Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Juli.[]

Paris, vom 5. Heumonat. [1]

Das N. Convent erhielt in der Seßion am 1. dieses Monats Depeschen von seinen Commissarien oder den Volks-Representanten bey der Armee an der Küste von Brest, worinn sie aus Nantes unterm 27. Junius berichten: Die bevorstehende dieser Stadt drohende Gefahren haben sie bewogen zu deklarieren, daß sich die selbe in dem Zustand der Belagerung befi_de. (Die jüngst erwähnten über die Rebellen erfochtene Vortheile scheinen also nicht sehr entscheidend gewesen zu seyn.) Sie haben deswegen gemeinschaftlich mit dem General Canclaux und den konstituierten Autoritäten eine Proklamazion publizieren lassen und Verfügungen getroffen, deren Genehmigung sie von dem N. C. verlangen. In der Proklamazion fordern sie die Einwohnern von Nantes auf, die Freiheit aufs standhafteste zu vertheidigen und sagen unter anderm: Da diese Stadt auf allen Seiten von Feinden umringt sey, so sey es höchst nöthig, daß das die belagerten Städte betreffende Gesez vollzogen werde und die Sorge für ihre Vertheidigung nicht mehr bey der bürgerlichen Autorität stehe, und also die bewafnete Macht künftig nur nach den Befehlen der militärischen Chefs agiere. Das N. Convent hat diese Verfügungen der Volks-Representanten in Nantes genehmiget. -- Aus Corsika hat man Nachrichten erhalten, welche zufolg in diesem Departement die Gegen-Revoluzion völlig ausgebrochen ist. Ein von dem Wohlfahrts-Committe dem N. Convent zugestelltes Schreiben von einem der 3. dortigen Commissarien aus Bastia vom 27. Junius ertheilt darüber folgenden Bericht: Alles ist nun vollendet, die Contre-Revolution ist vollständig, Paoli ist zum Generalißimus ernannt; die Geistlichkeit ist wieder in ihre vorigen Rechte eingesezt; die Emigrierten sind zurük gekommen. Paoli hat der Masque, der Religion sich bedient; er ist zum Presidenten der Consulta oder ausserordentlichen Versammlung der Deputierten aller Commünen von Corsika gewählt worden; vier Fünftheile der Einwohner dieser Insel haben sich von ihm verführen lassen. In verschiedenen Gegenden haben sie bey 1000. bis 1200. an der Zahl die Waaffen ergriffen, und zwar auf Kosten der Republik, indem sie sich der Magazine bemächtigten. Diejenigen welche noch einigen Muth in der Vertheidigung der Repu~~ nischen Parthey zeigen, werden niedergeschossen; die St__te werden als rebellisch deklariert, wenn sie für die Republik sind, und durch starke Besazungen im Zaum gehalten. Paoli hat eine Schrift gegen die Commissarien pub__ziert, die er Zerstörer aller Ordnung und Agenten von Genua nennt. St. Florent, Bastia und Calvi halten es noch mit der Republik, und unsere dortigen Besazungen sind sehr zu gelegener Zeit durch das Bataillon von Aveyron verstärkt worden. Die Consulta hat am 26. May ihre Sizungen unter Paolis Presidium eröfnet. Diese Versammlung hat alle patriotischgesinnten Deputierten proscribirt; ihre Familien sind in Verhaft genommen und ihre Häuser in Brand gestekt worden. Sie haben verordnet, daß alle Militärs, die für die Republik waren, aufgefordert werden sollen, innerhalb 3. Tagen ihre Fahnen zu verlassen, in welchem Fall sie Pardon erhalten, sonst aber, wenn sie der Aufforderung nicht folgen, gefangen genommen und ihre Güter konfisziert werden sollen.

Das N. Convent hat in seiner vorgestrigen Seßion aus Vernon im Departement der Eüre in der Normandie die Nachricht erhalten, daß in dem dortigen Canton und den benachbarten Commünen General-Marsch geschlagen werde, um sich dem Marsch der Armee von Evreux, dem Hauptort dieses Departements, an der Gränze von Isle de France, die sich Paris schon bis auf 16. Stunden genähert habe, entgegen zu sezen; weil aber die Anzahl der Aristokraten in dortiger Gegend sehr groß sey, so werde wohl die Stadt Vernon, die an der Seine liegt, und patriotisch gesinnt ist, ein Opfer von der Rachsucht der Administratoren von Evreux werden, und es sey also höchst nöthig, daß Paris zu ihrer Beschüzung Truppen marschieren lasse. Der Bischoff von Evreux, Lindet, ein Mitglied des N. Convents, zeigte in der gestrigen Seßion hierüber noch weiter an; daß die Armee, welche auf Büzots Anstiftung gegen Paris marschiere, sich bereits von Passy an der Eüre bemächtiget habe und nun gegen Vernon anrücke; diese patriotische gesinnte Stadt werde nun wohl für ihre Anhänglichkeit an die Einheit der Republik büssen müssen; Büzot, (eins von den zum Verhaft verurtheilten, aber entwischten Conventsgliedern) werde in Zeit von 8 Tagen mit 4000 Mann aus dem Departement von Calvados in Evreux seyn, und man dörffe keinen Augenblik versäumen, wenn man verhüten wolle, daß Paris die Lebensmittel von dieser Seite her abgeschnitten werden. Das Wohlfahrts Comitte müßte also aufgefordert werden sich über die hierüber genohmenen Maasregeln zu erklären. Ein Mitglied dieses Comitte erwiedere hierauf; diese Maasregeln seyen bereits genohmen worden; aber es würde unklug seyn, dieselben offentlich bekannt zu machen. Dieses beruhigte die Versammlung.

Ein Schreiben des General Cüstine aus Cambray vom 30 des v. M., welches in dem N. C. verlesen worden, enthielt Aeusserungen seines Unwillens über die von einigen Journalisten gegen ihn ausgestreuten Verläumdungen. Merkwürdiger als das Schreiben selbst ist ein Postscript desselben, worinn Cüstine, zwar noch ziemlich unbestimmt, eines unerwarteten Umstandes des Erwähnung thut; er schreibt nemlich: man hatte aus England Nachricht erhalten, daß 12000 zur See aus Petersburg abgegangene Russen ankommen werden; die sollen nun gegenwärtig zu Quievrain im Henegau sich befinden. (Vermuthlich hätten sie also in Ostend oder dortherum gelandet.) -- In einem zweiten Schreiben vom 2ten dieses Monats berichtet der General die Truppen der R__ublik seyen am 1. zu gleicher Zeit von einer überlegenen feindlichen Macht angegriffen worden; haben sich aber theils standhaft auf ihrem Posten behauptet, theils die Feinde mit Verlust zurükgetrieben; so daß die Communikation zwischen Douai und Lille noch nicht abgeschnitten sey. Uebrigens ist das alles, was die Umstände und Vorfälle bey den Armeen an den Niederländischen Grenzen anbetrift. Weder von Valenciennes noch von Conde ist nichts neues einberichtet worden.

Die Munizipalitäts-Beamten der Commüne von Louveciennes bey Marly haben dem N. Convent berichtet, daß sie die berüchtigte Dübarry, die unter der vorlezten Regierung so viel von sich reden gemacht, haben in Verhaft nehmen lassen; sie habe alle Aristokraten in dortiger Gegend bey sich aufgenommen, und mit der nicht wenig Verdacht erregenden Erlaubniß des Ministers Lebrün verschiedene Reisen nach Engelland gemacht.

Die lange daurende Unthätigkeit der Französischen Flotte unter dem Admiral Trüguet seit ihrer fehlgeschlagenen Unternemmung auf Sardinien muste natürlicher Weise bey dem Publikum Verwunderung erregen. Dieser Umstand veranlast hier die Mittheilung eines Schreibens von dem genannten Admiral an den Presidenten des N. Convents; dasselbe ist in Paris vom 28. des vorigen Monats datiert und lautet also: Bürger und President! Ich bin der Republik für meine Handlungen, aber eben darinn auch für meine Unthätigkeit verantwortlich. Da ich nach Paris beruffen worden um Vorschläge zu thun über die Anwendung unserer Flotte im mittelländischen Meer und die Einrichtung unserer Seemacht, so bleibt mir nun weiter nichts übrig, als daß ich in meiner Qualität eines Befehlshabers und Bürgers ansuche, man möchte mich in den stand sezen, meinem Vatterland nüzlich zu seyn. Drey Monate sind nun verflossen und das sich verwundernde Europa fragt, was aus den Schiffen und Seeleuten Frankreichs geworden sey? Unsere Handlung in der Levante ist dem Untergang nahe; die Seuche der Insubordination greift immer weiter um sich; der niederträchtige persönliche Eigennuz dekt sich mit der Maske des Patriotismus, und die Feinde kreuzen an unsern Küsten und drohen uns. Wie können wir den Gedanken von einer auch nur eine zeitlang daurenden Superiorität der Spanier ertragen? welche Schande für ein republikanisches Gemüth, für einen Französis. Seemann! Ich muß ihnen die Wahrheit sagen; ich bin sie meinem Vatterland und mir selbst schuldig. Ja wir haben eine furchtbare Seemacht, die besten Schiffe von der Welt und fürtrefliche Seeleute, die von Patriotismus und Muth entflammt sind und unter den republikanischen Flaggen unüberwindlich seyn würden; aber ich weiß nicht was für eine Schläfrigkeit alle unsere Arbeiten fesselt, und die Ausführung der von mir vorgeschlagenen Plane hindert; eine unsichtbare Aristokratie zerstört alle unsere Hülfsmittel, und unterhält in unsern Seehäfen eine sträfliche Bewegung, die uns beschimpft und zu Grunde richtet; noch ist es Zeit; gerechte Geseze, strenge Regeln müssen die gutgesinnten lehren, was sie zu thun und die übelgesinnten, was sie zu fürchten haben. Die Disciplin ist die beste Waaffenrüstung; die Schiffsarmee in Toulon etwartet sie und ihr Befehlshaber deklamiert, daß er ohne dieselbe nichts ausrichten könne. Nicht das Com'ando allein; die Gehorsam sichert den glüklichen Erfolg und den Ruhm: u. s. w.

Paris, vom 8. Heumonat [2]

Die Volcks-Representanten bey der Armee an der Küste von Rochelle haben in ihrem Schreiben aus Saumür vom 1. dieses dem N. Convent berichtet: daß sie am 30. Junius daselbst mit der Avant-Garde angekommen, und die ganze Armee ihnen folge; sie haben sogleich unter lautem Zuruf des Volcks den Freyheits-Baum wieder aufrichten, und die dortige Citadel in Vertheydigungsstand sezen lassen; viele von den Verräthern, welche Saumür den Feinden in die Hände geliefert haben, seyen bereits in Verhaft genohmen und ihre Güter eingezogen worden.

In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent Nachricht, daß Nantes gerettet sey. Partikular-Briefe hatten schon am Tag vorher das Gerücht verbreitet; ein Mitglied des N. Convents zeigte diesen Brief zufolg demselben an, daß die Royalisten in der Nacht vom 29. auf den 30. Junius Nantes angegriffen, aber zurückgeschlagen worden seyen und so viel Volck verlohren haben, daß man ihre Armee als nicht mehr vorhanden ansehen könne. Dieser vorläufige Bericht ist nun durch offiziellen Depeschen von den dortigen Volck-Representanten und Generalen bestätiget worden. Einer der ersten, Merlin, schreibt darüber aus Nantes selbst vom 30. Junius folgendes: vorgestern und gestern den ganzen Tag ist diese Stadt belagert worden, aber ohne einigen Erfolg. Die 18. Stunden lang daurende Belagerung endigte sich mit einem Gefecht, welches zum Ruhm der tapfern Einwohner von Nantes und der sie unterstüzenden muthigen Garnison ausgefallen ist. Schon seit dem 28. war die Stadt lebhaft bombardiert worden, allein man hat das Kanonenfeuer eben so lebhaft erwiedert; wir hielten indessen dieses blos für einen falschen Angriff. Am 29. kamen die Rebellen in 3. starcken Kolonnen zum Vorschein, jede mit 20. Kanonen versehen; eine dieser Colonnen bestand aus 8000. Mann auserlesener Truppen; das Gefecht daurte den ganzen Tag, schon um Mittag hatten wir viele von den Feinden erlegt, und besonders mehrere Officiers; endlich bey Anbruch der Nacht benahm die tapfere Gegenwehr der Einwohner von Nantes den Rebellen vollends allen Muth; sie lieffen mit sehr grossem Verlust aus einander und haben sich bis auf 3. Stunden weit zurück gezogen. Dem General Canclaux, welcher unsere Truppen anführte, ist eine Kugel durch das Kleid gefahren und seinem Adjutanten, der sich neben ihm befand, hat eine Kanonen-Kugel den Schenken gequetscht. Die Anzahl unserer Verwundeten belauft sich auf 150., die Anzahl der Todten wissen wir noch nicht bestimmt. Die Stadt Nantes, auf welche sich die Rebellen sichere Rechnung machten, blieb während der 18stündigen Belagerung ganz still und ruhig, die dortigen Uebelgesinnten wurden durch die nachdrücklichsten und schärfsten Maas-Regeln in Schranken gehalten. Unter der 8000. Mann starcken feindlichen Kolonne waren über 300. Deutsche, und man hat unter ihnen Todten Desertörs von der Legion Germanique und andere gefunden, welche Rosenkränze auf den Hüthen hatten. -- Mit diesem Bericht stimmt auch der vom General Beysser überein, welcher die Defensions-Arbeiten und Operazionen dirigierte. Ein Scheiben des General Canclaux aus Nantes vom 2ten dieses sagt: der am 29. erfochtene Sieg sey noch vollständiger, als er in den ersten Berichten angegeben worden: die Rebellen seyen gänzlich ausgerottet; man wisse zuverläßig, daß mehrere ihrer Anführer geblieben seyen; wenn sie noch nicht über die Loire zurückgegangen seyen, so komme dieses bloß daher, daß die Truppen von Nantes zu sehr ermüdet waren, um sie weit zu verfolgen.

Nicht glüklicher als bey Nantes geht es den Royalisten bey Niort und Bessüyre. Der General Westermann hat darüber an den General Biron folgendes berichtet: Ich habe die Patrioten von Parthenay an den Rebellen auf eine ausgezeichnete Weise gerächet; ich habe sie in Amaillon, wo sie sich zuerst versammelt hatten, angegriffen, sie geschlagen, dieses Dorf der Plünderung Preis gegeben, und in Brand stecken lassen, nachdem vorher alle darinn gefundene Beute den Einwohnern von Parthenay zugestellt worden. Morgen werde ich nach Bessüyre marschieren, wo ich die dort sich aufhaltenden 15000. Rebellen ebenfalls zu vertreiben hoffe; das Schloß des Escüre, eines ihrer Anführer, habe ich in Brand steken und von Grund aus zerstören lassen; den Escüre selbst aber nur um wenige Stunden verfehlt. Die Plünderung von Amaillon hat unter den Rebellen Schreken verbreitet, und viele von ihnen kehren nach Haus zurük. Beaurepaire, auch einer von ihren Chefs, ist ums Leben gekommen. -- In einer zweiten Depesche an General Biron schreibt Westerman: Ich bin wircklich in Bessüyre; die Rebellen sind da, so wie in Amaillon geschlagen worden; morgen gehe ich nach Chatillon, wo ich sie gleichfalls zu vertreiben hoffe. -- Auch dieses ist zufolg einer in der gestrigen Seßion erhaltenen Nachricht geschehen; Westermann hat sich der Stadt Chatillon bemächtiget, wo das Haupt Quartier und das Central Committe der Rebellen war. Vor dem Einmarsch der Franzosen in diese Stadt ist ein zwostündiges Gefecht vorgefallen, in welchem die Rebellen 2000. Mann, 5. Kanonen und alle ihre Munition und Lebensmittel verlohren haben. Die Fahne der Kathol. Armee ist weggenommen worden; sie ist weis, mit 3. in Gold gestikten Lilien; 600. Französische Kriegsgefangene und die Weiber und Kinder der Richter und Administratoren von Parthenay waren in Chatillon in Verhaft; Westermann hat sie nun in Freiheit gesezt. Dieser General hat Verstärkung und Lebensmittel von Niort erhalten; er marschiert nun gegen Cholet und von da gerade nach Nantes.

Der Prokureür-General Syndik vom Departement der östlichen Pyrenäen hat unterm 27. des vorigen Monats berichtet, daß die Vestung Bellegarde in Roussillon nach einer tapfern Gegenwehr am 25. sich an die Spanier habe ergeben müssen. Die Wälle, bewohnbaren Häuser und Casematten waren ruiniert und die Soldaten fanden keinen Schuz mehr gegen die Bomben; die Spanier wußten die Noth, worinn die Vestung sich befand und daß die Besazung nur noch für wenige Tage Lebens-Mittel hatte, und darum haben sie derselben auch weiter nichts als den Auszug mit allen militarischen Ehren bewilligt, aber sie dann zu Kriegs-Gefangenen gemacht. -- Zu gleicher Zeit berichtete der General Deflers, welcher die Armee an den östlichen Pyrenäen kommandiert, vom 1. dieses aus Perpignan: die Feinde haben die beyden Pläze Mont Libre und Callioure angegriffen; sie seyen zwar mit einigem Verlust zurückgetrieben worden; aber dem ungeachtet könne der leztere der genannten Orte sich nicht mehr lange halten, wenn man ihm nicht schleunige Hülfe zuschicke.

Paris, vom 12. Heumonat. [3]

Die Volcks-Representanten bey der Armee an der Küste von Brest haben in einem Schreiben aus Nantes vom 2ten dieses Monats berichtet; die Rebellen haben die dortigen Gegenden noch nicht ganz geräumt, sondern beschiessen noch von Zeit zu Zeit die dasigen Vorstädte mit glühenden Kugeln; ihr Feuer werde aber nachdrücklich erwiedert. Zugleich melden sie, daß sie dem General Süreau, ungeachtet sie ihm zugleich das Zeugniß eines guten Officiers geben, wegen verschiedenen begangenen Fehlern das Commando genohmen haben. -- Die erste Nachricht, daß nemlich die Rebellen sich noch in dortiger Nachbarschaft befinden, haben sie noch in einem zweyten Schreiben vom 3. dieses wiederholt und bestätiget.

In der Seßion am 8. ist endlich einmahl von Seite des Wohlfahrts Committe ein Rapport abgestattet und ein Vorschlag zu einem Decret gemacht worden betreffend die 32. zum Verhaft verurtheilten Convents-Glieder, von denen freylich die meisten durch Entfernung sich der Vollziehung dieses Schlusses zu entziehen gewußt haben. Es ist dieses Gegenstandes schon so oft Erwähnung gethan und das Publikum auf die Entscheidung der Sache aufmercksam gemacht worden; daß allerdings auch etwas genaueres aus dem eingegebenen Gutachten hier angeführt werden muß. Der Rapporteur sagte unter anderm: der grössere Theil der arrettierten Convents-Glieder seyen mehr unbesonnen als strafbahr gewesen; aber es befinden sich doch wircklich Strafbahre unter ihnen und die Verschwörung sey nun entdeckt. Arthur Dillon sey zum Chef derselben bestimmt gewesen; man habe den Sohn Ludwigs XVI. auf den Thron sezen und Maria-Antonia zur Regentin des Königreichs machen wollen. Das Committe habe die Beweise davon bey Handen, die gedruckt werden sollen. Die arrettierten Convents-Glieder seyen niemahls im Ernst für die Republick und den Umsturz des Throns gewesen; sie haben die Absezung Ludwigs XVI. zwar vorgeschlagen, aber bloß darum, weil sie nur den König, und nicht das Königthum traf. Als sie nachher durch das, was am 10. August 1792. geschah und durch die Einführung der Republick ihre Projekte umgestürzt sahen; so streuten sie den Saamen des Hasses und der Zwistigkeit in dem N. Convent aus, um dem Volck die republikanische Verfassung zu verleiden; sie veranlaßten die Anarchie und schrien immer gegen die Anarchisten; sie redeten immer die Sprache des Dümouriers, Coburgs und Paoli. Als Ludwig Capet für strafbahr erklärt wurde, so brachten sie, um ihn zu retten, die Appellazion an das Volck aufs Tapet; und als dieselbe verworffen, Ludwig gestraft, und sogleich der Thron zerstört und die Königswürde verächtlich gemacht worden, bedienten sie sich des Mittels der Verläumdung; sie erfanden eine orleanssche Faktion, verlästerten die Popular-Sozietäten, und unterhielten besonders die Zweytracht im N. Convent, um desto sicherer zu der Usurpation, die man im Sinn hatte, zu gelangen; denn man hat noch nicht vergessen, daß der Herzog von Jork zum König vorgeschlagen worden, der gerade jzt den Krieg gegen uns mit Höflichkeit führet, den Bauren den erlittenen Schaden ersezt, und sich schon als ruhigen Besizer der Länder und Städte ansieht, die er belagert. -- Die zum Verhaft dekretierten Convents-Glieder haben ferner sich unsere provisorische Regierungs-Einrichtung zu Nuz gemacht, um die Mitglieder des N. Convents gegen einander zu erbittern, sich ihre Zeit unnüz zubringen, und Franckreich Glauben zu machen, es müsse einen König haben. Es findet sich unter den Gesezgebern ein Ungeheuer, und das ist Brissot. Er hat den Krieg erklären lassen, um die Franzosen von der Revolution abzuziehen und doch die Anarchie müde zu machen, gegen die er immer deklamirte und die er doch in seinen verläumderischen Blättern unterhielt. Er hat als Haupt-Person im diplomatischen Com'itte die Depeschen und Friedens-Vorschläge des General Kalkreuth an Kellermann zur Zeit des Rückzugs aus Champagne unterschlagen, so daß diese Eröfnungen, wie sich auch Kellermann darüber beklagte, dem N. Convent niemahls kommuniziert worden sind. -- Büzot hat unter der angegenohmenen Maske von Philosophie in seinen Rapports und Meynungen den Saamen der Zweytracht auszustreuen gewußt, der die vorgehabte Usurpation hervorbringen sollte. -- Barbarux hat ein Bataillon von Marseille aufgefodert, das N. Convent anzugreifen, und einer von den Marseillanern hat geruffen: Es lebe der König! Mit der gerichtlichen Prozedur gegen dieses Vorgehen ist bereits der Anfang gemacht worden. -- Louvet, Barbarux, Büzot und einige andere von den Inhaftierten haben Projekte von einer Diktatur vorgegeben, nur um die Intriguen besser zu verbergen, welche Frankreich zerrütten und einen Usurpator zum Vorschein bringen sollten. -- Manuel und Petion hat man sagen hören, sie haben sich am 2. Sept. des vorigen Jahrs nur darum nicht zeigen wollen, damit sie die Gunst des Volcks nicht verliehren; und nun sieht man die zum Verhaft verurtheilten Convents-Glieder die Maske abnehmen und sich an die Spize einer Armee stellen, welche die Jakobiner und Paris zerstören soll. -- Das sind die Haupt-Punkten in dem Rapport des Committe, welchen zufolg der Rapporteur nachfolgendes Dekret vorschlug: Einmahl sollen die Convents-Glieder, welche sich geflüchtet haben, für Vatterlands-Verräther erklährt; sodann soll gegen Gensonne, Vergniaud, Guadet, Molleveau und Biroteau, als Mitschuldige der Geflüchteten, ein Akkusazions-Dekret abgefaßt werden; und endlich ruft das N. Convent den Bürger Bertrand, Mitglied von der Zwölfer-Commißion, welcher die Schlüsse seiner Collegen nicht unterschrieben hat, nebst den übrigen in Verhaft genohmenen Deputierten wieder in die Versammlung zurück; weil sie mehr betrogen worden, als selbst strafbahr sind. -- Dieses Dekrets Projekt ist aber für diesmahl noch aufgeschoben und nichts darüber entschieden worden. -- In der gleichen Seßion ist auf den Antrag des Sicherheits-Committe ein Verhafts-Dekret gegen zwey Convents-Glieder, Condorcet und Deverite abgefaßt, und zugleich erkannt worden, daß ihre Papiere versiegelt werden sollen. Condorcet wurde nemlich beschuldiget, daß er etwas gegen die neue Constitution geschrieben und eine andere vorgeschlagen habe; und Deverite soll Condorcets Schrift in der Republick verbreitet haben. -- Ein dritter Gegenstand der Berathschlagungen in eben dieser Seßion war Hr. Necker, oder vielmehr ein Theil seines Vermögens. Das Finanz-Committe ließ nemlich dem N. Convent den Rapport abstatten, daß Hr. Neker schon vor 17. Jahren die Summ von 2. Millionen Livres in den offentlichen Schaz gegeben habe, mit der Bedingung, daß ihm dieselbe zu 5. Prozent verzinset, und der zwölfte Theil des jährlichen Zinsen monatlich ausbezahlt werden soll. Dieses sey auch bis auf den ersten May dieses Jahres immer geschehen, aber von dieser Zeit an unterblieben, weil man Hr. Necker als einen Emigrierten ansehen und behandeln wollen. Dagegen macht er nun Einwendungen, welche das Committe für gegründet erklährt. Indessen wurde doch die Entscheidung der Sache noch aufgeschoben und die Ausbezahlung der Zinse für die 2. Millionen einsweilen suspendiert aus dem Grund, weil der Creditor der Nation noch Rechnung abzulegen habe von der Verwaltung seiner vormaligen Finanz-Minister-Stelle. -- Es ist auch noch durch ein Dekret dieser Seßion das ehemalige Königl. Schloß in Versailles zu einem offentlichen National-Etablissement, und zwar wenn Barreres Vorschlag darüber befolgt wird, zu einem Central-Erziehungs-Institut für jungen Republikaner bestimmt worden.

