagen in Paris, lasse sich überall sehen und von den Aristokraten im ehmaligen Palais-Royal applaudieren. Man beschuldige ihn er habe Geld ausgetheilt, um eine Bewegung in Paris zu veranlassen. Unlängst habe er bey seiner Armee als Parole die Worte ausgegeben: "Condorcet, Constitution, Paris;" welches vermuthen lasse, daß er mit dem Departement von Calvados einverstanden sey. Er werde zwar schon von einem Gendarme beobachtet; aber er gehe doch herum und könnte erwischen. Man soll ihn deswegen in Verhaft nehmen lassen. Bald nachdem das N. Convent dieses dekretiert hatte, ließ das vollziehende Conseil demselben anzeigen, daß es nach reiffer Ueberlegung beschlossen habe, den General Cüstine seiner Stelle zu entsezen, und das Commando, welches er hatte, dem General Diettmann, welcher gegenwärtig bey der Armee in den Ardennes eine Division kommandiert, zu geben. Diese Wahl wurde von dem N. Convent genehmiget. -- In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent von seinen Commissarien in Lille ein Schreiben, worinn sie von demselben die Bestätigung eines von ihnen abgefaßten Schlusses verlangen, durch welchen sie den in Lille kommandierenden General la Valette seiner Stelle entsezt und ihm befohlen haben, sich nach Paris zu begeben. Zufolg einer andern Verfügung eben dieses Schlusses soll auch der Adjutant desselben Düfresse in Verhaft genohmen, seine Papiere versiegelt und dem General Düpont einsweilen das Commando des General Lamarliere aufgetragen werden, weil dieser sich ungesäumt nach Paris begeben soll, um sich daselbst gegen das Wohlfahrts-Committe über die von la Valette gegen ihn angebrachten Beschuldigungen zu erklären. Der Beweggrund zu diesem Schluß von Seite der Volks-Representanten in Lille war, daß sie glauben, la Valette habe dem General Lamarliere bey seinen Operationen Hindernisse in den Weg gelegt. Bey dieser Gelegenheit nahm in dem N. Convent Robespierre das Wort und sagte: Jedermann sey der Meynung, daß zwischen Cüstine und Lamarliere ein Complot gemacht worden sey, Lille an Oesterreich zu überliefern. Diesen Anschlag habe la Valette vereitelt mit Hülfe seiner treuen Adjutanten sich den treulosen Anschlägen des Lamarliere wiedersezt. Er mache sich anheischig vor ganz Franckreich den Cüstine und Lamarliere zu entlarven und ihr Einverständniß mit Coburg zu beweisen. Ein in Paris anwesender Kanonier, der die Artillerie, welche Dümourier dem Feind überliefern wollte, gerettet, und ein Aide de Camp von la Valette können dem N. Convent wichtige Anzeigen mittheilen, durch welche die Wahrheit an den Tag kommen werde. La Valette sey gegenwärtig ein Opfer der Intriguen oder des Irrthums der National Commissarien in Lille. -- Einer derselben Dühem wurde nun durch ein Dekret des N. Convents von seinem Posten zurück beruffen, und der obenerwähnte von ihm und seinen Collegen abgefaßte Schluß zur Untersuchung an das Wohlfahrts-Committe gewiesen.
Der Quartiermeister und Tresorier Fouqueteau hat dem General-Adjutant Hoche folgenden Bericht, die Uebergabe von Conde betreffend, mitgetheilt: Schon seit 6. Wochen war die Besazung dieser Vestung auf eine kleine Portion täglicher Nahrungs-Mittel und anderer unentbehrlicher Bedürfnisse reduziert und litte sehr; der Dienst war äusserst mühsam und viele Leute wurden kranck. Da nur noch für 4. Tage Lebens-Mittel vorhanden waren, versammelte sich der Kriegs-Rath, und brachte 3. von diesen Tagen zu mit Berathschlagungen, wie allenfalls dieser feste Plaz und die tapfere Besazung desselben noch zu retten seyn möchte. Umsonst versuchte man Ausfälle, die alle ohne Erfolg waren; endlich, durch Fatiguen und Hunger erschöpft, kapitulierte man am 12. dieses und am 13. Vormittags räumte die Besazung den Plaz. Dieselbe bestand ungefehr aus 4000. Mann. Die Truppen zogen mit allen militairischen Ehren bis in eine etwann eine viertel Stunde weit entfernte Vorstadt, wo sie die Waffen ablegten und von einem Oesterreichischen Commissar gemustert wurden. Die Besazung ist zum Theil nach Aachen, zum Theil nach Cöln gebracht worden, an welchem leztern auch der Commandant Chancel sich aufhält.
In der Seßion am 23. erhielt das N. Convent von einem seiner Commissarien im Departement der Saone und Loire eine Nachricht von dem, was er gethan und von dem Zustand der Stadt Lyon. Unter anderm meldet er: Als wir am 17. dieses in Macon ankamen, beriefen wir die konstituierten Authoritäten zusammen und errichteten eine Commißion betreffend die Lebens-Mittel. Es verbreitete sich das Gerücht, daß 2000. Lyoner gegen Macon anrücken; wir sezten diese Stadt in Vertheidigungsstand und foderten die Gendarmerie und die National Garden mehrerer benachbarten Städte auf; vernahmen aber bald, daß die Lyoner ihr Vorhaben aufgegeben haben. Man sagt, sie wollen 7000. Mann aufbieten, um Gegen Paris zu marschieren und sich der Alpen-Armee entgegen zu sezen. Die Dorfschaften im Departement der Rohne und Loire erwecken bey der Commißion in Lyon Besorgnisse, und warten nur, um sich zu deklarieren, daß eine hinreichende bewafnete Macht sie unterstüze. Ein grosser Theil des Distrikts von Villefranche nöthiget bereits die Administration von Lyon, ihm die Constitutions-Akte zuzustellen. Die ebengenannte Stadt verlangt, von dem Departement der Rhone und Loire getrennt und dem zu nächst gelegenen einverleibt zu werden; in Lyon selbst ist das Volck nicht gleichgesinnt mit der dortigen Commißion. So eben, heißt es weiter in diesem Bericht, kommt eine Deputation der Lyoner-Munizipalität zu uns, die uns einladet, in diese Stadt zu kommen; aber wir konnten uns nicht entschliessen, uns in irrgend eine Unterhandlung einzulassen mit einer Stadt, deren Chefs des Schuzes der Geseze verlustig und für Vatterlands Verräther erklärt worden sind. Wir lehnten deswegen die Einladung von uns ab und antworteten den Deputierten, daß wir durch einen Kurier um die Willensmeynung des N. Convents anfragen wollten. -- Einige Bürger von Lyon haben, nebst ihrer Erklärung, daß sie den von den Administratoren dieser Stadt genohmenen Maas-Regeln nicht bestim'en; sondern die Constitution genehmigen, dem N. Convent in seiner vorgestrigen Seßion zugleich berichtet: "Am 14. dieses sey in Lyon die Föderation zu stand gekommen. Alle Commünen des Departements der Rohne und Loire seyen zusammenberuffen worden; aber nur etwann 12. oder 15. __ben sich eingefunden. Nach Endigung der Feyerlichkeit sey bey einem der Administratoren ein offentlich Gastmahl gegeben und nachfolgende Eides-Formul in Vorschlag gebracht worden: Es lebe die "Lyoner Föderative Republick! -- Aber zu grosser Verwunderung der gegen das N. Convent verschwornen haben die Deputierten von der Landschaft und die Kanoniers von den regulierten Truppen sich allgemein geweigert, dieser Eides-Formel beyzustimmen. Man habe alles mögliche angewendet, um die Dorfschaften aufzuwiegeln; aber die Einwohner derselben haben standhaft alles ausgeschlagen, und alle föderativen Verfügungen und was nur immer eine Trennung von der übrigen Republick veranlassen könnte, von der Hand gewiesen.
In der gestrigen Seßion wurde im National-Convent ein Schreiben der Volcks-Representanten in Perpignan vom 17. dieses verlesen, worinn sie von einem Sieg der französischen Truppen unter dem Commando der Generalen Dagobert, Perignon und Barbantane uber die Spanier Nachricht geben. Jene waren ungefehr 18000., diese hingegen 27000. Mann starck. Der Verlust der Spanier an Todten und Verwundeten wird auf 1000. Mann angegeben. Eben diese Nachricht wurde noch in der gleichen Seßion auch durch ein Schreiben des Generals Flers, Commandanten von Perpignan, bestätiget, welcher zugleich eine Verstärckung von Kavallerie verlangte. -- Eben auch in der gestrigen Seßion that Barrere dem N. C. die Anzeige, daß die Nachrichten aus dem Departement de la Vendee nicht günstig lauten. Es werde demselben nächstens ein Rapport über den Zustand der Armee im Innern des Landes vorgelegt werden. Der in Paris angekommene General Düpüy habe Bericht darüber abgestattet. Das Committe sey bereits damit beschäftiget, den Kriegs Minister in den stand zu sezen, daß man diese Armee verstärcken und wieder vereinigen könne; denn, ohne daß so zu sagen ein Schuß geschehen, habe sie gar nicht den Muth von Republikanern gezeigt. -- So lautet diese freylich noch sehr unbestimmte Anzeige; auf welche sich vermuthlich auch ein Schreiben des General Santerre vom 20. dieses an die Commüne von Paris bezieht, worinn er unter anderm sagt: "Ihr wisset, was für einen unglüklichen Tag wir gestern gehabt haben. Vorgestern kam im Artillerie-Park Feur aus, ungeachtet dessen wir den Feind, der uns angrief, schlugen. Aber damals waren die Truppen ruhig. Gestern hingegen war es nicht so; eben als Munizion ausgetheilt wurde grief uns der Feind an, weil es regnete, so haben viele schlechtgesinnte Bürger unter dem Vorwand, daß ihr Schieß Pulver naß sey, über 2000. Schüsse gethan. Der in der Nähe befindliche Feind merkte, daß Unordnung bey uns herrsche, welcher die Officiers gröstentheils nicht zu steuren im Stand sind. -- Weitere Umstände von dem, was vorgegangen seyn muß, enthält auch dieses Schreiben nicht. Sie müssen also erst noch erwartet werden. Nur klagt Santerre überhaupt über die mißliche Lage der Truppen, die gegen innerliche Feinde fechten müssen, und besonders über den Mangel an Lebens-Mitteln.
Paris, vom 29. Heumonat [8]
Danton ist seit dem 26. President des N. Convents; welches in eben dieser Seßion von seinen Commissarien aus Ancenis unterm 21. die Nachricht erhielt, daß die Constitution am 14. in Nantes proklamiert und am 18. acceptiert worden sey. -- Zugleich berichtete der Prokureur General-Syndick des Departements der Ardesche in Languedoc, daß es den in dieses und ein paar benachbarte Departements zu Wiederherstellung der Ruhe abgeschickten Commissarien gelungen sey, die Marseillaner Colonne zur Rückkehr nach ihrer Heimath zu bereden. -- Noch in eben dieser Seßion erhielt das N. Convent in einem Schreiben des General Beauharnois aus Landau vom 23. Nachricht von einem abermahligen über die Preussen, Oesterreicher und Emigrierten erfochtenen Vortheil. Am 22 schreibt der General, ließ ich meine Armee in 3. Coloñen gege' die Preusse' anrüken, welche auf einer Anhöhe in einem Fort, St. Anna Capelle genañt, durch Kunst und Natur starck verschanzt waren. Der Posten wurde mit aufgepflanztem Bajonet eingenohmen, und der Feind band darauf von Dorf zu Dorf bis an die vogesischen Gebürge zurückgetrieben. Indessen nöthigten unsere Truppen auch die Oesterreicher und Emigrierten, Dornheim zu verlassen. Unsere Armee focht von 9. Uhr Vormittags bis nach Sonnen-Untergang. Die Preussen so wohl, als die Oesterreicher und Emigrierten haben viele Leute verlohren, und ihr Verlust kan wohl auf 1500. Mann geschäzt werden; den unsrigen kan ich noch nicht bestimmt angeben; aber nach den eingegangenen Berichten belauft er sich auf 150. Todte und 450. Verwundete.
Barrere stattete noch in der gleichen Seßion im Namen des Wohlfahrts-Committe den jüngst angekündigten Rapport ab, betreffend den gegenwärtigen Zustand der Sachen im Departement de la Vendee. Derselbe bestand in Verlesung verschiedener Schreiben der dortigen N. Com'issarien, der Generalen und der Commissarien von exekutiven Conseil. Das erstere dieser Schreiben aus Saumür vom 19ten dieses enthält die umständlichste Nachricht betreffend die von der Patrioten-Armee erlittene Niederlage und muß deswegen vollständig mitgetheilt werden; es lautet so:
"Seit dem Anfang des Kriegs gegen die Rebellen, welche die westliche Departements verwüsten, ist immer auf jeden Sieg, die wir erhalten haben, ein noch grösserer Unglücksfall gefolgt. Das haben wir nun abermahls erfahren. Am Tag nach der Schlacht bey Flines trat unsere siegreiche Armee, nachdem sie einen Tag und eine Nacht unter dem Gewehr zugebracht hatte, mit der Avant-Garde voraus, den Marsch an, um die Rebellen bey Montaigü anzugreiffen. Kaum war sie abmarschiert, so berichtete der General Menau, die Feinde haben diesen Posten geräumt und sich gegen Caron zurückgezogen. Als wir in Vige ankamen, fanden wir Spuren von der eilfertigen Flucht der Feinde. Man ließ eben die Armee, die seit 48. Stunden auf dem Marsch war, sich erholen; als zwo zahlreiche Colonnen der Feinde zum Vorschein kamen. Sogleich wurde General-Marsch geschlagen; die in Schlacht-Ordnung gestellte Armee zog dem Feind entschlossen entgegen; aber seyn Marsch war so schnell, er zerstreute sich so geschwind in die Kornfelder und in das niedrige Gehölz, daß unsere Vorposten sich zurückziehen mußten. Aber bald hernach durch Verstärckung unterstüzt nahmen sie ihre vorige Stellung wieder ein und die Rebellen wurden zum Weichen gebracht. Auf diese Bewegung erfolgte ein fürchterliches Feuren, welches 4. Stunden lang anhielt, und erst bey einbrechender Nacht aufhörte, weil wir besorgten, unsere verschiedenen Korps möchten in der Dunkelheit selbst auf einander schiessen. Die Armee blieb die ganze Nacht unter den Waafen, um ihre Stellung zu behaupten und in der Erwartung, am folgenden Tag wieder angegriffen zu werden. Aber der Feind hatte sich zwo Stunden weit zurückgezogen, nachdem er am vorigen Tag einen ansehnlichen Verlust erlitten, indessen unsere auf Anhöhen postierten und durch Zäune gedeckten Truppen nur wenige Leute verlohren hatten. Die Kavallerie hatte wegen der unebenen Beschaffenheit der Gegend nicht an dem Gefecht Antheil nehmen können. Der General Menou grief allein mit einigen Officiers etwan 100. Rebellen an, aber er bekam eine Kugel in den Leib, die ihm jzt noch heftige Schmerzen verursachet, indem sie noch nicht hat können herausgenohmen werden. Die Vorposten und Patrullen hatten in starcker Anzahl Vormittags die Gegend durchzogen und kein Feind war zu sehen. Aber um Mittag kamen die Rebellen auf einmahl aus dem Gehölz heraus. Es entstand von beyden Seiten eine heftige Kanonade. Unsere Avant Garde wurde zurückgeschlagen und retirierte sich in Ordnung gegen der Haupt-Armee; als auf einmahl mehrere Bataillons, ohne auch nur einen Schuß zu thun, Verrätherey schrien und unter der Armee eine vollkommene Flucht veranlasten. Die Feigheit war groß, die Unordnung schnell, und es konnte derselben durch keine menschliche Macht gesteurt werden. Die Stricke an den Artillerie-Pferdten wurden entzwey gehauen; eine grosse Anzahl Soldaten flüchteten sich durch die Kornfelder, der Feind machte sich die Verminderung unserer Anzahl zu Nuz, rückte schnell vor und grieff uns an. Jzt warfen die Soldaten ihre Habersäcke und Flinten weg, um desto geschwinder fliehen zu können. Der Feind verfolgte uns lang; der gröste Theil unserer Truppen zog sich nach Saumür zurück, wo man sich alle Mühe giebt, sie wieder zu sammeln. Noch wissen wir unsern Verlust nicht bestimmt; er kan an Todten nicht sehr beträchtlich seyn, ausser bey einigen Bataillons, die standhaft auf ihrem Posten blieben und den Rückzug eines theils der Armee deckten, während dem die übrigen die Flucht genohmen hatten. Gefangene müssen wir viele verlohren haben. Unsere Artillerie bestand aus 21. Kanonen, von denen 5. oder 6. in feindliche Hände gerathen sind, aber alle vernagelt. Die Bagage und Wagen hatten zum Glück eine Stunde vorher Befehl erhalten, nach Saumür zurück zu kehren; sonst wären sie auch weggenohmen worden. Es herrscht gegenwärtig bey unserer Armee die gröste Verwirrung. Uebrigens haben mehrere Ursachen das Ihrige zu dieser Niederlage beygetragen. Die Armee war seit 3. Tagen immer unterm Gewehr gewesen und durch einige auf einander erfolgte Gefechte ermüdet. Es hatte 3. Stunde lang geregnet und sie wurde unversehens, eben da sie zu Mittagessen wollte, angegriffen. In einem Artillerie-Park war Feuer ausgegangen, und mehrere durch die ausserordentliche Explosion einiger Pulverwagen verursachte Unglücksfälle hatte Verwirrung veranlaßt. Ueberhaupt ist zu bemerken, daß eben dieses sich auch bey Chemille ereignet hat, und daß auf dieses verrätherische Signal die Feinde uns angegriffen haben. Die übrigen Ursachen liegen in der Einrichtung und Beschaffenheit der Armee; sie besteht grossentheils aus neuangeworbenen Bataillons, von denen die meisten nichts vom Dienst verstehen, und unbrauchbar oder sogar schädlich sind. Dieser bürgerliche Krieg, der immer mehr ein entschiedenes Ansehen gewinnt, kan nicht anderst mit Vortheil geendiget werden, als wenn wir mehrere Truppen bekommen, die bereits Kriegsdienste gethan haben; auch haben wir mehr Infanterie und Scharfschüzen ~~thig, weil die Kavallerie uns wegen der Beschaffenheit des Landes nur wenige Dienste leisten kan."
Mit dieser Nachricht stimmt überein ein Schreiben der Administratoren vom Departement der Indre und Loire aus Tours vom 21. dieses; eines von dem Commissar der Sektion der Gardes Francoises, und eines von den Mitgliedern der Central-Commißion in Tours, welches noch den Bericht beyfügt von einer nach jener Niederlage vorgefallenen Aktion bey Pont de Ce, wohin sich ein Theil der geschlagenen Patrioten-Armee, so wie andere nach Saumür, und noch andere nach Chinon, begeben hatte. Nach diesem leztern Bericht wurde eine republikanische Patrulle von 8. bis 900. Rebellen angegriffen, aber von 1200. Mann aus dem Lager bey Pont de Ce unterstüzt; worauf sie die Feinde mit einem ansehnlichen Verlust zurück schlugen, das Schloß worinn sie sich befunden hatten, in Besiz nahmen und in Brand steckten.
Gestern ist dem N. C. von dem Wohlfahrts-Committe von der Uebergabe von Mainz Anzeige gethan worden. Diese Stadt, hieß es in dem darüber abgestatteten Rapport, welche noch mit Lebens-Mitteln versehen war, und in deren Wällen noch keine einzige Breche angebracht worden, habe am 23. kapituliert und den Preussen die Thore geöfnet. Die Besazung komme nach Franckreich zurück, aber die zahlreiche Artillerie, welche Cüstine im vorigen April nach Maynz bringen lassen, sey den Feinden zu Theil geworden. Man kan sich leicht vorstellen, was für eine Sensation diese nach den neulichen Vorfällen unerwartete Nachricht in dem N. C. gemacht habe. Das Convents-Glied, welches dieselbe ertheilte sprach von einem Billet des General Cüstine, worinn derselbe den Commandanten von Maynz authorisiert haben soll, sich mit dem König von Preussen wegen der Uebergabe von Maynz in Unterhandlung einzulassen und v. einem Brief eben dieses Generals an Houchard, worinn er ihm unter anderm schreibt: Ich gebe ihnen die Hessen und Oesterreicher Preiss, aber schonen sie den Preussen. Ueberhaupt scheint es, Cüstine werde die Schuld dieses Verlustes tragen und bezahlen müssen. Es wurde auch wircklich ein Dekret abgefaßt des Inhalts: 1) Gegen den gewesenen General Cüstine findet eine Anklage statt; 2) Der gewesene Com'andant von Maynz und seine Staabs-Officier sind zur Verhaftnehmung dekretiert; 3) Die dort gewesenen Volcks-Representanten sollen sich vor dem N. C. stellen; 4) Die geflüchteten Convents-Glieder werden für Vatterlands-Verräther erklärt; 5) Lasource, Vergniaud, Mollevaut, Gardien, Gensonne und Fauchet befinden sich im Zustand der Anklage und werden vom N. C. an das Revolutions-Tribunal gewiesen; 6) Die Minister vom Kriegs- und See-Wesen werden autorisiert, die Oberbefehlshaber-Stellen bey den Armeen und andere militarische Bedienungen zu besezen, ohne auf Anciennität und Rang Rücksicht zu nehmen. -- Zu einiger Beruhigung über die dem N. C. mitgetheilte unangenehme Nachricht zeigte Barrere in der gestrigen Seßion an: Daß die Spanier am 23. dieses an der Bidassoa, einem Fluß bey den Pyrenäen, angegriffen und gänzlich geschlagen worden seyen. Sie haben viele Todte, bey 700. und 193. Kriegsgefangene verlohren; hauptsächlich habe ihre Kavallerie viel gelitten.
August.[]
Paris, vom 2 Augstmonat. [9]
Zwey in der gestrigen Seßion des N. C. abgefaßte Dekrete sind von solcher Wichtigkeit, dass wir diesen Artikel billig mit ihrer Bekanntmachung (und besonders in Ansehung des zweyten derselben nicht ohne schauervolle Empfindungen) anfangen. Die Veranlassung zu diesen Dekreten gab ein Rapport, welchen Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe in dem N. C. abstattete. Er fieng damit an, dass er aus einem Schreiben des General Güillen, einsweiligen Befehlshaber der Armeen in Norden und den Ardennes anzeigte, die Besazung von Valenciennes habe am 28. dies leztverflossenen Monats kapituliert; die Kapitulazions-Artikul seyen aber noch nicht bekannt. Dieses, fügte er hinzu, sey das Resultat eines grossen von Engelland angestifteten und dirigierten Complots, wovon das Wohlfahrts-Committe die schriftlichen Beweise in Händen habe. Es sey nemlich auf den Wällen einer unserer Gränz-Städte eine Brieftasche gefunden worden, worinn sich ein in Engl. Sprache geschriebener Brief und Bemerckungen befanden. Auf dem Umschlag stand die Addresse: "An den Presidenten des Committe in Cambray." In der Brief Tasche befand sich "Pitts Portrait" mit der Aufschrift: "Dem Beschüzer der Engelländischen Constitution." Barrere legte die Brieftasche, das Portrait und die Originale der Papiere auf das Büreau des Presidenten, und laß Uebersezungen derselben vor; welche aber die neuesten Pariser-Blätter noch nicht vollständig liefern. Die Noten oder Bemerckungen enthalten ein Memorial von Commißionen, welche von Engl. Agenten in Franckreich ausgerichtet oder gegeben worden; Geld-Austheilungen in den grossen Städten der Republick; Zusammenkünfte, die der Haupt-Agent den Untergeordneten in Paris, Caen, Lyon, St. Omer, Cambray, Lille und Dünkirchen anweiset. Unter anderm soll darinn an diese Agenten geschriben worden seyn: "Habet genaue Aufsicht, gebet dem oder dem so und so viele Guineen; gebet acht, das M*** St. Omer nicht verlasse. Seine Anweisungen werden uns nüzlich seyn; der General C*** ist für uns ein schäzbarer Mann. Er ist Lamarlieres Freund, und wird unsere Projekte befördern. Begebet euch nach Lille, nach Paris, erhaltet dort die Waaren in hohem Preis; kauffet alles Unschlitt auf, das ihr dort findet, damit das Pfund Kerzen auf 100. Sous komme; machet dass die Wechsel bis auf 200. Livres gegen ein Pf. Sterling steigen, u. s. w." -- Der gefundene Brief, der an Mylord *** addreßiert ist, soll einen kurzen Bericht von dem ganzen Complot enthalten; und das, was den geheimen Agenten empfohlen worden.
Am Schluß dieses Rapports schlug nun Barrere im Namen des Wohlfahrts Comitte die obenerwähnten Dekrete vor, welche das N. Convent sogleich genehmigte, und die hier um ihrer Wichtigkeit willen vollständig und wörtlich mitgetheilt werden. Das erste lautet so: 1) Der Kriegs-Minister soll unverzüglich die nöthigen Befehle ertheilen, dass die gewesene Besazung von Mainz mit der Post nach dem Departement de la Vendee transportiert werde. Zur Ausführung dieser Maasregul sollen ihm 3. Millionen zu seiner Disposition zugestellt werden; 2) der Generalstaab und die Kriegs-Commissarien bey der Armee an den Küsten von Rochelle sollen von allen verdächtigen Personen gereiniget werden, um Generalen und Commissarien von bewährtem Patriotismus an ihre Stelle zu sezen; 3) die Generalen bey dieser Armee sollen die gegen Ausreisser, Flüchtlinge, Verräther und solche die ihre Waaffen wegwerfen und ihre Uniformen verkauffen, gegebene Geseze mit aller Strenge vollziehen lassen; 4) die Organisation der Pionier- und Arbeiter-Compagnien soll beschleuniget und dieselben sollen aus den am meisten patriotisch gesinnten Commünen genommen werden; 5) die Generale sollen mit sorgfältiger Auswahl Corps von muthigen Scharfschüzen und Jägern errichten; 6) der Kriegs-Minister soll brennbare Mate_ien von aller Art in dortige Gegenden verschiken um die Waldungen und Gehölze in Brand zu steken; 7) die Wälder sollen umgehauen, die Aufenthalts-Oerter der Rebellen zerstört und die Feldfrüchte durch Arbeiter-Compagnien eingeerndet, hinter die Armeen transportiert, und auch alles Vieh weggenommen werden; 8) die Weibspersonen, Kinder und alte Leute sollen in das Innere des Landes gebracht, und da mit aller der Menschlichkeit gebührenden Achtung für ihren Unterhalt und ihre Sicherheit gesorgt werden; 9) Der Kriegs-Minister soll alle nöthigen Verfügungen treffen, um allen erforderlichen Vorrath von Waaffen, Kriegs-Munizion und Proviant anzuschaffen für die Armee, die nächstens gemeinschaftlich und zugleich gegen die Rebellen anrüken wird; 10) sobald der nöthige Vorrath an allem in Bereitschaft, und die Armee wieder eingerichtet und in der Verfassung seyn wird, nach dem Departement de la Vendee zu marschieren, sollen die dortigen Volks-Representanten sich mit den Administrationen der benachbarten Departements, die gutgesinnt geblieben sind, verabreden, um in allen umliegenden Munizipalitäten Sturm zu läuten, und alle Bürger von 16. bis 60. Jahren gegen die Rebellen anrüken zu lassen; 11) das Gesez, welches die Frauenspersonen von der Armee verbannet, soll streng vollzogen werden, und die Generalen sind dafür verantwortlich; 12) die Volks Reprensentanten und Generalen sollen dafür sorgen, das die Anzahl der Kutschen und Wagen bey der Armee so viel möglich vermindert, und zu weiter nichts gebraucht werden, als zum Transport der höchst nothwendigen Sachen und Materialien; 13) die Generalen sollen künftig zur Parole keine andere Worte gebrauchen, als patriotische Ausdrüke und Namen alter Republikaner oder Märtyrer für die Freyheit, und niemals Namen von noch lebenden Personen; 14) das Vermögen der Rebellen im Departement de la Vendee gehört der Republik; ein Theil davon soll dazu verwendet werden, um diejenigen Bürger, welche dem Vatterland treu geblieben sind, für ihren erlittenen Verlust zu entschädigen; 15) gegenwärtiges Dekret soll ungesäumt an die exekutife Vollmacht, den Kriegs-Minister und die Volks-Representanten bey der Armee an der Kuste von Rochelle überschickt werden.
Das zweyte der obenerwehnten Dekrete, welche das N. C. in der gestrigen Seßion abgefaßt hat, ist folgenden Inhalts: 1) Das N. C. bestätiget die vom Wohlfahrts-Committe getroffene Erneñung und Absendung von 2 Volks-Representanten in die Departements von Pas de Calais und von Norden, und ertheilt ihnen uneingeschränckte Vollmacht, alle zum Succes ihrer Bestimmung erfoderliche Sicherheits-Verfügungen zu treffen; es befielt zugleich den konst__uierten Autoritäte' u. der bewafneten Macht, ihre Schlus_e zu vollziehen und allem, was sie verlangen, Gehorsam zu leisten; 2) Den Ministern, administrierenden Corps und Munizipalitäten wird besonders aufgetragen, unverzüglich die genauesten Befehle zu ertheilen, dass man die strengste und pünktlichste Aufsicht auf alle See-Haven, Zeughäuser, Magazine, und andern National-Etablissements, wie auch auf die offentliche Cassen habe; 3) Die (ebenfalls von Barrere in dieser Seßion dem N. C. mitgetheilte) Deklaration von Charrier, dem gewesenen Chef der Rebellen im Departement der Lozere, (welche mit den in obenerwähnten Engl. Papieren entdeckten Verschwörung übereinstimmen soll;) diese Deklaration also, nebst dem in der gefundenen Brieftasche enthaltenen Engl. Brief und Noten, so wie auch der vom Wohlfahrts-Com'itte abgestattete Rapport sollen durch ausserordentliche Kuriers an alle Departements überschickt, und jedem Convents-Glied 6. Exemplare davon zugestellt werden; 4) Das N. C. giebt, im Namen der beleidigten Menschlichkeit, bey allen Völckern, und bey der Engl. Nation selbst, das niederträchtige, treulose und abscheuliche Verfahren des Brittischen Ministeriums klagbahr an, welches Mörder, Giftmischer, Mordbrenner, und Verbrecher aller Art besoldet, um die Tyranney triumphiren zu machen und die Menschen Rechte zu vernichten; 5) Das Vermögen aller derjenigen, die Zufolg eines Dekrets von dem N. C. des Schuzes der Geseze verlustig erklärt sind, gehören der Republick; 6) Maria Antonia, (die vormahlige Königin) wird vor das Revolutions-Tribunal gewiesen, und soll unverzüglich nach der Conciergerie (einer gemeinen Gefangenschaft) gebracht werden; 7) Alle Personen von der Familie Capet sollen aus dem Gebiet der Republick wegtransportiert werden, ausgenohmen die beyden Kind_r von Ludwig Capet und diejenigen Personen von dieser Familie, die sich unter dem Schwerdt des Gesezes befinden; 8) Elisabeth Capet, (des vormahligen Königs Schwester) soll erst alsdann weggebracht werden, wen der Prozeß von Maria Antonia entschieden ist; 9) Diejenigen Personen von der Familie Capet, die sich unter dem Schwerdt des Gesezes befinden, sollen erst nach ihrem Prozeß, und wenn sie losgesprochen worden, weggebracht werden; 10) der Aufwand für beyden Kinder von Ludwig Capet, sollen auf dasjenige reduziert werden, was zum Unterhalt und zur Nahrung von zwo Personen erfoderlich ist; 11) Die Grabmähler und Mausoleen der vormahligen Könige in der Kirche zu St. Denis, und in andern Kirchen und Oertern im ganzen Umfang der Republick sollen am 10. dieses Monats August gänzlich zerstört werden. -- So lauten diese beyden Dekrete, worüber man jedem des gegenwärtigen Zustandes der Sachenkundige' Zeitungsleser die dabey natürlichen Empfindungen und Bemerckungen selbst überlassen kan.
Es sind bereits mehrere Deputierte von den Primar-Versammlungen in Paris angekommen, für welche man Pläze in den Versammlungen des N. Convents hat veranstalten lassen. -- Die Volcks Representanten bey der nördlichen Armee haben aus Besorgniß, das Cüstines Verhaftnehmung bey derselben Unordnung veranlassen möchte, eine Proklamation publizieren lassen, welche ihrem Bericht zufolg einen vortheilhaften Eindruck gemacht haben soll. -- Auch der Sohn von General Cüstine ist nebst vielen andern in Verhaft genohmen worden. Das N. Convent hat diesen nunmehr abgesezten General vor das Revolutions Tribunal gewiesen, von dem ihm mit Beyseitsezung aller andern Geschäfte, das Urtheil gesprochen werden soll. Vorgestern ist mit ihm bereits das erste Verhör vor diesem Tribunal vorgenohmen worden, und es wird vermuthlich gestern fortgesezt worden seyn. Von Toulon hat man Nachricht, dass es dort unruhig zugehe. Die Reichen sollen sich den schlechten Zustand der armen Einwohner zu Nuze gemacht, dieselben unterstüzt, und dadurch auf ihre Seite gebracht haben. -- Auf einen Vorschlag des Aufsichts Committe ist abermahls gegen 3. Convents-Glieder ein Verhafts-Befehl dekretiert, und ihre Papiere versiegelt worden.
Einer der Volcks-Representanten in dem ehmaligen Bretagne berichtet aus Angers: dass die Rebellen, welche sich schon der Brücke und des Schlosses von Ce bemächtiget hatten, am 28. des vorigen Monats mit ansehnlichem Verlust von da vertrieben und zum Rückzug genöthiget worden seyen. Ihre Absicht sey gewesen, sich auch von Saumür und Angers Meister zu machen; aber die erlittene Niederlage habe nun ihren Plan vereitelt. -- Der General Lavalette, Commandant von Lille, ist von der gegen ihn gemachten Beschuldigung loßgesprochen, Lamarliere hingegen vor das Revolutions-Tribunal gewiesen worden. -- Alle Sektionen von Bordeaux haben die Constitution angenohmen. Das 1200. Mann starcke Truppen-Korps, welches diese Stadt gegen Paris wollte marschieren lassen, ist wieder in dieselbe eingerückt. -- Houchard ist zum Oberbefehlshaber der vereinigten Armeen in Norden und den Ardennes ernannt worden, und General Ferrieres kommt an seine Stelle bey der Mosel Armee. -- Vier Convents Glieder haben Befehl erhalten sich unverzüglich in die Departements von der Oise und Aisne in der Pikardie und Isle der France zu begeben, um dort Untersuchungen vorzunehmen, deren Gegenstand das Wohlfahrts-Committe geheim zu halten guth findet. -- Die Anzahl der Gefangenen aller Art in den verschiedenen Gefängnissen in Paris belauft sich gegenwärtig auf 1417. Personen.
Paris, vom 5. Augstmonat. [10]
Die neuesten Nachrichten unter diesem Artikul sind nicht so wichtig, als die zulezt gelieferten sie erwarten liessen; und die neulichen mitgetheilten Dekrete haben bisher wenigstens noch keine Folgen gehabt, womit man das Publikum unterhalten könnte. -- Immer fährt das N. Convent noch mit Dekreten fort, die sich auf die gegenwärtige Lage der Sachen beziehen; so sind z. Ex. in der Seßion am 1ten dieses Monats zwey dergleichen abgefast worden. Nach dem ersten sollen alle Parks, Gärten, Häuser und andere Gebäude, welche 8. Tage nach Publikazion dieses Dekrets noch Waapen haben, zum Nuzen der Nation konfisziert werden. Das zweite verordnet, dass jeder Franzos, den Man überweisen kan, dass er Aßiguate an Zahlungsstatt ausgeschlagen, oder dass er dergleichen mit irrgend einigem Verlust ausgegeben oder angenommen habe, fürs erstemahl zu einer Geldstraffe von 3000. Livres und einem halbjährigen Verhaft, und wenn er den Fehler zum zweitenmahl begeht, zu doppelter Geldstraffe und 20. jähriger Galeeren-Straffe verurtheilt werden soll. Nach einem dritten Dekret müssen alle, die sich mit der Besorgung der Gesundheit abgeben, Aerzte, Wund-Aerzte, Apotheker, von Alter 18. bis 40. Jahren sich in Bereitschaft halten, den Befehlen des Kriegs-Ministers Folge zu leisten.
In der Seßion am 2. erschien vor dem N. Convent der Maire von Nantes, Bacau, an der Spize einer Bürger-Deputation aus dieser Stadt, um anzuzeigen, dass Nantes die Constitution angenommen habe. Der übrige Theil seines Vortrags an das N. Convent enthielt eine Rechtfertigung des General Beysser und des National-Commissärs, Coustard; eine Critik von den Operazionen der Commissarien in den Departements, und eine Aufforderung an das N. Convent, sogleich nach geschehener Annahm der Constitution sich selbst aufzuheben und auseinander zu gehen. Der President hatte diese Deputazion eingeladen, der Seßion beyzuwohnen; aber zwey Convents-Glieder, Thuriot und Chabot, wiedersezten sich diesem aus dem Grund, weil diese Deputierten darinn, dass sie die Aufhebung des N. Convents verlangt, die Sprache Pitts und Coburgs geführt hätten. Der Maire von Nantes behauptete, er habe gewust, dass man am 29. Brachmonat die Rebellen in Nantes erwartet und sogar zu einer Mahlzeit von 1200. Gedeken eingeladen habe. -- Das hast du erlogen: erwiederte der Maire von Nantes, und wurde wegen dieser Verlezung des Respekts zum Verhaft in der Abtey verurtheilt. Auch gegen Garat, den Minister der innern Angelegenheiten, war auf den Vorschlag eines Convents-Gliedes bereits ein Verhafts-Dekret abgefast; er konnte sich aber über die gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen rechtfertigen, und das Dekret wurde zurük genommen. -- Auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Committe wurde dekretiert, dass 3. mahl in der Woche auf 3. Theatern in Paris die Trauerspiele Caius Grachus, Wilhelm Tell und Brutus, und zwar wochentlich einmahl auf Kosten der Republik, aufgeführt werden sollen.
Der diesmalige President des N. Convents, Danton hatte in der Seßion am 1. dieses den Vorschlag gethan, das Wohlfahrts-Committe zum einsweiligen Regierungs-Committe zu machen, demselben 50. Millionen zu geheimen Ausgaben zu bewilligen, und dem vollziehenden Conseil die Deliberations-Vollmacht zu nemmen. Das Committe, welchem dieses Projekt zur Untersuchung übergeben worden war, hat durch seinen Raporteur verlangt: Das Wohlfahrts Committe, so wie das vollziehende Conseil, sollen bleiben, was sie bisher waren. Dieser Vorschlag wurde auch genehmiget; aber die Summ von 50. Millionen zu geheimen Ausgaben dennoch bewilliget.
In der gestrigen Seßion verlangte ein Physiker, der sich mit der Luftschiffahrt abgiebt, das über die Künste niedergesezte Committe möchte eine aerostatische Maschine untersuchen, vermittelst deren er, nach seiner Behauptung, ohne Gefahr die gegen die Französis. Republik verbundenen Kriegsheere zu Grund richten könne. Wirklich wurde auch von dem N. Convent seinem Mitglied Güiton-Morvaux aufgetragen, über die vorgeschlagenen Luftballons ein Gutachten einzugeben; und nur darum, weil dieses geschehen ist, wird des sonderbahren Vorschlags hier Erwähnung gethan.
