Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Januar.[]

Paris, vom 28 Jenner. [1]

Nach den seit einiger Zeit unter diesem Artikul mitgetheilten interessanten Nachrichten muß das Publikum wieder einmahl mit ziemlich unwichtigen zufrieden seyn. Wenn man die neuesten Pariser-Blätter lieset, so solte man nicht denken, daß dort kürzlich vorgegangen sey, was wirklich vorgegangen ist. Weder im N. Convent, noch ausser demselben hat sich etwas von besonderer Wichtigkeit ereignet.

In der Seßion am 23. wurde ein ziemlich weitläufiges Schreiben des Ministers Roland verlesen, worinn derselbe wie bereits gemeldet worden, seine Stelle als Minister der innern Angelegenheiten niedergelegt hat. Dieses Schreiben soll einem Dekret zufolg gedrukt und in die Departements verschikt werden.

PortretJeanPaulRabautSt

Seit dem 24. ist Herr Rabaud St. Etienne President des N. Convents. Am 25. verlas man ein Schreiben des Kriegsministers, worinn er auf die vielen gegen ihn eingegebenen Beschuldigungen dadurch antwortete, daß er seiner Seits einige ihm untergeordnete Agenten, die Administratoren und Commissarien vom Kriegswesen anklagte. Sein Schreiben wurde dem Committe übergeben, welches den Auftrag hat, sein ganzes Betragen zu untersuchen. Der Rapport der aus den Niederlanden zurük gekommenen Commissarien, besonders den Mangel an allem Nöthigen bey der dortigen Armee betreffend, hat in eben dieser Seßion ein Dekret veranlast, daß die Mitglieder des Direktoriums der Ankäuffe, Cousin, Cerbere und Bidermann, mit Haus-Arrest belegt, ihre Papiere sogleich versiegelt, und die Siegel durch Commissarien von dem N. Convent, um die Schriften zu untersuchen, wieder abgenommen werden sollen. Jene 3. Direktoren sollen indessen damit keine nachtheilige Unterbrechung ihrer Geschäfte daraus entstehe, dieselbe unter beständiger Bewachung fortsezen. -- Noch wurde in eben dieser Seßion auf ein eingegebenes weitläufiges Gutachten des allgemeinen Sicherheits-Committe dekretiert: daß die Landmacht der Republik für das Jahr 1793. aus 502,800. Mann bestehen soll.

In der Seßion am 26. erschienen Flandrische Deputierte vor dem N. Convent, um die Wiederruffung des Dekrets vom 15. Dezember, oder wenigstens den Aufschub seiner Vollziehung bis zu der nahe bevorstehenden Zusammenberuffung eines Belgischen N. Convents zu verlangen. Das Committe über das allgemeine Defensionswesen, welches bereits den Auftrag hat, eine neue Untersuchung jenes Dekrets vorzulegen, wird ohne Zweifel aus dem Gesichtspunkt der Politik in Betrachtung ziehen, ob dieses Dekret nicht allzu übereilt gegen die Vorurtheile und Gewonheiten eines Volks anstosse, dem man die Freiheit als eine Wohlthat von Seite des Befreyers, nicht als ein Gesez des Siegers presentieren muß. -- Dümourier (der nun wieder zu seiner Armee abgereiset seyn soll) hat in dieser Seßion dem N. C. angezeigt, daß er von den reichen Abteyen in den Niederlanden eine Contribuzion von 40. Millionen Gulden eintreiben wolle; woraus eine Armee von 200,000. Mann 10. Monate lang besoldet werden könne. -- In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent in einem Schreiben von der Commüne in Landau vom 16. dieses die Nachricht; daß durch die Nachlässigkeit einiger Arbeiter das dortige Zeughaus in Brand gerathen, und gänzlich abgebrannt sey; es befand sich in demselben eine beträchtliche Menge von Flinten, Laveten, u. s. w. alles ist zu Grund gegangen. Man schäzt den Schaden auf 300,000. Livres. Das N. Convent hat dekretiert, aus dieser Veranlassung 2. neue Commissarien in das Niederrheinische Departement zu schicken.

Auch in der gestrigen Seßion haben 3. Deputierte von Antwerpen die Zurüknahm des Dekrets vom 15. Dezember verlangt. Ihr Ansuchen ist vor das diplomatische Committe gewiesen worden. -- Der vormahlige Maire von Strasburg, Herr Dietrich, dessen Prozeß an das Criminal-Tribunal in Besancon gewiesen worden, hat gegen dasselbe aus dem Grond exzipiert, weil seine Feinde in dasselbe Einfluß haben. Aber es ist von dem N. Convent, dem diese Sache gestern vorgelegt wurde, weiters keine Notiz davon genommen worden.

Paris, vom 1. Hornung.

Die Nachrichten von hieraus sind noch immer nicht von der Beschaffenheit, daß sie die Erwartung und Neugierde des Publikums sehr befriedigen können. -- In einigen der leztern Seßionen des National Convents redeten einige Mitglieder desselben sehr weitläufig über das von dem Committe des allgemeinen Defensions-Wesen eingegebene Gutachten zu einem Dekret, betreffend die Einrichtung des Kriegs-Ministeriums und die Einrichtung eines Direktoriums über die Verproviantierung der Armeen. -- In der vorgestrigen Seßion gaben die Föderierten vom zweiten Marseillaner-Bataillon eine Bittschrift ein, worinn sie verlangen, nach Marseille zurückzukehren, um fürs erste für ihre Familien, die sie nöthig haben, zu sorgen, und dann auf Kaper-Schiffen gegen die Feinde zur See Dienste zu thun. Ihr Ansuchen wurde an das exekutive Conseil gewiesen, und zugleich dasselbe authorisiert, von diesem Bataillon den Bedürfnissen der Republik gemäß Gebrauch zu machen, so daß es demselben nicht frey stehen soll, die Art des Dienstes, den es thun will, selbst zu wählen. In eben dieser Seßion hat der Minister der auswärtigen Angelegenheiten dem N. Convent die Anzeige gethan, daß die bisherige schwache Hofnung, den Frieden mit Engelland beyzubehalten, nun vollends verschwunden sey. Se. Großbrittannische Maj., sagt er, haben von der gerechten Strenge, die wir gegen den lezten unserer Könige ausgeübt, Anlaß zu einem offentlichen Bruch mit uns genommen. Der nothwendig Tod eines auswärtigen Tyrannen ist für die Engelländer das Signal zu einer ausserordentlichen Traur und zu einer offenbahren Beleidigung für uns gewesen. Kaum war die Nachricht von Ludwigs Tod in London angekommen, so erhielt der Minister unserer Republik nachfolgende Ordre: "Se. Großbrittannische Maj. finden gut, dem Her. Chauvelin, welchen Sie im Monat May des vorigen Jahrs in der Qualität eines Ministers Sr. Allerchristlichsten Maj. angenommen haben, zu befehlen, daß er vor dem ersten des nächstkünftigen Februars das Königreich verlassen soll." -- Dieser Befehl war mit nachfolgendem Schreiben des Staats-Sekretärs, Mylord Grenville, begleitet: -- "Ich habe am 24. Januar den Auftrag erhalten, ihnen zu wissen zu thun, daß der Charakter, welchen sie bey dem König hatten, durch den traurigen Tod Sr. Allerchristlichsten Maj. ein Ende genommen habe. Se. Maj. finden gut, daß sie in Zeit von 8. Tagen das Königreich verlassen sollen. Ich überschicke ihnen einen Paß für sie und ihr Gefolg. Ich werde alle Veranstaltungen treffen, damit sie nach Frankreich zurükkehren können mit aller der Achtung, die einem Minister gebührt, welcher bey dem König von Seite Sr. Allerchristl. Maj akkreditiert gewesen ist." -- Herr Chauvelin ist auch wirklich hier in Paris wieder angekommen. Die obige Anzeige des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten veranlaste das N. Convent, dieselbe, nebst den angeführten dazu gehörigen Aufsäzen, dem Committe über das allgemeine Defensions-Wesen zur Abstattung eines Rapports darüber innerhalb 2. Tagen zuzustellen, und zugleich den vollziehenden Staats-Rath zu authorisieren, alle für den Staat nothwendigen Maaßregeln der Sicherheit und Vorsichtigkeit zu nehmen, von deren Ausführung er dem N. Convent Bericht erstatten soll.

In der gestrigen Seßion hat der Kriegs-Minister dem N. Convent ein Schreiben mitgetheilt von dem Presidenten der Munizipalität von Lüttich vom 28. Jenner an den General Miranda, worinn jener diesem berichtet, daß mit einer Mehrheit von 9660. gegen 40. Stimmen die Vereinigung mit der französis. Republick beschlossen worden sey. -- Dieses Schreiben veranlaßte im N. Convent Vorschläge, daß die Grafschaft Nizza und die Oesterreichischen Niederlande, oder Belgien ebenfalls mit der Republick als ein dazu gehöriger Theil vereiniget werden sollen. Jenes wurde wircklich einmüthig genehmiget; hingegen der Vorschlag, Belgien und Lüttich betreffend, für jzt noch aufgeschoben.

Februar.[]

Paris, vom 4. Hornung. [2]

In der Seßion des N. Convents am 1. dieses Monats sind 3. wichtige Dekrete abgefast worden. Durch das erste derselben deklariert das N. Convent einmüthig, daß die Französische Republik mit der Engländischen Regierung und dem Stadthalter von Holland Krieg habe. Durch das zweite wird dem Minister vom Seewesen aufgetragen, in den Waldungen von Corsika zum Gebrauch für die Flotten Holz fällen, und dasselbe nach Toulon transportieren zu lassen; zugleich wurden ihm durch eben dieses Dekret 25. Millionen Livres angewiesen, um dafür im Ausland Getraid einzukauffen. Durch das dritte dieser Dekrete hat das N. Convent neuerdings für 800. Millionen Assignaten auszufertigen verordnet. Das erst von diesen Dekreten muß wohl um seiner auch für das auswärtige Publikum allgemeinen Wichtigkeit willen im Ganzen mitgetheilt werden. Es lautet so: --

"Da der König von England hauptsächlich seit der Revoluzion vom 10. August 1792. immerfort der Französischen Nation Beweise seiner Uebelwollens und seiner Anhänglichkeit an die Verbindung der gekrönten Häupter gegeben und in dem eben erwähnten Zeitpunkt seinen Botschafter in Paris von da zurük beruffen hat, weil er das von der gesezgebenden Versammlung errichtete einstweilige exekutive Conseil nicht anerkennen wolte: Da von dieser Zeit an das Cabinet von St. James seine Correspondenz mit dem Französischen Bottschafter in Londen unter dem Vorwand der Suspension des vormahligen Königes der Franzosen abgebrochen und seit der Eröfnung des N. Convents dieselbe nicht wieder hat fortsezen, noch die Vollmacht dieses Convents, und den von demselben mit Creditiven versehenen Bottschafter der Französischen Republik anerkennen wollen: da dasselbe dem Ankauf von Getraid und andern Waaren, Waaffen und Kaufmannsgütern, die theils von Französischen Bürgern, theils von den Agenten der Französischen Republik in England bestellt worden, Hindernisse in den Weg gelegt und verschiedene für Frankreich mit Getraid beladene Schiffe anhalten lassen, indessen gegen den Traktat von 1786. die Ausfuhr für andere Länder ihren Fortgang hatte: da ferner dieses Ministerium, um den Handlungs-Operationen der Republik in England nicht wirksamere Hindernisse in den Weg zu legen, durch eine Parlaments-Akte die Cirkulazion des Assignaten verbotten; und gegen den 4ten Artikul des Vertrags von 1786. ebenfalls von dem Parlament im Januar dieses Jahrs eine Akte ausfertigen lassen, welche alle nach England gehenden oder daselbst sich aufhaltenden Französischen Bürger sehr scharffen, beschwerlichen und für die Sicherheit gefährlichen Untersuchungen unterwirft: da dasselbe zugleich gegen den ersten Artikul des Friedens-Vertrags von 1783. den Emigrierten und selbst dem Chef der Rebellen, welche bereits gegen Frankreich Krieg geführt haben, offenbahren Schuz und Unterstüzung mit Geld bewilliget hat, und eine fortdaurende, offenbahr gegen die Französische Revoluzion gerichtete Correspondenz mit denselben unterhält; auch den Anführern der Rebellen in den West-Indischen Französischen Colonien Aufnahme gestattet: Da zufolg eben dieser Gesinnung, ohne daß von Seite Frankreichs einige Veranlassung dazu gegeben worden, und zu einer Zeit, wo alle See-Mächte mit England Friede hatten, das Cabinet von St. James eine ansehnliche Kriegs Zurüstung zur See und eine Vermehrung seiner Landmacht anbefohlen hat; und diese Kriegs Zurüstung zu einer Zeit angeordnet worden ist, da das Engl. Ministerium diejenigen, welche in England zu den Grundsäzen der Französischen Revoluzion sich bekannten, mit Hize verfolgte, und theils im Parlament, theils ausserhalb demselben, alle möglichen Mittel anwendete, um die Französische Republik zu beschimpfen, und bey der Engl. Nation und dem ganzen Europa zu einem Gegenstand des Abscheus zu machen: Da die Absicht dieser gegen Frankreich bestimmten Kriegs Zurüstung selbst im Engl. Parlament nicht verheimlichet worden; und da, ungeachtet das provisorische exekutive Conseil von Frankreich alles angewendet, um den Frieden mit der Engl. Nation beyzubehalten, und auf die Verläumdungen und Verlezungen der Verträge blos durch Einwendungen, welche auf die Grundsäze der Gerechtigkeit gegründet waren, und mit der Würde freyer Menschen geäussert wurden, geantwortet hat; das Engl. Ministerium dennoch bey seinem übelwollenden und feindseligen System verharret ist, seine Kriegs-Zurüstungen fortgesezt, und eine Escadre nach der Schelde abgeschikt hat, um Frankreichs Operazionen in Belgien zu stören: da es auf die Nachricht von der Hinrichtung Ludwig Capets die Beschimpfung der Französischen Republik so weit getrieben, daß es dem Französischen Bottschafter anbefohlen hat, in Zeit von acht Tagen das Gebiet von Groß-Brittannien zu verlassen: Da der König von Engelland seine Theilnehmung an der Sache dieses Verräthers, und seine Absicht, ihn zu unterstüzen, durch verschiedene in seinem Staats-Rath gefaßte Entschlüsse an den Tag gelegt hat, welche zur Absicht hatten, theils die Generalen seiner Armee zu ernennen, theils vom Engl. Parlament eine ansehnliche Vermehrung der Land- und See-Macht zu verlangen; und die geheime Verbindung mit den Feinden Franckreichs, hauptsächlich mit dem Kayser und mit Preussen kürzlich durch einen im Jenner mit dem Erstern geschlossenen Traktat bestätiget worden ist: da er den Stadthalter von Holland in eben diese Verbindung gezogen, und dieser Fürst, dessen Folgsamkeit gegen die Befehle der Cabinette von St. James und Berlin nur alzubekannt ist, während der Französischen Revolution und ungeachtet der vorgegebenen Neutralität, die Agenten Franckreichs mit Verachtung behandelt, die Emigrierten aufgenohmen, die Französischen Patrioten gedruckt, ihre Unternehmungen gehindert, und gegen alle sonstige Uebung und das Ansuchen des Französischen Ministeriums, Verfertiger von falschen Assignaten in Freiheit gesezt; auch kürzlich, um zu den feindseligen Absichten des Londner-Hofes mitzuwircken, eine Kriegsrüstung zur See anbefohlen, einen Admiral ernannt, Holländischen Schiffen Befehl ertheilt hat, zu der Engl. Escadre zu stossen, eine Geld-Anleihung eröfnet hat, um die Kriegs-Kosten zu bestreitten und die Ausfuhr nach Frankreich verhinderte, indessen er die Verproviantierung der Oesterreichischen und Preußischen Magazine begünstigte: da endlich alle diese Betrachtungen der französischen Republick weiters keine Hofnung übrig lassen, durch freundschaftliche Unterhandlungen die Abstellung ihrer Klagen zu erhalten, und alle Handlungen von Seite des Groß-Brittannischen Hofes und des Stadthalters der vereinigten Niederlande so viel als eine Kriegs-Erklärung sind: -- So dekretiert das N. Convent nachfolgendes: 1) Es erklärt im Namen der Französischen Nation, daß wegen allen diesen Akten von Feindseligkeiten und Angriff die Französische Nation mit dem König von Engelland und dem Stadthalter der vereinigten Niederlande Krieg habe; 2) Trägt das N. Convent dem Provisorischen vollziehen Conseil auf, allen ihm nöthig scheinende Macht anzuwenden, um ihren Angriff abzutreiben, und die Unabhängigkeit, die Würde und das Interesse der Französischen Republick zu behaupten; 3) Autorisiert dasselbe eben dieses Conseil, über die See-Macht der Republik so zu disponieren, wie es findet, daß das Interesse des Staats es erfodere, und widerruft alle hierüber durch seine vorigen Dekrete gemachten besondern Verfügungen.

In der Seßion am 2. erhielt das N. Convent in einem Schreiben des Französischen Consuls in Rom Nachricht von dem, was am 13. Jenner daselbst vorgegangen, und besonders von der Ermordung des Hrn. Basseville; welcher eigentlich Legations-Sekretäre des Französischen Botschafters in Neapel war, und von demselben dahin geschickt worden. Die Nachricht machte, wie man leicht dencken kan, sehr grosses Aufsehen im N. Convent, und veranlaßte sogleich nachfolgendes Dekret: 1) Das provisorische vollziehende Conseil soll ungesäumt die schleunigsten und wircksamsten Anstalten machen, um eine exemplarische Rache auszuüben wegen dem gegen die Französische Nation in der Person ihres Representanten in Rom begangenen Verbrechens; 2) Die Republick nimmt im Namen des Französischen Volcks den Sohn des Bürger Basseville an Kindesstatt an und dekretiert, daß er auf Unkosten der Republick erzogen werden soll; 3) Die Republick bestimmt der Witwe eine lebenslängliche Pension von 1500. Livres, wovon zwey Drittheile nach ihrem Tod dem Sohn zufallen; 4) Dem vollziehenden Conseil wird aufgetragen, der Witwe Basseville einstweilen zu ihrer Unterstüzung 2000. Livres zu überschicken; 5) Dasselbe soll die erfoderlichen Anstalten treffen, um unsern Kunst-Schülern in Rom Sicherheit zu verschaffen und sie nach Franckreich zurückzubringen; 6) Der President des N. Convent soll die Witwe Basseville in einem Schreiben von der Theilnehmung desselben an ihrem Unglück versichern.

Noch in eben dieser vorgestrigen Seßion wurde, die Einrichtung des Kriegs-Ministeriums betreffend, ein Dekret abgefaßt. Nach demselben soll heute ein neuer Kriegs-Minister durch namentlichen Aufruf aus denen, welche gestern werden schriftlich vorgeschlagen worden seyn, gewählt werden. Derselbe wird in seinem Departement 6. Adjunkten haben, die er selbst ernennt, deren Wahl aber vom exekutiven Conseil ratifiziert werden muß. Jeder derselben ist in seinem Antheil an der Administration des Kriegs-Departements für sich verantwortlich, u. bekomt 8000. Livres Gehalt.

Die Einwendungen von Seite der Niederländer gegen das Dekret vom 15. Dezember scheinen nicht viel ausgerichtet zu haben. Es ist am lezten des vorigen Monats über diese Sache vom N. Convent neuerdings nachfolgendes dekretiert worden: 1) Die Dekrete vom 15. 17. und 22. Dezember sollen an allen Orten, wohin die Armeen der Republick bereits gekommen sind, oder künftig noch kommen, vollzogen werden; 2) Die Generalen von den Armeen der Republick sollen alle erfoderliche Maas-Regeln nehmen, daß nach dem Inhalt dieser Dekrete die Primar- und Commünal-Versammlungen gehalten werden; 3) Die vom N. Convent abgeschickten Commissarien können einstweilen alle die Fragen entscheiden, die in Absicht auf die Form und die Operationen der Versammlungen aufgeworffen werden dörften, selbst im Fall einer Einwendung gegen die Gültigkeit der Wahlen; hauptsächlich sollen sie für alles sorgen, was die Freyheit der Versammlungen und Stimmengebung sichern kan. Die in Primar- oder Commünal-Assembleen versammelten Einwohner werden aufgefodert, ihren Wunsch in Ansehung der Regierungsform, die sie haben wollen, zu entdecken; 5) Die Einwohner der Städte und Provinzen, die sich nicht spätestens 14. Tage nach der Bekanntmachung sowohl jener Dekrete, wenn sie noch bisher nicht geschehen ist, als des gegenwärtigen, versammeln würden, sollen dafür erklärt werden, als sie nicht Freunde des Französischen Volcks seyn wollen; die Republick wird sie, als Völcker behandeln, die sich weigern, eine auf Freyheit und Gleichheit gegründete Regierungsform anzunehmen, oder sich selbst zu geben. Danton, Lacroix und Camüs, welche unlängst als Commissarien in Belgien gewesen, sind abermahls dazu ernennt worden.

Barrere, Condorcet und Payne haben von dem National-Convent den Auftrag erhalten, eine Addresse an die Engelländische und Holländische Nation über den bevorstehenden Krieg aufzusezen.

Paris, vom 8. Hornung. [3]

Die Nachrichten von hier aus sind diesmahl weder weitläufig noch wichtig. In der Seßion am 4. ist Nizza mit dem dazu gehörigen Gebiet zum 85. Departement unter dem Namen des Departements der am Meer liegenden Alpen (des Alpes Maritimes) einmüthig erklärt worden. -- In eben dieser Seßion wurde das Verzeichniß der zur Kriegs-Minister-Stelle vorgeschlagenen Personen verlesen, und sogleich, weil niemand etwas gegen die Vorschläge einwendete, zur Wahl geschritten: 40. Wahlstimmen fielen auf verschiedene Personen; die übrigen vertheilten sich zwischen Beurnonville und du Chatelet; dieser hatte 216., jener 356. Stimmen; und so wurde der bisherige General Beurnonville zum Kriegs-Minister proklamiert. Er fand sich auch gleich am folgenden Tag in der Versammlung ein und deklarierte, daß er die ihm aufgetragene Minister-Stelle annehmen wolle. -- Die Mitglieder von dem Sicherheits-Committe Tallien und Legendre, welche nach Forges les-Faux abgeschikt worden, um einen Augenschein darüber einzunehmen, ob derjenige, welcher sich kürzlich daselbst erschossen, wirklich der Paris sey, von welchem Pelletier St. Fargeau umgebracht worden; haben den bereits darüber einschikten schriftlichen Bericht als wahr bestätiget. Der Leichnahm wurde wieder ausgegraben, und von den beyden Pariser Bürgern, welche die Commissarien begleitet hatten, erkannt. Auf seinem Abschied als Königl. Gardist fand man folgendes geschrieben: Man beunruhige nur niemand; denn niemand hat Antheil genommen an der Justiz, die ich an dem Böswicht St. Fargeau vollzogen habe. Wenn dieser Streich mir mißlungen wäre; so würde ich einen noch viel mehr Aufsehen machenden gewagt haben. Ich hätte Franckreich von dem Königsmörder, Vatterlandsmörder, Vattermörder Orleans gesäubert. -- Der General Miranda hat vom 3. dieses aus Löwen berichtet, daß er daselbst den prächtigen goldenen Schlüssel entdekt habe, welchen Carl III. den Einwohnern dieser Stadt geschenkt, und der dortige Magistrat verborgen hatte; er überschikte nun diese Reliquie dem N. Convent. Zugleich meldet er, daß die Generalen Lamorliere und Richardot bey Wassemburg einige Vortheile über die Oesterreichischen Truppen erhalten, und dieselben von ihren dortigen Posten vertrieben haben.

Der berühmte Italienische Comödienschreiber Goldoni, welcher sich seit 1762. in Paris aufhielt, hatte seit dem Jahr 1768. eine Pension von 4000. Livres, von welcher er aber, da sie aus der Civil-Liste bezalt wurde, seit lezt verflossenem Julius nichts bezogen hat. Um ihn nun in einem Alter von 86. Jahren nicht hülflos zu lassen, wurde, als in der gestrigen Seßion von diesem Gegenstand die Rede war, dekretiert, daß Goldoni sein Gehalt von 4000. Livres noch ferner beziehen, und das Rükständige ihm ohne Verzug ausbezalt werden soll.

Paris, vom 11. Hornung [4]

Das N. Convent hat seit dem 8. dieses Breard zum Presidenten. Die Seßion dieses Tages war wieder einmahl sehr tumultuarisch. Die Veranlassung dazu gab eine Deputation der Jacobinder, welche vor der Versammlung mit dem Ansuchen erschien, daß das unlängst abgefaste Dekret, betreffend die gerichtliche Untersuchung der am 2. und 3ten September in den Gefängnissen verübten Massakren und die Bestraffung der Urheber derselben, wiederruffen werden soll. Einige Mitglieder, aber bey weitem nicht die grössere Anzahl, wiedersezten sich diesem Ansuchen, und es wurde bey diesem Anlaß manches interessante und nicht allgemein bekannt gewordene über jene schrökliche Auftritte gesagt. Unter denen, welche sich dem Begehren der Deputation wiedersezten, zeichnete sich besonders Lanjüinais aus, welcher unter anderm sagte: "Mir sind die Aufforderungen zum Mord nicht unbekannt, welche an dem Ort, woher dieses Begehren kommt, öfters wiederholt werden, und ich begreiffe auch gar wohl den ganzen weitgehenden Sinn der Worte, welche die Anbringer dieses Begehren an den Schranken der Versammlung zu sagen sich erlaubt haben: "Wir schwören alle Feinde des Volks zu massakrieren." -- Nichtsdestoweniger seze ich mich ihrem Verlangen entgegen. Die Gerechtigkeit, die Sicherheit des Staats, euere Ehre und das Wohl der Republik fordern, daß es verworffen werde. Es sind Zweifel über die eigentliche Beschaffenheit dieser schröklichen Exekuzionen im verwichenen September entstanden. Man hat sie für Wirkungen eines Volks-Aufstandes ausgegeben. Aber es ist allzuwohl bekannt, daß es ein Complot von 5. oder 6. Tyrannen war, der durch einige besoldete Mörder ausgeführt worden ist; daß das Verzeichniß derer, welche zum Tod bestimmt waren, durch Leute, die in offentlichen Aemtern standen, aufgesezt worden. Man weist, auf wessen Befehl die Schlachtopfer in den Gefängnissen zusammen gehäuft wurden; daß die bezahlten Henker 100. Sous für jeden Kopf bekamen; und die Register der Sektionen und der Commüne enthalten die Rechnungen über das, was diese Greuelthaten gekostet haben. Man sagt, daß mit Inbegrif der Massakre in Versailles, vom 3. bis 9. September 8000. Menschen niederträchtiger Weise ermordet worden. -- Was wird man von euch denken, wenn ihr solche Verbrechen nicht untersuchen und bestraffen dörfet? Man wird, und zwar mit Grund glauben, ihr seyet nicht frey; und der Ton, worinn das Ansuchen der Deputation abgefast ist, wird dergleichen Reden rechtfertigen, ohne etwas von den Umständen zu sagen, die vorher gegangen sind; man wird sagen, ihr habet die Gerechtigkeit und die Geseze unter die Füsse getretten: Aehnliche Massakren werden oder können wenigstens ungestraft in allen Gegenden der Republik wiederholt werden; die Frechheit der Strafbahren wird sich verdoppeln und ihr werdet beschimpft seyn. Ich verlange, daß wenigstens für jzt von dem an euch gethanen Ansuchen weiter nicht die Rede sey." -- Eben dieses verlangten andere mehr, aber nach zweymaliger Stimmenzählung wurde entschieden, daß die Berathschlagung über diese Sache fortgesetzt werden soll. -- Chabot redete nun hauptsächlich für die Bewilligung der Petition. Er behauptete, die Anzahl er Ermordeten sey zu gros angegeben worden; es dörfte vielleicht nicht so schwer seyn, die Urheber und Anstifter der Massakren zu entdeken: aber wie man die Beschuldigung beweisen wolle? Man müste die Mitschuldigen und Zeugen, (er selbst haben in dem Gefängniß der Abtey bey 10,000. Bajonette gesehen) bey den Armeen, in den Lagern, an den Gränzen aufsuchen, wo sie ihre Hände im Blut der Feinde gewaschen haben. Ob man nun gegen die Helden, die das Vaterland gerettet, gerichtlich verfahren; ob man das Andenken derjenigen beschimpfen wolle, die auf dem Schlachtfeld geblieben sind? Eine solche Strenge, sagte er, würde ein trauriges Beyspiel für die Völker seyn, die sich gegen ihre Tyrannen auflehnen wolten. (Der Grund verdient bemerkt zu werden.) Das hiesse ja z. Ex. zu dem Engl. Volk, welches eben jzt auch in Gährung sey, sagen: Haltet ein; denn wenn ihr euch bey einer gerechten Revoluzion nur einen Augenblik verirret, so können euch euere Representanten zum Tod verurtheilen. Er stimme also für die Amnestie. -- Nachdem noch viele andere über die Sache geredet hatten, und wie gesagt, sehr stürmische Debatten vorgegangen waren, wurde endlich dekretiert: Das gegen die Urheber der Massakre vom 2. September verordnete gerichtliche Verfahren soll einsweilen eingestellt und dem Gesezgebungs Committe aufgetragen werden, dem N. Convent innerhalb 3. Tagen ein Gutachten einzugeben, über die Nothwendigkeit der Fortsetzung desselben, oder die Bekanntmachung einer gänzlichen Amnestie.

Paris, vom 15. Hornung. [5]

Dieser Artikul enthält abermals wenig, was für das auswärtige Publikum interressant seyn könnte. Zwey Gegenstände haben das N. Convent in seinen leztern Seßionen hauptsächlich beschäftiget; nemlich eine im Namen der 48. Sektionen von Paris und der Föderierten aus den Departements eingegebene Petition betreffend die Lebens-Mittel; und dann die Organisation oder Einrichtung der Armee. Die Deputierten, welche jene Petition übergeben solten, meldeten sich schon am 11., um vor das National-Convent gelassen zu werden. Der President lies ihnen aber zur Antwort ertheilen; die Versammlung nehme nur in ihren Sonntags-Seßionen Petitionen an. Allein sie liessen sich nicht abweisen, sondern sagten in einem zweiten schriftlichen Ansuchen: Ganz Paris habe sich aufgemacht, (ein Ausdruk, der ihnen sehr übel ausgelegt wurde) und sie würden nicht weggehen, ohne angehört worden zu seyn; man müste sie denn durch ein förmlich Dekret abweisen. Sie wurden nun vor das Agrikultur-Committe gewiesen, welches ihr Anliegen sogleich untersuchen soll; und weil dieses in ihrer Petition Gedanken gefunden, von denen man Gebrauch machen könne; so beschloß das N. Convent, sie in der Seßion des folgenden Tages anzuhören. Das geschah nun, und ihr Verlangen bestand darinn: Es soll allen Administrationen im Land der Getraide-Handel bey 6. jähriger Galeeren-Straffe untersagt werden; es soll in der ganzen Republik nur einerley Korn-Maas, nemlich der Centner zu 100. Pfund, statt haben; und wenn ein Landmann einen Sak Korn, von der besten Qualität, zu 250. Pf. gerechnet, theurer als für 25. Livres verkauffe, so soll er das erstemahl zu 6. jähriger Galeeren-Straffe, und wenn er das Verbott zum zweitenmahl übertrette, zum Tod verurtheilt werden; und überdem soll der höchste Preis nicht anderst als durch ein Dekret, bestimmt werden können. -- Gegen diese Vorschläge erhob sich nun ein allgemeines Geschrey; sehr viele Mitglieder der N. Convents sprachen dagegen. Diese Petition, hieß es, stosse alle Freyheit übern Hauffen; sie werde eine Hungersnoth verursachen; sie sey die Frucht eines Complots, den man entdeken müsse; diejenigen, welche sie überreicht haben, können ihren Auftrag nicht von den 48. Sektionen erhalten haben, man soll ihnen ihre Vollmachten abfordern. Dieses geschah, und bey ihrer Untersuchung zeigte sich wirklich, daß nur 30. Sektionen über die Petition deliberiert hatten. Es wurde deswegen die vom Presidenten diesen Deputierten bereits ertheilte Erlaubniß, der Seßion beyzuwohnen, wiederruffen; und sie musten ihren Namen, Stand und Wohnung angeben, weil, wie man sagte, Leute sich unter ihnen befinden, die als Aristokraten bekannt seyen. Hierauf begaben sie sich weg. Einer der mit ihnen gekommen war und sich für einen Representanten der 85. Departements ausgegeben hatte, wurde zufolg einer Verordnung des N. Convents als ein in Verhaft genommener vor das Aufsichts-Committe gewiesen, um vor demselben verhört zu werden. Dieser ganze Vorfall verursachte überhaupt viel Lärm in der Versammlung.