Die kürzlich über die Royalisten erhaltenen Vortheile scheinen eben nicht sehr grosse Folgen gehabt zu haben. Wenigstens hat das N. Convent in den beyden Seßionen am 9. und 10. Nachricht erhalten von zwey Vorfällen bey Lüzon und Chatillon, die nicht beweisen, daß die Uebermacht der Patrioten über die Rebellen sehr groß sey. In der ersten dieser beyden Nachrichten theilt ein National-Commissär bey dem Tribunal in Rochelle von dem am 4. dieses bey Lüzon vorgefallenen Gefecht nachfolgende Umstände mit: 6600. Rebellen seyen mit 4. Kanonen gegen diesen in Poitou gelegenen Ort anmarschiert, indessen die dortigen Republikaner nur höchstens 1800. Mann waren. Kaum sey die Kanonade angegangen, so habe der General Sandos Befehl zur Rückzug gegeben, und sich auch wirklich mit 800 Mann und der Artillerie zurükgezogen. Seine übrigen Truppen haben es für schimpflich gehalten, vor den Rebellen zu weichen, und ohne General und Kanonen dieselben auch wirklich geschlagen, ihnen die Kanonen weggenohmen, ungefehr 400 von ihnen getödet, und 120 zu Kriegsgefangenen gemacht -- Zugleich mit dieser Nachricht erfuhr auch das N. C., daß die Volks-Representanten in Rochelle bereits den General Sandos abgesezt, in Verhaft nehmen lassen und das Commando dem General Boissiere übergeben haben. Nach einem Dekret des N. C. soll Sandos vor das Revolutions-Tribunal gebracht werden.

Die andere obenerwähnte Nachricht kommt ebenfalls aus la Rochelle von den Deputierten des N. C. bey der dortigen Armee, welche melden: der General Westermann habe sich am 5ten dieses bey Chatillon von den Feinden überraschen und umringen lassen; sein ungefehr aus 3000 Mann bestehendes Corps sey übel behandelt und der Rest gänzlich zerstreut worden, 11 Kanonen seyen den Feinden in die Hände gefallen; Westermann habe sich mit dem Ueberrest der Legion, die seinen Namen führt, gegen St. Maixence und Niort zurükgezogen.

Diesen Berichten zufolg ist dem General Westermann das Commando genohmen, und derselbe zur Verantwortung vor das N. C. beruffen worden. Das Wohlfahrts-Committe hat dem N. C. anzeigen lassen, daß die Administratoren von Montpellier ein Central-Comitte der allgemeinen Wohlfahrt errichtet haben, um mit den Departements zu korrespondieren. Dieses Comitte habe unter anderm auch erkannt, daß alle Mitglieder des gegenwärtigen N. Convents nach Endigung desselben zur Verantwortung gezogen und von der Nation über sie geurtheilt werden soll. Weil ein anwesendes Mitglied diesen Schluß Beifall ertheilte, so wurde er zur dreytägigem Verhaft in der Abtey verurtheilt.

Mit der Stellung der Leute welche der Armee des General Wimpfen oder Büzot entgegen gehen sollen, geht es in den hiesigen Sektionen sehr langsam zu; es sind nach einem vor ein Paar Tagen von dem Maire vorgelegten Verzeichniß viel mehrere derselben, welche erst noch deliberieren, als solche, welche wirklich Hand ans Werk legen. In einige Sektionen herrschen wirklich Unruhen, die dieser Gegenstand veranlaßt hat.

Von Zeit zu Zeit erhält das N. C. Anzeigen von der Genehmigung der Constitution in verschiedenen Distrikten der näher gelegenen Departements -- Gestern legte Garat, der Minister der innern Angelegenheiten, dem N. C. ein Verzeichniß vor von den Departements, deren Administratoren nicht mehr mit dem vollziehenden Staatsrath korespondieren; es sind folgende: die Departements von Eure, Calvados, Rhone und Loire, Gard, den Rhone-Mündungen, Corsika, Jura, Finistere und der Gironde. -- Von allen 48 Sektionen hatten noch vorgestern erst 5 ihr Contingent an Leuten geliefert. -- Das N. C. hat vor wenigen Tagen durch den Tod eines seiner Mitglieder verlohren in der Person des Hr. Karl Vilette, welcher die von Voltaire zur Tochter angenohmene Mademoiselle de Varicourt geheyrathet hatte. Er ist durch diese seine Gattin eben so bekannt geworden, als durch seine geschmakvollen Poesien von der leichtern Gatttung und durch Briefe von manigfaltigem Inhalt. Bey der Revolution hat er gleich von Anfang an viel Patriotismus geäussert.

Der General Servan hat dem Kriegsminister Nachricht ertheilt, daß unsere Truppen am ersten dieses sich eines Spanischen Lagers bemächtiget, 93 Kriegsgefangene, und einige Beute an Gewehr, Munition und Feldgeräthschaft gemacht haben.

Paris, vom 15. Heumonat [4]

Marat lebt seit dem 13. dieses nicht mehr. An diesem Tag Abends um 7. Uhr kam eine noch junge unverheirathete Frauensperson in einer Mieth-Kutsche vor seine Wohnung und verlangte sehr dringend vor ihn gelassen zu werden; er war eben im Baad; doch ließ er sie vor sich kommen; sogleich überreichte sie ihm mit der einen Hand eine vorgebliche Bittschrift, und mit der andern stieß sie ihm ein Besser in die Brust; er hab einige Augenblike nachher den Geist auf. Ueber diesen Vorfall stattete Chabot dem N. Convent in der gestrigen Seßion nachfolgenden Bericht ab: Das allgemeine Sicherheits-Committe habe schon seit 3. Wochen viele Anzeigen erhalten von einer grossen Verschwörung, welche am 14. dieses Monats, dem Gedächtniß-Tag der eroberten Freiheit, in Paris ausbrechen solte; die verschwornen in Caen haben mit dem Convents-Gliedern von der linken Seite Correspondenz unterhalten. Noch in dieser Woche sey ein Kurier bey dem Deputierten Düperray angekommen, welcher dem Bischoff von Calvados, Fauchet, Nachricht davon ertheilt habe; dieser Kurier sey eine Frauensperson und allem Ansehen na~~ eben diejenige gewesen, welche den Marat ermordet hat: Man habe Fauchets Papiere versiegelt, und zwar die wichtigsten davon nicht mehr, aber doch noch genug gefunden, um ihn zu überführen. Man habe in Paris eine Massakre vornehmen wollen, und um sie auszuführen es vermuthlich für das sicherste Mittel gehalten, den Marat ermorden zu lassen, weil bekannter massen das Volk auf ihn das gröste Vertrauen sezte. Die Mörder seyen von Caen aus abgeschickt worden, und diese Frauensperson sey am 11. in Paris angekommen. Mit vielem Geist, einnehmenden Reizen und einer edeln Gestalt verbinde sie alle zu gewagten Unternehmungen erforderlichen Eigenschaften. Um ihren Zwek zu erreichen habe sie verschiedene mahl an Marat geschrieben, um vor ihn gelassen zu werden, unter dem Vorgeben, daß sie in ihrem Unglük seinen Schuz bedörfe und ihm wichtige, die allgemeine Sicherheit betreffende Dinge mitzutheilen habe. Als sie endlich vor ihn gelassen wurde, sprach sie von den Complotten, welche Frankreich zerrütten; Marat erwiederte ihr, alle Verschwornen müsten auf dem Schaffot sterben. Bey diesen Worten zog sie ein Messer hervor (welches Chabot vorwies) und stieß es ihm ins Herz: er konnte nur noch sagen: Ich bin des Todes. Nun verlaß Chabot das Protokol des Verhörs, welches noch am 13. Abends um 8. Uhr mit der Thäterin vorgenommen worden. Nach demselben heist sie Charlotte Gordet, vormahlige von Armand, Tochter des vormahligen Königl. Ecüyer von Armand. Sie wohnte in Caen; ist noch nicht völlig 25. Jahr alt und unverheirathet. Sie deklarierte, daß sie absichtlich nach Paris gekommen sey, um Marat zu ermorden, den sie für den Urheber alles Unglüks von Frankreich ansehe. Als sie nach dem Gefängniß der Abtey gebracht wurde, sagte sie zu wiederholten mahlen: "Mein Geschäft ist nun vollbracht, die andern mögen das übrige thun." -- Uebrigens blieb sie ruhig, und als man ihr vom Tod sagte: Antwortete sie darauf mit unbegreiflicher Gleichgültigkeit und Sicherheit; so sehr scheint sie überzeugt zu seyn, daß die Contre Revoluzions Projekte gelingen werden. Sie sagte: sie habe Frankreich retten wollen, und die vornemsten von den Convents-Gliedern der sogenannten Montagne sollen alle ermordet werden. Ihren Auftrag habe sie vollzogen. In ihrer Wohnung ist eine Untersuchung vorgenommen worden; man hat die Addresse an Düperray, ein Convents Glied, gefunden und sogleich ein Verhafts- nachher auch ein Akkusazions-Dekret gegen ihn abgefast. Düperray gestand, daß die Urheberin von Marats Tod bey ihm gewesen sey, und er sie am Tage nachher zweymahl in ihrer Wohnung besucht habe. Er wies auch einen Brief von Barbaroux auf, worinn er ihm unter anderm schreibt: Ich bitte dich, dieses Frauenzimmer dich anzunehmen; sorge dafür, daß der Minister der innern Angelegenheiten ihren Vorstellungen Gehör gebe und ihr Recht wiederfahren lasse; alles geht hier gut; nächstens werden wir vor Paris seyn; u. s. w. -- Diesem fügte er noch bey: das Frauenzimmer habe sehr in ihn gedrungen, sie zu dem Minister der innern Angelegenheiten zu führen; er habe aber ihrem Verlangen nicht entsprechen können, und sie mit dem Ansuchen verlassen, daß sie sein Antwort-Schreiben an Barbaroux nach Caen überbringen möchte, im Fall er sie nicht selbst dahin begleiten könne. -- Fauchet, Deputierter vom Departement Calvados, wurde beschuldiget, er habe in der Seßion am 13. mit Düperray eine Conferenz gehabt, und über das Schreiben von Barbaroux eine unbesonnene Freude geäussert; er wurde deswegen zum Verhaft verurtheilt. Das Revoluzions-Tribunal hat den Auftrag bekommen, der Urheberin von Marats Tod und allen Mitschuldigen an demselben ungesäumt den Prozeß zu machen.

Schon in der Seßion am 12. dieses berichteten die National-Commissarien in den westlichen Departements, daß Ancenis im Departement der Niedern-Loire, worinn Nantes die Hauptstadt ist, von den Patrioten in Besiz genommen worden, und die Armeen von Niort und Tours, deren Hauptquartier gegenwärtig in Angers sey, sich vereiniget haben. -- Ein anderes Schreiben der Commissarien im nördlichen Departement vom 11. meldet die Genehmigung der Constitution von den Primar-Versammlungen in Maubeuge, Lille, Cambray, u. s. w. nnd sagt zugleich, daß schon seit 3. Tagen die Batterien der Belagerer von Valenciennes diesen Ort nicht mehr bombardieren. -- Couthon, ein Convents-Glied, theilte demselben in eben dieser Seßion einige von dem National-Commissar Maulde und einem der Administratoren des Distrikts von Isore eingegangene Nachrichten mit, betreffend den gegenwärtigen Zustand von Lyon. Diesen zufolg ist Biroteau und Chassey dort angekommen und ein Departemental-Congreß, aus Administratoren und Wälenden bestehend, errichtet worden, worinn beschlossen wurde: Das Departement von der Rhone und Loire, worinn Lyon der Hauptort ist, erkenne das N. Convent nicht weiter, dieser Schluß wurde mit grosser Feyerlichkeit proklamiert und am Abend die ganze Stadt erleuchtet. Am folgenden Tag erklährte der Congreß, daß die Convents-Glieder von der sogenannten Montagne alles Schuzes der Geseze verlustig, und die Galerien im N. Convent als ein Gegenstand der allgemeinen Verwünschung anzusehen seyn sollen. Er bemächtigte sich alles für die Armeen bestimmten Vorraths und der Gewehr-Manufaktur von St. Etienne. -- Ein vom General Dubois-Crance nach Paris abgefertigter Kurier sey in Lyon angehalten und ihm seine Depeschen abgenommen worden. Täglich werde General-Marsch geschlagen; 100. Kanonen seyen aus dem dortigen Zeughaus genommen, und ein in der Stadt liegendes Regiment durch aufgepflanzte Kanonen gezwungen worden, zu bleiben. -- Diesen Berichten zufolg ist auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Committe nachfolgendes Dekret abgefast worden: 1) Die Stadt Lyon wird für rebellisch erklährt; 2) Biroteau, vormaliges Convents-Glied, wird als Vatterlands-Verräther und des Schuzes der Geseze verlustig deklariert; 3) das Vermögen der Verräther ist sequestriert; 4) die Munizipalitäts-Glieder und Administratoren, welche den vorgeblichen Departemental-Congreß in Lyon errichten lassen, sind ebenfalls für Verräther des Vatterlandes erklährt; 5) die den Lyonern zukommenden Interessen von einem Darlehn sind suspendiert; 6) die gutgesinnten Bürger dieser Stadt werden aufgefordert, innerhalb 3. Tagen dieselbe zu verlassen; und wenn dieses nicht geschieht, so sollen sie als Mitschuldige der Verräther anzusehen seyn; 7) sie sollen sich mit der bewafneten Macht vereinigen, die gegen Lyon anrüken wird; 8) die Volks-Representanten bey der Alpen-Armee werden bevollmächtiget, alle erforderlichen Maasregeln zu nehmen, um die Ruhe und Ordnung in Lyon wieder herzustellen. -- Das Aufsichts Committe in Lyon hat auf dem dortigen Postamt die Bülletins oder täglichen Berichte von den Verhandlungen des N. Convents und die Dekrete, welche die Armeen betreffen aus dem Grund wegnehmen lassen, weil Lyon mit den Volks-Representanten weiter keine Communikazion habe. -- In der vorgestrigen Seßion wurde dem N. Convent von seinen Commissarien aus Angers unterm 11. dieses berichtet: die Rebellen haben, durch die tapfere Gegenwehr der Einwohner von Nantes erschrekt, das rechte Ufer der Loire gänzlich verlassen, und ihre gewöhnlichen Posten in Cholet Chatillon und den benachbarten Commünen wieder bezogen, und die Französische Armee rucke wircklich gegen sie an. -- In eben dieser Seßion ließ das Wohlfahrts-Committe dem N. Convent anzeigen: die Armee, welche Valenciennes belagern, habe in der Meinung, daß die dortige Besazung aus Mangel an Munizion zu schiessen aufgehort habe, in der Nacht zwischen dem 5. und 6. dieses Monats einen Sturm auf diese Festung unternemmen wollen, welchen die Engelländer, Hungarschen Grenadiers und Hanoveraner ausfuhren solten. General Ferrand, der Commandant des Plazes (so schreibt der Brigadier Dupont aus dem Haupt Quartier zu Cambraj vom 10. dieses) merkte das Vorhaben der Feinde und ließ sie anruken; aber, als sie nahe genug waren, wurde mit kleinem Gewehr und Kartätschen so heftig auf sie gefeuret, daß man den feindlichen Verlust an Todten wohl auf 6000. Mann schäze. Die Belagerer, heist es, nahmen in gröster Unordnung die Flucht und wurden bis in ihr Lager verfolgt. Eine ge_prengte Mine vollendete ihre Niederlage. -- Zugleich mit dieser Nachricht erhielt das N. Convent auch eine andere, daß nemlich die Festung Conde nach einer vierthalb Monate langen Gegenwehr aus gänzlichem Mangel an Lebens-Mitteln habe kapitulieren und sich an die Feinde ergeben müssen. Ein Umstand, welcher Valenciennes immer noch grosser Gefahr ausseze, weil nun 2. feindliche Armeen gegen diese Festung sich vereinigen können.

In der gestrigen Seßion erschien die Commüne von Paris vor dem N. Convent mit den Protokollen von der Genehmigung der Constitutions-Akte von allen 48. Sektionen dieser Hauptstadt. -- Jambon St. Andre ist seit dem 12. dieses President des N. Convents. -- Demselben ist an eben diesem Tag von dem Bürger und berühmten Mahler David im Namen des Insurektions-Committe ein Projekt zu der National Feyer, die am 10. August vor sich gehen soll, vorgelegt worden. Er ist aber für die Mittheilung in diesem Blatt zu weitläufig. Das N. Convent hat dekretiert, daß dieses Projekt gedruckt, offentlich angeschlagen und an die Departements und Armeen überschickt werden soll, und zugleich dem vollziehenden Conseil aufgetragen, alle nothigen Veranstaltungen zu seiner Ausführung, wozu die Kosten aus dem National-Schazamt hergegeben werden sollen, zu machen; auch soll das Instruktions Committe zwey Commissarien ernennen, um sogleich über die Zubereitungen und die Ausführung die Aufsicht zu haben.

Paris, vom 19. Heumonat. [5]

Das Todes-Urtheil über die Urheberin von Marats Ermordung ist schon vorgestern von dem Revoluzions-Tribunal gefällt, und noch am gleichen Tag um 7. Uhr auf dem Revoluzions-Plaz vollzogen worden. Sie antwortete in dem Verhör mit der grösten Entschlossenheit und Kaltblütigkeit. In dem Protokol dieses Verhörs heist sie nun: Maria Anna Charlotte Corday, vormahlige von Armand, gebürtig von St. Saturin des Vignaux und wohnhaft in Caen. Auf die Frage, was sie zu Marats Ermordung bewogen habe, antwortete sie: Seine Verbrechen, und diese bestehen in den durch die Anarchie in ihrem Vatterland verursachten Verwüstungen. Sie wolte nichts davon wissen, daß sie von irgend jemand zu ihrer That aufgestiftet worden sey. Was die Zeugen, welche über die Umstände dieser That und ihre Verhaftnehmung verhört wurden, aussagten, das gestand sie gröstentheils ein. Auf die Frage: Ob sie die Republik nicht liebe, antwortete sie: Ja wohl, aber die Franzosen haben nicht Geistes-Stärke genug, um Republikaner zu seyn; sie sehe in ihnen weiter nichts als Egristen, die auf die Ruinen von dem Wohlstand ihrer Mitbürger den Ihrigen gründen wollen. Auf alle weitere Fragen war ihre Antwort blos: Sie habe weiter nichts zu sagen, als daß ihre Absicht ihr gelungen sey. Sie habe aber keinem Menschen und auch dem Convents-Glied Düperray nichts davon gesagt, auch die Addresse an Marat nicht von ihm erhalten.

In der vorgestrigen Seßion stattete ein Mitglied des N. Convents Bericht ab von den bey Marats Leichen-Begängniß beobachteten Ceremonien. Das ganze National-Convent, alle konstituierten Autoritäten, Tribunale, Friedensrichter und Deputierten der Sektionen haben demselben beygewohnt.

Die Volks-Representanten bey der Armee an den Küsten von Brest hatten unterm 14. dieses aus Ancenis berichtet, der in Nantes kommandierende General Beysser sey nun auch ein Verräther und Revoluzions-Feind. Kaum haben am 5. dieses die Commissarien des N. Convents Nantes verlassen, so sey von den administrierenden Corps dieser Stadt ein Schluß abgefast worden, worinn sie erklären, daß sie das N. C. und seine Commissarien nicht mehr anerkennen, und Beysser habe diesen Schluß unterschrieben; welcher auch dem General Canclaux zugeschikt worden sey, nebst einer Einladung, demselben beyzutretten und ihn den Volks-Representanten zu kommunizieren. Auf diese Nachrichten erklärte das N. Convent den General Beysser und die Administratoren von Nantes, welche den obenerwähnten Schluß unterzeichnet, für Vatterlands-Verräther und des Schuzes der Geseze verlustig. Aber in der gestrigen Seßion wurde ein zweites Schreiben der Volks-Representanten aus Ancenis vom 15. verlesen, welches beruhigendere Berichte enthält. Die gutgesinnten Bürger in Nantes, heist es in diesem zweiten Schreiben, das dortige General-Conseil der Commüne und der Distrikt haben es dahin gebracht, daß die föderalistische Akte vom 5. wiederruffen worden; auch Beysser habe seine Beystimmung zu diesem Schluß zurük genommen, und das Commando in Nantes dem vom Ober-Befehlshaber Canclaux ernannten Officier abgetretten. Zugleich habe der dortige Distrikt die Ankunft der Constitutions-Akte und die Zusammenberuffung der Primar-Versammlungen mit der grösten Feyerlichkeit proklamieren lassen. Indessen herrsche doch immer noch in Nantes eine starke Gährung. Die Unruhstifter sezen das Volk in Bewegung, und dasselbe verlange daß Beysser wenigstens für jzt noch das Commando in der Stadt behalten soll. Auch habe das Departement diesen Officier in seine Seßion eingeladen, und da habe derselbe unter lautem Geschrey einer zahlreichen Versam'lung das Commando, von welchem er abgesezt worden, aber nur einsweilen, wieder übernommen, bis die National-Commissarien über die zu seinen Gunsten gemachten Vorstellungen einen Ausspruch würden gethan haben. Wirklich haben sich auch am 15. bey diesen Commissarien 4. Deputationen von Nantes, eine vom Departement, eine vom Distrikt, eine vom Conseil der Commüne und eine von der National-Garde eingefunden mit dem Ansuchen, daß sie den General Beysser wieder in sein Commando einsezen möchten; sie haben ihnen aber zur Antwort ertheilt: Der Ausspruch hierüber komme dem N. Convent zu. -- Dieses hat nun auf diesen zweiten Bericht sein obenerwähntes Dekret von der vorgestrigen Seßion gegen den General Beysser und die Administratoren von Nantes zurük genommen; dich aber diesen nebst dem Presidenten und Prokureur-General-Syndik des Departements der Niedern-Loire und einem Mitglied des dortigen Distrikts und des General-Conseils der Commüne von Nantes zur Verantwortung und Mittheilung der nöthigen Erläuterungen vor sich beruffen.

Von Bordeaux wird berichtet, die Avant-Garde der dortigen bewafneten Departemental-Macht sey ausmarschiert; sie bestehe aus 200. Mann, gehe aber nicht gerade nach Paris, sondern vorher nach Lyon, um sich mit den dortige' Convents-Gegnern zu verbrüdern.

General Cüstine ist seit gestern auf Einladung des Wohlfahrts-Committe hier, und Lamarsche hat indessen das Interims-Commando von der nördlichen Armee. Es scheint aber, er werde es nicht lang behalten, weil er gestern in dem Jacobiner-Club als ein Verräther und Gegen-Revoluzionist klagbar angegeben worden.

Briefe aus St. Domingo berichten: Es herrschen in dieser Colonie neue Unruhen; und die Begünstiger derselben, die Civil-Commissarien, Polverel und Santonax, haben den Anschlag gefast St. Domingo der Engl. und Spanischen Flotte zu überliefern. Gegen diese beyden Commissarien ist deswegen in der Seßion am 16. von dem N. Convent ein Akkusazions-Dekret abgefast und dem Wohlfahrts Committe aufgetragen worden, auf Mittel zu dencken, wie dasselbe vollzogen werden könne.

Die National-Commissarien im Departement der Eüre in der Normandie berichten aus Pacy vom 15. dieses: Die Bürger von Evreux, dem Hauptort dieses Departements, haben, so bald sie von der Anwesenheit der Rebellen befreyt gewesen, ihre unverbrüchliche Anhänglichkeit an die Republik und das N. Convent erklärt. Die Rebellen haben diese Stadt gänzlich geräumt und ziehen sich nach dem Departement von Calvados zurük. Die Avantgarde von der Armee der Republik sey in Pacy angekommen. Der Ueberbringer dieses Schreibens, Mazüel, Adjutant des Kriegs-Ministers, fügte diesem schriftlichen Bericht noch mündlich bey: Die Rebellen-Armee von Evreux, mit dem vormaligen Marquis von Püisaie, unter dem Ober-Commando des General Wimpfen, an ihrer Spize, habe sich am 12. von Vernon bemächtigen wollen; es sey ihr aber nicht gelungen; worauf Püisaie die Flucht genommen. Man habe sich mit leichter Mühe seines Schlosses bemächtiget. -- Das N. Convent dekretierte: das Haus, welches Büzot in Evreü~ besessen, soll niedergerissen werden, und nicht erlaubt seyn, auf dem Plaz, wo es gestanden, wieder zu bauen; sondern es soll auf demselben ein Pfahl aufgestellt werden mit der Aufschrift: Hier wohnte der Böswicht Büzot, welcher sich zu dem Verderben der Republik verschworen hat.

Paris, vom 22. Heumonat. [6]

Die Volcks-Representanten bey der Armee an der Küste von la Rochelle haben in einem Schreiben vom 15. dieses dem N. Convent Nachricht ertheilt von einem beträchtlichen Vortheil, welchen die Truppen der Republik eben an diesem Tag bey Chemigne, im Departement de la Vendee über die Rebellen erhalten. Die Armee dieser leztern war 20,000. Mann stark. Nachdem das Gefecht mit einem lebhaften Musketenfeur den Anfang genommen, wurde es bald allgemein und endigte sich gänzlich zu unserm Vortheil. Die Cavallerie und Husaren trugen am meisten dazu bey, daß die republikanischen Truppen Meister vom Schlachtfeld blieben. Die Generalen Berthier, Menou und Santerre, dieser leztere an der Spize der Pariser, haben mit viel Muth und Einsicht agiert. Die Niederlage der Rebellen soll vollständig und ihr Verlust beträchtlich seyn.

In der Seßion am 19. hat der Umstand, daß ein Priester, der sich verheirathen wolte, von seinem Bischoff abgesezt worden, ein Dekret veranlast, wodurch das Cölibat der Geistlichkeit so viel als gesezmässig aufgehoben worden ist. Es wurde nemlich dekretiert, daß jeder Bischoff, der einen Geistlichen an seiner Verheirathung hindern wolle, seiner Stelle entsezt und aus der Französischen Republik weggeschaft werden soll. -- In eben dieser Seßion wurde dem N. Convent berichtet, daß die constituierten Authoritäten in Brest dasselbe nicht mehr anerkennen wollen, und zwey Commissarien des vollziehenden Conseils in Verhaft haben nemmen lassen. Es wurde ihnen durch ein Dekret anbefohlen, dieselben wieder in Freiheit zu sezen.