In eben dieser Seßion hat der gewesene National-Commissar in Mainz, Merlin, der sich wieder im N. Convent eingefunden hat, und also nicht gewissen Berichten zufolg, in Mainz umgekommen ist, der Versammlung von den Umständen der Uebergabe dieser Stadt, und dem jämmerlichen Zustand Bericht abgestattet, worinn sich die Besazung schon lange vorher befunden hatte. -- "Nicht aus Feigheit, sagte er, hat sich die Besazung ergeben, und die Berichte, welche die für dieselbe demüthigenden Dekrete veranlast haben, waren alle verläumderisch. Der Plaz war von Cüstine schlecht mit dem erforderlichen versorgt worden, und er hatte denselben sich selbst überlassen mit Kanonen versehen, zu denen keine Kugeln von gleichem Calibre vorhanden waren. Arzneyen, Fourrage, Mehl war in geringem Vorrath vorhanden, und 3. Tage vor der Capitulazion hatten wir weiter nichts mehr, als Korn, und noch dazu hatte die Batterie auf der Weissenau unsere Mühlen ruiniert. Die Fourrage Magazine waren in Brand gerathen, und 3. Tage späther würden wir unsere vor Hunger umgekommene Pferdte in den Rhein haben werfen müssen. So lebten unter täglich vorfallenden vortheilhaften Gefechten 20,000. Mann, die 4. Monate lang 80000. Mann der besten deutschen Truppen wiederstanden, worunter sich auch die Grenadiers befanden, welche Belgrad mit Sturm erobert haben. Und doch ist eben diese muthige Garnison, welcher die Preussen mehr Gerechtigkeit haben wiederfahren lassen, verläumdet worden, da man ihr doch ewigen Dank dafür schuldig ist, dass sie 4. Monat lang eine furchtbare Armee aufgehalten hat, welche Franckreich überschwemmt und verwüstet haben würde. Man spricht von einer von den Franzosen vorgeschlagenen schimpflichen Capitulazion; aber es ist nicht wahr, was was man hierüber sagt. Wir haben wohl 10. Capitulazionen vorgeschlagen, die alle verworffen worden sind; die Unterzeichnete ist uns aus dem preußischen Lager überbracht worden, und ich habe meine Beystimmung dazu gegeben; denn unterschreiben werde ich niemahls eine Capitulazion. Vermittelst dieser sind wenigstens 16000. Mann aus Maynz ausgezogen und kehren mit Waafen und Bagage nach Franckreich zurück; anstatt das 3. Tage später diese Armee in Kriegsgefangenschaft gerathen wäre. Der König von Preussen hat, als er die Capitulazion bewilligte, gesagt: Er thue es nur in Rücksicht auf den bewiesenen Muth der Franzosen; und er hatte Recht, denn diese 16000. Franzosen haben innerhalb 4. Monaten mehr als 30000. der Belagerer des Lebens beraubt. -- Zufolg dieses von Merlin abgestatteten Rapports, und dessen, was noch andere zum Lob der Staabs-Officiers von der gewesenen Maynzer-Besazung hinzufügten, wurde das kürzlich gegen dieselben abgefaßte Verhafts Dekret feyerlich wiederruffen; besonders der gewesene Commandant von Cassel, dü Bayet, der unter der Bedeckung von zwey Gensdarmes nach Paris gebracht werden sollte, in Freyheit gesezt und deklariert, dass die Besazung von Maynz sich um das Vatterland wohl verdient gemacht habe. Merlin verlangte und erhielt auch die Erlaubniß, sogleich mit der Post abzureisen, um diesem nach dem Departement de la Vendee marschierenden Truppen-Korps die Nachricht von diesem Dekret zu überbringen.
Die Fortsezung von Cüstines Prozeß ist unterbrochen worden durch die grosse Menge der dem Revoluzions-Tribunal zugekommene Aufsäze, welche vorher untersucht werden müssen, ehe man in dieser Sache und in den Verhören weiter fortfahren kan.
Der jüngst erwähnte, in einer Brieftasche aufgefundene Englische Brief, welcher zum Beweis des grossen Complots dienen soll, ist nun den Pariser-Blättern eingerükt; aber er enthält so viele Namen blos mit den Anfangsbuchstaben, dass dem auswärtigen Publikum die Mittheilung desselben nicht sehr belehrend seyn könnte.
Paris, vom 9. Augstmonat. [11]
Das N. Convent erhielt in der Seßion am 5. dieses von seinem Commissar Carrier aus Caen unterm 2. dieses folgende Nachricht: Büzots Thron ist umgestürzt; er hat sich nebst denen, die an seinen Projekten Theil genommen, geflüchtet, und wir lassen ihn verfolgen. Ich bin gestern in Caen angekommen, die Armee der Republik ist heute Abends um 10. Uhr daselbst eingezogen. Soucy, einer von Büzots Gehülfen, hat sich erschossen. Petions Frau und Sohn sind in Honfleurs arrettiert worden, und man bringt sie nach Paris. Es geht und wird nächstens noch besser gehen. Das Volk kommt von seinem Irrthum zurück. Die Stadt Caen hat die Constitution einmüthig angenommen; und morgen wird ihre Genehmigung durch eine Artillerie-Salve offentlich angezeigt werden. -- Diese Nachricht wurde auch mündlich bestätiget durch die beyden zurük gekommenen Deputierten, welche auf dem Schloß zu Caen in Verhaft gewesen.
In eben dieser Seßion stattete der General Chalbos Bericht ab von einem vollständigen Sieg, welchen am 1. dieses bey Lücon 1500 Franzosen über 20,000. Rebellen erfochten, die in 3. Colonnen anrükten, um diese Stadt zu überfallen, und in dem Gefecht 2000. Mann, nebst 3. Kanonen und einem Munizions Wagen verlohren. -- Es haben dieser Seßion über 1200. Deputierte der Primar-Versammlungen, die auf das morndrige National-Fest hieher gekommen sind, beygewohnt.
Die aus Valenciennes in Cambray angekommenen Volks-Representanten, Briez und Cochon, haben von der Belagerung und Uebergabe jener Vestung folgenden Bericht eingeschikt: Valenciennes wurde am 24. May eingeschlossen, und der Rükzug aus dem Lager bey Famars war so eilfertig, daß man einige tausende Ausländer und übelgesinnte Leute nicht aus der Festung wegschaffen konnte. Am 30. desselben Monats erneuerte die Besazung nebst den Freywilligen den Eid, sich unter den Trümmern der Stadt begraben zu lassen. Wir wurden von den Kayserl. und dem Herzog von Yorck zu wiederholten mahlen zur Uebergabe aufgefordert, aber der General Ferrand schlug es immer in kurzen Worten und mit Republikanischem Geist ab. Nun nahm das Bombardement den Anfang und die Vorstadt Marly wurde bald hernach eingenommen. Das Zeughaus und Hospital geriethen in Brand und fast die ganze Stadt war in kurzer Zeit eine Hauffe von Ruinen. Die bemittelten Weiber und Aristokraten suchten nun um die Uebergabe der Stadt an; aber die strafbahrsten von ihnen wurden ins Gefängniß gesezt. Am 22. Junius wurde der Aufstand der Weiber beträchtlicher, auch Männer nahmen Antheil daran, man sezte der Munizipalität zu und verlangte die Uebergabe des Plazes. Der General Ferrand sprach mit Entschlossenheit. Zwey Regimenter fiengen auf dem offentlichen Plaz an ihre Gewehre zu laden und nun lieffen die Leute auseinander. Der General ließ offentlich bekannt machen, daß er fest entschlossen sey, sich nicht zu ergeben. Wir liessen 100,000. Livres unter diejenigen austheilen, die durch das Bombardement am meisten gelitten hatten; denen, deren Häuser abgebrannt waren, wurden die Gewölber der Citadel zur Wohnung angewiesen; und die Truppen und Kanoniers auf den Wällen droheten, ihre Mörser gegen die Stadt zu richten, wenn man vom kapitulieren rede. Am 26. Junius entstanden neuerdings aufrührische Bewegungen. Das Volk wurde abermals gestillt. Man verbreitete das Gerücht, der Feind habe Bresche geschossen; aber dieses Gerücht wurde durch eine Proklamation wiederlegt. Nun war alles ruhig bis am 14. Julius, dem Föderazions-Tag, an welchem die Truppen und Bürger neuerdings schworen, frey zu leben oder zu sterben. Aber die Uebergabe von Conde verbreitete neue Unruhe in der Stadt und die geheimen Unternehmungen unserer innerlichen Feinde gewannen eine Beschaffenheit, welcher keine menschliche Klugheit mehr Einhalt thun konnte. Die Zusammenrottierungen entstanden von neuem, und ein unglüklicher Vorfall vermehrte ihre Kühnheit.
In der Nacht zwischen dem 25. und 26. sprengten die Feinde einen Theil der Pallisaden; die Explosion machte, daß mehrere Soldaten ihre Posten verliessen. Die Truppen lieffen auseinander. Nun überschickte der Herzog von Jork eine Auffoderung worinn er drohete, die Bürgerschaft und Besazung über die Klinge springen zu lassen, wenn man sich nicht ergebe. Die Drohung wirckte auf die schwachen Gemüther. Eine Menge mit Säbeln bewafneter Schurken bemächtigten sich der Zugänge und Wälle; es waren zwo Breschen entstanden. Ein Theil der Besazung mischte sich unter die Zusammenrottierten; der Kriegsrath konnte nur mitten unterm Tumult gehalten werden; 50000. Bomben und 180000. Kanonen-Kugeln waren bereits in unsern Mauren gefallen; kein Succurs kam, und so kapitulierte man. -- Die Feinde haben bey dieser Belagerung 22000. Mann verlohren, und ohne den unglücklichen 25. Julius wäre die Belagerung aufgehoben worden. Die beynahe ganz ruinirte Stadt öfnete endlich nach einem 46. tägigen Bombardement, am 28. die Thore. Uebergesinnte hatten Emigrierte, fremde Truppen uns so gar den Prinzen Lambesc in die Stadt hineingebracht. Man wollte sich noch vor dem völligen Abzug der Besazung unser bemächtigen; aber der General Ferrand hat uns gerettet.
Sephers, der Ober-Befehlshaber der Armee an der Küste von Cherburg berichtet aus Caen, seinem diesmahligen Haupt-Quartier, daß man im Begriff sey, das dortige Schloß, welches die Uebelgesinnten gern im Besiz gehalten möchten anzugreiffen; und bald darauf zeigte Barrere dem N. C., daß die Pariser-Freywilligen sich dieses Schlosses wirklich bemächtiget und 87. Kanonen darinn gefunden haben. Es wurde nun dekretiert, daß dasselbe nebst allen ähnlichen Gebäuden in der ganzen Republick niedergerissen werden soll.
In der vorgestrigen Seßion erschien der gewesene Kommandant von Nantes, General Beysser, vor dem N. Convent, er rechtfertigte seyn Verfahren, gestand aber, daß er nicht recht daran gethan habe, die Schlüsse vom Departement der Niedern-Loire zu unterschreiben. Er wurde zum Verhör an das Sicherheits Committe gewiesen. -- In eben dieser Seßion ließ der General Ferrand, gewesener Commandant von Valenciennes, dem N. C. anzeigen, daß er in Paris und bereit sey, die Befehle desselben zu vernehmen. Auch erschien der General Aubert dü Bayet, Commandant von Cassel bey Maynz, unter lauten Beyfalls-Bezeugungen vor dem N. C. und sagte: Er habe 22000. National-Garden mit fliegenden dreyfarbigten Fahnen, Waafen, Bagage und aufgepflanztem Bajonet nach Franckreich zurückgebracht, und sich mit seinen Waafen-Brüdern glücklich geschäzt, daß sie dem Vatterland gute Dienste geleistet haben; aber auch sehr über die Nachricht getrübt, daß ihr erworbener Ruhm durch ein dem N. C. in der Uebereilung abgelocktes Dekret beschimpft worden sey. Sein Vortrag ist intereßant genug, um wenigstens Auszugsweise hier mitgetheilt zu werden. "Ich würde, sagte er unter anderm, kein Ende finden, weñ ich euch alle tapfern Thaten der in Maynz belagerten Franzosen umständlich erzählen wollte. Mangel von aller Art vereinigte sich mit den übeln Folgen der Belagerung. Sechs Wochen lang näherten wir uns mit todten Pferdten, Kazen, Hünden und Razen. Unter unser Getränck mischten wir Fischt-Thran, und den Saft vergifteter Pflanzen, wovon viele unserer Leute toll im Kopf geworden sind. Am Tag vor der Uebergabe von Maynz lud ich die Staabs Officiers zu einer Mittags-Mahlzeit ein, und konnte ihnen kein anderes Fleisch, als eine Kaze, aufstellen. Aber nun vergessen wir all' unser ausgestandenes Ungemacht, da das N. C. durch ein Dekret der Besazung von Maynz; die ihr gebührende Gerechtigkeit hat wiederfahren lassen." -- Er bat sich die Erlaubniß aus, mit der nach dem Departement de la Vendee gehenden Maynzer-Besazung ebenfalls dahin gehen zu dörffen, und erhielt sie auch.
Barrere zeigte in dieser Seßion dem N. C. an, daß am 2. dieses Monats das Zeughaus in der Vestung Hüningen in Brand gerathen, der Ort selbst nur durch den bewiesenen Muth der Besazungs-Soldaten gerettet, übrigens aber ausser einer grossen Menge Holzes, 70000. Stücke Feuerwerks zu Bomben und Granaten vom Feuer ruiniert worden seyen. Er führte diesen Vorfall an als einen Beweiß von dem neulich entdeckten Complot von Seite des Englischen Ministeriums, alle unsere Magazine in Brand zu stecken. Dieses veranlaßte ein Convents-Glied, den Vorschlag zu thun, daß durch ein Dekret jedermann authorisiert werden soll, den Engl. Minister Pitt zu ermorden. Der Vorschlag wurde zwar verworffen, aber doch dekretiert: daß Pitt, der Minister der Engl. Regierung, ein Feind der Menschheit sey.
Eben auch in der vorgestrigen Seßion theilte der Minister vom See-Wesen dem N. C. nachfolgendes Schreiben des Commandanten von Brest vom 3. dieses Monats mit: "Ich eile, sie durch einen ausserordentlichen Kurier zu benachrichtigen, daß die Fregatte Carmagnole so eben in Cameret eingelauffen ist, und daß der Capitain derselben, ein Deutscher, mir den Bericht überbracht hat: Er sey am 28. des vorigen Monats unter Segel gegangen, um die Flotte des Vice-Admirals Morard de Galles zusammen zu beruffen, und bey dieser Gelegenheit habe er zwischen dem 31. Julius und 1. August, 6. Stunden von Bec-du-Ras, Nachricht erhalten von einer aus 29. Schiffen bestehenden Engl. Flotte; auch habe er die Flotte der Republick in der Gegend von Groix sich zusammen ziehen gesehen; beyde Flotten standen einander im Gesicht; einige Engl. Schiffe haben bis am 2. dieses ihn verfolgt, es sey ihm aber gelungen, ihnen zu entgehen, und in Brest einzulauffen, um mir diese Nachricht zu überbringen. Ferner habe der Capitain der Fregatte, la Resolüe, welche am 3ten dieses mit einer aus 31. Schiffen bestehenden und von St. Malo kommenden Flotte, in Brest eingelauffen, ihm berichtet; daß am 26. des vorigen Monats 18. Kriegs-Schiffe und 6. Fregatten unter dem Commando des Admiral Hügue von Corbay aus und gegen Süden gesegelt seyen. Was auch immer die Feinde für Absichten und Projekte haben mögen; so habe man alle nöthigen Maaßregeln genommen um jeden plözlichen Angriff auf unsere Küsten zu verhüthen.
Auf einem im Namen des Instruktions-Committe gethanen Vorschlag sind eben auch in der vorgestrigen Seßion alle mit Patenten versehene Sozietäten der Wissenschaften und Künste aufgehoben, und es ist den Gelehrten und Künstlern überlassen worden, sich in freywilligen Gesellschaften zu vereinigen.
Alle Commissarien der Primar-Versammlungen nebst den Mitgliedern der Jakobiner-Sozietät von Paris erschienen in dieser Seßion vor dem N. Convent und verlasen eine Addresse der erstern an ihre Brüder in den Departements, deren Absicht ist, dieselben gegen alle wieder diese Stadt besonders seit dem 10. August ausgestreuten Verläumdungen zu verwahren. -- Zugleich wurde ein Schreiben des Volks-Representanten, Choudieu, in Saumür verlesen, worinn er berichtet, daß die Rebellen am 5ten dieses bey Doue geschlagen worden seyen. Der General Roßignol sey auf die erhaltene Nachricht, daß dieselben Saumür angreiffen wollen, ihnen mit 3000 Mann entgegen gezogen und habe 400 von ihnen erlegt. -- So viel von dem, was in den neuesten Seßionen des N. C. vorgekommen ist.
Paris, vom 12 Augstmonat. [12]
Die Feyer des vorgestrigen National-Festes ist nach den eingegangenen offentlichen Nachrichten in vollkommener Ruhe und Ordnung vollzogen worden. Am Tag vorher ertheilte in der Seßion, worinn Herault-Sechelles zum ersten mahl im N. Convent presidierte, ein Mitglied desselben, im Namen der Commißion über das Protokoll der Constitutions Genehmigung, Nachricht mit von den Primar-Versammlungen, welche dieselbe angenohmen haben. Zufolg dieser Anzeige hat unter den 44000. Munizipalitäten der Republick eine einzige verlangt, daß Ludwigs Sohn auf den Thron gesezt werden soll; nemlich die Commüne von St. Tonnant im Distrikt von St. Brieuz. Von 4944. Kantons oder Primar-Versammlungen haben alle die Constitutions-Akte, genehmiget; ausgenohmen Marseille, Corsika, das Departement von der Vendee, einige gegenwärtig in feindlichen Händen befindlichen nördlichen Commünes in der Gegend von Lille, nebst Valenciennes und Maubeuge, welche ihre Stimme nicht geben konnten. -- Die National Feyerlichkeit gieng völlig so vor sich, wie sie in dem bereits mitgetheilten Plan veranstaltet war, und ihre Beschreibung würde also bloß eine Wiederholung desselben seyn. Es bleibt uns also nichts übrig, als einige wenige dort ausgelassene Umstände nachzuholen. Der President des N. Convent war der erste, welcher auf dem Plaz der vormahligen Bastille aus dem gemeinschaftlichen Becher von dem Wasser des Regenerations-Brunnen tranck, und ihn sodann den 86. Commissarien der Abgeordneten von den Primar-Versammlungen überreichte; so oft einer derselben nach dem andern daraus tranck, ward ein Artillerie-Salve gegeben; und der Ceremonie angemessene Stellen aus einem Lied in der Melodie des Marseillanischen abgesungen. Bey der zweyten Gruppe des Zuges, welche das N. Convent ausmachte, trugen 8. Mitglieder desselben auf einer Baare eine offene Lade, worinn sich die Tafeln befanden, auf denen die Menschen-Rechte und die Constitutions-Akte eingegraben waren. Unter der dritten Gruppe, die aus der Volcks-Menge bestand, fuhren auf einem Wagen in Gestalt eines Pflugs ein alter Mann und seine Frau von ihren eigenen Kindern gezogen, und unter den Attributen der verschiedenen Handwercke waren in grossen Buchstaben die Worte zu lesen: Das ist der Dienst, welchen das unermüdete Volck der menschlichen Gesellschaft leistet; so wie zwischen den Karren, die mit den Königl. und Adelichen Unterscheidungs-Zeichen beladen waren, auf Fähnchen die Worte standen: Siehe da, Volck, was immer das Unglück der menschlichen Gesellschaft ausgemacht hat. Auf dem Triumphbogen bey der zweyten Station, worunter die sogenannten Heldinnen des 5. und 6. Oktobers, so wie damahls, auf ihren Kanonen sassen und aus des Presidenten Hand einen Loorbeer-Zweig empfiengen, laß man die Worte: Wie einen verächtlichen Raub haben sie den Tyrannen vor sich hergejagt. Bey der dritten Station, wo man die Attributen der Königs Würde und des Adelstandes verbrannte, ließ man enige tausend Vögel mit leichten Bänderchen am Hals frey in die Luft fliegen. Als man endlich bey der le_ten Station auf dem Mars-Feld angekommen war, stiegen der President, das N. Convent, die 86. Commissarien der Abgeordneten von den Primar-Versammlungen, und diese Abgeordneten selbst die Stuffen am Altar her, und nachdem der President des N Convents das Verzeichniß der Stimmen der Primar Versammlungen auf den Altar gelegt hatte, wurde in Gegenwart aller Abgeordneten des Souveräns der Wunsch des Französischen Volcks in Ansehung der Constitution-Akte unter freyem Himmel proklamiert; ein General Salve kündigte die feyerliche Handlung an; nach geschwornem Eid traten die Commissarien der Primar-Versam'lungen zu dem Presidenten des N. Convents, und übergaben ihm jeder die Pike, die er getragen hatte; der President band sie mit einem dreyfarbigten Band in ein Bündel zusammen, und übergab dasselbe nebst der Lade, worinn sich die Constitution befand, dem Volck mit den Worten: Volck, ich übergebe das Pfand der Constitution in den Schuz aller Tugenden. Dieses Bündel nebst der Bundes-Lade ließ man dann die Nacht hindurch auf dem Altar des Vatterlandes unter der Bewachung des Volcks, und sie wurden erst am folgenden Tag von den Abgeordneten der Primar-Versammlungen in das N. Convent zurückgebracht. Der President desselben hat bey jeder der verschiedenen Stationen, eine besondere, den Vorstellungen angemessene Anrede gehalten, von denen wir aus Mangel des Raums nur die lezte am Altar des Vatterlandes hier anführen wollen:
"Franzosen! Euere Bevollmächtigte haben in den 86. Departements euere Vernunft und euer Gewissen über die Constitutions-Akte, die sie euch vorgelegt, angefragt; sie haben dieselbe angenohmen, nie hat ein einstimmigerer Wunsch einer so grossen und popularen Republick ihre Einrichtung gegeben. Vor einem Jahr war der Feind in unser Gebiet eingedrungen; wir haben die Republick proklamiert und haben gesieget. Jezt, während dem wir Franckreich eine Constitution geben, greift Europa dasselbe von allen Seiten an; lasset uns schwören, daß wir die Constitution bis in den Tod vertheidigen wollen, und die Republick ist ewig."
Paris durfte in der Nacht vom 10. nicht illuminiert werden, um bey den gegenwärtigen Umständen allen unnöthigen Aufwand und die noch grössere Vertheurung der LIchter zu verhüthen.
Das N. Convent hat in seiner gestrigen Seßion ein Schreiben erhalten von den Volcks-Representanten bey der Alpen-Armee, Gauthier und Dübois Crance, aus dem Haupt Quartier bey Bourg vom 6. dieses Monats, worinn sie melden, daß sie im Begriff seyen mit dem General Kellermann an der Spize von etlich und 20,000. Mann von dort gegen Lyon anzurücken, um in dieser rebellischen Stadt die Herrschaft der Geseze wieder herzustellen. Zugleich überschiken sie die von ihnen an diese Stadt gethane Aufforderung, deren Befolgung sie innerhalb einer Stunde verlangen, wenn Lyon nicht feindlich behandelt werden wolle. Die in dieser Aufforderung vorgeschrieben Bedingnisse sind folgende: 1) Soll nicht die geringste Feindseligkeit gegen die Republikanische Armee geäussert werden; jeder Bürger, der sich auf den Straffen oder an den Fenstern bewafnet zeige, werde als ein Rebell behandelt werden; 2) Alle Art von Civil oder militarischer Autorität soll in Lyon aufhören; die Volcks-Representanten werden dafür sorgen; 3) Das Zeughaus und alle Vertheydigungs-Mittel sollen der Avant Garde, die der General dahin schicken wird, überliefert werden; 4) Die Stadt soll die Unkosten dieser Expedition und den Soldaten der Republick eine Gratifikazion bezahlen; 5) Die Dekrete des N. Convents vor und seit dem 31. May sollen anerkannt und ihre Vollziehung gesichert werden. -- Unter diesen Bedingungen versprechen die Volcks Representanten den Einwohnern von Lyon Friede und Brüderschaft, und haben von dem General die Versicherung und von den Truppen die eidliche Zusage, daß keinem Bürger weder an seiner Person noch an seinem Vermögen einiger Schaden zugefügt werden soll. Wenn aber auch nur eine dieser Bedingungen verweigert werden sollte, so erklären sie alle Bürger von Lyon verantwortlich für alles Unglück, was daraus entstehen könnte, und deklarieren zum voraus jeden, mit gänzlicher Confiskazion seiner Güter, für einen Rebellen und Vatterlands-Verräther, von dessen Sohn oder Commis oder auch nur Bedienter und gewöhnlichem Arbeiter es sich zeigen sollte, daß er die Waafen gegen die Truppen der Republick ergriffen oder etwas zu der Gegenwehr beygetragen habe. -- Diese Auffoderung war mit einer ähnlichen von dem General Kellermann aus dem Lager von Lyon vom 8. dieses begleitet, worinn er verlangt, daß die Einwohner dieser Stadt innerhalb des bestimmten Zeitraums von einer Stunde derselben ein Genügen leisten, ihm die Thore überliefern, und so viele Truppen in die Stadt aufnehmen sollen, als er zur Handhabung der Dekrete des N. Convents einrücken zu lassen nöthig erachten werde. -- Das N. Convent billigte diese von seinen Commissarien genohmenen Maas-Regeln, von deren Erfolg uns nun die nächsten Berichte belehren werden.
Paris, vom 16. Augstmonat. [13]
Das N. Convent erhielt in der Seßion am 12. von seinen Commissarien, Albite und Poultier, aus Avignon vom 5. dieses nachfolgendes Schreiben: Bürger und Collegen! Die Marseillaner sind aus dem Departement von Vauclüse, welches sie verwüsteten, verjagt worde', u. fliehen seitdem im'er weiter; 50. Republikaner haben ihre Avantgarde von dort weggetrieben. In ihren S_ktionen sind sie mächtig, aber nicht auf dem Schlachtfeld. Bald werdet ihr hören, daß Brünet, der General der Armee in Italien, an der Spize der Foederalisten ist. -- In Toulon haben die Reichen und Adelichen das Volck unterjocht. In Marseille will man keine republikanischen Assignate mehr, als mit 10. Prozent Verlust gegen die mit des Königs Bildniß; die Reichen verlangen laut einen König, aber das Volck murret und billiget stillschweigend die Constitution. -- Die Marseillaner nehmen den gleichen Gang mit den Royalisten in Lyon, Bordeaux, Caen und Nimes; aber wir werden ihre Bemühungen vereiteln. -- So eben sagt man uns, die Marseillaner wollen den Orleans nach Spanien schicken, um sich in eine Unterhandlung einzulassen. -- Dieses Schreiben wurde dem Sicherheits-Committe zugestellt.
In eben dieser Seßion stattete Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe einen Rapport ab über das Verfahren des Kriegs-Ministers und ertheilte ihm das Zeugniß eines zuverlässigen republikanischen Patriotismus. -- Sodann verlaß er nachfolgendes Schreiben der Administratoren von Lyon und der dortigen Sektions-Commissarien an das N. Convent vom 9. dieses: "Bürger und Volcks-Representanten! Zu eben der Zeit, da unsere Commissarien euch den grösten Beweiß von unserer Anhänglichkeit an die Republick geben durch Ueberbringung unserer Genehmigung der Constitutions-Akte, behandelt ihr uns als Rebellen. Gestern am 8. dieses haben die Feindseligkeiten den Anfang genohmen, und es ist Blut vergossen worden. Dübois-Crance hat uns eine Proklamation zugeschickt, worüber wir innerhalb einer Stunde berathschlagen und einen Entschluß fassen sollten. Noch war dieser Zeitraum nicht verflossen, als auf unsere Avantgarde mit Kanonen geschossen wurde. Man verlangt, Brüderschaft zu machen; einige von unsern Reutern näherten sich, und zwey von ihnen wurden gefangen genohmen. Wir haben ihre Gewaltthätigkeit nachgeahmt, von neuem angefangen zu feuren, und die Angreiffer abgetrieben. Nach den von der Stadt Lyon gegebenen Beweisen von ihrer Anhänglichkeit an die Republick, wollet ihr uns mit Gewalt bezwingen. Die Commissarien die ihr zu uns geschickt, haben ihre Vollmacht überschritten. Lasset Lyon Gerechtigkeit wiederfahren; Blutvergiessen wird unausbleiblich auf euere abschlägige Antwort erfolgen; wir werden lieber alle umkommen, als wieder unter das Joch der Anarchie zurückzukehren." -- Zugleich mit diesem Schreiben verlaß Barrere noch ein anderes von eben diesen Administratoren an die Commissarien der Primar-Versammlungen von Lyon. Es ist ungefehr von gleichem Inhalt: "Dringet, heißt es unter anderm, in das N. Convent, daß es uns Gerechtigkeit wiederfahren lasse; wir sind entschlossen zu sterben, um uns der Unterdrückung zu wiedersezen. Unser General Genest hat bereits 200. Anarchisten erlegt; wir auf unserer Seite hatten nur 2. Verwundete, und 2. andere wurden bloß durch Verrätherey gefangen." --Was Barrere nach Verlesung dieser Schreiben in seimen Rapport noch weiter hinzusezte, zielte darauf ab, die Versicherung der Lyoner in Ansehung ihrer Republikanischen Gesinnung und ihrer Anhänglichkeit an die Constitution verdächtig zu machen. -- Uebrigens waren diese Briefe eigentlich von den Administratoren des Departements von der Allier an das Wohlfahrts-Committe eingeschickt worden, welche sie dem von Lyon kommenden Kourier hatten abnehmen, ihn selbst aber bis auf weitere Verhaltungs-Befehle des N. C. arrettieren lassen, aus Besorgniß, er möchte etwan noch mündliche Aufträge an jemand haben.
Der übrige Inhalt von Barreres Rapport betraf nachfolgende Gegenstände: Von den National-Commissarien Albitte und Nioche hat man Nachricht, daß Toulon und Marseille in ihrer Revolte beharren; in Aix sey eine Armee von 4000. Mann, die aus Emigrierten, reichen Guths-Besizern, Deserteurs und See-Soldaten bestehen, welche viel Artillerie bey sich haben. -- Berichte aus dem Departement der Vendee thun eines neuen über die dortigen Rebellen erfochtenen Sieges Meldung; es seyen nemlich 1000. Mann von denselben bey Doue von 600. Patrioten geschlagen und zwo Stunden weit verfolgt worden, wobey von den Rebellen 300. gefangen und viele, die sich in Kellern versteckt hatten, getödtet worden. -- Zufolg eines aufgefangenen Schreibens aus Dünkirchen soll das Engl. Ministerium, im Fall sein erster Plan nicht gelingen sollte, einen zweyten gegen Franckreich gemacht haben; und dieser soll darinn bestehen, daß alle Banquiers in London, Amsterdam, Hamburg und Wien mit Anfang des Septembers zu zahlen aufhören sollen; welches, wie man hoffe, eine gewaltige Erschütterung des Vermögens-Zustandes in Franckreich verursachen, den Preis der Waaren vertheuren, den Credit der Assignaten fallen machen werde, u. s. w. -- Endlich den Zustand der nördlichen Armee betreffend, sagte der Rapporteur: -- General Houchard sey jzt an der Spize dieser Armee; die sich, weil sie von der überlegenen Anzahl der Feinde in dem sogenannten Cäsars-Lager beunruhiget worden, von dort zurückgezogen habe; sie befinde sich jzt in dem Lager zu Vitry bey Douay. Cambray sey, nach vielen übereinstimmenden Berichten, eingeschlossen, aber mit allem nöthigen wohlversehen, so wie auch Bouchain, Quesnoj und Landrecy; 18000. Mann von der Mosel- und Rhein-Armee seyen zu der Nördlichen gestossen, und 30000. Neuaufgebottene marschieren unter dem General Chaubourg eben dahin. Diese Armee habe vorzüglichen Mangel an Kavallerie; der Feind scheine die Absicht zu haben, von des an der See-Küste gelegenen Flandern und von Hennegau sich zu bemächtigen, und die Kommunikazion zwischen Douay und Lille abzuschneiden.
Noch wurden in dieser Seßion, auf Roberspierres und Dantons Vorschlag, zwey Dekrete abgefaßt: Nach dem einen sollen alle verdächtigen Personen in Verhaft genohmen; und nach dem andern die Commissarien der Primar-Versammlungen bevollmächtiget werden, im Namen der Nation ihre Mitbürger bey ihrer Zurückkunft aufzufodern, von allem vorhandenen Getraid, Munition und Pferdten ein Verzeichniß aufnehmen zu lassen, und so wohl Mannschaft als Waafen aufzubieten. Wie dieses Dekret in Vollziehung gebracht werden könne, soll in einer der nächsten Seßionen ausgemacht werden.
In der vorgestrigen Seßion erhielt, das N. C. von seiner Commissarien bey der Nordarmee die Nachricht aus Arras, daß dieselbe 3 Stunden von dieser Stadt ihr Lager habe und in ihrer Gegenwart unter dem Commando des General Houchard den 10. August gefeyret, die Constitution angenohmen, und geschworen habe, bis auf den Tod gegen die Feinde der Republik zu kämpfen. -- In eben dieser Seßion erhielten die Abgeordneten der Primarversammlungen von dem N. C. die Vollmacht wieder nach Haus zurükzukehren, und dort ihre Mitbürger zum Marsch nach den Nordlichen Departements und dem von der Vendee aufzufodern. Zufolg eines bey diesem Anlas abgefaßten Dekrets, soll eine Anzahl von Conventsgliedern sie mit dem gleichen Auftrag in die verschiedenen Departements begleiten.
Paris, vom 19. Augstmonat. [14]
Der Minister der innern Angelegenheiten, Garat, hat um seine Dimission angesucht und das N. Convent hat ihm dieselbe bewilliget und dekretiert, daß nächstens zu der Wahl seines Nachfolgers geschritten werden soll.
In der Seßion am 16. erschienen die Abgeordneten des Volcks nebst den Commissarien der 48. Pariser-Sektionen vor dem N. Convent und verlangten, daß die ganze Nation, blos mit Ausnahm der zum Feldbau unentbehrlichen Personen, zur Vertheidigung der Republik aufgebotten werden soll. Dieses Ansuchen wurde an das Wohlfahrts Committe gewiesen. Aber dasselbe hatte bereits ein diesem Wunsch entsprechendes Gutachten in Bereitschaft, welches noch in eben dieser Seßion verlesen und demselben gemäß nachfolgendes Dekret abgefast wurde: 1) Das Französische Volk deklariert, daß es sich samtlich ausmachen wolle, um seine Freiheit und Constitution zu vertheidigen, und sich von allen seinen Feinden zu befreyen; 2) dem Wohlfahrts-Committe wird aufgetragen, am morndrigen Tag ein Gutachten einzugeben, wie diese grosse National-Bewegung einzurichten sey; 3) es sollen 18. Volks Representanten ernannt werden mit dem Auftrag, die Maasregeln von den Abgeordneten der Primar-Versammlungen zu dirigieren; 4) dieselben sollen authorisiert werden, den Abgeordneten des Volks Commißionen zu ertheilen, ohne welche diese leztern nichts unternehmen dörfen; 5) die Volks-Representanten sollen sich mit dem Wohlfahrs-Committe und dem vollziehenden Staats Rath über die Versammlung und Direktion der Kriegsmacht verabreden; 6) eben dieselben haben den Auftrag, die Mitglieder der konstituierten Autoritäten und die offentlichen Beamteten zu erneuern, und ihre Stellen mit Bürgern von bekannten patriotischen Gesinnungen zu besezen; 7) In keinem Fall dörfen diese Volks-Representanten solche Administratoren wählen oder beybehalten, welche jemals zu Projekten von Föderalismus ihre Beystimmung gegeben; auch selbst alsdann nicht, wenn sie dies_lbe wiederruffen haben.
Ein Offizier von der Besazung in Cambrai hat in dieser Seßion eine den Engelländern abgenommene Fahne und zugleich die Nachricht überbracht, daß diese Stadt nicht mehr von den Feinden bloquiert sey. Der Commandant derselben, General Declai, hat von der Bloquade nachfolgenden Bericht eingeschikt: dieser Plaz ist am 7. eingeschlossen, am 8. völlig bloquiert und sogleich von dieser Zeit an bombardiert worden. Die Besazung erwiederte das Bombardement lebhaft, und die Belagerer konnten weder mit ihren Arbeiten den Anfang machen, noch ihre Batterien aufwerfen. Am 9. thaten wir einen Ausfall und machten 4 Kriegsgefangene, worunter sich ein Oesterreichischen Offizier befindet; am 10. wurde die Annahme der Constitution von den Truppen und Einwohnern gefeyert, am 11. zogen sich die Feinde zurük und räumten unsere Gegend.
In der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreiben der Volks Representanten bey der Armee an der Küste von Rochelle aus St. Hermand vom 14, dieses verlesen, worinn sie berichten: die Rebellen haben sich seit einigen Tagen in grosser Anzahl bey Chantonnay und Mortagne versammelt, um Lücon anzugreiffen. Am 14. seyen sie 40,000. Mann stark in 3. Colonnen angerükt. Nun sey es zwischen ihnen und der unter dem General Tong stehenden Division von der Republikanischen Armee zu einem Gefecht gekommen, in welchem so wie auf der darauf erfolgten Flucht die Feinde bey 5000. Mann verlohren haben sollen. Unsere Avantgarde postierte sich zu St. Hermand, und wir werden die Feinde noch weiter verfolgen. Es waren nur 6000. Republikaner, die diesen Sieg erfochten, der sie nur 30. Mann kostete, und wobey wir 16. Kanonen erobert haben.
Die Ursache, warum die Feinde das Gebiet von Cambrai geräumt haben, scheint zu seyn, daß sie sich der Vereinigung der Mosel-Armee mit der Nördlichen wiedersezen, und Lille mit ihrer ganzen vereinigten Macht angreiffen wollen. Es ist bereits zwischen den Vorposten bey Mouveaux ein Gefecht vorgefallen, welches auf beyden Seiten blutig war und nach welchem viele verwundete in das Militar-Hospital gebracht worden sind. Man hat wohl nächstens eine allgemeine und entscheidende Schlacht zu erwarte'.
Següin, ein Cavallerie Offizier von der Armee, die vor Lyon liegt, hat Nachrichten von dorther überbracht, welche in der gestrigen Seßion Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe dem N. Convent mittheilte. Sie bestehen in folgendem: Das erste Gefecht fiel am 8. dieses bey dem Dorf Calvire vor, wo die Truppen der Republik die Oberhand hatten und sich dieses Postens bemächtigten. Kellermann forderte die Stadt Lyon auf zur gemeinschaftlichen Feyer des 10. Augusts seiner Armee die Thore zu öfnen; die Einwohner verlangten 3. Stunden Bedenkzeit; kaum aber war eine verflossen, so schossen, nach diesem Bericht, ihre Vorposten mit Kartätschen auf unsere Truppen. Am 10. lud man von beyden Seiten einander zu der Republikanischen Feyerlichkeit ein, die Lyoner gaben keine bestimmte Antwort; aber während dem in der Stadt und bey der Armee der Eid geschworen wurde, kanonirten sie lebhaft. Am 11. und 12. schoß man auf einander mit dem kleinen Gewehr; am 13. Abends um 6. Uhr wolten die Truppen der Republik sich einer Schanze bey Calvire bemächtigen, sie wurden aber zurük getrieben; a, 15. wurde ein Bataillon mit Haubizen und Belagerungs-Stüken detaschiert, um die Vorstadt Güillotiere zu besezen. -- Die Commissarien bey der dortigen Armee liessen an die Lyoner eine Proklamation ergehen, wovon sie eine Abschrift an das Wohlfahrts Committe eingeschikt haben, mit dem Bericht, daß dieselbe nun schon seit 12. Stunden unbeantwortet geblieben sey; sie vermuthen die Sektionen von Lyon berathschlagen darüber; und indessen schonen sie der Stadt. Dieser Bericht ist vom 15. -- Die übrigen durch den oben erwähnten Cavallerie Offizier mitgebrachten Depeschen enthalten die Umstände von der Feyer des Föderazions-Festes. -- Ein Schreiben des Kriegs-Commissars, Paris, meldet: Die Einwohner von Lyon haben ihn bey seiner Ankunft in der Stadt umarmt; die Sinnbilder der Freiheit seyen daselbst unverlezt beybehalten, und jedermann habe geruffen: Es lebe die Republik! Indessen seyen 200. Kanonen aufgepflanzt, 30,000. Mann unter den Waaffen, und auf der Seite gegen Saone furchtbare Batterien errichtet. -- Nach Abstattung dieses Rapports wurde auf Barreres Vorschlag dekretiert: Einmahl, die so eben verlesenen Schreiben und Proklamazionen sollen gedrukt und an die Departements überschikt werden, um die ganze Republik von dem Verfahren der Convents-Commissarien und von der fortdaurenden Hartnäkigkeit der Lyoner in ihrer Rebellion zu benachrichtigen; sodann soll die Armee vor Lyon durch einen Theil der in Va- _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ verstärkt werden.