Der andere oben erwähnte Gegenstand, welchen das N. Convent in seinen leztern Seßionen beschäftigte, war die Organisation der Armee; die Art der Beförderung zu den verschiedenen Militär-Stellen, und die Belohnungen, die im Dienst statt finden sollen; worüber das Militar-Committe dem N. Convent einen Plan eingegeben hat. Ueber den ersten Punkt ist dekretiert worden: Es soll künftig zwischen den Infanterie Corps, welche regulierte Regimenter heissen, und den National-Freywilligen kein Vorzug, noch Unterschied der Einrichtung statt finden. Doch wurde nachher, in der vorgestrigen Seßion, weil das N. Convent einsah, wie gefährlich es wäre, die Armee gegenwärtig zu desorganisieren, jenes Dekret dahin modifiziert: daß die vorgeschlagene Gleichmachung der Linien-Truppen und National-Freywilligen zwar statt haben, aber erst dann wirklich ausgeführt werden soll, wenn die Umstände es erlauben.

Auf die Nachricht das vollziehenden Staats-Raths, daß unter den ausländischen Schiffen, von denen viele in unsern See-Häven in Beschlag genohmen worden, mehrere verkauft und zu Caper-Schiffen ausgerüstet werden könnten; hat das N. Convent wircklich dekretiert, daß dieselben zum Vortheil der Republick verkauft werden sollen; und zugleich dem Marine-Committe aufgetragen, ihm ein Gutachten über die Art dieses Verkaufs vorzulegen. Dieses ist geschehen und Zufolg desselben jenes Dekret näher so bestimt worden; daß das aus jenen Schiffen erlößte Geld in die Cassen der Einnehmer der Distrikte in Verwahrung gebracht werden soll, bis etwas anders darüber verordnet worden.

Paris, vom 18. Hornung. [6]

Die beyden Seßionen des National-Convents am 15. und 16. dieses wurden ganz dazu angewendet, daß vom Constitutions-Committe eingegebene Projekt der neuen Constitution verlesen zu hören. Es wurden beydemahl mehrere Stunden dazu erforderet, und es versteht sich wohl von selbst, daß hier zur Mittheilung dieses weitläufigen Plans nicht Raum wäre, wenn uns auch die neuesten Pariser-Blätter denselben mitgetheilt hätten, welches aber bisher, einige Bruchstüke ausgenommen, nicht geschehen ist, und auch schwerlich geschehen wird, weil das ganze Projekt besonders gedrukt werden soll. Herr Condorcet, als eines von den Mitgliedern des Constitutions-Committe, verlas zuerst einen Preliminar-Aufsaz, welcher die Gründe enthält, die das Committe bey dieser Arbeit befolgt hat. Derselbe enthalt die Theorie und den Mechanismus einer neuen Art von Stimmengebung, die er vorschlägt, um die Wahlen zu simplifizieren, dieselben zum unmittelbahren Resultat von den Wünschen des Volks zu machen, um die Vortheile der geheimen Wahl und der offentlichen Proklamazion mit einander zu verbinden und vermittelst der Bequemlichkeit und Beschleunigung der Operazionen die Anzahl der Stimmengebenden zu vermehren. Zufolg dieser neuen Verfahrungsweise sollen die Mitglieder der vollziehenden Staatsraths unmittelbahr von dem Volk gewählt werden, und nur durch den Urtheilsspruch eines besondern geschwohrnen Gerichts auf gerichtliche Belangung des gesezgebenden Corps abgesezt werden können. Zu jedem offentlichen Amt soll eine hinreichende Anzahl von Suplierenden ernannt werden, um die allzuhäufigen Wahlen zu vermeiden. Das Ministerium vom Justizwesen soll abgeschaft, das Ministerium von den innern Angelegenheiten in 3. Abtheilungen verthelit, und die Administrazionen der Distrikte nebst den kleinern Munizipalitäten aufgehoben werden. -- Nach Herr Condorcet trat ein anderes Mitglied vom Constitutions-Committe, Herr Gensonne, auf, und verlaß zuerst einen neubearbeiteten Aufsaz von der Deklarazion der Rechte, welche aus 33. Artikuln besteht; sodann das Projekt von der Constitution selbst. Es wurde hierauf dekretiert, daß sowohl dieses, als Condorcets Einleitung dazu gedrukt und jedem Mitglied des N. Convents 6. Exemplare davon zugestellt, und eine hinreichende Anzahl derselben an die Administrazionen der Departements, für die Distrikte, Munizipalitäten und popularen Gesellschaften in ihrem Bezirk, so wie auch an die Armeen der Republik überschickt werden soll, damit man sich zu einer künftigen Berathschlagung alle Einsichten und Kennt_isse derer, die über diesen Gegenstand urtheilen wollen, und können, verschaffen könne. Zufolg eines andern Dekrets sollen alle Mitglieder des N. Convents, welche für sich Projekte von einer Constituzion aufgesezt haben, die Befugniß haben, dieselben auf offentliche Kosten druken zu lassen, ihre gedrukten Aufsäze aber nur den Mitglidern dieser Versammlung zugestellt werden.

Schon in der Seßion am 14. wurde über die gegen den General Anselm eingegebene Klage von einem der Commissarien des N. Convents bey der Armee dü Var ein Rapport abgestattet, woraus sich ergab, daß durch die Nachlässigkeit dieses Generals die Dicip_in bey dieser Armee sehr in Verfall gerathen, daß in Nizza von derselben abscheuliche Räubereyen verübt worden, denen er keinen Einhalt gethan, und daß er einen Theil der unter seinem Commando stehenden Truppen gegen die Commissarien aufzubringen gesucht habe. Zufolge dieses Rapports wurde dekretiert, daß die vollziehende Gewalt diesen General soll in Verhaft nemmen lassen, bis das Legislations- und Kriegs-Committe ihr Gutachten über diese Sache abgestattet haben.

Die in eben dieser Seßion gethane Anzeige, daß mehrere Emigrierte sich Certifikate ihres beständigen Aufenthalts im Land zu verschaffen gewust haben, hat ein Dekret veranlasset, nach welche, 1) der Justiz-Minister nächstens Rechenschaft über die Voll_iehung des die Emigrierten betreffenden Gesezen abstatten; 2) jeder Bürger 100. Livres bekommen soll, welcher einen, der zu den Emigrierten oder aus dem Land geschaften Priestern gehört, arretiere oder arrettieren lass_, und 3) die Commissarien des N. Convents in den Departements über die Vollziehung des Gesezes wachen, und autorisiert seyn sollen, alle Mitglieder der administrierenden Corps abzusezen, welche ausser den in den Dekreten vorgeschriebenen Fällen Certifikate des Aufenthalts im Land, es sey aus Nachlässigkeit oder Unredlichkeit ausfertigen. Man findet aber besonders den zweiten Artikul dieses Dekrets bedencklich, weil durch denselben jedermann berechtiget wird, einen andern unter dem Vorwand, das er ein Emigrierter sey, in Verhalt nehmen zu lassen.

Das N. Convent hat dem Verlangen des Fürstenthums Monaco und der Balley Chambourg, Frankreich einverleibt zu werden, entsprochen.

Paris, vom 25. Hornung. [7]

PortretDuboisCrance MVP

Die leztern Seßionen des N. Convents (welches seit dem 22. den Bürger Dübois-Crance zum Presidenten hat) liefern abermahls nichts, was für das auswärtige Publikum interessant seyn könnte: ausser einer in der vorgestrigen Seßion von Isnard verlesenen, und sogleich genehmigten "Proklamation an das Französische Volck," betreffend die Fortsezung des Krieges gegen alle wieder dasselbe verbundene Mächte. Der wircklich geistreiche Ton, worinn dieselbe abgefaßt ist, . . . .

Paris, vom 1. Merz. [8]

Es ist kürzlich von einigen neuen in Lyon vorgegangenen Unruhen Erwähnung gethan worden, wovon das N. Convent die eingelauffenen Nachrichten dem allgemeinen Sicherheits-Committe zur Untersuchung übergeben hat. Im Namen desselben stattete nun in der Seßion am 25. des vorigen Monats Tallien der Versammlung einen Rapport ab, welchem zufolg der Ursachen dieser Unruhen zu suchen sind in der überaus grossen Bevölkerung dieser Stadt, in ihrer Entfernung von Paris, in dem Verfall der Arbeiten, und in der Sorglosigkeit und Uebelgesinntheit mehrerer konstituierten Autoritäten. Die Unordnungen selbst, welche sich daselbst ereignet haben, bestanden darinn: Es hatten ungeachtet der am 4. Februar auf Veranstaltung der dortigen Munizipalität vorgenommenen Hausbesuchen und Verhaftnehmungen gewisse von Gegnern der Revoluzion bestellte Emissarien Geld unter das Volk ausgetheilt und Intriguen angesponnen; die begaben sich in den dortigen Club der sogenannten Freiheits-Freunde, verjagten die Mitglieder desselben, verbrannten die Archive, nagelten Rousseaus Brustbild an den Freiheitsbaum, um beyde mit einander zu verbrennen, wenn es nicht von einigen Patrioten verhindert worden wäre; das Tribunal des Distrikts wurde genöthiget seine Sessionen zu unterbrechen und seine Mitglieder musten sich aufs Stadthaus flüchten; die Posten beym Zeughaus und der Pulvermühle wurden von den Revoluzions-Gegnern besezt, u. s. w. Auf diesen Rapport des Committe, (welcher in einem am 26. verlesenen Schreiben der Munizipalität von Lyon bestätiget wurde) dekretierte das N. Convent: Es sollen sogleich aus seinem Mittel 3. Commissarien ernennt werden, und noch am gleichen Tag nach Lyon abreisen, mit der gleichen Vollmacht, wie alle übrigen Commissarien des N. Convents, und die vollziehende Gewalt soll unverzüglich eine hinreichende Anzahl von Truppen dahin schiken, um die Ordnung wieder herzustellen.

Auch hier in Paris ist es kürzlich und besonders am 25. des vorigen Monats sehr unruhig hergegangen. Schon seit einigen Tagen war eine Bewegung zu besorgen; die dann auch wirklich ausbrach. Die Lebensmittel waren der erste Vorwand dazu. Man bestürmte die Beker, welche kaum Brod genug liefern konnten. Weil es aber doch zufolg aller vorgenommenen Untersuchungen und ertheilten Berichten an den nothwendigen Nahrungsmitteln nicht mangelte; so griff man von Seite der Unruhstifter zu andern Mitteln. Am 25. müste der vorgebliche Wucherhandel mit Zukar, Kaffe, Seife, Kerzen, und der hohe Preis dieser Waaren zum Anlas der erregten Unordnungen dienen. Weiber lieffen in allen Quartieren herum, besonders in denen Gegenden der Stadt, wo am meisten Spezerey-Magazine sind; sie brachten bald ganze Rotten zusammen, die dann zu en Spezerey-Händlern lieffen, alle Waaren nach ihrem Gefallen taxierten, und die Magazine ausleerten. Diese Plünderungen und gewaltsamen Eingriffe in das Eigenthum anderer daurten bis am Abend, und auch noch am folgenden Tag fort, ungeachtet der Wachtsamkeit und Anzahl der aufgebottenen National-Garden; deren General Santerre aber am 25. sich in Versailles befand, und erst späth von da nach Paris zurückkam; worüber er sich nachher mit einem vom Kriegs-Minister erhaltenen Auftrag entschuldigte. Ueberhaupt sind an den beyden genannten Tagen viele Handlungen der Ungerechtigkeit begangen worden; worüber man nun vermittelst der Aussagen der in Verhaft genommenen mehr Licht zu bekommen hoft. Wirklich sind bey 40. Personen arretiert worden, worunter sich ein vormahliger Marquis, einige Abbes, verschiedene Domestiken und eine verkleidete Gräfin, welche Assignaten austheilte, befinden soll. Die Ruhe ist nun, wiewohl nicht ganz zuverlässig, wieder hergestellt. Die vorgefallenen Unordnungen haben dem General-Conseil der Commüne, welches während denselben immer versammelt blieb, und zu ihrer Abstellung von Zeit zu Zeit Commissarien abschikte, sehr viel zu schaffen gemacht, und auch im N. Convent stürmische Auftritte veranlast. In diesem wurde Marat beschuldiget, er habe den Aufstand erregt, durch eine an diesem Tag dem von ihm heraus gegebenen Journal eingerükte Stelle, worinn er sagt: "Wenn die nichtswürdigen Representanten des Volks durch Straflosigkeit zum Verbrechen aufmuntern, so muß man sich nicht darüber verwundern, daß das zur Verzweiflung gebrachte Volk sich selbst Recht verschaft. Lasset uns die einschränkenden Maasregeln der Geseze beyseite sezen; es ist allzu offenbahr, daß sie immer ohne Wirkung gewesen sind, und es auch immer seyn werden. In allen Ländern, wo die Rechte des Volks nur leere Namen sind, die prächtig in einer blossen Deklaration stehen, würde die Plünderung einiger Magazine, an deren Thüren man die Wucherhändler aufhienge, den Malversazionen eine Ende machen." -- Unwille ergrief fast die ganze Versammlung, als man diese Worte vorlas, und sehr viele Mitglieder derselben verlangten auf einmahl ein Akkusations-Dekret gegen Marat; aber er bestieg unter dem Beyfallklatschen einiger Zuhörer den Redner-Stuhl, sprach von demselben mit einer Dreistigkeit, wovon man sich kaum einen Begriff machen kann und verlangte, daß man diejenigen, welche ein Anklags-Dekret gegen ihn verlangen, ins Tollhaus schiken soll. Ein Mitglied schlug vor, welches dann auch dekretiert wurde: Man soll gegen die Urheber der kürzlich vorgegangenen Unruhen vor den gewöhnlichen Tribunalen gerichtlich verfahren lassen, und dem Justizminister anbefehlen, alle 8. Tage von dem Gang des Prozesses Bericht abzustatten. Auf diesen Vorschlag verlangte nun Marat selbst ein Akkusations-Dekret gegen sich, damit, wie er sagte, das N. Convent dadurch beweise, es habe alle Schaam verlohren. -- Gewisse Leute möchten die eben erwähnten und ähnliche Vorfälle immer nur dem Einfluß der Aufwieglungen und des Geldes der Feinde der Republik, so wohl der auswärtigen, als der innerlichen, zuschreiben, so wohl der auswärtigen, als der innerlichen, zuschreiben; aber es hiebt auch solche, welche sagen: Alles Geld der Europäischen Fürsten würde nicht hinreichen, um alles das zu bezalen, was man diesem Bestechungs-Mittel zuschreibt; und welche der Meinung sind: Die zunemmenden Bedürfnisse des Volks, die noch immer fortdaurende Anarchie, die man nicht mit dem Eifer, wie es billig seyn solte, durch Geseze zu verbannen sich bemüht, die Unbedeutsamkeit der National-Garde, die entweder keine oder zu späthe Befehle bekommt, und die aus allem diesem herrührende Verwirrung; das alles gehöre auch mit unter die hauptsächlichsten Ursachen solcher Unordnungen. (Immer könnte man zu denselben auch noch hinzufügen, die stets weiter gehende Auflösung aller Bande der Religion und Moralität, und den so natürlich zu erwartenden Misbrauch, welchen viele von der hochgepriesenen Gleichheit machen würden.)

In der vorgestrigen Seßion des N. C. wurde ein Schreiben des Generals Miranda aus dem Hauptquartier Hocren vom 25ten Hornung verlesen, worinn derselbe dem Kriegsminister von der Belagerung von Mastricht Nachricht giebt. "Nachdem ich, schreibt er, dem erhaltenen Befehl zufolg diesen Plaz an dem linken Ufer der Maas mit einem Corps von 12000 und am rechten Ufer mit 6000 Mann eingeschlossen hatte, schritten wir zur Errichtung der zu einem Bombardement nöthigen Werke und Batterien. Alles wurde am 23ten, ungeachtet des beständigen Feurs der Feinde, mit Verlust von nicht mehr, als 3 Mann, zu stand gebracht. Als unsere Batterien fertig waren, um gestern Mittags mit dem Bombardement den Anfang zu machen, ließ ich den Commandanten des Plazes und die Mitglieder des dortigen Magistrats zur Uebergab auffordern. Der Prinz von Hessen, Gouverneur von Mastricht, schlug dieses ab, und ließ mit zugleich mündlich sagen: Er finde diese Aufforderung sonderbar, weil er nichts davon wisse, daß die Holländische Nation Frankreich den Krieg angekündigte habe, und wenn ich es ihm erlaube, so wolle er einen Kourier an Ihre Hoch. abschicken, um Verhaltungsbefehle darüber zu verlangen. Wir machten in der Nacht mit unserm Feure den Anfang, welches von einer andern mit Mörsern besetzten Batterie, die vor Wick errichtet worden, unterstützt wurde, und bald darauf gieng in der Stadt Feure aus; es gelang zwar den Feinden, dasselbe zu löschen; aber diesen Morgen um 6 Uhr brach es von neuem noch stärker aus, und es dauert eben jetzt noch fort. Während der Einschließung des Platzes thaten die Feinde zweymal einen Ausfall, jedesmal mit 1200 Mann; das eine mal auf der Seite von Wick, und das andere mal aus dem St. Petersdom; sie wurden aber beidemal von unsern Truppen mit Verlust auf ihrer Seite zurückgeschlagen. Ich eile nun, diese Unternehmung zu beendigen, um die übrigen vom General Dumouriez mir ertheilten wichtigere Aufträge auszuführen.

Die Commissarien des N. C. in Belgien hatten bereits vor ein Paar Tagen die Einnahm von Breda durch unsere Truppen berichtet. Aber damals war die Nachricht noch zu voreilig; jezt aber ist sie zuverlässig; und der Kriegsminister hat dieselbe in der gestrigen Seßion auf eine offizielle Weise bestätiget. Es ist der General Darson, welcher Breda zufolg einer am 24ten Hornung unterzeichneten Capitulation in Besiz genohmen hat. Es befindet sich nun eine Französische Besazung daselbst; die Batavier, die es mit den Franzosen hielten, haben ein Comitte daselbst errichtet, vermittelst dessen man nun die Französische Freiheits-Grundsäze in Holland weiter zu verbreiten hoffet. Von den Umständen der Einnahm dieser Stadt und von dem Inhalt der Capitulation sagt indessen die vom Kriegsminister dem N. C. mitgetheilte Nachricht noch nichts. Aber sie fügt obigem noch bey: Klundert und Willemstatt, worinn sich bey 200 Kanonen befinden, stehen im Brand und werden nun wohl in unsern Händen seyn; ferner Berg-op-Zoom, Steenbergen und Tholem seyen eingeschlossen und bloquiert, so daß nichts hinein und heraus könne, und Gertruidenberg sey angegriffen.

März.[]

Paris, vom 8. Merz. [9]

Das N. Convent hat kürzlich von seinen Commissarien in Belgien unangenehme Nachrichten erhalten. In einem Schreiben derselben aus Lüttich, welches in der Seßion am 5. verlesen worden, wird berichtet: Die Cantonnierungs-Quartiere in der Gegend von Aachen seyen von einer feindlichen Armee forziert worden. Tages darauf haben unsere Freywilligen sich zurükziehen und die Stadt Aachen räumen müssen; nun habe sich die feindliche Armee in 3. Colonnen getheilt, deren eine gegen Mastricht angerükt sey, wodurch der General Miranda bewogen worden, die Belagerung dieser Festung aufzuheben. Der General Valence habe alle erforderlichen Dispositionen gemacht; aber die Abwesenheit vieler Officiers vom ersten Rang und anderer Chefs von verschiedenen Corps seze ihn in die gröste Verlegenheit. -- Ueber diese Nachricht ertheilte der Kriegs Minister dem N. Convent nachfolgende schriftliche Auskunft: Es sey ihm von dem General Valence berichtet worden, daß die Preussen (vermuthlich solte es heissen, die Kayserl. Truppen) 25. bis 30,000. Mann stark bis an die Roer vorgedrungen seyen, um Mastricht zu Hülf zu kommen, und diese Bewegung auf Seite der Feinde habe den General Miranda bewogen, das Bombardement von Mastricht aus Klugheit einzustellen; dieser an sich unwichtige Vorfall dörfte uns nur nöthigen, den Plaz in aller Form anzugreiffen, und könnte allenfalls die Unternehmung in etwas verzögern. -- Die Mittheilung dieser Nachrichten veranlaßte nun in dem N. Convent wieder einmahl sehr tumultuarische Auftritte, indem einige verlangten, daß die bewafneten und besoldeten Corps der Föderierten aus den Departements, welche ge genwärtig in Paris sind, unverzüglich nach den Gränzen marschieren sollen; andere hingegen die Anwesenheit dieser Föderierten zur Handhabung der innerlichen Sicherheit für nöthig hielten. Als Barbaroux auftretten wolte, um für diese leztere Meinung zu reden, entstand in der Versammlung selbst und auf den Gallerien ein Hohngeschrey. Isnard sagte darauf: Hier findet keine Freiheit statt; ich sehe nicht das N. Convent vor mir, sondern nur eine Maschine, um Dekrete zu machen, in den Händen einer Faktion. Wenn ihr frey seyd, ihr Gesezgeber, so leget dem euch entehrenden Geschrey ein Stillschweigen auf; und wenn ihr es nicht seyd, so geht auseinander. -- Nur mit vieler Mühe und nach lange daurendem Lärm konnte die Stille wie der hergestellt werden.

In der vorgestrigen Seßion wurde ein zweites Schreiben eben derselben Commissarien aus Lüttich vom 3. dieser verlesen. Es ist an das Committe vom allgemeinen Defensions-Wesen gerichtet, und würde, wie es scheint, dem N. Convent nicht kommuniziert worden seyn, wenn es nicht ausdrücklich verlangt worden wäre. Die Commissarien beruffen sich in demselben auf ihr oben erwähntes Schreiben an das N. Convent, dessen Inhalt sie nicht wiederholen wollen. "Aber, sagen sie, wir müssen demselben noch beyfügen, daß sich alles in einer äusserst bedenklichen Lage befindet, daß die Armee, welche sich von Aachen und aus den dortigen Gegenden zurük gezogen hat, fast ganz auseinander gesprengt ist, und daß der Feind vielleicht morgen, vielleicht heute noch in Lüttich eintreffen wird; in Lüttich, wo all unser Proviant-Vorrath beysammen ist, und unermeßliche Schäze sich befinden. Was wir sagen, wissen wir von dem General Valence selbst, in dessen Haus wir schreiben; er versichert uns, wenn Dümourier nicht unverzüglich ankomme, so könne er nicht gut stehen für das, was geschehen dörfte. Wir geben uns Mühe, die Flüchtigen wieder zu sammeln, und wenden bey der hiesigen provisorischen Regierung und bey der Bürgerschaft alles an, um sie zu bewegen, daß sie uns beystehen, und dem Mangel bey unserer Armee abhelfen. Die aus diesem Mangel entstehenden Gefahren sind um so viel grösser, da der Feind an Cavallerie sehr stark ist, und wir beynahe gar keine haben."

Nach Verlesung dieses Schreibens wurde der eben in der Versammlung anwesende Kriegs-Minister aufgefordert, einige Erläuterungen darüber zu geben. Er sagte: Er habe gestern einen Courier von dem General Valence erhalten, welcher ihm gemeldet, daß die Posten an der Roer forziert worden seyen; eine feindliche Colonne marschiere gegen Rüremonde und eine andere gegen Mastricht. Von den in dem Schreiben der Commissarien enthaltenen Umständen sage er nichts. Er, der Minister, habe sogleich einen Courier abgefertiget, mit dem Befehl an die Generalen Valence und Miranda, sich zu vereinigen, um ein Corps von 40,000. Mann zu formieren. Wenn übrigens der Feind vor Lüttich kommen solte, so wär es kein Wunder, wenn diese Stadt eingenommen würde, weil sie nicht befestiget sey.

Etwas erfreulicher, als die obigen Nachrichten, lautete ein in der gestrigen Seßion verlesenes Schreiben von dem Commissar Camus aus Breda vom 1. dieses Monats, worinn er von den Umständen der Einnahm dieser Stadt und ihren bisherigen Folgen Nachricht ertheilt. Breda, sagt er, sey am 27. des vorigen Monats von der dortigen Besazung geräumt worden, und man habe daselbst 187. Kanonen, 16. Mörser und 6. Haubizen gefunden. In Klundert, welches am gleichen Tag eingenohmen wurde, erbeutete man 50. Kanonen und 2. Mörser: auch eine grosse Menge Schieß-Pulver an beyden Orten. Dieser Artillerie und Munition bediene man sich nun zu der Belagerung von Wilhelmstadt und Gertruidenberg. -- Nach Verlesung dieses Schreibens fügte der Kriegs Minister noch die Nachricht bey, daß Gertruidenberg wircklich von dem General Darcon eingenohmen sey.

Eben auch in der gestrigen Seßion hat das N. Convent, zufolg eines im Namen des diplomatischen Committe von Barrere abgestatteten Rapports, den Krieg gegen Spanien erklährt.

Die in dem darüber abgefaßten Dekret angeführten Gründe sind folgende: Der König von Spanien habe seit dem 14. Julius 1789. die Souveränität des französischen Volcks immer verkannt, und Ludwig Capet als den Souverain der Nation angesehen; er habe die Franzosen manigfaltigen Bedrückungen ausgesezt, sie zu willkührlicher Gefangenschaft und ungerechter Verbannung verurtheilt, und gezwungen, ihrem Vatterland eidlich zu entsagen; seine Gouverneurs und Truppen haben die Empörung der Negers in St. Domingo begünstiget, den flüchtigen Franzosen keine Zuflucht gestatten wollen, und sogar mehrere derselben ausgeliefert, die dann massakriert worden seyen; seit dem 10. August 1792. habe er seinen Bottschafter von Paris zurückberuffen, und nach der Eröfnung des N. Convents die Correspondenz zwischen beyden Staaten nicht wieder erneuern wollen, auch den Botschafter der französischen Republick, ungeachtet er von derselben mit einem Creditiv versehen war, nicht anerkannt; anstatt Franckreich die durch die Allianz-Verträge stipulierte Anzahl von Truppen zu geben, habe er zu Wasser und zu Land Kriegszurüstungen machen lassen, die keine andere Absicht haben könen als die Independenz dieser Nation streitig zu machen, und sich mit den feindlichen Mächten gegen dieselbe zu verbinden, und auf die wegen diesen Kriegszurüstungen gethane Anfrage habe er nur unbestimmte und einer deutlichen Erklärung ausweichende Antworten ertheilt; auf die Nachricht von Ludwigs Hinrichtung habe er die Französis. Republik dadurch beschimpft, daß er ihrem Bottschafter zu wissen thun lassen, man werde ihm keine weitere Antwort ertheilen und alle Communikazion mit ihm sey abgebrochen worden; er habe 2. offizielle Noten des vollziehenden Conseils vom 4. Januar zur Beantwortung der seinigen vom 17. Dezember abgewiesen und folglich sich geweigert, eine genaue Neutralität gegen Frankreich zu versprechen und die Kriegs-Zurüstungen abzustellen; seit dieser Weigerung habe er die Chefs der Emigrierten aufgenommen, und sich noch genauer als jemals mit Engelland alliert: da nun bey allen diesen Umständen die Französis. Republik weiter keine Hofnung sich machen könne, durch freundschaftliche Unterhandlungen es dahin zu bringen, daß ihren Klagen abgeholfen werde, und das Verfahren von Seite des Hofes von Madrid für eine Kriegs-Erklärung anzusehen sey: so dekretiere hiemit das N. Convent, und deklariere im Namen der Französis. Nation, daß die Französis. Republik mit dem König von Spanien Krieg habe; sie trage deswegen dem vollziehenden Staatsrath auf alle zur Abtreibung eines feindlichen Angriffs und zur Behauptung der Unabhängigkeit und Würde der Republik erforderlichen Anstalten zu machen, und unverzüglich die nöthigen Maasregeln zu nemmen, um die an den Pyrenäen gelegenen Departements mit allem zu versehen, was eine Armee von 100,000. Mann nöthig hat. Aus dem N. Convent sollen 6. Commissarien ernannt werden um in den mittägigen Departements und bey der Armee an den Pyrenäen die Rekrutierung zu beschleunigen, die Aufsicht über das Proviant-Wesen zu übernehmen, und alle Franzosen aufzufordern, daß sie sich vereinigen, um das der Französis. Nation von einem Tyrannen zugefügte Unrecht zu rächen.

Paris, vom 11. Merz. [10]

PortretGensonne MVP

In der Seßion am 8, dieses hat der Kriegs-Minister dem N. Convent (dessen gegenwärtiger President Gensonne ist) offizielle Briefe mitgetheilt von den Generalen Miranda, Valence und Darcon. Der erste berichtet vom 4. und 5. aus Lüttich, und vom 6. aus St. Tron, daß er durch einen feindlichen Angriff auf die Vorposten und die Observations-Armee an der Roer genöthiget worden sey, die Belagerung von Mastricht aufzuheben, und sich nach Tongres, und als auch dieser Ort von den Feinden eingenommen worden, nach St. Tron zurükzuziehen. General Valence bestätiget dieses und daß er sich mit dem General Miranda vereiniget habe. Darcon berichtet der Einnahm von Gertrüidenberg.