Der Neapolitanische Bottschafter, Marquis von Cirullo, ist ohne einen Paß zu verlangen, und ohne bey dem Büreaux der auswärtigen Angelegenheiten ein Verzeichniß seiner Sachen zu hinterlassen, von Paris abgereiset. Es sind deßwegen einige Sachen, die man als ihm zugehörig wegbringen wolte, arretiert worden; und das General Conseil der Commüne hat beschlossen, daß sie sequestriert seyn und beysammen bleiben sollen, bis sie von dem König, seinem Herrn, auf eine authentische Weise reklamiert werden.

In der vorgestrigen Seßion ertheilt das N. Convent von seinen Commissarien bey der Armee an den Alpen die Nachricht, daß Savoische Truppen in Gemeinschaft mit einem Detaschement dieser Armee die Marseillaner angegriffen und aus Avignon und Orange vertrieben haben. Diese Nachricht wurde noch mündlich von einem Conventsglied bestätiget, welcher berichtete, die Marseillaner seyen bey Pont St. Esprit geschlagen worden, und haben 6 Kanonen und 5 ihrer Anführer verlohren; die Französische Armee seye über die Dürance und Rhone gegangen und alles weiche vor den republikanischen Truppen. -- Ein anderes Conventsglied verlangte in eben dieser Seßion, man möchte dem Wohlfahrts-Comitte den Auftrag gegen zu untersuchen, ob es nöthig sey, daß die Republick mit grossen Kosten Agenten an auswärtigen Höfen unterhalte, die doch gröstentheils Anti-Republikaner seyen. Auch finde er es eben so unnüzlich, bevollmächtigte Minister der Allierten Höfe in Paris zu haben. Er nannte besonders den Baron von Stael, Neckers Tochtermann, welcher einen geheimen Auftrag von der Schwedischen Regierung zu haben vorgebe, und Frankreich gar keine Dienste leiste. Die Sache wurde an das Wohlfahrts-Committe gewiesen. -- Aus Lille berichten die dortigen Volks Representanten: Die Einwohner dieser Stadt haben beschlossen, die 4. nördlichen Departements zusammen zu beruffen, in einer gewissen verabredeten Zeit überal Sturm läuten und General-Marsch schlagen zu lassen, und dann mit gesammter Macht über die Feinde, welche in das Französische Gebiet einrücken, herzufallen. Sie haben ihnen über ihr Vorhaben Vorstellungen gemacht, aber sie nicht können davon abwendig machen, sondern ihnen versprechen müssen, das N. Convent ungesäumt durch einen Kurier davon zu benachrichtigen. Auch haben sie in eben dieser Absicht an die Generalen und ihre Collegen in den benachbarten Departements Kouriers abgefertiget. -- Das N. Convent billigte diese Maas-Regeln und wiese dieselben an das Wohlfahrts-Committe, um die Vollziehung derselben zu dirigieren. -- Zugleich dekretierte dasselbe, daß dem Instruktions-Committe die Summ von einer Million und 200000. Livres zur Veranstaltung des auf den 10. August angesezten National-Festes zugestellt werden sollen.

Paris, vom 26. Heumonat. [7]

Der General Cüstine, ist nun auch in Verhaft und befindet sich seit dem 23. im Gefängniß der Abtey zufolg eines in der Seßion am 22. vom N. Convent abgefaßten Dekrets. Es hatte nemlich in dieser Seßion ein Convents-Glied, Bazire, angezeigt, daß das Publikum in Absicht auf diesen General Besorgnisse äussere. Er befinde sich bereits seit einigen Tagen in Paris, lasse sich überall sehen und von den Aristokraten im ehmaligen Palais-Royal applaudieren. Man beschuldige ihn er habe Geld ausgetheilt, um eine Bewegung in Paris zu veranlassen. Unlängst habe er bey seiner Armee als Parole die Worte ausgegeben: "Condorcet, Constitution, Paris;" welches vermuthen lasse, daß er mit dem Departement von Calvados einverstanden sey. Er werde zwar schon von einem Gendarme beobachtet; aber er gehe doch herum und könnte erwischen. Man soll ihn deswegen in Verhaft nehmen lassen. Bald nachdem das N. Convent dieses dekretiert hatte, ließ das vollziehende Conseil demselben anzeigen, daß es nach reiffer Ueberlegung beschlossen habe, den General Cüstine seiner Stelle zu entsezen, und das Commando, welches er hatte, dem General Diettmann, welcher gegenwärtig bey der Armee in den Ardennes eine Division kommandiert, zu geben. Diese Wahl wurde von dem N. Convent genehmiget. -- In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent von seinen Commissarien in Lille ein Schreiben, worinn sie von demselben die Bestätigung eines von ihnen abgefaßten Schlusses verlangen, durch welchen sie den in Lille kommandierenden General la Valette seiner Stelle entsezt und ihm befohlen haben, sich nach Paris zu begeben. Zufolg einer andern Verfügung eben dieses Schlusses soll auch der Adjutant desselben Düfresse in Verhaft genohmen, seine Papiere versiegelt und dem General Düpont einsweilen das Commando des General Lamarliere aufgetragen werden, weil dieser sich ungesäumt nach Paris begeben soll, um sich daselbst gegen das Wohlfahrts-Committe über die von la Valette gegen ihn angebrachten Beschuldigungen zu erklären. Der Beweggrund zu diesem Schluß von Seite der Volks-Representanten in Lille war, daß sie glauben, la Valette habe dem General Lamarliere bey seinen Operationen Hindernisse in den Weg gelegt. Bey dieser Gelegenheit nahm in dem N. Convent Robespierre das Wort und sagte: Jedermann sey der Meynung, daß zwischen Cüstine und Lamarliere ein Complot gemacht worden sey, Lille an Oesterreich zu überliefern. Diesen Anschlag habe la Valette vereitelt mit Hülfe seiner treuen Adjutanten sich den treulosen Anschlägen des Lamarliere wiedersezt. Er mache sich anheischig vor ganz Franckreich den Cüstine und Lamarliere zu entlarven und ihr Einverständniß mit Coburg zu beweisen. Ein in Paris anwesender Kanonier, der die Artillerie, welche Dümourier dem Feind überliefern wollte, gerettet, und ein Aide de Camp von la Valette können dem N. Convent wichtige Anzeigen mittheilen, durch welche die Wahrheit an den Tag kommen werde. La Valette sey gegenwärtig ein Opfer der Intriguen oder des Irrthums der National Commissarien in Lille. -- Einer derselben Dühem wurde nun durch ein Dekret des N. Convents von seinem Posten zurück beruffen, und der obenerwähnte von ihm und seinen Collegen abgefaßte Schluß zur Untersuchung an das Wohlfahrts-Committe gewiesen.

Der Quartiermeister und Tresorier Fouqueteau hat dem General-Adjutant Hoche folgenden Bericht, die Uebergabe von Conde betreffend, mitgetheilt: Schon seit 6. Wochen war die Besazung dieser Vestung auf eine kleine Portion täglicher Nahrungs-Mittel und anderer unentbehrlicher Bedürfnisse reduziert und litte sehr; der Dienst war äusserst mühsam und viele Leute wurden kranck. Da nur noch für 4. Tage Lebens-Mittel vorhanden waren, versammelte sich der Kriegs-Rath, und brachte 3. von diesen Tagen zu mit Berathschlagungen, wie allenfalls dieser feste Plaz und die tapfere Besazung desselben noch zu retten seyn möchte. Umsonst versuchte man Ausfälle, die alle ohne Erfolg waren; endlich, durch Fatiguen und Hunger erschöpft, kapitulierte man am 12. dieses und am 13. Vormittags räumte die Besazung den Plaz. Dieselbe bestand ungefehr aus 4000. Mann. Die Truppen zogen mit allen militairischen Ehren bis in eine etwann eine viertel Stunde weit entfernte Vorstadt, wo sie die Waffen ablegten und von einem Oesterreichischen Commissar gemustert wurden. Die Besazung ist zum Theil nach Aachen, zum Theil nach Cöln gebracht worden, an welchem leztern auch der Commandant Chancel sich aufhält.

In der Seßion am 23. erhielt das N. Convent von einem seiner Commissarien im Departement der Saone und Loire eine Nachricht von dem, was er gethan und von dem Zustand der Stadt Lyon. Unter anderm meldet er: Als wir am 17. dieses in Macon ankamen, beriefen wir die konstituierten Authoritäten zusammen und errichteten eine Commißion betreffend die Lebens-Mittel. Es verbreitete sich das Gerücht, daß 2000. Lyoner gegen Macon anrücken; wir sezten diese Stadt in Vertheidigungsstand und foderten die Gendarmerie und die National Garden mehrerer benachbarten Städte auf; vernahmen aber bald, daß die Lyoner ihr Vorhaben aufgegeben haben. Man sagt, sie wollen 7000. Mann aufbieten, um Gegen Paris zu marschieren und sich der Alpen-Armee entgegen zu sezen. Die Dorfschaften im Departement der Rohne und Loire erwecken bey der Commißion in Lyon Besorgnisse, und warten nur, um sich zu deklarieren, daß eine hinreichende bewafnete Macht sie unterstüze. Ein grosser Theil des Distrikts von Villefranche nöthiget bereits die Administration von Lyon, ihm die Constitutions-Akte zuzustellen. Die ebengenannte Stadt verlangt, von dem Departement der Rhone und Loire getrennt und dem zu nächst gelegenen einverleibt zu werden; in Lyon selbst ist das Volck nicht gleichgesinnt mit der dortigen Commißion. So eben, heißt es weiter in diesem Bericht, kommt eine Deputation der Lyoner-Munizipalität zu uns, die uns einladet, in diese Stadt zu kommen; aber wir konnten uns nicht entschliessen, uns in irrgend eine Unterhandlung einzulassen mit einer Stadt, deren Chefs des Schuzes der Geseze verlustig und für Vatterlands Verräther erklärt worden sind. Wir lehnten deswegen die Einladung von uns ab und antworteten den Deputierten, daß wir durch einen Kurier um die Willensmeynung des N. Convents anfragen wollten. -- Einige Bürger von Lyon haben, nebst ihrer Erklärung, daß sie den von den Administratoren dieser Stadt genohmenen Maas-Regeln nicht bestim'en; sondern die Constitution genehmigen, dem N. Convent in seiner vorgestrigen Seßion zugleich berichtet: "Am 14. dieses sey in Lyon die Föderation zu stand gekommen. Alle Commünen des Departements der Rohne und Loire seyen zusammenberuffen worden; aber nur etwann 12. oder 15. __ben sich eingefunden. Nach Endigung der Feyerlichkeit sey bey einem der Administratoren ein offentlich Gastmahl gegeben und nachfolgende Eides-Formul in Vorschlag gebracht worden: Es lebe die "Lyoner Föderative Republick! -- Aber zu grosser Verwunderung der gegen das N. Convent verschwornen haben die Deputierten von der Landschaft und die Kanoniers von den regulierten Truppen sich allgemein geweigert, dieser Eides-Formel beyzustimmen. Man habe alles mögliche angewendet, um die Dorfschaften aufzuwiegeln; aber die Einwohner derselben haben standhaft alles ausgeschlagen, und alle föderativen Verfügungen und was nur immer eine Trennung von der übrigen Republick veranlassen könnte, von der Hand gewiesen.

In der gestrigen Seßion wurde im National-Convent ein Schreiben der Volcks-Representanten in Perpignan vom 17. dieses verlesen, worinn sie von einem Sieg der französischen Truppen unter dem Commando der Generalen Dagobert, Perignon und Barbantane uber die Spanier Nachricht geben. Jene waren ungefehr 18000., diese hingegen 27000. Mann starck. Der Verlust der Spanier an Todten und Verwundeten wird auf 1000. Mann angegeben. Eben diese Nachricht wurde noch in der gleichen Seßion auch durch ein Schreiben des Generals Flers, Commandanten von Perpignan, bestätiget, welcher zugleich eine Verstärckung von Kavallerie verlangte. -- Eben auch in der gestrigen Seßion that Barrere dem N. C. die Anzeige, daß die Nachrichten aus dem Departement de la Vendee nicht günstig lauten. Es werde demselben nächstens ein Rapport über den Zustand der Armee im Innern des Landes vorgelegt werden. Der in Paris angekommene General Düpüy habe Bericht darüber abgestattet. Das Committe sey bereits damit beschäftiget, den Kriegs Minister in den stand zu sezen, daß man diese Armee verstärcken und wieder vereinigen könne; denn, ohne daß so zu sagen ein Schuß geschehen, habe sie gar nicht den Muth von Republikanern gezeigt. -- So lautet diese freylich noch sehr unbestimmte Anzeige; auf welche sich vermuthlich auch ein Schreiben des General Santerre vom 20. dieses an die Commüne von Paris bezieht, worinn er unter anderm sagt: "Ihr wisset, was für einen unglüklichen Tag wir gestern gehabt haben. Vorgestern kam im Artillerie-Park Feur aus, ungeachtet dessen wir den Feind, der uns angrief, schlugen. Aber damals waren die Truppen ruhig. Gestern hingegen war es nicht so; eben als Munizion ausgetheilt wurde grief uns der Feind an, weil es regnete, so haben viele schlechtgesinnte Bürger unter dem Vorwand, daß ihr Schieß Pulver naß sey, über 2000. Schüsse gethan. Der in der Nähe befindliche Feind merkte, daß Unordnung bey uns herrsche, welcher die Officiers gröstentheils nicht zu steuren im Stand sind. -- Weitere Umstände von dem, was vorgegangen seyn muß, enthält auch dieses Schreiben nicht. Sie müssen also erst noch erwartet werden. Nur klagt Santerre überhaupt über die mißliche Lage der Truppen, die gegen innerliche Feinde fechten müssen, und besonders über den Mangel an Lebens-Mitteln.

Paris, vom 29. Heumonat [8]

PortretDanton240

Danton ist seit dem 26. President des N. Convents; welches in eben dieser Seßion von seinen Commissarien aus Ancenis unterm 21. die Nachricht erhielt, daß die Constitution am 14. in Nantes proklamiert und am 18. acceptiert worden sey. -- Zugleich berichtete der Prokureur General-Syndick des Departements der Ardesche in Languedoc, daß es den in dieses und ein paar benachbarte Departements zu Wiederherstellung der Ruhe abgeschickten Commissarien gelungen sey, die Marseillaner Colonne zur Rückkehr nach ihrer Heimath zu bereden. -- Noch in eben dieser Seßion erhielt das N. Convent in einem Schreiben des General Beauharnois aus Landau vom 23. Nachricht von einem abermahligen über die Preussen, Oesterreicher und Emigrierten erfochtenen Vortheil. Am 22 schreibt der General, ließ ich meine Armee in 3. Coloñen gege' die Preusse' anrüken, welche auf einer Anhöhe in einem Fort, St. Anna Capelle genañt, durch Kunst und Natur starck verschanzt waren. Der Posten wurde mit aufgepflanztem Bajonet eingenohmen, und der Feind band darauf von Dorf zu Dorf bis an die vogesischen Gebürge zurückgetrieben. Indessen nöthigten unsere Truppen auch die Oesterreicher und Emigrierten, Dornheim zu verlassen. Unsere Armee focht von 9. Uhr Vormittags bis nach Sonnen-Untergang. Die Preussen so wohl, als die Oesterreicher und Emigrierten haben viele Leute verlohren, und ihr Verlust kan wohl auf 1500. Mann geschäzt werden; den unsrigen kan ich noch nicht bestimmt angeben; aber nach den eingegangenen Berichten belauft er sich auf 150. Todte und 450. Verwundete.

Barrere stattete noch in der gleichen Seßion im Namen des Wohlfahrts-Committe den jüngst angekündigten Rapport ab, betreffend den gegenwärtigen Zustand der Sachen im Departement de la Vendee. Derselbe bestand in Verlesung verschiedener Schreiben der dortigen N. Com'issarien, der Generalen und der Commissarien von exekutiven Conseil. Das erstere dieser Schreiben aus Saumür vom 19ten dieses enthält die umständlichste Nachricht betreffend die von der Patrioten-Armee erlittene Niederlage und muß deswegen vollständig mitgetheilt werden; es lautet so:

"Seit dem Anfang des Kriegs gegen die Rebellen, welche die westliche Departements verwüsten, ist immer auf jeden Sieg, die wir erhalten haben, ein noch grösserer Unglücksfall gefolgt. Das haben wir nun abermahls erfahren. Am Tag nach der Schlacht bey Flines trat unsere siegreiche Armee, nachdem sie einen Tag und eine Nacht unter dem Gewehr zugebracht hatte, mit der Avant-Garde voraus, den Marsch an, um die Rebellen bey Montaigü anzugreiffen. Kaum war sie abmarschiert, so berichtete der General Menau, die Feinde haben diesen Posten geräumt und sich gegen Caron zurückgezogen. Als wir in Vige ankamen, fanden wir Spuren von der eilfertigen Flucht der Feinde. Man ließ eben die Armee, die seit 48. Stunden auf dem Marsch war, sich erholen; als zwo zahlreiche Colonnen der Feinde zum Vorschein kamen. Sogleich wurde General-Marsch geschlagen; die in Schlacht-Ordnung gestellte Armee zog dem Feind entschlossen entgegen; aber seyn Marsch war so schnell, er zerstreute sich so geschwind in die Kornfelder und in das niedrige Gehölz, daß unsere Vorposten sich zurückziehen mußten. Aber bald hernach durch Verstärckung unterstüzt nahmen sie ihre vorige Stellung wieder ein und die Rebellen wurden zum Weichen gebracht. Auf diese Bewegung erfolgte ein fürchterliches Feuren, welches 4. Stunden lang anhielt, und erst bey einbrechender Nacht aufhörte, weil wir besorgten, unsere verschiedenen Korps möchten in der Dunkelheit selbst auf einander schiessen. Die Armee blieb die ganze Nacht unter den Waafen, um ihre Stellung zu behaupten und in der Erwartung, am folgenden Tag wieder angegriffen zu werden. Aber der Feind hatte sich zwo Stunden weit zurückgezogen, nachdem er am vorigen Tag einen ansehnlichen Verlust erlitten, indessen unsere auf Anhöhen postierten und durch Zäune gedeckten Truppen nur wenige Leute verlohren hatten. Die Kavallerie hatte wegen der unebenen Beschaffenheit der Gegend nicht an dem Gefecht Antheil nehmen können. Der General Menou grief allein mit einigen Officiers etwan 100. Rebellen an, aber er bekam eine Kugel in den Leib, die ihm jzt noch heftige Schmerzen verursachet, indem sie noch nicht hat können herausgenohmen werden. Die Vorposten und Patrullen hatten in starcker Anzahl Vormittags die Gegend durchzogen und kein Feind war zu sehen. Aber um Mittag kamen die Rebellen auf einmahl aus dem Gehölz heraus. Es entstand von beyden Seiten eine heftige Kanonade. Unsere Avant Garde wurde zurückgeschlagen und retirierte sich in Ordnung gegen der Haupt-Armee; als auf einmahl mehrere Bataillons, ohne auch nur einen Schuß zu thun, Verrätherey schrien und unter der Armee eine vollkommene Flucht veranlasten. Die Feigheit war groß, die Unordnung schnell, und es konnte derselben durch keine menschliche Macht gesteurt werden. Die Stricke an den Artillerie-Pferdten wurden entzwey gehauen; eine grosse Anzahl Soldaten flüchteten sich durch die Kornfelder, der Feind machte sich die Verminderung unserer Anzahl zu Nuz, rückte schnell vor und grieff uns an. Jzt warfen die Soldaten ihre Habersäcke und Flinten weg, um desto geschwinder fliehen zu können. Der Feind verfolgte uns lang; der gröste Theil unserer Truppen zog sich nach Saumür zurück, wo man sich alle Mühe giebt, sie wieder zu sammeln. Noch wissen wir unsern Verlust nicht bestimmt; er kan an Todten nicht sehr beträchtlich seyn, ausser bey einigen Bataillons, die standhaft auf ihrem Posten blieben und den Rückzug eines theils der Armee deckten, während dem die übrigen die Flucht genohmen hatten. Gefangene müssen wir viele verlohren haben. Unsere Artillerie bestand aus 21. Kanonen, von denen 5. oder 6. in feindliche Hände gerathen sind, aber alle vernagelt. Die Bagage und Wagen hatten zum Glück eine Stunde vorher Befehl erhalten, nach Saumür zurück zu kehren; sonst wären sie auch weggenohmen worden. Es herrscht gegenwärtig bey unserer Armee die gröste Verwirrung. Uebrigens haben mehrere Ursachen das Ihrige zu dieser Niederlage beygetragen. Die Armee war seit 3. Tagen immer unterm Gewehr gewesen und durch einige auf einander erfolgte Gefechte ermüdet. Es hatte 3. Stunde lang geregnet und sie wurde unversehens, eben da sie zu Mittagessen wollte, angegriffen. In einem Artillerie-Park war Feuer ausgegangen, und mehrere durch die ausserordentliche Explosion einiger Pulverwagen verursachte Unglücksfälle hatte Verwirrung veranlaßt. Ueberhaupt ist zu bemerken, daß eben dieses sich auch bey Chemille ereignet hat, und daß auf dieses verrätherische Signal die Feinde uns angegriffen haben. Die übrigen Ursachen liegen in der Einrichtung und Beschaffenheit der Armee; sie besteht grossentheils aus neuangeworbenen Bataillons, von denen die meisten nichts vom Dienst verstehen, und unbrauchbar oder sogar schädlich sind. Dieser bürgerliche Krieg, der immer mehr ein entschiedenes Ansehen gewinnt, kan nicht anderst mit Vortheil geendiget werden, als wenn wir mehrere Truppen bekommen, die bereits Kriegsdienste gethan haben; auch haben wir mehr Infanterie und Scharfschüzen ~~thig, weil die Kavallerie uns wegen der Beschaffenheit des Landes nur wenige Dienste leisten kan."

Mit dieser Nachricht stimmt überein ein Schreiben der Administratoren vom Departement der Indre und Loire aus Tours vom 21. dieses; eines von dem Commissar der Sektion der Gardes Francoises, und eines von den Mitgliedern der Central-Commißion in Tours, welches noch den Bericht beyfügt von einer nach jener Niederlage vorgefallenen Aktion bey Pont de Ce, wohin sich ein Theil der geschlagenen Patrioten-Armee, so wie andere nach Saumür, und noch andere nach Chinon, begeben hatte. Nach diesem leztern Bericht wurde eine republikanische Patrulle von 8. bis 900. Rebellen angegriffen, aber von 1200. Mann aus dem Lager bey Pont de Ce unterstüzt; worauf sie die Feinde mit einem ansehnlichen Verlust zurück schlugen, das Schloß worinn sie sich befunden hatten, in Besiz nahmen und in Brand steckten.

Gestern ist dem N. C. von dem Wohlfahrts-Committe von der Uebergabe von Mainz Anzeige gethan worden. Diese Stadt, hieß es in dem darüber abgestatteten Rapport, welche noch mit Lebens-Mitteln versehen war, und in deren Wällen noch keine einzige Breche angebracht worden, habe am 23. kapituliert und den Preussen die Thore geöfnet. Die Besazung komme nach Franckreich zurück, aber die zahlreiche Artillerie, welche Cüstine im vorigen April nach Maynz bringen lassen, sey den Feinden zu Theil geworden. Man kan sich leicht vorstellen, was für eine Sensation diese nach den neulichen Vorfällen unerwartete Nachricht in dem N. C. gemacht habe. Das Convents-Glied, welches dieselbe ertheilte sprach von einem Billet des General Cüstine, worinn derselbe den Commandanten von Maynz authorisiert haben soll, sich mit dem König von Preussen wegen der Uebergabe von Maynz in Unterhandlung einzulassen und v. einem Brief eben dieses Generals an Houchard, worinn er ihm unter anderm schreibt: Ich gebe ihnen die Hessen und Oesterreicher Preiss, aber schonen sie den Preussen. Ueberhaupt scheint es, Cüstine werde die Schuld dieses Verlustes tragen und bezahlen müssen. Es wurde auch wircklich ein Dekret abgefaßt des Inhalts: 1) Gegen den gewesenen General Cüstine findet eine Anklage statt; 2) Der gewesene Com'andant von Maynz und seine Staabs-Officier sind zur Verhaftnehmung dekretiert; 3) Die dort gewesenen Volcks-Representanten sollen sich vor dem N. C. stellen; 4) Die geflüchteten Convents-Glieder werden für Vatterlands-Verräther erklärt; 5) Lasource, Vergniaud, Mollevaut, Gardien, Gensonne und Fauchet befinden sich im Zustand der Anklage und werden vom N. C. an das Revolutions-Tribunal gewiesen; 6) Die Minister vom Kriegs- und See-Wesen werden autorisiert, die Oberbefehlshaber-Stellen bey den Armeen und andere militarische Bedienungen zu besezen, ohne auf Anciennität und Rang Rücksicht zu nehmen. -- Zu einiger Beruhigung über die dem N. C. mitgetheilte unangenehme Nachricht zeigte Barrere in der gestrigen Seßion an: Daß die Spanier am 23. dieses an der Bidassoa, einem Fluß bey den Pyrenäen, angegriffen und gänzlich geschlagen worden seyen. Sie haben viele Todte, bey 700. und 193. Kriegsgefangene verlohren; hauptsächlich habe ihre Kavallerie viel gelitten.