Paris, vom 23. Augstmonat. [15]
Die diesmaligen Neuigkeiten von hier aus sind eben nicht sonderlich wichtig. Das N. Convent hat weder von den auswärtigen noch innerlichen Angelegenheiten Berichte erhalten, die das Publikum sehr interessiren könnten, und auch in seinen Seßionen ist nichts von dieser Art vorgekommen. -- In der Seßion am 19. wurde demselben von dem offentlichen Ankläger des Revoluzions-Tribunals angezeigt, daß ihm noch nichts den Prozeß von Maria Antonia betreffendes zugestellt worden sey; eben so wenig als die Akkusazions-Akten gegen Brissot, Gensonne, Vergniaud, Guadet und Düperret, welche vor dieses Tribunal gewiesen worden. Das N. C. dekretierte hierauf, daß die Gesezgebungs- und Sicherheits-Committes innerhalb 8. Tagen die Akkusazions-Akte gegen die angeklagten Convents-Glieder eingeben, und daß eben diese Committes dem offentlichen Ankläger von dem Revoluzions-Tribunal die Aufsäze zustellen sollen betreffend den Prozeß von Maria Antonia, die als eine blosse Bürgerin angesehen und dem zufolg von dem Ankläger dieses Tribunals angeklagt werden müsse. -- Mit dem Prozeß gegen den vormaligen General Cüstine wird vor diesem Gericht mit Abhörung von Zeugen immer fortgefahren. Da derselbe sich auch auf das Zeugniß mehrerer Generalen, und unter anderm des General Houchard, beruffen, welcher gegenwärtig das Commando von der Nord-Armee hat; so wurden in dem N. C. gegen die Bewilligung dieses Gesuches Einwendungen gemacht, weil dieselbe eine nachtheilige Wirkung auf den Zustand der Armeen machen könnte, und es wurde verlangt, daß dieser Generalen ihre Aussagen von den Friedens-Richtern des Distrikts, wo sie sich befinden, vernohmen, und die Protokolle darüber an das Revoluzions-Tribunal eingeschikt werden sollen. -- Das Verhafts-Dekret gegen den General Beysser, welcher eine zeitlang Commandant von Nantes gewesen, ist zurük genommen und derselbe wieder in seine Stelle eingesezt worden. -- Zufolg des neulich abgefasten Dekrets, nach welchem alle verdächtigen Personen arretiert werden sollen, ist am 18. dieses auch Manüel, vormaliges Mitglied des N. Convents, dessen Namen in den Verhandlungen desselben so oft genannt worden, in der Abtey gefänglich eingebracht worden.
Der Kriegs-Minister hat dem N. C. in der Seßion am 19. ein Schreiben mitgetheilt von dem Commandanten der Armee an den westlichen Pyrenäen, General Dübouqet, worinn er von einigen über die Spanischen Truppen erhaltenen Vortheilen, die aber nicht sehr beträchtlich sind, Nachricht giebt.
Die Administratoren des Departements von Mont-Blanc berichten aus Chambery vom 4. dieses, daß die Piemonteser, 250. an der Zahl, in die Gebürge dieses Departements eingedrungen seyen; und zugleich verlangen sie Waffen; ein Convents-Glied dieses Departements bestätigte die Nachricht mit dem Beyfügen: wenn man nicht die nöthigen Maaßregeln nehme, um der Sache Einhalt zu thun, so werde es in diesem Departement bald, wie in dem von der Vendee gehen. -- In einer ausserordentlichen Abend-Session am 20. ist an Garats Stelle, der Bürger Pare, Sekretär des vollziehenden Conseils, zum Minister der innern Angelegenheiten gewählt worden. -- In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. C. von dem einsweiligen Kriegs-Commissar in Lyon die Nachricht, daß diese Stadt schon seit 8. Tagen belagert werde; es seyen verschiedene Kugeln in das Militar-Hospital gefallen, wodurch aber niemand weder getödet noch verwundet worden. -- In eben dieser Seßion zeigte Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe an, daß die in Lyon entstandenen Gegen-Revoluzions Bewegungen sich auch dem Hauptort des Distrikts von der Rhone und Loire, Montbrison, welcher 10. Stunden von Lyon entfernt ist, kommuniziert haben; 300. Lyoner und Muscadins, worunter sich Priester und Adeliche befinden, seyen mit 2. Kanonen dahin gekommen, und haben den Anfang damit gemacht, daß sie die Archive der republikanischen Gesellschaft zerstörten, und den Aufsaz über die Menschen-Rechte auf dem offentlichen Plaz verbrannten. Man habe sie auf den Strassen ruffen gehört: Es lebe Ludwig XVII., weg mit dem N. Convent! u. s. w. Viele Revoluzions-Gegner von St. Etienne haben sich mit ihnen vereiniget; sie wollen das N. Convent nicht mehr erkennen, tretten seine Dekrete unter die Füsse, und reissen diejenigen ab, die offentlich angeschlagen werden. Seitdem vermehre sich die Zahl der Revoluzions-Gegner immer; sie haben eine neue Verstärkung von 200. Mann erhalten, worunter 40. Reuter seyen; sie seyen in Boing eingerükt, haben da geplündert, und die Einwohner der Stadt, die sie als Patrioten kannten, ins Gefängniß geworfen. Von den Lyonern sagte Barrere in seinem Rapport, sie seyen um so viel gefährlicher, da sie sich für republikanisch Gesinnt und für Feinde der Anarchie ausgeben und unter dieser Larve das N. Convent bey dem Volck in Mißkredit bringen wollen, indem sie den Mitgliedern desselben ungereimte Projekte zuschreiben. Als eine Probe davon führte er einen in Lyon offentlich angeschlagenen Brief an, der von Danton an Dübois-Crance geschrieben und in Grenoble in einer Brieftasche des leztern gefunden worden seyn soll. Der Brief lautet so:
"Der famöse 10. August nahet heran; es ist Zeit die grossen Streiche zu thun; spare nichts, ich beschwöre dich, du weist, daß das Departement der Rhone und Loire reich ist; nimm grosse Maaßregeln, schone keine Mittel, was für welche es auch seyn mögen. Die heilige Montagne muß triumphieren, die Lyoner müssen sich unterwerfen. Du weist das grosse Projekt. Müsten wir auch Mont-Blanc und ganz Savoyen abandonnieren; das kommt in keine Betrachtung; solten auch alle Savojarden zwey und zwey zusammen gefesselt werden; das kümmert uns wenig, wir müssen herrschen, alle rebellischen Städte müssen sich unterwerfen. Wenn du Lyon nicht durch Hunger bezwingen kanst, so must du diese stolze Stadt in Asche verwandeln. Wenn die Landleute darüber schreien, daß sie ihre Waaren nicht verkauffen können, so sage ihnen, sie sollen gehen und sie in Constantinopel verkauffen; spare die Assignate nicht, gieb her ohne darüber zu rechnen, am End wird sich alles wieder finden." -- Danton wolte es freylich nicht an sich kommen lassen, diesen Brief geschrieben zu haben: wenn er ihn geschrieben hätte, sagte er, so würde er boshafter gewesen seyn; er würde dem Dübois-Crance nachdrüklichere Mittel angegeben haben, um die Revoluzions-Gegner zu unterwerfen; er stehe aber in gar keiner Correspondenz mit ihm. -- Mit diesem Beweis seiner Unschuld war das N. Convent zufrieden.
Paris, vom 26 Augstmonat. [16]
Roberspierre ist seit dem 23. President des N. Convents. In der Seßion dieses Tages erhielt das N. C. von einem seiner Commissarien bey der Nord-Armee aus Lille vom 21. dieses von einem neuen Vorfall bey Lincelles und Blaton folgende Nachricht: "Der Rükzug unserer Truppen am 18. von den Posten Lincelles und Blaton hätte über den Erfolg dieses Vorfalls einige Zweifel übrig gelassen; aber diese sind durch das, was am 19. vorgegangen ist, gänzlich gehoben, und der Angriff unserer Truppen auf die genannten Posten ist vollkommen gelungen, der Feind ist gänzlich geschlagen worden. Zwo in Blaton gelegene Compagnien Emigrierter sind fast ganz niedergemacht worden. Das 6te Cavallerie-Regiment hat mit grossem Muth gefochten, und ohne eine Verstärkung von 4000. Engelländer wäre der Vorfall dieses Tages für uns so viel als der Gewinn einer ordentlichen Schlacht gewesen. Indessen ist der Erfolg davon der gleiche, da der Feind gestern Vormittags von selbst Blaton und Lincelles geräumt hat. Die dortigen Landleute schäzen nach dem uns abgestatteten Bericht den feindlichen Verlust über 1000. Mann, und versichern, sie haben bey 40. Wagen voll Verwundeter wegführen gesehen."
In eben dieser Seßion legte Barrere im Namen des Wohlfahrts Committe über das allgemeine Aufgebott aller Franzosen zur Vertheidigung der Republik ein umständliches Gutachten vor, welchem zufolg sodann nachfolgendes Dekret, diesen grossen Gegenstand betreffend, abgefast worden ist: 1) Gleich von j_t an und so lang bis die Feinde aus dem Gebiet der Republik verjagt seyn werden, sind alle Franzosen aufgebotten: die jungen Leute von 18. bis 25 Jahren sollen zuerst die Waaffen zur allgemeinen Vertheidigung ergreiffen; 2) die verheiratheten Mannspersonen sollen Gewehre verfertigen und alles erforderliche veranstalten; die Frauenspersonen sollen an Zelten und Kleidungs-Stüken arbeiten, und in den Hospitälern die nöthigen Dienste verrichten; die Kinder sollen Charpi für die Verwundeten zubereiten, und die Greise sollen sich nach den öffentlichen Pläzen begeben oder bringen lassen, um durch ihr Beyspiel den Muth der Krieger zu ermuntern, und den Haß gegen die Könige, und die Einheit und Untrennbarkeit der Republik zu predigen; 3) das eigentliche Kriegsgeschüz soll ausschließlich denen zugestellt werden, die gegen den Feind marschieren; der Dienst im Innern soll mit Jagdflinten und blankem Gewehr, (Degen und Piken) versehen werden; 4) alle Reit-Pferde sollen abgefordert werden, um die Cavallerie-Corps vollständig zu machen, die Zug Pferdt, ausgenommen die zum Landbau erforderlichen sollen der Armee Lebens-Mittel und alles nöthige zuführen; 5) das Wohlfahrts-Committe bekommt den Auftrag alle erforderlichen Veranstaltungen zu machen zur Errichtung einer grossen Gewehr-Manufaktur, und alle Künstler und Arbeiter der Republik aufzubieten, die etwas zu dieser Einrichtung beyzutragen im stand sind; 6) es soll dem Kriegs-Minister zu seiner Disposition die Summ von 30. Millionen Livres zugestellt werden; 7) die zur Vollziehung dieses Dekrets ernannten Volks-Representanten haben alle die gleiche Vollmacht: sie sollen sich mit dem Wohlfahrts Committe verabreden, und eben die uneingeschränkte Vollmacht haben, wie die Representanten bey den Armeen; 8) keiner darf in dem Dienst, wozu er aufgefordert wird, einen andern für sich stellen; die offentlichen Beamteten bleiben an ihrem Posten; 9) das Aufgebott ist allgemein; die jungen Leute von 18. bis 25. Jahren sollen sich unverzüglich an dem Hauptort ihres Distrikts versammeln, um sie in den Waaffen zu üben; 10) alle Commissarien des exekutiven Conseils werden ungesäumt zurük beruffen und ihre Funktionen hören mit der Ankunft dieses Dekrets sogleich auf; 11) die Representanten sollen die Marsche einrichten, daß die für die bewafneten Bürger erforderlichen Lebens-Mittel vor ihnen an dem Ort ihrer Bestimmung ankommen; 12) die Versammlungs-Pläze sollen nach den Umständen bestimmt und von den zur Vollziehung des Dekrets abgeschikten Representanten nach dem Gutachten der Generalen angewiesen werden. Sie werden sich darüber mit dem Wohlfahrts Committe und dem einsweiligen exekutiven Conseil verabreden; 13) der Gehalt dieser Freywilligen ist der gleiche, den die bereits bey den Armeen befindlichen Freywilligen haben; 14) die Chefs sollen von den bewafneten Bürgern des Bataillons, welches in jedem Distrikt errichtet wird, gewählt werden; jedes derselben hat ein Panier mit der Innschrift: "Das Französische Volk im Anzug gegen die Tyrannen;" 15) um die Lebens-Mittel in hinreichender Menge zusammen zu bringen _ollen die Pächter, welche die National-Güter administrieren, an den Hauptorten der Distrikte den Ertrag dieser Güter in Natura abliefern; 16) die Gutsbesizer, Pächter und alle welche Getraid haben werden aufgefordert, ihre rükständigen Contributionen und zwey Drittheile von den Contributionen des Jahrs 1793. in Natura zu entrichten; 17) die Abgeordneten des Volks werden aufgefordert, sich in ihre Cantons zu begeben, um dort den am 14. August ihnen ertheilten Auftrag zu vollziehen und die diesem Dekret gemässen Vollmachten zu empfangen; 18) dem Kriegs-Minister werden zu seiner Disposition noch 50. Millionen Livres zugestellt, um die zur Ausführung dieses Aufgebotts erforderlichen Veranstaltungen zu treffen; 19) Gegenwärtiges Dekret soll durch ausserordentliche Kuriers überall hin verschikt werden.
Ein Schreiben aus dem Departement de la Vendee an ein Convents-Glied meldet: Die Royalisten haben daselbst eine neue Niederlage erlitten; 20,000. derselben, die sich in das Schloß Oie und die dortigen Gegenden zurük gezogen, seyen angegriffen, von dort mit grossem Verlust verjagt, und das Schloß von den republikanischen Truppen in Brand gestekt worden.
In einem in der gestrigen Seßion verlesenen Schreiben der Volks-Representanten bey der Rhein-Armee aus Weissenburg vom 22. August Morgens um 1. Uhr melden dieselben folgendes: Wir fechten nun schon seit 3. Tagen mit den Feinden, und diese ganze Zeit über hat der Muth der Franzosen der Anzahl und allen Bemühungen der vereinigten Mächten Wiederstand geleistet. Gestern nahm das Gefecht früh Morgens den Anfang und daurte den ganzen Tag. Es wurde von beyden Seiten mit Hartnäkigkeit gefochten. Endlich wiechen die Feinde zwo Stunden weit zurük. General Landremont kommandierte unsere Armee. Die Feinde haben viel Volk verlohren. Wir sind im Begriff von hier abzureisen, um uns zu erkundigen, was in Lauterburg vorgeht, denn der Angriff ist zu gleicher Zeit allgemeine gewesen. So eben wird überall Sturm geläutet, und 8000. Landleute befinden sich in den engen Pässen von Bitsche. Wir hoffen in wenigen Tagen durch 100,000. Republikaner verstärkt zu werden. -- Eben auch in der gestrigen Seßion wurde ein Schreiben vom General Delbec aus Bajonne verlesen, worinn er von einigen über die Spanier erhaltenen Vortheilen Nachricht giebt; und zugleich ließ das Wohlfahrts Committe dem N. Convent anzeigen, daß die Piemonteser an 3. Orten in das Departement von Mont-Blanc oder Savoyen eingedrungen seyen. Es wurden 2. Commissarien ernennt, um sich dahin zu begeben und alles anzuwenden, daß die Feinde zurük getrieben werden.
Die Commissarien bey der Armee an den östlichen Pyrenäen haben den General Flers abgesezt und in Verhaft nehmen lassen. Barbantone hat an seiner Stelle das Ober-Kommando bekommen. -- Cüstines Prozeß wird noch immer durch Zeugen-Verhör fortgesezt. -- Zufolg des vorgestern von der Polizey-Administration dem N. Convent abgestatteten Berichts belauft sich gegenwärtig die Anzahl der hiesigen Gefangenen auf 1614.
Paris, vom 30. Augstmonat. [17]
Die wichtigste Neuigkeit, welche die lezten Zeitungs-Blätter von hieraus melden, betrift, leider, das unglükliche Schicksal der Stadt Lyon: (wovon wir die schon vor 8. Tagen aus einem Privat-Schreiben mitgetheilte Nachricht heute lieber wiederruffen, als bestätiget hätten.) Hier ist das in der gestrigen Seßion des N. Convents über diesen bedaurenswürdigen Gegenstand verlesene Schreiben der Volks-Representanten Dübois-Crance und Gauthier aus dem Lager vor Lyon vom 25. dieses Monats: "Bürger und Collegen! Gestern Abends um 4. Uhr, nach Verfluß von 30. vergebens zur Ueberlegung eingeräumten Stunden, hat das Feur hier den Anfang genommen; die glühenden Kugeln haben das Quartier von der Porte St. Claire in Brand gestekt; um 10. Uhr haben die Bomben angefangen ihre Wirkung zu thun, die aber nicht eher als um Mitternacht fortdaurend war; aber um diese Zeit brach der fürchterliche Brand aus in der Gegend von dem Quai der Saone; unermeßliche Magazine wurden ein Raub der Flammen, und ungeachtet das Bombardement um 7. Uhr Morgens aufhörte, so hat es nichts destoweniger bis jzt, Abends um 5. Uhr, immer gleich heftig fortgebrannt; man versichert, Bellecourt, das Zeughaus, der Port dü Temple, die Strassen Merciere und Tüpin nebst andern daran gränzenden seyen abgebrannt; der in diesen zwo Nächten verursachte Schaden kan auf 200. Millionen geschäzt werden. Wir haben heute Nachmittag einen Trompeter mit einem Schreiben nach Lyon geschikt, ungeachtet man auf den Kirch Thürmen die schwarze Fahne, das Zeichen der Beharrlichkeit in der Rebellion aufgestekt hat. Wir haben 3. Stunden zur Beantwortung desselben eingeräumt. Nach Verfluß derselben wird das Bombardement von neuem anfangen. In der gestrigen Nacht und während dem Bombardement hat man zwo feindliche Schanzen beym rothen Kreuz mit Macht angegriffen; und beyde sind ungeachtet eines Hagels von Kugeln aus grossem und kleinem Gewehr eingenommen worden. Es ist in dieser Nacht so scharf hergegangen, wie man wenig Beyspiele hat. Indessen, (so sagt das Schreiben) hatten wir doch nur 5. Todte und 26. Verwundete. Die feindlichen Schanzen waren mit Leichnamen bedekt. Der Feind hatte auch auf der Seite von Salieres einen Ausfall versucht; aber die National Garden von Grenoble, die dort postiert waren, haben ihn mit Verlust von 2. einzigen Todten wieder in die Stadt zurückgetrieben. -- Man macht zwo wichtige Bemerkungen; einmal daß fast immer die gleichen Leute auf den Vorposten sind; sodann, daß sich unter den Todten ein Drittheil Priester befinden. Was mit Lyon vorgeht, wird der Republik eine ihrer wichtigsten Städte und einen unermeßlichen Vorrath von Waaren kosten. -- Der General Cartaut hat die Marseillaner bis an ihre Mauren zurückgetrieben; er befindet sich in Aix, wo er sich mit einem Theil der Armee in Nizza verstärken kan. Was die Piemonteser anbetrift, so erwarten die Truppen der Republik dieselben standhaft am Ausgang der Pässe von Maurienne und Tarentaise. -- Der von den Volks-Representanten und dem General Kellermann abgeschikte Officier, welcher dem N. Convent dieses Schreiben überbracht hat, fügte noch mündlich hinzu: Der mit dem Schreiben von Dübois-Crance nach Lyon abgeschikte Trompeter habe bey seiner Zurükkunft gesagt: Das Schreiben sey publiziert worden, und das Volk sey geneigt, dasselbe selbst in Berathschlagung zu ziehen. Dasselbe und besonders viele Weiber verlangen mit lautem Geschrey auf den Strassen, daß dieses geschehe, daß man die Verräther ausliefern und sich sodann den allgemeinen Gesezen unterwerfen soll. Aber die sogenannte Popular-Commißion habe alle angewendet, um diese Stimme des Volks zu unterdrüken; sie habe die einen ins Gefängniß werffen, und andere niederschiessen lassen.
Andere Briefe von der Armee vor Lyon vom 26. dieses, berichten: Das Bombardement habe am 25. Abends neuerdings und noch heftiger als das erste mahl, angefangen, und die am 22. durch die Explosion des Zeughauses angerichtete Verwüstung sey noch durch die Zerstörung mehrerer Quartiere vergrössert worden. Nichts destoweniger verharren die Einwohner dabey, sich zu keiner Aussöhnung verstehen zu wollen. -- Das N. Convent hat eine einsweilige Unterstüzung von 500,000. Livres dekretiert zur Entschädigung der Bürger in der Vorstadt Güillotiere bey Lyon, für den Verlust, welchen sie wegen ihrer Wiedersezlichkeit gegen die Popular-Commißion erlitten haben.
Ein ebenfalls in der gestrigen Seßion verlesenes Schreiben der Commissarien bey der Alpen Armee berichtet, die Marseillaner seyen geschlagen und genöthiget worden, sich innerhalb ihre Mauren zu begeben. Der General Cartaut erwarte nur die Verstärckung von der Armee in Nizza, um Marseille einzuschliessen und anzugreiffen.
Vorgestern Morgens ist an dem General Cüstine das am Abend vorher von dem Revolutions-Tribunal über ihn gefällte Todes Urtheil auf dem Revoluzions-Plaz vollzogen worden. Sogleich nachher ist der Priester, welcher das Amt eines Beichtvatters bey ihm verrichtet hatte, in Verhaft genohmen und seine Papiere sind versiegelt worden.
Nach diesen neuesten und wichtigsten Begebenheiten wollen wir auch noch dasjenige nachholen, was in den frühern Seßionen des N. Convents vorgekommen ist. -- Am 26ten erhielt dasselbe von seinen Commissarien bey der Armee an der Küste von Rochelle die Anzeige, daß sie den dort kommandierenden General Roßignol supendiert haben. Dieses Verfahren wurde aber in einer der folgenden Seßionen mißbilliget, Roßignol in seine Befehlshaber-Stelle wieder eingesezt und die Commissarien zurück und zur Verantwortung vor das N. Convent beruffen. -- Der Commandant von Dünkirchen berichtete, daß er von dem Herzog von Jork zur Uebergabe dieses Plazes aufgefodert worden sey, dieselbe aber standhaft abgeschlagen habe. -- In der Seßion am 27. wurde ein Schreiben von einem Officier bey der Armee an der Küste von Rochelle aus Poitiers vom 23. verlesen worinn er berichtet: Man habe neue Vortheile über die Royalisten erhalten; ihre Armee fliehe vor den Generalen der Republick; man habe sich ihres Proviants und ihrer Munition bemächtiget; ein aus Saumür angekommener Kurier habe die Nachricht überbracht, es seyen 7. mit Pulver und Kugeln beladene Schiffe weggenohmen worden, welche die Engelländer den Rebellen zuschicken wollten; ein Theil von der Kathol. Armee sey bey Pont de Ce desertiert, und mit Waafen und Bagage zu den unsern übergegangen, und wir haben nur noch gegen 6000. Mann zu kämpfen. -- In eben dieser Seßion verlaß Barrere verschiedene bey dem Wohlfahrts-Committe eingelauffene Briefe; unter andern einen aus Saumür vom 22., worinn die dortigen Commissarien berichten: es seyen an diesem Tag 5000. Mann von der gewesenen Maynzer-Besazung daselbst angekommen, und 5000. werden am folgenden Tag erwartet; die Armeen von Niort und Büsson seyen in Bewegung; die Rebellen fliehen vor denselben; diese beyden Armeen verbrennen die Gehölze und Waldungen, um das Land offen zu machen; Cholet und Mortagne, die beyden feindlichen Haupt-Quartiere seyen in unsern Händen; die Anzahl der dort gefundenen Munition wisse man noch nicht bestimmt, und es seyen (so sagt der Bericht) über 20000. von den Rebellen bey diesem Anlaß umgekommen. -- Ein anderes Schreiben aus Perpignan vom 18. meldet: Die Spanier haben am Tag vorher 3000. Mann starck die Vorposten der Armee an den Obern-Pyrenäen angreiffen wollen, aber 500. Franzosen haben sie über den Fluß, den sie paßiert hatten, zurückgejagt, wobey viele Feinde ertrunken sind. -- Nach einem Schreiben aus Dünkirchen vom 23. schäzt man die Anzahl der Engelländer, welche diesen Plaz belagern, auf 14000. Mann; die französischen Generalen haben bereits die gute Wirckung der schwimmenden Batterien vor diesem See-Haven erfahren; dieselben haben 4000. Engelländer in die Flucht gejagt; die französische Armee kampiere auf den Wällen von Dünkirchen, sie erwarte nächstens Verstärckung und sey mit Proviant überflüssig versehen. So lautete dem wichtigsten Inhalt nach Barreres Rapport. -- In der Seßion am 28. verlaß ein Convents-Glied ein von seinem Bruder erhaltenes Schreiben aus Sarburg vom 24ten, worinn ihm dieser berichtet: Es habe wenig gefählt, so wären die dortigen Truppen ein Opfer der Verrätherey geworden. Die Feinde haben sie bey Bitsche angegriffen; der Oberst vom Regiment Zweybrücken habe sie herankommen lassen, ohne einen Schuß zu thun; zwo Kompagnien von diesem Regiment seyen mit Waafen und Bagage zu den Feind übergegangen; [der Oberst vom 44. Regiment habe geruffen: Rette sich wer kan, und das 102. Regiment habe die Waafen weggeworffen; die Niederlage würde Total gewesen seyn, wenn nicht das vormahlige Regiment der Königin durch sein gutes Verhalten den Feind aufgehalten hätte. Der Erfolg dieses wiedrigen Vorfalls sey die Einnahme von Bitsch gewesen, dessen Commandant in Verhaft genohmen worden; der General Pulh, der auch an dem Complot Antheil gehabt, habe sich geflüchtet und sey ohne Zweifel emigriert. Die über den Vorgang aufgebrachten Einwohner haben zu den Waafen gegriffen; der ganze Distrikt habe sich aufgemacht und für 8. Tage Lebens-Mittel mit sich genohmen.
In der gestrigen Seßion zeigte ein von der Commüne St. Quentin abgeordneter Deputierter dem N. Convent an, der Feind mache an den dortigen Gränzen Progressen, St. Quentin, (in der Pikardie) sey eine wichtiger Plaz, weil er zu den Vestungen von der 2ten Linie gehöre und nur durch Cambray u. Bouchain gedeckt sey; er sey aber nicht mit dem Nöthige' zur Vertheydigung versehen; der dortige Magistrat verlange also 200000. Livres zum Getraid-Ankauf. Diese Summ wurde vom N. C. bewilliget. -- In eben dieser Seßion wurde ein Schreiben von dem Sekretär der 12. Sektionen in Straßburg vom 26. verlesen, worinn er berichtet, daß am 24. bey Gelegenheit der feindlichen Einnahme des Flekens Andeilh nicht weit vom Rhein zwischen den Truppen der Preussen und Emigrierten, und den durch 6000. dortige Einwohner verstärckten französischen Armee ein blutiges Treffen vorgefallen sey, in welchem (nach diesem Bericht) die Feinde 15000., wir aber nur 400. Mann an Todten verlohren haben sollen. -- Die Art, wie das gezwungene Darlehn von einer Milliarde erhoben werden soll, ist in der gestrigen Seßion dekretiert, aber das Dekret darüber noch nicht offentiich bekannt gemacht worden.
Aus St. Omer wird vom 23, und 24. folgendes berichtet: Am 22. Abends erfuhren wir, daß unsere Vorposten zu Bergue und Cassel forziert worden seyen. Honskoot ist von den Engelländern eingenommen und eine feindliche Colonne ist über Warmouth und Honskoot gegen Bergue vorgerückt. Man läst nun einen Theil der Truppen im Lager bey Givelde, in der Nähe von Dünkirchen, dahin kommen, um auf den Fall einer Belagerung eine genugsame Besazung in Bergue zu legen. Die Ueberschwemmung um diesen Ort her ist vollständig, und man hoft er werde sich lange halten können. Vom 24. heist es: Bergue ist eingeschlossen; alle Communikazion zu Land und auf dem Kanal ist abgeschnitten; gestern Morgens sind in Cassel 12. Bataillons und 2. Cavallerie-Regimenter angekommen, und heute erwartet man noch mehrere Truppen, die von Lille und Arras kommen; man hoffet, daß dieses Corps d'Armee, welches bis auf 20,000. Mann verstärkt werden soll, marschieren werden, um die Belagerung von Bergue aufzuheben.
September.[]
Paris, vom 2. Herbstmonat. [18]
In der vorgestrigen Seßion sind verschiedene Berichte von Volcks-Representanten bey den Armeen verlesen worden. Bentabole und Levasseur berichten aus Lille vom 28. August: Der General Houchard habe, um in der Belagerung von Dünkirchen eine Diversion zu machen, zu gleicher Zeit Lannoy, Tourcoin und Roneo angreiffen lassen. Die Einnahme von Tourcoin habe unsern Truppen am meisten Mühe gemacht; endlich sey es ihnen doch gelungen; 100. Mann, und darunter 5. Officiers, seyen bey dieser Gelegenheit in unsere Kriegs-Gefangenschaft gerathen. Der Feind habe sich nach Courtray zurückgezogen; auf unserer Seite seyen 300. verwundete. -- Aus Lyon schreiben die dortigen Volcks-Representanten ebenfalls vom 28. August: Die Einwohner dieser Stadt haben noch bisher weder den Bomben, noch den ihnen gemachten Vorstellungen nachgegeben. Vielleicht werde nun die Besiznehmung von Marseille durch den General Cartaut einen Einfluß auf sie haben. Die Nacht vom 27. sey ruhig gewesen und man habe mit dem neuerdings angefangenen Bombardement innegehalten; indessen sey doch in Lyon an 6. Orten Feuer ausgebrochen. Die Weiber verlassen die Stadt in grosser Anzahl, und die Lebens-Mittel scheinen in derselben selten zu werden. Wenn die Kolonne von Clermont ihre Pflicht gethan hätte, so würden unsere Truppen bereits von Lyon Meister seyn. In der Nacht vom 26. haben die Müscadins einen Ausfall thun wollen, seyen aber mit Verlust von 27. Todten, 13. Gefangenen und einer Kanonen zurückgetrieben worden: unter den Gefangenen befinde sich einer ihrer Chefs, Servan, eines reichen Kaufmans Sohn. Diesen Abend werde man neuerdings anfangen, die Stadt zu bombardieren, und so bald die gewesene Besazung von Valenciennes angekommen seyn werde, so hoffe man, sich derselben bald zu bemächtigen. Die durch das zweyte Bombardement in Brand gerathenen Strassen und Quartiere seyen, ausser den bereits erwähnten: Die Gefangenschaften von St. Joseph, die Strassen St. Dominique, Paradis, Sala und St. Joseph, Plaisir, die grosse Hospitals-Strasse, das vormahlige Intendanten-Hotel, der Jakobiner-Plaz; und in der Gegend von Plaz Terreaux die Strassen Lafond und Pizay, ein Theil des Rathhauses, der Fleisch-Markt und ein Theil von der Strasse Pecherie.
Schon aus diesem Bericht erhellet, daß Marseille gegenwärtig im Besiz der republikanischen Truppen unter dem General Cartaut ist, und das bestätigen auch verschiedene ebenfalls in der vorgestrigen Seßion verlesene offizielle Schreiben. In einem derselben von einem Volcks-Representanten aus Marseille selbst vom 25. August heißt es: Gestern haben unsere Truppen die Stadt Aix angegriffen; wir haben die Marseillaner geschlagen, 600. von ihnen zu Kriegs-Gefangenen gemacht, und ihnen ihre ganze sehr ansehnliche Artillerie weggenohmen. Wir waren eben im Begriff, gegen Marseille anzurücken, und die Stadt anzugreiffen; aber ein von der einsweiligen Munizipalität überschicktes Schreiben berichtete uns, daß uns die Thore von Marseille offen stehen, und das Volck uns mit Ungeduld erwarte. Wir begaben uns also auf den Weg und sind ohne einiges Hinterniß unter dem Zuruf: Es lebe die Freyheit! Es lebe die Montagne! in Marseille eingezogen. Das Volck bot uns alle mögliche Unterstüzung an; wir sagten aber: wir bringen Ochsen und Mehl mit uns; so daß das Volck unter unserer Ankunft nicht leiden wird. Die Verräther haben die Flucht genohmen. Wir sind als Brüder zu den Marseillanern gekommen; indessen werden wir doch nicht vergessen, das Gesez wegen den ihm zugefügten Beleydigungen zu rächen. -- Diese Nachricht ist auch durch eine Depesche von dem General Kellerman aus seinem Haupt-Quartier vor Lyon bestätiget worden, und durch ein Schreiben der Volcks-Representanten, Albite und Sallicetti, aus Marseille vom 25. August: Diese fügen der Nachricht von der Besiznehmung dieser Stadt noch bey: Toulon sey in voller Gegen-Revolution; man sage sogar, die dortigen Aristokraten haben diese Stadt den Engelländern überliefert; welches sie auch wohl zu thun im stand gewesen. Denn schon lange habe man dort die weisse Cokarde aufgesteckt und die National-Cokarde mit Füssen getretten. Man werde aber nun gegen diese Stadt marchieren, und nichts unterlassen, um auch dort und in dem ganzen mittägigen Theil von Franckreich der Sache der Freyheit den Sieg zu verschaffen.
In der gestrigen Seßion wurde ein Schreiben verlesen, worinn die Volcks-Representanten bey der Rhein-Armee Nachricht ertheilen von einem am 27ten August bey Weissenburg erfochtenen Sieg. Zufolg des dem General Landremont abgestatteten Rapports sollen die Feinde in dem vorgefallenen Gefecht 3000. Mann verlohren und eine sehr grosse Anzahl von Verwundeten gehabt haben. Weitere Umstände werden nicht gemeldet.
Der Commandant von Dünkirchen, General Omerea, ist dieser Stelle entsezt worden, weil er ein Ausländer ist, mit Ausländern in Verbindung steht, und unter fremden Truppen gedient hat. Von der Belagerung dieses Plazes wird weiter nichts gemeldet, als daß die Feinde seit 2. Tagen nichts gegen denselben unternohmen haben.
Paris, vom 6 Herbstmonat. [19]
Die neuesten offentlichen Blätter von hier aus bestätigen die jüngst nur noch unzuverlässig erwähnte Nachricht, daß die Stadt und der Haven Toulon den Engelländern überliefert worden sey. Zwar suchte man noch in der Seßion am 2. dieses die Wahrheit dieser allerdings wichtigen Begebenheit zweifelhaft zu machen; als ein kürzlich von Aix angekommener Commissar des vollziehenden Conseils im N. C. Anzeige davon that; und die Zweifelhaftigkeit derselben nahm noch mehr zu, als in der Seßion am 3ten ein Convents-Glied versicherte, daß sein Bruder in einem Schreiben aus Marseille vom 27. August dieser Sache mit keinem Wort erwehnt habe. Aber endlich mußte man sie doch glauben, als in der vorgestrigen Seßion das Wohlfahrts-Committe dem N. Convents verschiedene Depeschen kom'unizierte, welche nicht nur die Wircklichkeit der Sache, wovon hier die Rede ist, beweisen, sondern überhaupt die Wircklichkeit eines gemachten Plans, nach welchem das südliche Franckreich den Engelländern überliefert werden soll. Die dem N. Convent mitgetheilten Nachrichten sind folgende: 1) Ein Schreiben der mit dem General Cartaux in Marseille angekommenen Volcks Representanten, woriñ sie berichten, daß die Sektionen von Toulon die von dem Engl. Admiral Hood ihnen gemachten Propositionen angenohmen, die weisse Cokarde aufgesteckt, und Ludwig XVII. als König ausgeruffen haben. Zugleich melden sie, der General Cartaux mache Anstalten, gegen diese rebellische Stadt zu marschieren; und in Marseille sey der dortige Club durch die Convents-Com'issarien wieder eröffnet und die republikanis. Sozietät wieder hergestellt worden. 2) Ein aufgefangenes Schreiben, welches die Ueberlieferung v. Toulon an die Engelländer bestätiget; 3) Eine Deklaration des Engl. Admirals, worinn er sagt: weñ Marseille und Toulon sich geradezu für die Monarchie erklären, und ihre Häven und Waafen ausliefern; so sollen die Einwohner der Provence von der Brittischen Flotte allen Beystand zu erwarten haben; 4) Eine Proklamation eben dieses Admirals, worinn er, nach einer Schilderung von der gegenwärtigen Lage Franckreichs, sagt, die verbundenen Mächte wissen kein anderes Hülfs-Mittel gegen diese unglücklichen Umstände, als die Wiedergestellung der Monarchie; 5) Ein Schreiben der Volcks-Representanten, worinn sie dem N. Convent berichten, daß die Hofnung, die sie noch auf den Patriotismus des Vice-Admirals St. Jülien gesezt hatten, verschwunden sey; indem derselbe von den Officieren seiner Flotte verrathen worden, und bereits 8. Engl. Schiffe in den Haven von Toulon eingelauffen seyen; 6) Ein Schreiben des Committe der Sektionen von Toulon an den General Cartaux, worinn sie ihm melden, daß zwey Mitglieder des N. C., u. die Anverwandten v. noch 2 andern als Geisel in Verhaft genohmen worden, u. daß nächstens 30,000. Engelländer und Spanier dort ankommen und Marseille und Toulon unter ihren Schuz nehmen werden. -- Von dem genauern Inhalt dieser verschiedenen Depeschen enthalten die lezten Pariser-Blätter noch nichts, ausser was den oben erwähnten Vice-Admiral St. Jülien betrift. Da nemlich der Engl. Admiral Hood den Einwohnern von Toulon hatte proponieren lassen, die französische Flotte zu entwafnen, die Kanonen von den Wällen wegzuschaffen und die Bewachung von diesen den Engelländern zu überlassen; und man diese Vorschläge bewilliget hatte; so postierte sich St. Jülien mit 18. unter seinem Commando stehenden Schiffen an den Eingang des Havens, um sich dem Einlauffen der feindlichen Schiffe zu wiedersezen. Aber das Fort de la Marque drohete, seine Schiffe mit glühenden Kugeln zu beschiessen. Nun mußte er nachgeben, besonders da mehrere Capitains sich gegen ihn erklärten; er flüchtete sich mit einigen wenigen seiner Leute nach Marseille, und 8. Engl. Schiffe lieffen, wie gesagt, ungehindert in den Haven von Toulon ein.
In der Seßion am 3ten theilte das Wohlfahrts-Com'itte dem N. Convent von seiner Correspondenz unter andern Nachrichten auch diese mit, daß zufolg eines offiziellen Schreibens aus Chambery die vom General Kellermann in das Departement Mont-Blanc abgeschickten Verstärckungen die Piemontesischen Truppen genöthiget haben sich zurück zu ziehen; und daß die Royalisten-Armee im Departement der Vendee zwey fruchtlose Angriffe gethan habe; und bey Parthenay, und zwischen Essarts und la Mothe-Achard gänzlich geschlagen worden sey. Man habe ihnen alle Bagage, 300. Gefangene und 5. Kanonen weggenohmen.