In eben dieser Seßion fand sich auch la Croix ein; einer von den Commissarien des N. Convents in Belgien, und stattete von den neulichen unglüklichen Ereignissen mündlichen Bericht ab, den er anfänglich nur dem Committe vom allgemeinen Defensions-Wesen vorlegen wolte, aber auf ausdrükliches Verlangen des N. Convents demselben mittheilen muste. Er fieng seinen Rapport damit an, daß er die vom Kriegs-Minister ertheilten Nachrichten eines Mangels an genauer Richtigkeit beschuldigte; dieser aber rechtfertigte sich hernach durch Vorlegung der von den Generalen erhaltenen Briefe. Der mündliche Bericht von Lacroix stimmte übrigens in der Hauptsache mit den bereits ertheilten Nachrichten überein; nur sieht er die Vereinigung der Generalen Miranda und Valence nicht, wie der Kriegs-Minister, für vortheilhaft, sondern mehr für nachtheilig an, weil durch des erstern Marsch nach St. Tron die Stadt Lüttich dem Feind Preis gegeben worden. Indessen sey die Kriegs-Casse, der gröste Theil des Feldgeräths und was sonst von Werth ist gegenwärtig auf dem Weg nach Valenciennes. Zwey von den Commissarien in Belgien haben sich in die nördlichen Departements begeben, um die dortigen National Freywilligen zu schleuniger Verstärkung der belgischen Armee aufzufordern; wie denn überhaupt eine neue Anstrengung der Kräften von Seite der Nation nöthig sey, um die Freiheit der mit ihr vereinigten Völker zu behaupten. -- Zufolg aller dieser Nachrichten wurde dekretiert, daß in alle Sektionen von Paris und in alle Departements Commissarien abgeschikt werden sollen, um die Rekrutierung zu beschleunigen. -- Bey dieser Gelegenheit wurde auch vorgeschlagen, das Sicherheits-Committe zum gerichtlichen Verfahren gegen alle Verfasser periodischer Blätter zu autorisieren, welche, wie man es nennt, die Meinung des Publikums irre führen. Man verwarf zwar nach lange daurenden Debatten diesen Vorschlag als gegen die Pressfreyheit streittend; aber was das N. Convent nicht dekretieren wolte, das hat man sich ohne sein Dekret erlaubt. Denn in der vorgestrigen Seßion wurde dem Presidenten schriftlich berichtet: daß 200. mit Säbeln und Pistolen bewafnete in das Haus des Bürgers Gorsas eingedrungen seyen und seine Buchdrukerey nebst seinen übrigen Mobilien zertrümmert haben; er selbst habe sich mit einer Pistole in der Hand aus den Armen seiner Frau mit Mühe geflüchtet. Weil Gorsas ein Mitglied des N. Convents ist, so wurde bey diesem Anlaß dekretiert: daß alle Mitglieder desselben, welche Journals heraus geben, für die Zukunft zwischen der Qualität eines Journalisten und eines Representanten der Nation wählen, und nicht beydes zugleich seyn sollen: Uebrigens soll der Maire über diesen Vorfall vernommen werden. Dieser bestätigte dann denselben in der gestrigen Seßion, und fügte noch bey, daß die Buchdrukerey des Garnery, welcher die Chronik herausgiebt, ebenfalls auf eine gewaltsame Weise zerstört worden sey.

Die unglücklichen Begebenheiten bey Aachen werden nun dem unter einen Theil der Staabs-Officiers noch herrschenden Aristokratismus, und besonders den beyden Generalen Steengen und Lanue, als Chefs der dort postiert gewesenen Avantgarde, schuld gegeben, und es ist deßwegen gestern dekretiert worden, daß sie in Verhaft genommen, ihre Papiere versiegelt, und dem N. Convent vorgelegt werden sollen.

In der vorgestrigen Seßion that der Kriegs-Minister dem N. Convent die Anzeige, daß der General Biron, welcher die Truppen in Piemont kommandiert, am 28. Februar Vortheile über die dortigen Feinde erfochten habe, und daß dieser General im Begriff sey, sich nach Toulon zu begeben, um sich dort mit dem Contre-Admiral Trügüet zu unterreden, welcher mit der zu der Unternehmung gegen Sardinien gebrauchten Flotte dahin zurükkehre; weil, wie es scheine, die Schiffe derselben sich in einem schlimmen Zustand befinden, und jene Unternehmung keinen glüklichen Erfolg gehabt habe.

Paris, vom 15 Merz. [11]

Als kürzlich die Commissarien des N. Convents in den Sektionen die Bürger zur Rekrutierung der Armee in Belgien auffoderten, äusserten einige Sektionen Besorgniß in Ansehung der Sicherheit in Paris, wenn viele seiner Einwohner diese Stadt verlassen sollten, und verlangten die Errichtung eines "Tribunal-Revolutionnaire" zu schleuniger Bestraffung der Unruhstifter. Um ihrem Verlangen zu entsprechen, ist wircklich in der Seßion am 10. ein solches unter dem Namen eines ausserordentlichen Criminal-Tribunals errichtet worden, von welchem keine Appellazion und kein Rekurs an die Cassation statt finden soll.

Der Kriegs-Minister, Bournonville, hat bey dem N. Convent um die Entlassung von seiner Minister-Stelle, die er seit nicht langer Zeit verwaltete, angesucht. Man hat zwar seinem Ansuchen insofern entsprochen, daß man gestern zu einer neuen Wahl schritt; aber er ist bey derselben neuerdings zum Kriegs-Minister, und zugleich Garat zum Minister der Innern Angelegenheiten gewehlt worden. Beyde werden sich nun erklären, ob sie die ihnen aufgetragenen Stellen annehmen wollen.

Als in der Seßion am 12. die Sektion Poissonniere dem N. Convent ihre neuangeworbenen Rekruten vorstellte, so verlangte der President dieser Sektion ein Akkusations-Dekret gegen dem General Dümourier, und zwar, wie er sagte, zufolg eines Schlusses dieser Sektion. Sein Vorschlag wurde mit allgemeinen Unwillen aufgenohmen, und dekretiert, daß das Protokol dieser Seßion an den General Dümourier überschickt werden soll. -- Dieser Befehlshaber hat das Commando von der Armee in Holland für eine Zeitlang einem andern überlassen und befindet sich gegenwärtig an der Spitz derjenigen Armee, welche Miranda und Valence kommandierten.

Nach einem vorgestern durch den Minister vom Seewesen abgestatteten Bericht haben die Insuln Martinique und Guadaluppe die Autorität von Frankreich anerkannt; die dreyfarbigte Flagge wehet gegenwärtig auf den Forts dieser beyden Insuln und die Revolutionsgegner haben die Flucht genommen. -- In einem aus Toulon datierten Schreiben giebt der Contre-Admiral Trüguet die mißlungene Unternehmung auf Sardinien den Landungs-Truppen schuld, welche die See-Soldaten nicht unterstüzt, den Gehorsam gegen die Disziplin bey Seite gesezt, und selbst auf einander geschossen haben. -- Aehnliche Klagen führen auch die Commissarien in Belgien über einen Theil der Truppen bey der dortigen Armee, deren Haupt-Quartier am 8. dieses in Tirlemont war. -- In der gestrigen Seßion wurde dem N. Convent angezeigt, daß in Rennes, Lamballe und St. Malo 28. Mitglieder einer Verschwörung arrettiert worden seyen, welche zur Absicht hatten, in Frankreich alles bisher angeordnete übern Hauffen zu werffen.

Paris, vom 18. Merz. [12]

Die beyden neugewählten Minister, Garat und Bournonville, haben die ihnen aufgetragenen Stellen angenohmen; doch hat der leztere zugleich dem N. Convent die Anzeige gethan, daß er noch immer willens sey bey völliger Eröfnung des Feldzugs, daß heißt, im Anfang des künftigen Monats zu der Armee zurückzukehren, und indessen in seinem Ministerial-Departement solche weitere Einrichtungen zu machen, daß sich desto leichter jemand werde finden lassen, der sich entschliesse, sein Nachfolger zu seyn.

In der vorgestrigen Seßion wurde dekretiert, daß das berühmte Etablissement zu St. Cyr, welches Ludwig 14. auf Angeben der Frau von Maintenon für die weilblichen Adel angelegt hatte, aufgehoben werden soll. -- In eben dieser Seßion erschienen zwey Deputierte der Munizipalität von Nantes vor dem N. Convent, und verlangten aus dem offentlichen Schaz einen Vorschuß von einer Million und 800,000. Liv. um Getraid zu kauffen, weil es sonst innerhalb 8. Tagen der Stadt Nantes an den nothwendigsten Lebens-Mitteln mangeln, und man nicht im Stand seyn würde, die von dem Minister des See-Wesens zur Verproviantierung der Flotte geschlossenen Käuffe zu halten. Die Sache wurde an das Finanz-Committe gewiesen.

Die Commissarien des N. Convents im niederrheinischen Departement hatten kürzlich einige dortige Beamtete, besonders in Straßburg, ihrer Stellen entsezt und aus dem Departement verwiesen. Diese sind nun in der gestrigen Seßion vor dem N. Convent erschienen, um sich über diese unbillige Behandlung zu beklagen. Es wurde dekretiert, daß die Verweisung derselben für ungültig erklährt seye, den Commissarien ihre Vollmacht wieder genohmen, und sie selbst zurück beruffen werden sollen. In eben dieser Seßion wurde dem N. Convent von dem Presidenten und den Administratoren des Postwesens schriftlich angezeigt, daß die Post von Nantes nun schon seit drey Posttagen ausgeblieben sey, ohne daß man eine Ursache dieses Ausbleibens wisse. Das N. Convent trug sogleich dem vollziehenden Staats-Rath durch ein Dekret auf, unverzüglich ausserordentliche Kuriers abzufertigen, um sich nach den Ursachen dieser Verzögerung zu erkundigen.

Immer noch werden Anschlags-Zeddul, die zur Absicht haben, Unruhe zu erwecken, offentlich angeheftet. Erst noch vorgestern wurden durch einen solchen alle gutgesinnte Bürger aufgefodert, sich gegen die Jakobiner zu empören. In einem andern stand: der Maire sey ein Ungeheur; man müsse das N. Convent, das General-Conseil und die Munizipalität massakrieren.

Paris, vom 22. Merz. [13]

Das N. Convent war in der Seßion am 19. durch ein von dem Kriegsminister ihm mitgetheiltes Schreiben des General Dümourier aus Tirlemont vom 16. dieses benachrichtiget worden, daß er sich eben an diesem Tag von Tirlemont, welches die Oesterreichischen Truppen am 15. eingenommen hatten, wieder bemächtiget und als eine Folge davon noch andere Vortheile über den Feind davon getragen habe. Aber in der gestrigen Seßion kommunizierte der Kriegs-Minister dem N. Convent abermahl ein neuerdings von dem General Dümourier erhaltenes Schreiben vom 19, welches von einem weniger erfreulichen Innhalt war und so lautete: --

"Mit grosser Betrübniß gebe ich ihnen Nachricht von dem unglüklichen Verlust, den ich erlitten habe, und wodurch die in meinem gestrigen Schreiben geäusserte Besorgniß nur allzusehr gerechtfertiget worden ist. Auf die Nachricht, daß Namür in Gefahr sey und daß ein feindliches Corps von 10,000. Mann gegen Brüssel und Löwen anrückte, sah ich kein anderes Rettungsmittel, als wenn ich den Feind aus seinem Lager bey Neerwinde vertreiben könnte; ich machte deswegen den Plan, ihn auf dem linken Flügel anzugreiffen. Die Division des Centrums griff wircklich bey genanntem Dorf an, und der linke Flügel, welchen Miranda und Champmorin kommandierten, bey einem andern. Der rechte Flügel und das Centrum gewannen einige Vortheile, ungeachtet die Infanterie zweymahl weichen mußte und aus Neerwinden vertrieben wurde; der Angriff meines linken Flügels lief unglüklich ab; der Rükzug geschah in Unordnung bis hinter Tirlemont, und vielleicht noch weiter, der Marschall de Camp, Miklin, welcher die Artillerie kommandierte, ist geblieben und zween General-Officiers sind verwundet worden. Wir haben bey diesem Rückzug, oder vielmehr auf dieser Flucht, viel Volk verlohren, nebst einigen Kanonen, worunter 3. Zwölfpfünder sind. Ich wuste nichts von dieser Niederlage, und war willens, am folgenden Tag wieder anzugreiffen, um den Sieg vollständig zu machen, als ich unruhig darüber, daß ich keine Nachricht vom General Miranda erhielt, und sagen hörte, daß er sich zurükziehe, gegen Tages-Anbruch den siegenden Theil meiner Armee verließ, um von dem linken Flügel Nachricht einzuziehen. Ich verwunderte mich, als ich bis nach Tirlemont kam, ohne das Corps d'Armee anzutreffen. Ich gab dem General Miranda Befehl, seinen Posten auf den Anhöhen bey St. Margaretha wieder zu besezen, um den Rükzug zu deken. Ich überschikte ihnen hiebey zugleich einen Brief vom General Valence, welcher verwundet worden ist, und sich nach Brüssel begeben hat. Ich werde das Lager bey Löwen wieder beziehen, um Brüssel und Mecheln zu sichern, und dort Succurs erwarten. Seyn sie versichert, daß das Uebel und die Unordnung aufs höchste gestiegen ist. Ich befürchte unglükliche Folgen von diesem Rükzug in einem Land, dessen Einwohner wir durch Plündern und Hindanse_ung aller Disciplin gegen uns aufgebracht haben. Ich werde alles möglich thun, um die Armee zu retten, die viel Zutrauen zu mir gezeigt hat. Ich beruffe mich auf das Urtheil derselben; ich werde mich bereitwillig der strengsten Untersuchung unterziehen, und selbst einen Kriegsrath verlangen, um über mein Betragen zu urtheilen: Glüklich genug, wenn die Aufopferung meines Lebens der Freiheit nüzlich seyn kann! Ich mag es im Gefecht für mein Vatterland, oder durch seinen Urtheilsspruch verliehren; so fürchte mich weder vor dem Urtheil meiner Mitbürger, noch vor dem Urtheil der Nachwelt. -- Sie können leicht denken, daß unser Verlust beträchtlich seyn muß; ich schäze ihn auf 2000. Mann. Ich muß den tapfersten Soldaten in der Welt Gerechtigkeit wiederfahren lassen; aber es mangelt ihnen an Officieren, und besonders an erfahrnen Officieren. Ich möchte wohl die Wiederabschaffung der eingeführten Art ihrer Wahl vorschlagen; die Wahl ertheilt keine Talente, gebietet kein Zutrauen, bringt keine Subordination zu stand."

Dümourier.

General Valence sagt in seinem oben erwähnten Schreiben an Dümourier: Nachdem die Infanterie zweymahl zurückgeschlagen worden, habe er selbst an der Spize der Cavallerie angegriffen, sey in die Feinde eingedrungen, und habe 3. Säbelhiebe in den Kopf bekommen, von deren einem, den man aber doch nicht für tödlich halte die Haut ihm über die Augen herunter gehangen. Er gehe nun nach Brüssel: u. s. w.

Mit diesen unangenehmen Nachrichten von aussenher, lieffen auch zugleich verschiedene Berichte von Vorfällen in dem Innern der Republik, und zwar aus mehrern Departements ein, welche befürchten lassen, daß es wohl nächstens zu einem Bürger-Krieg kommen dörfte, der durch die auswärtigen nachtheiligen Ereignisse mehr befördert, als gehindert werden müste. -- Hier ist in der Kürze das Wesentlichste von dem, was diese noch nicht ganz umständlichen und zuverlässigen Nachrichten darüber melden.

Aus Orleans berichten die dortigen Commissarien des N. Convents unterm 16. dieses: Einer von ihnen sey selbst auf dem Stadthaus mißhandelt worden, und in Lebensgefahr gewesen, ohne daß die eben versammelte Munizipalität die Sache zu hindern gesucht habe. Es sey daselbst völlig zu einer Gegen-Revoluzion gekommen, und die kleine An_ahl der Patrioten dörfe den Mund nicht aufthun. -- Noch bedenklicher lauter das Schreiben eines Commissars im Departement der Niedern-Loire, in Bretagne, vom 15. welcher berichtet; ein fürchterlicher Aufstand richte daselbst grosse Verwüstungen an, und sie habe sich bereits in das benachbarte Departement de la Veudee verbreitet. Die Brücken auf der Landstrasse nach Nantes seyen alle abgebrochen, und die Rebellen kommen mit grosser Macht zum Vorschein. Es sey am 5. zwischen ihnen und den National-Garden von Fontenay ein sehr hiziges Gefecht, und zwar mit grossem Verlust der leztern vorgefallen, und von den erstern die Stadt Chantonnay eingenommen und verwüstet worden. Der General Marce habe sich vermittelst eines forzierten Marsches mit 1200. Mann von Rochefort und la Rochelle nach St. Hermand begeben, um dem Feind Einhalt zu thun, dem man wirklich eine ansehnliche Macht entgegen sezen müsse, weil die seinige aus mehrern Corps bestehe_; wie dem dasjenige, welches am 15. die National-Truppen angegriffen und zurükgeschlagen habe, bey 3000. Mann stark gewesen sey. Die Feinde haben erfahrne Anführer, und gehen bey ihren Unternehmungen mit vieler Geschicklichkeit zu werk. Alle Communikazion mit dem Departement von Nieder-Loire sey gänzlich unterbrochen, und man wisse nicht, wie gegenwärtig der Zustand daselbst beschaffen sey. Die Chefs der rebellischen Armee heissen Gaston und Verteuil. Den leztern Namen führt auch einer von den dortigen Befehlshabern der National-Truppen, welcher in einem Schreiben aus la Rochelle an den Kriegs-Minister diese Nachrichten ebenfalls bestätiget hat, mit dem Beyfügen, daß der Aufruhr sich bereits in die Departements von der Loire, von Mayenne und Loire, und von Morbihan, die alle zu dem ehemaligen Bretagne gehören, verbreitet habe. -- Aus dem Departement de l'Eüre in der Normandie wird berichtet: daß es auch dort sehr unruhig zugehe. Bey Gelegenheit der Rekrutierung habe man den Freyheits-Baum in Evreux, dem Haupt-Ort des Departements, verbrennen, mit Gewalt in den Versammlungs-Ort der Munizipalität eindringen, und die Wiederruffung der Verordnung erzwingen wollen, welche das von dieser Stadt zu liefernde Truppen-Contingent bestimmt. Man habe die Dekrete des N. Convents und besonders Isnards mit so viel Beredsamkeit abgefaßte Addresse nicht wollen verlesen hören, und selbst in der Haupt-Kirche handgemein worden, wo sich die Bürger versammelt hatten, um sich über die Mittel zu berathen, wie die Rekrutierung zu stand zu bringen sey. Endlich nach sehr tumultuarische Debatten sey durch die Stimmenmehrheit beschlossen worden, daß die gefoderte Anzahl der Rekruten, welche man für die Bevölkerung der Stadt zu starck befunden hatte, durch das Loos bestimmt werden soll. -- In einem Schreiben der Administratoren des Departements von Mayenne und Loire aus dem Haupt-Ort desselben, Angers, vom 17. dieses heißt es unter anderm: der ganze Distrikt von St. Florent sey von den Rebellen ruiniert, alle Papiere nebst der Kasse weggenohmen, und die Patrioten von einem Haufen Aufrührer verjagt oder ermordet worden. Während der Verwüstung von St. Florent überfiel einer von diesen Haufen die Stadt Chemille, welche bald das gleiche Schicksal hatte; Cholet, der Haupt-Ort des Distrikts, welches durch die Manufakturen und Handlung reich geworden, wiedersezte sich zwar lebhaft, mußte aber auch unterliegen. Eine andere oder vielleicht die gleiche Rotte, geht auf Vihier los. Gestern Mittags kam es wieder zu einem für die Patrioten unglückl. Angrif; Vihier wurde geplündert, nachdem man zum Glück noch vorher die Kasse nach Saumür transportiert hatte; aber ein Haufe Aufrührer rückt nun auch gegen diese Stadt an. Ancenis ist seit 8. Tagen bloquiert, ohne das man diesem Ort von Nantes auf zu Hülf kommen kan, weil der Weg von einer Stadt zur andern durch eine furchtbare Horde der Rebellen gesperrt ist. Diese tragen die weisse Cokarde, und wollen einen König und ihre Priester wieder haben. -- So sieht es in einigen nördlichen Departements aus. Aber auch an andern Orten hat sich seit einiger Zeit mancherley Unruhe geäussert; zum Exempel in Grenoble war am 4ten dieses eine Gährung, wobey man die Lebens-Mittel zum Vorwand brauchte; am gleichen Tag ereignete sich ein Aufstand in Dünkirchen, wo die Arbeiter auf eine ungestümme Art eine Erhöhung ihres Lohne foderten; in Angouleme versammelten sich bey 150 Personen vor der Stadt, und schwuren, sich nicht abwerben zu lassen, jeden tod zu schlagen, der diesen Eid breche und sich in der Nacht der Kanonen und des Pulvers zu bemächtigen; in Clermont-Ferrand hatte die gleiche Absicht, und in Bourdeaux entstand am gleichen Tag ebenfalls ein Auflauf, bey welchen die Thüren des Stadthauses mit Gewalt aufgesprengt u. die Fenster eingeworffen wurde: in Nantes sollen bey einem heftigen Aufstand viele Leute umgekommen seyn; man weißt aber noch keine genauern Umstände davon. Manuel ist in Montargis, seinem Geburts-Ort, wohin er sich nach Niederlegung seiner Stelle im N. Convent begeben hatte, bey einem dortigen Volcks-Aufstand, zwar nicht wircklich umgebracht, aber doch übel mißhandelt; und nur vermittelst seiner Verhaftnehmung nach vielen empfangenen Wunden vom Tod gerettet worden. -- Bey Vergleichung aller dieser von verschiedenen Orten eingelauffenen Nachrichten kan man beynahe nicht daran zweifeln, daß ein Complot, der eine Gegen-Revolution zur Absicht hat, in mehrern Theilen der Republick statt finde; diese Nachrichten haben auch von Seite des N. Convents einige sehr scharfe Dekrete gegen alle Unruhstifter und Emigrierten, die ins Land zurückgekommen seyn sollten, veranlaßt.

Paris, vom 28. Merz. [14]

Die neulichen Nachrichten von den bedencklichen Umständen in einigen, besonders nördlichen Departements der Französischen Republick, werden ohne Zweifel die Aufmercksamkeit des Publikums erregt haben, daß man begierig seyn wird, etwas weiters davon zu hören. Ein paar Schreiben, welche darüber an das N. Convent eingelauffen sind, geben davon einige Nachricht. In einem aus St. Armand vom 19. dieses von den Com'issarien welche in die an der Küste gelegenen Departement abgeschickt worden, wird unter anderm berichtet: Die Revolutions-Gegner haben am 18. zwischen Chantonnay und St. Vincent die Truppen der Republick unter dem General Marce, welche aus 1300. Mann bestanden, angegriffen, seyen aber mit Verlust von 100. Todten von denselben in die Flucht geschlagen worden; der ebengenannte General, welcher eine Verstärkung von 1000 Mann erhalten, werde sie nun bis vor die Thore von Nantes verfolgen, zwischen welcher Stadt und la Rochelle die Communikation noch immer unterbrochen sey. Indessen scheine die Verschwörung sich sehr weit auszubreiten, und die Anzahl derer, welche Theil daran haben, sehr groß zu seyn.

Noch bedenklicher lautet nachfolgendes Schreiben der Administrierenden Corps in Nantes ebenfalls vom 19ten, an das N. C., welches gestern in demselben verlesen worden: "Bürger und Gesezgeber! aus einer belagerten Stadt, mitten in einem Departement wo der Bürgerkrieg ausgebrochen ist, lassen wir unsere klagende Stimme hören. Die umständliche Beschreibung unseres unglüklichen Zustandes würde zu weitläuffig seyn; auch würde unsere Betrübniß und unsere Geschäfte uns nicht erlauben, uns in dieselbe einzulassen. Die Stadt Nantes ist allein noch frey; das ganze übrige Departement ist in der Gewalt der Rebellen: Ihre Anzahl ist so groß, daß wir dieselbe wohl zu klein angeben würden, wenn wir sagten, sie belauffe sich in einem Umkreis von 3 Stunden auf 40000 Mann. Wenn wir ihnen wiederstehen, wenn wir der Gegenrevolution entgehen, so werden wir es nur unsern Nationalgarden zu verdanken haben. Sie, wir sagen es zum voraus, wird das Departement gerettet haben. Jzt existiert das Departement von Nieder-Loire noch; aber wenn ihr uns nicht zu Hülfe kommt, so werdet ihr mit Betrübniß vernehmen, daß es nicht mehr vorhanden sey; Es ist nicht blos ein zufälliger Aufstand; es ist ein grosser Plan zu einer Gegenrevolution, dessen Mittelpunkt und Keim man gut gefunden, in einem an der Küste gelegenen Departement anzulege', welches eins der schwärmerischte' ist. Es ist ein Plan, dessen Grundlage und Operationen von langem her verabredet und mit Ueberlegung veranstalltet worden sind. Glaubet nicht, daß der Schreken uns diese Sprache diktiere. Wir sind mitten in der Gefahr ruhig und kaltblütig. Wir legen euch unser ganzes Unglük vor, damit ihr demselben abhelfet. Nur keine halbe Maasregeln, keine Verzögerung. Wir wollen bis in den Tod auf unserm Posten bleiben. Die Administratoren des Distrikts haben ihren Eid erfüllt, und ihr Tod ist glorreich. Unser lezte Seufzer wird für die Freiheit seyn, und unser lezter Ausruf: Es lebe die Freiheit!"

Diesem Schreiben waren beygelegt: 1. Abschriften der Proposizionen, welche Gaudin Perriais, der Chef der Aufrührer, am 14. dieses im Namen von 20. Kirchspielen gethan hat, welche zufolg eines getroffenen Vergleichs mit den übrigen Bürgern des Departements verlangen: es soll niemals Miliz aus ihnen gezogen, von dem Landleuten niemals anders, als mit ihrer Bewilligung und für Bezahlung Pferdte genommen, die Auflagen nicht anders als nach der eigenen Schäzung der Commünes, nicht aber nach den willkuhrlichen Verordnungen der Direktorien angesezt werden; die Direktorien sollen sich niemals an der Freiheit der Bürger vergreiffen, dadurch daß sie eine bewafnete Macht gegen sie marschieren lassen, als welche mir zufolg der Befehle der Tribunale und Friedens-Richter marschieren soll; die Freiheit des Gottesdienstes soll beybehalten werden; alle Nicht-geschwornen Priester sollen alle die Ruhe, die ihnen das Gesez zusichert, geniessen; die Kirchen sollen ihnen zur Verrichtung ihres Amts geöfnet werden; jeder soll seinen Pfarrer bezahlen und nach seinem Belieben wählen dörfen; die Primar-Versammlungen sollen zusammen berufen werden, aber die Priester, welche die Constitution beschworen, keine Stimme in denselben haben können. -- Ferner war obigem Schreiben beygelegt: Eine Proklamazion des Direktoriums vom Departement der Nieder-Loire an die Bürger und National-Garden von Nantes, wodurch sie aufgefordert werden alle ihre Kräften zu vereinigen und sich mit der Administration zu verbinden; Und endlich befand sich bey dem Schreiben auch eine Verordnung des Direktoriums, welcher zufolg ein Kriegs-Gericht jedes Truppen-Detaschement begleiten, und die mit den Waafen in der Hand gefangenen Rebellen auf der Stelle und sogleich nach der im Gesez gegen die Emigrierten festgesezten Form richten und verurtheilen soll.

Von dem obenerwähnten, zwischen dem Corps des General Marce und den Revolutions-Gegnern am 18. vorgefallenen Gefecht ertheilt ein Schreiben des General-Lieutenant Verteuil aus la Rochelle vom 21. an den Kriegs-Minister einen weniger vortheilhaften Bericht, als das obige Schreiben der National-Commissarien davon gab. Er meldet unter anderm:

Die Commissarien des N. Convents seyen am 20. nach la Rochelle zurückgekommen, und haben die schon vorher bekannt gewordene Nachricht bestätiget, daß die Armee des General Marce eine Niederlage erlitten habe, wobey man den auf unserer Seite erlittenen Verlust noch nicht genau bestimmen könne, und nach welcher die geschlagenen Truppen sich noch nicht wieder versammelt haben, ungeachtet aller von Seit der Commissarien angewendeten Bemühungen und Vorstellungen, um die weitere Ausbreitung des Schreckens zu verhindern. Die Umstände sind folgende: Der General Marce sey am 18. Nachmittags von Chantonnay aus und gegen St. Fülgent marschiert mit einem Corps von 2400. Mann und 9. Feld-Stücken. Abends um 4. Uhr sey man den Feind auf einer Anhöhe ansichtig geworden; unsere Armee habe sich in einer Vertieffung und in einer nachtheiligen Stellung befunden. Ungefehr um 6. Ihr habe der General Marce den Angriff gethan, das Gefecht habe ohne Ordnung und erfoderliche Dispositionen bey drey Stunden gedauert; 4. commandierende Officiers von den unsrigen haben durch ihren Muth und durch ihre Bemühungen bey der fast allgemeinen Flucht die Artillerie und den Ueberrest der Armee die sich gegenwärtig in Marans befinde, noch gerettet. Dem General Ma[rce sey von den National-Commissarien das Commando genohmen, und derselbe sogleich nach seiner Ankunft in la Rochelle in Verhaft gebracht worden. -- Diese Nachricht haben auch Deputirte aus dem Departement de la Vendee bestätiget, welche in der vorgestrigen Seßion vor dem N. Convent erschienen sind; mit dem beyfügen; die Revolutions Gegner haben nach dem erfochtenen Vortheil sich von mehr als 15. Stunden Landes bemächtiget, und seyen gegenwärtig Meister von 4. Distrikten. -- Zu einiger Beruhigung nach allen diesen unangenehmen Berichten gereichte dem N. Convent ein ebenfalls in der vorgestrigen Seßion verlesenes Partikular-Schreiben aus Ancenis vom 22., worinn gemeldet wird: die National-Garde von Nantes und den benachbarten Commünen, welche sich daselbst vereiniget, haben in 3. Colonnen einen Ausfall gethan; die Belagerer seyen zurückgetrieben und 60. von ihnen getödtet worden. Man habe sie bis in ihr Haupt-Quartier verfolgt. Ihr Anführer habe zu kapitulieren verlangt, und als Bedingung die Wiederherstellung der Privilegien und der Königl. Regierung vorgeschlagen; der Commandant der Patrioten-Armee habe ihm aber geantwortet, man kapituliere nicht mit Rebellen. Nunmehr haben die Chefs der Revolutions-Gegner sich nicht mehr sicher geglaubt; sich deswegen zu Schiff begeben und die Flucht genohmen; man habe nach ihnen geschossen, wodurch, wie man vermuthe, viele von ihnen ums Leben gekommen seyen. Es wird sich nun zeigen, ob dieser Bericht eines Partikular-Briefes sich bestätiget. -- Hier ist indessen noch eine nicht angenehm lautende Nachricht aus Rennes, im Departement von Isle und Villaine, ebenfalls in Bretagne, vom 19. dieses Monats; -- "Unsere unglückliche Stadt, die bisher von innerlichen Zwistigkeiten zerrüttet wurde, ist nun auch im Begriff, eine Beute der Räuber und Insurgenten zu werden, welche uns umringen, bereits vor unsern Thoren sind, und schon viele von den unsrigen ihrer Wuth aufgeopfert haben. Wir wissen, wenn wir des Morgens aufstehen nicht, ob wir am Abend noch am Leben seyn werden. Die ganze Stadt ist immer unter den Waafen, und alle Werckstädte sind geschlossen. Alle Augenblicke wird Lärm geschlagen; wir müssen nach allen Seiten Detaschements ausschicken, um die bewafneten Corps aus einander zu jagen, und zu verhindern, daß sie nicht auf die Stadt losgehen. Schon seit 12. Tagen ist die Post von Nantes ausgeblieben: Ein diesen Vormittag hier angekommener Reisender hat die Nachricht mitgebracht, daß ein blutiges Gefecht vorgegangen sey, wobey die Insurgenten viele von unsern Leuten niedergemacht haben; ihre Artillerie war sehr gut bedient. So eben vernimmt man von Dinan (einer Stadt im Departement des Cotes dü Nord am Canal, daß auch dort ein Aufstand sich ereignet habe. Wir können es nicht länger aushalten; wenn wir nicht eine ansehnliche Unterstüzung erhalten, so werden wir unmöglich länger wiederstehen können; denn ungeachtet wir fast überall obgesieget, so sind viele von uns verwundet; 8. bis 10. Detaschements, die nach verschiedenen Seiten ausgeschickt werden mußten, haben die Anzahl der Mannschaft in der Stadt sehr vermindert; und doch haben wir sehr viel zu befürchten." -- Dieses Schreiben war vom Presidenten des Departements, vom Vice-Presidenten des Distrikts und vom Maire von Rennes unterschrieben.