August.[]

Paris, vom 2 Augstmonat. [9]

Zwey in der gestrigen Seßion des N. C. abgefaßte Dekrete sind von solcher Wichtigkeit, dass wir diesen Artikel billig mit ihrer Bekanntmachung (und besonders in Ansehung des zweyten derselben nicht ohne schauervolle Empfindungen) anfangen. Die Veranlassung zu diesen Dekreten gab ein Rapport, welchen Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe in dem N. C. abstattete. Er fieng damit an, dass er aus einem Schreiben des General Güillen, einsweiligen Befehlshaber der Armeen in Norden und den Ardennes anzeigte, die Besazung von Valenciennes habe am 28. dies leztverflossenen Monats kapituliert; die Kapitulazions-Artikul seyen aber noch nicht bekannt. Dieses, fügte er hinzu, sey das Resultat eines grossen von Engelland angestifteten und dirigierten Complots, wovon das Wohlfahrts-Committe die schriftlichen Beweise in Händen habe. Es sey nemlich auf den Wällen einer unserer Gränz-Städte eine Brieftasche gefunden worden, worinn sich ein in Engl. Sprache geschriebener Brief und Bemerckungen befanden. Auf dem Umschlag stand die Addresse: "An den Presidenten des Committe in Cambray." In der Brief Tasche befand sich "Pitts Portrait" mit der Aufschrift: "Dem Beschüzer der Engelländischen Constitution." Barrere legte die Brieftasche, das Portrait und die Originale der Papiere auf das Büreau des Presidenten, und laß Uebersezungen derselben vor; welche aber die neuesten Pariser-Blätter noch nicht vollständig liefern. Die Noten oder Bemerckungen enthalten ein Memorial von Commißionen, welche von Engl. Agenten in Franckreich ausgerichtet oder gegeben worden; Geld-Austheilungen in den grossen Städten der Republick; Zusammenkünfte, die der Haupt-Agent den Untergeordneten in Paris, Caen, Lyon, St. Omer, Cambray, Lille und Dünkirchen anweiset. Unter anderm soll darinn an diese Agenten geschriben worden seyn: "Habet genaue Aufsicht, gebet dem oder dem so und so viele Guineen; gebet acht, das M*** St. Omer nicht verlasse. Seine Anweisungen werden uns nüzlich seyn; der General C*** ist für uns ein schäzbarer Mann. Er ist Lamarlieres Freund, und wird unsere Projekte befördern. Begebet euch nach Lille, nach Paris, erhaltet dort die Waaren in hohem Preis; kauffet alles Unschlitt auf, das ihr dort findet, damit das Pfund Kerzen auf 100. Sous komme; machet dass die Wechsel bis auf 200. Livres gegen ein Pf. Sterling steigen, u. s. w." -- Der gefundene Brief, der an Mylord *** addreßiert ist, soll einen kurzen Bericht von dem ganzen Complot enthalten; und das, was den geheimen Agenten empfohlen worden.

Am Schluß dieses Rapports schlug nun Barrere im Namen des Wohlfahrts Comitte die obenerwähnten Dekrete vor, welche das N. Convent sogleich genehmigte, und die hier um ihrer Wichtigkeit willen vollständig und wörtlich mitgetheilt werden. Das erste lautet so: 1) Der Kriegs-Minister soll unverzüglich die nöthigen Befehle ertheilen, dass die gewesene Besazung von Mainz mit der Post nach dem Departement de la Vendee transportiert werde. Zur Ausführung dieser Maasregul sollen ihm 3. Millionen zu seiner Disposition zugestellt werden; 2) der Generalstaab und die Kriegs-Commissarien bey der Armee an den Küsten von Rochelle sollen von allen verdächtigen Personen gereiniget werden, um Generalen und Commissarien von bewährtem Patriotismus an ihre Stelle zu sezen; 3) die Generalen bey dieser Armee sollen die gegen Ausreisser, Flüchtlinge, Verräther und solche die ihre Waaffen wegwerfen und ihre Uniformen verkauffen, gegebene Geseze mit aller Strenge vollziehen lassen; 4) die Organisation der Pionier- und Arbeiter-Compagnien soll beschleuniget und dieselben sollen aus den am meisten patriotisch gesinnten Commünen genommen werden; 5) die Generale sollen mit sorgfältiger Auswahl Corps von muthigen Scharfschüzen und Jägern errichten; 6) der Kriegs-Minister soll brennbare Mate_ien von aller Art in dortige Gegenden verschiken um die Waldungen und Gehölze in Brand zu steken; 7) die Wälder sollen umgehauen, die Aufenthalts-Oerter der Rebellen zerstört und die Feldfrüchte durch Arbeiter-Compagnien eingeerndet, hinter die Armeen transportiert, und auch alles Vieh weggenommen werden; 8) die Weibspersonen, Kinder und alte Leute sollen in das Innere des Landes gebracht, und da mit aller der Menschlichkeit gebührenden Achtung für ihren Unterhalt und ihre Sicherheit gesorgt werden; 9) Der Kriegs-Minister soll alle nöthigen Verfügungen treffen, um allen erforderlichen Vorrath von Waaffen, Kriegs-Munizion und Proviant anzuschaffen für die Armee, die nächstens gemeinschaftlich und zugleich gegen die Rebellen anrüken wird; 10) sobald der nöthige Vorrath an allem in Bereitschaft, und die Armee wieder eingerichtet und in der Verfassung seyn wird, nach dem Departement de la Vendee zu marschieren, sollen die dortigen Volks-Representanten sich mit den Administrationen der benachbarten Departements, die gutgesinnt geblieben sind, verabreden, um in allen umliegenden Munizipalitäten Sturm zu läuten, und alle Bürger von 16. bis 60. Jahren gegen die Rebellen anrüken zu lassen; 11) das Gesez, welches die Frauenspersonen von der Armee verbannet, soll streng vollzogen werden, und die Generalen sind dafür verantwortlich; 12) die Volks Reprensentanten und Generalen sollen dafür sorgen, das die Anzahl der Kutschen und Wagen bey der Armee so viel möglich vermindert, und zu weiter nichts gebraucht werden, als zum Transport der höchst nothwendigen Sachen und Materialien; 13) die Generalen sollen künftig zur Parole keine andere Worte gebrauchen, als patriotische Ausdrüke und Namen alter Republikaner oder Märtyrer für die Freyheit, und niemals Namen von noch lebenden Personen; 14) das Vermögen der Rebellen im Departement de la Vendee gehört der Republik; ein Theil davon soll dazu verwendet werden, um diejenigen Bürger, welche dem Vatterland treu geblieben sind, für ihren erlittenen Verlust zu entschädigen; 15) gegenwärtiges Dekret soll ungesäumt an die exekutife Vollmacht, den Kriegs-Minister und die Volks-Representanten bey der Armee an der Kuste von Rochelle überschickt werden.

Das zweyte der obenerwehnten Dekrete, welche das N. C. in der gestrigen Seßion abgefaßt hat, ist folgenden Inhalts: 1) Das N. C. bestätiget die vom Wohlfahrts-Committe getroffene Erneñung und Absendung von 2 Volks-Representanten in die Departements von Pas de Calais und von Norden, und ertheilt ihnen uneingeschränckte Vollmacht, alle zum Succes ihrer Bestimmung erfoderliche Sicherheits-Verfügungen zu treffen; es befielt zugleich den konst__uierten Autoritäte' u. der bewafneten Macht, ihre Schlus_e zu vollziehen und allem, was sie verlangen, Gehorsam zu leisten; 2) Den Ministern, administrierenden Corps und Munizipalitäten wird besonders aufgetragen, unverzüglich die genauesten Befehle zu ertheilen, dass man die strengste und pünktlichste Aufsicht auf alle See-Haven, Zeughäuser, Magazine, und andern National-Etablissements, wie auch auf die offentliche Cassen habe; 3) Die (ebenfalls von Barrere in dieser Seßion dem N. C. mitgetheilte) Deklaration von Charrier, dem gewesenen Chef der Rebellen im Departement der Lozere, (welche mit den in obenerwähnten Engl. Papieren entdeckten Verschwörung übereinstimmen soll;) diese Deklaration also, nebst dem in der gefundenen Brieftasche enthaltenen Engl. Brief und Noten, so wie auch der vom Wohlfahrts-Com'itte abgestattete Rapport sollen durch ausserordentliche Kuriers an alle Departements überschickt, und jedem Convents-Glied 6. Exemplare davon zugestellt werden; 4) Das N. C. giebt, im Namen der beleidigten Menschlichkeit, bey allen Völckern, und bey der Engl. Nation selbst, das niederträchtige, treulose und abscheuliche Verfahren des Brittischen Ministeriums klagbahr an, welches Mörder, Giftmischer, Mordbrenner, und Verbrecher aller Art besoldet, um die Tyranney triumphiren zu machen und die Menschen Rechte zu vernichten; 5) Das Vermögen aller derjenigen, die Zufolg eines Dekrets von dem N. C. des Schuzes der Geseze verlustig erklärt sind, gehören der Republick; 6) Maria Antonia, (die vormahlige Königin) wird vor das Revolutions-Tribunal gewiesen, und soll unverzüglich nach der Conciergerie (einer gemeinen Gefangenschaft) gebracht werden; 7) Alle Personen von der Familie Capet sollen aus dem Gebiet der Republick wegtransportiert werden, ausgenohmen die beyden Kind_r von Ludwig Capet und diejenigen Personen von dieser Familie, die sich unter dem Schwerdt des Gesezes befinden; 8) Elisabeth Capet, (des vormahligen Königs Schwester) soll erst alsdann weggebracht werden, wen der Prozeß von Maria Antonia entschieden ist; 9) Diejenigen Personen von der Familie Capet, die sich unter dem Schwerdt des Gesezes befinden, sollen erst nach ihrem Prozeß, und wenn sie losgesprochen worden, weggebracht werden; 10) der Aufwand für beyden Kinder von Ludwig Capet, sollen auf dasjenige reduziert werden, was zum Unterhalt und zur Nahrung von zwo Personen erfoderlich ist; 11) Die Grabmähler und Mausoleen der vormahligen Könige in der Kirche zu St. Denis, und in andern Kirchen und Oertern im ganzen Umfang der Republick sollen am 10. dieses Monats August gänzlich zerstört werden. -- So lauten diese beyden Dekrete, worüber man jedem des gegenwärtigen Zustandes der Sachenkundige' Zeitungsleser die dabey natürlichen Empfindungen und Bemerckungen selbst überlassen kan.

Es sind bereits mehrere Deputierte von den Primar-Versammlungen in Paris angekommen, für welche man Pläze in den Versammlungen des N. Convents hat veranstalten lassen. -- Die Volcks Representanten bey der nördlichen Armee haben aus Besorgniß, das Cüstines Verhaftnehmung bey derselben Unordnung veranlassen möchte, eine Proklamation publizieren lassen, welche ihrem Bericht zufolg einen vortheilhaften Eindruck gemacht haben soll. -- Auch der Sohn von General Cüstine ist nebst vielen andern in Verhaft genohmen worden. Das N. Convent hat diesen nunmehr abgesezten General vor das Revolutions Tribunal gewiesen, von dem ihm mit Beyseitsezung aller andern Geschäfte, das Urtheil gesprochen werden soll. Vorgestern ist mit ihm bereits das erste Verhör vor diesem Tribunal vorgenohmen worden, und es wird vermuthlich gestern fortgesezt worden seyn. Von Toulon hat man Nachricht, dass es dort unruhig zugehe. Die Reichen sollen sich den schlechten Zustand der armen Einwohner zu Nuze gemacht, dieselben unterstüzt, und dadurch auf ihre Seite gebracht haben. -- Auf einen Vorschlag des Aufsichts Committe ist abermahls gegen 3. Convents-Glieder ein Verhafts-Befehl dekretiert, und ihre Papiere versiegelt worden.

Einer der Volcks-Representanten in dem ehmaligen Bretagne berichtet aus Angers: dass die Rebellen, welche sich schon der Brücke und des Schlosses von Ce bemächtiget hatten, am 28. des vorigen Monats mit ansehnlichem Verlust von da vertrieben und zum Rückzug genöthiget worden seyen. Ihre Absicht sey gewesen, sich auch von Saumür und Angers Meister zu machen; aber die erlittene Niederlage habe nun ihren Plan vereitelt. -- Der General Lavalette, Commandant von Lille, ist von der gegen ihn gemachten Beschuldigung loßgesprochen, Lamarliere hingegen vor das Revolutions-Tribunal gewiesen worden. -- Alle Sektionen von Bordeaux haben die Constitution angenohmen. Das 1200. Mann starcke Truppen-Korps, welches diese Stadt gegen Paris wollte marschieren lassen, ist wieder in dieselbe eingerückt. -- Houchard ist zum Oberbefehlshaber der vereinigten Armeen in Norden und den Ardennes ernannt worden, und General Ferrieres kommt an seine Stelle bey der Mosel Armee. -- Vier Convents Glieder haben Befehl erhalten sich unverzüglich in die Departements von der Oise und Aisne in der Pikardie und Isle der France zu begeben, um dort Untersuchungen vorzunehmen, deren Gegenstand das Wohlfahrts-Committe geheim zu halten guth findet. -- Die Anzahl der Gefangenen aller Art in den verschiedenen Gefängnissen in Paris belauft sich gegenwärtig auf 1417. Personen.

Paris, vom 5. Augstmonat. [10]

Die neuesten Nachrichten unter diesem Artikul sind nicht so wichtig, als die zulezt gelieferten sie erwarten liessen; und die neulichen mitgetheilten Dekrete haben bisher wenigstens noch keine Folgen gehabt, womit man das Publikum unterhalten könnte. -- Immer fährt das N. Convent noch mit Dekreten fort, die sich auf die gegenwärtige Lage der Sachen beziehen; so sind z. Ex. in der Seßion am 1ten dieses Monats zwey dergleichen abgefast worden. Nach dem ersten sollen alle Parks, Gärten, Häuser und andere Gebäude, welche 8. Tage nach Publikazion dieses Dekrets noch Waapen haben, zum Nuzen der Nation konfisziert werden. Das zweite verordnet, dass jeder Franzos, den Man überweisen kan, dass er Aßiguate an Zahlungsstatt ausgeschlagen, oder dass er dergleichen mit irrgend einigem Verlust ausgegeben oder angenommen habe, fürs erstemahl zu einer Geldstraffe von 3000. Livres und einem halbjährigen Verhaft, und wenn er den Fehler zum zweitenmahl begeht, zu doppelter Geldstraffe und 20. jähriger Galeeren-Straffe verurtheilt werden soll. Nach einem dritten Dekret müssen alle, die sich mit der Besorgung der Gesundheit abgeben, Aerzte, Wund-Aerzte, Apotheker, von Alter 18. bis 40. Jahren sich in Bereitschaft halten, den Befehlen des Kriegs-Ministers Folge zu leisten.

In der Seßion am 2. erschien vor dem N. Convent der Maire von Nantes, Bacau, an der Spize einer Bürger-Deputation aus dieser Stadt, um anzuzeigen, dass Nantes die Constitution angenommen habe. Der übrige Theil seines Vortrags an das N. Convent enthielt eine Rechtfertigung des General Beysser und des National-Commissärs, Coustard; eine Critik von den Operazionen der Commissarien in den Departements, und eine Aufforderung an das N. Convent, sogleich nach geschehener Annahm der Constitution sich selbst aufzuheben und auseinander zu gehen. Der President hatte diese Deputazion eingeladen, der Seßion beyzuwohnen; aber zwey Convents-Glieder, Thuriot und Chabot, wiedersezten sich diesem aus dem Grund, weil diese Deputierten darinn, dass sie die Aufhebung des N. Convents verlangt, die Sprache Pitts und Coburgs geführt hätten. Der Maire von Nantes behauptete, er habe gewust, dass man am 29. Brachmonat die Rebellen in Nantes erwartet und sogar zu einer Mahlzeit von 1200. Gedeken eingeladen habe. -- Das hast du erlogen: erwiederte der Maire von Nantes, und wurde wegen dieser Verlezung des Respekts zum Verhaft in der Abtey verurtheilt. Auch gegen Garat, den Minister der innern Angelegenheiten, war auf den Vorschlag eines Convents-Gliedes bereits ein Verhafts-Dekret abgefast; er konnte sich aber über die gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen rechtfertigen, und das Dekret wurde zurük genommen. -- Auf den Vorschlag des Wohlfahrts-Committe wurde dekretiert, dass 3. mahl in der Woche auf 3. Theatern in Paris die Trauerspiele Caius Grachus, Wilhelm Tell und Brutus, und zwar wochentlich einmahl auf Kosten der Republik, aufgeführt werden sollen.

Der diesmalige President des N. Convents, Danton hatte in der Seßion am 1. dieses den Vorschlag gethan, das Wohlfahrts-Committe zum einsweiligen Regierungs-Committe zu machen, demselben 50. Millionen zu geheimen Ausgaben zu bewilligen, und dem vollziehenden Conseil die Deliberations-Vollmacht zu nemmen. Das Committe, welchem dieses Projekt zur Untersuchung übergeben worden war, hat durch seinen Raporteur verlangt: Das Wohlfahrts Committe, so wie das vollziehende Conseil, sollen bleiben, was sie bisher waren. Dieser Vorschlag wurde auch genehmiget; aber die Summ von 50. Millionen zu geheimen Ausgaben dennoch bewilliget.

In der gestrigen Seßion verlangte ein Physiker, der sich mit der Luftschiffahrt abgiebt, das über die Künste niedergesezte Committe möchte eine aerostatische Maschine untersuchen, vermittelst deren er, nach seiner Behauptung, ohne Gefahr die gegen die Französis. Republik verbundenen Kriegsheere zu Grund richten könne. Wirklich wurde auch von dem N. Convent seinem Mitglied Güiton-Morvaux aufgetragen, über die vorgeschlagenen Luftballons ein Gutachten einzugeben; und nur darum, weil dieses geschehen ist, wird des sonderbahren Vorschlags hier Erwähnung gethan.

In eben dieser Seßion hat der gewesene National-Commissar in Mainz, Merlin, der sich wieder im N. Convent eingefunden hat, und also nicht gewissen Berichten zufolg, in Mainz umgekommen ist, der Versammlung von den Umständen der Uebergabe dieser Stadt, und dem jämmerlichen Zustand Bericht abgestattet, worinn sich die Besazung schon lange vorher befunden hatte. -- "Nicht aus Feigheit, sagte er, hat sich die Besazung ergeben, und die Berichte, welche die für dieselbe demüthigenden Dekrete veranlast haben, waren alle verläumderisch. Der Plaz war von Cüstine schlecht mit dem erforderlichen versorgt worden, und er hatte denselben sich selbst überlassen mit Kanonen versehen, zu denen keine Kugeln von gleichem Calibre vorhanden waren. Arzneyen, Fourrage, Mehl war in geringem Vorrath vorhanden, und 3. Tage vor der Capitulazion hatten wir weiter nichts mehr, als Korn, und noch dazu hatte die Batterie auf der Weissenau unsere Mühlen ruiniert. Die Fourrage Magazine waren in Brand gerathen, und 3. Tage späther würden wir unsere vor Hunger umgekommene Pferdte in den Rhein haben werfen müssen. So lebten unter täglich vorfallenden vortheilhaften Gefechten 20,000. Mann, die 4. Monate lang 80000. Mann der besten deutschen Truppen wiederstanden, worunter sich auch die Grenadiers befanden, welche Belgrad mit Sturm erobert haben. Und doch ist eben diese muthige Garnison, welcher die Preussen mehr Gerechtigkeit haben wiederfahren lassen, verläumdet worden, da man ihr doch ewigen Dank dafür schuldig ist, dass sie 4. Monat lang eine furchtbare Armee aufgehalten hat, welche Franckreich überschwemmt und verwüstet haben würde. Man spricht von einer von den Franzosen vorgeschlagenen schimpflichen Capitulazion; aber es ist nicht wahr, was was man hierüber sagt. Wir haben wohl 10. Capitulazionen vorgeschlagen, die alle verworffen worden sind; die Unterzeichnete ist uns aus dem preußischen Lager überbracht worden, und ich habe meine Beystimmung dazu gegeben; denn unterschreiben werde ich niemahls eine Capitulazion. Vermittelst dieser sind wenigstens 16000. Mann aus Maynz ausgezogen und kehren mit Waafen und Bagage nach Franckreich zurück; anstatt das 3. Tage später diese Armee in Kriegsgefangenschaft gerathen wäre. Der König von Preussen hat, als er die Capitulazion bewilligte, gesagt: Er thue es nur in Rücksicht auf den bewiesenen Muth der Franzosen; und er hatte Recht, denn diese 16000. Franzosen haben innerhalb 4. Monaten mehr als 30000. der Belagerer des Lebens beraubt. -- Zufolg dieses von Merlin abgestatteten Rapports, und dessen, was noch andere zum Lob der Staabs-Officiers von der gewesenen Maynzer-Besazung hinzufügten, wurde das kürzlich gegen dieselben abgefaßte Verhafts Dekret feyerlich wiederruffen; besonders der gewesene Commandant von Cassel, dü Bayet, der unter der Bedeckung von zwey Gensdarmes nach Paris gebracht werden sollte, in Freyheit gesezt und deklariert, dass die Besazung von Maynz sich um das Vatterland wohl verdient gemacht habe. Merlin verlangte und erhielt auch die Erlaubniß, sogleich mit der Post abzureisen, um diesem nach dem Departement de la Vendee marschierenden Truppen-Korps die Nachricht von diesem Dekret zu überbringen.

Der jüngst erwähnte, in einer Brieftasche aufgefundene Englische Brief, welcher zum Beweis des grossen Complots dienen soll, ist nun den Pariser-Blättern eingerükt; aber er enthält so viele Namen blos mit den Anfangsbuchstaben, dass dem auswärtigen Publikum die Mittheilung desselben nicht sehr belehrend seyn könnte.

Paris, vom 9. Augstmonat. [11]

Das N. Convent erhielt in der Seßion am 5. dieses von seinem Commissar Carrier aus Caen unterm 2. dieses folgende Nachricht: Büzots Thron ist umgestürzt; er hat sich nebst denen, die an seinen Projekten Theil genommen, geflüchtet, und wir lassen ihn verfolgen. Ich bin gestern in Caen angekommen, die Armee der Republik ist heute Abends um 10. Uhr daselbst eingezogen. Soucy, einer von Büzots Gehülfen, hat sich erschossen. Petions Frau und Sohn sind in Honfleurs arrettiert worden, und man bringt sie nach Paris. Es geht und wird nächstens noch besser gehen. Das Volk kommt von seinem Irrthum zurück. Die Stadt Caen hat die Constitution einmüthig angenommen; und morgen wird ihre Genehmigung durch eine Artillerie-Salve offentlich angezeigt werden. -- Diese Nachricht wurde auch mündlich bestätiget durch die beyden zurük gekommenen Deputierten, welche auf dem Schloß zu Caen in Verhaft gewesen.

In eben dieser Seßion stattete der General Chalbos Bericht ab von einem vollständigen Sieg, welchen am 1. dieses bey Lücon 1500 Franzosen über 20,000. Rebellen erfochten, die in 3. Colonnen anrükten, um diese Stadt zu überfallen, und in dem Gefecht 2000. Mann, nebst 3. Kanonen und einem Munizions Wagen verlohren. -- Es haben dieser Seßion über 1200. Deputierte der Primar-Versammlungen, die auf das morndrige National-Fest hieher gekommen sind, beygewohnt.

Die aus Valenciennes in Cambray angekommenen Volks-Representanten, Briez und Cochon, haben von der Belagerung und Uebergabe jener Vestung folgenden Bericht eingeschikt: Valenciennes wurde am 24. May eingeschlossen, und der Rükzug aus dem Lager bey Famars war so eilfertig, daß man einige tausende Ausländer und übelgesinnte Leute nicht aus der Festung wegschaffen konnte. Am 30. desselben Monats erneuerte die Besazung nebst den Freywilligen den Eid, sich unter den Trümmern der Stadt begraben zu lassen. Wir wurden von den Kayserl. und dem Herzog von Yorck zu wiederholten mahlen zur Uebergabe aufgefordert, aber der General Ferrand schlug es immer in kurzen Worten und mit Republikanischem Geist ab. Nun nahm das Bombardement den Anfang und die Vorstadt Marly wurde bald hernach eingenommen. Das Zeughaus und Hospital geriethen in Brand und fast die ganze Stadt war in kurzer Zeit eine Hauffe von Ruinen. Die bemittelten Weiber und Aristokraten suchten nun um die Uebergabe der Stadt an; aber die strafbahrsten von ihnen wurden ins Gefängniß gesezt. Am 22. Junius wurde der Aufstand der Weiber beträchtlicher, auch Männer nahmen Antheil daran, man sezte der Munizipalität zu und verlangte die Uebergabe des Plazes. Der General Ferrand sprach mit Entschlossenheit. Zwey Regimenter fiengen auf dem offentlichen Plaz an ihre Gewehre zu laden und nun lieffen die Leute auseinander. Der General ließ offentlich bekannt machen, daß er fest entschlossen sey, sich nicht zu ergeben. Wir liessen 100,000. Livres unter diejenigen austheilen, die durch das Bombardement am meisten gelitten hatten; denen, deren Häuser abgebrannt waren, wurden die Gewölber der Citadel zur Wohnung angewiesen; und die Truppen und Kanoniers auf den Wällen droheten, ihre Mörser gegen die Stadt zu richten, wenn man vom kapitulieren rede. Am 26. Junius entstanden neuerdings aufrührische Bewegungen. Das Volk wurde abermals gestillt. Man verbreitete das Gerücht, der Feind habe Bresche geschossen; aber dieses Gerücht wurde durch eine Proklamation wiederlegt. Nun war alles ruhig bis am 14. Julius, dem Föderazions-Tag, an welchem die Truppen und Bürger neuerdings schworen, frey zu leben oder zu sterben. Aber die Uebergabe von Conde verbreitete neue Unruhe in der Stadt und die geheimen Unternehmungen unserer innerlichen Feinde gewannen eine Beschaffenheit, welcher keine menschliche Klugheit mehr Einhalt thun konnte. Die Zusammenrottierungen entstanden von neuem, und ein unglüklicher Vorfall vermehrte ihre Kühnheit.