Ein aussersordentlicher Courier hat dem N. Convent die Nachricht überbracht, daß bey Rieux im Departement der Obern-Garonne in Languedok eine Anzahl von Revolutions-Gegnern sich zusammenrottiert habe; bey 4000. derselben plündern, und nöthigen die Landleute, ihnen zu folgen. Man hoffe aber diesen Keim einer Gegen Revolution bald zu ersticken.
Ein in dieser Seßion verlesenes Schreiben vom General Houchard aus dem Lager bey Groyel vom 29. August enthält folgendes: Die Diversion, die ich durch den Angriff auf Turcoin und Lannoy zu machen mit vorgenommen, ist gelungen; diese Posten sind weggenommen worden. In Turcoin lagen 4000. Mann Holländischer Truppen; der Angriff daurte 4. Stunden; wir hatten 400. Verwundete, und 130. Mann von den unsrigen, worunter sich 5. Offiziers befinden, sind gefangen worden. Ein Bataillon aus dem Departement Finisterre nahm schändlicher weise die Flucht und ließ seine Kanonen im Stich. Nach dem Gefecht haben einige Soldaten ihre Bataillons verlassen und ein Dorf geplündert; die Volcks-Representanten verlassen kamen, um dem Rauben Einhalt zu thun, aber man schlug das Gewehr auf sie an.
Die Administratoren von Toulouse und die Volcks-Representanten bey der Armee an den westlichen Pyrenäen klagen über den Mangel an Lebensmitteln. Unsere Lage in diesem Stück, schreiben die erstern, ist sehr bedencklich, und alle unsere Bemühungen, Toulouse mit Proviant zu versehen, sind fruchtlos gewesen, weil die Landleute ihr Korn in die benachbarten Departements führen, wo sie mehr daraus lösen, als der hier fixierte höchste Preiss ist. Wir haben blos von einem Tag zum andern zu leben; schicket uns schleunige Hülfe zu. -- "Das Volck fodert Brodt, schreiben die andern, und der Mangel daran verursacht uns grosse Besorgnisse; ihr könnet mit euerer Hülfe nicht säumen, ohne die Freyheit in Gefahr zu sezen. Hier übersenden wir euch zum Beweis der in diesen Gegenden wenigstens zum Theil herrschenden Gesinnungen einen Anschlag-Zeddul. Er lautet so: Bürger, man betrügt euch, man führt euch in die Sclaverey, Leidenschaften beherrschen eiere Representanten, sie können die Wahrheit, weder sehen noch hören. Handelsleute, ihr habet die Revoluzion zu stand gebracht und euch wil man zu Grund richten. Ihr jungen Leute, man führt euch auf die Schlachtbank, um Schurken zu unterstüzen. Volck, deine Representanten vernichten deine Rechte, die von dir ernannten Administratoren werden kaßirt, und der Senat sezt seine Creaturen an ihre Stelle. Erinnere dich, o Volck, daß die Insurrektion die heiligste der Pflichten ist, wenn man unterdrückt wird; du bist verlohren, wenn Schurken noch länger über dich regieren. -- Das hat man offentlich angeschlagen; und so eben vernehmen wir, daß sich in diesen Gegenden eine grosse Anzahl von Revolutions Gegnern zusammenrottiere.
Auch hier in Paris äussern sich von Zeit zu Zeit bedenckliche Wirckungen ähnlicher Ursachen. In der vorgestrigen Seßion erschien der Prokureur der Commüne vor dem N. Convent und zeigte demselben an, daß die Rekrutierung, die Lebens-Mittel und die Uebelgesinntheit der Revolutions-Gegner diesen Morgen in Paris eine Bewegung veranlaßt habe; ungefehr 4000. Bürger haben sich zu der Munizipalität begeben und sie seyen willens, dem N. C. eine Petition zu überreichen. Das Geschah dann auch gestern, da der Maire, das General-Conseil und die Commüne vor dem N. Convent erschienen. Die Petition wurde von dem Prokureur der Commüne verlesen; sie ist in einem Ton abgefaßt, der allerdings nächstens gewaltsame Auftritte erwarten läßt. -- "Die Pariser, heißt es darinn unter anderm, die Pariser wollen endlich einmahl ihr Schicksal bestim'en; die Tyrannen haben die abscheuliche Absicht, Paris auszuhüngern, um seine Bürger zu zwingen, daß sie ihre Freyheit gegen ein Stück Brod austauschen; aber es wird ihnen nicht gelingen. -- Wir müssen alle unsere Feinde ausrotten, oder sie werden uns zu Grund richten. Kein Mitleiden; keine Barmherzigkeit mehr. Wenn wir den Verräthern nicht vorkommen, so werden sie uns vorkommen. Der Wunsch des Volcks ist: Lebens-Mittel, und damit wir dieselben haben können, "Handhabung des Gesezes." Wir haben deswegen den Auftrag, von euch, ihr Gesezgeber, die Errichtung einer "Revolutions Armee" zu verlangen. Diese Armee mag sich in den Departements, wo sie durchzieht, verstärcken, nur muß sie überall Leute genug da lassen, um die Complotte der Uebelgesinnten zu vereyteln; diese Armee soll ein unbestechliches Tribunal begleiten und jenes tödliche Instrument, welches diesen Complotten zugleich mit dem Leben ihrer Urheber ein Ende macht; sie soll den Auftrag haben, die Habsucht zu zwingen, daß sie die Schäze der Natur, die für alle bestimmt sind, hergeben muß; u. s. w." -- Diese Petition gab zu mancherley Vorschlägen im N. K. Anlaß, und es wurden nachfolgende Punkten dekretirt: 1) Die Gewehr-Fabriken in der Republik sollen nicht eher aufhören, als wenn jeder Bürger eine Flinte hat; 2) zu dem End soll dem Kriegsminister eine Million zugestellt werden; 3) in jeder Sektion von Paris soll alle Donnerstag und Sonntag eine General Versammlung gehalten; die ärmern Bürger und Arbeitsleute sollen dazu eingeladen, und ihnen, wenn sie es verlangen, für jede Seßion eine Entschädigung von 40. Sous gegeben werden; es soll eine Revoluzions-Armee auf Kosten der Reichen errichtet werden, 5) das Dekret nach welchem keine nächtliche Haus-Untersuchungen vorgenohmen werden dorften, wird von dem N. Convent zurückgenohmen.
Auch das Wohlfahrts-Comitte hatte ein Projekt zu einem Dekret, in dem Sinn der von der Commüne ubergebenen Petition, in Bereitschaft, welches Barrere dem N. C. vorlegte und mit einem Discours begleitete, worinn er unter anderm anzeigte: der Justizminister habe von dem öffentlichen Ankläger in Dinant, im Departement der nördlichen Küsten, die Nachricht erhalten: daß ein Neveu von dem Englischen Minister Pitt, welcher sich verborgen auf dem Schloß Colinet aufhielt, entdekt und in Verhaft genohmen worden sey. Dieser soll nun unter guter und sicherer Bewachung nach Paris gebracht werden. -- Zufolg des vom Wohlfahrts Comitte vorgeschlagenen und vom N. C. genehmigten Dekrets, hat nun Paris eine bewafnete Macht von 6000 Mann, nebst 1200 Canoniers auf Kosten des offentlichen Schazes; alle zu dem vormaligen Hofstaats Ludwigs XVI. gehörigen Personen geht das Gesez an, welches in Ansehung verdächtiger Leute abgefaßt worden; Lebrün und Clavieres von denen jeder Minister der auswärtigen Angelegenheiten, und dieser Minister der Contributionen war, sollen vor das Revolutions-Tribunal gezogen werden.
Einer von den Volks Representanten bey der Rheinarmee berichtet von Weissenburg, daß sich durch das Sturmläuten aufgefodert, bereits mehr als 140000 Mann bewafnet bey Weissenburg versammelt haben, und im Begrif seyen, sich mit der Rheinarmee zu vereinigen.
Paris, _om 9. Herbstmonat. [20]
Der Bürger Billaud-Varennes ist seit dem 6. President des N. Convents. Er war es, auf dessen Vorschlag in der Seßion am 5. die beyden vormahligen Minister Claviere und Lebrün dem Revolutions-Tribunal überliefert worden sind. Er verlangte, daß dieses Gericht mit Beyseitse_ung aller andern Geschäfte ihnen den Prozeß machen und innerhalb 8. Tagen das Todes Urtheil sprechen soll. Wenn dann, sagte er weiter bey diesem Anlaß, ihre Köpfe, nebst dem von Maria Antonia, gefallen seyen; so soll man von Seite des N. Convents den verbundenen Mächten sagen: Das über dem Haupt des Sohns von dem Tyrannen schwebende tödliche Eisen werde nur noch von Einem Faden gehalten und wenn sie nur noch Einen Schritt weiter in unser Gebiet thun, so werde derselbe das erste Opfer des Volks seyn. Nur durch dergleichen entschlossene Maaßregeln könne man einer neuen Regieurngs_orm Festigkeit geben. -- So sprach der jzige Präsident des N. Convents. -- Ueberhaupt kan man sich kaum vorstellen, was für heftige Meynungen, welche gewaltsame Entwürfe ankündigen, gegenwärtig von Seite der herrschenden Parthey geäussert werden. Aber freylich müssen auch die neuesten Ereignisse und Nachrichten mancherley Besorgnisse bey ihnen veranlassen. So ist unter anderm in der Seßion am 5. ein Schreiben der Volks-Representanten bey der Armee an der Küste von Brest vom 3. dieses Monats verlesen worden, welches für diese Parthey eben nicht sehr beruhigend lautete. Zwar rühmen sie den Muth und Eifer der republikanischen Truppen zum Kampf gegen die Royalisten in den dortigen Gegenden und berichten, daß dem unlängst abgefasten Dekret zufolg die Waldungen, Gehölze, Dörfer und überhaupt alle Aufenthalts Oerter der Rebellen ohne Verschonen in Brand gesteckt werden. Aber dann fügen sie noch bey: "Da wir es uns immer angelegen seyn lassen, euch die Wahrheit zu sagen, so that es uns leid zu vernehmen, daß in euerer Versammlung vergrösserte Nachrichten und lugenhafte Briefe verlesen werden. (Gleichwohl waren die hier gemeinten Berichte von den Volks-Representanten in Saumür eingeschikt worden.) Man hat euch berichtet, Cholet und Mortagne, die feindlichen Haupt Quartiere, seyen von unsern Truppen eingenommen worden, 20,000. Rebellen seyen ums Leben gekommen, und ihre Anzahl sey auf 6000. reduziert; alles dieses ist nicht wahr. Cholet und Mortagne sind noch in der Rebellen Händen, und ihr Verlust ist bey weitem nicht so groß, als man ihn angegeben hat. Sie werden ohne Zweifel ausgerottet werden; aber bis das geschehen ist, wird noch manches Gefecht vorfallen, dergleichen von Aristokraten herrührende falsche Nachrichten sollen euch einschläffern: u. s. w."
Das Ausbleiben der Nachrichten, Lyon betreffend, hat auch in dem N. C. Aufsehen gemacht. Ein Mitglied desselben äusserte seine Verwunderung darüber und zugleich seine Besorgniß, daß man mit dieser Stadt, die bereits in Asche verwandelt seyn solte, zu schonend verfahre. Bey dieser Gelegenheit wurde dem N. Convent angezeigt: Lyon sey am 30. und 31. abermals bombardiert worden; es sey neuerdings an verschiedenen Orten der Stadt Feur aufgebrochen, und unter anderm auch ein Pulver-Magazin in die Luft gesprungen, wodurch mehrere Häuser beschädigt worden. Indessen war Lyon noch am 4. dieses Monats nicht in unsern Händen. Aber in einem Schreiben von diesem Tag sagt Couthon, Volks-Representant im Departement von Püy de Dome, man könne nun auf die Uebergabe von Lyon sich Rechnung machen; das ganze ebengenannte Departement habe sich aufgemacht, und die Armee, welche Lyon belagert, werde mit 25000. Mann verstärkt werden. Die nächsten Berichte werden nun diese vorläufige Ankündigung bestätigen oder wiederlegen. -- In einem frühern Schreiben vom 2. dieses melden eben dieser Volks-Representant und seine Collegen aus Clermont: Es sey hohe Zeit gewesen, daß sie in das Departement von Püy-de-Dome in der Provinz Lyonnois gekommen, weil die dortigen Einwohner in Gefahr gewesen, sich zur Wiedersezlichkeit gegen die Dekrete des N. Convents verführen zu lassen. Aber nun haben sie durch ihre Vorstellungen alles wieder in Ordnung gebracht. Indessen habe ihnen so eben ein Curier aus Ambert die unangenehme Nachricht überbracht, daß die Müscadins von Montbrison, welche von der kleinen Garnison in St. Anselm _urük getrieben worden, in der Nacht vor dem 1. dieses wieder zurük gekommen seyen, den Vorposten überfallen haben, in den Ort eingedrungen seyen, ohne Schwerdtstreich den General Nicolas mit einer Compagnie Husaren zu Gefangenen gemacht und 2. Kanonen weggenommen haben. Es sey sogleich Sturm geläutet, Generalmarsch geschlagen, das samtliche Volk aufgebotten und die feindlich gesinnten in Verhaft genommen worden.
Das schon unter der vorigen N. Versammlung abgefaßte Dekret, wodurch den feindlichen Deserteurs, die sich unter die Fahnen der Republick begeben ~ürden, Pensionen und Gratifikazionen bewilliget und angebotten worden sind, ist in der Seßion am 6. wiederuffen und zurückgenohmen worden. -- Unter den Nachrichten, welche das Wohlfahrts-Committe in dieser Seßion dem N. Convent kommunizieren ließ, wurde demselben auch angezeigt: Der General Cartaux mache gewaltige Anstalten gegen Toulon, aus welcher Stadt 4000. Matrosen und Kanoniers sich nach Marseille geflüchtet haben, wo sie nun auf den Batterien und bey der Artillerie angestellt worden, Cartaux habe sich der engen Pässe von Rioulle zwischen Toulon und Marseille bemächtiget.
Noch mehr, Toulon betreffend, enthält ein in der vorgestrigen Seßion verlesenes Schreiben der Volcks-Representanten bey der Armee in Italien aus Cotignac. "Wir wollten, schreiben sie unter anderm, der Verrätherey vorkommen, wodurch Toulon den Engelländern in die Hände geliefert worden ist. Wir haben euch Nachricht davon gegeben, so wie überhaupt von der bedencklichen Lage, woriñ sich die Armee in den südlichen Provinzen befunden hat; aber noch wissen wir nicht, ob unsere Depeschen euch zugekommen sind. Brünet wußte ohne Zweifel von dem Complot; seine Unthätigkeit, seine Wiedersezlichkeit gegen unsere Befehle, seine Nachsicht gegen Toulon und Marseille, seine Correspondenz, alles beweiset es. Ihr müsset ihn in Verhaft nehmen lassen und dem Revoluzions-Tribunal überliefern; wir haben Beweise in den Händen, um ihn zu überführen. -- Es war ihm gelungen, einen Theil von der Armee in Italien zu verführen. Wir befinden uns jzt mit einem Theil derselben vor Toulon, und morgen werden wir uns in Marseille mit dem General Cartaux und den dortigen Volcks Representanten unterreden. -- Wir haben auf dem Marsch hieher das durch falsche Vorgebungen irre geführte Volck eines andern belehrt, und ihm die gegen uns beygebrachten Vorurtheile benohmen; wir haben überall die Sektions-Versammlungen abgestellt und die Popular-Sozietäten wieder eingesezt, wir haben die National-Garden der 7. Distrikte des Departements, welche die Constitution angenohmen, aufgebotten; in allen Commünen Sturm läuten und alle Bürger von 16. bis 60. Jahren marschieren lassen. -- Unsere aus Italien mitgebrachte Armee ist nicht zahlreich, aber sie ist patriotisch und wird siegen. Wir werden Toulon auffordern, uns die Thore zu öffnen; geschieht es nicht, so werden wir es gemeinschaftlich mit der Armee des Cartaux belagern, bombardieren und übern Hauffen schiessen, die Zeughäuser und Forts ausgenohmen. -- Ueberall lassen wir die verdächtigen Personen entwafnen; auch diejenigen die sich seit der Revolution niemahls erklährt haben. -- Unsere Avantgarde ist in la Valette, eine Stunde von Toulon, postiert, und das Haupt-Quartier ist in Souliers, wir haben die Communikazion zwischen Marseille und Toulon aufgehoben, wohin sich der General der Marseillaner Armee, Villeneuve, mit allen Unruh-Stiftern von Marseille, den Mitgliedern des Popular Tribunals, und fast allen Chefs der Rebellen geflüchtet hat. -- In Toulon sollen bey 2000. Bauren seyn, die man aus den Dörfern dahin gelockt hat; dieser ihre Weiber haben wir in Verhaft nehmen lassen, und behalten sie so lange als Geisel, bis diese Bauren wieder in ihre Gemeinen zurückkehren. -- Die gröste Besorgniß betrift das Schicksahl, welches der Haven von Toulon in den Händen der Engelländer haben wird. Unsere Flotte ist verlohren; die schönsten Schiffs-Zeughäuser der Republick werden ein Raub der Flammen werden, und der dadurch verursachte Verlust wird nicht zu berechnen seyn. Der Contre-Admiral Trogoff (vielleicht Trüguet? So wurde wenigstens bisher der Befehlshaber der Flotte in Toulon genañt;) ist nebst dem General Brünet, die Seele dieses verrätheris. Complots. Lasset unverzüglich die Straffe sie treffen, aber sie werden auf der Engl. Flotte eine Zuflucht finden, oder vielleicht gar auf unsern eigenen dem Feind überlieferten Schiffen sich nach Engelland flüchten; u. s. w." -- Diese Vermuthung ist wenigstens in Ansehung Brünets nicht eingetroffen; denn er befindet sich wircklich seit gestern hier in dem Gefängniß der Abtey; wohin auch ein paar Tage vorher der vormahlige Maire von Straßburg, Hr. Dietrich, gebracht worden. -- Auch Petion soll arretiert worden seyn.
Ein Volcks-Representant bey der Armee an den östlichen Pyrenäen hat in einem Schreiben vom 30. August dem N. Convent berichtet, die Spanier seyen aus der Gegend von Mont-Louis vertrieben worden, und unsere Truppen seyen in das Spanische Gebiet von Cerdagne eingedrungen und haben den Posten Belver besezt, wo sie einen ansehnlichen Vorrath von Munition und Lebens-Mittel gefunden und 600. Mann zur Besazung zurückgelassen; auch mit grosser Feyerlichkeit den Freyheitsbaum gepflanzt u. die Verfügung getroffen haben, daß die dortigen Einwohner ihren Magistrat wählen sollen. Die beyden leztern Umstände dieses Berichtes fanden nicht grossen Beyfall bey dem N. Convent, weil man, wie einer sagt, hoffentlich in Spanien nicht mit der gleichen Gutmüthigkeit, wie in Belgien, zu Werck gehen werde. -- Der Befehlshaber der Armee an den östlichen Pyrenäen berichtet an den Kriegs-Minister den Tod des General Delbescq; und daß der Sohn des Spanischen Kriegs-Ministers, der aus Neugier in dortige Gegend gekommen war, zum Gefangenen gemacht worden, nebst noch einem andern Spanier. Es wurde dekretiert, daß sie beyde nach Paris gebracht werden sollen.
Die verwitwete Königin soll in ihrer Gefangenschaft von heftigen Colik-Schmerzen befallen worden seyn, weßwegen ihr das Revoluzions-Tribunal einen Arzt zugeschikt hat. -- Die Schauspieler und Schauspielerinnen vom ehmaligen Theater François, welches jzt das Theater der Nation heist sind in Verhaft genommen worden. Ueberhaupt belauft sich gegenwärtig die Anzahl der Arrestanten in allen hiesigen Gefangenschaften auf 1718., und täglich werden dergleichen, blos als verdächtige Personen, eingebracht. -- Am 6. dieses sind zufolg des am 5ten vom Revoluzions-Tribunal über sie gefälten Todes-Urtheils 9. Personen durch die Güillotine hingerichtet worden, weil sie im Jenner dieses Jahrs in Rouen Zusammenrottierungen angestiftet, oder doch Theil daran genommen, wobey man, es lebe der König! geruffen, die National-Cokarden mit Füssen getretten, die Bürger, die sie nicht hergeben wolten, mißhandelt, und den Freyheitsbaum umgehauen und verbrannt hat. -- Cüstines gewesener Beichtvatter, Lothringer genannt, ist wieder aus der Gefangenschaft entlassen worden.
Paris, vom 11. Herbstmonat. [21]
Die neuesten Nachrichten von hier aus vom 12. dieses sind ausgeblieben. Die vom 10. und 11. berichten folgendes: In der Seßion am 9. wurde ein Schreiben des Volks-Representanten, Gillet, bey der Armee an der Küste von Brest aus Nantes vom 6. dieses Monats verlesen, worinn er meldet: Gestern haben wir von 7. Uhr Morgens bis Abends um 4. Uhr mit den Rebellen gefochten, und diese sind gänzlich geschlagen worden. Sie griefen uns auf 3. verschiedenen Seiten an, wurden aber überal muthig zurückgeschlagen; 4000. patriotische Soldaten haben 15000. Feinde in die Flucht gejagt; wir hatten nur 34. Verwundete, und noch weniger Todte; die Rebellen haben mit Inbegriff der Verwundeten 1500. Mann verlohren, nebst einer Kanone. Unsere Truppen haben sich auf eine Art verhalten, die über alles Lob erhoben ist. -- Die erste Colonne von der ehmaligen Mainzer Besazung ist hier in Nantes eingerükt. Die Absicht der Rebellen bey ihrem gestrigen Angrif war, diese Vereinigung zu verhindern, aber sie ist nun zu stand gebracht, und jenen bleibt nichts weiter übrig, als sich der alles vermögenden Gewalt der Nation zu unterwerfen. -- So lautet dieser Bericht; mit dem Beysaz, daß die republikanischen Truppen auch schon am 2. dieses einen Vortheil erfochten haben. Die Rebellen kantonnierten nemlich auf einem benachbarten Schloß, von welchem sie der General Beysser an der Spize von 1000. Mann gegen 6000., mit Verlust von 200. Todten auf feindlicher Seite verjagte.
In eben dieser Seßion stattete St. Andre im Namen des Wohlfahrts Committe über die Angelegenheiten von Toulon einen weitläufigen Rapport ab, worinn er unter anderm sagte: Bey 60,000. Mann entschlossener Truppen werden Toulon belagern, und es sind den Feinden bereits unübersteigliche Barrieres von der Landseite entgegen gesezt; wir wollen dem Minister Pitt sagen: Die Köpfe der Patrioten in Toulon und der daselbst in Verhaft genommenen Volks-Representanten können fallen; aber laß es dir gesagt seyn: Wenn Hood die Niederträchtigkeit begeht, dieses geschehen zu lassen oder zu veranstalten, so wird der gleiche Streich alle Engelländer treffen, die sich gegenwärtig in der Französischen Republik befinden. -- Der Rapporteur verlas nun im Namen des Committe ein Projekt zu einem Dekret, welches von dem N. Convent genehmiget wurde und nachfolgende Artikul enthält: 1) Trogoff, Commandant von der Flotte in Toulon, und Püissant, Ordonnateur vom Seewesen, werden für Vatterlands Verräther erklärt; ihre Güter zu Handen der Nation eingezogen, und jedem Franzosen wird anbefohlen ihnen aufs Leben zu gehen; 2) der Minister vom Seewesen soll von allen Officiers auf der Flotte in Toulon ein Verzeichniß eingeben; 3) die in Frankreich anwesenden Engelländer sollen in Verhaft genommen und in genaue Verwahrung gebracht werden, und die administrierenden Corps sollen persönlich für sie verantwortlich seyn; 4) diese Engelländer sollen als Geisel im Land bleiben und mit ihrem Leben für das Verfahren stehen, welches der Admiral Hood gegen die in Toulon befindlichen Volks-Representanten, die daselbst in Verhaft genommene Schwester des National-Commissar Freron und die übrigen in dieser Stadt anwesenden Patrioten beobachten wird; 5) der Postmeister in dem Dorf Bignon und die Munizipalität sollen dem Revoluzions-Tribunal übergeben werden, weil sie den Einwohnern von Toulon zween Volks-Representanten überliefert haben; 6) die administrierenden Corps von Toulon sollen mit ihrem Leben für die Volks-Representanten, die Schwester Frerons, ihr Kind und die Patrioten in dieser Stadt gut stehen; 7) des Verhaltens von dem Contre-Admiral St. Jülien und den übrigen treu gebliebenen Offiziers soll eine ehrenvolle Erwähnung geschehen.
Der Justiz-Minister verlangte in dieser Seßion schriftlich, das N. C. möchte die erforderlichen Verfügungen treffen; daß seine Verhafts-Dekrete geschwinder vollzogen werden, damit diejenigen, gegen welche dieselben ausgefertiget worden, nicht Zeit haben, zu entwischen, und berichtete zugleich, daß die beyden zum Verhaft dekretierten Exminister, Lebrün und Claviere wirklich Mittel gefunden haben, sich zu flüchten. Der ihnen zur Bewachung zugegebene Gendarme sey in Verhaft gebracht worden.
Der Kriegsminister zeigte dem N. C. an, daß von dem einsweiligen exekutiven Conseil Jourdan zum Oberbefehlshaber der Armee in den Ardennes, und Dümas zum Ober-Befehlshaber der Armee in den westlichen Pyrenäen ernannt worden, von welchen Befehlshaberstellen jene durch die Absezung des General Lamarche und diese durch den Tod des General Delbecq erlediget worden. Das N. C. bestätigte diese Ernennung.
In einem Schreiben aus Gravelines vom 7. dieses berichten die Volks-Representanten bey der Nord-Armee: Seit dem die Besazung in Dünkirchen abgeändert worden, fechte man daselbst mit vielem Muth; während dem die Truppen Ausfälle thun und den Feind zurüktreiben, versehen die Einwohner den Dienst auf den Wällen; am 6. sey ein allgemeiner Ausfall aus allen Thoren der Stadt gethan, und dabey die Engelländer übel behandelt worden. Der General Houchard sey im Anzug gegen sie und werde sie von hinten angreifen und man habe Hofnung, nächstens den Entsaz von Dünkirchen berichten zu können. -- General Dagobert, Befehlshaber der Armee an den östlichen Pyrenäen, bestätiget in einem Schreiben aus Püicerda vom 30. August die Wegnahm des Lagers und der Artillerie der Spanier, und berichtet zugleich, daß er sich am 29. von Pücerda und Belver bemächtiget habe, und jzt nur 3. Stunden von Urgels stehe, ohne den flüchtigen Feind eingeholt zu haben. Er habe innerhalb 24. Stunden das Thal Carol und das Französische Cerdagne den Feinden wieder abgenommen, und das ganze Spanische Cerdagne für die Republik erobert. In Püicenda habe er Magazine von aller Art gefunden, woraus man vermuthen könne, daß die Feinde grosse Projekte hatten, die aber nun vereitelt worden seyen, der Feind habe bey den vorgefallenen Gefechten an Todten und Verwundeten wenigstens 300. Mann, nebst 60. Kriegsgefangenen verlohren; unsern Verlust könne man noch nicht bestimmt angeben.
In der gestrigen Seßion theilte der Kriegs-Minister dem N. C. ein Schreiben mit von dem General-Adjutanten bey der Division von der Nord-Armee bey Cassel, worinn derselbe von einem am 8. dieses Monats zwischen Cassel und Bergue oder St. Winoxbergen über die Engelländer erfochtenen Sieg Nachricht giebt. "Wir haben, schreibt er, vorgestern, gestern und heute die Engelländer geschlagen. Wir marschierten 18000. Mann stark in 4 Colonnen auf, und verjagten 15000 Engländer, welche mitten in Waldungen verschanzt waren. Das Gefecht war äusserst hizig. Wir haben dem Feind 3 bis 4 Fahnen, 5 Canonen, seine Pulverwagen und Munition weggenohmen; er hat viel Volk verlohren, und wir haben auch Kriegsgefangene gemacht, unter denen sich Officiers von Rang befinden. Die Folge von dem Treffen war, daß der Feind sich genöthigt sah, die Bloquade von Bergue aufzuheben. Diese Stadt hat glükliche Ausfälle gethan, und die freye Communikation mit derselben ist nun wieder hergestellt. Auch aus Dünkirchen, welches jezt auch vermuthlich entsezt ist, sind Ausfälle geschehen; wobey die Engländer viele Leute verlohren haben; einer ihrer besten Generalen soll dabey umgekommen seyn. Das Lager bey Magdalena hat auch agiert, und sich verschiedener Posten bemächtiget. Einige' Theilen der feindlichen Armee ist der Rükzug und die Communikation unter einander abgeschnitten worden." -- Dieser Nachricht fügte ein Convents Glied noch bey: eine unserer Colonnen sey in Ypres eingerükt. Und so wären wir wieder in Belgien, sagte er; aber hoffentlich werden wir uns nicht mehr damit abgeben, Freyheits-Bäume daselbst zu pflanzen; er wäre wohl besser, wenn wir, anstatt die eroberten Städte zu munizipalisieren, die Lebens-Mittel und Munizion von dort wegbringen, und die Heiligen-Bilder beyderley Geschlechts eine Reise nach Paris machen liessen. Die ganze Versammlung gab diesem Vorschlag Beyfall, und derselbe wurde an das Wohlfahrts-Committe gewiesen.
Neuere Nachrichten aus dem Departement der Vendee melden, die schon lange unterbrochen gewesene Communikazion mit Pont de Ce sey nun wieder hergestellt, und die Anhöhen von Ligny, wo sich die Rebellen verschanzt hatten, seyen von unsern Truppen eingenohmen worden. Jene seyen in 3. Colonnen von neuem angerückt, aber mit einem Verlust von 300. Todten zurückgeschlagen worden, wobey einige ihrer Anführer geblieben seyen.
Die Anzahl der Gefangenen in den hiesigen Gefängnissen hat sich seit 2. oder 3. Tagen von 1718. bis auf 1794. vermehrt; unter denen, welche in die Abtey gebracht worden, werden auch Benjamin und Elisabeth Pitt genannt.
Von dem Schicksahl der Stadt Lyon wird abermahls nicht die mindeste Nachricht ertheilt. So viel ist wohl gewiß, daß sich dieselbe noch nicht ergeben hat. Kellerman wird wohl noch dafür büssen müssen. Wenigstens ist kürzlich in der Jakobiner-Sozietät auf eine sehr nachtheilige Weise von ihm die Rede gewesen. Robespierre sagte, er sey, wo nicht der einzige Urheber, weni~ ~ns die Hauptursache der so lange daurenden Belagerung von Lyon. Er habe alle die Verschwörungen dirigiert, welche während dem gegenwärtigen Feldzug ausgebrochen, und niemahls werde unter einem Mann, wie er sey, eine patriotische Unternehmung gelingen.
Paris, vom 16. Herbstmonat [22]
Barrere zeigte in der Seßion am 11. dem N. Convent im Namen des Wohlfahrts-Committe an, daß die republikanische Armee unter dem Commando des General Tunck bey Chantonnay und Lüsson von den Royalisten geschlagen und bis auf 1000. Mann reduziert worden sey. Die Royalisten waren bey 30,000. Mann stark, Tunck war eben, als seine Armee angegriffen wurde, von derselben abwesend. Der General Chalboz, welcher diese Nachricht in einem Schreiben aus Fontenay vom 6. dieses meldete, berichtet zugleich, er wurde sich von dort nach Niort zurückziehen, und den General Tunck, so bald man seinen Aufenthalt erfahre, in Verhaft nehmen lassen.
In einem andern in eben dieser Seßion verlesenen Schreiben berichtet der Ober-Befehlshaber der Armee an den östlichen Pyrenäen Dagobert, dem Kriegs-Minister aus Perpignan vom 31. August: Die Spanier haben den Posten bey Corneilla angegriffen und sich desselben bemächtiget; noch könne er von dem Vorgang keinen umständlichen Bericht ertheilen, aber die Sache sey für seine Truppen unglücklich abgelauffen; 200. Mañ von denselben seyen theils geblieben, theils gefangen worden, und ein Theil der Artillerie verlohren gegangen. Er könne nicht verhehlen, daß man auf unserer Seite mit allen möglichen Hindernissen zu kämpfen habe; die Feinde seyen im Begriff Perpignan einzuschliessen und werden es vermuthlich nächstens bombardieren. -- Erfreulicher für uns lautet ein in der Seßion am 12. verlesenes Schreiben von dem General Houchard an den Kriegs-Minister, worinn er ihm von dem Sieg unserer Truppen in einem bey Hondscott vorgefallenen Treffen, und von der schleunigen Aufhebung der Belagerung von Dünkirchen Nachricht ertheilt. Der Brief ist aus dieser Stadt vom 10. datiert und meldet unter anderm: Unsere Truppen haben den Engelländern, nach ihrer völligen Niederlage 50. Kanonen, 30,000. Kanonen-Kugeln, 1000. grossentheils gefülte Bomben, 800. Tonn_n Pulver, 700. Kartätschen, nebst vielem Lager-Geräth abgenommen. Der Vorfall ereignete sich am 8. dieses; an welchem auch die Besazung von Bergue einen muthigen und entscheidenden Ausfall that, wodurch dieser Ort ebenfalls entsezt worden ist. Unsere Truppen drangen, nach dem Bericht der dortigen Administratoren, mit dem Säbel in der Hand in die feindlichen Laufgräben, und richteten unter den Engelländern und ihren Allierten ein grosses Blutbad an: sie eroberten 5. Kanonen, 30. Pakwagen und ein ganzes Leinwand-Magazin. -- Von dem General Dagobert erhielt das N. C. in dieser Seßion abermals einen Brief, welcher dasselbe über den Inhalt des schon obenerwähnten wieder beruhigte. Er giebt nemlich von einem am 4. dieses bey Mont-Libre, ehmals Mont-Louis, über die Spanier erfochtenen Sieg Nachricht; 5000. derselben seyen von 2000. Franzosen gänzlich geschlagen worden; unsere Truppen nahmen ihnen 14. Kanonen, 12. Pulverwagen, einige Mörser und Haubizen weg und machten 300. Kriegs-Gefangene, unter denen sich der Commandant der Spanischen Artillerie, 3. Oberste und noch 26. andere Officiers befinden. -- Am 6ten 7. und 8. dieses ist zufolg eingelauffener Nachrichten, die vormahlige Besazung von Mainz in Nantes eingerückt. Ihre Avantgarde, mit der Armee an der Küste von Brest vereiniget, hat sogleich am 9. mit ihren Operationen den Anfang gemacht unter dem Commando des General Beysser; sie hat den Hafen St. Pere, den wichtigsten Posten der Royalisten jenseits der Loire angegriffe' . sich desselbe' bemächtiget; man fand daselbst sehr viel Munizion u. Lebensmitte.
In der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreiben der Volks Representanten in Marseille verlesen, aus Bosset vom 7. dieses, worinn sie berichten: Unsere Truppen haben in 3. Colonen die Anhöhen v. Oullioure, nicht weit von Toulon, angegriffen und erobert. Sie haben nunmehr eine halbe Stunde von dieser Stadt eine Batterie errichtet, in einer Lage, wo man allen Angriffen der Engelländer und Rebellen Wiederstand thun könne. Auch der Posten bey Ciota und alle andern, von denen man Toulon beschiessen könne, seyen in unserer Gewalt. -- Eine Nachricht aus dem Lager vor Lyon meldet, die vormalige Besazung von Valenciennes sey dort angekommen, aber beynahe ohne Kleider; in Lyon brenne es noch immer fort, die halbe Stadt sey in Asche verwandelt und werde sich nun nächstens ergeben müssen.
In der vorgestrigen Nacht sind bey dem Wohlfahrts Committe viele Depeschen eingelauffen, von deren Inhalt Barrere gestern dem N. Convent Nachricht ertheilt hat. Einige derselben erhielten aber nur eine Bestätigung oder umständlichere Erzälung der oben bereits angeführten Berichte. Unter anderm schreibt Dübois-Crance aus dem Lager vor Lyon vom 11. dieses: Es seyen am 6, 7 und 8 bey 5000. Bomben und 500. gluhende Kugeln in diese Stadt geworffen und die Belagerung sey blos wegen Mangel an Artillerie und Munizion verzögert worden. In Zeit von 8. Tagen werden 60,000 Mann neu aufgebottener Truppen diese Stadt von allen Seiten einschliessen.
Der Volks-Representant Bentabolle berichtet aus Lille vom 11. dieses: das Lager bey Magdalena habe das bey Menin und den Posten Pont a Marck angegriffen und forziert; die Stadt Ypres sey 5. Stunden lang belagert worden, und würde auch erobert worden seyn, wenn nicht die Holländer eine ansehnliche Verstärkung erhalten hätten. (Ypres ist also nicht, wie jüngst gesagt wurde, in den Händen unserer Truppen.) Aber von Poperingen haben sich die Franzosen bemeistert, und daselbst eine beträchtliche Anzahl von grossem und kleinem Vieh gefunden, welches bereits nach Lille transportiert worden. Von da rükten sie in Com'ines und Meßines ein, wo ihnen die Feinde 20. Kanonen und 800. Kriegsgefangene zurück gelassen haben sollen. -- Die Unternehmungen in der Gegend von Cambray, Maubeuge und Quesnoy haben keinen so glüklichen Erfolg gehabt. Die Besazung von Cambray solte nur einen falschen Angrif thun; aber ihr Eifer führte sie zu weit, und der Feind nöthigte sie, sich unter die Kanonen von Bouchain zurückzuziehen. Auch der Angriff, welcher zum Entsaz von Quesnoy dienen sollte, war ohne Erfolg oder geschah eigentlich gar nicht, weil die Generalen dem von Deserteurs ausgestreuten Gerücht, daß diese Stadt sich am 11. an die Feinde ergeben habe, Glauben zustellten. -- Nach andern Berichten, scheint Quesnoy wirklich in feindlichen Händen zu seyn. -- Endlich gelang auch der projektierte Angriff von Seite der Besazung in Maubeuge nur halb, wegen den dabey aufgestossenen Hindernissen. -- Die Einnahm von Menin betreffend, berichtet der Volks Representant Levasseur vom 13., die Franzosen seyen dort eingerükt, nachdem sie vorher Werwick eingenommen, und die Feinde haben bey ihrer Annäherung Menin plözlich geräumt mit Hinterlassung von 40. Kanonen und vieler Bagage, deren sich untere Leute bemächtiget haben sollen. -- Nach dem Bericht des General Berü aus dieser Stadt vom 13. haben sie dort 1200. Kriegs-Gefangene gemacht, worunter sich einige Generalen befinden.
Paris, vom 20. Herbstmonat. [23]
Das N. Convent hat in seiner Seßion am 16. abermahls Nachricht erhalten, daß die Republikanischen Truppen über die Royalisten in Bretagne und dortigen Gegenden verschiedene ansehnliche Vortheile erhalten. Der General Roßignol berichtete nemlich in einem Schreiben aus Saumür vom 14.: Es sey an diesem Tag überal Sturm geläutet worden, die Landleute haben sich aufgemacht, und 150. tausend Mann haben sich mit unsern Truppen vereiniget. Die Rebellen haben sich dieser Bewegung vorkommen wollen, seyen in 3. Colonnen an 3. verschiedenen Orten, bey Doue, Thouars und Herbault angerükt und haben unsere Truppen angegriffen; seyen aber überal geschlagen worden; hauptsächlich bey Thouars, und auch bey Doue. Von unserer Avantgarde unter dem General Santerre; von dem bey Herbault erhaltenen Sieg habe man noch keine umständliche Nachrichten. Man habe den Feinden 3. Kanonen und eine Haubize nebst 3. Pulver-Wagen abgenommen; nun verfolge man sie, und hoffe innerhalb 3. Tagen den Freyheitsbaum in Montagne, einem ihrer Haupt Quartiere, aufzurichten. Die Volks Representanten bey der dortigen Armee bestätigen diese Nachricht. -- Die bey der Rhein-Armee berichten aus Weissemburg vom 13.: Diese Armee habe den Feind von allen Seiten angegriffen, und genöthiget, sich mit grossem Verlust zurückzuziehen; er habe bey Lauterburg allein 1500. Todte und 30. Gefangene verlohren, unter welchen leztern sich auch ein Marquis von Mouhy befinde, der als ein Emigrierter erschossen worden sey. In einem Postscript ihres Schreibens geben sie den feindlichen Verlust an Todten auf 2000., und an Verwundeten auf 1500. Mann an. -- Der ein~weilige Befehlshaber der Armee an der Mosel, General Chauburg, meldet ebenfalls: Auch diese Armee habe am 12. den Feind auf allen Seiten angegriffen und alle seine Vorposten genöthiget, sich in das Lager zurückzuziehen; auch dieses von 30. Kanonen geschüzte Lager sey kanoniert worden.