JeanDebry BMB

Nicht weniger als diese Nachrichten beunruhigte das N. Convent eine schon in der Seßion am 21. von dem Presidenten (gegenwärtig ist es Jeann Debry) verlesene Addresse, welche von der Gesellschaft der Freyheits und Gleichheits-Freunde in Marseille an das N. Convent eingeschickt worden. Man wird aus dem Ton dieser Addresse leicht schliessen können, was für eine Sensation sie haben machen müssen. So lautete sie::

"Treulose Representanten, die ihr für die Appellation ans Volk eure Stimme gabet; (nemlich im Prozes des unglüklichen Königes) euere Treulosigkeit ist nun aufs höchste gestiegen. Nur allzulang habet ihr die ehrenvolle Stelle, deren ihr unwürdig seyd bekleidet, und ihr behaltet dieselbe blos in der sträflichen Hofnung, die Republik noch in ihrem ersten Ursprung zu Grund zu richten. Aber vergebens erwartet ihr den günstigen Erfolg euerer geheimen Unternehmungen und euers schändlichen Verständnisses mit den gegen uns verschwornen Tyrannen. Die zufälligen Unglüksfälle, die wir nur euerer Verrätherey zuschreiben müssen, werden den Verräthern ihr Grab zubereiten; in unsere republikanis. Seelen haben sie den männliche Thätigkeit eines Volks aufgewekt, welches frey seyn will. Fliehet aus dem geweihten Versam'lungsort, den ihr schon oft mit euerm unreinen Athem beflekt habet, überlasset es den Freunden des Volks, sein Glük zu Stand zu bringen. Die Sektionen, die administrierenden Corps, die Volksversammlung, die ganze Küste von Marseille deklariert euch, daß ihr das Zutrauen derselben verlohren habet, und daß sie auch nicht mehr für ihre Representanten erkennen. Sie können keinen heilsamen Gebrauch von ihrem Antheil an dem Souveränitäts-Recht machen, als wenn sie euch befehlen, euch zu entfernen; wir erkennen kein anderes N. C. als denjenigen Theil desselben, der unsere Freiheit schüzt und mit uns das Vatterland retten soll. (Nemlich die sogenannte Montagne, oder die Representanten, welche auf der rechten Seite in der Versammlung ihren Siz haben.) Fliehet, ihr nichtswürdigen und meineidigen Representanten, oder befürchtet, das Rachschwerdt eines republikanischen Volks, welches sich zum drittenmal aufmacht, und in der Vertheidigung seiner Rechte zu Leben oder zu Sterben schwört, werde euch zuerst treffen."

-- Beym verlesen dieser Addresse liessen sich am End der linken Seite des Versammlungs-Saales und auf den Galerien einige Beyfallsbezeugungen hören; hingegen äusserte sich die Misbilligung der entgegen gesezten Seite durch ein gewaltiges Getümmel; besonders als man vernahm, daß alle Sektionen und administrierenden Corps von Marseille diese Addresse genehmiget haben; daß ein Paar Sektionen noch besonders für sich der Meinung gewesen, keine Dekrete des N. C. als Geseze anzuerkennen, an deren Abfassung diejenigen seiner Mitglieder Antheil gehabt, welche ihre Stimme im Prozeß gegen den König für die Appellation an das Volk gegeben haben; daß andere Sektionen die Pariser auffodern, dergleichen Mitglieder des N. C. in Verhaft zu nehmen, um an ihre Departements ausgeliefert zu werden, und daß auch eine der Sektionen verlangt habe, man soll alle Minister wegjagen. Der Deputierte Lasource, welcher diese Zusäze zu der Addresse, die man, wie es scheint, hatte verschweigen wollen, bekannt machte, möchte wohl nicht so ganz Unrecht haben, wenn er behauptete: diese Addresse der Marseillaner, so sehr sie auch jener vorhin erwähnten Vorfällen in den nördliche' Departements beym ersten Anblik gerade entgegengesezt scheint, soll im Grund ein Mittel zur Beförderung der gleichen Absicht einer Gegenrevolution seyn. Auf seinen Vorschlag wurde durch ein Dekret des N. Conv. die Addresse misbilliget und kaßiert, so wie auch die Schlüsse und Verordnungen der Sektionen und administrierenden Corps von Marseille, als Maasregeln, welche auf die Veranlassung eines bürgerlichen Krieges abzielen. Es ist jezt nur die Frage, wie dieses Dekret von denen, gegen die es abgefaßt worden, werde aufgenohmen, und was für eine Wirkung dasselbe haben werde. --

Paris, vom 29. Merz. [15]

Nach und nach lauffen bey dem N. Convent etwas beruhigendere Nachrichten ein in Ansehung der Gefahr, welcher besonders die zu der vormahligen Provinz Bretagne gehörigen Departements durch die von Revolutions-Gegnern veranlasten Bewegungen ausgesezt worden. Die National-Commissarien berichten unter anderm in ihrem Schreiben aus Rennes vom 22., daß die Revoltierenden von der dortigen National-Garde in verschiedenen Gefechten immer geschlagen und zerstreut worden seyen. Man habe viele von ihnen gefangen genommen, und darunter auch in Bauren verkleidete Priester, welche mit Hostien angefüllte blecherne Büchsen bey sich trugen, auch viele Domestiken von Emigrierten und Edelleuten. In einem zweiten Schreiben vom 23. sagen eben diese Commissarien, sie haben in Erfahrung gebracht, daß der vollziehende Staatsrath schon seit 3. Monaten von der nun ausgebrochenen Conspiration müsse unterrichtet gewesen seyn, ohne daß von seiner Seite das geringste veranstaltet worden, um dieselbe zu unterdrüken. Sie verlangen übrigens, so wie auch der General Labourdonnaye in einem Schreiben gethan hat, daß man ihnen von Paris aus 5000. Mann zu Hülf schicken soll, weil man sonst aus Mangel an Leuten nicht im stand seyn würde, die bereits erlangten Vortheile zu behaupten, und den Revoltierenden völligen Wiederstand zu thun. Die Gefahr sey immer groß genug; es sey nicht ein blosser einsmaliger Aufstand; fast alle Einwohner der Dörffer rüken in Ordnung gegen die Städte an, und verwüsten dieselben, 5. Departements seyen mit Bewafneten angefüllt; überal wehe die weisse Fahne und alles habe die weisse Cokarde aufgestekt. Die Absicht der entstandenen Bewegungen sey allem Anschein nach gewesen, eine Landung der Engelländer zu begünstigen; und nur die Zeit des Equinoktiums habe es ohne Zweifel gehindert, daß dieselbe noch nicht unternommen worden; man werde aber vermuthlich in kurzer Zeit den Versuch machen. -- Aus Nantes haben die dortigen Commissarien ebenfalls die bereits eingegangene Nachricht bestätiget, daß die dortigen National-Garde die Revoltierenden zurük geschlagen, und viele von ihnen erlegt habe; Ancenis, welches blokiert war, sey wieder frey, die National-Garden dieser beyden Städten haben sich mit einander vereiniget.

In der Seßion am 25. that Garnier, ein Mitglied von dem Sicherheits- und Aufsichts-Committe in dem N. Convent die Anzeige, daß gegenwärtig ein grosser Complot in Paris existiere, und daß es sehr nöthig sey, zur Vereitlung dess_lben, die Munizipalität und den General-Commandanten von der National-Garde in ihren Bemühungen zu unterstüzen, und das durch die Abreise vieler Commissarien geschwächte Sicherheits-Committe zu verstärken. Ein anderes Mitglied wiedersprach zwar dieser Anzeige von einem Complot; war aber doch auch der Meinung, daß die allgemeinen Umstände, eine wachsame Aufsicht mehr als jemals nöthig machen. -- Einer der vom N. Convent in die benachbarten Departements abgeschikten Commissarien hat demselben berichtet, daß man in Chantilly in einem Gewölb unter dem Stadthaus und in abgelegenen Zimmern des dortigen Schlosses viele dem Prinzen Conde zugehörigen Kostbarkeiten entdekt habe, deren Werth sich wohl auf eine Million Livres belaufen dörfte; unter anderm habe man auch viele Schriften gefunden und darunter Briefe von dem ehmaligen König, seiner Gemahlin und Schwester, von Necker, Calonne, der dü Barry und vielen andern noch lebenden Personen; die Beweggründe zu den im rothen Buch verzeichneten Ausgaben, die geheimen Plane von den Feldzügen des berühmten Prinzen von Conde, schriftliche Aufsäze von Ludwig XV., und verschiedene die Revoluzion betreffende Papiere.

In eben dieser Seßion hat der Kriegs-Minister den Presidenten schriftlich ersucht, er möchte dem N. Convent anzeigen, daß er von dem General Dümourier Briefe empfangen, und auch mit Genehmigung des vollziehenden Conseils bereits beantwortet habe. Jene Briefe und diese Antworten habe er dem General-Defensions-Committe mitgetheilt; sie betreffen die genommenen Maaßregeln zur Ausführung der Bewegung, welche gegenwärtig die Armee in Belgien vornehme, und ihr Innhalt könnte nicht wohl offentlich bekannt gemacht werden. Nur so viel lasse sich davon sagen, daß die Absicht dieser Bewegung sey, die Armee unsern Gränzen wieder näher zu bringen, um ihr eine feste Stellung zu geben, worinn man mit Erfolg an ihrer Wiederherstellung und an der Abstellung der in allen ihren Theilen eingerissenen und herrschenden Unordnung arbeiten könne. General Dümourier habe die Nothwendigkeit hievon eingesehen, und dieselbe dem Conseil vorgestellt. -- Diese Nachricht erregte Mißvergnügen in der Versammlung; so wohl durch ihren Innhalt, als durch ihre Unvollständigkeit. So viel ist indessen von dem Inhalt jener Depeschen vom General Dümourier bekannt geworden, daß derselbe Anstalten mache, Breda und Gertrüydenberg zu räumen, und von ganz Belgien nichts weiter in Besiz zu behalten, als Antwerpen, Tournay, Mons und Namür. Auch haben die Belgischen Commissarien unterm 26. dieses aus Lille berichtet, daß die fast gänzliche Räumung der Niederlande durch die Französische Armee sie genötiget habe, sich zusammen in diese Stadt zu begeben, wo sie für jzt bleiben wollen, um über die Operazionen der Armee die Aufsicht zu haben, und für ihre Bedürfnisse zu sorgen.

Der Kriegs-Minister hat dem General-Commandanten der hiesigen National-Garde zwey Briefe zugestellt, welche derselbe vorgestern der Commüne vorgelegt hat. In dem ersten berichtet Labarriere, Flügel-Adjutant, des General Flers, aus Antwerpen vom 19. dieses: Alle Gendarmes seyen desertiert, sie erregen überall, wo sie hinkommen Verdacht gegen die Generals, streuen den Saamen des Aufruhrs aus, und werden vermuthlich jezt gröstentheils in Paris angekommen seyn, um auch in den dortigen Sektionen Unruh und Verwirrung zu verbreiten. Der zweyte Brief ebenfalls vom 19. aus Ostende von dem dortigen Commandanten, Ferrat, führt gleichfalls Klagen über die Gendarmes; sie mißhandeln die Officiers und Freywilligen, reissen ihnen die Epauletten weg, sprechen von nichts als Morden und Mezeln, und sagen, sie erkennen keinen Obern über sich, sie seyen alle einander gleich, und sie wollen thun, was ihnen beliebe; man werde vielleicht nächstens die ganze Besazung gegen sie müssen zu den Waafen greiffen lassen; wenn man sie wolle arrettieren lassen, so verfolgen sie die Abgeschickten mit dem Säbel und der Pistole in der Hand.

In der vorgestrigen Seßion sind von Danton und Robespierre sehr heftige Reden über die gegenwärtigen Umstände und die zu nehmenden Maas-Regeln gehalten worden. Robespierre endigte seinen weitläufigen Vortrag damit, daß er ein Dekret in Vorschlag brachte, vermög dessen 1) Alle Anverwandten von Ludwig Capet innerhalb 8. Tagen das französische Gebiet und alle von den Truppen der Republick in Besiz genohmene Länder verlassen sollen; 2) soll Maria Antonia von Oesterreich unverzüglich vor das Revolutions-Tribunal gebracht und von demselben das Urtheil über sie gesprochen werden, als Mitschuldig an den Unternehmungen gegen die Freyheit und Sicherheit des Staats. Capets Sohn soll im Temple in Verhaft bleiben. -- Lamarque sezte sich diesem Vorschlag entgegen, als welchen weder die Gerechtigkeit erlaube, noch die Politick fodere. Am Ende schritt man zur Tages-Ordnung, ohne von demselben weiter Notiz zu nehmen, oder vielmehr wurde er durch eine fast einstimmige Entscheidung der Versammlung verworffen.

Gestern fand sich der Maire an der Spize einer Deputation von den 48. Sektionen von Paris vor dem N. Convent ein. Die Sektion der Tüileries, sagte er, hat einen auf die gegenwärtigen Umstände sich beziehende' Schluß abgefaßt, welchem die meisten andern Sektionen ihre Beystimmung ertheilt haben; ich überreiche diese Petition dem N. Convent im Namen der Commissarien von den Sektionen; sie lautet also: "Bürger und Gesezgeber, grosse Unglücksfälle sezen die Republick in Betrübniß; die auswärtigen Intriguen-Stifter wollen dieselbe zu Grund richten; nur grosse Maas-Regeln können sie retten; einige derselben habet ihr bereits genohmen, aber ihre langsame Vollziehung vereitelt ihre Wirkung; schon seit 20. Tagen ist ein Revolutions-Tribunal errichtet, und noch ist der Kopf keines Verbrechers unter dem Schwerdt des Gesezes gefallen, und dieses Tribunal ist noch nicht einmal in seine Funktionen eingesezt. Einige unserer Generals haben sich des Ehrgeizes und des Mangels an Patriotismus verdächtig gemacht; dem vollziehenden Conseil fehlt es an Kraft und Thätigkeit. Wir fodern das N. Convent zur Aufmercksamkeit auf das Betragen der Minister und Generals auf. Bürger und Gesezgeber, in einer der gegenwärtigen Situation ähnliche bedenckliche Lage der Sachen hat die gesezgebende National-Versammlung den Muth gehabt, zu deklarieren, daß sie ausser stand sey, das Vatterland zu retten; da macht sich das ganze Volck auf, und das Vatterland wurde gerettet; wenn eine neue Anstrengung von dieser Art nöthig ist, so sind wir bereit dazu, ihr dörffet nur ein Wort sagen." -- Diese Petition, deren Geistchen nicht schwer zu errathen ist, hat, wie man leicht dencken kan, viel Aufsehen gemacht. Im N. Convent wurde dekretiert, daß sie gedruckt und an die Departements und Armeen überschickt werden soll. -- Heute wird zufolg eines Dekrets vom N. Convent das Revolutions-Tribunal mit seinen Funktionen den Anfang machen.

Paris, vom 1. April. [16]

Der Minister vom See-Wesen hat dem N. Co_~_nt in der Seßion am 29. des vorigen Monats die Anzeige gethan, daß die von Brest ausgelauffene Flotte durch einen fürchterlichen Sturm, wobey unter andern der Capitain Düval ums Leben gekommen, und einige Schiffe Schaden gelitten haben, genöthiget worden sey, wieder nach dem dortigen Haven zurückzukehren. Auch die bereits für verlohren geschäzte Fregatte Pique, worauf sich 2. nach den antillischen Insuln bestimmte Commissarien befanden, ist wieder daselbst angekommen.

Das N. Convent hat auf einen Vorschlag der Commüne dekretiert, daß alle Haus-Besitzer, Haus-Vermiether, alle welche Hotels halten, die Thürhüter u. s. w. die Namen, den Stand und das Gewerb der bey ihnen wohnenden Bürger offentlich vor ihren Häusern anschlagen sollen. Ueberhaupt scheinen die seit einigen Tagen gemachten Vorsichtigkeits-Anstalten Besorgnisse wegen einem bevorstehenden Aufstand anzuzeigen. Man hört von nichts als Verhaftnehmungen sprechen und es sollen seit kurzem über 500. Personen in die Gefängnisse gebracht worden seyn; wegen deren Schicksahl man in Furcht ist. -- In den Departements werden, wie man dem N. Convent angezeigt hat, in grosser Menge Schriften ausgestreut, welche zum Bürger-Krieg auffodern, und die Wiederherstellung der Königl. Regierung und der ehmaligen Verfassung verlangen. Das N. Convent hat für die Verfasser und Verleger solcher Schriften die Todes-Strafe, und für die Verkäuffer und Verbreitter derselben zweyjährige Galeeren-Strafe bestimmt.

Der berühmte Corsikaner Paoli ist beschuldiget worden, daß er die Insul Corsika von der französischen Republick habe trennen, und unter dem Schuz von Groß-Brittannien sich zum Diktator in derselben aufwerffen wollen; er soll deswegen in Verhaft genohmen worden seyn, und unverzüglich nach Paris gebracht werden.

In der vorgestrigen Session hat Camüs im Namen des General-Defensions-Committe dem N. Convent angezeigt, daß bey der Armee in Belgien abscheuliche Dinge vorgehen und deswegen ein Dekret vorgeschlagen, welches sogleich einmüthig genehmiget worden. Nach demselben soll 1) der General Dümourier vor den Schranken des N. Convents erscheinen; 2) der Kriegs-Minister, Bournonville soll unverzüglich abreisen, um sich nach dem Zustand der nördlichen Armee zu erkundigen und dem N. Convent Bericht darüber abzustatten; 3) es sollen 4. Mitglieder desselben ungesäumt als Commissarien zu dieser Armee abgehen, um von allem, was bey derselben vorgegangen, Erkundigung einzuziehen; 4) die gegenwärtig bey dieser Armee befindliche Commissarien sollen zurück kommen, um dem N. Convent Nachricht von den Sachen zu geben. -- die 4. ernannten Commissarien sind auch wircklich nebst dem Kriegs-Minister auf der Stelle abgereiset. Danton behauptete, die Räumung der Niederlande sey eine wirckliche Verschwörung, die zur Absicht gehabt habe, unsere Pläze den Feinden zu überliefern und dieselben zugleich mit den Flüchtigen von unserer Armee ins Land kommen zu lassen. Lasource fügte hinzu, er habe auch gewisse den Dümourier und die belgischen Commissarien betreffende Nachrichten; die er aber erst bekannt machen wolle, wenn Dümourier vor dem N. Convent verhört worden sey. Er wolle dann ein Verzeichniß der Ausländer vorlegen, die sich bey unseren Armeen, in den Commünen, Direktiren und Sektionen befinden; er wolle beweisen, daß in Par~~ Sans-Cüllotes sich aufhalten, die in ihrer Heimath Baronen und Grafen von 50. und 60000. Livres Einkünften seyen, und er wolle überhaupt zeigen, daß wir uns in den Händen von Ausländern befinden. -- Das allgemeine Sicherheits und Aufsichts Committe des N. Conv. hat durch seinen Presidenten der Munizipalität anzeigen lassen: Es sey äusserst nöthig an den Eingängen von Paris ein wachtsames Aug zu haben auf eine grosse Anzahl Contre-Revolutionnairs, welche verschiedene Uniformen von den Armeen der Republick tragen, und Gold und baares Geld bey sich haben; sie kommen, von Lille und versammeln sich in Paris; ihre Chefs, 60. an der Zahl, werden bereits in der Stadt seyn, und diese Leute sollen eine plözliche Unternehmung gegen das N. Convent auszuführen suchen. -- Auch ist der Munizipalität angezeigt worden, daß an allen offentlichen Orten ein Kupferstich feil gebotten werden, welcher das Brustbild von dem hingerichteten König mit allen Dekorazionen der Königs Würde und der Ritter-Orden, nebst dem Brustbild seines Sohns und seiner Tochter vorstelle. --

April.[]

Paris, vom 5. April. [17]

Man hat nun genauere Nachrichten von dem, was jüngst dem N. Convent, betreffend gewisse für die Republick gefährliche Ereignisse bey der Armee des Generals Dümourier angezeigt wurde, und die schleunige Absendung des Kriegs-Ministers nebst 4. Commissarien veranlaßte. Das General-Defensions-Committe hat nemlich in der Seßion am 1. dieses durch eines seiner Mitglieder einen Rapport über die Sache abstatten lassen, welcher bestand in der Verlesung 1) des schon in verschiedenen Zeitungs-Blättern publizierten Schreibens des Generals Dümourier an das N. C. aus Löwen vom 12. Merz; 2) eines Schreibens von eben diesem General an den Kriegs-Minister aus Tournay vom 28. Merz., und 3tens des Protokols von einer Conferenz, welche die 3. Commissarien des vollziehenden Conseils am 26., 27. und 28. in Ath und Tournay mit dem General Dümourier gehabt haben. In dem 2ten dieser Aufsäze ertheilt derselbe dem Minister eine klägliche Nachricht von den erlittenen Niederlagen und dem gegenwärtigen unglücklichen Zustand der Sachen: "Unsere Gefahr, schreibt er unter andern, und unser Unglück wird täglich grösser. Wir haben an dieser ganzen Gränze nur noch für 10. Tage Lebens-Mittel. Der sogenannte Sukkurs, den man uns aus ein paar benachbarten Departements zuschickte, bestand gröstentheils aus alten Leuten, Kindern und Landstreichern ohne Waafen. Ich erkläre ihnen ausdrücklich, daß wenn es so fortgeht und nicht schleunigst andere Verfügungen getroffen werden, es mir unmöglich seyn werde, den Feind zu hindern, wo er es gut findet, in unser Land einzudringen, ohne Widerstand jeden ihm beliebigen Plaz wegzunehmen, und nach Paris zu kommen. Ich kan ihm nur Flüchtlinge ohne Waafen, ohne Kleider, ohne Lebens-Mittel und Munition entgegen stellen. Indessen zeigen eben diese Feinde gegen uns eine Schonung, von welcher man profitieren könnte; sie behandeln unsere Gefangenen und Verwundeten auf eine gelinde Weise, ungeachtet sie wohl wissen, daß viele nichtswürdige unter uns die ihrigen massakriert haben; u. s. w." -- Schon dieses Schreiben erregte grossen Unwillen in der Versammlung. Aber noch ungleich mehr Aufsehen machte der dritte von den obengenannten Aufsäzen, das Protokoll von einer Conferenz der Com'issarien mit dem General Dümourier. Hier folgt ein Auszug aus demselben: "Wir kamen am 26. Merz in Tournay an. Einer von uns, der Bürger Proly, der dem General Dümourier bereits bekannt war, begab sich zu ihm. Es fand ihn in dem Haus, wo Madam Sillery (vormahls Gräfin von Genlis) wohnte, in Gesellschaft einer Dame und der beyden Demoiselles Egalite und Pamela. Die Generalen Egalite (Sohn des Hrn. von Orleans) und Valence waren bey ihm, nebst Deputierten von Valenciennes und Cambrai, welche gekommen waren, ihm ihre Besorgnisse anzuzeigen. Unter andern äusserst unbesonnenen Reden sagte er auch: die Jakobiner und das N. Convent seyen an allem Unglück schuld. Er sey starck genug, um sich vorwärts und hinterwärts zu schlagen; im'erhin möge man ihn einen Cesar, Cromwell oder Monk nennen, so wolle er das Vatterland retten. Proly, der die üble Laune des Generals den gehabten wiedrigen Begegnissen, zuschrieb, begab sich weg. Am folgenden Tag begaben sich die beyden andern Commissarien zu ihm und wiesen ihm ihre vom Minister Lebrün unterschriebenen Creditive vor. Er wiederholte gegen sie, was er am Tag vorher gesagt hatte: Das N. Convent bestehe aus 745. Tyrannen, die alle Königsmörder seyen; er mache keinen Unterschied zwischen denen die für und denen die gegen die Appellazion an das Volck gewesen seyen; ihren Dekreten frage er nichts nach; ihre Autorität werde bald innerhalb Paris eingschränckt seyn. Er schwur, daß er das Revolutions-Tribunal nicht dulden werde. Wir machten ihm Vorstellungen; er gerieth neuerdings in Hize und sagte zu wiederholten Mahlen: So lang seine Degen-Klinge nur noch 4. Zoll lang sey, werde er sich diesen Exzessen wiedersezen und auf Paris losgehen, wenn es noch einmahl zu solchen abscheulichen Auftritten daselbst komme. Das N. Convent werde keine 3. Wochen mehr existieren; er wolle die vorige Constitution wieder herstellen, so fehlerhaft sie auch sey, mit einem König; denn, sezte er hinzu, einen König müssen wir haben, sey es auch wer da wolle. Dümourier sprach hierauf von einer mit dem Feld-Marschall Coburg aus Veranlassung einiger Bataillons angefangenen Unterhandlung. Einer von den Com'issarien bemerkte darüber, das könnte zu einem Frieden führen. Er antwortete: das sey eben seine Absicht; er wolle ihn aber allein zu Stand bringen, weil keine von den kriegführenden Mächten mit dem vollziehenden Conseil, welches den 745. Tyranen untergeordnet sey, sich würde in Unterhandlungen einlassen wollen. Während dem er dieses zu einem von den Commissarien sagte, unterhielten sich die beyden andern mit Valence und Montjoie. Dieser leztere sprach sehr heftig gegen das Revolutions Tribunal und sagte: Das N. Convent habe kein Recht, seinen Gehorsam gegen die Geseze zu fodern, weil er nicht darein gewilliget habe. Dümourier sagte noch weiter: Seit der Schlacht bey Jemmappes hab ich alle meine glückliche Unternehmungen für eine so schlimme Sache beweint; aber das Vatterland muß gerettet werden, dadurch, daß wir uns so bald möglich wieder einen König geben und Frieden machen. Wir werden verlohren seyn, wenn der Feind in unser Gebiet eindringt, und das wird, wenn ich will, in weniger als 3. Wochen geschehen. Ich werde meine Armee brauchen; ja, meine Armee, diese Armee von Mameluken, wie man sie nennen wird; sie wird sagen, sie wolle einen König haben; die Presidenten der Distrikte, (welche nach Dümouriers Plan an die Stelle des N. Conven_s kommen sollen) werden den Auftrag bekommen, die Nation zur Annahm des Königs zu bringen; "den mehr als die Hälfte von Franckreich will einen König haben." -- Einer von den Commissarien, Dübüisson, bemerkte, daß er sich einer grossen Gefahr für seine Person ausseze, wenn sein Plan vor der Ausführung bekannt werden sollte. Hierauf erwiederte er: er frage nichts nach den Anklags-Dekreten; er biete allen Troz dieselben mitten unter seiner Armee vollziehen zu lassen; übrigens würde er wohl Zeit finden, zu den Oesterreichern hinüber zu galopieren, und er habe Mittel in Hände_, von ihnen gut aufgenohmen zu werden. Indessen sezte er hinzu: Er würde schon viel offentlicher zu werck gegangen seyn, wenn er nicht wegen dem Leben der Königin und ihrer Familie besorgt gewesen wäre. Aber sagter er, mein Entschluß ist gefaßt, und ich werde selbst auf Paris losgehen, wenn nicht die Jakobiner ihre Verbrechen wieder dadurch gut machen, daß sie mit ihren Personen die Königl Familie schäzen, und die 745. Tyrannen verjagen. Ich werde Paris nicht so, wie Broglio, der ein Schwachkopf war, belagern, sondern diese Stadt auch nur mit 12000. Mann bezwungen, indem ich ihr die Lebens-Mittel abschneide, und die Kriegs-Erklärung gegen Engelland, die Brissots Werck ist, wird unfehlbahr eine Hungersnoth veranlassen. -- Dübüisson stellte sich als wenn er von Dümouriers Meynung wäre; und darauf entdeckte ihm dieser die Absicht, die er anfänglich gehabt, aber nachher wieder aufgegeben habe, sich unter der Protektion von Franckreich zum Oberhaupt der neuen Republick der Belgier zu erklären. Er trug den Dübüisson auf, wenn er die Jakobiner in Paris seinem Projekt geneigt machen könnte, sogleich wieder zu ihm zurück zu kommen.

Dieser Rapport hat, wie man leicht denken kan, ziemlich lebhaft und langdaurende Debatten in dem N. Convent veranlaßt; indessen wurde aber weiter noch nichts verfügt, weil man von dem General-Defensions-Com'itte Vorschläge über die zu nehmenden Maas-Regeln erwartete. -- In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent von seinen kürzlich zu der nördlichen Armee abgeschickten Commissarien aus Lille vom 1. dieses Nachricht, daß sie im Begriff seyen, sich in das Lager bey Maulde zu begeben, um das Dekret vom 29. Merz betreffend den General Dümourier zu vollziehen. -- In eben dieser Seßion erschienen die aus Belgien zurückberuffenen Com'issarien vor dem N. Conv. Lacroix, der in ihrem Namen das Wort führte, beklagte sich, daß man sie verläumdet, und dadurch ihre Zurückberuffung veranlaßt habe, gerade zu der Zeit, da sie im Begriff gewesen, von Dümourier eine bestimmte Erklärung über seine ihnen schon lange verdächtigen Gesinnungen zu verlangen, und wenn er sich dieselbe zu geben weigere, ihn in Verhaft nehmen zu lassen, oder bey der geringsten Wiedersezlichkeit ihm eine Kugel durch den Kopf zu schiessen. Aber nun haben sie dem Befehl des N. Convents zufolg zurückkommen müssen. Bey ihrer Durchreise durch Peronne habe ein vom Direktorium des nördlichen Departements abgeschickter ausserordentlicher Courier ihnen die Nachricht überbracht, daß die zugleich mit dem Kriegs-Minister abgeschickten Commissarien vom General Dümourier seyen in Verhaft genohmen und als Geisel an einen sichern Ort gebracht worden. Dieser Courier habe ihnen zugleich die Abschrift eines Schreibens vom General Dümourier an die Administratoren v. Douay überbracht, welches folgenden Inhalts war:

"Bürger und Administratoren! Die Tyranney und das Morden ist in Paris aufs höchste gestiegen. Wir befinden uns in der elendesten Sclaverey. Das N. Convent treibt seine Abscheulichkeiten aufs äusserste: Es hat, um mich in Verhaft nemmen zu lassen, Beurnonville nebst einigen Commissarien abgeschikt. Aber ich habe sie selbst arrettieren lassen; sie sind meine Geisel und befinden sich an einem sichern Ort. Ich werde ohne Verzug nach Paris marschieren, um dort den Verschwörungen Einhalt zu thun; wir haben in den Jahren 1789., 1790. und 1791. eine Constitution beschworen, welche uns Geseze sicherte, durch Wiederherstellung derselben will ich das Vatterland retten. Ich hoffe bald der Befreyer von Frankreich zu seyn. Ich strebe nicht nach der Diktatur; und werde alle meine Stellen niederlegen, so bald Frankreich frey und glüklich seyn wird."

Lacroix fügte diesem allem noch bey: Clairfait habe am Tag vor der Räumung von Tournay bey Dümourier gespeist; und am Tag von der Räumung von Brüssel habe dieser mit Clairfait und den einsweiligen Administratoren dieser Statt eine Conferenz gehabt. -- Nach Anhörung dieses Rapports sagte der President zu dem N. Convent: Bürger, ihr wisset noch nicht euer ganzes Unglük: General Cüstine meldet mir, er sey vom General Newinger verrathen worden: hier ist sein Brief, worinn er berichtet: Nachdem er die Preussen bey einem ersten Angrif zurük geschlagen, seyen sie noch einmahl gegen ihn angerükt, und die Verrätherey des General Newinger habe ihn genöthiget, sich nach Worms und von da nach Landau zurükzuziehen, um das Rheinische Departement zu deken. Er hoffe in seinem nächsten Brief berichten zu können, daß er sich in einer respektabeln Stellung befinde. In Mainz und Cassel habe er eine zahlreiche Besazung zurük gelassen. Gestern wurde in der nunmehr permanierenden Seßion des N. Convents ein anderes Schreiben vom General Cüstine vom 1. dieses aus Neustadt verlesen, worinn er berichtet: Er habe am 31. Merz den Hessen und Preussen ein blutiges Treffen geliefert, worinn die Französis. Truppen die Feinde geschlagen. In Mainz habe er 21. bis 22000. Mann gelassen. Die Besazung sey für ein Jahr mit allem versehen; dieser Plaz könne weder bombardiert noch belagert werden; weil jene 22000. Mann in der Nacht eine höchst vortheilhafte Stellung vor Mainz nehmen und die feindlichen Batterien zerstören könnten. Am Schluß seines Briefes legt der General Cüstine seine Stelle nieder, weil Beurnoville die Armee an der Mosel sich habe zurükziehen lassen, wodurch der Erfolg seiner Operazionen vereitelt worden. Er wolle, sagt er, seinem Vatterland noch ferner als Soldat dienen, aber in der Befehlshaber-Stelle erwarte er mit Ungedult seinen Nachfolger. -- Das N. Convent hat aber seine Dimißion nicht angenommen, sondern ihm im Namen des Vatterlandes befohlen, das Commando zu behalten. -- Bouchot, Commandant von Cambray ist an Beurnonvilles Stelle gestern zum Kriegs-Minister ernennt worden.