In der Nacht zwischen dem 25. und 26. sprengten die Feinde einen Theil der Pallisaden; die Explosion machte, daß mehrere Soldaten ihre Posten verliessen. Die Truppen lieffen auseinander. Nun überschickte der Herzog von Jork eine Auffoderung worinn er drohete, die Bürgerschaft und Besazung über die Klinge springen zu lassen, wenn man sich nicht ergebe. Die Drohung wirckte auf die schwachen Gemüther. Eine Menge mit Säbeln bewafneter Schurken bemächtigten sich der Zugänge und Wälle; es waren zwo Breschen entstanden. Ein Theil der Besazung mischte sich unter die Zusammenrottierten; der Kriegsrath konnte nur mitten unterm Tumult gehalten werden; 50000. Bomben und 180000. Kanonen-Kugeln waren bereits in unsern Mauren gefallen; kein Succurs kam, und so kapitulierte man. -- Die Feinde haben bey dieser Belagerung 22000. Mann verlohren, und ohne den unglücklichen 25. Julius wäre die Belagerung aufgehoben worden. Die beynahe ganz ruinirte Stadt öfnete endlich nach einem 46. tägigen Bombardement, am 28. die Thore. Uebergesinnte hatten Emigrierte, fremde Truppen uns so gar den Prinzen Lambesc in die Stadt hineingebracht. Man wollte sich noch vor dem völligen Abzug der Besazung unser bemächtigen; aber der General Ferrand hat uns gerettet.

Sephers, der Ober-Befehlshaber der Armee an der Küste von Cherburg berichtet aus Caen, seinem diesmahligen Haupt-Quartier, daß man im Begriff sey, das dortige Schloß, welches die Uebelgesinnten gern im Besiz gehalten möchten anzugreiffen; und bald darauf zeigte Barrere dem N. C., daß die Pariser-Freywilligen sich dieses Schlosses wirklich bemächtiget und 87. Kanonen darinn gefunden haben. Es wurde nun dekretiert, daß dasselbe nebst allen ähnlichen Gebäuden in der ganzen Republick niedergerissen werden soll. ---In der vorgestrigen Seßion erschien der gewesene Kommandant von Nantes, General Beysser, vor dem N. Convent, er rechtfertigte seyn Verfahren, gestand aber, daß er nicht recht daran gethan habe, die Schlüsse vom Departement der Niedern-Loire zu unterschreiben. Er wurde zum Verhör an das Sicherheits Committe gewiesen. -- In eben dieser Seßion ließ der General Ferrand, gewesener Commandant von Valenciennes, dem N. C. anzeigen, daß er in Paris und bereit sey, die Befehle desselben zu vernehmen. Auch erschien der General Aubert dü Bayet, Commandant von Cassel bey Maynz, unter lauten Beyfalls-Bezeugungen vor dem N. C. und sagte: Er habe 22000. National-Garden mit fliegenden dreyfarbigten Fahnen, Waafen, Bagage und aufgepflanztem Bajonet nach Franckreich zurückgebracht, und sich mit seinen Waafen-Brüdern glücklich geschäzt, daß sie dem Vatterland gute Dienste geleistet haben; aber auch sehr über die Nachricht getrübt, daß ihr erworbener Ruhm durch ein dem N. C. in der Uebereilung abgelocktes Dekret beschimpft worden sey. Sein Vortrag ist intereßant genug, um wenigstens Auszugsweise hier mitgetheilt zu werden. "Ich würde, sagte er unter anderm, kein Ende finden, weñ ich euch alle tapfern Thaten der in Maynz belagerten Franzosen umständlich erzählen wollte. Mangel von aller Art vereinigte sich mit den übeln Folgen der Belagerung. Sechs Wochen lang näherten wir uns mit todten Pferdten, Kazen, Hünden und Razen. Unter unser Getränck mischten wir Fischt-Thran, und den Saft vergifteter Pflanzen, wovon viele unserer Leute toll im Kopf geworden sind. Am Tag vor der Uebergabe von Maynz lud ich die Staabs Officiers zu einer Mittags-Mahlzeit ein, und konnte ihnen kein anderes Fleisch, als eine Kaze, aufstellen. Aber nun vergessen wir all' unser ausgestandenes Ungemacht, da das N. C. durch ein Dekret der Besazung von Maynz; die ihr gebührende Gerechtigkeit hat wiederfahren lassen." -- Er bat sich die Erlaubniß aus, mit der nach dem Departement de la Vendee gehenden Maynzer-Besazung ebenfalls dahin gehen zu dörffen, und erhielt sie auch.

Barrere zeigte in dieser Seßion dem N. C. an, daß am 2. dieses Monats das Zeughaus in der Vestung Hüningen in Brand gerathen, der Ort selbst nur durch den bewiesenen Muth der Besazungs-Soldaten gerettet, übrigens aber ausser einer grossen Menge Holzes, 70000. Stücke Feuerwerks zu Bomben und Granaten vom Feuer ruiniert worden seyen. Er führte diesen Vorfall an als einen Beweiß von dem neulich entdeckten Complot von Seite des Englischen Ministeriums, alle unsere Magazine in Brand zu stecken. Dieses veranlaßte ein Convents-Glied, den Vorschlag zu thun, daß durch ein Dekret jedermann authorisiert werden soll, den Engl. Minister Pitt zu ermorden. Der Vorschlag wurde zwar verworffen, aber doch dekretiert: daß Pitt, der Minister der Engl. Regierung, ein Feind der Menschheit sey.

Eben auch in der vorgestrigen Seßion theilte der Minister vom See-Wesen dem N. C. nachfolgendes Schreiben des Commandanten von Brest vom 3. dieses Monats mit: "Ich eile, sie durch einen ausserordentlichen Kurier zu benachrichtigen, daß die Fregatte Carmagnole so eben in Cameret eingelauffen ist, und daß der Capitain derselben, ein Deutscher, mir den Bericht überbracht hat: Er sey am 28. des vorigen Monats unter Segel gegangen, um die Flotte des Vice-Admirals Morard de Galles zusammen zu beruffen, und bey dieser Gelegenheit habe er zwischen dem 31. Julius und 1. August, 6. Stunden von Bec-du-Ras, Nachricht erhalten von einer aus 29. Schiffen bestehenden Engl. Flotte; auch habe er die Flotte der Republick in der Gegend von Groix sich zusammen ziehen gesehen; beyde Flotten standen einander im Gesicht; einige Engl. Schiffe haben bis am 2. dieses ihn verfolgt, es sey ihm aber gelungen, ihnen zu entgehen, und in Brest einzulauffen, um mir diese Nachricht zu überbringen. Ferner habe der Capitain der Fregatte, la Resolüe, welche am 3ten dieses mit einer aus 31. Schiffen bestehenden und von St. Malo kommenden Flotte, in Brest eingelauffen, ihm berichtet; daß am 26. des vorigen Monats 18. Kriegs-Schiffe und 6. Fregatten unter dem Commando des Admiral Hügue von Corbay aus und gegen Süden gesegelt seyen. Was auch immer die Feinde für Absichten und Projekte haben mögen; so habe man alle nöthigen Maaßregeln genommen um jeden plözlichen Angriff auf unsere Küsten zu verhüthen.

Auf einem im Namen des Instruktions-Committe gethanen Vorschlag sind eben auch in der vorgestrigen Seßion alle mit Patenten versehene Sozietäten der Wissenschaften und Künste aufgehoben, und es ist den Gelehrten und Künstlern überlassen worden, sich in freywilligen Gesellschaften zu vereinigen.

Alle Commissarien der Primar-Versammlungen nebst den Mitgliedern der Jakobiner-Sozietät von Paris erschienen in dieser Seßion vor dem N. Convent und verlasen eine Addresse der erstern an ihre Brüder in den Departements, deren Absicht ist, dieselben gegen alle wieder diese Stadt besonders seit dem 10. August ausgestreuten Verläumdungen zu verwahren. -- Zugleich wurde ein Schreiben des Volks-Representanten, Choudieu, in Saumür verlesen, worinn er berichtet, daß die Rebellen am 5ten dieses bey Doue geschlagen worden seyen. Der General Roßignol sey auf die erhaltene Nachricht, daß dieselben Saumür angreiffen wollen, ihnen mit 3000 Mann entgegen gezogen und habe 400 von ihnen erlegt. -- So viel von dem, was in den neuesten Seßionen des N. C. vorgekommen ist.

Paris, vom 12 Augstmonat. [12]

PortraitHéraultSéchelles BnF

Die Feyer des vorgestrigen National-Festes ist nach den eingegangenen offentlichen Nachrichten in vollkommener Ruhe und Ordnung vollzogen worden. Am Tag vorher ertheilte in der Seßion, worinn Herault-Sechelles zum ersten mahl im N. Convent presidierte, ein Mitglied desselben, im Namen der Commißion über das Protokoll der Constitutions Genehmigung, Nachricht mit von den Primar-Versammlungen, welche dieselbe angenohmen haben. Zufolg dieser Anzeige hat unter den 44000. Munizipalitäten der Republick eine einzige verlangt, daß Ludwigs Sohn auf den Thron gesezt werden soll; nemlich die Commüne von St. Tonnant im Distrikt von St. Brieuz. Von 4944. Kantons oder Primar-Versammlungen haben alle die Constitutions-Akte, genehmiget; ausgenohmen Marseille, Corsika, das Departement von der Vendee, einige gegenwärtig in feindlichen Händen befindlichen nördlichen Commünes in der Gegend von Lille, nebst Valenciennes und Maubeuge, welche ihre Stimme nicht geben konnten. -- Die National Feyerlichkeit gieng völlig so vor sich, wie sie in dem bereits mitgetheilten Plan veranstaltet war, und ihre Beschreibung würde also bloß eine Wiederholung desselben seyn. Es bleibt uns also nichts übrig, als einige wenige dort ausgelassene Umstände nachzuholen. Der President des N. Convent war der erste, welcher auf dem Plaz der vormahligen Bastille aus dem gemeinschaftlichen Becher von dem Wasser des Regenerations-Brunnen tranck, und ihn sodann den 86. Commissarien der Abgeordneten von den Primar-Versammlungen überreichte; so oft einer derselben nach dem andern daraus tranck, ward ein Artillerie-Salve gegeben; und der Ceremonie angemessene Stellen aus einem Lied in der Melodie des Marseillanischen abgesungen. Bey der zweyten Gruppe des Zuges, welche das N. Convent ausmachte, trugen 8. Mitglieder desselben auf einer Baare eine offene Lade, worinn sich die Tafeln befanden, auf denen die Menschen-Rechte und die Constitutions-Akte eingegraben waren. Unter der dritten Gruppe, die aus der Volcks-Menge bestand, fuhren auf einem Wagen in Gestalt eines Pflugs ein alter Mann und seine Frau von ihren eigenen Kindern gezogen, und unter den Attributen der verschiedenen Handwercke waren in grossen Buchstaben die Worte zu lesen: Das ist der Dienst, welchen das unermüdete Volck der menschlichen Gesellschaft leistet; so wie zwischen den Karren, die mit den Königl. und Adelichen Unterscheidungs-Zeichen beladen waren, auf Fähnchen die Worte standen: Siehe da, Volck, was immer das Unglück der menschlichen Gesellschaft ausgemacht hat. Auf dem Triumphbogen bey der zweyten Station, worunter die sogenannten Heldinnen des 5. und 6. Oktobers, so wie damahls, auf ihren Kanonen sassen und aus des Presidenten Hand einen Loorbeer-Zweig empfiengen, laß man die Worte: Wie einen verächtlichen Raub haben sie den Tyrannen vor sich hergejagt. Bey der dritten Station, wo man die Attributen der Königs Würde und des Adelstandes verbrannte, ließ man enige tausend Vögel mit leichten Bänderchen am Hals frey in die Luft fliegen. Als man endlich bey der le_ten Station auf dem Mars-Feld angekommen war, stiegen der President, das N. Convent, die 86. Commissarien der Abgeordneten von den Primar-Versammlungen, und diese Abgeordneten selbst die Stuffen am Altar her, und nachdem der President des N Convents das Verzeichniß der Stimmen der Primar Versammlungen auf den Altar gelegt hatte, wurde in Gegenwart aller Abgeordneten des Souveräns der Wunsch des Französischen Volcks in Ansehung der Constitution-Akte unter freyem Himmel proklamiert; ein General Salve kündigte die feyerliche Handlung an; nach geschwornem Eid traten die Commissarien der Primar-Versam'lungen zu dem Presidenten des N. Convents, und übergaben ihm jeder die Pike, die er getragen hatte; der President band sie mit einem dreyfarbigten Band in ein Bündel zusammen, und übergab dasselbe nebst der Lade, worinn sich die Constitution befand, dem Volck mit den Worten: Volck, ich übergebe das Pfand der Constitution in den Schuz aller Tugenden. Dieses Bündel nebst der Bundes-Lade ließ man dann die Nacht hindurch auf dem Altar des Vatterlandes unter der Bewachung des Volcks, und sie wurden erst am folgenden Tag von den Abgeordneten der Primar-Versammlungen in das N. Convent zurückgebracht. Der President desselben hat bey jeder der verschiedenen Stationen, eine besondere, den Vorstellungen angemessene Anrede gehalten, von denen wir aus Mangel des Raums nur die lezte am Altar des Vatterlandes hier anführen wollen:

"Franzosen! Euere Bevollmächtigte haben in den 86. Departements euere Vernunft und euer Gewissen über die Constitutions-Akte, die sie euch vorgelegt, angefragt; sie haben dieselbe angenohmen, nie hat ein einstimmigerer Wunsch einer so grossen und popularen Republick ihre Einrichtung gegeben. Vor einem Jahr war der Feind in unser Gebiet eingedrungen; wir haben die Republick proklamiert und haben gesieget. Jezt, während dem wir Franckreich eine Constitution geben, greift Europa dasselbe von allen Seiten an; lasset uns schwören, daß wir die Constitution bis in den Tod vertheidigen wollen, und die Republick ist ewig."

Paris durfte in der Nacht vom 10. nicht illuminiert werden, um bey den gegenwärtigen Umständen allen unnöthigen Aufwand und die noch grössere Vertheurung der LIchter zu verhüthen.

Das N. Convent hat in seiner gestrigen Seßion ein Schreiben erhalten von den Volcks-Representanten bey der Alpen-Armee, Gauthier und Dübois Crance, aus dem Haupt Quartier bey Bourg vom 6. dieses Monats, worinn sie melden, daß sie im Begriff seyen mit dem General Kellermann an der Spize von etlich und 20,000. Mann von dort gegen Lyon anzurücken, um in dieser rebellischen Stadt die Herrschaft der Geseze wieder herzustellen. Zugleich überschiken sie die von ihnen an diese Stadt gethane Aufforderung, deren Befolgung sie innerhalb einer Stunde verlangen, wenn Lyon nicht feindlich behandelt werden wolle. Die in dieser Aufforderung vorgeschrieben Bedingnisse sind folgende: 1) Soll nicht die geringste Feindseligkeit gegen die Republikanische Armee geäussert werden; jeder Bürger, der sich auf den Straffen oder an den Fenstern bewafnet zeige, werde als ein Rebell behandelt werden; 2) Alle Art von Civil oder militarischer Autorität soll in Lyon aufhören; die Volcks-Representanten werden dafür sorgen; 3) Das Zeughaus und alle Vertheydigungs-Mittel sollen der Avant Garde, die der General dahin schicken wird, überliefert werden; 4) Die Stadt soll die Unkosten dieser Expedition und den Soldaten der Republick eine Gratifikazion bezahlen; 5) Die Dekrete des N. Convents vor und seit dem 31. May sollen anerkannt und ihre Vollziehung gesichert werden. -- Unter diesen Bedingungen versprechen die Volcks Representanten den Einwohnern von Lyon Friede und Brüderschaft, und haben von dem General die Versicherung und von den Truppen die eidliche Zusage, daß keinem Bürger weder an seiner Person noch an seinem Vermögen einiger Schaden zugefügt werden soll. Wenn aber auch nur eine dieser Bedingungen verweigert werden sollte, so erklären sie alle Bürger von Lyon verantwortlich für alles Unglück, was daraus entstehen könnte, und deklarieren zum voraus jeden, mit gänzlicher Confiskazion seiner Güter, für einen Rebellen und Vatterlands-Verräther, von dessen Sohn oder Commis oder auch nur Bedienter und gewöhnlichem Arbeiter es sich zeigen sollte, daß er die Waafen gegen die Truppen der Republick ergriffen oder etwas zu der Gegenwehr beygetragen habe. -- Diese Auffoderung war mit einer ähnlichen von dem General Kellermann aus dem Lager von Lyon vom 8. dieses begleitet, worinn er verlangt, daß die Einwohner dieser Stadt innerhalb des bestimmten Zeitraums von einer Stunde derselben ein Genügen leisten, ihm die Thore überliefern, und so viele Truppen in die Stadt aufnehmen sollen, als er zur Handhabung der Dekrete des N. Convents einrücken zu lassen nöthig erachten werde. -- Das N. Convent billigte diese von seinen Commissarien genohmenen Maas-Regeln, von deren Erfolg uns nun die nächsten Berichte belehren werden.

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Paris, vom 16. Augstmonat. [13]

Das N. Convent erhielt in der Seßion am 12. von seinen Commissarien, Albite und Poultier, aus Avignon vom 5. dieses nachfolgendes Schreiben: Bürger und Collegen! Die Marseillaner sind aus dem Departement von Vauclüse, welches sie verwüsteten, verjagt worde', u. fliehen seitdem im'er weiter; 50. Republikaner haben ihre Avantgarde von dort weggetrieben. In ihren S_ktionen sind sie mächtig, aber nicht auf dem Schlachtfeld. Bald werdet ihr hören, daß Brünet, der General der Armee in Italien, an der Spize der Foederalisten ist. -- In Toulon haben die Reichen und Adelichen das Volck unterjocht. In Marseille will man keine republikanischen Assignate mehr, als mit 10. Prozent Verlust gegen die mit des Königs Bildniß; die Reichen verlangen laut einen König, aber das Volck murret und billiget stillschweigend die Constitution. -- Die Marseillaner nehmen den gleichen Gang mit den Royalisten in Lyon, Bordeaux, Caen und Nimes; aber wir werden ihre Bemühungen vereiteln. -- So eben sagt man uns, die Marseillaner wollen den Orleans nach Spanien schicken, um sich in eine Unterhandlung einzulassen. -- Dieses Schreiben wurde dem Sicherheits-Committe zugestellt.

In eben dieser Seßion stattete Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe einen Rapport ab über das Verfahren des Kriegs-Ministers und ertheilte ihm das Zeugniß eines zuverlässigen republikanischen Patriotismus. -- Sodann verlaß er nachfolgendes Schreiben der Administratoren von Lyon und der dortigen Sektions-Commissarien an das N. Convent vom 9. dieses: "Bürger und Volcks-Representanten! Zu eben der Zeit, da unsere Commissarien euch den grösten Beweiß von unserer Anhänglichkeit an die Republick geben durch Ueberbringung unserer Genehmigung der Constitutions-Akte, behandelt ihr uns als Rebellen. Gestern am 8. dieses haben die Feindseligkeiten den Anfang genohmen, und es ist Blut vergossen worden. Dübois-Crance hat uns eine Proklamation zugeschickt, worüber wir innerhalb einer Stunde berathschlagen und einen Entschluß fassen sollten. Noch war dieser Zeitraum nicht verflossen, als auf unsere Avantgarde mit Kanonen geschossen wurde. Man verlangt, Brüderschaft zu machen; einige von unsern Reutern näherten sich, und zwey von ihnen wurden gefangen genohmen. Wir haben ihre Gewaltthätigkeit nachgeahmt, von neuem angefangen zu feuren, und die Angreiffer abgetrieben. Nach den von der Stadt Lyon gegebenen Beweisen von ihrer Anhänglichkeit an die Republick, wollet ihr uns mit Gewalt bezwingen. Die Commissarien die ihr zu uns geschickt, haben ihre Vollmacht überschritten. Lasset Lyon Gerechtigkeit wiederfahren; Blutvergiessen wird unausbleiblich auf euere abschlägige Antwort erfolgen; wir werden lieber alle umkommen, als wieder unter das Joch der Anarchie zurückzukehren." -- Zugleich mit diesem Schreiben verlaß Barrere noch ein anderes von eben diesen Administratoren an die Commissarien der Primar-Versammlungen von Lyon. Es ist ungefehr von gleichem Inhalt: "Dringet, heißt es unter anderm, in das N. Convent, daß es uns Gerechtigkeit wiederfahren lasse; wir sind entschlossen zu sterben, um uns der Unterdrückung zu wiedersezen. Unser General Genest hat bereits 200. Anarchisten erlegt; wir auf unserer Seite hatten nur 2. Verwundete, und 2. andere wurden bloß durch Verrätherey gefangen." --Was Barrere nach Verlesung dieser Schreiben in seimen Rapport noch weiter hinzusezte, zielte darauf ab, die Versicherung der Lyoner in Ansehung ihrer Republikanischen Gesinnung und ihrer Anhänglichkeit an die Constitution verdächtig zu machen. -- Uebrigens waren diese Briefe eigentlich von den Administratoren des Departements von der Allier an das Wohlfahrts-Committe eingeschickt worden, welche sie dem von Lyon kommenden Kourier hatten abnehmen, ihn selbst aber bis auf weitere Verhaltungs-Befehle des N. C. arrettieren lassen, aus Besorgniß, er möchte etwan noch mündliche Aufträge an jemand haben.

Der übrige Inhalt von Barreres Rapport betraf nachfolgende Gegenstände: Von den National-Commissarien Albitte und Nioche hat man Nachricht, daß Toulon und Marseille in ihrer Revolte beharren; in Aix sey eine Armee von 4000. Mann, die aus Emigrierten, reichen Guths-Besizern, Deserteurs und See-Soldaten bestehen, welche viel Artillerie bey sich haben. -- Berichte aus dem Departement der Vendee thun eines neuen über die dortigen Rebellen erfochtenen Sieges Meldung; es seyen nemlich 1000. Mann von denselben bey Doue von 600. Patrioten geschlagen und zwo Stunden weit verfolgt worden, wobey von den Rebellen 300. gefangen und viele, die sich in Kellern versteckt hatten, getödtet worden. -- Zufolg eines aufgefangenen Schreibens aus Dünkirchen soll das Engl. Ministerium, im Fall sein erster Plan nicht gelingen sollte, einen zweyten gegen Franckreich gemacht haben; und dieser soll darinn bestehen, daß alle Banquiers in London, Amsterdam, Hamburg und Wien mit Anfang des Septembers zu zahlen aufhören sollen; welches, wie man hoffe, eine gewaltige Erschütterung des Vermögens-Zustandes in Franckreich verursachen, den Preis der Waaren vertheuren, den Credit der Assignaten fallen machen werde, u. s. w. -- Endlich den Zustand der nördlichen Armee betreffend, sagte der Rapporteur: -- General Houchard sey jzt an der Spize dieser Armee; die sich, weil sie von der überlegenen Anzahl der Feinde in dem sogenannten Cäsars-Lager beunruhiget worden, von dort zurückgezogen habe; sie befinde sich jzt in dem Lager zu Vitry bey Douay. Cambray sey, nach vielen übereinstimmenden Berichten, eingeschlossen, aber mit allem nöthigen wohlversehen, so wie auch Bouchain, Quesnoj und Landrecy; 18000. Mann von der Mosel- und Rhein-Armee seyen zu der Nördlichen gestossen, und 30000. Neuaufgebottene marschieren unter dem General Chaubourg eben dahin. Diese Armee habe vorzüglichen Mangel an Kavallerie; der Feind scheine die Absicht zu haben, von des an der See-Küste gelegenen Flandern und von Hennegau sich zu bemächtigen, und die Kommunikazion zwischen Douay und Lille abzuschneiden.

Noch wurden in dieser Seßion, auf Roberspierres und Dantons Vorschlag, zwey Dekrete abgefaßt: Nach dem einen sollen alle verdächtigen Personen in Verhaft genohmen; und nach dem andern die Commissarien der Primar-Versammlungen bevollmächtiget werden, im Namen der Nation ihre Mitbürger bey ihrer Zurückkunft aufzufodern, von allem vorhandenen Getraid, Munition und Pferdten ein Verzeichniß aufnehmen zu lassen, und so wohl Mannschaft als Waafen aufzubieten. Wie dieses Dekret in Vollziehung gebracht werden könne, soll in einer der nächsten Seßionen ausgemacht werden.

In der vorgestrigen Seßion erhielt, das N. C. von seiner Commissarien bey der Nordarmee die Nachricht aus Arras, daß dieselbe 3 Stunden von dieser Stadt ihr Lager habe und in ihrer Gegenwart unter dem Commando des General Houchard den 10. August gefeyret, die Constitution angenohmen, und geschworen habe, bis auf den Tod gegen die Feinde der Republik zu kämpfen. -- In eben dieser Seßion erhielten die Abgeordneten der Primarversammlungen von dem N. C. die Vollmacht wieder nach Haus zurükzukehren, und dort ihre Mitbürger zum Marsch nach den Nordlichen Departements und dem von der Vendee aufzufodern. Zufolg eines bey diesem Anlas abgefaßten Dekrets, soll eine Anzahl von Conventsgliedern sie mit dem gleichen Auftrag in die verschiedenen Departements begleiten.

Paris, vom 19. Augstmonat. [14]

Der Minister der innern Angelegenheiten, Garat, hat um seine Dimission angesucht und das N. Convent hat ihm dieselbe bewilliget und dekretiert, daß nächstens zu der Wahl seines Nachfolgers geschritten werden soll.