In der Seßion am 17ten ließ das Wohlfahrts-Comitte dem N. C. anzeigen, daß es einen Agenten nach Cambrai abgeschikt habe, um die wahre Beschaffenheit, des kürzlich in dortiger Gegend erlittenen Verlustes unserer Truppen zu erfahren. Die Sache sey zwar vergrößert worden, aber doch noch immer ein unglüklicher Vorfall für uns; denn es seyen 2000 Mann geblieben, und 18 Kanonen und 9 Fahnen in die Hände der Feinde gerathen. Indessen bestehe die Besazung von Cambrai in 4000 entschlossener Leute, und sey kürzlich noch mit 4 Bataillons verstärkt worden. Es sey ein Kurier an den General Houchard abgefertiget worden, mit dem Befehl, daß er mit allen seinen Truppen zurück kommen soll um den zwischen Bouchain und Cambrai erlittenen Verlust wieder gut zu machen.
In der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreiben von Dübois-Crance aus dem Haupt Quartier la Pape vor Lyon vom 14. dieses verlesen, worinn er berichtet, daß die Rebellen in Forez von unsern Truppen genöthiget worden seyen, sich nach Lyon zu flüchten, und daß diese Stadt, welche ohnedem Mangel an Lebensmitteln leide, nun endlich durch das doppelte Mittel des Hungers und Feuers zur Uebergab werde gezwungen werden. Bisher hat sich also Lyon noch nicht ergeben. -- Ein anderes Schreiben der Volks-Representanten in den mittägigen Departemens aus dem Haupt-Quartier Beausset vom 10. meldet folgendes: Unsere Stellung vor Toulon ist immer noch die gleiche, wie am 7. dieses Monats. Wir erwarten nur noch die lezten Belagerungs-Werkzeuge, und werden dann mehrere Forts dieser rebellischen Stadt zugleich angreiffen. Der General Lapoype und der Commissar Escüilier haben sich mit uns verabredet; beyde Generals sind über den Plan einig; die Maaßregeln sind genommen, um die Engl. Flotte in Brand zu steken oder zum Rükzug zu nöthigen, man versichert auch, sie habe zu dem leztern schon Anstalten gemacht und alle Anker bis auf einen gelichtet. -- In eben dieser Seßion ist durch ein Dekret des N. Convents das Gehalt aller Bischöffe in der ganzen Republik auf 6000. Livres jährlich reduziert und die bischöflichen Vicarien sind abgeschaft worden, doch mit Beybehaltung ihres gegenwärtigen Gehalts, bis sie eine andere Stelle bekommen. -- In der gestrigen Seßion berichtete ein Volks-Represenant bey der Armee an der Küste von Brest aus Nantesvom 17: Die Armee dieser lezt~~ Stadt mache immer glüklichere Fortschritte; die rechte Seite des Wegs von Nantes bis Rochelle bey gänzlich von den Rebellen gesäubert. Die Stadt Leger, ihr vornehmster Aufenthalts-Ort in dieser Gegend, sey angegriffen und eingenommen worden. Sie haben sich an die Avantgarde der Mainzer-Besazung gewaget, aber bey diesem Angriff 200. Todte verlohren. In Leger habe man 15. Kanonen 2. Pulver-Wagen, nebst Kugeln und vielen Kartätschen gefunden, die sie bey Räumung dieser Stadt zurück gelassen. Von da sey die republikanische Armee gegen Montaigu angerükt; und nach so eben eingegangenen Berichten soll auch dieser Ort in unsern Händen seyn.
Die Anzahl der hiesigen Gefangenen belauft sich gegenwärtig auf 2086. Da es die verdächtigen Personen sind durch deren Verhaftnehmung diese Anzahl täglich anwächst, so wird es nicht undienlich seyn, aus dem darüber ausgefertigten Dekret des N. Convents hier anzuführen, was für Leute eigentlich unter dieser Benennung gegriffen seyen, nemlich 1) diejenigen, welche durch ihre Aufführung oder durch ihre Verbindungen, durch ihre Reden oder Schriften sich als Anhänger der Tyranney oder des Föderalismus und als Feinde der Freyheit ankündigen; 2) diejenigen, welche nicht auf die in dem Gesez vom 21. Merz vorgeschriebene Weise sich in Ansehung der Mittel, wovon sie leben und der Beobachtung ihrer bürgerlichen Pflichten rechtfertigen können; 3) die, denen Bürgerrechts-Scheine verweigert worden sind, 4) die, in welche von dem N. Convent oder seinen Commissarien in ihren Stellen suspendiert worden; 5) die von den vormaligen Adelichen, nebst den Vättern und Müttern, Söhnen und Töchtern, Brüdern und Schwestern und Agenten der Emigrierten, welche nicht immer ihre Anhänglichkeit an die Revoluzion gezeigt, und diejenigen, welche vor dem 8. April 1792., und besonders am 1. Julius 1789. emigriert sind. Diese sollen zufolg des Dekrets von den Aufsichts-Committes ihres Departements in das Verzeichniß der verdächtigen Pers~nen gesezt, ihre Verhaftnehmung verordnet und ihre Papiere versiegelt werden. An dem Ort ihres Verhafts sollen sie, und zwar auf ihre Kosten, bis zum Frieden bewachet werden.
Paris, vom 23. Herbstmonat. [24]
Die Nachrichten unter diesem Artikul sind seit langer Zeit nicht so kurz und unbedeutend gewesen, wie diesmahl; so wohl in Ansehung der Verhandlungen des National Convents, als in Absicht auf die bey demselben eingelauffenen Berichte von den vorgefallenen Begebenheiten. -- Cambon ist seit dem 20. President des National-Convents. -- Das Gesez betreffend das Aufgebot der jungen Leute zum Marsch gegen die Feinde scheint an mehrern Orten Wiederstand und Schwürigkeit zu finden; besonders auf Seite der sogenannten Müscadins: (welches, zufolg einer kürzlich in einem offentlichen Blatt darüber gegebenen Erläuterung, ein neuer Parthey Name ist, und so viel als das Gegentheil von Sans-Cülottes bedeutet, das heißt, alle diejenigen bezeichnen soll, welche nicht zu der niedrigsten Volcks-Klasse gehören.) -- Die Spanier sollen, wie man berichtet hat, Anstalten machen, um Perpignan zu belagern; doch sagt ein anderer Bericht: die grosse Menge der Einwohner in den benachbarten Gegenden, welche sich gegen sie aufgemacht, habe sie bewogen, den bereits zum Bombardement jener Stadt von ihnen besezten Posten wieder zu verlassen.
Ein Volcks-Representant hat aus Montaigu, im Departement der Vendee, unterm 16. die bereits erwähnte Einnahme dieses Orts durch die republikanischen Truppen bestätiget mit dem Beyfügen, daß die Rebellen bey diesem Vorfall 1500. Todte verlohren, und die übrigen sich nur durch die Flucht gerettet haben; auch Clissot, ein wichtiger Posten, sey ihnen abgenohmen worden. -- Der General-Adjutant bey der Rhein-Armee hat Bericht eingeschickt von einem am 14. bey Limbach über die Feinde erfochtenen Sieg, wobey dieselben viel Volck nebst 2. Kanonen und 1500. Flinten verlohren haben sollen. -- Noch wurde in dieser Seßion im Namen des Instrucktions-Committe ein neuer Kalender vorgeschlagen, in welchem das Jahr in 12. ganz gleiche Monate eingetheilt wird und jeder derselben eine neue Benennung bekommt, zum Exempel einer heißt der Volcks-Monat, ein anderer der Monat der Montague, der Einheit, der Untheilbarkeit, u. s. w. Dieser Kalender soll zufolg eines Dekrets gedruckt werden. -- Die Stadt Marseille hat die Menschen-Rechte und die Constitutions Akte angenohmen. -- Die Galerien dürffen, zufolg eines Dekrets, künftig keine rothen Müzen mehr tragen. -- Die neuesten Nachrichten aus dem Departement der Vendee vom 17. sagen: 20000. Franzosen seyen aus Fontenay le Peuple mit sehr vielen brennbahren Materialien ausgezogen, sie verbrennen alles, was ihnen auf ihrem Weg aufstoßt, die erschrockenen Rebellen fliehen, ohne zu fechten und haben die Stadt Chateigneraie verlassen, wo unsere Truppen nun eingerückt seyen.
Nach dem Bericht des Dübois-Crance aus dem Haupt-Quartier Pape vor Lyon, haben alle Vorposten der Lyoner sich zurückgezogen, diese Stadt ist nun gänzlich eingeschlossen und kan sich nicht lange mehr halten. (Indessen hat man auch ziemlich Grund zu der Vermuthung, daß die bisherigen Berichte von der darinn angerichteten Verwüstung übertrieben seyen.)
In der vorgestrigen Seßion wurde dem National-Convent aus einem Schreiben des Kriegs-Ministers ein Bericht mitgetheilt vom dem Gefecht, welches am 14. dieses Monats zwischen einer Division von unserer Armee an der Mosel und den Preußischen Truppen bey Pirmasenz vorgefallen. Dieser Bericht lautet im Auszug folgender massen: Die genannte Division unter dem Commando des General Moraux, marschierte am 14. früh auf der Landstrasse, die von Zweybrüggen nach Pirmasenz führt. Beyde ungefehr 4. oder 5. Stunden von einander entlegenen Oerter waren von den Preussen besezt. Die Avant-Garde mit leichter Artillerie versehen trennte sich von dem Haupt Korps und brachte verschiedene feindliche Posten zum weichen. Als sie der Position der Preussen bey Pirmasenz bis auf 2. Kanonen-Schüsse nahe gekommen war, fand sie 5. bis 6. Escadrons feindlicher Kavallerie vor sich, welche sie, nachdem dieselbe durch unsere Artillerie einen beträchtlichen Verlust erlitten ebenfalls zum weichen brachte. Die feindliche Artillerie erwiederte das Feuer der unsrigen und die Kanonade daurte bey einer halben Stunde. Unser Korps d'Armee formierte sich in 3. Kolonnen, an die Spize einer jeden derselben stellte sich einer von den Volck-Representanten, und rückte mit derselben gegen die feindliche Verschanzungen an, die mit mehr als 40. Kanonen besezt waren, und ein fürchterlich Feuer machten. Die 3. Kolonnen waren diesen Verschanzungen schon bis auf einen halben Kanonen-Schuß nahe gekommen; der Feind hatte bereits seine Infanterie sich hinter die Schanzen zurückziehen lassen, und das neunte Jäger Regiment, nachdem es 3. feindliche Regimenter zusammengehauen und über 200. Mann von ihnen erlegt hatte, war schon an den Thoren von Pirmasenz; als die Kolonne rechter Hand eine von dem Oberbefehlshaber unvorgesehene Wendung machte. Die mittlere Kolonne wurde zu der gleichen Bewegung mit fortgerissen und nun hatte die auf der linken Seite am meisten zu leiden, indessen die beyden erstern durch ihre genohmene Stellung gegen das feindliche Kanonen-Feuer gedeckt waren. Die Kolonne linker Hand, welche einer feindlichen Batterie von 8. Kanonen ausgesezt war, wendete sich rechts, und dieses konnte nicht geschehen, ohne Verwirrung bey den beyden andern zu verursachen. Nun feurten die Feinde mit Kartätschen aus 10. bis 12. Feldstücken von der linken Seite her auf unsere Kolonnen, richteten unter denselben eine Niederlage an, und alles gerieth in Unordnung. Die Volcks-Representanten und Generalen thaten alles mögliche; aber ein panischer Schrecken hatte sich der Gemüther bemächtiget, und jene hatten die Kränckung, einen unordentlichen Rück~~g zu beschliessen. Man brachte 9. Kanonen und 3. Haubizen nach Orbach zurück, nebst der ganzen leichten Artillerie; welches im so viel glücklicher war, da dieselbe militärisch von der Sache zu reden, das gleiche Schicksahl, wie ein Theil der Bataillons-Stücke, hätte haben sollen. Die Truppen rückten von tiefem Schmerz gerührt wieder in ihr Lager ein, man sah nichts als Betrübniß und hörte die stärcksten Ausdrücke des in Unwillens gerathenen Muths. Die Wuth der Wiedervergeltung war auf allen Gesichtern gezeichnet.
Paris, vom 27. Herbstmonat [25]
In der Seßion des N. Convents am 24. wurde ein Schreiben der Volks-Representanten im Departement der Gironde, zu der Provinz Güyenne gehörig, aus Reole vom 14. dieses verlesen, worinn sie, nach einem Bericht von ihrer übeln Behandlung von Seite der Einwohner von Bordeaux, die gegenwärtige Beschaffenheit dieser Stadt folgender massen schildern: Bordeaux ist voll Royalisten, Emigrierten, Wucherer, Egoisten und Intriguanten, und Guadet, Gensonne, Vergniaux, (vormalige Convents-Glieder) beherrschen noch immer durch ihren Einfluß die Gemüther in dieser Stadt. Die Dekrete des N. Convents und die Befehle des vollziehenden Conseils werden in derselben nicht anerkannt. Die Geseze, das militarische Aufgebott betreffend, werden nicht geachtet, oder wenn noch Rekruten angeworben werden, so geschieht es für die Behauptung der Königswürde, die Strassen, die Caffe- und Schauspiel-Häuser sind voll von Emigrierten, welche über die gesezmäßigen Authoritäten schimpfen. Wenn jemand als ein Patriot bekannt ist, so wird er mißhandelt und ins Gefängniß geworfen. Zwar giebt es noch treue Sektionen, aber in den übrigen braucht man nur von dem N. C. übel zu reden, um eine günstige Aufnahm zu finden. Bordeaux hat eine Departemental-Cavallerie, die ganz aus bemittelten und intriganten Leuten besteht. In dem Hof des Hauses, wo der Bürgerrath sich versammelt, sind 12. Kanonen aufgepflanzt; und eben so viele noch an einem andern Ort; zu allen diesen feindseligen Zurüstungen verschliessen die constituierten Autoritäten die Augen. Wir haben Proklamazionen publizieren lassen; aber sie sind mit Verachtung aufgenommen worden. Man spricht in Bordeaux davon, sich an die Engelländer zu ergeben, und fragt einander offentlich auf den Strassen: Seyd ihr ein Engelländer? das alles sind unwiedersprechliche Thatsachen, die durch alle eingeschikte Addressen nicht wiederlegt werden können u. s. w. -- Die Verlesung dieses gewiß nicht unwichtigen Schreibens veranlaste den Befehl an das Wohlfahrts-Committe, unverzüglich dem N. C. einen Rapport über die Stadt Bordeaux abzustatten.
In einem andern ebenfalls in dieser Seßion verlesenen Schreiben der Volks-Representanten bey der Armee an den östlichen Pyrenäen vom 18. dieses geben dieselben Nachricht von einem bey Perpignan über die Spanier erfochtenen Sieg: Am 17., schreiben sie, brachen unsere bey Salces kampierenden Truppen in 3. Colonnen auf, um das Lager der Spanier bey Pereston anzugreiffen; die Maaßregeln waren so gut genommen, daß die Feinde in kurzer Zeit gänzlich geschlagen wurden, und in Eil und Unordnung die Flucht nahmen, so daß sie nur 2. Kanonen mit sich wegführen konnten, und uns 20. derselben nebst vielen Pulver-Wagen, 300. Maulthieren, 1000. Zelten, vielem Lager-Geräth und der Equipage der Officiers und Soldaten überlassen musten; auch haben wir eine vollständige mit vielen Kostbarkeiten von Silber versehene Kapelle erbeutet, welches leztere wir sogleich in die Münze geschikt haben. Der Verlust der Spanier belauft sich an Todten auf 400. und an Gefangenen auf 300. Mann; auch ist ihr General Lolano geblieben. Am Morgen des Tages; da dieses Gefecht vorfiehl, geschah auch ein Angriff auf den Posten Düvernot, wo unsere Truppen, nachdem sie viele von den Feinden erlegt hatten, 6. Kanonen eroberten, unsern Verlust wissen wir noch nicht genau, wir schäzen ihn aber auf 250. Mann.
Noch wurde in dieser Seßion dem N. Convent von dem vollziehenden Conseil eine dem erstern selbst, wie es scheint, ganz unerwartete Anzeige gethan: daß nemlich der General Houchard abgesezt und in Verhaft genohmen, und an seine Stelle Jourdan zum Ober-Befehlshaber der Nord Armee ernennt worden sey; ferner, daß Delmas, bisheriger Divisions-Chef, an General Landremonts Stelle bey der Rhein-Armee; und Moreau, ebenfalls Chef von einer Division, an die Stelle des General Chauburg bey der Mosel-Armee angekommen sey. Diese Stellentsezungen verursachten bey vielen Convents Gliedern Verwunderung; es wurde weitläufig darüber gesprochen, und ihre Rechtmäßigkeit und Nothwendigkeit gegen die vorgebrachten Bedenklichkeite' behauptet, um so vielmehr, da das vollziehende Conseil diese Verfügung mit der Genehmigung des Wohlfahrts-Comitte getroffen hatte. Houchard, sagte ein Conventsglied, hat nicht vor Dünkirchen gesiegt; es war der Muth der Franzosen, welcher so, wie bey Gemappe, triumphirte, und die Soldaten haben gegen den Willen der Generalen den Sieg erfochten. -- Houchard, sagte ein anderer, hat, anstatt die Engländer gänzlich aufzureiben, dieselben sich wieder sammeln lassen; Dünkirchen ist noch in Gefahr, und wenn dieser Verräther nicht in Verhaft genohmen worden wär, so würde die Nördliche Gränze verlohren seyn. -- Was den Chauburg anbetrift, so ist er durch die infamste Verrätherey Schuld daran, daß die Armee an der Mosel geschlagen worden. -- Das N. Convent bestätigte alle diese Promotionen des vollziehenden Conseils und dekretierte zugleich, daß dasselbe künftig die Namen, den Stand und die moralischen Eigenschaften der Abgesezten und der Neuernannten einschicken soll, deren Ernennung es dem Gutheissen der Volcks-Representanten unterwerffen. -- In der folgenden Seßion am 25. war noch einmahl von diesen Stell-Veränderungen die Rede, welche Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe durch die Anführung der Gründe die man dazu gehabt hatte, zu rechtfertigen suchte. Die Wiedervereinigung der Engelländer, sagte er, welche Houchard hätte aufreiben können, die unglückliche Niederlage bey Cambray, die Räumung von Menin seyen schon seit einigen Tagen gegründete Ursachen gewesen zum Verdacht gegen diesen General, welcher alle Anstalten dazu gemacht habe, damit die Franzosen vor Dünkirchen gänzlich aufgerieben würden; gewisse Anzeigen, welche der Volcks-Representant Henz überbracht, haben diesen Verdacht bestätiget, und darauf sey Houchard mit allen seinen Staabs-Officiers abgesezt worden. Eben diese Maas Regeln habe man auch gegen andere Generalen genohmen, welche bey einer andern Armee den Plan zu einer Massakre ausführen wollten, der dem Houchard bey der Nord-Armee mißlungen sey. Dieser habe sich hauptsächlich durch viererley Sachen verdächtig gemacht; einmahl daß er die Engelländer, nach ihrer Niederlage, nicht ins Meer gesprengt; sodann, daß er die ganz eingeschlossenen Holländer nicht in Stücken zerhauen; ferner daß er seine Armee nur Theilweise sich in Bewegung sezen lassen, und daß er Truppen in der Unthätigkeit gelassen, welche grosse Hülfe hätten leisten können, während dem die Besazung von Chambrai niedergemacht wurde; und endlich daß er Menin abandonniert, und die Arrieregarde der dortigen Armee auf ihrem Rükzug habe zusammen hauen lassen, und von diesem leztern Vorfall nichts gemeldet habe. Uebrigens bezeugte Barrere noch seine Verwunderung darüber, daß es Leute gebe, welche das Wohlfahrts Comitte tadeln wegen der Ausführung eines schon lange geäusserten Wunsches, daß alle ehmaligen Adelichen von den Befehlshaberstellen bey den Armeen entfernt, und diese Stellen lauter ächten Sans-Cülottes aufgetragen werden möchten.
Aus dem Departement der Vendee sind Berichte eingegangen, die für das N. Convent eben nicht erfreulich waren. Ein Schreiben aus Montaigu vom 21. hat nemlich gemeldet, daß die Avant-Garde der Maynzer-Besazung einen Verlust erlitten und einige Kanonen nebst 2. Haubizen verlohren habe, und daß der General Roßignol den Divisionen von Lücon und Fontenay Befehl zugeschickt habe, sich zurück zu ziehen. Dieses bestätigte bald darauf ein zweytes Schreiben aus Montaigu vom 22ten, doch mit dem Beyfügen, daß der Feind nachher wieder zum Weichen gebracht, und ihm die eroberte Artillerie wieder abgenohmen worden sey. -- Aus Saumür schreiben die dortigen Volks-Represenanten vom 21ten: die Royalisten haben am 18. und 19. die Franzosen mit Verlust eines Theils ihrer Artillerie zurückgetrieben; jene befinden sich neuerdings auf den Anhöhen von Chemille und scheinen Saumür angreiffen zu wollen, um von da über die Loire zu gehen und sich der Verfolgung der Maynzer-Armee zu entziehen; man werde aber von unserer Seite alles anwenden um dieses Unglück zu verhüthen.
Nach einem andern Schreiben der Volcks-Representanten im Lager vor Lyon vom 21ten sollte am Abend des genannten Tages mit einem General-Sturm auf diese Stadt der Anfang gemacht werden, und man hoffe, sich derselben zu bemächtigen; über 20000. Bürger haben dieselbe bereits verlassen, zu deren Unterstüzung das N. Convent eine Summ von 500,000 Livres bewilliget hat.
Bentabolle und Levasseür die Volcks-Representanten bey der Nord-Armee sagen in einem Schreiben aus Arras vom 22ten: Die Niederlage dieser Armee bey Cambray und Bouchain habe gemacht, daß aller Vortheil der bey Dünkirchen und Bergue erfochtenen Siege verlohren gegangen. Die dortige Armee habe eine Verstärckung von wenigstens 40000. Mann an Infanterie und Kavallerie nöthig, die man ihr von der Rhein- und Mosel-Armee zuschicken müsse; mehrere Regimenter haben die Hälfte ihrer Leute verlohren; auch mangle es dieser Armee an Generalen; und sie sey gar nicht mit Kleidungs-Stücken, Ueberröcken, u. s. w. versehen. -- Eben diese Volcks-Representanten melden auch in einem andern Schreiben, daß sie den Divisions-Chef, Hedauville, bey der Nord-Armee seiner Stelle entsezt haben; unter anderm auch deswegen, weil durch seine Schuld der blosse Rückzug unserer Truppen aus Menin in eine wirckliche Niederlage verwandelt worden, und die Arriere-Garde derselben sehr viel gelitten habe.
Noch verdient hier angeführt zu werden, was bey Gelegenheit der Vertheidigung des v. einigen getadelten Wohlfahrts Committe von dem Convents-Glied Billaud-Varennes gesagt worden. "Vernehmet, Bürger, sagte er, daß wenn wir auch einige Niederlagen erlitten haben, dafür von dem Committe grosse Maas Regeln genohmen sind, um dieselben wieder gut zu machen; vernehmet, daß vielleicht gerade jzt eine zahlreiche Flotte euern Feinden schreckliche Streiche versezt, daß Rom bald in Rom selbst wird angegriffen werden, und daß 100,000. Mann im Begriff sind, in Engelland zu landen, und die Engelländer den Muth der Franzosen fühlen zu lassen." -- (man wird sich hier an die neulich aus einem Engl. Blatt mitgetheilte Nachricht errinnern, daß eine zahlreiche Französische Flotte am Eingang des Kanals gesehen worden.)
Paris, vom 30. Herbstmonat. [26]
In einem in der vorgestrigen Seßion verlesenen Schreiben der Volcks-Representanten bey der Nord-Armee vom 25. berichten dieselben, sie haben des General Houchards und seiner Staabs-Officiers mit den auswärtigen Prinzen geführte Korrespondenz in ihren Händen, woraus erhelle das wir unsere Armeen den Freunden von Jork und Coburg anvertraut hatten. Man sey wircklich mit der Untersuchung eines Complots beschäftiget, welcher den Ruin der dortigen Gränze zur Absicht gehabt.
Am 28. dieses ist der General Houchard, nebst Bartholemi, dem Chef seines Staabs; und am 29. sind die Generale Hedouville und Dümeny, welche Divisionen von den Armeen in Norden und in den Ardennes kommandierten; ferner der gewesene General bey der Nord-Armee, Demars, und der General Beysser, Befehlshaber von der Armee an der Küste von Brest gefänglich in der Abtey eingebracht worden. --
Paris, vom 4. Weinmonat. [27]
Der Kriegs-Minister hat am 30. des vorigen Monats dem N. Convent aus einem Schreiben des General Dagobert, welcher die Armee an den östlichen Pyrenäen kommandiert, die Nachricht mitgetheilt, daß der General Gilly den Spaniern die Stadt Villefranche wieder abgenommen, und sich noch ausserdem des feindlichen Lagers bey Pracle bemächtiget habe, wo unsere Truppen 2. Kanonen und Zelten für 4000. Mann fanden. Zugleich wurde ein Schreiben von dem Volks-Representanten Ferrau verlesen, welches von St. Jean Pied de Port datiert ist und worinn er berichtet: Unsere Truppen haben sich der Spanis. Stadt Estery bemächtiget; nun sey er im Begrif mit einer ansehnlichen Verstärkung nach Escaro, einer andern Spanis. Stadt abzugehen. In Estery haben unsere Truppen 30,000. Patronen, Lager-Geräthschaft für 2. Bataillons und 80. Flinten gefunden. -- Das N. Convent bestätigte in dieser Seßion die von dem vollziehenden Conseil getroffene Wahl des General Ronsin zum Befehlshaber der Revoluzions-Armee von Paris und des General Roßignol zum Commandanten der Armee ~n der Brester-Küste an Canclaux Stelle, welcher nicht mehr gebraucht wird.
Die jüngst schon erwähnte Niederlage der Spanier bey Perpignan soll eine der kompletesten gewesen seyn. Eine Folge davon ist unter anderm die Wiederherstellung der Communikazion zwischen der oben genannten Stadt und der Landstrasse nach Languedok. Der Angrif geschah zuerst auf das grosse Lager der Spanier bey Perpignan, woraus sie noch Vormittags vertrieben wurden. Abends um 4. Uhr grif man ihr Lager bey Rives-Altes an, dieser Angrif daurte bis 7. Uhr, die Franzosen wurden zweymahl zurük getrieben, um 9. Uhr wurde der Angrif erneuert und daurte bis Mitternacht; unser Lager bey Salses hatte Befehl um 4. Uhr anzugreifen und marschierte in 4. Colonnen; die durch Verräther hievon benachrichtigten Spanier erdichteten einen Befehl an den Commandanten von Aoust, daß er sich erst am folgenden Tag in Bewegung sezen soll. Die Soldaten von dem Lager bey Salses giengen also zurük; aber ein von Perpignan abgeschikter Kurier entdekte ihnen den Betrug, sie führten also den Plan aus und fielen mit aufgepflanzten Bajonnetten über das feindliche Lager her; 1000. Zelten, 200. Pferdte und 800. Kriegsgefangene fielen in unsere Hände, nebst 18. Kanonen und 5. Haubizen; die Feinde hatten 2000. Todte und Verwundete. Man schäzt den erbeuteten Schaz auf 2. Millionen, ausser einer Menge von Kostbarkeiten. Unsere Soldaten haben fast alle ihr Glück gemacht. Ueberhaupt wird die ganze Beute auf 6. Millionen Livres geschäzt.
Oktober.[]
Paris, vom 4. Weinmonat. [28]
In der Seßion am 1. dieses erhielt das N. Convent von dem Volks-Representanten Couthon die Nachricht, daß unsere Truppen in der Nacht zwischen dem 23. und 24. September sich der Vorstadt Vaise in Lyon sich bemächtiget haben, wobey 60. Feinde umgekommen seyen.
In eben dieser Seßion stattete Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe den von demselben verlangten Rapport ab über den Zustand der Sachen im Departement der Vendee: Nach demselben daurt der dortige abscheuliche Krieg noch fort; die Bemühungen der Republik sind bisher fruchtlos gewesen; man muß den bisherigen schlechten Erfolg den unzusammenhängenden Maaßregeln zuschreiben, die man befolgt hat. Die Rebellen, welche anfänglich weder Kanonen noch kleines Gewehr hatten, haben nachher alles bekommen. Ausserdem, daß die Engelländer ihnen dergleichen verschaften, sind sie auch vermittelst der verschiedenen Vortheile, welche sie über die Patrioten erhalten, damit versehen worden. Nach den neuesten Berichten scheint ihre Armee 100,000. Mann stark zu seyn, von denen 50,000. gut bewafnet sind. Ihre Anführer habe alle Mañspersonen von 10. bis 66. Jahren aufgebotten; die Weiber selbst dienen als Schildwachen. Man hatte ihnen eine ansehnliche Kriegsmacht entgegen gestellt. Aber ein panischer Schreken, dessen Ursache man bis jzt noch nicht weist, hat in dem Gefecht am 18. unter unsern Truppen Furcht verbreitet; sie verhalten sich gegenwärtig bey Saumür und Angers nur defensiv. Unser Verlust ist blos dadurch veranlast worden, daß man den gemachten Plan zu dem Feldzug nicht befolgt und ausgeführt hat. Unbrauchbare Wege, Eifersucht unter den Generalen, vielleicht auch Mangel der Disciplin unter den Soldaten haben zum Theil die Ausführung desselben verhindert. Indessen ist ein Theil unseres erlittenen Verlustes wieder gut gemacht worden. Die überall siegreiche Mainzer-Besazung ist noch immer im Besiz von den Ufern der Loire, und hat die Communikazion zwischen Saumür und Nantes erhalten. Es sind bereits grosse Maaßregeln genommen worden, und diesen hat nun das N. C. noch folgendes Dekret beygefügt: 1) Die Armee an der Küste von Brest soll nun mit der Armee an der Küste von Rochelle vereiniget werden und mit derselben nur Eine ausmachen, welche den Namen der westlichen Armee führen wird; 2) das vollziehende Conseil soll den Ober-Befehlshaber vorschlagen, welcher diese Armee kommandieren wird. Dieser ist Lechelle; 3) das N. C. verläst sich auf den Muth dieser Armee, um den Krieg im Departement der Vendee bis am 20. Oktober zu endigen. Die Dankbarkeit der Nation erwartet dem zufolg nur den 1. November, um die Belohnungen zu bestimmen für die Generalen und Armeen, welche alsdann die Republik von ihren Feinden werden befreyt haben.
Nachdem bereits in der Seßion am 1. dieses neuerdings auf Brissots und seiner Mitschuldigen Bestraffung gedrungen und dem zufolg dem allgemeinen Sicherheits-Comitte aufgetragen worden war, längstens bis gestern dem N. C. eine Akkusazions-Akte betreffend dieselben vorzulegen, so geschah dieses wirklich in der gestrigen Seßion; und so wohl der vorläufige Rapport des Comitte, als das von dem N. C. hierüber abgefaste Dekret verdient mitgetheilt zu werden. Ehe der Rapport, welchen Amar im Namen des Comitte abstattete, angehört wurde, sind auf Befehl des N. C. und auf Ansuchen des Rapporteurs alle Ausgänge des Versammlungs Saals und der Gallerien verschlossen worden. Die Verlesung des Rapports daurte über 3. Stunden, und zufolg desselben haben die Angeklagten, deren Namen unten in dem Dekret vorkommen werden, vor und nach dem Fall der Königswürde für dieselbe gesprochen und sie vertheidiget, und sie sind die Urheber von den Planen des Föderalismus in mehrern grossen Städten der Republik, von dem allgemeinen Krieg, welchen Frankreich gegenwärtig führe muß und von der Verrätherey unserer Generalen. Pitt, sagte der Rapporteur unter anderm, Pitt hat wollen, daß ganz Europa sich gegen Frankreich verbinde, und Brissot, Gensonne, Vergniaud, Guadet, Petion und ihre Mitschuldigen haben dem ganzen Europa den Krieg erklären lassen: Pitt hat wollen, daß die Französischen Armeen ausser stand seyn sollen, unsere Feinde abzutreiben; und Brissot und seine Mitschuldigen haben treulose Generalen an die Spize unserer Truppen gesezt, die uns verrathen haben: Pitt wollte Franckreich aushüngern, und Brissot nebst seinen Mitschuldigen hat das abscheuliche Complot des Wucher-Handels ausgesonnen: Pitt wollte Dünkirchen, Marseille, Bordeaux und alle andere See-Häven mit Geld erkauffen, und Brissot nebst seinen Mitschuldigen hat diese Städte mit Agenten des Föderalismus und Königthums angefüllt: Pitt wollte unsere See-Macht ruinieren, und Brissot nebst seinen Mitschuldigen hat ihm Toulon und die Flotte in diesem wichtigen See-Haven überliefert: Pitt wollte durch die unter uns veranlaßte Zwistigkeit uns durch uns selbst aufreiben, und Brissot nebst seinen Mitschuldigen hat den Krieg im Departement der Vendee und in Lyon erregt: Pitt wollte unsere Colonien zu Grund richten und Brissot und seine Mitschuldigen haben durch ihre Schriften und ihre falschen Aeusserungen von Menschenliebe unsere Colonien durch Feur und Blutvergiessen verheert: Pitt wollte Frankreich föderalisieren, und Brissot und seine Mitschuldigen haben durch ihre Verläumdungen mehrere Departements-Administrationen gegen die National Representation aufgewiegelt. Diese Leute haben Franckreich an den Rand des Untergangs gebracht. Sie haben augenscheinlich gegen die Einheit und Untrennbarkeit der Republick, gegen die Freyheit, Gleichheit und Sicherheit des Französischen Volcks eine Verschwörung gemacht und auch ausgeführt. Sie haben öfters ganz andere Gesinnungen angenohmen, um ihre treulosen Absichten desto besser zu verbergen; sie sich verschiedene Neben-Wege gegangen, die aber alle auf die grosse Strasse zu dem Verderben des Vatterlandes führten. -- So ungefehr lautet die Anklage, die, wie man sieht, scharf genug abgefaßt ist. Zufolg derselben wurde nun von dem Committe nachfolgendes Dekret vorgeschlagen und von dem N. Convent genehmiget: 1) Zufolg des v. dem allgemeinen Sicherheits-Committe abgestatteten Rapports über die mehrere Convents-Glieder schuld gegebenen Verbrechen, betreffend eine Verschwörung gegen die Einheit und Untheilbarkeit der Republick, und gegen die Sicherheit und Freyheit des französischen Volcks klagt das N. Convent an nachfolgende Personen: Brissot, Gensonne, Vergniaud, Guadet, Grangeneuve, Petion, Gorsas, Barbaroux, Lauvet, Valaze, Valadt, Fauchet, Isnard, Sillery, Fonfrede, Dücoz, Royez, Vigier, Kersaint, Düchatel, Manuel, Lasource, Condorcet, Carra, Lehardy, Hardi, Salles, Rebecqui, Büzot, Rabaut St. Etienne, Chambon, Birotteau, Lanjüinais, Chatelain, Doulcet, Gardien, Mollevaux, Minvielle, Delahaye, Düprat, Bonnet, Lacaze, Mazüyer, Savary, Boileau, Antiboul, Beauvais, Dülaure, Bresson, Noel, Caustard, Andreys, nebst allen, die man in der Folge der Untersuchung noch kennen lernen wird; 2) Alle obengenannte sollen vor das ausserordentliche oder Revolutions Tribunal gezogen, und von demselben nach dem Gesez gerichtet werden; 3) Durch die in obigen Artikuln getroffenen Verfügungen wird nichts abgeändert in dem Dekret, welches Büzot und andere als Vatterlands-Verräther und des Schuzes der Geseze verlustig erklärt; 4) Diejenigen von den Volcks-Representanten oder Convents-Gliedern, welche die Protestationen vom 6. und 19. Junius unterschrieben haben, sollen in Verhaft genohmen und ihre Papiere versiegelt werden. -- Auf den Vorschlag |des Billaud-Varennes wurde auch Philipp Egalite, vormahliger Herzog von Orleans, vor das Revolutions-Tribunal gewiesen. -- Ein Sekretär verlaß nun die Namen aller der Convents-Glieder, die angeklagt und zum Verhaft dekretiert worden waren, und diejenigen, welcher der Seßion beywohnten, verliessen sogleich ihre Pläze, entfernten sich aus dem Versammlungs-Saal, und wurden an einem der Ausgänge desselben der Wacht überliefert. -- Durch ein anderes besonderes Dekret dieser Seßion wurde dem Revolutions-Tribunal anbefohlen, sich unverzüglich mit dem Prozeß von Maria Antonia zu beschäftigen. -- Die Anzahl der hiesigen Gefangenen, unter denen sich seit dem 1ten dieses auch der durch seine Schriften berühmte Linguet befindet, belauft sich gegenwärtig auf 2365.
In der vorgestrigen Seßion ist auf einen von dem Instru_tions-Committe gethanen Vorschlag dem schon lange verstorbenen berühmten Philosophen Rene Descartes zu Ehren nachfolgendes Dekret abgefast worden: 1) Rene Descartes hat die Ehrenbezeugungen verdient, welche grosse Männern gebühren; 2) der Leichnahm dieses Philosophen soll in das Pantheon gebracht werden; 3) auf sein Grabmahl sollen diese Worte eingegraben werden: "Im Namen des Französischen Volcks, das National Convent dem Rene Descartes; 1793, im zweiten Jahr der Einzigen und Untheilbaren Republik"; 4) das Committe der offentlichen Instruktion soll gemeinschaftlich mit dem Minister der innern Angelegenheiten den Tag der Transportation bestimmen; 5) das ganze National-Convent soll dieser Feyerlichkeit beywohnen.
Paris, vom 7. Weinmonat [29]
Charlier ist seit dem 4. dieses President des N. Convents. In der Seßion dieses Tages wurde ein Schreiben von den Volks-Representanten bey der Armee an den westlichen Pyrenäen aus Perpignan vom 23. September verlesen, worinn sie sagen: Die Truppen der Republik haben in hiesiger Gegend einen Verlust erlitten. Gestern nemlich wurde das grosse Spanische Lager von unsern bey Perpignan kantonnierenden Truppen angegriffen, aber der Erfolg, welchen wir von dieser Unternehmung zu erwarten Ursache hatten, entsprach unserer Hofnung nicht; die Verwirrung in den vorgenommenen Manövres war schuld, daß die Operazion mißlang; wir haben ungefehr 500. Mann verlohren, aber auch die Spanier haben einen ansehnlichen Verlust erlitten; unter ihren Todten befindet sich ein General-Lieutenant, welcher ihre Cavallerie kommandirte. Zum Glück geschah unser Rükzug in der besten Ordnung. Am meisten leid ist es uns, daß wir berichten müssen: Ein Theil von dem ehmaligen Bataillon Vermandois habe die Schamlosigkeit so weit getrieben, daß er bey seiner Uebergabe an den Feind ausrief: Es lebe der König! Wir hoffen bald erfreulichere Nachrichten geben zu können.