Vorgestern schon hat das N. Convent aus Veranlassung der vom General Dümourier erhaltenen Nachrichten ein Dekret abgefast des Innhalts: 1) Dümourier ist seiner Befehlshaberstelle entsezt, 2) er wird für einen Verräther gegen das Vatterland erklärt; 3) auf seinen Kopf ist ein Preis gesezt; 4) derjenige, der ihn arrettiert oder Frankreich von ihm befreyt, bekommt zur Belohnung 300,000. Livres, 5) er ist ausser dem Schuz der Geseze, und jeder Bürger hat die Erlaubniß, ihn zu töden; 6) das Leben der Commissarien des N. Convents, die vom Dümourier in Verhaft genommen worden, wird dem Schuz der Französis. Soldaten anvertraut; 7) dieses Dekret soll unverzüglich durch ausserordentliche Curiers an die Armeen überschikt werden; 8) das vollziehende Conseil wird für permanierend erklährt.

Die Commissarien des N. Convents haben unterm 2. dieses aus Valenciennes nachfolgende Proklamazion des Generals Dümourier an die Französis. Armee überschikt: "Meine Cameraden, 4. Commissarien vom N. Convent sind gekommen, mich in Verhaft zu nehmen, und vor die Schranken desselben zu bringen; der Kriegs-Minister begleitete sie. Ich erinnerte mich, was ihr mir versprochen, daß ihr euch, euern Vatter nicht wollet wegnehmen lassen, der das Vatterland mehr als einmahl gerettet, euch auf der Bahn des Sieges angeführt und noch kürzlich an euerer Spize sich auf eine rüh~~liche Weise zurükgezogen hat. Ich habe sie in sichere Verwahrung bringen lassen, um uns als Geisel zu dienen. Es ist Zeit, daß die Armee einmahl ihren Wunsch äussere, Frankreich von den Mördern und Unruhstiftern säubere und unserm unglücklichen Vatterland die Ruge wieder gebe, die es durch die Verbrechen seiner Representanten verlohren hat. Es ist Zeit die Constitution wieder herzustellen, die wir 3. Jahre nach einander beschworen haben, die uns die Freiheit gab, und die uns allein gegen die Zügellosigkeit und Anarchie, worein wir gestürzt worden sind, sichern kan. Ich erkläre euch, meine Cameraden, daß ich euch das Beyspiel geben will, frey zu leben und zu sterben. Wir können nicht anderst frey seyn, als bey guten Gesezen; sonst wären wir Sclaven des Lasters."

In der Seßion während der Nacht zwischen dem 3. und 4. dieses Monats hat man durch Briefe von Commissarien des N. Conv. und der Administratoren in Lille noch mehrere Umstände von Dümouriers Verrätherey erfahren. Kaum näherten sich die neulich mit dem Kriegs Minister abgeschikten Commissarien seiner Armee, so wurden sie augenbliklich von Husaren umringt, und nach Tournay, in das Haupt-Quartier des Prinzen von Coburg, gebracht. Dümourier hat auch von den verschiedenen konstituierten Autoritäten des dortigen Departements verlangt, daß sie die andern allenfalls dort si_h aufhaltenden Commissarien ebenfalls sollen arrettieren lassen. Der General Miazinsky, welcher diesen Auftrag in Lille vollziehen solte, ist daselbst in Verhaft genommen worden, und die unter seinem Commando stehenden 4000. Mann, an deren Spize er dahin gekommen, kampieren nun unter den Kanonen eines dortigen Bastions.

Vorgestern haben die Administratoren von der Polizey dem General-Conseil der Commüne schriftlich angezeigt: Es ist nicht wahr, was Uebelgesinnte ausgestreut haben, daß Cüstines Armee geschlagen sey; und die Soldaten haben dem Dümourier geantwortet, sie seyen da, um gegen die Feinde der Republick, aber nicht gegen ihre Brüder zu fechten, welches den Dümourier bewogen habe, zu den Oesterreichern überzugehen. Im N. Convent ist aber hierüber noch keine Nachricht angekommen. -- Dasselbe hat gegen verschiedene Personen Verhafts Befehle ausgefertiget, unter anderm gegen Egalite und seine Söhne und Töchtern, gegen Sillery und seine Frau, und seinen Tochterman, den General Valence nebst seiner Frau: u. s. w.

Paris, vom 8. April. [18]

Das N. Convent (dessen jziger President Delmas ist) sezt noch immer seine Seßionen mit kurzen Unterbrechungen Tag und Nacht fort, und ist, wie man leicht denken kan, gröstentheils mit den neulich erfolgten wichtigen Vorfällen beschäftiget. Am 4. dieses dekretierte dasselbe, daß die Eltern, Frauen und Kinder aller Officiers von der unter Dümourier gestandenen Armee vom Unter-Lieutenant an bis zum General-Lieutenant von jeder Munizipalität des Orts, wo sie sich aufhalten, so lange als Geisel bewacht werden sollen, bis die von Dümourier in Verhaft genommenen Commissarien nebst dem Kriegs-Minister in Freyheit gesezt werden, oder die belgische Armee sich dem Commando ihres neuen Generals unterworfen hat. Dieser von dem vollziehenden Conseil ernannte und vom N. Convent bestätigte neue General jener Armee ist Dampierre. -- In eben dieser Seßion wurde eine vom Defensions-Committe vorgeschlagene Proklamazion an die belgische Armee einmüthig genehmiget. -- Das N. Convent erhielt von einem Tag zum andern Nachrichten von seinen Commissarien aus Valenciennes. Unterm 4. April berichteten sie: Es haben bereits viele Bataillons sich wieder bey den Fahnen der Republik eingefunden. So eben berichte man ihnen, die übrige Armee sey unter Dümouriers Commando im Anmarsch gegen Valenciennes; sie lassen bey Famars ein Lager formieren, aber es mangle ihnen an den nöthigen Geräthschaften dazu, die zurükkommenden Bataillons bringen fast nichts mit sich, weil sie sich verborgener weise wegbegeben müssen. Noch sey die Armee des Dümourier nicht zum Vorschein gekommen, und die Nachricht von ihrem Anrüken möge wohl ungegründet seyn. -- Einer der Deputierten von Valenciennes zeigte an: 3. Cavallerie- und 2. Infanterie-Regimenter haben am 4. dieses die Armee des Dümourier verlassen. In einem zweiten Schreiben berichten die Commissarien, Dümourier habe 500,000. Livres aufgefangen, die ihnen nach Valenciennes überschikt wurden. Der Flügel-Adjutant des General Düval, welcher in Lille kommandiert, erschien vorgestern vor dem N. Convent und berichtete, daß Devaux, erster Flügel Adjutant von Dümourier, in eben genannter Stadt in Verhaft sich befinde; und daß die 4000. Mann, welche Miasinsky (der nun gefangen nach Paris transportiert werden soll) dahin gebracht hatte, und vor derselben kampierten, der Nation den Eid der Treue geschworen haben.

In einem dritten Schreiben aus Valenciennes vom 5. dieses berichten die Commissarien folgendes: Die Armee des Dümourier fahre noch immer fort theilweise sich zu vermindern und ihn zu verlassen; aber er übe einen so strengen und kühnen Despotismus über die Soldaten aus und habe sie durch seinen Muth, und seine Reden und schriftliche Vorstellungen dergestalt einzunemmen gewust, daß er die einen durch die andern zurükhalte. Er habe eine Garde von Oesterreichischen Dragonern um sich. Indessen soll unter der noch bey ihm befindlichen Armee eine starke Gährung herrschen, und es sey nicht zu verzweifeln, daß der allergröste Theil derselben ihn verlassen werde. So eben sey der aus 80. Kanonen bestehende Artillerie-Park von St. Amand in Valenciennes angekommen und befinde sich in Sicherheit; auch die Kriegs-Casse habe daselbst ankommen sollen; aber Dümourier habe sie unterwegs wegnehmen lassen. Man sage er werde sich an die Spize von 30,000. Osterreichern und derjenigen Französis. Truppen stellen, auf die er glaube sich verlassen zu können, um gegen Paris anzurüken. Nach einiger Aussage werde er mit dem Angriff auf Valenciennes den Anfang machen; die meisten aber sagen, er werde zuerst auf Lille losgehen; man habe aber alle nöthigen Gegenanstalten gemacht. Die Commissarien bitten das N. Convent dringend, ihnen Lagergeräth, hauptsächlich aber Geld zu überschiken. Um 6. Uhr Abends schreiben sie: So eben erhalten wir Nachricht, daß ein sehr grosser Theil des Lagers bey Maulde zu den Fahnen der Republik zurük gekehrt sey. Bald darauf heißt es: das ganze Lager bey Maulde geht weg, und fast alle Truppen kommen hieher; Morgen wird Dümouriers ganze Armee aus ein paar Duzend Französischen Officiers ohne Soldaten und Kanonen bestehen; denn die ganze noch übrige Artillerie kommt zurük. Auch die von Dümourier weggenommene Casse soll ihm wieder abgenommen worden seyn. -- Die Commissarien des N. Convents welche nebst Beurnonville arretiert wurden, seyen zuerst nach Tournay, hierauf nach Mons und von da nach Mastricht transportiert worden. Beurnonville, der sich habe zur Gegenwehr sezen wollen, sey durch einige Säbelhiebe ziemlich gefährlich verwundet worden. Endlich Abends um 9. Uhr beschliessen die Commissarien ihr Schreiben mit folgenden Worten: Es lebe die Republik! Dümourier, Valence und Egalite, die beyden Thouvenot, und mehrere andere Officiers, wie auch der gröste Theil vom Husaren-Regiment Berchiny sind zu dem Feind übergegangen; alles übrige ist unser, der General Dietmann hat uns so eben diese Nachricht überbracht. Man meldet uns, die feindliche Armee marschiere in 2. Colonnen gegen Conde an; doch ist die Nachricht nicht ganz zuverlässig.

Das N. Convent hat dekretiert, daß alle Mitglieder von der Familie Bourbon in Verhaft gebracht werden sollen. Egalite, (vormals Herr von Orleans) glaubte als Representant der Nation nicht unter diesem Dekret begriffen zu seyn, und ließ durch den Justiz-Minister Vorstellungen dagegen machen. Aber es blieb dabey und auch er wurde nach dem Gefängniß der Abtey gebracht.

General Cüstine hat unterm 3. dieses von Landau an das N. Convent geschrieben: Er habe die National-Garden vom Rheinischen Departement aufgebotten, um sich dem Feind entgegen zu sezen. Er habe es mit 80,000. Mann zu thun; das sey der Erfolg von Beurnonvilles herrlichen Operazionen. Dieser habe alles gethan, um ihn in die Umstände zu sezen, die ihn jzt zum Rükzug nöthigen. Seine Armee habe Artillerie und Cavallerie nöthig; man habe weiter keine gemachten Eroberungen zu vertheidigen, und müsse nur suchen, unsere eigenen Besizungen gegen einen feindlichen Einfall zu sichern. Die vom N. Convent genehmigte Art die Officiers zu wählen, werde die Armee zu Grund richten. Er sage das blos aus Liebe zu dem Vatterland; für ihn selbst sey es ihm gleichgültig; denn er lege nun einmahl seine Stelle nieder; u. s. w. -- Das N. Convent dekretierte sogleich, daß 3. Commissarien sich zu dem General Cüstine begeben, und die unlängst beliebte Art der Officiers-Wahlen dem allgemeinen Defensions-Committe zur weitern Prüffung vorgelegt werden soll. -- Der General Cüstine ist kürzlich in offentlichen Blättern sehr verdächtig gemacht worden. Das vollziehende Conseil hat dem N. Convent Anzeige davon gethan. Marat, der Urheber der Beschuldigungen, wolte sich darüber rechtfertigen; aber die Versammlung gab ihm kein Gehör. Es ist beynahe unbegreiflich, wie man diesen Mann noch in derselben duldet. Noch kürzlich sagte er in offentlicher Seßion: Was für ein Schiksal mir auch immer bevorstehen mag, so deklariere ich euch, daß euer Verfahren seit der Revoluzion das Verfahren von Leuten gewesen ist, die aus dem Tollhaus entlauffen sind.

Ein gewisser Languet, welcher den Kriegs-Minister Beurnonville als Curier begleitete, hat den Administratoren des nördlichen Departements von der Verhaftnehmung derselben und der 4. Commissarien einen Bericht abgestattet, welcher dem N. Convent überschikt worden ist. Als wir, sagte er, am 1. dieses im Haupt-Quartier bey Tournay ankamen, begab sich der Minister sogleich mit den Commissarien zu Dümourier, um das Dekret des N. Convents zu vollziehen. Sobald der Bürger Camüs zu reden anfieng, entfernten sich die anwesenden Staabs-Officiers. Nach Anhörung des Dekrets, sagte der General, er würde nicht gehen. Die Commissarien begaben sich in ein besonderes Zimmer, und nach ihrer Zurückkunft kündigte Camüs dem Dümourier an, daß er nicht mehr General sey, und forderte ihm die Brieftasche ab. Sogleich gab Dümourier einen Wink, und Husaren umringten den Wagen der Commissarien und des Ministers seinen. Ihr Oberst trat mit einigen seiner Leute ins Zimmer, wo die Commissarien waren, und Dümourier ertheilte ihnen Befehl, dieselben nebst dem Minister zu arrettieren. Mich fragte er, ob ich den Minister begleiten oder bey ihm bleiben wolle. Ich wählte das erstere, und leistete den Commissarien allen mir möglichen Beystand. Einer von ihnen, Quinette, nahm mich bey der Hand und sagte: Wenn ich nur meine Pistolen hätte, um mir einen Kugel durch den Kopf zu schiessen: wir sind verlohren, was wird aus uns werden. Sogleich fuhren unter einer Bedekung von Husaren die Wagen ab, und nahmen den Weg nach Tournay.

Vorgestern ist von dem N. Convent nachfolgendes dekretiert worden: Franz Xavier, Graf von Auersperg, und August, Graf von Leinungen, beyde von der Familie des Prinzen von Coburg, als welche auf dem Reichstag zu Regenspurg Siz und Stimme haben, und sich gegenwärtig als Kriegsgefangene in Rheims befinden; die beyden Bruder Labarre, Neveux des General Clairfait, gegenwärtig als Kriegsgefangene in Valenciennes befindlich; Carl Woldemar, regierender Graf von Leinungen-Westerburg, Ferdinand Carl sein Sohn, Erbgraf, und Friedrich Graf von Leinungen, welche alle 3. Siz und Stimm auf dem Reichstag in Regenspurg haben, und sich gegenwärtig als Kriegsgefangene in Landau befinden, sollen nach Paris gebracht werden, um für die Französische Nation Geisel zu seyn, bis die 4. Commissarien den N. Convents und der Minister Beurnonville ihre Freyheit wieder erhalten haben. Eben so soll mit allen deutschen Prinzen, welche eine Stimme bey dem Reichstag haben, verfahren werden.

Paris, vom 12. April. [19]

Die Nachrichten von hieraus sind diesmahl nicht so interessant, als die Neugierde des Publikums dieselben in den gegenwärtigen Zeit-Umständen erwarten wird. -- Dem N. Convent (dessen Seßion noch immer permanierend ist) wurde am 7. dieses von dem Kriegs-Minister angezeigt, daß er durch den Divisions General Dübouquet, welcher in Abwesenheit des Generals en Chef die Armee an den Pyrenäen kommandiert, benachrichtiget worden sey von den mit einigem Vortheil auf unserer Seite begleiteten ersten Feindseligkeiten gegen die Spanier. Es sey nemlich am 31. des vorigen Monats der Brigade-General Sahüguet in zwo Colonnen in das Thal Arand eingerükt und habe sich desselben bemächtiget. Gegenwärtig befinde er sich in Vielle. Er habe 80. Kriegs-Gefangene gemacht, und 60. Flinten nebst 600. scharffen Patronen erbeutet, selbst aber nur 2. Jäger verlohren, und 4. seyen verwundet worden.

In ihrem Schreiben aus Valenciennes vom 7. dieses bestätigen die dortigen Commissarien des N. Convents die schon ertheilte Nachricht, daß beynahe die ganze Armee den Dümourier verlassen habe und theils nach Valenciennes, theils nach Douay oder Lille zurük gekommen sey. "Wenigstens, schreiben sie, wissen wir noch bisher von keiner andern Emigration als der Officiers, des gröstentheils vom Husaren-Regiment Berchiny und dem dritten Dragoner-Regiment. Zwar befürchtet man, es manglen uns noch einige Cavallerie-Regimenter; aber man hoffet diejenigen, von denen man in Valenciennes nicht weist, wohin sie gekommen seyen, werden sich nach Lille oder Douay begeben haben. Ein Theil von der beynahe für verlohren geachteten Kriegs-Casse ist theils und, theils den Commissarien in Douay wieder zu Handen gekommen. Aber die grosse Casse hatte Dümourier schon vor der Ausführung seines Vorhabens in Feindes Land bringen lassen. Was wir wieder bekommen haben, ist für die Bedürfnisse einer grossen Armee bey weitem nicht zureichend." -- In einem zweiten Schreiben vom 8. melden eben diese Commissarien: die Oesterreicher haben den Waaffenstillstand wieder gebrochen, und das Lager von Maulde, wo kürzlich noch Dümourier mit seiner Armee sich befand, in Besiz genommen. Coburg und Clairfait stehen ziemlich weit von einander entfernt. Der erstere scheine gegen Lille oder gegen des Cüstine Armee anrüken zu wollen. In Valenciennes stehe es so gut, als es an einem Ort möglich sey, wo so viele zerstreute Corps und Bataillons ankommen, von denen die meisten alles ihr Feldgeräth verlohren haben.

Am 8. und 9. dieses ist es in dem N. Convent abermahls zu ziemlich tumultuarischen Auftritten gekommen. Das erstemahl war eine Deputation von einer der Sektionen und das andermahl ein Projekt zu einer Addresse aller Sektionen an das N. Convent die Veranlassung dazu. Da beyde zur Kenntniß des gegenwärtige in Paris herrschenden Geistes dienen können, so wird, besonders bey dem Mangel an andern Neuigkeiten, hier etwas von ihrem Inhalt mitgetheilt. -- Der Sprecher der obenerwehnten Deputation sagte vor dem N. Convent: "Wir sind an euch abgeschickt, um zu verlangen, daß ihr in Ansehung der Verrätherey des Dümourier die genaueste Untersuchung vornehmen sollet. Er hatte nicht nur unter den Legionen seine Mitschuldigen. Hat das Volck nicht Ursache zu glauben, daß es dergleichen selbst unter euch gebe? Die offentliche Stimme nennt euch die Brissots, die Guadets, die Gensonne. -- (Hier unterbrachen den Sprecher Beyfahlsbezeugungen auf der linken Seite der Versammlung und von den Galerien; indessen die Mitglieder auf der rechten Seite in einer heftigen Bewegung waren, viele von ihnen hervortraten, den Deputierten droheten, und mit lauten Geschrey verlangten, daß man sie wegjagen soll. Aber ihr Sprecher fuhr auf erhaltene Erlaubniß weiter zu reden fort:) Schon lange nennt euch die offentliche Stimme Vergniaud, Guadet, Gensonne, Brissot, Barbaroux, Louvet, Büzot und noch andere mehr. Worauf wartet ihr, um ihre Anklage zu dekretieren? Ihr sezet den Dümourier ausser den Schuz des Gesezes, und seine Mitschuldigen lasset ihr unter euch sizen. Mangelt es euch etwas an Beweisen? Die Verläumdungen, welche sie gegen Paris ausgestossen haben, zeugen gegen sie. Ihr Representanten des Volcks, ihr Patrioten von der Montagne (bekanntlich die linke Seite im Versammlungs Saal) auf euch verläßt sich das Vatterland in Ansehung der Bezeichnung der Verräther: es ist Zeit ihnen die Unverlezbarkeit, welche die Freyheit zu Grund richtet, abzunehmen. Erwartet aus diesem für die Freyheit tödlichen Schlummer. Machet euch auf, überliefert die Leute, welche die offentliche Meynung anklagt, den Tribunalen. Erklähret allen Gemäßigten, allen Feuillants, allen diesen Agenten des ehmaligen Hofes den Krieg. Trettet auf diesen Redner-Stuhl ihr feurigen Patrioten, ruffet dem Schwerdt des Gesezes, daß es die Köpfe dieser unverlezbahren Verschwörer treffe, dann wird die Nachwelt die Zeit segnen in welcher ihr gelebt habet." -- Der President lud die Deputation ein der Seßion beyzuwohnen, und es geschah auch, ungeachtet sich viele dagegen sezten. Nach langen heftigen Debatten wurd endlich dekretiert: 1) Alle welche Klagen gegen die Mitglieder des N. Convents anzubringen haben, sollen dieselben bey dem kürzlich errichteten Committe von der allgemeinen Wohlfahrt eingeben; 2) Diejenigen von den Gesezgebern, die eines National-Verbrechens überführt worden, sollen sogleich dem Revolutions-Tribunal übergeben werden. -- Die Mitglieder der Deputation mußten ihre Addresse unterschreiben, und sie wurde sogleich versiegelt dem eben erwähnten Committe zugestellt.

Die zweyte oben erwähnte Veranlassung zu einer ziemlich stürmischen Seßion am 9. kündigte Petion mit diesen Worten an: Schon lang zieht sich ein Gewitter über unsern Häuptern zusammen. Es ist Zeit, dasselbe zu entfernen. So furchtbahr auch unsere auswärtigen Feinde sind, so sind es doch die innerlichen noch vielmehr. Man muß einmahl die Larve der falschen Popularität abreissen. Täglich wurden die National-Representanten mißhandelt. Hier ist das Projekt von einer Addresse an das N. Convent, welches von einer der 48. Sektionen entworffen worden, die es gegenwärtig auch bey den übrigen zirkulieren läßt. In dieser Addresse heißt es nun unter anderm: "Gesezgeber, wir kommen um euch die Wahrheit zu sagen, und wir hoffen, daß ihr uns künftig nicht mehr dazu zwingen werdet. Bisher sind unsere Petitionen in dem Staub euerer Committes liegen geblieben, in welchen strafbahre Leute Siz und Stimme haben, die euch dann durch arglistige Berichte betrügen. Höret uns, und es ist zum lezten mahl daß ihr uns höret, die Nation ist es müde, immer ein Ziel von Verrätherey zu seyn. Sie ist es müde, treulose Representanten unter euch zu sehen, die ihr Zutrauen misbrauchen. Haben sie vergessen, daß das Volk ihr Souverän ist? So muß man sie dann daran erinnern. Man muß ihnen sagen, es sey des Volks Willen, daß alle Verräther unter dem Schwerdt des Gesezes fallen sollen." -- (Nach Anführung verschiedener bisher vergebens verlangter Punkte, fährt die Addresse also fort: ) "Wir verlangen erstens, daß gegen Roland ein Akkusazions-Dekret abgefaßt werde; zweytens, daß in Ansehung aller in dem Ministerium und bey den Armeen angestellter Personen eine scharfe Untersuchung angestellt, und die Verdächtigen abgesezt werden, drittens, daß die Administration des Postwesens erneuert und alle Chefs von den Büreaux vom Volk ernannt werden; viertens, daß ein Gesez gegen die, welche Waaren aufkauffen und zurükhalten gemacht und der Handel mit baarem Geld verbotten werde. Fünftens, daß alle Commissarien aus dem N. Convent, ausser denen, die sich bey den Armeen befinden, zurük beruffen, und in die Departements andere patriotische Bürger mit den nöthigen Vollmachten abgeschikt werden; sechstens, daß die strafbahren Mitglieder des N. Convents angeklagt und alle diejenigen, welche nicht den Muth hatten, die Republik zu schüzen, abgesezt werden sollen. -- Ihr Mitglieder von der Montagne, ihr seyd es, an die wir uns wenden, rettet ihr die Republik; oder weñ ihr euch dazu nicht stark genug fühlet, so saget es uns freymüthig; wir wollen ihre Rettung auf uns nehmen. Die gegenwärtige Crisis muß die lezte seyn; entweder muß Frankreich vernichtet werden, oder die Republik muß triumphieren." -- So lautet diese Adresse, welche von der linken Seite des Versammlungs-Saals und von den Galerien mit Beyfalls-Bezeugungen aufgenommen wurde. Es wäre, wenn es der Raum erlaubte, wohl der Mühe wehrt, zu lesen, was Pethion gegen und Danton für diese Adresse gesagt haben. Viele waren der Meinung, daß N. Convent soll keine Mißbilligung derselben deklarieren; aber noch ist eigentlich nichts bestimmtes darüber entschieden worden.

In eben dieser unruhigen Seßion war der Prokureur-General Syndik vom Departement Calvados (in der Normandie) vor dem N. Conv. erschienen und hatte gesagt: Representanten des Volks, schon vor zween Monaten habe ich hier die Gefahren, welche unsern Küsten drohen, angezeigt. Die Administratoren von Calvados foderten damals euere Sorgfalt auf für die Bürger ihres Departements. Nun widerhole ich vor euch die gleichen Wünsche und die gleichen Besorgnisse. Die Gefahren des Vatterlandes haben sich nicht vermindert. Die innerlichen Verschwörungen begünstigen die Verbindungen von aussenher. Man macht Anstalten zu neuen Einfällen, und es sind bereits Entwürffe gemacht zu einer Landung auswärtiger, Truppen. Engländische Schiffe nähern sich unsern Küsten und würden sich derselben schon bemächtiget haben, wenn es nicht der Muth unserer Landleute gehindert hätte. Unsere Küsten befinden sich nicht in einem Vertheidigungs-Stand. Wir können unsern Feinden nichts entgegen stellen, als ein Schattenspiel von einer Armee, einen General ohne Soldaten, und eine Kriegscasse ohne Geld. Das vollziehende Conseil hat keine Maasregeln genommen, hat auf unser wiederholtes Ansuchen keine Antwort ertheilt. Sollte es wirklich wahr seyn, was man sagt, daß jenes metallene Pferdt, welches immer den Fuß aufhebt, ohne weiters zu kommen, das eigentliche Sinnbild dieser Art von Vollmacht sey? Ich habe den Auftrag von dem N. C. zu verlangen, daß durch ein Dekret unverzüglich die Einrichtung einer Armee an den Küsten anbefohlen; daß den Administratoren die erforderlichen Sum'en zur Bestreitung der Vertheidigung des Departements nöthigen ausserordentlichen Ausgaben zugestellt, und uns Munition und Waffen geben, oder Manufakturen zur Verfertigung derselben in unserm Departement angelegt werden: u. s. w.

In der gestrigen Seßion hat das vollziehende Conseil dem N. Convent angezeigt, daß in den Departements, worinn die Gegen-Revolution ausgebrochen ist, die Ruhe nächstens gänzlich wieder hergestellt seyn werde. Die Communikazion zwischen Rennes und Nantes sey wieder völlig geöfnet; doch sey Nantes noch nicht ganz ausser Gefahr; aber es kommen von allen Seiten Truppen daselbst an und der General Berruyer sey im Begrif, das Haupt-Quartier der Rebellen anzugreiffen.

Eben auch in der gestrigen Seßion kommunizierte le Brün, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, dem N. Convent nachfolgende Proklamazion des Prinzen von Coburg, Ober-Befehlshaber der Kayserl. Armee, an die Franzosen: -- "Der General en Chef, Dümourier, hat mir seine Deklaration von Franckreich mitgetheilt; ich finde in derselben die Gesinnungen eines rechtschaffenen Mannes, der sein Vatterland liebet, und demselben die Glückseligkeit einer weisen und dauerhaften Constitution verschaffen will. Ich weiß, daß eben dieses der einmüthige Wunsch aller Souverains ist. Ich weiß, daß das Volck und alle rechtschaffenen Leute in Franckreich dieses ebenfalls wüschen. Ich erklähre also durch gegenwärtiges, daß ich mit aller in meinen Kräften stehenden und mir anvertrauten Macht die edelmüthigen Absichten des Generals Dümourier unterstüzen werde. Ich erklähre, daß ich einen Theil von meiner Armee vereinigen werde, um mit derselben als Freunde und Kriegs Cameraden, die eines gegenseitigen Zutrauens würdig sind, Franckreich seinen constitutionsmäßigen König und Constitution, die es sich selbst gegeben hat, wieder zu verschaffen und Glückseligkeit und Friede in demselben wieder herzustellen. Dem zofolg deklariere ich hiemit auf mein Ehrenwort, daß ich nicht nach Franckreich komme, um Eroberungen zu machen, und daß, wenn mit Städte übergeben werden sollten, ich dieselben als ein heiliges anvertrautes Gut ansehen, und sogleich wieder zurückgeben werde, sobald Franckreich die vom General Dümourier gebilligte Regierungs-Verfassung haben wird." -- Diese Proklamation wurde von dem, der sie verlaß, den Mitgliedern des N. Convents und den Zuhörern auf den Galerien öfters mit Gelächter unterbrochen; übrigens aber weiter keine Notiz davon genommen.

Santerre hat am 7. dieses der Commüne angezeigt, daß er von Monsieur, dem Grafen von Provence, zwey Schreiben erhalten habe, worinn derselbe in der Qualität eines Regenten von Frankreich verlange, daß Capets Sohn von dem Tag der Hinrichtung Ludwigs XVI. an, als Ludwig XVII. anerkannt werden soll. Die Schreiben sind nebst den gedruckten Beylagen dem N. C. zugestellt worden. -- Der Minister vom Seewesen, Monge, hat seine Stelle niedergelegt, und Dalbarat, einer von seinen Adjunkten, den er selbst vorgeschlagen, ist vom N. C. zu seinem Nachfolger ernennt worden.

L. Ph. J. Egalite, ehemals Herr von Orleans; der eine von seinen Söhnen, welcher bey der Armee dü Var diente, seine von ihm geschiedene Gemahlin, Madame Bourbon-Orleans, und L. Fr. Joseph Conti; welche alle zufolg des neulichen Dekrets als Mitglieder der Familie Bourbon in Verhaft genommen wurden, sind nun zufolg eines zweiten Dekrets nach Marseille transportiert worden.