In der Seßion am 16. erschienen die Abgeordneten des Volcks nebst den Commissarien der 48. Pariser-Sektionen vor dem N. Convent und verlangten, daß die ganze Nation, blos mit Ausnahm der zum Feldbau unentbehrlichen Personen, zur Vertheidigung der Republik aufgebotten werden soll. Dieses Ansuchen wurde an das Wohlfahrts Committe gewiesen. Aber dasselbe hatte bereits ein diesem Wunsch entsprechendes Gutachten in Bereitschaft, welches noch in eben dieser Seßion verlesen und demselben gemäß nachfolgendes Dekret abgefast wurde: 1) Das Französische Volk deklariert, daß es sich samtlich ausmachen wolle, um seine Freiheit und Constitution zu vertheidigen, und sich von allen seinen Feinden zu befreyen; 2) dem Wohlfahrts-Committe wird aufgetragen, am morndrigen Tag ein Gutachten einzugeben, wie diese grosse National-Bewegung einzurichten sey; 3) es sollen 18. Volks Representanten ernannt werden mit dem Auftrag, die Maasregeln von den Abgeordneten der Primar-Versammlungen zu dirigieren; 4) dieselben sollen authorisiert werden, den Abgeordneten des Volks Commißionen zu ertheilen, ohne welche diese leztern nichts unternehmen dörfen; 5) die Volks-Representanten sollen sich mit dem Wohlfahrs-Committe und dem vollziehenden Staats Rath über die Versammlung und Direktion der Kriegsmacht verabreden; 6) eben dieselben haben den Auftrag, die Mitglieder der konstituierten Autoritäten und die offentlichen Beamteten zu erneuern, und ihre Stellen mit Bürgern von bekannten patriotischen Gesinnungen zu besezen; 7) In keinem Fall dörfen diese Volks-Representanten solche Administratoren wählen oder beybehalten, welche jemals zu Projekten von Föderalismus ihre Beystimmung gegeben; auch selbst alsdann nicht, wenn sie dies_lbe wiederruffen haben.

Ein Offizier von der Besazung in Cambrai hat in dieser Seßion eine den Engelländern abgenommene Fahne und zugleich die Nachricht überbracht, daß diese Stadt nicht mehr von den Feinden bloquiert sey. Der Commandant derselben, General Declai, hat von der Bloquade nachfolgenden Bericht eingeschikt: dieser Plaz ist am 7. eingeschlossen, am 8. völlig bloquiert und sogleich von dieser Zeit an bombardiert worden. Die Besazung erwiederte das Bombardement lebhaft, und die Belagerer konnten weder mit ihren Arbeiten den Anfang machen, noch ihre Batterien aufwerfen. Am 9. thaten wir einen Ausfall und machten 4 Kriegsgefangene, worunter sich ein Oesterreichischen Offizier befindet; am 10. wurde die Annahme der Constitution von den Truppen und Einwohnern gefeyert, am 11. zogen sich die Feinde zurük und räumten unsere Gegend.

In der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreiben der Volks Representanten bey der Armee an der Küste von Rochelle aus St. Hermand vom 14, dieses verlesen, worinn sie berichten: die Rebellen haben sich seit einigen Tagen in grosser Anzahl bey Chantonnay und Mortagne versammelt, um Lücon anzugreiffen. Am 14. seyen sie 40,000. Mann stark in 3. Colonnen angerükt. Nun sey es zwischen ihnen und der unter dem General Tong stehenden Division von der Republikanischen Armee zu einem Gefecht gekommen, in welchem so wie auf der darauf erfolgten Flucht die Feinde bey 5000. Mann verlohren haben sollen. Unsere Avantgarde postierte sich zu St. Hermand, und wir werden die Feinde noch weiter verfolgen. Es waren nur 6000. Republikaner, die diesen Sieg erfochten, der sie nur 30. Mann kostete, und wobey wir 16. Kanonen erobert haben.

Die Ursache, warum die Feinde das Gebiet von Cambrai geräumt haben, scheint zu seyn, daß sie sich der Vereinigung der Mosel-Armee mit der Nördlichen wiedersezen, und Lille mit ihrer ganzen vereinigten Macht angreiffen wollen. Es ist bereits zwischen den Vorposten bey Mouveaux ein Gefecht vorgefallen, welches auf beyden Seiten blutig war und nach welchem viele verwundete in das Militar-Hospital gebracht worden sind. Man hat wohl nächstens eine allgemeine und entscheidende Schlacht zu erwarte'.

Següin, ein Cavallerie Offizier von der Armee, die vor Lyon liegt, hat Nachrichten von dorther überbracht, welche in der gestrigen Seßion Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe dem N. Convent mittheilte. Sie bestehen in folgendem: Das erste Gefecht fiel am 8. dieses bey dem Dorf Calvire vor, wo die Truppen der Republik die Oberhand hatten und sich dieses Postens bemächtigten. Kellermann forderte die Stadt Lyon auf zur gemeinschaftlichen Feyer des 10. Augusts seiner Armee die Thore zu öfnen; die Einwohner verlangten 3. Stunden Bedenkzeit; kaum aber war eine verflossen, so schossen, nach diesem Bericht, ihre Vorposten mit Kartätschen auf unsere Truppen. Am 10. lud man von beyden Seiten einander zu der Republikanischen Feyerlichkeit ein, die Lyoner gaben keine bestimmte Antwort; aber während dem in der Stadt und bey der Armee der Eid geschworen wurde, kanonirten sie lebhaft. Am 11. und 12. schoß man auf einander mit dem kleinen Gewehr; am 13. Abends um 6. Uhr wolten die Truppen der Republik sich einer Schanze bey Calvire bemächtigen, sie wurden aber zurük getrieben; a, 15. wurde ein Bataillon mit Haubizen und Belagerungs-Stüken detaschiert, um die Vorstadt Güillotiere zu besezen. -- Die Commissarien bey der dortigen Armee liessen an die Lyoner eine Proklamation ergehen, wovon sie eine Abschrift an das Wohlfahrts Committe eingeschikt haben, mit dem Bericht, daß dieselbe nun schon seit 12. Stunden unbeantwortet geblieben sey; sie vermuthen die Sektionen von Lyon berathschlagen darüber; und indessen schonen sie der Stadt. Dieser Bericht ist vom 15. -- Die übrigen durch den oben erwähnten Cavallerie Offizier mitgebrachten Depeschen enthalten die Umstände von der Feyer des Föderazions-Festes. -- Ein Schreiben des Kriegs-Commissars, Paris, meldet: Die Einwohner von Lyon haben ihn bey seiner Ankunft in der Stadt umarmt; die Sinnbilder der Freiheit seyen daselbst unverlezt beybehalten, und jedermann habe geruffen: Es lebe die Republik! Indessen seyen 200. Kanonen aufgepflanzt, 30,000. Mann unter den Waaffen, und auf der Seite gegen Saone furchtbare Batterien errichtet. -- Nach Abstattung dieses Rapports wurde auf Barreres Vorschlag dekretiert: Einmahl, die so eben verlesenen Schreiben und Proklamazionen sollen gedrukt und an die Departements überschikt werden, um die ganze Republik von dem Verfahren der Convents-Commissarien und von der fortdaurenden Hartnäkigkeit der Lyoner in ihrer Rebellion zu benachrichtigen; sodann soll die Armee vor Lyon durch einen Theil der in Va- _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ verstärkt werden.

Paris, vom 23. Augstmonat. [15]

Die diesmaligen Neuigkeiten von hier aus sind eben nicht sonderlich wichtig. Das N. Convent hat weder von den auswärtigen noch innerlichen Angelegenheiten Berichte erhalten, die das Publikum sehr interessiren könnten, und auch in seinen Seßionen ist nichts von dieser Art vorgekommen. -- In der Seßion am 19. wurde demselben von dem offentlichen Ankläger des Revoluzions-Tribunals angezeigt, daß ihm noch nichts den Prozeß von Maria Antonia betreffendes zugestellt worden sey; eben so wenig als die Akkusazions-Akten gegen Brissot, Gensonne, Vergniaud, Guadet und Düperret, welche vor dieses Tribunal gewiesen worden. Das N. C. dekretierte hierauf, daß die Gesezgebungs- und Sicherheits-Committes innerhalb 8. Tagen die Akkusazions-Akte gegen die angeklagten Convents-Glieder eingeben, und daß eben diese Committes dem offentlichen Ankläger von dem Revoluzions-Tribunal die Aufsäze zustellen sollen betreffend den Prozeß von Maria Antonia, die als eine blosse Bürgerin angesehen und dem zufolg von dem Ankläger dieses Tribunals angeklagt werden müsse. -- Mit dem Prozeß gegen den vormaligen General Cüstine wird vor diesem Gericht mit Abhörung von Zeugen immer fortgefahren. Da derselbe sich auch auf das Zeugniß mehrerer Generalen, und unter anderm des General Houchard, beruffen, welcher gegenwärtig das Commando von der Nord-Armee hat; so wurden in dem N. C. gegen die Bewilligung dieses Gesuches Einwendungen gemacht, weil dieselbe eine nachtheilige Wirkung auf den Zustand der Armeen machen könnte, und es wurde verlangt, daß dieser Generalen ihre Aussagen von den Friedens-Richtern des Distrikts, wo sie sich befinden, vernohmen, und die Protokolle darüber an das Revoluzions-Tribunal eingeschikt werden sollen. -- Das Verhafts-Dekret gegen den General Beysser, welcher eine zeitlang Commandant von Nantes gewesen, ist zurük genommen und derselbe wieder in seine Stelle eingesezt worden. -- Zufolg des neulich abgefasten Dekrets, nach welchem alle verdächtigen Personen arretiert werden sollen, ist am 18. dieses auch Manüel, vormaliges Mitglied des N. Convents, dessen Namen in den Verhandlungen desselben so oft genannt worden, in der Abtey gefänglich eingebracht worden.

Der Kriegs-Minister hat dem N. C. in der Seßion am 19. ein Schreiben mitgetheilt von dem Commandanten der Armee an den westlichen Pyrenäen, General Dübouqet, worinn er von einigen über die Spanischen Truppen erhaltenen Vortheilen, die aber nicht sehr beträchtlich sind, Nachricht giebt.

Die Administratoren des Departements von Mont-Blanc berichten aus Chambery vom 4. dieses, daß die Piemonteser, 250. an der Zahl, in die Gebürge dieses Departements eingedrungen seyen; und zugleich verlangen sie Waffen; ein Convents-Glied dieses Departements bestätigte die Nachricht mit dem Beyfügen: wenn man nicht die nöthigen Maaßregeln nehme, um der Sache Einhalt zu thun, so werde es in diesem Departement bald, wie in dem von der Vendee gehen. -- In einer ausserordentlichen Abend-Session am 20. ist an Garats Stelle, der Bürger Pare, Sekretär des vollziehenden Conseils, zum Minister der innern Angelegenheiten gewählt worden. -- In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. C. von dem einsweiligen Kriegs-Commissar in Lyon die Nachricht, daß diese Stadt schon seit 8. Tagen belagert werde; es seyen verschiedene Kugeln in das Militar-Hospital gefallen, wodurch aber niemand weder getödet noch verwundet worden. -- In eben dieser Seßion zeigte Barrere im Namen des Wohlfahrts-Committe an, daß die in Lyon entstandenen Gegen-Revoluzions Bewegungen sich auch dem Hauptort des Distrikts von der Rhone und Loire, Montbrison, welcher 10. Stunden von Lyon entfernt ist, kommuniziert haben; 300. Lyoner und Muscadins, worunter sich Priester und Adeliche befinden, seyen mit 2. Kanonen dahin gekommen, und haben den Anfang damit gemacht, daß sie die Archive der republikanischen Gesellschaft zerstörten, und den Aufsaz über die Menschen-Rechte auf dem offentlichen Plaz verbrannten. Man habe sie auf den Strassen ruffen gehört: Es lebe Ludwig XVII., weg mit dem N. Convent! u. s. w. Viele Revoluzions-Gegner von St. Etienne haben sich mit ihnen vereiniget; sie wollen das N. Convent nicht mehr erkennen, tretten seine Dekrete unter die Füsse, und reissen diejenigen ab, die offentlich angeschlagen werden. Seitdem vermehre sich die Zahl der Revoluzions-Gegner immer; sie haben eine neue Verstärkung von 200. Mann erhalten, worunter 40. Reuter seyen; sie seyen in Boing eingerükt, haben da geplündert, und die Einwohner der Stadt, die sie als Patrioten kannten, ins Gefängniß geworfen. Von den Lyonern sagte Barrere in seinem Rapport, sie seyen um so viel gefährlicher, da sie sich für republikanisch Gesinnt und für Feinde der Anarchie ausgeben und unter dieser Larve das N. Convent bey dem Volck in Mißkredit bringen wollen, indem sie den Mitgliedern desselben ungereimte Projekte zuschreiben. Als eine Probe davon führte er einen in Lyon offentlich angeschlagenen Brief an, der von Danton an Dübois-Crance geschrieben und in Grenoble in einer Brieftasche des leztern gefunden worden seyn soll. Der Brief lautet so:

"Der famöse 10. August nahet heran; es ist Zeit die grossen Streiche zu thun; spare nichts, ich beschwöre dich, du weist, daß das Departement der Rhone und Loire reich ist; nimm grosse Maaßregeln, schone keine Mittel, was für welche es auch seyn mögen. Die heilige Montagne muß triumphieren, die Lyoner müssen sich unterwerfen. Du weist das grosse Projekt. Müsten wir auch Mont-Blanc und ganz Savoyen abandonnieren; das kommt in keine Betrachtung; solten auch alle Savojarden zwey und zwey zusammen gefesselt werden; das kümmert uns wenig, wir müssen herrschen, alle rebellischen Städte müssen sich unterwerfen. Wenn du Lyon nicht durch Hunger bezwingen kanst, so must du diese stolze Stadt in Asche verwandeln. Wenn die Landleute darüber schreien, daß sie ihre Waaren nicht verkauffen können, so sage ihnen, sie sollen gehen und sie in Constantinopel verkauffen; spare die Assignate nicht, gieb her ohne darüber zu rechnen, am End wird sich alles wieder finden." -- Danton wolte es freylich nicht an sich kommen lassen, diesen Brief geschrieben zu haben: wenn er ihn geschrieben hätte, sagte er, so würde er boshafter gewesen seyn; er würde dem Dübois-Crance nachdrüklichere Mittel angegeben haben, um die Revoluzions-Gegner zu unterwerfen; er stehe aber in gar keiner Correspondenz mit ihm. -- Mit diesem Beweis seiner Unschuld war das N. Convent zufrieden.

Paris, vom 26 Augstmonat. [16]

PortretRobespierre240d

Roberspierre ist seit dem 23. President des N. Convents. In der Seßion dieses Tages erhielt das N. C. von einem seiner Commissarien bey der Nord-Armee aus Lille vom 21. dieses von einem neuen Vorfall bey Lincelles und Blaton folgende Nachricht: "Der Rükzug unserer Truppen am 18. von den Posten Lincelles und Blaton hätte über den Erfolg dieses Vorfalls einige Zweifel übrig gelassen; aber diese sind durch das, was am 19. vorgegangen ist, gänzlich gehoben, und der Angriff unserer Truppen auf die genannten Posten ist vollkommen gelungen, der Feind ist gänzlich geschlagen worden. Zwo in Blaton gelegene Compagnien Emigrierter sind fast ganz niedergemacht worden. Das 6te Cavallerie-Regiment hat mit grossem Muth gefochten, und ohne eine Verstärkung von 4000. Engelländer wäre der Vorfall dieses Tages für uns so viel als der Gewinn einer ordentlichen Schlacht gewesen. Indessen ist der Erfolg davon der gleiche, da der Feind gestern Vormittags von selbst Blaton und Lincelles geräumt hat. Die dortigen Landleute schäzen nach dem uns abgestatteten Bericht den feindlichen Verlust über 1000. Mann, und versichern, sie haben bey 40. Wagen voll Verwundeter wegführen gesehen."

In eben dieser Seßion legte Barrere im Namen des Wohlfahrts Committe über das allgemeine Aufgebott aller Franzosen zur Vertheidigung der Republik ein umständliches Gutachten vor, welchem zufolg sodann nachfolgendes Dekret, diesen grossen Gegenstand betreffend, abgefast worden ist: 1) Gleich von j_t an und so lang bis die Feinde aus dem Gebiet der Republik verjagt seyn werden, sind alle Franzosen aufgebotten: die jungen Leute von 18. bis 25 Jahren sollen zuerst die Waaffen zur allgemeinen Vertheidigung ergreiffen; 2) die verheiratheten Mannspersonen sollen Gewehre verfertigen und alles erforderliche veranstalten; die Frauenspersonen sollen an Zelten und Kleidungs-Stüken arbeiten, und in den Hospitälern die nöthigen Dienste verrichten; die Kinder sollen Charpi für die Verwundeten zubereiten, und die Greise sollen sich nach den öffentlichen Pläzen begeben oder bringen lassen, um durch ihr Beyspiel den Muth der Krieger zu ermuntern, und den Haß gegen die Könige, und die Einheit und Untrennbarkeit der Republik zu predigen; 3) das eigentliche Kriegsgeschüz soll ausschließlich denen zugestellt werden, die gegen den Feind marschieren; der Dienst im Innern soll mit Jagdflinten und blankem Gewehr, (Degen und Piken) versehen werden; 4) alle Reit-Pferde sollen abgefordert werden, um die Cavallerie-Corps vollständig zu machen, die Zug Pferdt, ausgenommen die zum Landbau erforderlichen sollen der Armee Lebens-Mittel und alles nöthige zuführen; 5) das Wohlfahrts-Committe bekommt den Auftrag alle erforderlichen Veranstaltungen zu machen zur Errichtung einer grossen Gewehr-Manufaktur, und alle Künstler und Arbeiter der Republik aufzubieten, die etwas zu dieser Einrichtung beyzutragen im stand sind; 6) es soll dem Kriegs-Minister zu seiner Disposition die Summ von 30. Millionen Livres zugestellt werden; 7) die zur Vollziehung dieses Dekrets ernannten Volks-Representanten haben alle die gleiche Vollmacht: sie sollen sich mit dem Wohlfahrts Committe verabreden, und eben die uneingeschränkte Vollmacht haben, wie die Representanten bey den Armeen; 8) keiner darf in dem Dienst, wozu er aufgefordert wird, einen andern für sich stellen; die offentlichen Beamteten bleiben an ihrem Posten; 9) das Aufgebott ist allgemein; die jungen Leute von 18. bis 25. Jahren sollen sich unverzüglich an dem Hauptort ihres Distrikts versammeln, um sie in den Waaffen zu üben; 10) alle Commissarien des exekutiven Conseils werden ungesäumt zurük beruffen und ihre Funktionen hören mit der Ankunft dieses Dekrets sogleich auf; 11) die Representanten sollen die Marsche einrichten, daß die für die bewafneten Bürger erforderlichen Lebens-Mittel vor ihnen an dem Ort ihrer Bestimmung ankommen; 12) die Versammlungs-Pläze sollen nach den Umständen bestimmt und von den zur Vollziehung des Dekrets abgeschikten Representanten nach dem Gutachten der Generalen angewiesen werden. Sie werden sich darüber mit dem Wohlfahrts Committe und dem einsweiligen exekutiven Conseil verabreden; 13) der Gehalt dieser Freywilligen ist der gleiche, den die bereits bey den Armeen befindlichen Freywilligen haben; 14) die Chefs sollen von den bewafneten Bürgern des Bataillons, welches in jedem Distrikt errichtet wird, gewählt werden; jedes derselben hat ein Panier mit der Innschrift: "Das Französische Volk im Anzug gegen die Tyrannen;" 15) um die Lebens-Mittel in hinreichender Menge zusammen zu bringen _ollen die Pächter, welche die National-Güter administrieren, an den Hauptorten der Distrikte den Ertrag dieser Güter in Natura abliefern; 16) die Gutsbesizer, Pächter und alle welche Getraid haben werden aufgefordert, ihre rükständigen Contributionen und zwey Drittheile von den Contributionen des Jahrs 1793. in Natura zu entrichten; 17) die Abgeordneten des Volks werden aufgefordert, sich in ihre Cantons zu begeben, um dort den am 14. August ihnen ertheilten Auftrag zu vollziehen und die diesem Dekret gemässen Vollmachten zu empfangen; 18) dem Kriegs-Minister werden zu seiner Disposition noch 50. Millionen Livres zugestellt, um die zur Ausführung dieses Aufgebotts erforderlichen Veranstaltungen zu treffen; 19) Gegenwärtiges Dekret soll durch ausserordentliche Kuriers überall hin verschikt werden.

Ein Schreiben aus dem Departement de la Vendee an ein Convents-Glied meldet: Die Royalisten haben daselbst eine neue Niederlage erlitten; 20,000. derselben, die sich in das Schloß Oie und die dortigen Gegenden zurük gezogen, seyen angegriffen, von dort mit grossem Verlust verjagt, und das Schloß von den republikanischen Truppen in Brand gestekt worden.

In einem in der gestrigen Seßion verlesenen Schreiben der Volks-Representanten bey der Rhein-Armee aus Weissenburg vom 22. August Morgens um 1. Uhr melden dieselben folgendes: Wir fechten nun schon seit 3. Tagen mit den Feinden, und diese ganze Zeit über hat der Muth der Franzosen der Anzahl und allen Bemühungen der vereinigten Mächten Wiederstand geleistet. Gestern nahm das Gefecht früh Morgens den Anfang und daurte den ganzen Tag. Es wurde von beyden Seiten mit Hartnäkigkeit gefochten. Endlich wiechen die Feinde zwo Stunden weit zurük. General Landremont kommandierte unsere Armee. Die Feinde haben viel Volk verlohren. Wir sind im Begriff von hier abzureisen, um uns zu erkundigen, was in Lauterburg vorgeht, denn der Angriff ist zu gleicher Zeit allgemeine gewesen. So eben wird überall Sturm geläutet, und 8000. Landleute befinden sich in den engen Pässen von Bitsche. Wir hoffen in wenigen Tagen durch 100,000. Republikaner verstärkt zu werden. -- Eben auch in der gestrigen Seßion wurde ein Schreiben vom General Delbec aus Bajonne verlesen, worinn er von einigen über die Spanier erhaltenen Vortheilen Nachricht giebt; und zugleich ließ das Wohlfahrts Committe dem N. Convent anzeigen, daß die Piemonteser an 3. Orten in das Departement von Mont-Blanc oder Savoyen eingedrungen seyen. Es wurden 2. Commissarien ernennt, um sich dahin zu begeben und alles anzuwenden, daß die Feinde zurük getrieben werden.

Die Commissarien bey der Armee an den östlichen Pyrenäen haben den General Flers abgesezt und in Verhaft nehmen lassen. Barbantone hat an seiner Stelle das Ober-Kommando bekommen. -- Cüstines Prozeß wird noch immer durch Zeugen-Verhör fortgesezt. -- Zufolg des vorgestern von der Polizey-Administration dem N. Convent abgestatteten Berichts belauft sich gegenwärtig die Anzahl der hiesigen Gefangenen auf 1614.

Paris, vom 30. Augstmonat. [17]

Die wichtigste Neuigkeit, welche die lezten Zeitungs-Blätter von hieraus melden, betrift, leider, das unglükliche Schicksal der Stadt Lyon: (wovon wir die schon vor 8. Tagen aus einem Privat-Schreiben mitgetheilte Nachricht heute lieber wiederruffen, als bestätiget hätten.) Hier ist das in der gestrigen Seßion des N. Convents über diesen bedaurenswürdigen Gegenstand verlesene Schreiben der Volks-Representanten Dübois-Crance und Gauthier aus dem Lager vor Lyon vom 25. dieses Monats: "Bürger und Collegen! Gestern Abends um 4. Uhr, nach Verfluß von 30. vergebens zur Ueberlegung eingeräumten Stunden, hat das Feur hier den Anfang genommen; die glühenden Kugeln haben das Quartier von der Porte St. Claire in Brand gestekt; um 10. Uhr haben die Bomben angefangen ihre Wirkung zu thun, die aber nicht eher als um Mitternacht fortdaurend war; aber um diese Zeit brach der fürchterliche Brand aus in der Gegend von dem Quai der Saone; unermeßliche Magazine wurden ein Raub der Flammen, und ungeachtet das Bombardement um 7. Uhr Morgens aufhörte, so hat es nichts destoweniger bis jzt, Abends um 5. Uhr, immer gleich heftig fortgebrannt; man versichert, Bellecourt, das Zeughaus, der Port dü Temple, die Strassen Merciere und Tüpin nebst andern daran gränzenden seyen abgebrannt; der in diesen zwo Nächten verursachte Schaden kan auf 200. Millionen geschäzt werden. Wir haben heute Nachmittag einen Trompeter mit einem Schreiben nach Lyon geschikt, ungeachtet man auf den Kirch Thürmen die schwarze Fahne, das Zeichen der Beharrlichkeit in der Rebellion aufgestekt hat. Wir haben 3. Stunden zur Beantwortung desselben eingeräumt. Nach Verfluß derselben wird das Bombardement von neuem anfangen. In der gestrigen Nacht und während dem Bombardement hat man zwo feindliche Schanzen beym rothen Kreuz mit Macht angegriffen; und beyde sind ungeachtet eines Hagels von Kugeln aus grossem und kleinem Gewehr eingenommen worden. Es ist in dieser Nacht so scharf hergegangen, wie man wenig Beyspiele hat. Indessen, (so sagt das Schreiben) hatten wir doch nur 5. Todte und 26. Verwundete. Die feindlichen Schanzen waren mit Leichnamen bedekt. Der Feind hatte auch auf der Seite von Salieres einen Ausfall versucht; aber die National Garden von Grenoble, die dort postiert waren, haben ihn mit Verlust von 2. einzigen Todten wieder in die Stadt zurückgetrieben. -- Man macht zwo wichtige Bemerkungen; einmal daß fast immer die gleichen Leute auf den Vorposten sind; sodann, daß sich unter den Todten ein Drittheil Priester befinden. Was mit Lyon vorgeht, wird der Republik eine ihrer wichtigsten Städte und einen unermeßlichen Vorrath von Waaren kosten. -- Der General Cartaut hat die Marseillaner bis an ihre Mauren zurückgetrieben; er befindet sich in Aix, wo er sich mit einem Theil der Armee in Nizza verstärken kan. Was die Piemonteser anbetrift, so erwarten die Truppen der Republik dieselben standhaft am Ausgang der Pässe von Maurienne und Tarentaise. -- Der von den Volks-Representanten und dem General Kellermann abgeschikte Officier, welcher dem N. Convent dieses Schreiben überbracht hat, fügte noch mündlich hinzu: Der mit dem Schreiben von Dübois-Crance nach Lyon abgeschikte Trompeter habe bey seiner Zurükkunft gesagt: Das Schreiben sey publiziert worden, und das Volk sey geneigt, dasselbe selbst in Berathschlagung zu ziehen. Dasselbe und besonders viele Weiber verlangen mit lautem Geschrey auf den Strassen, daß dieses geschehe, daß man die Verräther ausliefern und sich sodann den allgemeinen Gesezen unterwerfen soll. Aber die sogenannte Popular-Commißion habe alle angewendet, um diese Stimme des Volks zu unterdrüken; sie habe die einen ins Gefängniß werffen, und andere niederschiessen lassen.