In einem andern in eben dieser Seßion verlesenen Schreiben der Volks-Representanten aus Nantes vom 29. des vorigen Monats berichten dieselben dem Wohlfahrts-Committe: Unsere dortige Armee habe Montaigü und Clisson wieder erobert und sey nun im Begriff auf Mortagne loszugehen. Zwar sey ihre gegenwärtige Lage mitten unter so vielen Fanatikern und Aristokraten nicht wenig gefährlich; aber das Vatterland könne sich auf ihren Muth verlassen. -- Aus einem der Lager vor Lyon meldet Legendre unterm 30. September: Er habe so eben aus dem Haupt-Quartier Craponne bey St. Just die Nachricht erhalten, daß die sogenannten Müscadins bis in ihre Verschanzungen zurük getrieben worden; daß 2000. Mann mit 8. Kanonen sich auf die Anhöhen bey St. Just begeben, und 2. Schanzen erobert worden seyen. -- In einem andern Schreiben von Dübois-Crance von gleichem Datum heist es: Die Lyoner sind heute Morgens um 5. Uhr an 4. Orten zugleich angegriffen und überal zurük getrieben worden. Wir sind in Perrache, in den Broteaux und in St. Foix; der ganze Horizont ist gegenwärtig mit Feur und Rauch bedekt. Die Broteaux (ohne Zweifel ein Theil von Lyon) stehen ganz im Brand; Perrache fängt auch an zu brennen, und es geht ein starker Wind. So eben heist es, unsere Truppen haben den Feinden 10. Kanonen weggenommen.
Noch wurde in eben dieser Seßion aus Veranlassung des neulich erwähnten Dekrets, den Philosophen Descartes betreffend, der Vorschlag gethan: Der Asche des weisen und tugendhaften Fenelons die gleiche Ehre der Versezung in das Pantheon zu erweisen; aber dieser Vorschlag wurde von Bazire abgewiesen aus dem Grund: weil Fenelon ein Buch geschrieben habe, um zu beweisen, daß die monarchische Regierungsform die beste sey.
In der vorgestrigen Seßion benachrichtigte der offentliche Ankläger des Revoluzions Tribunals das N. Convent schriftliche: Er habe zwar die Akkusazions-Akte gegen Brissot und seine Mitschuldigen erhalten und derselben zufolg die Angeklagten sogleich nach der Conciergerie bringen lassen. Er müsse nun aber, um den Prozeß gegen die vorzunemmen, auch noch den jener Akte vorausgeschikten Rapport nebst den Schriften haben, worauf sie die Anklage gründe; und da der vormahlige Herzog von Orleans sich auch unter den Angeklagten befinde, so sey es nöthig, daß ihn das N. C. von Marseille wieder nach Paris bringen lasse. -- In einem zweiten Schreiben verlangte der offentliche Ankläger die zur Vornehmung des Prozesses gegen die verwittwete vormalige Königin erforderlichen Aufsäze, da ihm durch ein neulich Dekret des N. C. anbefohlen worden, mit diesem Prozeß noch in dieser Woche den Anfang zu machen. -- Diese beyden schriftlichen Ansuchen wurden den Wohlfahrts- und Sicherheits Committes zugestellt mit dem Auftrag, dem Revoluzions-Tribunal die verlangten Aufsäze zu Handen zu stellen, und zugleich wurde dekretiert, daß der vormalige Herzog von Orleans nach Paris transportiert werden soll.
Man solte kaum denken, daß das N. Convent bey den gegenwärtigen Umständen noch Zeit finden könne, sich mit geringfügigen Gegenständen (wie sie wenigstens den Ausländern vergleichungsweis vorkommen müssen) zu beschäftigen. Indessen ist wirklich in der vorgestrigen Seßion ziemlich weitläufig über den vom Instruktions-Committe vorgeschlagenen neuen Kalender debattiert und darüber ein Dekret abgefast worden, welches aus nachfolgenden Artikuln besteht: 1) Die Zeitrechnung der Franzosen zählt von der Stiftung der Republik an, welche am 22. Herbstmonat des Jahrs 1792. nach der gemeinen Zeitrechnung geschehen ist; da die Sonne das wahre Herbst-Equinoctium (Tag und Nacht-Gleiche) erreichte und in das Zeichen der Waage trat um 9. Uhr 18. Minuten und 30. Sekunden Vormittags, nach dem Pariser-Observatorium. 2) Die gemeine Zeitrechnung wird in Ansehung des Gebrauchs im bürgerlichen Leben abgeschaft. 3) Der Anfang jedes Jahrs ist auf Mitternacht angesezt, womit der Tag anfängt, auf welchen nach dem Pariser-Observatorium das wahre Herbst Equinoctium fält. 4) Das erste Jahr der Französis. Republik hat angefangen um Mitternacht des 22. Herbstmonats 1792, und geendiget um Mitternacht zwischen dem 21. und 22. Herbstmonat 1793.; 5) das Dekret, welches den Anfang des zweiten Jahre auf den 1. Jenner 1793. sezte, wird hiemit zurük genommen; und alle Akten, welche seit dem 1. Jenner bis 23. Herbstmonat 1793. vom zweiten Jahr der Republik datiert worden, müssen als noch zum ersten Jahr derselben gehörig angesehen werden; 6) das Jahr wird in 12. gleiche Monate jeder von 30. Tagen eingetheilt, auf welche dann noch 5. überzählige Tage folgen, um die 365. Tage des gemeinen Jahres vollzählig zu machen; diese 5. Tage gehören zu keinem Monat; 7) jeder Monat wird in 3, Dekaden oder Zeiträume von 10. Tagen eingetheilt, welche die erste, zweite und dritte genannt werden; 8) sowohl die Monate, als die Dekaden und Tage werden nur durch die Benennungen des ersten, zweiten, u. s. w. von einander unterschieden; 9) diejenigen Jahre, welche einen Schalttag bekommen, so wie es die Tag und Nacht Gleiche erfordert, und welche bisher Schaltjahre genannt wurden, sollen künftig Franciques genannt werden; und der Zeitraum von 4. Jahren, der sich mit einem solchen Jahr endiget, heist Franciade; 10) der Schalttag eines solchen Jahrs wird immer hinter die 5. überzähligen Tage gesezt und die Revoluzion genannt; 11) der Tag von Mitternacht bis Mitternacht wird in 10. Theile, jeder von diesen wieder in 10. andere, und sofort bis auf die kleinstmögliche bemerkbahre Zeitdauer abgetheilt; doch soll dieses in Ansehung offentlicher Akten erst im dritten Jahr der Republik pünktlich beobachtet werden; 12) das Committe von der offentlichen Instruktion bekommt den Auftrag, den neuen Kalender in verschiedenen Formaten druken zu lassen, nebst einer leicht faßlichen Anweisung zum Verständniß und Gebrauch desselben; 13) dieser neue Kalender soll an alle Munizipalitäten, administrierende Corps, Tribunale, Friedensrichter, Notare, Professoren, Popular-Sozietäten, wie auch an die Armeen überschikt werden; 14) die Protokolle des N. Convents, die Akten des vollziehenden Conseils, und der administrierenden Corps und Tribunale, so wie überhaupt alle offentlichen Akten sollen künftig nach dem neuen Kalender der Republik datiert werden; 15) alle Professoren, offentliche Lehrer und Lehrerinnen, die Vätter und Mütter und alle, die mit der Erziehung der Kinder zu thun haben, sollen es sich angelegen seyn lassen, den neuen Kalender ihren Schülern und Zöglingen zu erklären; 16) alle 4. Jahre am obenerwähnten Revoluzions-Tag sollen bürgerliche Spiele zum Andenken der Französis. Revoluzion gefeyert werden; 17) das zweite Jahr der Republik fängt nach dem alten Kalender an mit Mitternacht am 22. September 1793. -- Auch sind wirklich schon die neuesten Pariser Zeitungs-Blätter, anstatt vom 7. Oktober, datiert "vom 16. des ersten Monats des zweiten Jahrs der Französis. Republ_k."
In der gestrigen Seßion des N. Convents sind zwey Schreiben von dem Volcks-Representanten Simon im Departement von Mont Blanc, das eine aus Salanche vom 30. des vorigen und das zweyte aus Clüze vom 1. dieses Monats verlesen worden, worinn er von einem allgemeinen Sieg unserer Truppen über die Piemontesische Armee Nachricht giebt, deren Verschanzungen alle von den unsrigen weggenohmen, uns sie selbst genöthiget worden, sich überall zurück zu ziehen. Die Vorfälle ereigneten sich am 29. und 30. September.
Dübois Crance und Gauthier schreiben aus dem Haupt-Quartier Pape vor Lyon vom 2. dieses: die Lyonner haben auf den Brotteaux 150. Mann Kavallerie, 1500. Mann Infanterie und 17. Kanonen verlohren; vor Perache seyen 400 Müscadins geblieben und 14. gefangen worden; in Lyon seyen die republikanischen Truppen noch nicht; auch sey die Sache nicht so leicht; indessen werde es doch noch geschehen. -- Auch General Lavalette giebt in einem Schreiben Nachricht von verschiedenen über die Lyoner erhaltenen Vortheilen. Aber nach Verlesung dieses Schreibens that Billaud-Varennes den Vorschlag, die obengenannten Volcks-Representanten Dübois Crance und Gauthier zurück zu beruffen; welches auch vom N. Convent dekretiert worden ist.
Die Anzahl der Convents-Glieder, welche wegen Unterschreibung der Protestationen gegen die Dekrete vom 6. und 19. Junius zur Verhaftnehmung dekretiert worden, belauft sich ungefehr auf 70.
Paris, vom 11. Weinmonat. [30]
In der Seßion am 7. dieses sagte Reubel in dem N. Convent; er habe zwar von seinem vormahligen Collegen in Maynz, Merlin, in einem Schreiben vom 5. die Nachricht erhalten, daß Mortagne von den republikanischen Truppen den Royalisten in der Vendee weggenohmen worden sey. Aber die Nachricht sey unglücklicher Weise nicht gegründet. Mortagne habe wohl sollen angegriffen werden, aber diese Hofnung sey nun verschwunden. Die vormahlige Maynzer-Besazung sey schon auf dem Marsch gewesen, um sich mit der Colonne unter dem General Chalbot zu vereinigen, als dieser Befehl ertheilt, nicht zu der Maynzer-Armee zu stossen. Nun befinde sich diese, auf allen Seiten verlassen, mitten unter den Rebellen, und könne keine Unterstüzung von Saumür her erwarten.
In der Seßion am 8. wurde Zufolg eines von der Finanz-Commißion abgestatteten Rapports dekretiert, daß die Ost-Indische Compagnie aufgehoben seye, und die ihr zugehörigen Waaren durch dazubestellte Agenten der Regierung verkauft werden sollen.
Auf die in der vorgestrigen Seßion in einem Schreiben an den Minister vom See-Wesen aus Marseille erhaltene Nachricht, daß die Engelländer in Toulon den Volcks-Representanten Beauvais-Preau nebst dem gewesenen Maire von Toulon zum Galgen verurtheilt und das Urtheil wircklich an ihnen haben vollziehen lassen, hat das N. Convent dekretiert: einmahl, daß alle in Franckreich sich aufhaltende Unterthanen des Königs von Engelland, sowohl Britten und Irrländer, als Hanoveraner beyderley Geschlechts in Verhaft genohmen, und ihre Güther eingezogen werden sollen, unter Androhung zehnjähriger Galeeren-Straffe für die Administratoren, die dieses Gesez nicht nach aller Strenge vollziehen; sodann, daß unter Androhung ebenerwähnter Straffe die Einfuhr und der Verkauf aller Engländischen Waaren in Franckreich, von welcher Art sie immer seyn mögen, verbotten seyn soll.
Paris, vom 14. Weinmonat. [31]
Die Bestätigung der schon vorläufig mitgetheilten Nachricht von der Einnahm der Stadt Lyon, und was sie für Folgen haben soll, ist beynahe das einzige von Wichtigkeit, was die neuesten Pariser-Blätter enthalten. Das N. C. erhielt diese ihm erfreuliche Nachricht in der vorgestrigen Seßion durch ein Schreiben von dem an Kellermanns Stelle gekommenen General Doppet an den Kriegs-Minister, datiert auf dem Rathhauß in Lyon vom 9. dieses Monats. Nach einem vorläufigen Bericht von allem, was er seit Uebernehmung des Commando über die dortigen Armee vornehmen lassen und von der Einnahm aller Posten und Forts um die Stadt her, schreibt derselbe: "Gestern machte ich Anstalten, durch Perrache in die Stadt einzurüken; weil ich aber benachrichtiget wurde, daß die Rebellen versuchen wolten auf einer andern Seite heraus zu kommen, so änderte ich meine bereits ertheilten Befehle. Eine Deputation von den Sektionen der Stadt fand sich bey uns ein; man berathschlagte, und heute am 9. sind wir in Lyon eingerükt. Die Rebellen sind in der That weggekommen; es ist aber zu glauben, daß sie nicht bis auf 2. Stunden weit von hier kommen werden; unsere Colonnen schliessen sie von allen Seiten ein. Eben da ich meinen Brief endigen will, vernehme ich, daß die meisten Generalen der Feinde, umgekommen seyen, und daß der Schaz, welchen sie mit sich genommen, hieher zurük gebracht werde." -- Die in diesem Bericht gemeldete Flucht der Revoluzionsgegner aus Lyon erregte Aufsehen in der Versammlung. Man beschuldigte die Generalen und Volks-Representanten entweder der Unwissenheit oder der Verrätherey. --Bald darauf verlaß Barrere ein an das Wohlfahrts-Committe eingelauffenes Schreiben von dem Volks Representanten Chateau-Randon aus dem Hauptquartier in Lyon ebenfalls vom 9ten, worinn er berichtet: die Rebellen haben sich 2000. an der Zahl, (andere Berichte sagen 4000.) geflüchtet, aber sie seyen gänzlich geschlagen, und ihnen der mitgenommene Schaz nebst ihrer ganzen Artillerie weggenommen worden. Nach Verlesung dieses Schreibens sagte Barrere als Rapporteur vom Wohlfahrts-Committe: Endlich ist also Lyon bezwungen; aber wollen wir nun eine Stadt noch länger existieren lassen, welche für die Königl. Herrschaft gefochten hat, und das ganze südliche Frankreich in ihre Rebellion hinein ziehen wollte? sollen die stolzen Palläste der Freunde Pitts und seines tyrannischen Herren stehen bleiben? Soll nicht der Pflug über den Boden gehen, worauf die Aufenthalts-Oerter der Mörder standen, welche die Freyheit in ihrer Wiege ermorden wolten? das royalistische Lyon muß untergehen, weil es die Republikaner gezwungen hat, es zu besiegen; aber nur die reichen Einwohner von Lyon sollen bestraft werden, und die Manufakturen sollen bleiben. (Als wenn diese ohne jene bestehen könnten.) Barrere schlug hierauf im Namen des Wohlfahrts-Committe nachfolgendes Dekret vor, welches auch sogleich von dem N. C. genehmiget wurde: 1) Es soll auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Committe eine Commißion von 5. Volks-Representanten ernennt werden, die sich unverzüglich nach Lyon begeben sollen, um daselbst alle Revolutionsgegner, welche in dieser Stadt die Waaffen ergriffen in Verhaft nehmen, und nach den Kriegs-Gesezen über sie Gericht halten zu lassen; 2) alle Lyoner sollen entwafnet, und ihre Waaffen denen, die nicht an der Empörung Antheil genommen, und den Vertheidigern des Vatterlandes gegeben werden; 3) die Stadt Lyon soll zerstört werden; 4) nur die Häuser der Armen, die Manufakturen, die Werkstädte der Kunst die Hospitäler, die öffentlichen und dem Unterricht gewiedmeten Gebäuden sollen stehen bleiben, hingegen alle Wohnungen der Reichen niedergerissen werden, 5) diese Stadt soll nicht mehr Lyon heissen, sondern künftig Ville-Affranchie (die befreyte Stadt) genannt werden; 6) auf den Trümmern von Lyon soll ein Denkmahl errichtet werden, mit der Inschrift: "Lyon führte gegen die Freyheit Krieg; Lyon ist nicht mehr." -- Noch zeigte Barrere dem N. C. an, daß bereits ausserordentliche Kuriers an die nördliche und westliche Armee abgefertiget worden seyen, mit der Nachricht von der Einnahme von Lyon und einer Aufforderung an diese beyden Armeen: Es dem Coburg und der Vendee eben so zu machen, wie die Republikaner es dem Rebellen-Anführer Pressy und seinen Consorten und der Stadt gemacht haben, die sie den gegen uns verbundenen Königen unterwerffen wolten. -- In der gestrigen Seßion wurde auch noch ein Schreiben der Volks Representanten Dübois-Crance und Gauthier vom 9. dieses verlesen, worinn sie berichten: Die republikanische Armee sey ohne einige Unordnung in Lyon eingezogen, und das Eigenthumsrecht sey im geringsten nicht verlezt worden. Auch sie bestätigen es, daß die Rebellen auf der Seite, "von welcher man wohl wuste, daß sie ihnen dazu am günstigsten sey," (dieser Ausdruk erregte abermahls Aufsehen) weggekommen seyen, ungefehr 4000. an der Zahl, und viel Gold auf Munitions-Wagen, nebst Artillerie mit sich genohmen haben; man habe aber 1500. von ihnen geschlagen, und ihnen ihre Artillerie nebst einem Wagen mit Gold abgenohmen; die übrigen werden verfolgt, und dörften schwerlich die Gränzen erreichen. Sie selbst werden der an sie ergangenen Zurükberuffung zufolg sich nächstens in Paris einfinden.
Die Volks-Representanten Gasparin und Salicetti berichten aus dem Hauptquartier in Ollioure vom 4. dieses: Die Engelländer haben den wichtigen Posten Pharon vor Toulon, dessen sich die Franzosen bemächtiget hatten, mit überlegener Macht wieder eingenommen. -- Aus Avesne ist von dem dortigen Commandanten in einem Schreiben vom 7. gemeldet worden: Die im Lager bey Maubeuge verschanzten Franzosen seyen 3. Tage hinter einander von den Feinden angegriffen worden, haben sie aber immer mit grossem Verlust zurükgeschlagen. -- Dagobert, der Befehlshaber der Armee bey den östlichen Pyrenäen schreibt: Er sey am 5. dieses in das Spanische Gebiet eingerükt, und habe sich der Stadt Prades bemächtiget. -- Endlich ist auch von den Volks-Representanten bey der westlichen Armee, von welcher nun der General Echelle das Commando übernommen, der Bericht eingeschikt worden in einem Schreiben aus Saumür vom 9. dieses: Die dortige Armee vereiniget mit derjenigen unter dem General Chalbos habe die Royalisten, 20,000. an der Zahl, bey Chatillon geschlagen; worauf Westermann gegen diesen Ort angerükt sey, woraus sich die Feinde geflüchtet mit Zurüklassung von 2. Kanonen, ihrer Drukerey und wichtiger Schriften. Nächstens werde nun die ganze Armee auf Cholet und Mortagne losgehen, wo man hoffe, bald den Freyheitsbaum aufrichten zu können. Die Franzosen verbrennen alles unterwegs.
Ruhl, ein Volks-Representant im Departement der Marne berichtet aus Rheims, daß er daselbst in Gegenwart des Volks und mit grossem Beyfall desselben die berühmte Heilige Oehlflasche auf dem Fußgestell der Bildsäule Ludwigs XV zerbrochen habe und wirklich die Stüke davon nebst dem Reliquien-Behältniß, worinn sie sich befand, nach Paris überschikte, in das Hemd eines National-Freywilligen eingewickelt, welches dem N. C. beweisen werde, daß alle Administratoren von den Kleider-Lieferungen Dieben seyen.
Paris, vom 21. Weinmonat. [32]
Das N. Convent hat in der Seßion vom 18. durch ein Schreiben des General Jourdan vom 17. dieses an den Kriegsminister, und in der Seßion am 19. durch ein Schreiben der Volks-Representanten bey der Nord-Armee aus dem Haupt-Quartier in Maubeuge vom 18. dieses, die Nachricht erhalten von einem am 17. durch unsere Truppen über die Armee des Feldmarschall Coburg erfochtenen Sieg und die darauf erfolgte Entsezung der Festung Maubeuge. Nach diesen Berichten ist drithalb Tage nach einander gefochten und die feindliche Armee genöthiget worden, sich weit zurük zu ziehen, worauf unsere Truppen sich des feindlichen Lagers bemächtigten, welches die Oesterreicher, nachdem sie schon einmahl daraus vertrieben worden, wieder eingenommen und unsere Truppen genöthiget hatten, sie zum zweitenmahl daraus zu vertreiben, und erst da sie noch einen dritten Angriff wagten, neigte sich der Sieg völlig auf unsere Seite. Nach einem zweiten Schreiben des General Jourdan sollen von den Feinden bey 6000. Mann auf dem Plaz geblieben seyn, und dieselben sich über die Sambre zurük gezogen haben; die Anzahl unserer Todten aber sich nur auf 200. und der Verwundeten auf 1200. belauffen. Es ist bey dieser Gelegenheit abermahls ein General, Gratien, der seine Pflicht nicht gethan haben soll, von den Volks-Representanten des Commando entsezt und zur Verhaftnehmung verurtheilt worden.
Eben auch in der vorgestrigen Seßion ertheilte Barrere dem N. Convent die Nachricht von dem, was unlängst bey Weissemburg vorgegangen. Zufolg dieser Nachricht, ist die Avantgarde von der Rhein-Armee durch Verrätherey von 2. Generalen, welche zu dem Feind übergegangen und ihm die Parole bekannt gemacht haben und vermittelst eines entstandenen Nebels, überfallen und zerstreut worden; eine Folge dieser Verrätherey war dann ferner die Einnahm von Weissemburg und der Verlust der dortigen Artillerie; die übrige Armee aber, welche sich nach Hagenau zurückzog und jzt auf den dortigen Anhöhen postiert ist, hat weder Leute, noch Artillerie noch Bagage verlohren. Ueberhaupt beschreiben die dortigen Volks-Representanten unsern erlittenen Verlust als sehr gering; doch verlangen sie Verstärkung. Es sollen nach Barreres Anzeige von dem Wohlfahrts-Comitte bereits die nöthigen Maasregeln genommen und 2. Commissarien nach der Rhein-Armee abgegangen seyn, um die Staabs-Offiziers bey derselben ab- und ihre Stellen mit guten Republikanern zu besezen.
Dübois-Crance und Gauthier, welche kürzlich von dem N. Convent zum Verhaft dekretiert worden, erschienen vorgestern vor demselben und verlangten, sich über die von ihrem Collegen Couthon gegen sie angebrachten Beschuldigungen zu rechtfertigen. Barrere stattete im Namen des Wohlfahrts-Comitte einen Rapport ab über ihr Verhalten während der Belagerung von Lyon, worinn er dasselbe als untadelhaft vorstelte und die Zurüknahm des Verhaft-Dekrets verlangte; worinn ihm auch zugleich entsprochen wurde. Dübois-Crance übergab hierauf dem N. Conv. ein weitläufiges Manuscript, welches 20,000. Unterschriften der Lyoner die sich gegen die Dekrete des N. Convents erklährt hatten, enthält; sie sind fast alle von reichen Bewohnern des Quai längst der Rhone und Saone, und ihr zum Prosit der Nation eingezogenes Vermögen soll sich, nach seiner Versicherung, auf die Summ von 2000. Millionen Livres belauffen. Das N. C. dekretierte, diese neue Hypothek für unser Papier-Geld soll, eben so, wie die Güter der Emigrierten administriert und verkauft werden.
In der gestrigen Seßion erhielt das N. Conv. durch ein Schreiben des General Echelle, Ober-Befehlshaber der westlichen Armee, aus dem Haupt-Quartier in Cholet vom 17. dieses die Nachricht, daß Cholet und Mortagne nun wirklich in den Händen der republikanischen Truppen seyen. Mortagne sey, als unsere Armee davor ankam, von den Royalisten bereits geräumt gewesen; nur die Besazung war noch darinn, welche niedergemacht wurde. In Cholet haben sie 28. Munizions-Wagen und einige Artillerie zurückgelassen und sobald unsere Truppen ein wenig ausgeruhet, werde man sie bis in ihre lezten Verschanzungen verfolgen.
Die 6000. Mann von der Pariser-Revoluzions-Armee nebst den dazu gehörigen 1200. Kanoniers sind gestern ganz bewafnet und marschfertig vor dem N. Conv. aufmarschiert, und haben durch ihren General Ronsin geschworen, entweder zu sterben oder die ganze Oberfläche des Erdkreises mit freyen Menschen zu überschwemmen. -- Das N. Convent hat dekretiert, daß die zur Deportazion verurtheilten Priester nicht nach Güyana: sondern nach der westlichen Küste von Afrika ausgeführt werden sollen.
Paris, vom 25. Weinmonat. [33]
Das wichtigste, was die neuesten hiesigen Blätter enthalten, ist die Nachricht, daß nunmehr der innerliche Krieg im Departement der Vendee so viel als geendiget und die dortigen Royalisten-Armee beynahe gänzlich besiegt und ausgerottet sey; wenn anders diese Nachricht sich durch ihre Folgen bestätiget. Dieselbe wurde dem N. Convent in der vorgestrigen Session, in welcher Moses Bayle zum erstenmahl präsidierte, von Barrere im Namen des Wohlfahrts-Comitte mitgetheilt in einem Sch_eiben der Volcks-Representanten bey der westlichen Armee aus Angers vom 21. dieses, mit dessen Inhalt auch ein Schreiben des Befehlshabers der genannten Armee, General Echelle, übereinstimmt. Sie schreiben unter anderm: Die Einnahm von Mortagne und der Sieg bey Chatillon habe die Vereinigung unserer Armeen erleichtert, welche auf ihrem Marsch alles in Brand stekten und dadurch der Rebellen Armee einen heilsamen Schreken einjagten. Nach der Einnahm von Mortagne und Cholet, und einem, wiewohl vergeblichen Versuch von Seiten der Feinde, die erstere von diesen Städten wieder zu erobern, wobey sie 10. Kanonen und viel Volk verlohren; flüchteten sie sich nach Beaupreau, ein durch Natur und Kunst befestigtes Schloß, wo sie in Sicherheit zu seyn glaubten; aber wir überfielen dasselbe, und nahmen abermahls die Flucht gegen St. Florent, wo wir sie wiederum geschlagen und 5500. Republikaner in Freyheit gesezt haben. Von da sezten sei in gröster Eil und Verwirrung in Schiffen über die Loire. Beauchamp, einer ihrer Anführer, starb sogleich nach der Ueberfahrt an seinen Wunden; sein Tod ist für uns so viel wehrt, als ein erfochtener Sieg; Delbeck, ein anderer von ihren Chefs, ist am äussersten. Wir können nun sagen, das Departement der Vendee existiere nicht mehr; denn das Land, worinn wir gesieget haben, ist nichts weiter, als eine grosse Wüste, wo man, Cholet, Mortagne und St. Florent ausgenommen, nichts weiter antrift, als Hauffen von Asche und Leichnamen. Die Ueberreste der Rebellen Armee hatten sich jenseits der Loire bey Ancenis gesammelt; wir griefen sie an und nahmen ihnen abermals 11. Kanonen weg. Nun verfolgen wie sie; und man sagt, sie ziehen sich gegen Cande zurück. In dieser Nacht brechen wir auf, um sie zwischen dieser Stadt und Laval abzuschneiden; und wir werden nicht ruhen, bis wir sie ganz ausgerottet haben.
Gestern ist Brissot und die übrigen ehmaligen Conventsglieder, welche in Verhaft genommen worden, zum erstenmahl vor dem Revoluzions-Tribunal erschienen. Die vom allgemeinen Sicherheits-Comitte gegen sie ausgefertigte Akkusazions-Akte ist sehr weitläufig; aber von dem was in ihrem ersten Verhör vorgekommen ist, sagen die neuesten Zeitungs-Nachrichten noch nichts.
Von den Ereignissen an den niederländischen Gränzen oder bey der Nord-Armee sind in der gestrigen Session nachfolgende Berichte verlesen worden: Aus Arras berichten die dortigen Volks-Representanten vom 22ten: General Ranzonnet habe ihnen gemeldet, daß Marchiennes nach einem 10. stündigen hartnäckigen Gefecht von unsern Truppen eingenommen worden sey: unter gleichem datum meldet ein Volks-Representant aus dem Haupt-Quartier Croix Blanche: Unsere Truppen stehen vor und hinter Menin, und haben einige 100. Hannoveraner und Engelländer zu Kriegsgefangenen gemacht. Der General Vendame schreibt eben auch vom 22. aus Fürnes: Er habe die Feinde von da vertrieben und sich dieser Stadt bemächtiget; Morgen gehe er auf Nieuport und übermorgen auf Ostende los. Costagnet, der Commandant der Flotte in Dünkirchen, werde ihn bey dieser Unternehmung unterstüzen, und Ostende von der Seeseite anareiffen, während den er es zu Land angreiffe.
Barrere hat in einer der leztern Seßionen dem N. C. im Namen des Wohlfahrts-Comitte nachfolgende allgemeine Vorstellung von dem gegenwärtigen militarischen Zustand Frankreichs mitgetheilt: Couthon schreibt vom 16. aus Ville-Affranchie, dem vormahligen Lyon, das Dekret, diese Stadt betreffend, sey von ihm und seinen Collegen mit Bewunderung aufgenommen worden und es soll von ihnen pünktlich vollzogen werden; alle Häuser, worinn die Emigrierten und Revoluzionsgegner gewohnt, sollen auf den Boden niedergerissen werden; es seyen keine 10. von den Rebellen mehr übrig, die man aufsuchen oder zur Straffe ziehen müsse, Virieü und Pressy, ihre Anführer, leben nicht mehr: die übrigen seyen vor den Kopf geschossen worden. -- Seit 8. Tagen habe das Comitte erfahren, daß in den Departement der Lozere, Ardesche und Herault fanatische und royalistische Zusammenrottierungen entstanden, wozu das Dekret betreffend das Aufgebott der jungen Leute den Verwand gegebe'. Aber Chateauneuf-Randon, welcher dem General Cartaux die Armee vor Lyon zuführen solte, habe Befehl erhalte', sich vorher nach diesen Departements zu begeben, um die Ordnung darinn herzustellen und die Revoluzionsgegner zu bestraffen. -- Von den Pyrenäen habe man Nachricht erhalten, daß, während dem die Spanier 10,000. Mann von den westlichen Pyrenäen zu ihrer Armee vor Bellegarde marschieren lassen wolten, unsere Generalen von der Armee bey St. Jean Pied-de-Port Anstalten zu den Winter-Quartieren gemacht; aber diese treulosen Generalen nebst den übrigen Verräthern seyen bereits in Verhaft genommen worden; -- Bordeaux habe nur die Larve des Patriotismus angenommen, und die Rückkehr dieser Stadt zur Einheit der Republik sey blosse Verstellung gewesen. Aber die Revoluzions- und Republikanische Armee von Reole werde nun in dieselbe einmarschieren, und bald werden alle dortigen Müscadins entwafnet seyn. -- In Ansehung der Nord-Armee könne das N. C. vollkommen ruhig seyn, von Dünkirchen bis Maubeuge sey nichts zu befürchten. -- Der neuliche Verlust bey der Rhein-Armee, eine Folge von Verrätherey, werde nächstens wieder ersezt werden -- In Toulon bestehe die gegenwärtige feindliche Kriegsmacht aus 10,000. Mann, und 14000. werden noch erwartet. Mit dieser Armee von 24. bis 25000. Mann wollen die Engelländer auf den General Cartaux losgehen; weil sie aber einen ansehnlichen Theil derselben zur Besezung der Forts würden zurüklassen müssen, so sey von derselben für die Republik keine grosse Gefahr zu besorgen. -- Von einem Angrif auf Toulon ist übrigens bisher noch nicht die Rede. Die Engl. Flotte in Brand zu steken, dürfte schwehr seyn, weil sie sich in ziemlicher Entfernung halte. -- Nach Anhörung dieser Berichte wurde auf den Vorschlag des Comitte in Ansehung der rebellischen Städte im Innern des Landes und an den Gränzen dekretiert: Jede Stadt, welche nicht vor ihrer Uebergabe einen Sturm ausgehalten, soll geschleift und _ur die Festungswerke übrig gelassen werden; in den für rebellisch erklärten Städten sollen keine Manufakturen, National-Etablissements noch Magazine von Lebens-Mitteln seyn, u. s. w.
Paris, vom 28. Weinmonat. [34]
Das N. Convent erhielt in seiner Seßion am 26. dieses von den Volks-Representanten Isabeau, Tallien und Rousseau die Nachricht, daß sie am 17. in Bordeaux angekommen und von den dortigen Sans Cülottes mit grossen Freudens-Bezeugungen empfangen worden seyen. Sie haben sogleich am folgenden Tag mit der Vollziehung der Dekrete den Anfang gemacht; die Entwafnung der verdächtigen Einwohner habe ihren guten Fortgang und werde den republikanischen Truppen einen ansehnlichen Waaffen Vorrath liefern. -- General Cartaux, Befehlshaber der Armee vor Toulon meldet unterm 17. dieses: Eben da die republikanischen Truppen die Einnahm von Lyon durch Freudens-Bezeugungen gefeyret, seyen die Feinde in 5. Kolonnen ungefehr 5000. an der Zahl zum Vorschein gekommen, aber mit einem Verlust von 300. Mann an Todten und Verwundeten zurük getrieben worden. -- Ein Schreiben des Generals Souham, der eine Division von der Nord-Armee kommandiert, aus dem Haupt-Quartier in Menin vom 23. berichtet, daß diese Stadt nebst Roncq und Comines und den feindlichen Posten Warneton und Warwick von unsern Truppen eingenommen worden sey. Von dem General Echelle, Ober-Befehlshaber der westlichen Armee, hat man in einem Schreiben aus Nantes vom 23. die Nachricht erhalten: Die Division von Nantes befinde sich in 2. Colonnen auf dem Marsch; die eine unter West_rmann nach Rennes, und die andere nach Ancenis; die Royalisten flüchten sich vor beyden, ohne sich in ein Gefecht einzulassen; sie scheinen die Absicht zu haben, irrgendwo eine Colonne zu etabliren, denn sie haben 4500. Weiber und Kinder bey sich, aber man habe alle Maasregeln genommen, sie in kurzer Zeit gänzlich auszurotten. -- Das N. C. hat in dieser Seßion auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Comitte dekretiert, daß die in der gegenwärtigen Zeit sonst gewöhnliche neue Besezung der Munizipalitäten für diesmahl nicht vor sich gehen, sondern bis auf weitern Befehl eingeste_t worden soll, aus Besorgniß, die Opposizions Parthey möchte Einfluß darein haben. -- Auch das Conseil der Commüne hat von seinen Commissarien in Bordeaux die Nachricht erhalten, daß die Volks-Representanten in Begleitung von mehrern tausend Mann und einer Anzahl Kanonen daselbst angekommen seyen. Sie haben sogleich die Revoluzionarische Regierungsform proklamieren und den Einwohnern anzeigen lassen, daß sie alle Maaßregeln die sie zur Sicherung der Freiheit in dieser Stadt nöthig fänden, mit der grösten Strenge würden vollziehen lassen. Bordeaux wurde als im Zustand der Belagerung sich befindend deklariert, und die einsweilige militarische Regierung ließ den Einwohnern anbefehlen, daß sie innerhalb 24. Stunden alle ihre Waaffen in das Schloß Trompette abliefern sollen, bey Straffe für verdächtig erklährt und als solche behandelt zu werden. Dieser Befehl hatte die Wirkung, daß am folgenden Tag so viele Flinten, Pistolen, Säbel Piken u. s. w. abgeliefert wurden, womit man wohl 100,000. Mann bewafnen könnte. Der Preiss aller Waaren wird aufs strengste beobachtet, und alle Ausländer, selbst diejenigen, die schon seit 30. Jahren in Bordeaux wohnten, sind in Verhaft genommen worden.
Aus Nimes wird unterm 27. von einem dortigen Volks-Representant berichtet: Das Departement dü Gard wimmeln von Royalisten, die sich verborgen halten aber aufs sorgfältigste aufgesucht werden; sie haben aus den Deserteurs der Departements de l'Ardeche und dü Gard eine zusammenrottierung errichten wollen, welche sehr gefährlich hätte werden können, wenn man sie nicht sogleich aus einander gejagt hätte; ihre beyden Chefs, Gregüt und Chabillat, seyen mit den Waaffen in der Hand gefangen und militarisch exequiert worden. Um diese Zusammenrottierung vollends zu zerstreuen, sey Befehl gegeben worden, die Vätter und andere Anverwandte der Söhne, welche ihre Battaillons verlassen und die Munizipalitäts-Glieder, welche die Desertion begünstiget haben, in Verhaft zu nehmen. In der gestrigen Seßion erhielt das N. C. von seinem Mitglied Bourbotte bey der westlichen Armee aus Chateau-Gouthier vom 26. ein Schreiben, worinn er meldet: Unsere Avant-Garde 3000. Mann stark, ist am 24. dieses von Angers aufgebrochen, um den Rebellen auf ihrem Marsch zu folgen; am 25. kamen wir hier an, wo die Feinde eben weggezogen waren, um sich nach Laval zu begeben, welches sie auch nach einem kleinen Gefecht mit unsern Truppen erreichten. Wir marschierten ihnen sogleich nach. Die Feinde hatten sich während der Nacht in einen Hinterhalt gelegt, aus welchem sie auf uns schossen, ohne uns grossen Schaden zu thun. Das nächtliche Gefecht daurte 2. Stunden, und wir wurden darinn einen vollkommenen Sieg erhalten haben, wenn unsere Cavallerie Detaschementer ihre Schuldigkeit gethan hätten. Unser Rükzug hieher geschah indessen in guter Ordnung. -- In eben dieser Seßion wurde ein Schreiben von dem Vols Representanten St. Michel aus Calvi in Corsika vom 5. dieses verlesen, worinn er berichtet, daß 4. Engl. Schiffe in der Bucht von St. Florent einen Angrif versucht haben; sie haben sich zuerst eines Thurms am Eingang der Bucht bemächtiget und 100. Mann ans Land gesezt, welche sich mit den Corsikanern, die Paoli dorthin habe marschieren lassen, vereinigten und eine Anhöhe besezten; aber der Commandant von St. Florent habe einen Ausfall gethan und die Engelländer und Paolisten in die Flucht gejagt. Am 1. dieses Monats haben 3 feindliche Linien-Schiffe den Thurm bey Forneli beschossen; aber unsere Batterien haben das Feur lebhaft erwiedert, und durch glühende Kugeln eins der feindlichen Schiffe in Brand gesteckt; worauf sie sich alle aus der Bucht entfernt haben. Das sind alle in den leztern Convents-Seßionen eingelauffenen Nachrichten.
Paris, vom 1. Wintermonat. [35]
In der Seßion des N. Convent am 27. des vorigen Monats wurde ein Schreiben der Volcks-Representanten, Isabeau und Tallien, aus Bordeaux verlesen, worinn sie unter anderm sagen: Man habe mit der Bestraffung der dortigen Strafbahren den Anfang gemacht, und werde nicht eher damit aufhören, als bis alle Verräther ausgerottet seyen. Ein gewisser Lauvaugüyon, der Urheber von der Uebergabe von Toulon, sey kürzlich durch die Güillotine hingerichtet worden. Biroteau, ehmahliges Convents-Glied, sey im Verhaft, und weil er bereits durch ein Dekret des N. Convents des Schuzes der Geseze verlustig erklährt worden, so werde er unverzüglich hingerichtet; Düpre hingegen, der Brissots Vertrauter war, dem Revolutions-Tribunal in Paris überliefert werden. -- Ein anderes ebenfalls in dieser Seßion verlesenes Schreiben der Volcks-Representanten bey der Armee in Italien vom 22. Oktober meldet einen Sieg, welchen unsere dortigen Truppen über die Piemontesischen bey Gilet am 18ten erhalten haben sollen. Es seyen nemlich 700. Republikaner von 4000. Piemontesern angegriffen, diese aber von jenen mit Verlust von 80. Gefangenen und vielen Todten zurückgetrieben worden. Am darauf folgenden Tag haben die Republikaner die Piemonteser angegriffen und sie nach einem von 4. Uhr Morgens bis Mittag daurenden Gefecht gänzlich geschlagen; sie sollen viele Leute und unter anderm 400. an Gefangenen verlohren haben, unter denen sich auch ein Neapolitanischer Prinz befinde; nach einem andern Bericht ist dieses der Sohn des Neapolitanischen Bottschafters in Turin.