Paris, vom 15. April. [20]

Die Seßionen des N. Convents werden von Tag zu Tag lärmender, und der gegenseitige Verdacht und Haß der beyden Partheien, in welche diese Versammlung der Volks-Representanten getheilt ist, bricht immer deutlicher und lebhafter aus; anstatt daß man hätte erwarten sollen, die neulichen für die Französis. Republik so bedenklichen Vorfälle werden diejenigen, die ihre Stifter seyn wolten und eben darum nun auch für ihre Befestigung und Fortdauer sorgen solten, immer genauer und enger vereinigen. Am 10. wurden den Vergniaud, Guadet, Brissot, Gensonne und noch mehrere Mitglieder von der rechten Seite von Robespierre als Mitschuldige des Dümourier in einer weitläufigen und heftigen Rede angeklagt. Die beyden erstern wiedersprachen ebenfalls umständlich den gegen sie vorgebrachten Beschuldigungen; und der Ankläger so wohl als die Angeklagten erhielten jeder von seiner Parthey Beyfalls-Bezeugungen. -- In der Seßion am 11. gab Marat die Veranlassung zu einem äusserst tumultuarischen Auftritt dadurch, daß er sagte: "Ich weiß nicht durch was für einen Schwindelgeist die strafbahre Faktion die Nation zu täuschen sucht, indem sie die Meinung des Publikums irre führt. Sie will die Blike von ihren Complotten ablenken, indem sie die Aufmerksamkeit auf eine eingebildete Verschwörung zieht. Ich will nicht entscheiden, ob Egalite, der Vatter, den ich immer als einen Menschen ohne Sitten und Tugend beschrieben, sich des Hochverraths gegen die Nation schuldig gemacht habe. Aber ich verlange, daß auf den Kopf seines Sohns, wie auf des Dümourier seinen; und eben so auch auf die Köpfe aller Flüchtlinge von der Familie Capet ein Preis gesezt werde." -- Ein anderes Mitglied sezte sich diesem Vorschlag entgegen und gab zu verstehen: Es dörfte vielleicht gewissen Leuten lieb seyn, wenn die vormahligen Prinzen nebst dem Dümourier und jüngern Egalite ermordet würden, damit sie ihre Mitschuldigen nicht endeken könnten. -- Nun gieng's los und der Tumult stieg aufs höchste. Alle Mitglieder von der rechten Seite stürzten sich gegen die Linke oder sogenannte Montagne, und es kamen entblöste Degen und Pistolen zum Vorschein. Erst nachdem der Lärm lange gedauret hatte, konnte nur mit Mühe die Stille wieder hergestellt werden.

Am 12. erhielt das N. Convent ein Schreiben von seinen Commissarien aus Valenciennes vom 9. dieses, worinn sie melden: Die Sachen befinden sich ungefehr noch immer in dem gleichen Zustand. Die Feinde zeigen sich von Zeit zu Zeit jenseits Conde; sie haben einige Haubizenschüsse gegen diesen Ort gethan, die aber denselben nicht erreichten. Man glaube, die Absicht dieser Kanonade sey blos ihren Marsch anders wohin zu verbergen; u. s. w. Zugleich übersendeten sie dem N. C. ein ihnen durch einen Oesterreichischen Trompeter überbrachtes Paket geöfneter Briefe, von denen sie vermuthen, daß sie bey den vom Dümourier arrettierten Commissarien gefunden worden seyen. -- In eben dieser Seßion wurden zween Briefe vom General Cüstine verlesen, in deren einem er berichtet, was ihm (wie bereits gemeldet worden) mit einem seiner Flügel-Adjutanten begegnet sey, welches er einer Verrükung desselben zuschreibt: in einem andern versichert er das N. Conv. von seiner Dankbarkeit für das gegen ihn bewiesene Zutrauen und wiederholt seine bereits über den Minister Beurnonville geführten Klagen. Dann sagt er nach einer Aeusserung über seine politischen Gesinnungen: "Ich habe geschworen, als ein Republikaner zu leben und zu sterben. Aber wenn ich diesen Eid halten soll, so muß das N. Conv. nicht selbst immer einen Kampfplaz vorstellen, wo die Leidenschaften gegen einander kämpfen; wo der Egoismus und Eigennuz einiger Personen auf Unkosten des National-Interesse herrschen; wo man nur das Geheul der Wuth, die Schmähungen des Hasses hört, wo die übertriebensten Entschlüsse die Stelle überdachter Untersuchungen einnemmen. Wenn der rechtschaffene Mann, der geradezu die Freyheit seines Vatterlandes will, nichts als die traurige Gewißheit vor sich sieht, daß er seinen Endzweck nicht werde erreichen können; so bleibt ihm nichts anders übrig, als er seinen Mitbürgern zu sagen, und neuerdings an die Representanten des Volks das Ansuchen zu thun, demselben nicht länger dienen zu müssen. -- Ich glaube es sey nur ein Mittel, daß Vatterland zu retten; ich werde dasselbe dem Committe von der allgemeinen Wohlfahrt und dem vollziehenden Conseil anzeigen. Wenn es genehmiget wird, wenn ihr mich für fähig haltet, dasselbe zur Vollziehung zu bringen, so lasset mir das Commando noch auf eine kurze Zeit. Soltet ihr aber gegen meine Wünsche die Wohlfahrt des Staats dem Ohngefähr der Ereignisse überlassen wollen; so nehmet neuerdings meine Dimißion des mir anvertrauten Commando über die Armee an. Ich will nicht ein Mitschuldiger von ihrem Ruin seyn, wenn ich ihre Ehre nicht habe sichern können." -- Diesem Schreiben war die Aufforderung des General Wurmser an den General Gillot, Commmandanten von Landau, nebst Cüstines Antwort auf dieselbe beygelegt. Die Aufforderung lautet so: "Sie wissen, mein Herr, daß Dümourier an der Spize seiner Armee die Commissarien des N. C. hat arrettieren und in das Haupt-Quartier des Prinzen von Coburg überliefern lassen, von da sie nach Mastricht transportiert worden sind. Dümourier hat seine Armee in den Schuz der Kayserl. Armee übergeben und Ludwig XVII. als König von Frankreich proklamiert. Sie sehen, daß sie keinen Augenblik zu verliehren haben, um zu zeigen, daß sie es mit der guten Sache halten. Als ein gebohrner Franzos schäze ich mich glüklich, die Armee Sr. Kays. Maj. zu kommandieren, die bereit ist, einer von Unsinnigen irre geführten Nation eine hülfreiche Hand zu bieten. Folgen sie dem Beyspiel einer von ihren Verirrungen zurük gekommenen Armee; übergeben sie mir einen Plaz, der unvermeidlich von den Armeen, die ihn zu umringen im Begriff sind, bezwungen werden muß. Lassen sie uns das Blut schonen, welches von Rasenden verschwenderisch vergossen worden ist; sezen sie mich in den Stand das Französische Volk das Wohlwollen der Souveräns erfahren zu lassen, die nichts anders wollen als die Ordnung in dem politischen System von Europa; aber bedenken sie, daß sie keinen Augenblik zu verliehren haben." -- Auf diese Aufforderung ertheilte General Cüstine in seinem Hauptquartiier in Weissenburg unterm 8. dieses nachfolgende Antwort:

"Der Antrag des General Wurmser ist aufs wenigste die höchste Prahlerey, wenn er sich einbildet, die Franzosen, denen die Vertheidigung von Landau anvertraut ist, zu erschreken oder durch die Anerbietung des Schuzes des Königs seines Herrn zu verführen. Der General Cüstine ertheilt ihm darauf zur Antwort, daß die Franzosen die Protektion von niemand, wer er auch sey, verlangen, und daß die Armee, die er commandiert, ihrem der Republick geschwornen Eid getreu die Freiheit und Gleichheit vertheidigen werde, an welchen Dümourier in Flandern zum Verräther worden ist. Der General Wurmser kennt die Französische Nation zu gut, als daß er nicht wissen sollte, daß 24 Millionen Menschen von niemand Geseze annehmen werden."

Die Generals Miranda, Lanoue und Stengel sind nebst dem vom Kriegscomitte abgestatteten ihr Verhör betreffenden Rapport an das Revolutions-Tribunal, welches bereits zwey Personen zum Tod verurtheilt hat, verwiesen worden. Auch dieser Rapport veranlaßte abermals unruhige Auftritte und heftige Wortwechsel zwischen Robespierre und Pethion. Aber noch grösser wurde der Lärm, als Guadet bey Gelegenheit seiner Vertheidigung gegen Robespierres Anklage eine von Marat unterschriebene Addresse der Jakobiner in Paris an ihre Brüder in den Departements verlas, deren Hauptinhalt um so viel mehr hier mitgetheilt werden muß, weil sie endlich einmal ein Anklags- und Verhafts-Dekret gegen Marat veranlaßt hat. So lautet sie: "Freunde, wir sind verrathen: zu den Waffen! zu den Waffen! die schröckliche Stunde ist da, wo die Vertheidiger des Vatterlandes entweder siegen, oder sich unter den Trümmern der Republick begraben müssen. Franzosen, nie war euere Freiheit mehr in Gefahr; unsere Feinde haben endlich auf ihre schwarze Treulosigkeit das Siegel gedruckt, und um sie zu vollenden geht Dümourier, ihr Mitschuldige, auf Paris los. Die offenbaren Verräthereien der mit ihm verbundenen Generalen lassen nicht daran zweifeln, daß dieser Rebellions-Plan und diese übermüthige Frechheit durch die strafbahre Faktion dirigiert werde, die ihn, wie der la Fayette, immer vergötterte, und uns bis auf den entscheidenden Augenblick über seine Aufführung betrog. -- Aber das sind noch nicht alle unsere Gefahren; wir müssen euch von einer noch viel traurigern Wahrheit überzeugen; euere ärgsten Feinde sind mitten unter euch; sie dirigieren euere Operationen, euere Rache; sie haben euere Vertheidigungsmittel in ihren Händen; ja, Brüder und Freunde, in der Senats-Versammlung selbst zerfleischen vattermörderische Hände euere Eingeweide! Ja, die Gegenrevolution ist bey der Regierung selbst, im N. C.; da, im Mittelpunkt euerer Sicherheit und euerer Hofnungen halten strafbare Abgeordnete die Fäden des Gewebes in ihren Händen, welches sie insgeheim mit der Horde der Despoten, die uns ermorden wollen, angelegt haben. Da ist eine vom Engländischen und andern Höfen dirigierte Cabale -- -- doch, schon entflammt der Unwille euern muthigen Patriotismus! Auf denn, Republikaner, lasset uns zu den Waffen greiffen!"

Diese Addresse nun veranlaßte ein heftiges Gemurmel in der Versammlung; 3. Viertheile derselben standen auf einmahl auf; "nach dem Gefängniß mit ihm," rief man; viele foderten ein Anklags-Dekret, besonders da ein Mitglied des N. Convents anzeigte, daß diese Marat unterschriebene Addresse wircklich in den Departements zirkuliere. Marat bestieg den Redner-Stuhl und sprach heftig; aber am Ende wurde dekretiert, daß er in Verhaft genohmen werden und das Gesezgebungs-Committe über die gegen ihn eingegebene Klagen am folgenden Tag einen Rapport abstatten soll.

Indessen, ehe dieses geschah, wurde in der Seßion am 13. ein Schreiben der Commissarien aus Valenciennes vom 12. verlesen, worinn sie berichten: der Feind liege noch immer vor Conde; der Communikazion mit Valenciennes, wie auch mit Quesnoy sey unterbrochen; zwey Trompeter haben dem General Dampierre die Addresse des Prinzen von Coburg an die Franzosen und ein Memoire von Dümourier gedruckt überbracht. -- Dieser leztere Umstand veranlaßte ein Dekret, nach welchem jeder General mit dem Tod bestraft werden soll, der sich mit dem Feind in Traktaten einläßt, ehe derselbe die Souveränität des Volcks und der Republick anerkannt hat. Zugleich wurde auch dekretiert: "Das N. Convent wolle sich nicht in die Angelegenheiten auswärtiger Regierungen mischen; aber eher werde Franckreich unter seinen eigenen Ruinen sich begraben, als irrgend einen Traktat unterzeichnen, der nicht die Anerkennung der Republick und der Souveränität des Volcks zur Grundlage habe."

Ein Sekretär verlaß nun einen Brief von Marat ohne Datum, und Anzeige des Orts, wo er geschrieben worden. Er wiederholt in demselben seine Beschuldigungen gegen einige Mitglieder des N. Convents und meldet, daß er sich vor den Dolchen und Mördern in Sicherheit gesezt habe, aber deswegen nicht aufhören werde, im Namen des Volcks auf die Intriguenmacher und Freunde des Dümourier ein wachsames Aug zu haben. -- Nun machte das gesezgebungs-Committe den Anfang seines Rapports mit abermahliger Vorlesung der oben angeführten Addresse der Jakobiner; die Galerien ertheilten derselben zu wiederholtenmahlen ihren lauten Beyfall, und 60. bis 80. Mitglieder von der linken Seite unterschrieben diese Addresse zum Beweiß ihrer Billigung derselben. Es wurde dekretiert, daß dieselbe mit den Unterschriften an die Departements und Armeen überschickt werden soll. Gensonne schlug vor: daß man wegen der offenbahren Trennung in dem N. Convent unverzüglich die Primar-Versammlungen zusammen beruffen, das N. Convent aber doch ehe es auseinander gehe, noch vorher die Grundlage der Constitution dekretieren soll. Ueber diese Vorschläge soll nun nächstkünftigen Montag berathschlaget werden. Das Gesezgebungs-Committe fuhr in seinem Rapport weiter fort; und unterstüzte seine Meynung, daß ein Anklags-Dekret gegen Marat abgefaßt werden müsse, mit Stellen aus seinen periodischen Blättern, worinn er zu wiederholten mahlen zum Plündern und Morden, zum Ungehorsam gegen die Geseze und zur Aufhebung des N. Convents gerathen hat. Nun wurde, ungeachtet einige und besonders Robespierre es zu verhindern suchten, zur Stimmen-Gebung durch namentlichen Aufruf geschritten. Dieser nahm am 13. Abends um halb 11. Uhr den Anfang und daurte bis am folgenden Morgen um 6. Uhr, weil die meisten Mitglieder des N. Convents ihre Stimme mit Gründen begleiteten; 40. ungefehr wolten, weil sie in Marats Blättern mißhandelt worden waren, ihre Stimmen aus Diskretion gar nicht geben. Am Ende dieser Seßion, welche 21. Stunden gedauret hatte, war das Resultat, daß mit 220. Stimmen gegen 92. das Anklags-Dekret gegen Marat erkannt wurde. Der President hatte dringend verlangt in seinem Vorsiz von jemand abgelöset zu werden; aber niemand wollte sich dazu verstehen, seine Stelle einzunehmen. -- Die gestrige Seßion war ganz den eingegebenen Petitionen gewiedmet.

Paris, vom 19. April. [21]

In der Seßion am 15. erschienen vor dem N. Conv. die Commissarien der meisten Sektionen von Paris mit dem Maire an ihrer Spize. Der erste Substitut des Prokureurs der Commüne führte in ihrem Namen das Wort und sagte: "Gesezgeber, die Könige lieben die W_hrheit nicht, aber die Völker wollen sie immer; wir kommen um Rache von euch zu fordern für die den geheiligten Rechten des Volks seit langer Zeit zugefügten Mißhandlungen." Der Redner schilderte hierauf die Verbrechen, deren sich, wie die Sektionen glauben, einige Mitglieder des N. Convents schuldig gemacht haben und deren Verstossung aus dieser Versammlung dieselben verlangen. Er nannte 22., und unter andern Brissot, Vergniaud, Guadet, Gensonne, Pethion, Barbaroux, Büzot, Gorsas, Lasource, Rabaut St. Etienne, Fauchet, u. s. w. Die Anbringer dieser Petition musten dieselbe unterschreiben. Der Maire wolte dieses anfänglich nicht thun; nachher aber, um allen Verdacht auszuweichen, verstand er sich doch dazu. Die Galerien ertheilten diesem Andringen zu wiederholten mahlen ihren Beyfall. Mehrere Mitglieder des N. Convents äusserten ihr Bedauren darüber, daß ihre Namen nicht auch in dem Verzeichniß der Proscribierten stehen: Ueber die Petition selbst wurde erst in der folgenden Seßion am 16. berathschlaget; aber noch ist bisher nichts darüber entschieden worden.

In einer der leztern Seßionen ist auch wieder mit den Berathschlagungen über den Plan einer Constitution der Anfang gemacht worden, und es sollen nun wochentlich 3. Tage zu diesem Geschäft angewendet werden.

Die Commissarien in Lyon haben unterm 10. dieses berichtet, daß sie verschiedene Kuriers anhalten lassen und dadurch auf die Entdekung gekommen seyen, daß man den General Kellermann habe bewegen wollen, an der Spize eines Theils von seiner Armee gegen Paris auzurüken. Die Sache wurde an das Committe von der allgemeinen Wohlfahrt gewiesen. -- Von Nantes schreibt man, die benachbarten Distrikte seyen noch in der Gewalt der Rebellen.

Das Revolutions- oder ausserordentliche Criminal-Tribunal hat am 15. dieses den gewesenen Marschall de Camp und Gouverneur der Französischen Antillischen Insuln, Blanchelande, zum Tod verurtheilt und das Urtheil ist noch am gleichen Tag Abends um 4. Uhr vollzogen worden.

Die Commissarien berichten aus Valenciennes vom 12. dieses: Die Vorposten unserer dortigen Armee seyen angegriffen und zum Weichen gebracht worden, weil ihnen der Feind an Anzahl überlegen und mit guter Artillerie versehen war. Zugleich überschikten diese Commissarien nachfolgendes Schreiben des Feld-Marschalls von Coburg an sie, aus seinem Haupt-Quartier Boussü vom 15. dieses: "Mein H Herrn! Ich habe den General Dümourier nicht als einen Verräther angesehen, er hat bey uns niemahls von etwas anderm, als der Wohlfahrt des Vatterlandes gesprochen; auf diesem respektabeln Grund beruhete seine Unternemmung; diesem Wunsch zufolg habe ich ihn aufgenommen, und nach demselben solten sie ihn beurtheilen. Sie und er sind verschiedener Meinung; das ist sein Verbrechen; seine Grundsäze rieffen ihn zu der Constitution zurük, die einst euer Abgott war; er fand in derselben das Glük von Frankreich und die Ruhe von Europa; er verdient deswegen nicht der Infamie und dem Tod der Verbrecher überliefert zu werden; er ist nie mit uns in einem Verständniß gestanden, und wir haben uns auf eine Art mit einander geschlagen, welche beweist, daß kein solches Einverständniß zwischen und statt fand. Sie beschuldigen ihn in ihren Proklamazionen, daß er sein Vatterland den Feinden habe überliefern wollen. Die erste Bedingung, welche, so bald wir uns einander näherten, er und die Generalen, die ihm gefolgt sind, feyerlich machten, war, daß sie niemals darein willigen würden, daß andere Mächte sich in die innere Einrichtung euerer Regierung mischen oder daß man irrgend einen Theil von Frankreich davon trenne; diese Gesinnung haben sie seitdem nicht geändert. Was die 4. Commissarien des N. Convents betrift, so steht ihr Schiksal in euern Händen. Ich appelliere in Ansehung aller dieser Gegenstände von den gewaltthätigen, tyrannischen und passionierten Entschlüssen einiger Mitglieder der Versammlung an diejenigen unter ihnen, die ihr Vatterland wahrlich lieben. Möchten sie ein Mittel ausfündig machen, den Zerrüttungen, welche Frankreich zerreissen und das übrige Europa übern Hauffen werffen, ein Ende zu machen; das ist eben so sehr mein Wunsch, als es der ihrige ist." -- Weil die Commissarien Dübois-Dübais und Priez, an welche dieses Schreiben gerichtet war, in ihrer Beantwortung desselben sich darauf eingelassen, mit Gründen zu beweisen, daß republikanische Grundsäze die einzigen seyen, die ein Volk, welches wahrhaftig frey seyn will, annehmen müsse; so hat das N. Convent einmüthig dekretiert, daß ihr Verfahren, weil die Würde der Republik dadurch kompromittiert worden, mißbilliget, und daß sie zurük beruffen und andere an ihre Stelle abgeschickt werden sollen.

Eben diese Commissarien in ihrem Schreiben vom 13. und auch der General Dampierre in dem seinigen vom 15. berichten einige über die Feinde erhaltene Vortheile.

In der Seßion am 16. wurde von dem N. Convent ein Manifest der Französischen Nation an alle auswärtige Völker dekretiert, betreffend die von dem Prinzen von Coburg gegen die ihm von Dümourier überlieferten National-Representanten verübte Verlezung des Völker-Rechts. Das vollziehende Conseil erhielt den Auftrag, dieses Manifest an alle auswärtige Regierungen zu überschicken. -- In weben dieser Seßion wurde dekretiert, daß die Güter des Philipp von Orleans sequestriert, und daß derselbe, so wie die übrigen Mitglieder von der Familie der Bourbons vor dem Criminal-Tribunal in Marseille verhört werden sollen.

In der gestrigen Seßion überbrachten 2. Deputierte vom Departement der Gironde in Güyenne verschiedene Schriften, die in Bordeaux einem daselbst angehaltenen Kurier abgenommen worden. Es sind Blätter von Marat, die Anklage Collots gegen Roland, die Addresse der Jakobiner an die Departements, Aufforderungen zum Mord und zur Verjagung der Volks-Representanten, welche im Prozeß des Königs für die Appellazion an das Volk ihre Stimme gegeben, und endlich verschiedene Briefe, in deren einem es unter anderm heist: Die Marseillaner seyen im Anzug, um (so lautet der Ausdruk) den Royalisten das Brodtessen zu vertreiben. Bey diesen Worten äusserten die Galerien ihren Beyfall. Aber der bey weitem grössere Theil der Versammlung bezeugte denselben seinen Unwillen und es wurde dekretiert, daß in dem Protokol dieser Seßion angemerkt werden soll, die Galerien haben den Vorschlag, Mitglieder des N. Convents zu massakrieren, ihren Beyfall ertheilt. Alle diese von Bordeaux überbrachte Schriften sollen gedrukt werden.

Paris, vom 22. April. [22]

Das N. Convent hat seit dem 19. Lasource zum Presidenten. Noch in der Seßion am 18. hatte es den Anschein, als wenn die Mitglieder dieser Versammlung die besonders seit einiger Zeit unter ihnen mangelnde Einigkeit wieder herstellen wolten; aber in der Folge zeigte es sich bald wieder, daß die Harmonie unter ihnen schwerlich von Dauer seyn wird. -- In eben dieser Seßion verlangten die Commünen des Departements von Paris durch ihre Magistratspersonen von dem N. Convent ein Dekret, wodurch der Preis des Getraides in allen Departements gleich angesezt, und dasselbe um diesen Preis auch den Parisern erlassen werden soll; als wenn eine Waaren in einer Entfernung von 20. und mehr Stunden um eben den Preis, wie an Ort und Stelle selbst, erlassen werden könnte. Man suchte ihnen das Unthunliche ihres Begehrens, und wie die Theurung dadurch nur würde befördert werden, begreiflich zu machen, und die Sache wurde übrigens an das Landwirthschafts-Committe gewiesen. Ueberhaupt läst der Brodt-Mangel in Paris neuerdings Unordnungen befürchten. Die Beker-Läden sind den ganzen Tag über von einer Menge Leute wie belagert, und es ist für viele schwehr, Brodt zu bekommen. Indessen glaubt man, dieser Mangel sey eine von Uebelgesinnten angestellte Sache, und das Vorspiel zu einem Aufstand, den die Jakobiner zu erregen im Sinn haben, um sich die Deputierten von der linken Seite im N. Convent vom Hals zu schaffen; und es heist, die meisten der mit ihnen verbundenen Clubs schicken bewafnete Leute nach Paris.

Die Commissarien in Valenciennes haben in ihrem Schreiben vom 16. berichtet: Conde sey noch immer eingeschlossen; Maubeuge sey aufgefordert worden, wolle sich aber vertheidigen; am 15. seyen die Feinde in einem Gefecht zurük getrieben worden, und es dörfte nächstens, vielleicht am folgenden Tag, zu einem wichtigen Treffen kommen.

Die Commissarien aus Nantes haben unterm 15. dieses berichtet, die Unterdrükung der dortigen Unruhen habe noch immer einen glüklichen Fortgang. Indessen scheint es damit noch nicht ganz richtig zu seyn; wenigstens nach dem, was erst noch in der Seßion am 16. einer von den Representanten des dortigen Departements im N. Conv. gesagt hat. Er bezeugte nemlich seine Verwunderung darüber, daß in der Versammlung so wenig von Nantes die Rede sey, da doch er und seine Collegen immer noch von Zeit zu Zeit beunruhigende Nachrichten von dorther erhalten. Diese Stadt sey seit einem Monat so viel als belagert, sie müsse täglich 1000. Mann zu ihrer Vertheidigung innerhalb ihrer Mauren aufbieten, und 1500. um Ausfälle gegen die Feinde zu thun; auch beklagte er sich darüber, daß man die Rebellen anstatt nach dem Innern des Landes, immer nur gegen die Küsten zu treibe, wo sie eine Landung der Engelländer begünstigen können. Es wurde hierauf dekretiert, daß der eben in Paris anwesende General Labourdonnaye dem Committe von der allgemeinen Wohlfahrt über den Zustand der Sachen Bericht abstatten soll.

In der Seßion am 19. erschien ein Adjutant des General Dampierre, welcher Briefe von demselben und von den dortigen Commissarien überbracht hatte, vor dem N. Convent. Nach seinem den Inhalt dieser Briefe bestätigenden mündlichen Bericht ist die dortige Armee voll Muth und Entschlossenheit, sich aufs äusserste zu wehren; die Avantgarde habe sich zwar am 14. nach einem viele Stunden lang daurenden Gefecht zurükziehen müssen; aber am folgenden Tag habe sie Vortheile über die Feinde erhalten. Die Oesterreicher scheinen den Frieden zu wünschen; Prinz Coburg habe diesen Wunsch mündlich und schriftlich geäussert, und die feindlichen Vorposten suchen immer Gelegenheit mit unsern Leuten zu reden; aber der General Dampierre habe alle Communikazion mit ihnen verbotten; zwischen den verbundenen Mächten herrsche Uneinigkeit, die bald ausbrechen dörfte: u. s. w.

Das N. Convent fährt immer fort von einer Seßion zu der andern neue Artikel zu der "Deklaration der Rechte" hinzuzufügen, welche der abzufassenden neuen Constitution zur Einleitung und Grundlage dienen soll. Sie werden aber füglicher zusammen, wenn sie vollständig sind, als jzt stükweis mitgetheilt werden können.

In der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreiben der Commissarien bey der Armee des General Cüstine aus Weissenburg vom 15. dieses verlesen, worinn sie berichten: diese Armee kampiere bey dieser Stadt in einer sehr vortheilhaften Stellung; sie sey voll Muth und Eifer; die Communikazion mit Landau sey noch immer frey und diese Festung befinde sich in dem vortreflichsten Vertheidigungs-Zustand, und sey mit allem erforderlichen auf lange Zeit versehen. Sie haben von ihren Collegen, den Commissarien in Mainz, ein Schreiben erhalten, worinn sie ihnen sagen, daß sie diese Stadt nicht verlassen und eher sterben als dieselbe übergeben wollen. Auch habe der feindliche General Prinz Hohenlohe in einem ihnen zugeschickten Schreiben dem ausgestreuten falschen Gerücht wiedersprochen, daß das in die Kriegs-Gefangenschaft gerathene 4te Bataillon vom Departement des Vosges gegen das Kriegsrecht niedergemacht worden sey.

Ein Kurier vom General Cüstine hat die Nachricht überbracht, daß unsere Truppen wieder in Zweybrüken und Homburg eingerükt seyen, um die Communikazion zwischen den Armeen zu sichern. -- Eben auch in der vorgestrigen Seßion geschahen verschiedene klagbahre Anzeigen. Ein Mitglied beschuldigte den neuen Kriegs-Minister, daß er die Armee desorganisiere; ein anderer zeigte an, daß an den Eken der Strassen und in den Sektionen unter Trommelschall die Leute aufgefordert werden, ein Petition einiger Pariser gegen 22. Mitglieder des N. Convents zu unterschreiben. Noch andere sagten: die Commüne von Paris habe einen Aufstand gegen das N. Convent deklariert; und die Munizipalität habe ein Committe errichtet, um mit den 44000. Munizipalitäten der Republik zu korrespondieren. Alle diese Denunziationen veranlasten theils heftige Debatten, theils den von N. Convent sogleich genehmigten doppelten Vorschlag, daß über die jüngst erwähnten Petition der meisten Sektionen von Paris ein entscheidender Ausspruch gethan, und daß das Anklags Dekret gegen Marat dem N. Convent vorgelegt werden soll. Jenes geschah durch ein De_ret, wodurch das N. Convent die von 35. Sektionen unterschriebene und vom General-Conseil der Pariser Commüne genehmigte Petition als verläumderisch mißbilliget, und verordnet, daß dieser sein Ausspruch an die Departements überschickt werden soll. -- Das Akkusations-Dekret gegen Marat, (der übrigens nicht in der Gefangenschaft ist, weil er sich der Verhaftnehmung zu entziehen gewust hat, und so wie schon ehmals in einem unterirrdischen Aufenthalt sein aufwiegelndes Journal noch immer fortsezen soll) lautet so: Zufolg des vom Gesezgebungs Committe abgestatteten Rapports, und weil Marat überwiesen worden, daß er in seinen Schriften zum Mord, zur Verachtung und Auflösung des N. Convents und zur Errichtung einer die Freyheit zerstörenden Gewalt aufgefordert habe: erkennt das N. Conv. gegen Marat die Anklage und dekretiert, daß er dem Revolu_ions-Tribunal übergeben werden soll. -- Nach geschehener Genehmigung dieses Dekrets, erschienen zufolg einer kurz vorher abgefasten Verordnung einige Mitglieder vom General Conseil der Commüne vor dem N. Convent mit dem Protokol von ihrer am 18. dieses gehaltenen Seßion, worinn dasselbe verordnet hatte: 1) Das Correspondenz-Committe mit allen Munizipaliten der Republick soll unverzüglich in Thätigkeit gesezt; 2) Es soll allen Departements-Commißionen von dem Schluß, wodurch die Petition von der Mehrheit der Sektionen gebilliget worden, ein Exemplar zugeschickt, und 3) von dem Drucker dem Correspondenz Committe eine Anzahl von 12000. Exemplaren dieser Petition zugestelt werden. -- Nun entstand über die Frage, ob den anwesenden Mitgliedern der Commüne die Ehre, der Seßion beyzuwohnen, gestattet werden soll, ein heftiger Tumult. Der President ward genöthiget, zum Zeichen, daß Unordnung in der Versammlung herrsche, den Hut aufzusezen; man verlangte den namentlichen Aufruf; er wurde erkant, aber wieder unterbrochen; nach einem neuen Zanck, der mehrere Stunden fortdauerte, wurde er wieder fortgesezt, aber nun giengen die Mitglieder von der rechten Seite weg. Die Deputierten der Commüne erhielten zu grosser Zufriedenheit der Galerien die Ehre, der Seßion beyzuwohnen und diese nahm um 1. Uhr nach Mitternacht erst ein Ende.

In der gestrigen Seßion, welche wie alle Sontags-Sessionen, meistens mit Anhörung und Verlesung von Petitionen zugebracht worden, wurde unter andern eine vom Departement dü Pas de Calais verlesen, worinn dasselbe darüber klagt, daß die Küsten nicht mit genugsamer Mannschaft besezt seyen; die Engelländer haben schon über 600. Gefangene gemacht, die Ausrüstung der Kaper-Schiffe werde nicht mit Eifer betrieben; und die Handlung nicht geschüzt; die Engl. Fregatten nähern sich den Küsten bis auf einen Kanonen-Schuß, ohne daß man sie verjagen könne; das Departement verlange mehrere Truppen. Dieses Ansuchen wurde an das Committe von der allgemeinen Wohlfahrt g_wiesen.

Paris, vom 26. April. [23]

Nach den Berichten der Commissarien in Valenciennes an das N. Convent, und des General Dampierre an den Kriegs-Minister befinden sich die Sachen an den dortigen Gränzen ungefehr immer noch in dem gleichen Zustand, und anstatt daß die Feinde weiter vorgerükt seyn solten, haben vielmehr unsere Truppen Vortheile über dieselben erhalten. Als unter anderm die erstern am 21. dieses einen unsern Vorposten bey Maubeuge angreffen, fiel ein Gefecht vor, welches von 5. Uhr Morgens bis 3. Uhr Nachmittags daurte, und nach welchem endlich der Feind sich in der grösten Eilfertigkeit zurückzog. Givet und Charlemont erwarten angegriffen zu werden, auch glaubt man, es stehe Valenciennes eine Belagerung bevor; aber man ist, wie die Commissarien versichern, in Ansehung des Erfolg von beyden unbesorgt.