Andere Briefe von der Armee vor Lyon vom 26. dieses, berichten: Das Bombardement habe am 25. Abends neuerdings und noch heftiger als das erste mahl, angefangen, und die am 22. durch die Explosion des Zeughauses angerichtete Verwüstung sey noch durch die Zerstörung mehrerer Quartiere vergrössert worden. Nichts destoweniger verharren die Einwohner dabey, sich zu keiner Aussöhnung verstehen zu wollen. -- Das N. Convent hat eine einsweilige Unterstüzung von 500,000. Livres dekretiert zur Entschädigung der Bürger in der Vorstadt Güillotiere bey Lyon, für den Verlust, welchen sie wegen ihrer Wiedersezlichkeit gegen die Popular-Commißion erlitten haben.

Ein ebenfalls in der gestrigen Seßion verlesenes Schreiben der Commissarien bey der Alpen Armee berichtet, die Marseillaner seyen geschlagen und genöthiget worden, sich innerhalb ihre Mauren zu begeben. Der General Cartaut erwarte nur die Verstärckung von der Armee in Nizza, um Marseille einzuschliessen und anzugreiffen.

Vorgestern Morgens ist an dem General Cüstine das am Abend vorher von dem Revolutions-Tribunal über ihn gefällte Todes Urtheil auf dem Revoluzions-Plaz vollzogen worden. Sogleich nachher ist der Priester, welcher das Amt eines Beichtvatters bey ihm verrichtet hatte, in Verhaft genohmen und seine Papiere sind versiegelt worden.

Nach diesen neuesten und wichtigsten Begebenheiten wollen wir auch noch dasjenige nachholen, was in den frühern Seßionen des N. Convents vorgekommen ist. -- Am 26ten erhielt dasselbe von seinen Commissarien bey der Armee an der Küste von Rochelle die Anzeige, daß sie den dort kommandierenden General Roßignol supendiert haben. Dieses Verfahren wurde aber in einer der folgenden Seßionen mißbilliget, Roßignol in seine Befehlshaber-Stelle wieder eingesezt und die Commissarien zurück und zur Verantwortung vor das N. Convent beruffen. -- Der Commandant von Dünkirchen berichtete, daß er von dem Herzog von Jork zur Uebergabe dieses Plazes aufgefodert worden sey, dieselbe aber standhaft abgeschlagen habe. -- In der Seßion am 27. wurde ein Schreiben von einem Officier bey der Armee an der Küste von Rochelle aus Poitiers vom 23. verlesen worinn er berichtet: Man habe neue Vortheile über die Royalisten erhalten; ihre Armee fliehe vor den Generalen der Republick; man habe sich ihres Proviants und ihrer Munition bemächtiget; ein aus Saumür angekommener Kurier habe die Nachricht überbracht, es seyen 7. mit Pulver und Kugeln beladene Schiffe weggenohmen worden, welche die Engelländer den Rebellen zuschicken wollten; ein Theil von der Kathol. Armee sey bey Pont de Ce desertiert, und mit Waafen und Bagage zu den unsern übergegangen, und wir haben nur noch gegen 6000. Mann zu kämpfen. -- In eben dieser Seßion verlaß Barrere verschiedene bey dem Wohlfahrts-Committe eingelauffene Briefe; unter andern einen aus Saumür vom 22., worinn die dortigen Commissarien berichten: es seyen an diesem Tag 5000. Mann von der gewesenen Maynzer-Besazung daselbst angekommen, und 5000. werden am folgenden Tag erwartet; die Armeen von Niort und Büsson seyen in Bewegung; die Rebellen fliehen vor denselben; diese beyden Armeen verbrennen die Gehölze und Waldungen, um das Land offen zu machen; Cholet und Mortagne, die beyden feindlichen Haupt-Quartiere seyen in unsern Händen; die Anzahl der dort gefundenen Munition wisse man noch nicht bestimmt, und es seyen (so sagt der Bericht) über 20000. von den Rebellen bey diesem Anlaß umgekommen. -- Ein anderes Schreiben aus Perpignan vom 18. meldet: Die Spanier haben am Tag vorher 3000. Mann starck die Vorposten der Armee an den Obern-Pyrenäen angreiffen wollen, aber 500. Franzosen haben sie über den Fluß, den sie paßiert hatten, zurückgejagt, wobey viele Feinde ertrunken sind. -- Nach einem Schreiben aus Dünkirchen vom 23. schäzt man die Anzahl der Engelländer, welche diesen Plaz belagern, auf 14000. Mann; die französischen Generalen haben bereits die gute Wirckung der schwimmenden Batterien vor diesem See-Haven erfahren; dieselben haben 4000. Engelländer in die Flucht gejagt; die französische Armee kampiere auf den Wällen von Dünkirchen, sie erwarte nächstens Verstärckung und sey mit Proviant überflüssig versehen. So lautete dem wichtigsten Inhalt nach Barreres Rapport. -- In der Seßion am 28. verlaß ein Convents-Glied ein von seinem Bruder erhaltenes Schreiben aus Sarburg vom 24ten, worinn ihm dieser berichtet: Es habe wenig gefählt, so wären die dortigen Truppen ein Opfer der Verrätherey geworden. Die Feinde haben sie bey Bitsche angegriffen; der Oberst vom Regiment Zweybrücken habe sie herankommen lassen, ohne einen Schuß zu thun; zwo Kompagnien von diesem Regiment seyen mit Waafen und Bagage zu den Feind übergegangen; [der Oberst vom 44. Regiment habe geruffen: Rette sich wer kan, und das 102. Regiment habe die Waafen weggeworffen; die Niederlage würde Total gewesen seyn, wenn nicht das vormahlige Regiment der Königin durch sein gutes Verhalten den Feind aufgehalten hätte. Der Erfolg dieses wiedrigen Vorfalls sey die Einnahme von Bitsch gewesen, dessen Commandant in Verhaft genohmen worden; der General Pulh, der auch an dem Complot Antheil gehabt, habe sich geflüchtet und sey ohne Zweifel emigriert. Die über den Vorgang aufgebrachten Einwohner haben zu den Waafen gegriffen; der ganze Distrikt habe sich aufgemacht und für 8. Tage Lebens-Mittel mit sich genohmen.

In der gestrigen Seßion zeigte ein von der Commüne St. Quentin abgeordneter Deputierter dem N. Convent an, der Feind mache an den dortigen Gränzen Progressen, St. Quentin, (in der Pikardie) sey eine wichtiger Plaz, weil er zu den Vestungen von der 2ten Linie gehöre und nur durch Cambray u. Bouchain gedeckt sey; er sey aber nicht mit dem Nöthige' zur Vertheydigung versehen; der dortige Magistrat verlange also 200000. Livres zum Getraid-Ankauf. Diese Summ wurde vom N. C. bewilliget. -- In eben dieser Seßion wurde ein Schreiben von dem Sekretär der 12. Sektionen in Straßburg vom 26. verlesen, worinn er berichtet, daß am 24. bey Gelegenheit der feindlichen Einnahme des Flekens Andeilh nicht weit vom Rhein zwischen den Truppen der Preussen und Emigrierten, und den durch 6000. dortige Einwohner verstärckten französischen Armee ein blutiges Treffen vorgefallen sey, in welchem (nach diesem Bericht) die Feinde 15000., wir aber nur 400. Mann an Todten verlohren haben sollen. -- Die Art, wie das gezwungene Darlehn von einer Milliarde erhoben werden soll, ist in der gestrigen Seßion dekretiert, aber das Dekret darüber noch nicht offentiich bekannt gemacht worden.

Aus St. Omer wird vom 23, und 24. folgendes berichtet: Am 22. Abends erfuhren wir, daß unsere Vorposten zu Bergue und Cassel forziert worden seyen. Honskoot ist von den Engelländern eingenommen und eine feindliche Colonne ist über Warmouth und Honskoot gegen Bergue vorgerückt. Man läst nun einen Theil der Truppen im Lager bey Givelde, in der Nähe von Dünkirchen, dahin kommen, um auf den Fall einer Belagerung eine genugsame Besazung in Bergue zu legen. Die Ueberschwemmung um diesen Ort her ist vollständig, und man hoft er werde sich lange halten können. Vom 24. heist es: Bergue ist eingeschlossen; alle Communikazion zu Land und auf dem Kanal ist abgeschnitten; gestern Morgens sind in Cassel 12. Bataillons und 2. Cavallerie-Regimenter angekommen, und heute erwartet man noch mehrere Truppen, die von Lille und Arras kommen; man hoffet, daß dieses Corps d'Armee, welches bis auf 20,000. Mann verstärkt werden soll, marschieren werden, um die Belagerung von Bergue aufzuheben.

September.[]

Paris, vom 2. Herbstmonat. [18]

In der vorgestrigen Seßion sind verschiedene Berichte von Volcks-Representanten bey den Armeen verlesen worden. Bentabole und Levasseur berichten aus Lille vom 28. August: Der General Houchard habe, um in der Belagerung von Dünkirchen eine Diversion zu machen, zu gleicher Zeit Lannoy, Tourcoin und Roneo angreiffen lassen. Die Einnahme von Tourcoin habe unsern Truppen am meisten Mühe gemacht; endlich sey es ihnen doch gelungen; 100. Mann, und darunter 5. Officiers, seyen bey dieser Gelegenheit in unsere Kriegs-Gefangenschaft gerathen. Der Feind habe sich nach Courtray zurückgezogen; auf unserer Seite seyen 300. verwundete. -- Aus Lyon schreiben die dortigen Volcks-Representanten ebenfalls vom 28. August: Die Einwohner dieser Stadt haben noch bisher weder den Bomben, noch den ihnen gemachten Vorstellungen nachgegeben. Vielleicht werde nun die Besiznehmung von Marseille durch den General Cartaut einen Einfluß auf sie haben. Die Nacht vom 27. sey ruhig gewesen und man habe mit dem neuerdings angefangenen Bombardement innegehalten; indessen sey doch in Lyon an 6. Orten Feuer ausgebrochen. Die Weiber verlassen die Stadt in grosser Anzahl, und die Lebens-Mittel scheinen in derselben selten zu werden. Wenn die Kolonne von Clermont ihre Pflicht gethan hätte, so würden unsere Truppen bereits von Lyon Meister seyn. In der Nacht vom 26. haben die Müscadins einen Ausfall thun wollen, seyen aber mit Verlust von 27. Todten, 13. Gefangenen und einer Kanonen zurückgetrieben worden: unter den Gefangenen befinde sich einer ihrer Chefs, Servan, eines reichen Kaufmans Sohn. Diesen Abend werde man neuerdings anfangen, die Stadt zu bombardieren, und so bald die gewesene Besazung von Valenciennes angekommen seyn werde, so hoffe man, sich derselben bald zu bemächtigen. Die durch das zweyte Bombardement in Brand gerathenen Strassen und Quartiere seyen, ausser den bereits erwähnten: Die Gefangenschaften von St. Joseph, die Strassen St. Dominique, Paradis, Sala und St. Joseph, Plaisir, die grosse Hospitals-Strasse, das vormahlige Intendanten-Hotel, der Jakobiner-Plaz; und in der Gegend von Plaz Terreaux die Strassen Lafond und Pizay, ein Theil des Rathhauses, der Fleisch-Markt und ein Theil von der Strasse Pecherie.

Schon aus diesem Bericht erhellet, daß Marseille gegenwärtig im Besiz der republikanischen Truppen unter dem General Cartaut ist, und das bestätigen auch verschiedene ebenfalls in der vorgestrigen Seßion verlesene offizielle Schreiben. In einem derselben von einem Volcks-Representanten aus Marseille selbst vom 25. August heißt es: Gestern haben unsere Truppen die Stadt Aix angegriffen; wir haben die Marseillaner geschlagen, 600. von ihnen zu Kriegs-Gefangenen gemacht, und ihnen ihre ganze sehr ansehnliche Artillerie weggenohmen. Wir waren eben im Begriff, gegen Marseille anzurücken, und die Stadt anzugreiffen; aber ein von der einsweiligen Munizipalität überschicktes Schreiben berichtete uns, daß uns die Thore von Marseille offen stehen, und das Volck uns mit Ungeduld erwarte. Wir begaben uns also auf den Weg und sind ohne einiges Hinterniß unter dem Zuruf: Es lebe die Freyheit! Es lebe die Montagne! in Marseille eingezogen. Das Volck bot uns alle mögliche Unterstüzung an; wir sagten aber: wir bringen Ochsen und Mehl mit uns; so daß das Volck unter unserer Ankunft nicht leiden wird. Die Verräther haben die Flucht genohmen. Wir sind als Brüder zu den Marseillanern gekommen; indessen werden wir doch nicht vergessen, das Gesez wegen den ihm zugefügten Beleydigungen zu rächen. -- Diese Nachricht ist auch durch eine Depesche von dem General Kellerman aus seinem Haupt-Quartier vor Lyon bestätiget worden, und durch ein Schreiben der Volcks-Representanten, Albite und Sallicetti, aus Marseille vom 25. August: Diese fügen der Nachricht von der Besiznehmung dieser Stadt noch bey: Toulon sey in voller Gegen-Revolution; man sage sogar, die dortigen Aristokraten haben diese Stadt den Engelländern überliefert; welches sie auch wohl zu thun im stand gewesen. Denn schon lange habe man dort die weisse Cokarde aufgesteckt und die National-Cokarde mit Füssen getretten. Man werde aber nun gegen diese Stadt marchieren, und nichts unterlassen, um auch dort und in dem ganzen mittägigen Theil von Franckreich der Sache der Freyheit den Sieg zu verschaffen.

In der gestrigen Seßion wurde ein Schreiben verlesen, worinn die Volcks-Representanten bey der Rhein-Armee Nachricht ertheilen von einem am 27ten August bey Weissenburg erfochtenen Sieg. Zufolg des dem General Landremont abgestatteten Rapports sollen die Feinde in dem vorgefallenen Gefecht 3000. Mann verlohren und eine sehr grosse Anzahl von Verwundeten gehabt haben. Weitere Umstände werden nicht gemeldet.

Der Commandant von Dünkirchen, General Omerea, ist dieser Stelle entsezt worden, weil er ein Ausländer ist, mit Ausländern in Verbindung steht, und unter fremden Truppen gedient hat. Von der Belagerung dieses Plazes wird weiter nichts gemeldet, als daß die Feinde seit 2. Tagen nichts gegen denselben unternohmen haben.

Paris, vom 6 Herbstmonat. [19]

Die neuesten offentlichen Blätter von hier aus bestätigen die jüngst nur noch unzuverlässig erwähnte Nachricht, daß die Stadt und der Haven Toulon den Engelländern überliefert worden sey. Zwar suchte man noch in der Seßion am 2. dieses die Wahrheit dieser allerdings wichtigen Begebenheit zweifelhaft zu machen; als ein kürzlich von Aix angekommener Commissar des vollziehenden Conseils im N. C. Anzeige davon that; und die Zweifelhaftigkeit derselben nahm noch mehr zu, als in der Seßion am 3ten ein Convents-Glied versicherte, daß sein Bruder in einem Schreiben aus Marseille vom 27. August dieser Sache mit keinem Wort erwehnt habe. Aber endlich mußte man sie doch glauben, als in der vorgestrigen Seßion das Wohlfahrts-Committe dem N. Convents verschiedene Depeschen kom'unizierte, welche nicht nur die Wircklichkeit der Sache, wovon hier die Rede ist, beweisen, sondern überhaupt die Wircklichkeit eines gemachten Plans, nach welchem das südliche Franckreich den Engelländern überliefert werden soll. Die dem N. Convent mitgetheilten Nachrichten sind folgende: 1) Ein Schreiben der mit dem General Cartaux in Marseille angekommenen Volcks Representanten, woriñ sie berichten, daß die Sektionen von Toulon die von dem Engl. Admiral Hood ihnen gemachten Propositionen angenohmen, die weisse Cokarde aufgesteckt, und Ludwig XVII. als König ausgeruffen haben. Zugleich melden sie, der General Cartaux mache Anstalten, gegen diese rebellische Stadt zu marschieren; und in Marseille sey der dortige Club durch die Convents-Com'issarien wieder eröffnet und die republikanis. Sozietät wieder hergestellt worden. 2) Ein aufgefangenes Schreiben, welches die Ueberlieferung v. Toulon an die Engelländer bestätiget; 3) Eine Deklaration des Engl. Admirals, worinn er sagt: weñ Marseille und Toulon sich geradezu für die Monarchie erklären, und ihre Häven und Waafen ausliefern; so sollen die Einwohner der Provence von der Brittischen Flotte allen Beystand zu erwarten haben; 4) Eine Proklamation eben dieses Admirals, worinn er, nach einer Schilderung von der gegenwärtigen Lage Franckreichs, sagt, die verbundenen Mächte wissen kein anderes Hülfs-Mittel gegen diese unglücklichen Umstände, als die Wiedergestellung der Monarchie; 5) Ein Schreiben der Volcks-Representanten, worinn sie dem N. Convent berichten, daß die Hofnung, die sie noch auf den Patriotismus des Vice-Admirals St. Jülien gesezt hatten, verschwunden sey; indem derselbe von den Officieren seiner Flotte verrathen worden, und bereits 8. Engl. Schiffe in den Haven von Toulon eingelauffen seyen; 6) Ein Schreiben des Committe der Sektionen von Toulon an den General Cartaux, worinn sie ihm melden, daß zwey Mitglieder des N. C., u. die Anverwandten v. noch 2 andern als Geisel in Verhaft genohmen worden, u. daß nächstens 30,000. Engelländer und Spanier dort ankommen und Marseille und Toulon unter ihren Schuz nehmen werden. -- Von dem genauern Inhalt dieser verschiedenen Depeschen enthalten die lezten Pariser-Blätter noch nichts, ausser was den oben erwähnten Vice-Admiral St. Jülien betrift. Da nemlich der Engl. Admiral Hood den Einwohnern von Toulon hatte proponieren lassen, die französische Flotte zu entwafnen, die Kanonen von den Wällen wegzuschaffen und die Bewachung von diesen den Engelländern zu überlassen; und man diese Vorschläge bewilliget hatte; so postierte sich St. Jülien mit 18. unter seinem Commando stehenden Schiffen an den Eingang des Havens, um sich dem Einlauffen der feindlichen Schiffe zu wiedersezen. Aber das Fort de la Marque drohete, seine Schiffe mit glühenden Kugeln zu beschiessen. Nun mußte er nachgeben, besonders da mehrere Capitains sich gegen ihn erklärten; er flüchtete sich mit einigen wenigen seiner Leute nach Marseille, und 8. Engl. Schiffe lieffen, wie gesagt, ungehindert in den Haven von Toulon ein.

In der Seßion am 3ten theilte das Wolfahrts-Com'itte dem N. Convent von seiner Correspondenz unter andern Nachrichten auch diese mit, daß zufolg eines offiziellen Schreibens aus Chambery die vom General Kellermann in das Departement Mont-Blanc abgeschickten Verstärckungen die Piemontesischen Truppen genöthiget haben sich zurück zu ziehen; und daß die Royalisten-Armee im Departement der Vendee zwey fruchtlose Angriffe gethan habe; und bey Parthenay, und zwischen Essarts und la Mothe-Achard gänzlich geschlagen worden sey. Man habe ihnen alle Bagage, 300. Gefangene und 5. Kanonen weggenohmen.

Ein aussersordentlicher Courier hat dem N. Convent die Nachricht überbracht, daß bey Rieux im Departement der Obern-Garonne in Languedok eine Anzahl von Revolutions-Gegnern sich zusammenrottiert habe; bey 4000. derselben plündern, und nöthigen die Landleute, ihnen zu folgen. Man hoffe aber diesen Keim einer Gegen Revolution bald zu ersticken.

Ein in dieser Seßion verlesenes Schreiben vom General Houchard aus dem Lager bey Groyel vom 29. August enthält folgendes: Die Diversion, die ich durch den Angriff auf Turcoin und Lannoy zu machen mit vorgenommen, ist gelungen; diese Posten sind weggenommen worden. In Turcoin lagen 4000. Mann Holländischer Truppen; der Angriff daurte 4. Stunden; wir hatten 400. Verwundete, und 130. Mann von den unsrigen, worunter sich 5. Offiziers befinden, sind gefangen worden. Ein Bataillon aus dem Departement Finisterre nahm schändlicher weise die Flucht und ließ seine Kanonen im Stich. Nach dem Gefecht haben einige Soldaten ihre Bataillons verlassen und ein Dorf geplündert; die Volcks-Representanten verlassen kamen, um dem Rauben Einhalt zu thun, aber man schlug das Gewehr auf sie an.

Die Administratoren von Toulouse und die Volcks-Representanten bey der Armee an den westlichen Pyrenäen klagen über den Mangel an Lebensmitteln. Unsere Lage in diesem Stück, schreiben die erstern, ist sehr bedencklich, und alle unsere Bemühungen, Toulouse mit Proviant zu versehen, sind fruchtlos gewesen, weil die Landleute ihr Korn in die benachbarten Departements führen, wo sie mehr daraus lösen, als der hier fixierte höchste Preiss ist. Wir haben blos von einem Tag zum andern zu leben; schicket uns schleunige Hülfe zu. -- "Das Volck fodert Brodt, schreiben die andern, und der Mangel daran verursacht uns grosse Besorgnisse; ihr könnet mit euerer Hülfe nicht säumen, ohne die Freyheit in Gefahr zu sezen. Hier übersenden wir euch zum Beweis der in diesen Gegenden wenigstens zum Theil herrschenden Gesinnungen einen Anschlag-Zeddul. Er lautet so: Bürger, man betrügt euch, man führt euch in die Sclaverey, Leidenschaften beherrschen eiere Representanten, sie können die Wahrheit, weder sehen noch hören. Handelsleute, ihr habet die Revoluzion zu stand gebracht und euch wil man zu Grund richten. Ihr jungen Leute, man führt euch auf die Schlachtbank, um Schurken zu unterstüzen. Volck, deine Representanten vernichten deine Rechte, die von dir ernannten Administratoren werden kaßirt, und der Senat sezt seine Creaturen an ihre Stelle. Erinnere dich, o Volck, daß die Insurrektion die heiligste der Pflichten ist, wenn man unterdrückt wird; du bist verlohren, wenn Schurken noch länger über dich regieren. -- Das hat man offentlich angeschlagen; und so eben vernehmen wir, daß sich in diesen Gegenden eine grosse Anzahl von Revolutions Gegnern zusammenrottiere.

Auch hier in Paris äussern sich von Zeit zu Zeit bedenckliche Wirckungen ähnlicher Ursachen. In der vorgestrigen Seßion erschien der Prokureur der Commüne vor dem N. Convent und zeigte demselben an, daß die Rekrutierung, die Lebens-Mittel und die Uebelgesinntheit der Revolutions-Gegner diesen Morgen in Paris eine Bewegung veranlaßt habe; ungefehr 4000. Bürger haben sich zu der Munizipalität begeben und sie seyen willens, dem N. C. eine Petition zu überreichen. Das Geschah dann auch gestern, da der Maire, das General-Conseil und die Commüne vor dem N. Convent erschienen. Die Petition wurde von dem Prokureur der Commüne verlesen; sie ist in einem Ton abgefaßt, der allerdings nächstens gewaltsame Auftritte erwarten läßt. -- "Die Pariser, heißt es darinn unter anderm, die Pariser wollen endlich einmahl ihr Schicksal bestim'en; die Tyrannen haben die abscheuliche Absicht, Paris auszuhüngern, um seine Bürger zu zwingen, daß sie ihre Freyheit gegen ein Stück Brod austauschen; aber es wird ihnen nicht gelingen. -- Wir müssen alle unsere Feinde ausrotten, oder sie werden uns zu Grund richten. Kein Mitleiden; keine Barmherzigkeit mehr. Wenn wir den Verräthern nicht vorkommen, so werden sie uns vorkommen. Der Wunsch des Volcks ist: Lebens-Mittel, und damit wir dieselben haben können, "Handhabung des Gesezes." Wir haben deswegen den Auftrag, von euch, ihr Gesezgeber, die Errichtung einer "Revolutions Armee" zu verlangen. Diese Armee mag sich in den Departements, wo sie durchzieht, verstärcken, nur muß sie überall Leute genug da lassen, um die Complotte der Uebelgesinnten zu vereyteln; diese Armee soll ein unbestechliches Tribunal begleiten und jenes tödliche Instrument, welches diesen Complotten zugleich mit dem Leben ihrer Urheber ein Ende macht; sie soll den Auftrag haben, die Habsucht zu zwingen, daß sie die Schäze der Natur, die für alle bestimmt sind, hergeben muß; u. s. w." -- Diese Petition gab zu mancherley Vorschlägen im N. K. Anlaß, und es wurden nachfolgende Punkten dekretirt: 1) Die Gewehr-Fabriken in der Republik sollen nicht eher aufhören, als wenn jeder Bürger eine Flinte hat; 2) zu dem End soll dem Kriegsminister eine Million zugestellt werden; 3) in jeder Sektion von Paris soll alle Donnerstag und Sonntag eine General Versammlung gehalten; die ärmern Bürger und Arbeitsleute sollen dazu eingeladen, und ihnen, wenn sie es verlangen, für jede Seßion eine Entschädigung von 40. Sous gegeben werden; es soll eine Revoluzions-Armee auf Kosten der Reichen errichtet werden, 5) das Dekret nach welchem keine nächtliche Haus-Untersuchungen vorgenohmen werden dorften, wird von dem N. Convent zurückgenohmen.