Von dem vormahligen Lyon berichten die dortigen Volks-Representanten, daß man mit dem Dekret, betreffend das Niederreissen der prächtigen Wohnungen der reichen Lyoner, bereits den Anfang gemacht habe, und wircklich 800. Arbeiter damit beschäftiget seyen; nächstens wollen sie in eigner Person den Hammer nach Paris überbringen, welcher bey dieser Arbeit die ersten Dienste gethan habe: übrigens wär es sehr nöthig, ächte Republikaner dorthin zu schicken, um den noch immer nicht ganz erloschenen Geist des Royalismus vollends zu ersticken. Das soll dann auch zufolg einer vom N. Convent genehmigten Verfügung des Wohlfahrts-Com'itte (welches gegenwärtig Franckreich beherrscht) geschehen.
November.[]
Paris, vom 4. Wintermonat. [36]
Das N. Convent hat in seinen 3. leztern Seßionen am 1., 2. und 3. dieses Monats keine nur einigermassen interessante Nachrichten von den Armeen erhalten und die neuesten Berichte von hier aus sind überhaupt diesmahl sehr sparsam und unbedeutend. -- Von dem Verfahren unserer Truppen in Menin und der dortigen Gegend zeuget ein Schreiben von dem Volcks-Representanten Isaure aus Lille vom 3. Oktober, worinn er unter anderm sagt: Wenn Coburg den Werth der Reliquien, Glocken, Mobilien und Magazine, die sich in Menin befanden, wissen will, so dörfte er sich nur an die Administration des Distrikts von Lille wenden. Menin und die umliegenden Oerter haben der Republick bey 10. Millionen eingetragen. Coburg, (welcher in diesem Zusammenhang sehr sonderbahr ein Ungeheuer genannt wird) sey darüber gewaltig aufgebracht, und habe gegen die Dörfer um Lille her einen neuen Hauffen von Sclaven anrücken lassen. Er wolle sich schlagen; aber (sagt Isaure) wir wollen nicht; denn man muß ihn nicht gewöhnen, nur nach seiner Weise zu handeln.
Von Nantes berichten die dortigen Volcks-Representanten sie haben Coustard, auch einen von den proscribirten Convents-Deputierten, aufgefunden und schicken ihn wircklich nach Paris. -- In der Seßion am 1ten dieses erschien vor dem N. Convent eine Deputation von der Bürgerschaft in Nevers und überbrachte ein grosses silber-vergoldetes Kreuz, 2. Bischoffs Stäbe und 17. Kisten voll Kirchen-Geräth; unter diesen Reliquien und Kostbarkeiten, die auf einige Millionen geschäzt werden, befand sich auch eine Herzogs Krone von vergoldetem Silber, welche ein Gerichts Diener auf Befehl des N. Convents mit den Füssen in Stücken zertretten mußte.
Weil die Administrationen in der Nachbarschaft von Laval, wohin sich die Royalisten aus dem Departement der Vendee begeben, keine Verfügungen getroffen hatten, sie an ihrer dortigen Ausbreitung am rechten Ufer der Loire zu verhindern, und sie sogar von einigen Commünen ohne Widerstand aufgenohmen worden sind; so hat das N. Convent dekretiert, daß künftig dergleichen Ortschaften, eben so wie die Gränz-Städte, die sich ohne einen Sturm ausgehalten zu haben, an den Feind ergeben, geschleift werden und das Vermögen ihrer Einwohner der Republick anheim fallen soll.
In der vorgestrigen Seßion stattete Bodeau, der als Volcks-Representant im Departement der Gironde gewesen (welches künftig nicht mehr so, sondern Bec d'Ambes heissen soll) dem N. Convent mündlich Bericht ab von dem dortigen Zustand der Sachen. Die Revolution sey nun für immer dort eingeführt; alle Mitglieder des dortigen Wohlfahrts Committe, von denen sich 8. hier in Paris befinden und 3. heute vom Revolutions-Tribunal zum Tod verurtheilt worden, seyen im Verhaft; einer von ihnen, der gewesene Maire von Bordeaux, sey hingerichtet worden; Biroteau habe, als er zum Tod geführt wurde, gesagt: die gegenwärtige Regierungs-Form stehe um nicht an, und wenn seine Parthey triumphiert hätte, so würde er alle Convents-Glieder von der sogenannten Montagne haben hinrichten lassen; die Entwafnung der Einwohner von Bordeaux sey nun vollendet und man habe vermittelst derselben 20000. Flinten zusammen gebracht, die unsern Truppen an den Pyrenäen zugeschickt werden sollen. Auf den Vorschlag dessen, der diesen Bericht abgestattet, wurde dekretiert, daß alle in den Gefängnissen von Paris befindliche Theilnehmer an der Verschwörung im Departement der Gironde nach Bordeaux, und eben so die Lyoner Revolutions-Gegner nach Ville-Affranchie überschickt werden sollen, um zum Schrecken der Verräther dort zur Straffe gezogen zu werden.
Paris, vom 8. Wintermonat. [37]
Die übrigen politischen und militarischen Nachrichten von hieraus sind auch diesmahl weder zahlreich, noch wichtig. Laloi ist seit gestern President des N. Convents. -- In der Seßion am 9. dieses stattete Barrere im Namen des Wohlfahrts-Comitte einen Bericht ab von dem gegenwärtigen Zustand der Ueberbleibsel, wie er's nannte, von der Cathol. Armee, oder den Royalisten im Departement der Vendee. Dieser Schwarm von Flüchtlingen, sagte er, sey jzt im Besiz von dem Departement der Mayenne; sie haben da für eine kurze Zeit eine Consistenz bekommen, und suchen einen Ausgang, aber keinen festen Siz. Aus den verschiedenen eingelauffenen officiellen Berichten erhelle, daß, da das Departement der Sarthe schleunig eine 25000. Mann starke republikanische Armee mit Waaffen und Lebens-Mitteln versehen, die Rebellen es nicht gewagt haben, einen Einfall in dasselbe zu thun; die Maynzer-Armee in Angers halte sie zurük, und so werden sie es nicht versuchen über die Loire zurük zu gehen; Rennes und die übrigen westlichen Städte seyen auch bewafnet, um gegen sie zu fechten. Ein anderer Bericht melde, sie haben Laval geräumt; jzt befinden sie sich in Domfron, und scheinen die Absicht zu haben, auf Avranches loszugehen. Ueberhaupt habe das Comitte Maaßregeln genommen, um sie am Uebergang über die Loire zu verhindern, und Befehl ertheilt, sie nächstens anzugreiffen. -- Der Volks-Representant Merlin ist aus dem Departement der Vendee zurük gekommen, und hat in der vorgestrigen Seßion ebenfalls Bericht von dem dortigen Zustand der Sachen abgestattet. Dieses Departement sey, Cholet und einige Dörfer ausgenommen, ein Aschenhauffe; durch eine unbegreifliche Verrätherey haben 7000. Franzosen das linke Ufer der Loire nicht genugsam bewacht, und so seyen 10,000. von den Rebellen über diesen Fluß paßiert; aber nun machen sich die dortigen Departements mit gesamter Macht auf, um sie vollends auszurotten. -- Von Mez berichten die dortigen Volks-Representanten, sie haben alle gut gesinnten Bürger aufgebotten, um gegen den Feind zu marschieren, und ihr Aufgebott habe die beste Wirkung gehabt.
In der gestrigen Seßion that der Kriegs-Minister dem N. Convent die Anzeige, daß der Brigade-Chef Delattre bey der Armee an den östlichen Pyrenäen einen Einfall in das Spanische Gebiet gethan habe. Er brach am 5. dieses mit etwann 1200. Mann von Collioure auf. Bey ihrer Ankunft in Bagnoles fanden sie dort den Feind 1500. Mann stark. Am 6. gab Delattre Befehl zu einem allgemeinen Angriff. Der Feind wurde in die Flucht geschlagen, und verlohr alle seine Vorposten. Unsere Truppen rükten nun vor und kamen nach einem äusserst beschwehrlichen Marsch in das Thal von Cerra, eine halbe Stunde von den Französischen Gränzen. -- In eben dieser Seßion erschien der Bischoff vom Pariser Departement, Gobel, mit seinen Vikarien vor dem N. Convent, um ihren priesterlichen Funktionen zu entsagen, und zu deklarieren, daß sie künftig keinen andern Cultus mehr treiben und predigen wollen, als den der Freyheit und Gleichheit. Der Bischoff und die Vikarien hatten alle rothe Müzen auf dem Kopf, und der erstere empfieng von dem Presidenten die brüderliche Umarmung. Diesem Beyspiel folgten sogleich mehrere Convents-Glieder vom Priesterstand und auch der protestantische Geistliche, Jülien von Toulouse. Fast täglich kommen silberne Heiligen-Bilder und Kirchen-Geräthe von verschiedenen Orten hier an. In einer Gemeine nahe bey Paris sind anstatt der Bildsäulen des St. Petrus und Dyonisius die von Lepelletier und Marat in der Kirche aufgestellt worden.
Paris, vom 11. Wintermonat. [38]
In einem dem N. Convent in der vorgestrigen Seßion mitgetheilten Schreiben berichten die Volck-Representanten in Straßburg: die vornehmsten Verräther, so wohl Generalen, als andere Officiers und Soldaten, welche dem Feind die Linie bey Weissenburg überliefert, haben dafür mit ihrem Kopf auf dem Schaffot gebüßt und diese Einrichtungen haben die ganze Armee elektrisiert.
Baras und Freron schreiben aus Marseille; Diese Stadt sey, wie Paris, ein grosses Zeughaus; über-überall seyen Werckstädte errichtet, wo von einer grossen Anzahl von Arbeitern Flinten verfertiget und Kanonen gegossen werden, die man alle sogleich der Armee vor Toulon zuschicke; die dortigen Kirchen, Schlösser und Magazine haben viel Kupfer und Eisen geliefert; man habe die Gräber und Särge der vormahligen Grafen und Gräfinnen von Provence weggenohmen und ihre Ueberbleibsel an den gewöhnlichen Begräbniß-Ort gebracht; alle alten Schlösser und Monumente der Lehnsherrschaft werden niedergerissen; 20000. bemittelte Bürger von Marseille müssen jeder 2. Hemder für die Armee in Italien liefern, u. s. w. Weil Genua für den in dem dortigen Haven von den Engelländern auf eine französische Fregatte gethanen Angriff noch keine Genugthuung verschafft, so seyen alle in unsern mittägigen See-Häven befindlichen genuesischen Schiffe in Beschlag genohmen worden; die Armee vor Toulon verhalte sich noch immer Defensive bis zur Ankunft der 25000. Mann von Lyon.
Von Angers berichten die Volcks-Representanten bey der West-Armee: Dieselbe habe dort einige Rast-Tage gehalten, um von ihren Siegen und Strapazen auszuruhen, und sich mit neuen Kleidungs-Stücken versehen zu lassen, indem die Soldaten keine Schuhe, Strümpfe und Hemder mehr hatten. Nun werde diese Armee ungesäumt wieder aufbrechen und die Rebellen von allen Seiten einschliessen. Sehr viele Priester und Royalisten haben bereits ihr Leben auf dem Schaffot verlohren, und das gleiche Schicksahl erwarte alle übrigen. -- Indessen scheint es doch fast ausser Zweifel zu seyn, daß unsere Truppen im Departement der Vendee neuerdings Verlust erlitten haben. Die Jakobiner und das Wohlfahrts-Committe beobachten zwar darüber ein tiefes Stillschweigen, aber offentliche Blätter reden davon und melden unter anderm folgendes: Die französische Armee brach aus ihrem Lager zwischen Chateau-Gonthier und Laval auf, fest entschlossen, in diese leztere Stadt einzudringen, wenn die Rebellen sich zur Gegenwehr sezen sollten; die Armee marschirte in der besten Ordnung, als einige Flinten-Schüsse von den im Hinterhalt liegenden Rebellen anzeigten, daß die Avant-Garde angegriffen werde. Bald darauf entstand ein heftiges Musketen- und Kanonenfeuer. Das Haupt-Corps postierte sich rechts und links auf Anhöhen, welche unüberwindlich schienen; aber durch eine unbegreifliche Fatalität nahmen diese Colonnen, anstatt ihre tapfere Brüder zu unterstüzen, welche seit einer Stunde dem Feind Wiederstand thaten, die Flucht eben da man ihrer am meisten bedurfte. Diese Bewegung theilte sich sogleich der ganzen Armee mit; die Generalen gaben sich vergebens Mühe, sie wieder zu sammeln, man zog sich bis nach Lion-d'Angers zurück. Unser Verlust ist beträchtlich: die Generalen Bloux und Beaugüy sind tödlich verwundet.
Düquesnoy, bisheriger Volks-Representant bey der Nord-Armee, ist von dort zurük gekommen und hat in der gestrigen Seßion dem N. C. den Bericht abgestattet, daß er 3. Generalen bey dieser Armee, Merinvü, Gratien und Davesne, nebst dem Commandanten der Stadt Avesnes und mehrere andere Officiers ihrer Stellen entsezt habe. -- In eben dieser Seßion that ein Convents-Glied den Vorschlag, daß jeder Französische Bürger, auch die Volks-Representanten nicht ausgenommen, seinen Vermögens-Zustand im Jahr 1789, nebst dem bisherigen Anwachs desselben angeben, und wer es nicht thue, als Vatterlands-Verräther erklährt werden soll. Aber dieser Vorschlag scheint nicht nach dem Sinn des grössern Theils vom N. C. gewesen zu seyn. Bazire, Chabot, Thüriot und mehrere andere wiedersezten sich demselben, und es wurde auf ihre Vorstellungen wirklich keine weitere Notiz davon genommen. -- Diese Seßion wurde auch noch durch einen besondern Auftritt ausgezeichnet. Die Bildsäule der Vernunft, welche in der bisherigen Hauptkirche von Paris als der nunmehrtige Gegenstand der offentlichen Verehrung feyerlich aufgestelt worden, wurde in das N. Convent gebracht unter Trommelklang und Instrumenten-Schall; die Sektionen und Magistrats-Personen giengen voraus; 4. Bürger trugen die Bildsäule, vor welcher ein Trupp junger weis gekleideter und mit Rosen bekränzter Bürgerinnen hergieng welche sodann einen Kreis um die aufgestellte Bildsäule formierten. Chaumette, Prokureur der Commüne, hielt eine Rede, worinn er verlangte, daß die bisherige Kirche Notre Dame künftig der Tempel der Vernunft genannt werden möchte, welches auch sogleich dekretiert wurde. Zulezt wurde die Bildsäule von dem Thron, worauf sie saß, weggenohmen und zu dem Presidenten hingetragen, welcher sie umarmte. (Was wohl das Original der Statüe zu allem dem gesagt haben möchte?) Endlich kehrte der ganze zahlreiche Zug mit seiner Göttin in ihren Tempel zurück.
Paris, vom 15 Wintermonat. [39]
Das N. Convent erhielt in der Seßion am 10ten dieses von seinen Commissarien bey der West-Armee in einem Schreiben aus St. Gilles sür Vic vom 6ten folgende Nachricht von einem Vortheil, welchen die Französische Armee über einen Theil der Rebellen, welche Charrette in Noirmoutier kommandirte, erhalten haben soll: Die 4. Armeen des Charrette, Jolly, Savin und Düclourly sind von 1200. Mann unserer Truppen geschlagen worden. Wir waren kaum nach nach St. Gilles zurückgekommen, so erhielten wir die Nachricht, daß der Posten von Pas-Opton sich hieher zurückziehe, und daß eine starcke feindliche Colonne anrücke, um uns anzugreiffen. Man lief zu den Waafen, jeder begab sich an seinen Posten; unsere Verschanzungen waren mit 9. Kanonen besezt, und Abends um 8. Uhr kamen die Feinde zum Vorschein. Ein wohl unterhaltenes Feur aus kleinem und grossem Gewehr brachte sie bald zum Weichen. Nach etwan 3. Viertelstunden veränderten die Feinde den Angriff, und indessen ein Theil der feindlichen Colonne den ersten auf der linken Seite unserer Verschanzungen fortsezte, gieng ein anderer Theil auf das Centrum derselben los. Unsere braven Republikaner siegten bald über alle Schwürigkeiten, und da das Gefecht um Mitternacht aufhörte, so dachten wir, es werde bey Tages-Anbruch wieder angehen, vernahmen aber zu unserer Verwunderung durch einen unserer Freywilligen, der gefangen worden, aber wieder losgekommen war, daß die Rebellen in gröster Unordnung die Flucht ergriffen und ihre Anführer vergebens alles angewendet haben, um sie wieder zu sammeln. Nach dem Anblick des Schlachtfeldes zu urtheilen, müssen die Feinde eine grosse Anzahl Verwundeter gehabt haben, sie sind aber, so wie die Todten, weggebracht worden. Von unsern Leuten, sezt der Bericht hinzu, ist auch nicht ein Mann weder getödet noch verwundet worden. -- Wircklich ein sonderbahrer Umstand!
In der Seßion am 11. dieses that Barrere aus der Correspondenz des Wohlfahrts-Comitte dem N. C. die Anzeige, daß die Oesterreicher, um von der durch die schlimme Witterung verursachten Unthätigkeit unserer Truppen an den nördlichen Gränzen zu profitieren, an einigen Orten in dem Distrikt von Reunion sür Oise eingefallen seyen. Bey dieser Veranlassung sey dann am 7. dieses Monats ein Gefecht vorgefallen zum Vortheil der Republikaner, von welchem der General Belair dem Comitte Bericht ertheilt habe in einem Schreiben, worinn er sagt: Der Feind hat uns heute überal angegriffen. Nachdem der Sieg lange Zeit zweifelhaft war, ist derselbe endlich seiner grössern Anzahl ungeachtet zurükgetrieben worden. Aus den Berichten der Spionen, mit welchen auch die Aussagen der Kriegs-Gefangenen übereinstimmen, waren die Feinde 25. bis 30,000. Mann stark. Sie haben viele Leute und noch mehr Pferdte verlohren. Auch auf unserer Seite wurden mehrere Feigherzige, die ihre Waafen weggeworffen hatten, um desto besser fliehen zu können, von den Hulanen zusammengehauen. Ich habe Befehl gegeben, diese Flüchtlinge zu arrettieren und es ist geschehen. -- Bey Gelegenheit dieser Anzeige that Barrere dem N. Convent zugleich zu wissen, daß der General Jourdan gegenwärtig in Paris anwesend sey, um gemeinschaftlich mit dem Wohlfahrts-Committe einen Operations-Plan zu verabreden für die Nord-Armee, welche die schlimme Witterung bisher gehindert haben, ihre vorgehabten Unternehmungen seit dem Entsaz von Maubeuge auszuführen. -- In eben dieser Seßion wurde ein wenige Tage vorher abgefaßtes Dekret wiederruffen, nach welchem die Convents-Glieder nicht eher durch ein Dekret sollen angeklagt werden können, als bis sie verhört worden.
Bazire verlaß in dieser Seßion ein Schreiben von dem Volcks-Representanten im Departement Calvados aus Vire vom 10. dieses, worinn er unter anderm sagt: die Nachrichten von der Stärke der Rebellen-Armee seyen sehr verschieden, nach einigen sollen sie nur noch 15000., nach andern bey 80000. Mann starck seyn; sie leiden aber grossen Mangel an allen Lebens-Mitteln. Bey ihrem Einzug in Fougeres seyen sie von den dortigen Einwohnern guth aufgenohmen worden. Man sage, die Royalisten wollen auf Dole oder St. Malo losgehen; der erstere von diesen Pläzen soll schon in ihren Händen seyn und sie sollen sich nur 2. Stunden von Avranch~s befinden. Auch sollen sie die Absicht haben auf Mont St. Michel loszugehen, um die dort gefangenen Priester in Freyheit zu sezen; sie sollen ungeheur viel Artillerie mit sich führen, welches aber unsere Truppen nicht hindern werde, über sie zu siegen. Zulezt sagt Laplanche: Wir können geschlagen werden, aber die Republick ist nichts desto weniger unzerstörbar.
Noch werden beynahe täglich reiche Schäze von kostbahren Kirchen-Geräthe an das N. Convent überbracht; unter anderm kürzlich aus dem berühmten und an Kostbarkeiten aller Art überaus reichen Benediktiner-Kloster in St. Denis und aus dem ganzen Departement der Nievre. -- Die vorgestrige Seßion endigte sich mit einem komischen Auftritt. Die Bürger einer der hiesigen Sektionen erschienen in Prozeßion vor dem N. Convent, gröstentheils in Priester-Kleidung; in welcher sie den unter dem Namen Carmagnole bekannten Tanz aufführten. Am Schluß der Prozession wurde das Brustbild von dem ermordeten Lepeletier unter einem Baldachin getragen. Der Aufzug erhielt lauten Beyfall, besonders da alle diese Personen vor dem N. Convent ihre Priester-Kleidung auszogen, und sie über die Schranken mitten vor die Versammlung der Volcks-Representanten warffen.
In einer neulichen Versammlung der Jakobiner-Sozietät wurde Laveaux, der ehmalige Verfasser des Courier de Straßburg (in dessen Blättern er fast täglich seine feindselige Gesinnungen gegen die Schweiz an den Tag legte) und jziger Herausgeber des Journal de la Montagne, vorzüglich von Hebert, aber auch noch einigen andern Mitgliedern angeklagt wegen seinen auch in diesem Journal immer noch fortgesezten Verläumdungen gegen die schweizerische Nation deren Redlichkeit in Beobachtung der Neutralität er durch falsche Nachrichten verdächtig zu machen und gegen die er die Franzosen auf eine für sie selbst nachtheilige Weise aufzuhezen suche. Laveaux wußte sich gegen die Beschuldigung nur schlecht zu verantworten. Er gestand, daß er keine Correspondenz in die Schweiz habe, und was er über diese Nation in seinem Pariser-Journal gesagt, blos durch Auszüge aus Nachrichten der Regierungs-Agenten wisse. Sein Ankläger bestand darauf, daß dieser Zeitungs-Schreiber bey dem, was er über die Schweiz geschrieben, verrätherische Absichten gehabt habe; sonst würde er, auch da er noch in Straßburg war, seine Correspondenz, anstatt sie zu publizieren, an das Wohlfahrts-Committe überschickt haben. -- In einer andern spätern Seßion dieser Sozietät wurden die 3. Convents-Glieder Bazire, Chabot und Thuriot Revolutionswiedriger Gesinnungen beschuldiget und beschlossen, von dem N. Convent die Untersuchung ihres Betragens und überhaupt ein ungesäumtes Urtheil über die noch vorhandenen Mitschuldigen Brissots zu verlangen. Dieses Geschah auch in der Seßion des N. C. am 12ten. Aber die Angeklagten Convents-Glieder wußten sich zu rechtfertigen und für jezt wenigstens dem ihnen drohenden Schiksal zu entgehen. Zugleich wurde dekretirt, daß das Sicherheits Comitte ungesäumt einen Rapport über die 64. Convents-Glieder abstatten soll, welche vor einiger Zeit zufolg eines Dekrets in Verhaft genommen worden. -- Nach einem andern vorgestern abgefaßten Dekret soll von nun an alles gemünzte und ungemünzte Gold und Silber, alle Diamanten und andere Edelsteine, goldene und silberne Galonen und alle Mobilien von Wehrt, die man in Kellern oder in der Erde, oder wo es immer seyn mag, vergraben oder sonst verborgen, und da gefunden hat oder noch finden wird, für die Republik konfiszirt seyn, und wer etwas dergleichen entdeckt und anzeigt, bekommt zur Belohnung den zwanzigsten Theil des Wehrts der Sache an Aßignaten.
General Houchard hat aus seiner Gefangenschaft an das N. C. nachfolgenden Brief geschrieben: Ich habe 82. Kanonen erobert, und werde angeklagt; ich habe 3. Generalen erlegt, und werde angeklagt; ich bin niemahls geschlagen worden, und werde angeklagt; ich habe mit 15000. freyen Männern 30,000 Sclaven geschlagen und werde angeklagt. Is ist zu meiner Rechtfertigung nöthig, daß verschiedene Zeugen angehört werden, die sich jzt bey den A~meen befinden; wird man mir wohl eine Gunst verweigern, die den Lamarliere bewilliget worden ist? -- Das N. C. nahm von diesem Schreiben keine Notiz. Das Revoluzions-Tribunal und Vertheidigung gehöre, bey Handen, und werde ihm sein Recht wiederfahren lassen. -- Dieses furchtbare Tribunal hat abermahls 6. Personen zum Tod verurtheilt und hinrichten lassen. Unter denselben befindet sich auch der General Brünet, gewesener Ober-Befehlshaber von der Armee in Italien, welcher gestern verurtheilt worden, und heute wird hingerichtet werden. -- Gegenwärtig ist der so oft in diesen Blättern genannte Manuel im Verhör vor dem Revolutions-Tribunal. -- Zufolg eines vorgestern im Conseil der Commüne gethanen Vorschlags sollen alle Kirchen-Thürme in ganz Paris niedergerissen werden, weil sie den Grundsäzen der Egalität zuwieder zu seyn scheinen. -- Zufolg eines gestern abgefasten Dekrets wird nun auch die gewesene Gemahlin des vormahligen Herzogs von Orleans nach Paris gebracht.
Noch verdient folgendes Schreiben der Volks-Representanten Lequinio und Laignolot aus Roschefort, welches kürzlich in dem N. C. verlesen worden, dem Publikum mitgetheilt zu werde': "Abermals, so schreiben sie, abermals ein moralischer Triumph über ein dummes Vorurtheil! Wir haben hier ein Revolutions-Tribunal, wie das in Paris, errichtet, und selbst alle Mitglieder desselben ernannt, ausser demjenigen, welcher die ganze Prozedur beschliessen muß; nemlich dem Güillotin_ur; (so nennen sie den Scharfrichter.) Wir wollten den Bürgern von Roschefort die Ehre lassen, sich freywillig als Rächer der von Böswichtern verrathenen Republik zu zeigen; nur zeigten wir der hiesigen Popular, daß heißt, Jacobiner-Gesellschaft dieses Bedürfniß an. "Ich, rief sogleich mit edelm Enthusiasmus den Bürger Ance. Ich wünsche mir die Ehre, den Mördern meines Vatterlandes die Köpfe abzuschlagen." -- Kaum hatte er's gesagt, so standen andere in gleicher Absicht auf, und verlangten wenigstens, seine Gehülfen zu seyn. Wir ernannten den Bürger Ance zum Guillotineur, und luden ihn bey uns zum Mittagsessen ein, um seine Bestallung schriftlich zu empfangen. Vermuthlich werden ihm die Richter nächstens Gelegenheit verschaffen, einen praktischen Beweis von dem Patriotismus zu geben, womit er sich über die bisherigen Vorurtheile hinausgesezt hat."
Paris, vom 18. Wintermonat. [40]
Ein in der gestrigen Seßion des N. C. verlesenes Schreiben der Volks-Representanten im Departement der Niedern-Seine aus Rouen vom 13. dieses berichtet: daß der vormahlige Minister Roland, dessen Frau kürzlich vom Revoluzions-Tribunal zum Tod verurtheilt worden, 5. Stunden von eben genanntem Ort auf der Landstrasse von Paris dorthin tod gefunden worden sey. Allen Umständen nach habe er sich selbst ums Leben gebracht. Man habe bey ihm eine schriftliche Rechtfertigung seines Lebens und Todes nebst einer Anzeige der Beweggründe des leztern gefunden; ferner zwey Carten oder Billet von der Sektion, wo er in Paris wohnte, und eine Addresse an eine Person in Rouen, bey welcher er vermuthlich den Einkehr habe nehmen wollen; und die dann auch sogleich in Verhaft genommen worden sey; und endlich einen Stok mit 2. Dolchen, womit er sich das Leben genommen habe. Es sey an dem Ort, wo man ihn gefunden, begraben worden.
Das Wohlfahrts-Comitte ließ in dieser Seßion dem N. C. die Anzeige thun: daß man eine Verrätherey entdekt habe, durch welche Givet den Oesterreichern, die deßwegen bereits 5000. Mann stark dieser Festung sich näherten, haben überliefert werden sollen. Ein gewisser Liancourt sey der Haupt-Urheber dieses Projekts gewesen; habe aber noch Zeit und Gelegenheit gefunden, zu den Feinden überzugehen. Indessen sey nun der verrätherische Plan vereitelt und Givet gerettet. Die dortige Popular-Sozietät und die konstituierten Autoritäten haben alle erforderlichen Verfügungen getroffen, um weitere Nachrichten von der Sache einzuziehen und mitzutheilen.
Das N. C. hat das Andenken von dem Chevalier Labarre und Calas, welche beyde vor mehrern Jahren, jener in Amiens und dieser in Toulouse, als Opfer des damaligen religiosen Fanatismus gefallen, auf eine ehrenhafte Weise wieder hergestellt, den Erben des erstern sein damals konfisziertes Vermögen wieder zuerkannt, und in Ansehung des leztern unter anderm verordnet, daß in Toulouse auf dem Plaz, wo er hingerichtet worden, eine Säule errichtet werden soll mit der Inschrift: Der Natur und der Vatter-Liebe.
In der vorgestrigen Seßion hat Robespierre im Namen des Wohlfahrts-Comitte dem N. C. einen weitläufigen Rapport über die gegenwärtige Situation von Europa in Beziehung auf die Französische Republik abgestattet, und am Schluß desselben ein Projekt zu nachfolgendem Dekret vorgelegt, welches sogleich einmüthig genehmiget worden ist: 1) Das N. Convent deklariert im Namen des Französis. Volks, daß die Französis. Republik fest entschlossen sey, sich gegen ihre Feinde furchtbar, gegen ihre Allierten edelmüthig und gegen alle Völker gerecht zu beweisen; (2 Die Verträge, welche das Französis. Volk mit den vereinigten Amerikanischen Staaten und den Schweizer-Cantons verbinden, sollen treulich gehalten werden; 3) Was die Abänderungen betrift, die durch die Revoluzion nöthig geworden, welche die Regierungsform der Französis. Nation verändert hat, und durch die allgemeinen und ausserordentlichen Maaßregeln, die sie auf eine zeitlang zur Vertheidigung ihrer Unabhängigkeit und Freiheit zu nehmen genöthiget worden, so verläst sich in Ansehung derselben das N. C. auf die Redlichkeit ihrer Allierten und auf das gegenseitige Interesse Frankreichs und seiner verbündeten; 4) das N. C. befielt den Bürgern und allen Civil- und Militar-Beamteten der Republik das Gebiet aller neutralen und allierten Nationen zu respektieren und dafür zu sorgen, daß es respektiert werde; 5) Ganz besonders verbietet dasselbe, das Gebiet der Schweizer-Cantons, und der Länder, die durch Allianz-Verträge oder Mitbürgerschaft mit ihnen verbunden sind, zu verlezen; 6) Dem Wohlfahrts-Comitte wird aufgetragen, die Mittel ausfündig zu machen, um die Bande der Einigkeit und Freundschaft zwischen der Republik und ihren Allierten noch fester zu knüpfen, und den neutralen Mächten den Genuß aller Vortheile der Neutralität zu verschaffen; 7) Immer wenn von besondern Gegenständen respektiver Anforderungen die Rede ist, wird dasselbe auf alle Weise, wenn es nur immer nach den dringenden Umständen, worinn sich die Republik befindet, geschehen kan, den Cantons und den vereinigten Amerikanischen Staaten, die Gesinnungen der Billigkeit, der Wohlwollens und der Achtung zu erkennen geben, wovon die Französis. Nation gegen diese beyden Nationen beseelt ist; 8) Gegenwärtiges Dekret und der Rapport des Wohlfahrts-Comitte sollen gedrukt, in alle Sprachen übersezt, und in der ganzen Republik, so wie auch in auswärtigen Ländern verbreitet werden -- Auf Barreres besondern Vorschlag wurde noch weiter dekretiert, daß der von Robespierre abgestattete Rapport von dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten durch einen ausserordentlichen Kurier an die Schweizerische Nation überschikt werden soll.
Paris, vom 22 Wintermonat. [41]
In der Seßion am 18. dieses wurde vor dem N. C. nachfolgendes Schreiben der vormahligen Duchesse von Bourbon aus Marseille, wo sie gegenwärtig in Verhaft ist, verlesen, und sodann dem Sicherheits-Comitte zu weiterer Beurtheilung übergeben: "Ich habe mich, schreibt sie, entschlossen, mein ganzes Vermögen der Nation zu übergeben. Schon lange sehne ich mich nach der Freiheit; ich darf sagen, daß mein Herz rein ist, so wie meine Handlungen, und ich geniesse in meiner Gefangenschaft wenigstens das Glük, daß ich denken kan, nichts anderes gethan zu haben, als was meinen Mitbürgern vortheilhaft ist. Ich habe meinen Obliegenheiten gegen meine Creditoren und diejenigen, die in meinen Diensten waren, ein Genügen geleistet, und kan also über mein Vermögen disponieren; das Kapital desselben belauft sich über 11. Millionen Livres, und also betragen die Zinsen über 400,000. Livres. Ich bestimme dieselben zur Unterstüzung der Wittwen und Waysen u. der Vertheidiger des Vatterlandes; alles, was ich mir dafür ausbitte, ist die Erlaubniß, mich an irgend einen Ort in der Republik zu begeben, wo ich in Ruhe die Annehmlichkeiten der Freiheit in Gesellschaft einiger Freunde geniessen könne, deren Patriotismus bewährt ist."
Robespierre hatte schon in seinem jüngst erwähnten Rapport über Frankreichs Lage in Beziehung auf das übrige Europa zu verstehen gegeben, daß man von Seite der auswärtigen Feinde der Republik Versuche mache, diejenigen Convents-Glieder durch Bestechungen zu gewinnen, die man allenfals für fähig halte, sich durch dieses Mittel gewinnen zu lassen. Nun soll das allgemeine Sicherheits-Comitte, zufolg eines in seinem Namen im N. C. abgestatteten Rapports, wirklich ein solches bisher verborgen gebliebenes Projekt entdekt haben; und dem zufolg hat es dem N. C. die Anzeige thun lassen: die beyden Convents-Glieder, Chabot und Bazire haben den Auftrag erhalten, in dieser Absicht Agenten in der Sache zu seyn; sie haben diesen an sie ergangenen Antrag dem Comitte angezeigt, und demselben 100,000 Livres in Aßignaten eingehändiget, als einen Beweis des Complots, zu dessen Ausführung sich 2. andere Convents-Glieder haben wollen brauchen lassen. Diese seyen Launay von Angers und Jülien von Toulouse. (Dieser ist bekanntlich der reformierte Pfarrer, welcher unlängst, als der Bischoff von Paris mit seinen Vikarien den geistlichen Stand niederlegte, einer der ersten war, die diesem Beyspiel folgten.) Alle diese 4. Convents-Glieder, so wohl die Angeber Bazire und Chabot, als die Angeklagten Jülien von Toulouse und Launay von Angers sind auf Veranstaltung des Sicherheits-Comitte in Verhaft genommen worden, und das N. C. hat diese Verhaftnehmung durch ein Dekret bestätiget. -- Zufolg eines andern bey dieser Veranlassung abgefasten Dekrets, soll das Comitte, welches mit den Ankaufs-Verträgen zu thun hat, unverzüglich einen Rapport abstatten über diejenigen Convents-Glieder, welche direkt oder indirekt Antheil genommen haben an den Ankaufs-Verträgen, welche die Verprofiantierung der Armeen angehen.
Nun solte auch noch von Seite des Wohlfahrts-Comitte der bereits in der nächst vorhergehenden Seßion angekündigte Rapport oder Gutachten abgestattet werden, betreffend die zunehmende revoluzionarische und republikanische Verfügung, um der Regierung den Nachdruk und die Wirksamkeit zu geben, welche ihr bisher in diesem kritischen Zeitpunkt noch mangelten. Billaud-Varennes trat auf um diesen Rapport abzustatten, aber er wurde aus Mangel reiner Luft in der Versammlung von einer Ohnmacht überfallen und muste sich für einige Zeit aus dem vollen Versammlungs-Saal entfernen. Als er sich wieder erholt hatte, betrat er von neuem den Rednerstuhl, vollendete seinen Rapport, (der zur Mittheilung in diesem Blatt zu weitläufig ist) und legte am Schluß desselben das Projekt zu einem Dekret vor, welches aus verschiedenen Abtheilungen besteht, deren jeder mehrere Artikul in sich begreift. Die Berathschlagung darüber wurde für diesmahl noch aufgeschoben; indessen soll es gedrukt, unter die Convents Glieder vertheilt und bey nächster Gelegenheit darüber deliberiert werden.
In der Seßion am 19. wurde ein Schreiben von dem Volks-Representanten Laplanche aus Coutances vom 17. dieses verlesen, worinn er Nachricht ertheilt von einem Angriff der Rebellen auf Grandville. Sie seyen mit einer furchtbaren Kriegsmacht vor dieser Stadt erschienen; haben dreymahl einen Sturm auf dieselbe gewagt, seyen aber jedesmahl zurückgeschlagen worden. Endlich nach einem 28 stündigen Gefecht s_yen sie in die Flucht geschlagen worden mit Zurücklassung vieler Todten; unter denen sich auch einer von ihren Generalen befinde. -- Der Termin, innerhalb welchem sich die Bürger in Ansehung des gezwungenen Anleihens erklären müssen, ist in dieser Seßion bis auf den 20. Dezember hinausgesezt worde'.
Paris, vom 25. Wintermonat. [42]
Der Bürger Romme ist seit dem 22. President des N. Convents, welches in dieser Seßion von den Volks-Representanten in dem vormahligen Lyon, (jzt auch nicht mehr Ville-sondern Commüne-Affranchie genannt) ein Schreiben erhielt, worinn sie sich über die Verzögerungen bey der Zerstörung dieser Stadt, und über ein Dekret beklagen, wo ein Aufschub in der Verurtheilung eines der dortigen Verschwornen bewilliget worden. -- Das Gesezgebungs- und Finanz-Committe ließ in dieser Seßion dem N. Convent ein Projekt vorlegen, betreffend die Behandlung der Geistlichen, welche ihren Stand niedergelegt haben. Danton, welcher, weil seine auf eine Zeitlang bewilligte Urlaub zu Ende ist, sich wieder in dem National-Convent einfand, unterstüzte das vorgeschlagene Dekret und wiedersezte sich der geäusserten Meynung, nach welcher ihnen gar keine Pension bewilliget werden sollte, als einem unbilligen und unpolitischen Vorschlag. Es wurde also dekretiert: Die Bischöffe, Pfarrer und Vikarien; welche ihren geistlichen Stand aufgegeben haben oder es noch thun werden, sollen von der Republick als eine jährliche Unterstüzung erhalten, wie folget: Diejenigen welche noch nicht 50. Jahr alt sind, 800.; die von 50. bis 70. Jahre 1000., und die von 70. Jahren und darüber 1200. Livres.