In der Seßion am 22. erschien eine Deputation der Bewohner von der St. Antons-Vorstadt vor dem N. Convent, und verlangte, daß dasselbe Frankreich sobald möglich eine republikanische Constitution geben, und einmahl die Einigkeit in seinen Versammlungen wieder herstellen soll.

In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent von dem Prokureur-General-Syndik des Departements der Obern-Pyrenäen Nachricht, daß 2000. Spanier in dieses Departement eingedrungen seyen, vermittelst der Treulosigkeit der Commüne St. Laurent, die sich zu den Feinden geschlagen, um die National Freywilligen zurük zu treiben, und deren ganze Munizipalität sich seitdem weggemacht habe. Es eilen zwar mehrere Freywillige mit Kanonen herbey, um den Feind wieder zu vertreiben; aber es dörfte wohl zur Sicherheit der dortigen Gegenden ein Lager von 18000. Mann erforderlich seyn.

In eben dieser Seßion erschienen einige Personen vor dem N. Convent mit der Nachricht, daß Marat von dem ausserordentlichen Tribunal losgesprochen worden sey, und verlangten zugleich die Erlaubniß durch den Versammlungs-Saal zu defilieren, um den Representanten des Volcks ihre Freude über Marats Unschuld zu zeigen, die Erlaubniß wurde bewilliget; nun traten viele Bürger und Bürgerinnen unbewafnet herein, und sezten ich alle auf die unbesezten Bänke. Sie und die Zuschauer auf den Galerien rieffen: Es lebe die Republik! Es lebe die Nation! Einige auch: Es lebe Marat! An der Spize dieser Bürger befanden sich Gendarmes und Munizipal-Beamtete. Endlich kam Marat selbst und nahm seinen Plaz wieder ein; er hatte auf dem Kopf einen Loorbeer-Kranz, den er abnahm: Bürger, Bürgerinnen, Mitglieder der Versammlung umarmten ihn; dann bestieg er den Redner-Stuhl und sagte: Bürger, ihr sehet hier einen Representanten des Volks, dessen Rechte verlezt worden, dem aber doch Gerechtigkeit wiederfahren ist. Ich schwöre neuerdings, es mit der Sache der Gleichheit, der Gerechtigkeit und des Volks zu halten. -- Wiederholte Beyfalls-Aeusserungen von vielen begleiteten ihn wieder an seinen Plaz; aber die ganze rechte Seite der Versammlung hatte den Saal verlassen.

Gestern kommunizierte der President dem N. Convent ein Schreiben des General Cüstine vom 20. dieses, worinn er unter anderm sagt: Es sey ihm nicht unerwartet gewesen; daß man von seinem Schreiben bey Anlaß der Verrätherey des Dümourier den Vorwand zu mancherley Verläumdungen über ihn hergenommen habe; aber der Mißbrauch, welchen die Unruhstifter davon gemacht, nöthige ihn, noch einmahl von sich selbst zu reden: Er schwöre hiemit neuerdings der Sache der Freyheit und der Republik treu zu bleiben. Was er in seinem lezten Schreiben vorgeschlagen, gründe sich auf die damahligen Gefahren. Es freue ihn, daß die damahls von ihm vorgeschlagenen starken Rettungs-Mittel nun nicht mehr nöthig seyen; vielmehr wurde er jzt selbst für gefährlich halten. Es heisse, man werde ihn anklagen; er freue sich darauf, weil ihm dieses Gelegenheit geben werde, ganz Frankreich die Untadelhaftigkeit seines bisherigen Betragens zu beweisen; u. s. w.

Paris, vom 29. April [24]

Zufolg eines Schreibens der National-Commissarien aus Valenciennes vom 24. haben die Feinde einige ihrer Vorposten zurük gezogen, und eines ihrer Lager abgeändert. Unsere Armee, sagen sie, sey mit Proviant wohl versehen und täglich kommen Rekruten bey derselben an. Es scheine nicht, als wenn die Feinde etwas vorhaben, weßwegen man sich sehr fürchten müsse. Sie selbst, die Commissarien, haben durch das vom N. Convent gegen sie abgefaste Dekret das Zutrauen des dortigen Departements verlohren, welches nicht mehr mit ihnen korrespondieren wolle. Sie verlangen deßwegen, daß ihnen das N. Convent entweder sein Zutrauen wieder schenken, oder sie in ihrer Stelle durch andere ablösen lassen soll. Ihrem Schreiben war eines vom Prinzen von Coburg an den General Lamorliere beygelegt, womit er Briefe von Beurnonville und den arrettierten Commissarien an ihre Familien begleitete, und wünscht daß man diesen HHerrn bald zu ihrer Beruhigung Nachricht von den ihrigen verschaffen möchte.

In der Seßion am 26. wurde ein Schreiben der Commissarien im Departement der Obern-Pyrenäen aus Perpignan vom 21. dieses Monats verlesen, worinn sie eine schleunige Einrichtung einer Armee verlangen, um sich dem Einfall der Spanier wiedersezen zu können. Ein Corps von 1800. Mann, welches sie aus Ardes habe vertreiben wollen, sey in Unordnung und mit Verlust zurük geschlagen worden. Die Soldaten schreiben diesen Unfall der Ungeschiklichkeit ihrer Anführer zu, die ohne Kenntniß der Lage und der Anzahl der Spanischen Truppen sich auf einer Ebene in ein Gefecht eingelassen haben. In einem spätern gestern verlesenen Schreiben klagen eben diese Commissarien über den mangelhaften Zustand der Armee an den Pyrenäen und melden, daß sie den General Düberger, der sich durch unpatriotische Reden verdächtig gemacht, haben arrettieren und nach Paris vor das N. Conv. transportieren lassen.

Der Commandant von Dünkirchen, Pascal, hat dem N. Convent berichtet, daß er am 24. dieses von dem Befehlshaber der Engl. Escadre vor diesem Seehafen, Sir John Clemens, zur Uebergabe aufgefordert worden sey, aber diese Aufforderung kurz und entschlossen abgewiesen habe.

In den nördlichen Departements, besonders in der vormahligen Provinz Bretagne, scheinen die Sachen noch immer ein sehr bedenklich Aussehen zu haben; nach einem Bericht, welcher in der vorgestrigen Seßion aus dem Departement von Mayenne und Loire mündlich abgestattet worden. Wir können, sagten sie, nicht zuverlässig wissen, wie groß die Anzahl der Feinde ist, mit denen wir es zu thun haben; überhaupt haben wir gegen die Einwohner eines Landes von 50. Stunden in der Länge, und 15. in der Breite zu kämpfen. Sie haben geschikte Anführer, sind mit einer zahlreichen Artillerie versehen und vom Fanatismus so stark beseelt, daß keine Gefahr sie schrekt. Sie kommen überall zum Vorschein, und oft, wenn man sie zerstreut zu haben glaubt, fallen sie plözlich über die Patrioten her, und überwältigen sie durch ihre Anzahl, und die Hize, womit sie gegen sie fechten. Viele von ihnen werden durch unsere tapfere Freywilligen niedergemacht, aber da diese viel schwächer an der Zahl sind, so behaupten jene öfters das Schlachtfeld. Wir haben ihnen nichts entgegen zu sezen, als einige wenige Cavallerie und Landleute, die nicht in den Waffen geübt sind. Die Nationalgarde der Stätte ist nach den Gränzen abgegangen, 600. Mann von Angers sind der Stadt Nantes zu Hülf gezogen. Noch unlängst, da wir dem Feinde eine Strecke Landes von 10. Stunden abgenohmen hatten, wurde der linke Flügel der Armee, den Legonier kommandierte, zurückgeschlagen, und nach einem 7stündigen Gefecht wurden 165. Grenadiers zu Kriegsgefangenen gemacht. Einige Tage nachher wurde der rechte Flügel unter dem General Vauvilliers umzingelt und gänzlich geschlagen; wir verlohren viele Gefangene und die ganze Artillerie fiel den Feinden in die Hände. Die Ursache von allem diesem Unglück ist die Langsamkeit des General Berrüyer und seine Weigerung mit dem Commissarien des Departements zu kommunizieren. Die Freywilligen verlassen uns täglich und wenn die Horde der Contre-Revolution bey Saumür oder Angers über die Loire geht, so können wir sie unmöglich aufhalten. Aus allem diesem erhellet, daß wir exerzierte Truppen, Waafen, Munition, Unterstüzung mit Geld, und erfahrne, patriotisch gesinnte Generalen höchst nöthig haben. Die Sache ist bereits von dem Committe der allgemeinen Wohlfahrt in Ueberlegung genommen, und von demselben Rapport abgestattet worden.

In eben dieser Seßion zeigte der Justizminister, Gohier, dem N. Convent an, daß am 26. dieses in dem Hotel seines Departemans Feuer ausgekommen, aber zum Glük bald wieder gelöscht und nur das Dach nebst den obern Böden von den Flammen verzehrt worden sey: Alle Schriften seyen in Sicherheit gebracht worden. Aber wichtiger als dieser Brand war ein anderer in dem Hafen von Orient, wovon der Marie und die Munizipalität dieser See-Stadt dem N. Convent in einem Schreiben Nachricht ertheilt hat, und wodurch in der Nacht zwischen dem 22. und 23. dieses Monats in wenig Stunden mehrere Magazine dieses Seehafens beynahe mit allem, was darinn war, in Asche verwandelt, und kaum noch ein Theil der dort befindlichen Schriften gerettet worden ist. Man habe Ursache, schreiben sie, dieses für die Nation beträchtliche Unglük nicht als die Wirkung eines blossen Zufalls sondern der Bosheit der Revoluzions-Gegner anzusehen und es seyen bereits einige verdächtige Personen in Verhaft genommen worden.

Als in der gestrigen Seßion von der Fürsorge und Anschaffung der Lebensmittel die Rede war, welcher Gegenstand diesmahl das N. Convent sehr beschäftiget und in Verlegenheit sezt; so schlugen einige Mitglieder vernünftige und billige Mittel dazu vor; unter anderm: Die Bevollmächtigung der administrierenden Corps die Landleute, Pächter und Gutsbesizer anzuhalten, daß sie die Marktpläze mit Getraid versehen, die Sicherung dieser leztern gegen alle Gewaltthätigkeit, die Verminderung der zirkulierenden Assignaten, die Handhabung der Freiheit des innländischen Getraide-Handels u. s. w. Marat hingegen sagte: Die Brodt-Theurung ist blos das Werk der Korn-Juden und Getraide-Händler; sie ist eins von den Contre-Revoluzions-Mitteln; um demselben zu steuren sind revoluzionarische Geseze nöthig. Man lasse die Sans Cülottes mit den Munizipalitäts-Beamteten an ihrer Spize die Korn-Häuser öfnen; sogleich wird Ueberfluß da seyn.

Paris, vom 3. May. [25]

Als in der Seßion am 30. des vorigen Monats abermals von den Lebens-Mitteln die Rede war, und ein Mitglied des N. Convents zu verstehen gab, daß man bey den Verordnungen darüber auch auf den Landmann Rüksicht nehmen müsse, der künftig seine Felder nicht ansäen werde, wenn man ihn jzt ruiniere; so wurde diese Bemerkung von den Galerien mit höhnischen Aeusserungen des Mißfallens aufgenommen. Dieses gab ein paar andern Mitgliedern Anlaß, über die Einschränkung der Freyheit des N. Convents bey seinen Deliberationen zu klagen. Eine National-Representation, sagte Guadet, die man verächtlich macht, existiert eben deßwegen schon nicht mehr. Die Autoritäten von Paris wollen es nicht leiden, daß wir respektiert werden sollen. Ich verlange deßwegen ein Dekret, zufolg dessen das N. Convent nächstkünftigen Montag seine Seßion in Versailles halten soll. -- Dieser Vorschlag veranlaste eine heftige Bewegung in der Versammlung; wurde aber doch weiter nicht in Betrachtung gezogen; nur nahm Marat davon Anlaß, neuerdings vorzuschlagen, daß man auf die Köpfe aller Emigrierten von der Familie Capet einen Preis sezen soll; wodurch alle Deputierten beweisen würden, daß sie wahre Republikaner seyen; und das sey das Mittel zur Wiederherstellung des gegenseitigen Zutrauens. Hierauf sagte Büzot: Unser Zustand ist wahrlich äusserst kläglich; man muß in Ansehung des allgemeinen Wohls alle Hofnung aufgeben, wenn noch immerfort alle Verbrechen, die uns umringen, Einfluß auf uns haben. Wir haben in der That keine politische Existenz; und in Paris giebt es keine Autorität, keine Gesellschaft die nicht mehr Gewalt habe, als wir. Wir sind mit Mördern umringt; man findet dergleichen in den Büreaux vom Departement des Kriegs und des Seewesens, in den Administrationen, und selbst in unserm Versammlungs-Ort; ihre Mörder-Höhle befindet sich in einem benachbarten Caffe-Haus, wo sie täglich ihre blutdürstige Denkungsart äussern. So bringt es eben die Natur der Sache mit sich. Diejenigen, die einmahl ihre Hände in Menschenblut getaucht haben, werden immer darnach dürsten. Wenn ihr sie nicht bestraft habet, so war das nicht der Fehler eueres Herzens; ihr fühltet es alle, daß diese grossen Verbrecher gestraft werden solten; aber ihr konntet es nicht thun. Gegen einen von diesen Böswichtern (es ist leicht zu errathen, wen Büzot meinte) ist ein Dekret ergangen; aber er ist dem Schwedt des Gesezes entgangen, und um euch desto mehr zu kränken, hat man ihn mit Ehrenbezeugungen überhäuft und im Triumph hieher zurükgebracht. Die Chefs der Conspirationen sind nicht die Aristokraten; sie sind im Jakobiner-Club. -- Nun wurde verlangt, daß diejenige Galerie, welche an der erregten Unordnung am meisten Antheil gehabt hatte, von denen, die sich darauf befanden, geräumt werden soll; es geschah; und so war es endlich wieder still und ruhig. -- Zufolg eines in dieser Seßion abgestatteten Rapports von dem Committe der allgemeinen Wohlfahrt ist die Land-Macht der Republik in 11. Armeen eingetheilt, und diejenige, die Dümourier kommandierte, gegenwärtig 90,000. Mann stark. Nach eben diesem Rapport sollen die 180. Commissarien, oder Volks-Representanten (wie sie künftig heissen werden) welche sich jzt bey den Armeen und in den Departements befinden, auf 59. reduziert werden. Jene 11. Armeen sollen zu stehen kommen: 1) Gegen Norden von Dünkirchen bis Maubeuge, 2) in den Ardennes von Maubeuge bis Longwy; 3) an der Mosel von Longwy bis Bitche; 4) am Rhein von Bitche bis Brundrut; 5) an den Alpen, 6) in Italien, 7) an den östlichen Pyrenäen; 8) an den westlichen Pyrenäen; 9) an den Küsten bey Rochelle; 10) bey Brest, 11) bey Cherburg. Ausser diesen sollen noch im Innern 2. Reserve-Armeen errichtet werden. Die Commissarien oder Volks-Representanten bey den Armeen bekommen unumschränkte Vollmacht in der Ausübung ihrer Funktionen.

In der vorgestrigen Seßion erschien eine Deputation von der St. Antons-Vorstadt vor dem N. Convent und verlangte: dasselbe soll den Abmarsch seiner Ehren-Wache und der noch in Paris befindlichen besoldeten Truppen nach den Gränzen anbefehlen; alle Waaren sollen taxiert werden, und wenn das N. Convent den gegenwärtigen Uebeln nicht abhelfe, so werde sich die St. Antons Vorstadt in den Zustand der Insurrektion sezen. Diese lezte Erklärung besonders veranlaste eine grosse Bewegung in der Versammlung. Aber nachher nahm die Deputation diese Aeusserung selbst wieder zurück, und verlangte noch einmahl vorgelassen zu werden, um zu schwören, daß die das N. Convent bis auf den Tod vertheidigen wollen, und zu erklären, daß sie alles wiederruffen was gegen ihre Grundsäze sey.

Die von den Armeen an den Deutschen, Niederländischen und Spanischen Gränzen eingelauffene Nachrichten sind eben nicht von sehr grosser Wichtigkeit; doch ist in allen die Rede von Vortheilen, die man über die Feinde erhalten habe.

In der gestrigen Seßion erschienen vor dem N. Convent zween ausserordentliche Deputierte aus der Stadt Nantes, und ertheilten Nachricht von den neuen Gefahren, denen diese Stadt und das ganze Departement von der Niedern-Loire ausgesezt sey. Die Rebellen haben Vortheile erlangt; sie machen in den Städten und Dörffern, die ihnen in die Hände fallen, die Bürger und Magistratspersonen nider; die Frauen und Kinder dieser unglüklichen Patrioten haben sich nach Nantes geflüchtet. Die Deputierten verlangten eine mächtige Unterstüzung; sie haben, sagten sie, dergleichen schon vom Departement von Maine und Loire verlangt, aber dieses habe selbst Hülfe nöthig. -- Das N. C. dekretierte: daß, um den Eifer der Pariser, den nothleidenden Departements zu Hülf zu kommen, aufzumuntern, die Rede dieser Deputierten gedrukt und ungesäumt in allen Sektionen verlesen werden soll. Ausserdem wurde der abgestattete Bericht dem vollziehenden Conseil zugestellt.

Mai.[]

Paris, vom 6. May. [26]

Die in der Session am 1. dieses Monats von den 3. Sektionen der St. Antons-Vorstadt eingegebene Petition, welche in dem N. Convent so viel Aufsehen und Lärm machte, und zwar, wie bereits gesagt worden, zum Theil wieder zurückgenohmen wurde; ist immer ein zu wichtiges Denckmahl von dem unter den sogenannten Sans-Cülottes herrschenden Geist, als daß sie nicht doch etwas genauer bekannt gemacht zu werden verdiente. Besonders da noch mehrere Sektionen von Paris mit jenen wenigstens darinn übereinzustimmen scheinen, daß sie die besoldeten Truppen zu entfernen wünschen, damit die Sans-Cülottes desto freyer agieren können, und deswegen auch der jüngst erwähnten Verordnung des General-Conseils, betreffend die Errichtung einer nach Bretagne bestimmten Armee von 12000. Mann, mancherley Hindernisse in den Weg legen. Hier sind also einige Stellen aus dieser Petition: "Ihr Representanten des Souverains, sagte der Sprecher der Deputation, die Männer vom 5. und 6. Oktober, vom 14. Julius, vom 20. Junius und 10. August, und allen jenen kritischen Tagen erscheinen vor euch, um euch harte Wahrheiten zu sagen, welche aber ihren Representanten zu sagen Republikaner sich weder schämen noch fürchten. Heute ist wieder ein solcher kritischer Tag, der sie nöthigen muß, sich sammtlich aufzumachen; sie haben es gethan, und bereit, alle auszuziehen, wenn es seyn muß, kommen sie, um euch zu sagen, wel_hes die Mittel seyen, die von euch und ihnen angewendet werden müssen, um die Republik zu retten. Indem ihr euch schon seit langer Zeit bloß mit Partikular Angelegenheiten und gegenseitigen Denunziationen beschäftiget, seyd ihr auf dem Weg, den ihr gehen soltet, nicht weiter gekommen. Hier versammelt, um das allgemeine Wohl zu stand zu bringen, um republikanische Geseze zu machen: saget, was habet ihr gethan? Ihr habet unsere besten Vertheidiger als Commissarien weggeschickt; ihr habet die heiligen Montagne von Mitgliedern entblößt, die Unruh-Stifter unter euch sind mächtig geblieben; ihr habet viel versprochen und nichts gehalten. -- Höret, Representanten, ein Mitglied eueres Souverains, die drey Sektionen der St. Antons-Vorstadt haben nachfolgende Art der Rekrutierung beschlossen: Alle Soldaten von allen in Paris befindlichen, im Sold der stehenden Corps, wie sie immer heissen mögen, mit Inbegriff der Gensdarmes von den Tribunalen und der Grenadiers des N. Convents, sollen unverzüglich ausziehen. Dieses gewaltige Mittel, darf euch nicht erschrecken; es werden noch Patrioten und Republikaner genug zurückbleiben. Alle, die Anti-Revolutionarische Petitionen unterschrieben haben, und wegen Mangel an Patriotismus verdächtig sind; alle ledigen Mannspersonen von 18. bis 50. Jahren mit Inbegriff der katholischen Geistlichen; alle Witwer und Kinderlose sollen marschieren. Und wenn auch diese Anzahl noch nicht hinreichend ist; so sollen auch alle verheirathete Bürger ohne Unterschied des Rangs oder der Bedienungen Loosen, um die bestimmte Zahl vollständig zu machen. -- Ferner sollet ihr dekretieren, daß in jedem Departement eine Kasse errichtet werde von Summen, welche von den Reichen bezahlt werden, und, die dann zur Unterstüzung der Dürftigen in jeder Commüne und Sektion, und zur Ausrüstung und Bewafnung der Vertheidiger angewendet werden sollen: und endlich sollet ihr von allen Lebens-Mitteln und Waaren einen höchsten Preis bestimmen. -- Das, ihr Representanten, sind, wie wir glauben, die einzigen unfehlbahren Mittel, das gemeine Wesen zu retten. Wenn ihr sie nicht genehmiget, so erklären wir euch, daß wir, die wir dasselbe retten wollen, und in den Zustand der Insurrektion befinden; 10000. Menschen befinden sich am Eingang dieses Versammlungs Saales -- --". -- Nun nahmen die schon erwähnten tumultuarischen Auftritte im N. Convent den Anfang, und am Ende gieng es so, wie ebenfalls bereits gemeldet worden ist. Unter anderm wurde vorgeschlagen, daß diejenigen, welche zu suplierenden Mitgliedern des N. Convents, im Fall die wircklichen abgehen sollen, ernennt worden, sich in Tours oder Bourges versammeln sollen, um sogleich an ihre Stelle zu tretten, wenn das gegenwärtige N. Convent auf eine gewaltthätige Weise vernichtet würde, und zu verhindern, daß die höchste Autorität nicht in die Hände der Munizipalität von Paris falle, die schon zu verschiedenen mahlen gesucht habe, dieselbe an sich zu reissen.

PortretBoyerFronfrede BNF

In der Session am 2. dieses wurden verschiedene Briefe aus dem Departement der Niedern-Seine in der Normandie verlesen; worinn die Administratoren desselben berichten, daß in Rouen die Erhöhung des Brod-Preises einen Aufstand erregt habe. Das Volck sey hauffenweis nach dem dortigen Stadt-Haus gelauffen; man habe Sturm geläutet, und die Munizipalität habe sich genöthiget gesehen, die bewafnete Macht aufzubieten: 300. von den neugeworbenen Freywilligen haben sich diesem Aufgebot wiedersezt, und zu den Missvergnügten geschlagen, und seyen mit ihnen über die Zeughäuser hergefallen. -- In einem zweyten Schreiben vom 1. dieses wird zwar gemeldet, daß es der dortigen National-Garde gelungen sey, die Ruhe wieder einigermassen herzustellen. Aber ein drittes Schreiben vom gleichen Tag berichtet: Der Zustand von Rouen werde immer bedencklicher; es sey nicht mehr bloß ein Aufstand von einigen, sondern eine allgemeine Insurrektion. Die Aufrührer lauffen mit Stöcken und Keulen bewafnet durch die Strassen, und die neuangeworbenen Freywilligen nehmen keinen thätigen Antheil an der Sache. Als man sie zur Wache nach den Zeughäusern, Gefängnissen, und andern offentlichen Orten kommandierte, haben sie sich geweigert zu gehen; sie haben ihre Casernen verlassen und sich mit den Aufrührern vereiniget. Am Schluß dieses Schreibens wird doch noch gemeldet, die Ruhe scheine einigemassen wieder hergestelt zu seyn, und die Volontairs scheinen sich eines andern besinnt zu haben; doch seyen 150. von ihnen mit Waafen und Bagage davon gegangen. -- Am Ende dieser Session wurde Boyer-Fonfrede zum Presidenten des N. Convents gewehlt. -- In der Session am 3. wurden Briefe von den National-Commissarien bey der nördlichen Armee und von dem Befehlshaber derselben, General Dampierre verlesen, welche von dem am 1. dieses Monats zwischen Valenciennes und Quievrain vorgefallenen Treffen eine (von der jüngst mitgetheilten Oesterreichischen ziemlich verschiedene) Nachricht enthalten: Das Gefecht hatte zufolg diesen Briefen zur Absicht, die Communikazion zwischen Valenciennes und Conde wieder herzustellen. Der Angriff habe anfänglich einen glücklichen Erfolg gehabt; aber eine vom feindlicher Kavallerie gedeckte Batterie habe eine Colonne unserer Armee zum Weichen gebracht, indessen sey der Rückzug in guter Ordnung geschehen. Wir haben wenig Volck verlohren; hingegen habe unsere Avantgarde über 600. von den Feinden theils getödtet, theils verwundet. Nach einem zweyten Schreiben des General Dampierre aus Valenciennes vom 3. dieses besteht unser Verlust bey diesem Treffen in 300. Todten und 600. Verwundeten; die Kayserl. Armee hingegen soll 600. Todte und 1000. Verwundete gehabt haben. -- Das National-Convent hat in eben dieser Session ein Dekret über die Lebens-Mittel abgefaßt, dessen vornehmste Artikul nachfolgende sind: Jeder Handelsmann, Landmann und Eigenthümmer von Getraid und Mehl soll der Munizipalität seines Orts anzeigen, wie viel Getraid, und wie viel er ungefehr auszudreschen habe; die Munizipal Beamtete' solle innerhalb 8. Tagen nach geschehener Deklaration die Wahrheit derselben untersuchen; jede Munizipalität soll ein Verzeichniß des vorhandenen Getraides an das Direktorium des Distrikts, dieses an das Direktorium des Departements und dieses ein allgemeines Verzeichniß an den Minister der innern Angelegenheiten einschicken. Wenn bey den vorzunehmenden Haus-Besuchungen die Angabe des Getraides und Mehls falsch befunden würde, so soll dasselbe zum Profit der Armen des Orts konfisziert werden; kein Getraid oder Mehl soll anderswo, als auf den offentlichen Markpläzen und in den dazu bestimmten See-Häven verkauft werden, als bey Straffe von wenigstens 300. und höchstens 1000. Livres, welche Käuffer und Verkäuffer jeder ganz bezahlen müssen; doch können die Bürger jedes Orts sich bey den Landleuten und Eigenthümmern ihres Bezirks mit dem ihnen nöthigen Vorrath versehen; nur müssen sie einen Schein aufweisen, daß sie an dem Ort wohnhafft, keine Getraid-Händler seyen, und sich nur für einen Monat versehen haben; die Administrierenden Corps sollen die Vollmacht haben, die Landleute und Eigenthümer anzuhalten, die Marktpläze mit dem erfoderlichen Vorrath zu versehen, und wenn sie ihr vorräthiges Getraid nicht wollen ausdreschen lassen, Leute dazu zu bestellen; der Minister der innern Angelegenheiten soll die Departements, welche mehr Getraid haben, als sie brauchen, anhalten, diejenigen, die zu wenig haben, damit zu versehen; die Direktorien der Departements sollen den höchsten Preis des Getraides und Mehls bestimmen, und zwar nach dem mitlern Markt Preis vom 1. Jenner bis 1. May; dieser höchste Preis soll in nachfolgender Proportion wieder allmählig vermindert werden; am 1. des Junius um ein Zehntheil, am 1. Julius um ein Zwanzigtheil, am 1. August um ein Dreißigtheil, am 1. September um ein Vierzigtheil. (Doch soll dieser lezte Punkt des Dekrets noch weiter in Ueberlegung genohmen werden.)

In der vorgestrigen Session erhielt das N. Convent Nachrichten, welche melden, daß man über die Rebellen in Bretagne und dortherum verschiedene Vortheile erfochten habe. Der National-Commissar in Corsika berichtete demselben: Er habe zwar das Verhafts-Dekret gegen Paoli erhalten; weil aber derselbe die dortigen Truppen und das Departement auf seiner Seite habe, so werde es gefährlich seyn, dieses Dekret vollziehen zu lassen; indessen habe er es den Constituierten Autoritäten zugestelt. -- Ein von Orleans zurückgekom'ene Division der sogenanten Legion Germanique sich unterwegs empört und geruffen habe. Es lebe der König! keine Republick! Die Bauren haben sie genöthiget, anstatt der National-Cokarde eine weisse aufzustecken, und die Chefs von diesem Corps begegnenden dortigen französis. Staabs-Officieren sehr beleidigend. Das N. Convent ernannte 3. Commissarien mit dem Auftrag, dieser Legion entweder eine andere Einrichtung zu geben oder sie zu verabschieden.

General Servan hat unterm 26. des vorigen Monats aus Bayonne berichtet, daß die Spanier überall zurückgetrieben werden; auch hat man Nachricht, daß der General Brygner die Spanische Grän_stadt Fontarabie bombardiere. -- Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten hat in der vorgestrigen Session dem N. Convent angezeigt, daß die vereinigten amerikanischen Staaten die französische Republick, so bald sie die Errichtung derselben vernohmen, anerkannt haben.

Paris, vom 10. May [27]

Die neuesten hiesigen Blätter enthalten nicht die geringste Nachricht von den Armeen an den Gränzen? Aber aus den westlichen Departements lauten die Berichte noch immer sehr bedencklich und gefährlich. In einem Schreiben aus Nantes, welches in der Seßion am 6. dieses im N. Convent verlesen worden, wird gemeldet: Ein Corps von 800. Mann mit 2. Kanonen und einem Mörser, welches kürzlich die Rebellen bey St. Leger angegriffen, sey von denselben mit Gewalt zurük geschlagen worden; wir haben 100. Mann nebst der Artillerie verlohren. Diese Waaffen werden die Feinde nun gegen uns brauchen. -- Ein anderes Schreiben der Mitglieder vom Central-Committe der administrierenden Corps von Nantes berichtet, daß sie von dem General Vaugüyon sehr schlimme Nachrichten erhalten haben; es sey kein Augenblik zu verliehren. Die Feinde seyen gegenwärtig Meister von 25. bis 30. Stunden Landes. Alle Einwohner desselben werden mit Gewalt gezwungen, bey Todes Straffe an ihrer Revolte Antheil zu nehmen. Es seyen vielleicht bey 200,000. Menschen meistens unter den Waaffen; alle von fanatischem Eifer beseelt und entschlossen zu siegen oder zu sterben; sie marschieren oft in Corps von 30. bis 40000. Mann; es seyen grosse Gegenanstalten nöthig, und zwo furchtbahre Armeen, um mit der einen auf der Seite von Nantes, mit der andern auf der Seite von Saumür die Rebellen anzugreiffen.