Auch das Wohlfahrts-Comitte hatte ein Projekt zu einem Dekret, in dem Sinn der von der Commüne ubergebenen Petition, in Bereitschaft, welches Barrere dem N. C. vorlegte und mit einem Discours begleitete, worinn er unter anderm anzeigte: der Justizminister habe von dem öffentlichen Ankläger in Dinant, im Departement der nördlichen Küsten, die Nachricht erhalten: daß ein Neveu von dem Englischen Minister Pitt, welcher sich verborgen auf dem Schloß Colinet aufhielt, entdekt und in Verhaft genohmen worden sey. Dieser soll nun unter guter und sicherer Bewachung nach Paris gebracht werden. -- Zufolg des vom Wohlfahrts Comitte vorgeschlagenen und vom N. C. genehmigten Dekrets, hat nun Paris eine bewafnete Macht von 6000 Mann, nebst 1200 Canoniers auf Kosten des offentlichen Schazes; alle zu dem vormaligen Hofstaats Ludwigs XVI. gehörigen Personen geht das Gesez an, welches in Ansehung verdächtiger Leute abgefaßt worden; Lebrün und Clavieres von denen jeder Minister der auswärtigen Angelegenheiten, und dieser Minister der Contributionen war, sollen vor das Revolutions-Tribunal gezogen werden.

Einer von den Volks Representanten bey der Rheinarmee berichtet von Weissenburg, daß sich durch das Sturmläuten aufgefodert, bereits mehr als 140000 Mann bewafnet bey Weissenburg versammelt haben, und im Begrif seyen, sich mit der Rheinarmee zu vereinigen.

Paris, _om 9. Herbstmonat. [20]

PortretBillaudVarennes MVP

Der Bürger Billaud-Varennes ist seit dem 6. President des N. Convents. Er war es, auf dessen Vorschlag in der Seßion am 5. die beyden vormahligen Minister Claviere und Lebrün dem Revolutions-Tribunal überliefert worden sind. Er verlangte, daß dieses Gericht mit Beyseitse_ung aller andern Geschäfte ihnen den Prozeß machen und innerhalb 8. Tagen das Todes Urtheil sprechen soll. Wenn dann, sagte er weiter bey diesem Anlaß, ihre Köpfe, nebst dem von Maria Antonia, gefallen seyen; so soll man von Seite des N. Convents den verbundenen Mächten sagen: Das über dem Haupt des Sohns von dem Tyrannen schwebende tödliche Eisen werde nur noch von Einem Faden gehalten und wenn sie nur noch Einen Schritt weiter in unser Gebiet thun, so werde derselbe das erste Opfer des Volks seyn. Nur durch dergleichen entschlossene Maaßregeln könne man einer neuen Regieurngs_orm Festigkeit geben. -- So sprach der jzige Präsident des N. Convents. -- Ueberhaupt kan man sich kaum vorstellen, was für heftige Meynungen, welche gewaltsame Entwürfe ankündigen, gegenwärtig von Seite der herrschenden Parthey geäussert werden. Aber freylich müssen auch die neuesten Ereignisse und Nachrichten mancherley Besorgnisse bey ihnen veranlassen. So ist unter anderm in der Seßion am 5. ein Schreiben der Volks-Representanten bey der Armee an der Küste von Brest vom 3. dieses Monats verlesen worden, welches für diese Parthey eben nicht sehr beruhigend lautete. Zwar rühmen sie den Muth und Eifer der republikanischen Truppen zum Kampf gegen die Royalisten in den dortigen Gegenden und berichten, daß dem unlängst abgefasten Dekret zufolg die Waldungen, Gehölze, Dörfer und überhaupt alle Aufenthalts Oerter der Rebellen ohne Verschonen in Brand gesteckt werden. Aber dann fügen sie noch bey: "Da wir es uns immer angelegen seyn lassen, euch die Wahrheit zu sagen, so that es uns leid zu vernehmen, daß in euerer Versammlung vergrösserte Nachrichten und lugenhafte Briefe verlesen werden. (Gleichwohl waren die hier gemeinten Berichte von den Volks-Representanten in Saumür eingeschikt worden.) Man hat euch berichtet, Cholet und Mortagne, die feindlichen Haupt Quartiere, seyen von unsern Truppen eingenommen worden, 20,000. Rebellen seyen ums Leben gekommen, und ihre Anzahl sey auf 6000. reduziert; alles dieses ist nicht wahr. Cholet und Mortagne sind noch in der Rebellen Händen, und ihr Verlust ist bey weitem nicht so groß, als man ihn angegeben hat. Sie werden ohne Zweifel ausgerottet werden; aber bis das geschehen ist, wird noch manches Gefecht vorfallen, dergleichen von Aristokraten herrührende falsche Nachrichten sollen euch einschläffern: u. s. w."

Das Ausbleiben der Nachrichten, Lyon betreffend, hat auch in dem N. C. Aufsehen gemacht. Ein Mitglied desselben äusserte seine Verwunderung darüber und zugleich seine Besorgniß, daß man mit dieser Stadt, die bereits in Asche verwandelt seyn solte, zu schonend verfahre. Bey dieser Gelegenheit wurde dem N. Convent angezeigt: Lyon sey am 30. und 31. abermals bombardiert worden; es sey neuerdings an verschiedenen Orten der Stadt Feur aufgebrochen, und unter anderm auch ein Pulver-Magazin in die Luft gesprungen, wodurch mehrere Häuser beschädigt worden. Indessen war Lyon noch am 4. dieses Monats nicht in unsern Händen. Aber in einem Schreiben von diesem Tag sagt Couthon, Volks-Representant im Departement von Püy de Dome, man könne nun auf die Uebergabe von Lyon sich Rechnung machen; das ganze ebengenannte Departement habe sich aufgemacht, und die Armee, welche Lyon belagert, werde mit 25000. Mann verstärkt werden. Die nächsten Berichte werden nun diese vorläufige Ankündigung bestätigen oder wiederlegen. -- In einem frühern Schreiben vom 2. dieses melden eben dieser Volks-Representant und seine Collegen aus Clermont: Es sey hohe Zeit gewesen, daß sie in das Departement von Püy-de-Dome in der Provinz Lyonnois gekommen, weil die dortigen Einwohner in Gefahr gewesen, sich zur Wiedersezlichkeit gegen die Dekrete des N. Convents verführen zu lassen. Aber nun haben sie durch ihre Vorstellungen alles wieder in Ordnung gebracht. Indessen habe ihnen so eben ein Curier aus Ambert die unangenehme Nachricht überbracht, daß die Müscadins von Montbrison, welche von der kleinen Garnison in St. Anselm _urük getrieben worden, in der Nacht vor dem 1. dieses wieder zurük gekommen seyen, den Vorposten überfallen haben, in den Ort eingedrungen seyen, ohne Schwerdtstreich den General Nicolas mit einer Compagnie Husaren zu Gefangenen gemacht und 2. Kanonen weggenommen haben. Es sey sogleich Sturm geläutet, Generalmarsch geschlagen, das samtliche Volk aufgebotten und die feindlich gesinnten in Verhaft genommen worden.

Das schon unter der vorigen N. Versammlung abgefaßte Dekret, wodurch den feindlichen Deserteurs, die sich unter die Fahnen der Republick begeben ~ürden, Pensionen und Gratifikazionen bewilliget und angebotten worden sind, ist in der Seßion am 6. wiederuffen und zurückgenohmen worden. -- Unter den Nachrichten, welche das Wohlfahrts-Committe in dieser Seßion dem N. Convent kommunizieren ließ, wurde demselben auch angezeigt: Der General Cartaux mache gewaltige Anstalten gegen Toulon, aus welcher Stadt 4000. Matrosen und Kanoniers sich nach Marseille geflüchtet haben, wo sie nun auf den Batterien und bey der Artillerie angestellt worden, Cartaux habe sich der engen Pässe von Rioulle zwischen Toulon und Marseille bemächtiget.

Noch mehr, Toulon betreffend, enthält ein in der vorgestrigen Seßion verlesenes Schreiben der Volcks-Representanten bey der Armee in Italien aus Cotignac. "Wir wollten, schreiben sie unter anderm, der Verrätherey vorkommen, wodurch Toulon den Engelländern in die Hände geliefert worden ist. Wir haben euch Nachricht davon gegeben, so wie überhaupt von der bedencklichen Lage, woriñ sich die Armee in den südlichen Provinzen befunden hat; aber noch wissen wir nicht, ob unsere Depeschen euch zugekommen sind. Brünet wußte ohne Zweifel von dem Complot; seine Unthätigkeit, seine Wiedersezlichkeit gegen unsere Befehle, seine Nachsicht gegen Toulon und Marseille, seine Correspondenz, alles beweiset es. Ihr müsset ihn in Verhaft nehmen lassen und dem Revoluzions-Tribunal überliefern; wir haben Beweise in den Händen, um ihn zu überführen. -- Es war ihm gelungen, einen Theil von der Armee in Italien zu verführen. Wir befinden uns jzt mit einem Theil derselben vor Toulon, und morgen werden wir uns in Marseille mit dem General Cartaux und den dortigen Volcks Representanten unterreden. -- Wir haben auf dem Marsch hieher das durch falsche Vorgebungen irre geführte Volck eines andern belehrt, und ihm die gegen uns beygebrachten Vorurtheile benohmen; wir haben überall die Sektions-Versammlungen abgestellt und die Popular-Sozietäten wieder eingesezt, wir haben die National-Garden der 7. Distrikte des Departements, welche die Constitution angenohmen, aufgebotten; in allen Commünen Sturm läuten und alle Bürger von 16. bis 60. Jahren marschieren lassen. -- Unsere aus Italien mitgebrachte Armee ist nicht zahlreich, aber sie ist patriotisch und wird siegen. Wir werden Toulon auffordern, uns die Thore zu öffnen; geschieht es nicht, so werden wir es gemeinschaftlich mit der Armee des Cartaux belagern, bombardieren und übern Hauffen schiessen, die Zeughäuser und Forts ausgenohmen. -- Ueberall lassen wir die verdächtigen Personen entwafnen; auch diejenigen die sich seit der Revolution niemahls erklährt haben. -- Unsere Avantgarde ist in la Valette, eine Stunde von Toulon, postiert, und das Haupt-Quartier ist in Souliers, wir haben die Communikazion zwischen Marseille und Toulon aufgehoben, wohin sich der General der Marseillaner Armee, Villeneuve, mit allen Unruh-Stiftern von Marseille, den Mitgliedern des Popular Tribunals, und fast allen Chefs der Rebellen geflüchtet hat. -- In Toulon sollen bey 2000. Bauren seyn, die man aus den Dörfern dahin gelockt hat; dieser ihre Weiber haben wir in Verhaft nehmen lassen, und behalten sie so lange als Geisel, bis diese Bauren wieder in ihre Gemeinen zurückkehren. -- Die gröste Besorgniß betrift das Schicksahl, welches der Haven von Toulon in den Händen der Engelländer haben wird. Unsere Flotte ist verlohren; die schönsten Schiffs-Zeughäuser der Republick werden ein Raub der Flammen werden, und der dadurch verursachte Verlust wird nicht zu berechnen seyn. Der Contre-Admiral Trogoff (vielleicht Trüguet? So wurde wenigstens bisher der Befehlshaber der Flotte in Toulon genañt;) ist nebst dem General Brünet, die Seele dieses verrätheris. Complots. Lasset unverzüglich die Straffe sie treffen, aber sie werden auf der Engl. Flotte eine Zuflucht finden, oder vielleicht gar auf unsern eigenen dem Feind überlieferten Schiffen sich nach Engelland flüchten; u. s. w." -- Diese Vermuthung ist wenigstens in Ansehung Brünets nicht eingetroffen; denn er befindet sich wircklich seit gestern hier in dem Gefängniß der Abtey; wohin auch ein paar Tage vorher der vormahlige Maire von Straßburg, Hr. Dietrich, gebracht worden. -- Auch Petion soll arretiert worden seyn.

Ein Volcks-Representant bey der Armee an den östlichen Pyrenäen hat in einem Schreiben vom 30. August dem N. Convent berichtet, die Spanier seyen aus der Gegend von Mont-Louis vertrieben worden, und unsere Truppen seyen in das Spanische Gebiet von Cerdagne eingedrungen und haben den Posten Belver besezt, wo sie einen ansehnlichen Vorrath von Munition und Lebens-Mittel gefunden und 600. Mann zur Besazung zurückgelassen; auch mit grosser Feyerlichkeit den Freyheitsbaum gepflanzt u. die Verfügung getroffen haben, daß die dortigen Einwohner ihren Magistrat wählen sollen. Die beyden leztern Umstände dieses Berichtes fanden nicht grossen Beyfall bey dem N. Convent, weil man, wie einer sagt, hoffentlich in Spanien nicht mit der gleichen Gutmüthigkeit, wie in Belgien, zu Werck gehen werde. -- Der Befehlshaber der Armee an den östlichen Pyrenäen berichtet an den Kriegs-Minister den Tod des General Delbescq; und daß der Sohn des Spanischen Kriegs-Ministers, der aus Neugier in dortige Gegend gekommen war, zum Gefangenen gemacht worden, nebst noch einem andern Spanier. Es wurde dekretiert, daß sie beyde nach Paris gebracht werden sollen.

Die verwitwete Königin soll in ihrer Gefangenschaft von heftigen Colik-Schmerzen befallen worden seyn, weßwegen ihr das Revoluzions-Tribunal einen Arzt zugeschikt hat. -- Die Schauspieler und Schauspielerinnen vom ehmaligen Theater François, welches jzt das Theater der Nation heist sind in Verhaft genommen worden. Ueberhaupt belauft sich gegenwärtig die Anzahl der Arrestanten in allen hiesigen Gefangenschaften auf 1718., und täglich werden dergleichen, blos als verdächtige Personen, eingebracht. -- Am 6. dieses sind zufolg des am 5ten vom Revoluzions-Tribunal über sie gefälten Todes-Urtheils 9. Personen durch die Güillotine hingerichtet worden, weil sie im Jenner dieses Jahrs in Rouen Zusammenrottierungen angestiftet, oder doch Theil daran genommen, wobey man, es lebe der König! geruffen, die National-Cokarden mit Füssen getretten, die Bürger, die sie nicht hergeben wolten, mißhandelt, und den Freyheitsbaum umgehauen und verbrannt hat. -- Cüstines gewesener Beichtvatter, Lothringer genannt, ist wieder aus der Gefangenschaft entlassen worden.

Paris, vom 11. Herbstmonat. [21]

Die neuesten Nachrichten von hier aus vom 12. dieses sind ausgeblieben. Die vom 10. und 11. berichten folgendes: In der Seßion am 9. wurde ein Schreiben des Volks-Representanten, Gillet, bey der Armee an der Küste von Brest aus Nantes vom 6. dieses Monats verlesen, worinn er meldet: Gestern haben wir von 7. Uhr Morgens bis Abends um 4. Uhr mit den Rebellen gefochten, und diese sind gänzlich geschlagen worden. Sie griefen uns auf 3. verschiedenen Seiten an, wurden aber überal muthig zurückgeschlagen; 4000. patriotische Soldaten haben 15000. Feinde in die Flucht gejagt; wir hatten nur 34. Verwundete, und noch weniger Todte; die Rebellen haben mit Inbegriff der Verwundeten 1500. Mann verlohren, nebst einer Kanone. Unsere Truppen haben sich auf eine Art verhalten, die über alles Lob erhoben ist. -- Die erste Colonne von der ehmaligen Mainzer Besazung ist hier in Nantes eingerükt. Die Absicht der Rebellen bey ihrem gestrigen Angrif war, diese Vereinigung zu verhindern, aber sie ist nun zu stand gebracht, und jenen bleibt nichts weiter übrig, als sich der alles vermögenden Gewalt der Nation zu unterwerfen. -- So lautet dieser Bericht; mit dem Beysaz, daß die republikanischen Truppen auch schon am 2. dieses einen Vortheil erfochten haben. Die Rebellen kantonnierten nemlich auf einem benachbarten Schloß, von welchem sie der General Beysser an der Spize von 1000. Mann gegen 6000., mit Verlust von 200. Todten auf feindlicher Seite verjagte.

In eben dieser Seßion stattete St. Andre im Namen des Wohlfahrts Committe über die Angelegenheiten von Toulon einen weitläufigen Rapport ab, worinn er unter anderm sagte: Bey 60,000. Mann entschlossener Truppen werden Toulon belagern, und es sind den Feinden bereits unübersteigliche Barrieres von der Landseite entgegen gesezt; wir wollen dem Minister Pitt sagen: Die Köpfe der Patrioten in Toulon und der daselbst in Verhaft genommenen Volks-Representanten können fallen; aber laß es dir gesagt seyn: Wenn Hood die Niederträchtigkeit begeht, dieses geschehen zu lassen oder zu veranstalten, so wird der gleiche Streich alle Engelländer treffen, die sich gegenwärtig in der Französischen Republik befinden. -- Der Rapporteur verlas nun im Namen des Committe ein Projekt zu einem Dekret, welches von dem N. Convent genehmiget wurde und nachfolgende Artikul enthält: 1) Trogoff, Commandant von der Flotte in Toulon, und Püissant, Ordonnateur vom Seewesen, werden für Vatterlands Verräther erklärt; ihre Güter zu Handen der Nation eingezogen, und jedem Franzosen wird anbefohlen ihnen aufs Leben zu gehen; 2) der Minister vom Seewesen soll von allen Officiers auf der Flotte in Toulon ein Verzeichniß eingeben; 3) die in Frankreich anwesenden Engelländer sollen in Verhaft genommen und in genaue Verwahrung gebracht werden, und die administrierenden Corps sollen persönlich für sie verantwortlich seyn; 4) diese Engelländer sollen als Geisel im Land bleiben und mit ihrem Leben für das Verfahren stehen, welches der Admiral Hood gegen die in Toulon befindlichen Volks-Representanten, die daselbst in Verhaft genommene Schwester des National-Commissar Freron und die übrigen in dieser Stadt anwesenden Patrioten beobachten wird; 5) der Postmeister in dem Dorf Bignon und die Munizipalität sollen dem Revoluzions-Tribunal übergeben werden, weil sie den Einwohnern von Toulon zween Volks-Representanten überliefert haben; 6) die administrierenden Corps von Toulon sollen mit ihrem Leben für die Volks-Representanten, die Schwester Frerons, ihr Kind und die Patrioten in dieser Stadt gut stehen; 7) des Verhaltens von dem Contre-Admiral St. Jülien und den übrigen treu gebliebenen Offiziers soll eine ehrenvolle Erwähnung geschehen.

Der Justiz-Minister verlangte in dieser Seßion schriftlich, das N. C. möchte die erforderlichen Verfügungen treffen; daß seine Verhafts-Dekrete geschwinder vollzogen werden, damit diejenigen, gegen welche dieselben ausgefertiget worden, nicht Zeit haben, zu entwischen, und berichtete zugleich, daß die beyden zum Verhaft dekretierten Exminister, Lebrün und Claviere wirklich Mittel gefunden haben, sich zu flüchten. Der ihnen zur Bewachung zugegebene Gendarme sey in Verhaft gebracht worden.

Der Kriegsminister zeigte dem N. C. an, daß von dem einsweiligen exekutiven Conseil Jourdan zum Oberbefehlshaber der Armee in den Ardennes, und Dümas zum Ober-Befehlshaber der Armee in den westlichen Pyrenäen ernannt worden, von welchen Befehlshaberstellen jene durch die Absezung des General Lamarche und diese durch den Tod des General Delbecq erlediget worden. Das N. C. bestätigte diese Ernennung.

In einem Schreiben aus Gravelines vom 7. dieses berichten die Volks-Representanten bey der Nord-Armee: Seit dem die Besazung in Dünkirchen abgeändert worden, fechte man daselbst mit vielem Muth; während dem die Truppen Ausfälle thun und den Feind zurüktreiben, versehen die Einwohner den Dienst auf den Wällen; am 6. sey ein allgemeiner Ausfall aus allen Thoren der Stadt gethan, und dabey die Engelländer übel behandelt worden. Der General Houchard sey im Anzug gegen sie und werde sie von hinten angreifen und man habe Hofnung, nächstens den Entsaz von Dünkirchen berichten zu können. -- General Dagobert, Befehlshaber der Armee an den östlichen Pyrenäen, bestätiget in einem Schreiben aus Püicerda vom 30. August die Wegnahm des Lagers und der Artillerie der Spanier, und berichtet zugleich, daß er sich am 29. von Pücerda und Belver bemächtiget habe, und jzt nur 3. Stunden von Urgels stehe, ohne den flüchtigen Feind eingeholt zu haben. Er habe innerhalb 24. Stunden das Thal Carol und das Französische Cerdagne den Feinden wieder abgenommen, und das ganze Spanische Cerdagne für die Republik erobert. In Püicenda habe er Magazine von aller Art gefunden, woraus man vermuthen könne, daß die Feinde grosse Projekte hatten, die aber nun vereitelt worden seyen, der Feind habe bey den vorgefallenen Gefechten an Todten und Verwundeten wenigstens 300. Mann, nebst 60. Kriegsgefangenen verlohren; unsern Verlust könne man noch nicht bestimmt angeben.

In der gestrigen Seßion theilte der Kriegs-Minister dem N. C. ein Schreiben mit von dem General-Adjutanten bey der Division von der Nord-Armee bey Cassel, worinn derselbe von einem am 8. dieses Monats zwischen Cassel und Bergue oder St. Winoxbergen über die Engelländer erfochtenen Sieg Nachricht giebt. "Wir haben, schreibt er, vorgestern, gestern und heute die Engelländer geschlagen. Wir marschierten 18000. Mann stark in 4 Colonnen auf, und verjagten 15000 Engländer, welche mitten in Waldungen verschanzt waren. Das Gefecht war äusserst hizig. Wir haben dem Feind 3 bis 4 Fahnen, 5 Canonen, seine Pulverwagen und Munition weggenohmen; er hat viel Volk verlohren, und wir haben auch Kriegsgefangene gemacht, unter denen sich Officiers von Rang befinden. Die Folge von dem Treffen war, daß der Feind sich genöthigt sah, die Bloquade von Bergue aufzuheben. Diese Stadt hat glükliche Ausfälle gethan, und die freye Communikation mit derselben ist nun wieder hergestellt. Auch aus Dünkirchen, welches jezt auch vermuthlich entsezt ist, sind Ausfälle geschehen; wobey die Engländer viele Leute verlohren haben; einer ihrer besten Generalen soll dabey umgekommen seyn. Das Lager bey Magdalena hat auch agiert, und sich verschiedener Posten bemächtiget. Einige' Theilen der feindlichen Armee ist der Rükzug und die Communikation unter einander abgeschnitten worden." -- Dieser Nachricht fügte ein Convents Glied noch bey: eine unserer Colonnen sey in Ypres eingerükt. Und so wären wir wieder in Belgien, sagte er; aber hoffentlich werden wir uns nicht mehr damit abgeben, Freyheits-Bäume daselbst zu pflanzen; er wäre wohl besser, wenn wir, anstatt die eroberten Städte zu munizipalisieren, die Lebens-Mittel und Munizion von dort wegbringen, und die Heiligen-Bilder beyderley Geschlechts eine Reise nach Paris machen liessen. Die ganze Versammlung gab diesem Vorschlag Beyfall, und derselbe wurde an das Wohlfahrts-Committe gewiesen.

Neuere Nachrichten aus dem Departement der Vendee melden, die schon lange unterbrochen gewesene Communikazion mit Pont de Ce sey nun wieder hergestellt, und die Anhöhen von Ligny, wo sich die Rebellen verschanzt hatten, seyen von unsern Truppen eingenohmen worden. Jene seyen in 3. Colonnen von neuem angerückt, aber mit einem Verlust von 300. Todten zurückgeschlagen worden, wobey einige ihrer Anführer geblieben seyen.

Die Anzahl der Gefangenen in den hiesigen Gefängnissen hat sich seit 2. oder 3. Tagen von 1718. bis auf 1794. vermehrt; unter denen, welche in die Abtey gebracht worden, werden auch Benjamin und Elisabeth Pitt genannt.

Von dem Schicksahl der Stadt Lyon wird abermahls nicht die mindeste Nachricht ertheilt. So viel ist wohl gewiß, daß sich dieselbe noch nicht ergeben hat. Kellerman wird wohl noch dafür büssen müssen. Wenigstens ist kürzlich in der Jakobiner-Sozietät auf eine sehr nachtheilige Weise von ihm die Rede gewesen. Robespierre sagte, er sey, wo nicht der einzige Urheber, weni~ ~ns die Hauptursache der so lange daurenden Belagerung von Lyon. Er habe alle die Verschwörungen dirigiert, welche während dem gegenwärtigen Feldzug ausgebrochen, und niemahls werde unter einem Mann, wie er sey, eine patriotische Unternehmung gelingen.

Quellen.[]

  1. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 13. Heumonat, 1793. Num. 56.
  2. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 17. Heumonat, 1793. Num. 57.
  3. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 20. Heumonat, 1793. Num. 58.
  4. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 24. Heumonat, 1793. Num. 59.
  5. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 27. Heumonat, 1793. Num. 60.
  6. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 31. Heumonat, 1793. Num. 61.
  7. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 3. Augstmonat, 1793. Num. 62.
  8. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 7. Augstmonat, 1793. Num. 63.
  9. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 10. Augstmonat, 1793. Num. 64.
  10. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 14. Augstmonat, 1793. Num. 65.
  11. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 17. Augstmonat, 1793. Num. 66.
  12. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 21. Augstmonat, 1793. Num. 67.
  13. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 24. Augstmonat, 1793. Num. 68.
  14. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 28. Augstmonat, 1793. Num. 69.
  15. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 31. Augstmonat, 1793. Num. 70.
  16. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 4. Herbstmonat, 1793. Num. 71.
  17. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 7. Herbstmonat, 1793. Num. 72.
  18. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 11. Herbstmonat, 1793. Num. 73.
  19. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 14. Herbstmonat, 1793. Num. 74.
  20. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 18. Herbstmonat, 1793. Num. 75.
  21. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 21. Herbstmonat, 1793. Num. 76.
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