Von der Armee vor Toulon wurde berichtet, es komme daselbst täglich Munition und Artillerie an; die Armee verstärcke sich ansehnlich und in Zeit von 8. Tagen werde diese Stadt von allen Seiten angegriffen werden. -- In der vorgestrigen Seßion that ein Mitglied den Vorschlag, daß die von Dümourier an die Oesterreicher ausgelieferten Volcks-Representanten nebst dem bey Maubeuge in feindliche Kriegs-Gefangenschaft gerathenen vormahligen Postmeister Drouet gegen die Prinzen von Leinungen und andere in Nancy, Mez und Paris befindliche Geisel ausgewechselt werden sollen. Aber Levasseur und andere wiedersezten sich eifrigst aller Auswechslung der Volks-Representanten selbst gegen Könige; die alle zusam'en, wie er sagte, keinen französischen Volcks-Representanten wehrt seyen. Es wurde von der Sache keine weitere Notiz genohmen. -- Ein Mitglied verlaß ein Schreiben von dem Sekretär der Volcks-Representanten bey der Rhein-Armee, welcher berichtet: Die Armee der Allierten sey am 16. dieses auf allen Seiten angegriffen und geschlagen worden; die Franzosen haben sich des Dorfs und der Schanze von Wanzenau bemächtiget; Landau werde nächstens entsezt werden; am 18. werde man auf Weissemburg losgehen und die dortigen Linien wieder einnehmen; die Feinde seyen auf 2. Seiten von der französischen Armee und auf der dritten vom Rhein in einen Triangul eingeschlossen, u. s. w. (Der Einnahm von Fort-Louis wird in diesem Schreiben und auch sonst mit keinem Wort erwähnt.) -- In der gestrigen Seßion wurde auf den schon am Tag vorher von dem Convents-Glied Rülh gethanen Vorschlag dekretiert: daß die Kaufleute in den feindlichen Ländern an den Ufern der Sarre und Blies, welche gegenwärtig von den Armeen der Republick besezt sind, verbunden seyn sollen, den Volcks-Representanten bey der Mosel-Armee oder ihren Delegierten ihre Handlungs-Bücher vorzulegen, um daraus einen Auszug zu machen von dem, was sie den Einwohnern von Frankfurt am Mayn schuldig sind und um sie anzuhalten, den Betrag davon in die Kassen der Republick einzuliefern auf Rechnung der zwo Millionen, welche dieselbe an diese Stadt, von welcher die Massakre unserer Waafen-Brüder erleichtert worden, zufolg der von Cüstine ihr auferlegten Contribution zu fodern hat.
Der offentlliche Ankläger bey dem Militair-Tribunal in Straßburg hat einen Bericht an das N. Convent eingeschickt von mehrern über dortige Revolutions Gegner gefällten Todes-Urtheilen; unter anderm über einen Chevalier von Belle-Isle und über den General Isambert, welcher die Haupt-Ursache gewesen seyn soll, warum die Linien bey Weissenburg von unsern Truppen verlassen worden.
Paris, vom 29. Wintermonat. [43]
Die neuesten hiesigen Blätter enthalten von kriegerischen Nachrichten nichts, ausser einige in den leztern Seßionen des N. Convents verlesene Briefe, die Royalisten aus Bretagne und der Normandie betreffend. Zufolg dieser Briefe hätten die Truppen der Rojalisten abermahls hie und da beträchtlichen Verlust erlitten. Unter anderm berichten die Munizipal-Beamteten der Commüne Cancale dem Volcks-Representanten Lecarpentier vom 21. dieses: Sie haben so eben die Nachricht erhalten, daß am Tag vorher die sogenannte Maynzer-Armee die Rebellen bey Dole angegriffen, geschlagen und ihnen ihre Artillerie weggenohmen habe; nunmehr verfolgte sie diejenigen, welche von dem geschlagenen Feind noch übrig geblieben. Es werden von Zeit zu Zeit immer noch Gefangene eingebracht, und nach gewissen, aber doch noch nicht ganz zuverlässigen Berichten, soll sich die Armee von Rennes mit der Maynzer-Armee ~ereiniget haben.
Mirabeau, der einst vergötterte Mirabeau, soll nun, weil er als ein Verräther der Sache des Volcks erfunden wurden, aus dem Pantheon wieder weggeschaft werden, und dem Marat Plaz machen. Dieses wurde in der Seßion am 25. dekretiert, zufolg eines im Namen des Instruktions-Committe von dem Convents-Glied Chenier abgestatteten Rapports; woraus, besonders bey dem Mangel anderer wichtigerer Nachrichten, einige Stellen hier Plaz finden mögen; um so viel mehr, da Mirabeaus Name vormahls so oft in den offentlichen Blättern genannt worden ist. "Bürger! sagte der Rapporteur, ich bin im Begriff, ein strenges Amt zu verwalten und eine lästige Pflicht zu erfüllen, welche die Gerechtigkeit und das Vatterland mit auferlegen. Es ist für ein empfindliches Herz eine Marter, wenn es die Bewunderung von der Hochachtung trennen und die glänzendsten Naturgaben verachten muß; aber wehe auch dem Menschen, der durch Verderbniß erniedriget, in sich selbst Moralität und Genie von einander getrennt hat! wehe der Republik, welche die dem beredten Laster bewiesene Ehrenbezeugungen demselben lassen könnte! wehe dem Bürger, welcher nicht fühlt, daß Talente ohne Tugend nur eine glänzende Plage für andere sind! Ich habe durch das gesagte bereits deutlich genug zu verstehen gegeben, von wem die Rede seyn soll; es ist so viel, als wenn ich Mirabeau genannt hätte. In der That bin ich willens, mit euch von diesem merckwürdigen Mann zu reden, welcher lange Zeit das Zutrauen des Vocks besaß; aber nachher der guten Sache, die er mit so viel Nachdruck vertheidiget hatte, untreu ward; seinen Ruhm für seine äusserliche Glücks-Umstände vergaß, und nun auf weiter nichts dachte, als mit den Materialien der Constitution den Despotismus wieder herzustellen. -- Der Redner beruft sich nun auf einige bey Anlaß des Prozesses gegen den vormahligen König aufgefundene Briefe, woraus erhelle, daß Mirabeau mit dem Hof in Traktaten gestanden sey, und wenn nicht sein Tod dazwischen gekommen wäre, von demselben eine Belohnung für geleistete und noch zu leistende Dienste erhalten und angenohmen haben würde. -- Dieser Rapport wurde mit dem Vorschlag zu einem Dekret beschlossen, welches sogleich in folgenden Ausdrücken genehmiget worden ist: 1) Der Leichnahm des Honore Riquett Mirabeau soll aus dem französischen Pantheon weggeschaft; 2) An dem Tag, wenn dieses geschieht, soll Marats Leichnahm dahin gebracht werden; 3) Das N. Convent, das vollziehende Conseil, die konstituierten Autoritäten und die Popular-Sozietäten von Paris sollen dieser Ceremonie beywohnen; 4) Am gleichen Tag und zu gleicher Stunde soll in der ganzen Republick ein bürgerliches Fest gefeyret werden zu Ehren der Versezung von Marats und Lepelletiers Brustbildern in das Pantheon. -- (Ob nun wohl Descartes Schatten mit dem neuen Gesellschafter zufrieden seyn wird?)
Nun trat Barrere auf, und stattete im Namen des Wohlfahrts-Comitte einen umständlichen Rapport ab über die politische Lage der Republik; welchem zufolg ebenfalls ein Dekret abgefast wurde des Innhalts: Die als Commissarien abgeschikten Volks-Representanten sollen verpflichtet seyn, sich genau nach den Schlüssen des Wohlfahrts-Comitte zu richten. Die Generalen und andere Agenten der exekutiven Vollmacht dörfen sich auf keine Partikular-Ordre beruffen, um sich vermittelst derselben der Vollziehung besagter Schlüsse zu entziehen. -- Während dem oben erwähnten Rapport wurden von Barrere verschiedene Schriften verlesen, um damit zu beweisen, wie sehr das Comitte immer Recht gehabt habe, wenn es verlangte, daß man mit gesammter Macht auf den Feind losgehen müsse, und wie die Nichtbefolgung dieses Plans allemahl auch mit nachtheiligen Folgen begleitet gewesen s_y. Zwey der neuesten dieser Schreiben waren von einem Volks-Representanten aus Rennes vom 22 und 23. dieses Monats. Im ersten wird die oben schon erwähnte Niederlage der Royalisten bey Dole und die Gefangennehmung eines ihrer Chefs berichtet. Das zweite Schreiben hingegen lau_et so;
"Schon oft sind auf unsere Triumphe bald Niederlagen gefolgt; davon haben wir auch kürzlich nur gar zu traurige Proben gehabt. Roßignol ist in vergangener Nacht wieder nach Rennes zurükgekommen, wo er nun seine Armee wieder sammelt. Der Feind hat den Posten Autrain besezt. Boursault, der Morgen von hier abreiset, wird auch umständlichere Nachrichten überbringen; ich habe bisher noch keine einziehen können. Der Muth wahrer Republikaner läßt sich nicht niederschlagen." (Es ist leicht zu errathen, was in Ermanglung genauerer Berichte dergleichen Winke sagen wollen.) Es ist nicht zu läugnen, sezte der Rapporteur hinzu, daß die Rebellen auf der See entweder Sicherheit vor der Straffe oder Unterstüzung suchen; aber nun werden sich zufolg eines Schlusses vom Comitte die dortigen Armeen endlich vereinigen, und von den andern Armeen eine Verstärkung an streitbahrer Mannschaft erhalten; um die Brut der Räuber, Fanatiker und Royalisten vollends auszurotten, die dem Föderalismus ergebenen Departements der Republik zu unterwerden, und an den Küsten behülflich zu seyn zur Ausführung jener kühnen Maasregel, durch welche Georg und Pitt in ihrem eigenen Land zur Straffe gezogen, und die Lebens-Mittel, die sie der Handlung und den Bedürfnissen der Menschen entwendet haben, auf der Themse abgeholt werden sollen.
In der Seßion am 25. ist das Conseil der Com'üne wircklich vor dem N. Convent erschienen und hat verlangt, daß die beyden Kinder des vormahligen Königs in ein gemeines Gefängniß gebracht und seine Schwester, Madam Elisabeth, dem Revolutions-Tribunal übergeben werden soll. Diese Sache ist indessen noch an das Sicherheits-Comitte gewiesen worden.
Dezember.[]
Paris, vom 2. Christmonat. [44]
-- Alle ehmahlige General-Pächter sind kürzlich vom National-Convent zum Verhaft dekretiert und in Port-Royal eingesperrt worden, wo sie an der Berichtigung und Ausfertigung ihrer Rechnungen arbeiten sollen. Ein ähnliches Dekret ist auch in Ansehung der vormahligen Intendanten und General-Einnehmer abgefaßt worden.
Paris, vom 4 Christmonat. [45]
Die neuesten Nachtrichten von hieraus sind weder reichhaltiger, noch interressanter, als es die jüngst mitgetheilten waren. Das National-Convent beschäftiget sich noch immer mit der Beurtheilung und allmähligen Dekretierung der verschiedenen Artikul des von dem Wohlfahrts-Committe vorgelegten Projekts einer provisorischen und revolutionarischen Regierungs-Form, worüber das Dekret am füglichsten alsdann wird mitgetheilt werden können, wenn es einmahl vollständig abgefaßt und genehmiget seyn wird. Als in einer der leztern Seßionen davon die Rede war, rechtfertigte der Rapporteur des Committe, Billaud-Varrenes, eine solche Regierungs-Form gegen die Zweifel, die man allenfalls in Ansehung derselben haben dörfte, mit fol~enden Gründen: Einmahl, da das National-Convent wegen dem gegenwärtigen Krieg die bereits dekretierte und angenohmene Constitution nicht vollziehen könne, so sey eine nachdrückliche Regierungs-Form nöthig, um die Uebelgesinnten, und diejenigen, die noch immer fantastische Gegen-Revolutions-Projekte machen zu ihrer Pflicht anzuhalten; sodann müsse man die konstituierten Autoritäten lehren, die Geseze vollziehen, und dieselben nicht durch gefährliche, wenigstens scheinbare Ausle_gungen zu Veranlassungen w_llkührlicher Entscheidungen zu machen: ferner schieben es die neutralen Mächte nur darum auf, sich zu erklären weil noch keine Regierungs-Form vorhanden sey: und endlich sey es nöthig, um Allianzen mit auswärtigen Mächten zu errichten.
In der gestrigen Seßion that Amar dem National-Convent die Anzeige: Das Sicherheits-Committe sey im Begriff, eine grosse Verschwörung zu entdecken, welche zur Absicht hatte, das National-Convent um alles Ansehen zu bringen. Man habe die zuverläßigsten Beweise davon in Händen. Erst noch vorgestern habe man in der Sache einen wichtigen Schritt gethan. Mitglieder des Committe haben sich in ein Haus in der Vorstadt Poissonniere begeben, und daselbst nach einigen vorgenohmenen Untersuchungen, den Rabaut St. Etienne und Rabaut-Pomier, sein Bruder, entdeckt; (beyde Protestantische Pfarrer, jener in Nimes und dieser in Montpellier; Söhne des unter den Reformierten in Franckreich berühmten Paul Rabaud; und gewesene Mitglieder des National-Convents, die aber ihre Stimme nicht zu des Königs Tod gegeben hatten.) Wir haben, fuhr der Rapporteur fort, ihr Geld und ihre Papiere zu unsern Handen genohmen. Das Geld will nicht viel sagen; aber die Papiere sind ohne Zweifel wichtig. Diese vormahligen Convents-Glieder hatten Paris niemahls verlassen; wiewohl gewisse offentliche Blätter sagten, sie befinden sich in den mittägigen Departements. Jzt sind die beyde in das Gefängniß der Abtey gebracht worden. (Da Rabaud St. Etienne sich unter den zum Verhaft dekretierten Convents-Glieder befunden, und wegen seiner damahligen Flucht bereits des Schuzes des Geseze verlustig erklährt worden; so wird es wohl mit seinem Prozeß und Urtheil keinen langen Anstand haben.)
Paris, vom 9. Christmonat. [46]
Der Bürger Voulland ist seit vorgestern President de N. Convents. -- In der Seßion am 6. wurde auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Committe, um den Gewaltthätigkeiten in Ansehung der Freyheit des äusserlichen Gottesdienstes Einhalt zu thun, ein Dekret abgefaßt nachfolgenden Inhalts: 1) Das N. Convent untersagt alle Gewaltthätigkeiten und Drohungen, die der Freyheit des Gottesdienst entgegen sind; 2) Die Aufsicht der konstituierten Autoritäten und die Thätigkeit der bewafneten Macht soll in diesem Stück bloß auf Maas-Regeln der Sicherheit und Polizey eingeschränckt seyn; 3) Doch will das N. Convent durch gegenwärtiges Dekret den schon gegebenen Gesezen gegen die wiederspänstigen und unruhigen Priester und all diejenigen, welche die offentliche Ruhe stören, nichts von ihrer Gültigkeit benehmen; 4) Noch dadurch irrgend jemand einen Vorwand geben den Patriotismus zu beunruhigen oder die Thätigkeit desselben zu schwächen; 5) Dasselbe fodert alle gutgesinnten Bürger auf, sich aller theologischen Dispüten zu enthalten, und sich nur mit demjenigen zu beschäftigen, was das allgemeine Interesse und die Wohlfahrt des Vatterlandes angeht; 6) Gegenwärtiges Dekret soll nebst der Antwort des N. Convents auf die Manifeste der gegen die französische Republick verbundenen Könige, an alle Haupt-Oerter der Distrikte versendet, von denselben an die Munizipalitäten ausgetheilt und öffentlich verlesen werden. -- (Zum Verständniß dieses lezten Artikuls muß angemerckt werden, daß in einer neulichen Seßion eine von Robespierre verfaßte Antwort von dieser Art genehmiget worden; die aber, sowohl um ihrer Weitläuffigkeit willen, als auch wegen dem darin herrschenden Ton, den man sich leicht vorstellen wird, hier nicht wohl mitgetheilt werden kan.) -- Noch wurden in eben dieser Seßion dem N. Convent von dem Wohlfahrts-Committe Auszüge verschiedener Schreiben aus Tours vom 1. bis 4. dieses Monats mitgetheilt, welche melden: Die Rebellen kehren in ihre Heimath zurück. Die Administratoren von Tours versichern, wenn diese Stadt angegriffen werden sollte, so wollen sie entweder alle sterben, oder die Rebellen zurücktreiben; Roßignols Armee gehe auf sie los. (Von deren neulich erlittenen Niederlage übrigens kein Wort gesagt wird.) Sie seyen am 30. November in Fleche eingezogen. Saumür, glaube man, sey am wenigsten in Gefahr. Die Rebellen seyen willens Angers anzugreifen und ihr Winter-Quartier da zu nehmen, u. s. w. -- General Dügommier berichtet aus dem Haupt-Quartier Ollioulles vor Toulon vom 1. dieses: Die Engelländer haben nebst den übrigen allierten Truppen am Tag vorher einen Ausfall gethan, seyen aber mit Verlust von wenigstens 1200. Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen zurückgeschlagen worden; unter den leztern befinde sich auch der Engl. General O Hara, Commandant von Toulon.
In der Seßion am 7. erhielt das N. Convent von seinen Commissarien aus Angers vom 5. dieses die Nachricht: Die Rebellen haben diese Stadt mit ihrer ganzen Macht angegriffen, seyen aber abgetrieben worden: die Belagerung habe 48. Stunden lang gedaurt; aber die Republikaner haben gesiegt, und die Feinde haben sich mit Zurücklassung aller ihrer Artillerie geflüchtet, und in Unordnung gegen Fleche _urückgezogen, wohin sie von unserer Cavallerie verfolgt werden. Eben diese Nachricht bestätigte auch ein Schreiben von dem General Roßignol an den Kriegs-Minister, worinn er berichtet, daß er mit seinen Truppen in Angers eingezogen sey.
Gauthier, Commandant in Cherburg, meldet dem N. Convent vom 2. dieses Monats folgendes: So eben erblickt man von hier aus eine feindliche Flotte von wenigstens 40. Segeln in einer Entfernung von 3. Stunden. Bey dieser Flotte befinden sich 20. grosse Schiffe, welche ihre Segel aufgezogen haben, und still liegen. In Erwartung derselben lasse ich die Oefen heizen und Kugeln glühend machen. In einem zweyten Brief vom 3. dieses bestätiget derselbe die Erscheinung dieser feindlichen Flotte; die sich den dortigen Felsen bis auf eine Stunde genähert, hierauf aber sich wieder entfernt habe, und nach der Insul Guernsey gesegelt sey. Hierauf seyen die französischen Schiffe ausgelauffen, haben sich eines Fahrzeugs von 200. Tonnen, dessen Fracht aus Zwiebak und Brantenwein bestand, bemächtiget und dasselbe in Cherbourg eingebracht.
In der gestrigen Seßion wurde ein Schreiben des Revolutions-Tribunals in Com'üne-Affranchie, vormahls Lyon, an den Presidenten des N. Convents vom 4. dieses verlesen, (dessen Inhalt und Ton Schauer erregt) so lautet es: Bürger und President, ich übersende euch das zweyte Verzeichniß derer, die in Commüne-Affranchie durch die Güillotone hingerichtet worden. Ihre ganze Anzahl belauft sich bis jzt auf 113. Das N. Conv. wird ohne Zweifel mit Vergnügen bemercken, wie thätig das Tribunal gewesen ist, die abgeschiedenen Geister der in diesem neuen Sodom ermordeten Patrioten zu rächen. Zu einer noch grössern Handlung der Justiz werden gegenwärtig Anstalten gemacht; 4. bis 500. Revolutions-Feinde, womit die hiesigen Gefängnisse angefüllt sind, werden nächster Tagen für alle ihre Verbrechen büssen; "Das Feur des Bliz-Strahls wird mit einem Schlag die Erde von ihnen säubern." Möchten alle die ihnen ähnlich sind, wie sie vom Bliz getroffen, der Welt ein grosses Beyspiel geben! Möchte dieses Fest für immer der Seele der Böswichter Schrecken, und dem Herzen der Republikaner Zutrauen einflössen: ich nenne es ein Fest; ja das ist das rechte Wort; wenn das Verbrechen ins Grab hinunter steigt, dann holt die Menschheit freyen Athem, und das ist das Fest der Tugend. Es lebe die Republick! Es lebe das N. Convent!" -- Unterschrieben von den Richtern des Revolutions-Tribunals.
Paris, vom 13. Christmonat. [47]
In der Seßion am 8. dieses wurde zufolg eines vom Wohlfahrts-Committe eingegebenen Gutachtens von dem N. Convent dekretiert: Alle Schuster in der ganzen Republick sollen von dem 21. dieses Monats an bis zum 8. des nächstkünftigen Februars ausschließlich nur für die gegenwärtig im Dienst stehenden Truppen arbeiten; bey Straffe der Confiskazion ihrer Waare, und noch ausserdem einer Geld-Straffe von 100. Livres, die der Angeber bekommt, w~ sie ~~ irrgend sonst jemand arbeiten; ferner solle alle Schuhe, die sie für die Truppen verfertigen, vornen abgeschnitten seyn und nicht in eine Spitze sich endigen, und niemand, als die Militärs darf dergleichen Schuhe tragen; wer es thäte, würde dafür angesehen werden, als habe er sie einem Soldaten abgekauft, und dafür nach dem Gesezen gestraft werden, welche allen unerlaubten Handel mit Sachen, welche die Armee angehen, verbieten. Man hatte nemlich wahrgenohmen, daß viele Soldaten die ihnen gelieferten Schuhe wieder an andere verkauften.
In der Seßion am 9. dieses that der offentliche Ankläger bey dem Revolutions-Tribunal dem N. C. schriftlich die Anzeige: daß der vormahlige Minister von dem Contributions-Wesen, Claviere, ein Genfer von Geburt, nachdem ihm vor diesem Gericht die gegen ihn aufgesezte Anklage vorgelesen, und er darauf wieder nach seiner Gefangenschaft zurückgebracht worden, sich mit einem Messer erstochen habe, und daß sein Vermögen für die Republick eingezogen worden sey. Kurz vor seiner Entleibung soll er noch gesagt haben: Es ist unnöthig, daß ich ein Verhör mit mir vornehmen lasse; es werden doch ihrer zu viele gegen mich seyn.
Die Volcks-Representanten in Angers berichten dorther: Man vermuthe, die Royalisten gehen auf Saumür los, aber die Armee von Rennes rücke in 2. Colonnen gegen diese Stadt an; auf ihrem Rückzug von Angers sollen, nach eben diesem Bericht, die Royalisten bey einem Angriff, den unsere Cavallerie auf sie gethan hat, bey 1500. Mann an Todten verlohren haben.
Das Wohlfahrts-Committe hat in dieser Seßion dem N. Convent ein aus Marseille erhaltenes Schreiben, worunter die Namen der Volcks-Representanten, Baras und Freron standen, mitgetheilt, worinn dem N. Convent gemeldet wird: Es mangle in den mittägigen Gegenden, und bey den Armeen in Italien und in der Grafschaft Nizza an Getraid; die Kriegs-Macht der Engelländer in Toulon werde bald 70000. Mann starck seyn, und es würde für die Republick zuträglicher seyn, wenn man die Grafschaft Nizza gänzlich räumte, die Belagerung von Toulon aufhöbe, und die ganze Armee an die Ufer der Dürance zöge, damit die Engelländer selbst die Einwohner von der Provence den Winter über ernähren mußten, und die Franzosen durch Ersparung ihrer Lebens-Mittel desto besser in den Stand gesezt würden, künftiges Frühjahr die Belagerung von Toulon wieder vorzunehmen. -- Das N. Convent, sowohl, als das Wohlfahrts-Committe hielt dieses Scheiben für unächt und untergeschoben, und es wurde dekretiert, daß dasselbe durch einen ausserordentlichen Courier an die Volcks-Representanten, deren Namen darunter stehen, überschickt, und denselben aufgetragen werden soll, alles möglich zu thun, um die Urheber davon zu entdecken.
In der Seßion am 10. dieses wurde dem N. Convent angezeigt, daß der kostbare, unter dem Namen Pitt und Regent berühmte Diamant, welcher ehmals zu den Juwelen der Krone gehörte, und dessen Werth auf 12. Millionen Livres geschäzt wurde, wieder gefunden worden sey. Er hatte sich nemlich vor einiger Zeit bey Anlaß der Bestehlung des Kron-Schazes, nebst andern dazugehörigen Kostbarkeiten verlohren, fand sich nun aber kürzlich wieder in einer Scheure in der Oefnung eines Balkens. Sobald 'das Sicherheits-Committe davon benachrichtiget worden, begab es sich an Ort und Stelle, und eines seiner Mitglieder wies den wiedergefundenen kostbaren Edelstein dem N. C. vor, worauf er versiegelt und zween Commassarien vom National-Schazamt übergeben wurde, um ihn dorthin in Verwahrung zu bringen. Sowohl der Anzeiger des wieder gefundenen Diamant, als der Urheber des Diebstahls sind in Verhaft genohmen worden.
Der Volcks-Representant Taureau berichtet aus Saumur vom 8. dieses: Die Royalisten seyen zwar gegen dieses Ort angerückt, aber durch die gemachten Vertheidigungs-Anstalten und durch die ihnen nachsezende Kavallerie, die auch von einer Coloñe Infanterie unterstüzt wurde, genöthiget worden, sich mit ansehnlichem Verlust gegen Fleche zurückzuziehen.
In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent durch ein Schreiben des General Roßignol aus Angers vom 7. dieses die Nachricht, daß die Royalisten auch bey Pont de Ce, wo sie durchzukommen versuchten, mit einem Verlust von 1500. Mann an Todten und einigen Gefangenen zurückgeschlagen worden seyen. -- Die Volks-Representanten in dem vormaligen Lyon haben an das N. C. einen von ihnen angefasten Schluß eingeschikt, wodurch sie eine revoluzionarische Commißion errichtet, vor welcher mit den dortigen Gefangenen ein leztes Verhör vorgenommen, die Unschuldigen sogleich in Freiheit gesezt und die Schuldigen noch an dem gleichen Tag hingerichtet werden sollen. -- Cambon that die Anzeige, daß die zur Untersuchung der Quellen von dem Vermögen der grossen Capitalisten, Finanziers und General-Pächter bestelte Commißion der Nation ungeheure Reichthümmer eintreiben werde. Sie sey bereits sicher von 300. Millionen, die unter der vorigen Regierung unrechtmäßiger Weise erworben worden, wofür diejenigen, die sie der Nation entwendet, zur Straffe gezogen werden sollen. -- Carrier, Volks-Representant in Nantes, berichtet dorther vom 8. dieses, daß der Chef der Royalisten, Charrette, welcher sich auf die Insul Noirmoutiers zurück gezogen hatte, am 4. dieses von unsern Truppen geschlagen worden sey. -- In der gestrigen Seßion that Barrere dem N. C. die Anzeige: Es haben sich in Marseille Unruhen geäussert, die aber bereits vermittelst einer auf Veranstaltung des Wohlfahrts-Committe dahin geschikte republikanische Besazung wieder gestillt worden seyen: Uebrigens befinde sich Marseille gegenwärtig im Belagerungs-Zustand.
Aus Bordeaux schreiben die dortigen Volks-Representanten vom 30. November folgendes: Die militarische Commißion geht hier noch immer revoluzionarisch zu werk; die Köpfe der Verschwörer fallen auf dem Schaffot, und die verdächtigen Personen werden in Verhaft genohmen. Die Moderierten, die Reichen und Egoisten müssen mit dem Beutel büssen. Vorgestern sind alle Schauspieler vom grossen Theater in Verhaft gebracht worden, weil da die Aristokratie einen ihrer Size hatte. Am Tag vorher wurde das Schauspielhaus, da eben über 2000. Personen dort versammelt waren, umringt, und alle verdächtigen Leute, deren sich sehr viele dort befanden, gefangen genohmen. Heute Nachts geschah eben dieses mehr als 200. reichen Handelsleuten; ihre Papiere wurden versigelt, und die Militair-Commißion wird ihnen ungesäumt ihr Recht wiederfahren lassen. Die Güillotine und starcke Geldstraffen werden die Handelschaft säubern, und die Aktien-Händler und Wucherer ausrotten. Mit dem gezwungenen Darlehn hat es guten Fortgang; nur noch gestern sind 950000. Livres in die Kasse des Einnehmers von dem hiesigen Distrikt geliefert worden. Bordeaux wird über 100. Millionen in die National-Schazkammer liefern.
Das Dekret über die provisorische und revolutionnaire Regierungsform, die bis zur Wiederherstellung des Friedens in der Französischen Republik statt haben soll, ist nun vollständig und von dem N. C. genehmiget worden; aber zu weitläufig, um hier mitgetheilt werden zu können. Es besteht aus 5 Abschnitten, betreffend: 1. die Versendung und offentliche Bekanntmachung der Geseze; 2. die Vollziehung der Geseze; 3. den Antheil der verschiedenen konstituierten Autoritäten an derselben; 4. die erneuerte Einrichtung und Reinigung der konstituieren Autoritäten; 5. die Art der Straffen, welche die öffentliche Beamteten und andere Agenten der Republik im Fall der Uebertrettung ihrer Obliegenheiten zu erwarten haben.
Paris, vom 16. Christmonat. [48]
Das Wohlfahrts-Committe, (welches bekannter massen gegenwärtig Frankreich fast unumschränkt beherrscht) solte zufolg eines darüber ergangenen Dekrets neu besezt werden. Die Sache wurde auch wirklich in der Seßion am 13. dieses in Vorschlag gebracht; aber man stellte dagegen vor, wie gefährlich die neue Besezung dieses Committe in den gegenwärtigen Umständen seyn würde. Diese Vorstellung fand mehr Beifall als jener Vorschlag, und es wurde einmüthig erkannt, daß jenes Dekret zurük genommen werden und das Comitte noch ferner aus den gegenwärtigen Mitgliedern bestehen soll. -- Zugleich sind in eben dieser Seßion einige Artikul des Dekrets, die öffentliche Unterweisung betreffend, von dem N. C. genehmiget worden. Das bisher dekretierte ist aber noch nicht von der Wichtigkeit, daß seine Mittheilung dem auswärtigen Publikum interessant seyn könnte.
In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. C. einen traurigen Beweiß von den Unfugen, welche die sogenannte Revoluzions-Armee anrichtet. Ein Convents-Glied verlaß ein von dem Friedensrichter in Corbeil, nicht weit von Paris, aufgeseztes Protokol, welches berichtet: Ein Detaschement von der eben genannten Armee habe sich zu einem gewissen Gillebon, einem Landmann in Tiggery, im Distrikt von Corbeil begeben, denselben gebunden und mit blossen Füssen auf glühende Kohlen gestellt; während dieses ihm angethanen Marter haben die Grausamen seine Schränke erbrochen, geplündert, und ihm alles genommen; nemlich 70. Livres an baarem Geld, 6000. Liv. an Assignaten, 26. silberne Besteke, 3. Uhren und allen Schmuck seiner Frau. Darauf sagten sie zu ihm: Für jzt mag es bey diesem Spaß sein Bewenden haben: Aber wenn du uns deine Sachen nicht angezeigt hättest, so haben wir die Güillotine bey uns, und ich, sezte einer hinzu, würde selbst das Scharfrichter-Amt an dir verrichtet haben. Das N. C. hat den Wohlfahrts und Sicherheits-Comitte aufgetragen, über dieses abscheuliche Verfahren innerhalb 3. Tagen sein Gutachten einzugeben.
Die seit einiger Zeit durch das Absterben, die Flucht oder Hinrichtung erledigten Stellen der Convents-Glieder werden nach und nach mit denen wieder besezt, welche im voraus auf dergleichen Fälle hin zu Stellvertrettern der abgehenden Deputierten ernannt worden. Es geschieht aber zufolg einer gestern gemachten Verordnung durch das Loos; so daß das neue Convents-Glied nicht immer aus dem gleichen Departement ist, welches das abgegangene vorgestellt hatte.
Die einzigen dem N. Conv. kürzlich mitgetheilten Nachrichten von militarischer Art gehen die West-Armee und die Royalisten an. Von den übrigen Armeen ist in den neuesten Seßionen nichts vorgekommen. In Absicht auf jene meldet der Volks Representant Carrier in einem Schreiben aus Nantes vom 10. dieses: Die republikanischen Truppen haben an dem linken Ufer der Loire abermals einen Sieg über die Rebellen, welche Charrette kommandiere, erfochten. Zugleich berichtet er auch: Es seyen 58. wiederspänstige Priester von Angers nach Nantes gebracht, daselbst in ein Schiff auf der Loire eingesperrt und in der Nacht vom 9ten auf den 10. von diesem Fluß verschlungen worden. Die Loire, sezt er hinzu, muß ein recht revoluzionarisch gesinnter Strom seyn. -- Einen zweiten Bericht von ähnlicher Art theilte eben auch in der gestrigen Seßion Barrere im Namen des Wohlfahrts-Comitte dem N. C. mit: Die Rebellen seyen in Mans eingerükt. Die West-Armee, mit 20,000. Mann von der Nord Armee verstärkt, sey ihnen am 12. dieses dahin gefolgt, und da sey es am folgenden Tag zu einem sehr blutigen Gefecht gekommen, in welchem die Republikanischen Truppen den Sieg erhalten. Die ganze Artillerie der Rebellen nebst ihrer Bagage, Kriegs-Kasse, den Munizions Wagen, und einer grossen Anzahl Flinten seyen unsern Truppen in die Hände gefallen.
Paris, vom 18 Christmonat. [49]
Dieser Artikul liefert uns abermahl sehr wenig, so wohl v. iñerlichen Ereignissen, als von Kriegeris Nachrichten. Nur betreffend die jüngst schon erwehnten Vortheile, welche unsere Truppen über die Royalisten erfochten, meldet ein Schreiben des Volcks-Representanten Garnier, aus Alencon vom 14. dieses noch folgendes: Die Rebellen sind nicht lange von der Stadt Mans Meister geblieben, unsere verschiedenen, besonders die Nord- und Maynzer-Armeen haben ihnen gestern dort den lezten Streich versezt. Ihre ganze Artillerie ist in unsern Händen; ihre Niederlange und Bestürzung war so groß, daß sie in weniger als 24. Stunden bis nach Laval flohen; überall wurde Sturm geläutet, um ihnen den Weg abzuschneiden. Roßignol verfolgt sie dergestalten, daß sie sich weder sammeln noch verstärcken können; u. s. w. -- Indessen hat eben dieser Garnier in einem zweyten spätern Schreiben an das Wohlfahrts-Committe, welches in der gleichen Seßion am 16 verlesen worden, berichtet: man besorge, daß wenn die Royalisten auf Alencon losgehen sollten, sie sich dieser Stadt bemächtigen, zufolg eines von dem Volcks-Representanten Tirion begangenen Fehlers, welcher von den 10000. Mann von der Nord-Armee, die er bey sich in Dreux habe, 5000. Mann nach Chartres habe marschieren lassen, wohin doch die Rebellen ihren Weg nicht genohmen haben. Weil dieser Tirion hierin dem Schluß des Wohlfahrts-Committe zu wieder gehandelt, nach welchem er mit dem ganzen Korps der 10000. Mann sich nach Alencon hätte begeben sollen, so wurde sogleich seine Zurückberuffung von seinem Posten dekretiert.
Verschiedene über die Agenten des vollziehenden Conseils eingelauffnen Klagen, daß sie Abgaben erheben, ohne Rechnung davon zu geben; die Kouriers von den Armeeen anhalten, den Volcks-Representanten in den Departements und bey den Armeen in ihren Veranstaltungen Hindernisse in den Weg legen, und dergleichen mehr; gaben in der Seßion am 17. zu alle_ley Debatten Anlaß. Man sah es als ausgemacht an, daß ein Complot obhanden sey, die Volks-Representazion um ihr Ansehen zu bringen, und neben dem N. Convent eine nebenbuhlerische Autorität zu etablieren. Es wurden deswegen verschiedene Vorschläge gethan; zum Exempel das vollziehende Conseil soll künftig keine Agenten mehr in den Departements haben, sondern nur das Wohlfahrts-Committe; die gegenwärtige Einrichtung des Ministeriums soll abgeschaft werden; man soll den Ministern ein Verzeichniß ihrer Commis und Agenten und einen Bericht von den moralischen Eigenschaften derselben vor und seit der Revolution abfodern; das vollziehende-Conseil soll vor das N. Convent zitiert und demselben von dem Presidenten die Unzufriedenheit der Versammlung mit seinem und seiner Agenten Betragen aufs nachdrücklichste zu erkennen gegeben werden. Zulezt wurde dekretiert: Das ganze vollziehende Conseil soll vor dem N. Convent erscheinen, und innerhalb 24. Stunden ein Verzeichniß von seinen Agenten und Commis, nebst einer umständlichen Nachricht von ihren Personen und Glücks-Umständen eingeben; wiedrigenfalls werde ein Anklags-Dekret gegen alle Minister in Vorschlag gebracht werden. Drey namentlich Angeklagte, ein Commis von der Kriegskanzley Tincent, Ronsie, General von der Revoluzionsarmee, und Maillard, ein Agent des vollziehenden Conseils, sind bereits als Revoluzionsgegner in Verhaft genommen, und ihre Papiere versiegelt worden.
Barrere ertheilte dem N. C. aus Nachrichten der Volksrepresentanten im Distrikt von Meaux die Nachricht mit, daß 17. dortige Commünen zu den Waffen gegriffen, sich in Ferte-Gancher vereiniget, und aufrührische Bewegungen gemacht haben, die aber bereits wieder unterdrückt worden seyen. -- Zugleich ließ das Wohlfahrts-Comitte dem N. C. anzeigen, daß es mit den Belagerungszurüstungen vor Toulon nun sehr langsam von statten gehe. -- Zufolg einer andern Nachrichte soll in Lille, man wisse noch nicht von wem (einige nanten einen Lavalette) eine Revoluzionsarmee errichtet worden seyn, die sich nach Douai begeben, und dort eine Gegenrevoluzion veranlaßt haben würde, wenn es nicht die gutgesinnten Burger gehindert hätten.
Quellen.[]
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 13. Heumonat, 1793. Num. 56.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 17. Heumonat, 1793. Num. 57.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 20. Heumonat, 1793. Num. 58.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 24. Heumonat, 1793. Num. 59.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 27. Heumonat, 1793. Num. 60.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 31. Heumonat, 1793. Num. 61.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 3. Augstmonat, 1793. Num. 62.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 7. Augstmonat, 1793. Num. 63.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 10. Augstmonat, 1793. Num. 64.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 14. Augstmonat, 1793. Num. 65.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 17. Augstmonat, 1793. Num. 66.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 21. Augstmonat, 1793. Num. 67.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 24. Augstmonat, 1793. Num. 68.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 28. Augstmonat, 1793. Num. 69.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 31. Augstmonat, 1793. Num. 70.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 4. Herbstmonat, 1793. Num. 71.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 7. Herbstmonat, 1793. Num. 72.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 11. Herbstmonat, 1793. Num. 73.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 14. Herbstmonat, 1793. Num. 74.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 18. Herbstmonat, 1793. Num. 75.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 21. Herbstmonat, 1793. Num. 76.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 25. Herbstmonat, 1793. Num. 77.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 28. Herbstmonat, 1793. Num. 78.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 2. Weinmonat, 1793. Num. 79.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 5. Weinmonat, 1793. Num. 80.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 9. Weinmonat, 1793. Num. 81.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 12. Weinmonat, 1793. Num. 82.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 12. Weinmonat, 1793. Num. 82.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 16. Weinmonat, 1793. Num. 83.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 19. Weinmonat, 1793. Num. 84.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 23. Weinmonat, 1793. Num. 85.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 30. Weinmonat, 1793. Num. 87.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 2. Wintermonat, 1793. Num. 88.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 6. Wintermonat, 1793. Num. 89.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Wintermonat, 1793. Num. 90.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Wintermonat, 1793. Num. 91.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 16 Wintermonat, 1793. Num. 92.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Wintermonat, 1793. Num. 93.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23 Wintermonat, 1793. Num. 94.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 27. Wintermonat, 1793. Num. 95.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 30 Wintermonat, 1793. Num. 96.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 4. Christmonat, 1793. Num. 97.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 7. Christmonat, 1793. Num. 98.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 11. Christmonat, 1793. Num. 99.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 14. Christmonat, 1793. Num. 100.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 18. Christmonat, 1793. Num. 101.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 21. Christmonat, 1793. Num. 102.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 25. Christmonat, 1793. Num. 103.
- ↑ Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 28. Christmonat, 1793. Num. 104.