Ein Schreiben vom General Bois-Güyon an den General Cantelon enthält eine umständliche Nachricht von der gänzlichen Niederlage, welche derselbe bey St. Leger erlitten. Anfänglich gieng es einiger massen gut und er hatte viele von den Feinden erlegt; aber weil er in Gefahr war von einer Colonne abgeschnitten zu werden, ertheilte er Befehle, die nicht vollzogen wurden. Die Rebellen waren wenigstens 4000. Mann stark, und hätten sich beynahe von St. Leger Meister gemacht. Mehrere von seinen Freywilligen haben auf der Flucht Flinten und Habersäke weggeworfen, und viele seyen ohne Zweifel in die Hände der Feinde gefallen. -- Von Poitiers im Departement de la Vienne in Orleanois schreibt man: Der Feind gehe mit Macht auf Moiraut los; wenn man ihnen nicht Leute und Waaffen schike, so werde auch Poitiers in der Feinde Hände fallen. In einem Schreiben aus Tours im Departement der Indre und Loire vom 6. dieses Monats heist es: die Gefahr wird täglich dringender. Die Einnahm von Argenton und die Räumung von Bressüire ist nun das Vorspiel von grösserm Unglük. Thouars wird gegenwärtig von allen Seiten angegriffen; ein Theil der Vorstädte ist bereits in feindlichen Händen. Alle Augenblicke kommen Curiers hier an mit der Nachricht von dem Mangel der Truppen an Waaffen und Munition. Man hat die Sache immer als einen blossen Aufstand angesehen, da es doch ein förmlicher Bürgerlicher Krieg ist. -- Der General Quetinau schreibt aus seinem Cantonierungs-Quartier bey Thouars unterm 5. dieses an die Administratoren vom Departement von Indre und Loire: Der Feind zeige sich immer vor seiner Linie in 3. Colonnen jede von 10. bis 12000. Mann, die eben so hizig und tapfer, als seine Leute unthätig und gleichgültig seyen. Seine Armee sey gegenwärtig auf 3000. Mann reduziert, und doch solte er damit eine Streke Landes von 14. bis 15. Stunden vertheidigen, um den Feinden das Eindringen in Touraine zu verwehren. -- Endlich erschien auch noch in der gestrigen Seßion vor dem N. Convent ein ausserordentlicher Deputierter von der Administration des Departements der Indre und Loire und sagte: Er komme, um die Gefahr, die der Republik drohe, anzuzeigen, und schleunige, nachdrükliche Hülfe zu verlangen. Die Rebellen rüken von verschiedenen Seiten zugleich an in Colonnen jede von 12. bis 15000. Mann; und wenn sie etwann in der Gegend von der Niedern-Loire einen Verlust erleiden, so gewinnen sie dafür 10. Stunden Landes in den näher gegen Paris zu gelegenen Departements. Gegenwärtig sey bereits ein Theil vom Departement der Indre und Loire in ihrer Gewalt, und vielleicht sey jzt die Stadt Chinon im Gefecht mit diesen Rebellen begriffen, welche bereits von Bressüir und Thouars sich bemächtiget, und denen am 7. dieses die Stadt Loudon die Thore eröfnet habe, nachdem sie vorher den Freyheits-Baum umgehauen, die weisse Cokarde aufgesteckt, und die weisse Fahne herumgetragen. Auf diese Nachricht habe die Administration dieses Departements beschlossen, sich nach Chinon zu begeben und dort ihre Seßionen zu halten; sie habe alle Bürger im Namen der Freyheit aufgefodert, ihr dahin zu folgen; aber sie seyen bey aller ihrer Entschlossenheit, die Republick zu vertheidigen oder auf ihrem Posten zu sterben, auch da nicht sicher, weñ man ihnen nicht schleunig zu Hülfe komme. Es sey deswegen von der Administration abgeschickt worden, um an das N. Convent das Ansuchen zu thun, es möchte dem vollziehenden Conseil anbefehlen; unverzüglich alle Bataillons der National-Garden und regulierte Regimenter, worüber dasselbe disponieren könne nach Tours und Chinon marschieren und alle zu seiner Disposition stehenden Flinten nebst Artillerie und Munition nach ersterm von gedachten Orten transportieren zu lassen; und endlich habe er den Auftrag zu verlangen, daß zur Bestreittung der ausserordentlichen Ausgaben, welche die Umstände nöthig machen, dem Departement einstweilen eine Summ von 5. oder 600000. Livres zu seiner Disposition zugestelt werden möchte. -- Auf diesen Antrag ertheilte der President des N. Convents zur Antwort: Einige Departements haben bereits Truppen marschieren lassen; Paris werde es nächstens ebenfalls thun, und die übrigen vorgeschlagenen Maas-Regeln werde das N. Convent in Berathschlagung ziehen. -- Es wurde hierauf dekretiert, daß 96. Commissarien sich in alle Sektionen von Paris begeben sollen, um dieselben zu beschleunigter Errichtung einer nach den westlichen Departements bestimmten Armee aufzufodern. Sie statteten in der gestrigen Seßion den Bericht ab, daß in den Sektionen zwar auf verschiedene Weise Maas-Regeln genohmen worden seyen, um ihr Contingent zu dieser Armee zu liefern.

Die Stadt Marseille hat durch einen ausserordentlichen Kourier an das N. Convent eine förmliche Protestation eingeschickt gegen die fälschlich ausgestreute Beschuldigung, daß sie sich in einem Zustand der Gegen Revolution befinde; und hat neuerdings geschworen, die Einheit und Untrennbahrkeit der Republick zu behaupten und für die Vollziehung der Geseze zu sorgen. -- -- Zufolg eines Dekrets sollen die Gensdarmes, welche die Wache des N. Convents ausmachen, ihrem eigenen Verlangen gemäß, innerhalb 24. Stunden den westlichen Departements zu Hülfe ziehen; und um die hiesigen Bürger zu eben diesem Marsch desto bereitwilliger zu machen, ist dekretiert worden, daß so bald dort die Ruhe und Ordnung wieder hergestelt sey, es den Freywilligen frey stehen soll, wieder nach Haus zurück zu kehren. In der Seßion am 7. erschien ein Deputierter von der republikanischen Sozietät in Toulouse vor dem N. Convent, und verlangte Munition für die Armee an den Pyrenäen. Zugleich beschuldigte er den General Servan und die übrigen Chefs dieser Armee der Unthätigkeit, Sorglosigkeit und sogar Uebergesinntheit, und überreichte Schriften, die diese Anklage beweisen sollen. -- In eben dieser Seßion ließ das Finanz-Committe dem N. Convent anzeigen, daß wenn es nicht den offentlichen Cassen an Fonds zu den Ausgaben mangeln soll, neue Aßignate ausgefertiget werden müssen; und auf den Vorschlag dieses Committe wurde sogleich eine neue Ausfertigung von Aßignaten für 1200. Millionen Livres dekretiert. -- Vorgestern that einer von den Aufsehern des Versammlungs-Saals dem N. Convent die Anzeige, daß der neue zu seinen Seßionen bestimmte Saal auf nächstkünftigen Freytag in Bereitschaft seyn werde, sie aufzunehmen.

Paris, vom 13. May. [28]

Das N. Convent hat am 10. dieses zum erstenmahl seine Seßion in dem neuen Versammlungs-Saal in den Tüilerien gehalten. Man hat es als eine vortheilhafte Folge dieser Orts-Veränderung angesehen, daß die Mitglieder, so wie sie ankamen, ohne Unterschied an dem ersten besten Plaz sich sezten, und nicht mehr von rechter und linker Seite, von Plaine und Montagne die Rede war, und sich hoffen läßt, dieser äusserliche Umstand werde auch auf die Aufhebung der innerlichen Trennungen Einfluß haben. -- Das erste, womit die Versammlung in dieser Seßion sich beschäftigte, waren abermahlige unangenehme Nachrichten aus dem Departement de la Vendee, welche die Einnahm von Thouars und Loudün durch die Royalisten bestätigten, und ihre dortige Armee auf 20,000. Mann angeben, wobey sich 13. Kanonen und 600. Mann Cavallerie befinden. -- In einem Schreiben vom 9. dieses berichteten die Commissarien bey der nördlichen Armee aus Valenciennes, daß unsere Truppen am 8. Vortheile über die Oesterreichische Armee erhalten haben. Aber ein zweytes Schreiben von gleichem Datum meldet, daß dem General Dampierre, dem Nachfolger von Dümourier, bey diesem Anlaß durch eine Kanonen-Kugel der Schenkel weggeschossen, und daß derselbe bald darauf an dieser Verwundung gestorben sey. Sie, die Commissarien, haben einsweilen das Commando dem General Lamarche aufgetragen; weil er aber dasselbe, als einen für seine Kräften zu wichtigen Auftrag, nicht behalten wolle; so werde es nöthig seyn, daß das vollziehende Conseil ungesäumt einen Ober-Befehlshaber der nördlichen Armee ernenne. Wirklich ist auch dasselbe mit dieser Wahl beschäftiget. Dem gebliebenen General Dampierre hat das N. Convent, wiewohl nicht ohne Wiederspruch, die Ehre der Beysezung in dem Pantheon zuerkannt -- Ein aus dem Departement de la Vienne in Orleanois zurück gekommener National-Commissar hat in eben dieser Seßion von der bedenklichen Lage dieses und des angränzenden Departements der beyden Sevres Bericht abgestattet. Es sey in demselben ein neues Corps von 4000. National-Garden aufgebotten und errichtet worden; aber die Rebellen seyen immer noch überlegen an der Anzahl, die man auf 120,000. Mann schäze; viele von ihnen seyen zwar nur mit Gabeln und Stöcken bewafnet; aber sie scheinen eine fremde Verstärkung an Cavallerie erhalten zu haben.

In der vorgestrigen Seßion thaten ausserordentliche Deputierte dem N. Convent die Anzeige, daß die Rebellen gegen Partenay, Niort und St. Jeann d'Angely marschieren, um sich der dortigen Magazine zu bemächtigen. -- Barrere theilte dem N. Convent die Nachrichten mit, welche das Committe von der allgemeinen Wohlfahrt kurzlich aus den Departements, wo der bürgerliche Krieg ausgebrochen ist, und von der Armee an den Pyrenäen erhalten hat. Aus Tours berichte der dortige National-Commissar Tallien unterm 8. und 10. dieses: Daß mit der Stadt Thouars zugleich 3000. Patrioten in die Hände der Rebellen gerathen seyen: der Bürgerkrieg sey in 4. neuen Departements ausgebrochen, die Anzahl der Rebellen vermehre sich täglich; sie seyen mit Waaffen, Artillerie und Munizion versehen; Chinon werde nächstens von ihnen angegriffen werden; in Thouars liegen 15000. Mann; der General der dort gestandenen Patrioten-Armee Quetinau habe diesen Ort und seine Vertheidiger den Feinden in die Hände geliefert, diese schiken die Landleute, nachdem sie dieselben der Christlichen Religion und Ludwig XVII. Treu schwören lassen, nach Haus zurük und behalten die National-Garden der Städte. Zwar kommen aus allen dortigen Distrikten nach und nach Leute, Waffen und Munizion an, aber es mangle an erfahrnen und geschikten Offizieren. Bey der Belagerung und Einnahme von Thouars haben sich die Marseillaner bis auf äusserste gewehrt; zu wiederholten mahlen den Rebellen die weisse Fahne weggenommen; sich auf dem grossen Plaz in ein Bataillon Quarre formiert, und als der Feind von allen Seiten auf sie eindrang und sie keine Munizion mehr hatten, so haben sie sich mit aufgepflanztem Bayonnet in die Feinde gestürzt, und nur 6. von ihnen seyen übergeblieben. -- Von Angers und Nantes, sagte Barrere, seyen etwas beruhigendere Berichte eingegangen. Hingegen beschreiben die Nachrichten von der Armee an den Pyrenäen unsere Lage bey Bayonne als gefährlich. Die Spanier haben sich eines Theils von dem Französis. Gebiet bemächtiget und Anday und einige andere wichtige Posten eingenommen. Die dortigen Administratoren schreiben sie, haben Leute genug, aber an Waaffen und Munizion mangle es ihnen. In einem Postscript ihres Schreibens melden sie noch: So eben erhalte man die Nachricht, daß die Spanier sich von St. Jean-de-Lüz, zwischen Fontarabie und Bayonne, bemächtigten. -- In der gestrigen Seßion wurde ein Schreiben der National-Commissarien im Departement der Rhone-Mündungen verlesen, worinn sie melden: Eben da alle ihre in Marseille getroffenen Verfügungen zum gemeinen Besten ruhig vollzogen wurden, haben sich die Sachen auf einmahl geändert; die Sektionen dieser Stadt üben eine unbegränzte Gewalt aus; sie haben ein Volcks-Tribunal errichtet, vor welches alle Vergehungen gebracht werden sollen und die konstituirten Autoritäten werden in ihrem Gang aufgehalten. Eine der Sektionen habe in der Nacht an sie, die Commissarien, eine Deputation abgeschikt, die sie genöthiget aufzustehen und einen Schreibtisch, wozu der Schlüssel nicht bey Handen war, mit Gewalt zu öfnen, um ihre Korrespondenz zu untersuchen. Man habe ihnen Befehl ertheilt, bey Strafe des Arrestes innerhalb 24 Stunden Marseille zu verlassen, und bey ihrer Ankunft in Avignon seyen sie in Gefahr gewesen, ermordet zu werden. Nun haben sie verordnet: das in Marseille errichtete Volks-Tribunal, nebst dem zur Annahm der Denunziazionen etablierte Central-Committe soll kassiert seyn; die Presidenten der Sektionen sollen für die allenfalls gesprochene Kriminal-Urtheile persönlich verantwortlich seyn, und die von Marseille nach Aix und Toulon abgeschikte Commissarien sollen nach den Gesezen verklagt und gerichtlich gegen sie verfahren werden. Das N. Convent hat hierauf nach weitläufiger Berathschlagung durch ein Dekret diese Commissarien zurük beruffen und sowohl ihre Verordnung, als das Volks-Tribunal in Marseille bis nach abgestattetem Gutachten des Committe von der allgemeinen Wohlfahrt suspendiert.

Ein ausserordentlicher Deputirter von Lyon verlas am 9. dieses vor dem Bürgerrath ein Schreiben von dem Korrespondenz-Committe der Jakobiner in dieser Stadt, welches meldet, daß die dortigen Sans-Cülottes eine Armee von 5000. Mann errichtet, und 5. Millionen Livres zusammengebracht haben; zugleich verlangte er die Errichtung eines Revolutions-Tribunals in Lyon; er klagte über die Administratoren des dortigen Departements, lobte das Volck und die Popular-Sozietäten und sagte: Die Güillotine bleibe immer auf dem Plaz des Terreaux aufgestellt, und er selbst habe dieses "Nazional-Scheermesser" (so nannte er es) dahin bringen helfen. Er beschuldigte die Lyoner Kaufmannschaft der Aristokratie und des Einverständnisses mit den Rebellen im Departement de la Vendee, denen sie Unterstüzung verschaffe, und verlangte, daß 4. Commissarien mit ihm, sich vor das N. K. begeben sollen, um von demselben die Errichtung eines Revoluzions-Tribunals in Lyon zu erhalten. Es wurden auch wircklich 4. Commissarien dazu ernannt. -- Einer von den Kommissarien, welche den Auftrag hatten, die Mitglieder von der Familie Bourbon nach Marseille zu bringen, stattete am 10. dem Bürgerrath Bericht darüber ab. Die Gefangenen seyen in der Nacht in Marseille angekommen und sogleich nach dem Schloß Notre-Dame de la Garde gebracht worden, wo sie es viel schlimmer haben, als die Gefangenen im Temple. Von der in Marseille herrschenden Denckungsart und dem gegenwärtigen Zustand dieser Stadt ertheilte er folgenden Bericht: Bey ihrer Ankunft sey der dortige Maire, der Prokureur der Commüne und noch einige Magistrats-Personen im Arrest und die Sektionen ziemlich unruhig gewesen; Bürger, die sonst die General Versammlungen nicht besuchten, haben sich in Menge dahin begeben; man gebe dem Maire alzugrosse Strenge schuld und man habe ihn und den Prokureur vor dem errichteten Volcks-Tribunal wollen richten lassen. Uebrigens herrsche in Marseille der reinste Patriotismus und über allen Hausthüren stehen die Worte: Frey leben oder sterben. Das aus 2000. Mann bestehende Contingent dieser Stadt sey in einem Tag vollzählig und am folgenden Tag seyen diese 2000 Freywillige schon marschfertig gewesen. -- Zufolg der vom General-Kommandanten von Nevers im Departement der Nievre erhaltenen Nachrichten wurde dem Bürgerrath angezeigt, was für Mittel dieses Departement angewendet habe um die Rekrutirung zu stand zu bringen. In Nevers wurden alle verdächtige Personen, alle Adeliche mit ihren Frauen und Kindern arrettirt, man führte sie in der Stadt herum, sie mußten bey dem Freyheits-Baum öffentliche Abbitte thun, hierauf wurden sie in die Keller des Carmeliter-Klosters eingesperrt, und vor den Oefnungen derselben Kanonen hingestellt. In diesem finstern Aufenthalt, (sezte der hartherzige Rapporteur hinzu,) herrsche die vollkomenste Gleichheit zwischen den eingesperrten Reichen und denen die es nicht sind, und da sollen sie so lang bleiben, bis die Könige Frankreich auf den Knien um Frieden bitten.

Paris, vom 17. May. [29]

Weder die Nachrichten von den Armeen an den Gränzen, noch die Berichte aus den Departements, welche der innerliche Krieg beunruhiget, liefern diesmal viel Stoff zur Unterhaltung des Publikums; und in dem N. Convent ist gegenwärtig beynahe in allen Seßionen die Rede von der neuen Constitution, die für die Französis. Republik gemacht werden soll. Aber noch sind es immer nur Vorschläge, worüber Pro und Contra gesprochen wird, ohne daß bisher noch etwas von Wichtigkeit hierüber dekretiert worden. In der Seßion am 13. hat unter anderm Condorcet den Vorschlag gethan, einen Zeitraum von 7. Monaten zur Vollendung dieses Geschäfts zu bestimmen; aber jzt schon die Primar-Versammlungen auf den 1. November zusammen zu beruffen und sie aufzufodern, die Nachfolger der gegenwärtigen Mitglieder des N. Convents bis auf den 1. Dezember zu ernennen, die Constitution möchte dann vollendet seyn oder nicht. Es ist aber über diesen Vorschlag noch nichts entschieden worden. -- In eben dieser Seßion erschien Santerre vor dem N. Convent und zeigte an, daß am 13. und 14. dieses 12. bis 14000. Mañ von Paris nach dem Departement de la Vendee abmarschieren werden, in welchem übrigens nach dem Bericht der dortigen National-Commissarien die Rebellen seit der Einnahm von Thouars keine weitere Fortschritte gethan haben.

Noch wurde in eben dieser Seßion das bereits erwähnte Schreiben des General Cüstine verlesen, worinn er neuerdings und dringender als vorher seine Dimißion verlangt. Als man eben in Erwartung eines Gutachtens hierüber von dem Committe der allgemeinen Wohlfahrt zu der diesmahligen Tages-Ordnung fortschreiten wolte, so lief ein Schreiben der Commissarien aus Valenciennes vom 11. dieses ein, worinn sie unter anderm sagen: Wir erwarten mit Ungedult die Ernennung eines Generals an Dampierres Stelle. Wir stehen gegen eine Armee im Feld, d_ren Anzahl sich täglich vermehrt, und die von einer dreyfachen Reihe von Redouten gedekt ist. Die Stadt Conde, wenn man ihr nicht eiligst zu Hülfe kommt, wird nächstens den Feinden in die Hände fallen. Die Armee verlangt Cüstine zu ihrem General, und äussert seit Dampierres Tod diesen Wunsch deutlicher als jemals. -- Nach Verlesung dieses Schreibens zeigte Barrere dem N. Convent an, daß das vollziehende Conseil in Uebereinstimmung mit diesem Verlangen der Truppen wirklich den General Cüstine zum Ober-Befehlshaber der vereinigten Armeen in Norden und den Ardennes ernannt habe. Houchard soll einstweilen die Armeen am Rhein und der Mosel kommandieren, und Cüstine einen General vorschlagen, dem man das eigentliche Commando von der Rheinischen Armee übergeben könne. Das N. Convent hat hierauf diese Wahl des vollziehenden Conseils einmüthig und mit geäussertem Beyfall der Galerien bestätiget.

In der Seßion am 14. wurde dekretiert, daß die in Frankreich gelegenen Besizungen der deutschen Reichsfürsten, welche dem Conklusum des Reichstags in Regensburg gegen Frankreich beygetretten sind, konfisziert werden sollen.

In eben dieser Seßion überreichten Deputierte von Bourdeaux dem N. Convent eine Addresse, worinn sie im Namen ihrer Committenten demselben das Anerbieten thun, zu seiner Beschüzung eine bewafnete Macht nach Paris zu schiken. Diese Addresse, weil sie von vielen als ein veranstaltetes Mittel, die Pariser verdächtig zu machen, angesehen wurde, erregte ziemliche Bewegungen in der Versammlung und verdient in so fern, (besonders bey dem Mangel an andern wichtigern Nachrichten) wenigstens Auszugsweise mitgetheilt zu werden. Sie lautet so: "Gesezgeber, welche fürchterliches Gerücht erschallt bis an die äussersten Gränzen der Republik! 300. Representanten des Volks sind zur Proscription; und 22. derselben zu dem freyheitsmörderischen Beil der Centumvire bestimmt! Als wir Deputierte wählten, übergaben wir sie in den Schuz der Geseze, der Tugend und alles dessen, was das Heiligste auf Erden ist. Wir glaubten sie unter Menschen zu schiken, aber sie sind von blutdürstigen Tiegern umringt. Diese muthige Bürger sind gegenwärtig dem Dolch der Mörder ausgesezt; und ach, vielleicht leben sie bereits nicht mehr. Wenn dieses abscheuliche Verbrechen verübt wird, so zittert, Gesezgeber, zittert vor unserm höchsten Unwillen und vor unserer Verzweiflung. Wenn Blutdurst uns unserer Brüder, unserer Representanten beraubt; so wird die Abscheulichkeit des Verbrechens unsere Rache leiten, und die Cannibalen, welche alle Geseze der Gerechtigkeit und Menschlichkeit verlezt haben, sollen nur durch unsere Hände umkommen.

Das, ihr Gesezgeber, sind die schmerzhaften Empfindungen der treuen Einwohner von Bordeaux; hiedurch karakterisieren sich alle Bürger im Departement der Gironde, welches dem Vatterland bereits 25000. Soldaten gegeben hat, und eben jzt noch 6700. Mann aufbietet; wo der Arme das Pf. Brodt mit 10. Sous bezahlt, und als ein freyer Mensch leidet. Und doch sind diese muthigen Republikaner verläumdet worden. Böswichter, die, wie die Geyer von todten Leichnahmen, von Lügen sich nähren, haben die Frechheit gehabt, zu sagen: Bordeaux habe sich für die Gegen-Revolution erklärt, weil wir immer verlangten, daß Ordnung und Geseze die Freyheit begleiten sollen; weil wir nicht unter dem betrügerischen Namen einer Revolution den Mord zu einem Grundsaz und das Verbrechen zu einer Art von gesezmäßiger Autorität erheben wollen. -- Ja, Gesezgeber, so dencken die Einwohner von Bordeaux; nehmet ihr feyerliches Glaubens-Bekenntniß an. Sie haben geschworen, und auch wir schwören einer einzigen und untheilbahren Republick unverbrüchliche Treue. Die Einwohner von Bordeaux beschwören auch im Namen des Vatterlandes, bey der Ruhe eueres Gewissens und bey der Hölle seiner Vorwürffe: Gebet der französischen Republick eine Constitution."

In der vorgestrigen Seßion erhielt das N. Convent in einem Schreiben aus Saumür vom 11. dieses die Nachricht, daß der General Quetinau, den man wegen Verrätherey im Verdacht gehabt hatte, den Rebellen, in deren Hände er gerathen war, wieder entwischt sey, und sich sogleich nach seiner Zurückkunft bey dem General Ligonier gestelt habe, der ihn zu seiner eigenen Sicherheit in Haus-Arrest bringen lassen. -- In eben dieser Seßion wurde eine Petition, von 400. Sans-Cülottes von Lyon unterschrieben, verlesen, worinn sie sich über die dortigen Jakobiner beklagen, welche, das N. Convent möge es billigen oder nicht, ein Revolutions-Tribunal in dieser Stadt errichtet, wodurch 12. bis 1500. der dortigen Bürger in Gefahr seyen ihr Leben zu verliehren. Das N. Convent hat diese Petition vor das Gesezgebungs Committe gewiesen; indessen aber die Errichtung des Revolutions-Tribunals für ungültig erklärt, und den Bürgern, die man allenfalls vor dasselbe ziehen wollte, erlaubt, Gewalt mit Gewalt abzutreiben.

Paris, vom 20. May. [30]

PortraitMaximin-Isnard NPG

In der Seßion des N. Convents am 16. dieses wurde ein Schreiben von dem General Paoli aus Corte vom 26. April verlesen, worinn er sein Bedauren darüber äussert, daß sein hohes Alter und die damit verbundenen Gebrechen es ihm unmöglich machen, vor dem National-Convent zu erscheinen und die über ihn ausgesagten Verläumdungen, wie es ihm leicht seyn würde, zu wiederlegen. Wenn man es übrigens für den Frieden und die Sicherheit des Landes und zur Befestigung der Freiheit und Gleichheit in Corsika nöthig finde, daß seine dortige Anwesenheit keinen weitern Anlaß zum Mißtrauen, Haß und Eifersucht gebe, so dörfe man es ihm nur wissen lassen, und er wolle sich ohne Murren aus seinem Vatterland entfernen. -- In der Abend-Seßion dieses Tages wurde Isnard zum Presidenten des N. Convents gewählt. -- Die in der Seßion des folgenden Tages von Seite einer der Sektionen angebrachte Forderung, daß ein gewisser Leroux, der in der Nacht auf Befehl des Revolutions-Committe dieser Sektion in seinem Haus arrettiert worden war, in Freiheit gesezt werden soll, verursachte eine gewaltige Bewegung in dem N. Convent, die über 5. Stunden daurte, und nur dadurch ein Ende nahm, daß ein Mitglied des Gesezgebungs-Committe, von welchem ein Gutachten über dieses Anbringen verlangt worden war, versicherte, Leroux sey wirklich wieder in Freyheit. Die offentlichen Blätter übergehen die Umstände dieser Seßion mit Stillschweigen, weil sie, wie sie sagen, weiter zu nichts dienen würden, als patriotischgesinnte Gemüther zu betrüben; aber auch das scheint genug gesagt zu seyn.

Die jüngst getroffene Verfügung, daß ein Theil der Galerien im Versammlungs-Saal des N. Convents für die Anwesenheit aus andern Departements bestimmt seyn soll, veranlast gegenwärtig beym Anfang jeder Seßion Zänkereyen. Das N. Convent hatte verordnet, daß man nicht anderst als vermittelst Billets in dieser Galerien kommen soll; nun halten die Wachen alle diejenigen ab, die keine Billets haben; aber Frauenspersonen, die bey den Zugängen postiert sind, lassen hingegen diejenigen, welche damit versehen sind, nicht hinein; und so bleiben diese Galerien leer. In der vorgestrigen Seßion, als man eben wieder von der Constitution reden wolte, entstand ein solcher Zank zwischen einer Frauensperson, die sich hinein geschlichen hatte, und einer andern, die sie mit Gewalt wieder heraustreiben wolte. Diese vor den Augen der Versammlung verübte Gewaltthätigkeit erregte grossen Lärm in derselben, und veranlaste den President Isnard das Wort zu nehmen. Es ist Zeit, sagte er, euch ein abscheuliches Complot zu entdecken. Man arbeitet an der Aufhebung des N. Convents. Zu dem End will man zuerst eine grosse Unordnung in demselben erregen und einen Theil seiner Mitglieder gegen den andern aufhezen. Dann werden dazu bestellte Weiber durch ihr rasendes Geschrey das Volck zum Aufstand aufruffen; der Angriff wird erfolgen, und das den Feinden geöfnete Frankreich wird getrennt und zu Grund gerichtet werden. -- Diese Anzeige veranlaste mehrere andere; worauf das N. Convent verordnete, daß eine Commission von 12. Mitgliedern errichtet werden soll, um die Ursache der Bewegungen, welche Paris seit einiger Zeit beunruhigen, und unter anderm besonders auch die seit einem Monat von der Pariser Commüne abgefasten Schlüsse zu untersuchen. -- Eben auch in der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreiben des vom Revoluzions-Tribunal zum Tod verurtheilten General Miaczinsky an das N. Convent verlesen, worinn er versichert, an den Complotten des Dümourier keinen Antheil gehabt zu haben. Weil er aber in genauer Verbindung mit demselben gestanden, so wisse er seine geheimsten Gesinnungen. Es habe deßwegen den Representanten des Volcks Sachen von der grösten Wichtigkeit zu entdeken. Weil er sich aber in der Französis. Sprache nicht mit Leichtigkeit ausdrüken könne; so bitte er um dreytägigen Aufschub der Vollziehung des über ihn gesprochenen Todes-Urtheils, um sich zu rechtfertigen. Das N. Convent dekretierte, daß 2. seiner Mitglieder als Commissarien sich in das Gefängniß zu dem Miaczinsky begeben, der Versammlung von seiner Aussagen Bericht abstatten, und ihm, wenn sie es dienlich finden, die verlangte Frist bewilligen sollen. Diese kamen ungefehr nach einer Stunde wieder zurük und berichteten: Miaczinsky habe ihnen wircklich wichtige Geheimnisse entdekt, die sich aber nicht wohl offentlich in der Versammlung sagen lassen; sie verlangten deßwegen, dieselben dem Committe von der allgemeinen Wohlfahrt anzeigen zu dörfen, und schlugen vor, dem Verurtheilten bis nach abgestattetem Rapport dieses Committe die verlangte Frist zu bewilligen. Das Committe ließ bald darauf an das N. Convent das Ansuchen thun, es möchte die Commissarien noch einmahl an Miaczinsky abschiken, um weitere Nachrichten und Erläuterungen von demselben einzuziehen; welches auch sogleich dekretiert wurde. Weiter ist indessen bis jzt nichts von der Sache bekannt geworden. -- General Miranda ist von dem Revoluzions- oder ausserordentlichen Criminal-Tribunal losgesprochen worden. -- General Cüstine hat aus Weissemburg unterm 13. dieses an das N. Convent geschrieben, daß er aus Gehorsam gegen sein Dekret das ihm aufgetragene Commando über die nördliche Armee übernehmen, aber auf seinem Weg dahin vorher nach Paris kommen wolle, um daselbst die ihm zur Uebernehmung dieses wichtigen Auftrags nöthigen Erkundigungen einzuziehen. Von dieser Armee berichten die dortigen Commissarien in ihrem Schreiben aus Lille vom 16. dieses, daß sie bereits über 90,000 Mann stark sey, und durch die von allen Orten her eintreffenden Contingente noch täglich verstärkt werde. Uebrigens habe sich an den dortigen Gränzen kürzlich nichts wichtiges zugetragen. -- Von den Gränzen gegen Spanien wird berichtet: Der seiner Stelle entsezte General Düverge sey am 26. April von Bayonne unter einer Bedekung, die von Ort zu Ort abwechseln werde, abgegangen, um nach Paris gebracht zu werden, wo er von dem Revoluzions-Tribunal gerichtet werden soll. Neues sey seit dem 23. des vorigen Monats in dortigen Gegenden nichts vorgefallen. Der Spanische Gränzort Fontarabien sey durch 4000. von unsern Leuten darein geworffene Bomben ganz in Asche verwandelt worden. -- Ein am 5. dieses zu Perpignan angekommener ausserordentlicher Courier hat die Nachricht dahin gebracht, daß auch der General Servan, Oberbefehlshaber der Armee an den Pyrenäen, von den dortigen National-Commissarien seiner Stelle entsezt und dieselbe dem General Defers aufgetragen worden sey. Eigentlich sey er seiner Absezung durch Niederlegung des Commando vorgekommen, habe sich wegbegeben, und man sage, er befinde sich in Revel; seine Absicht soll seyn, heimlich über die Gebürge sich nach Spanien zu begeben; doch vermuthe man dieses nur; indessen seyen alle Gensdarmes in dortiger Nachbarschaft aufgebotten um ihn aufzusuchen.

Paris, vom 24. May. [31]

Das N. Convent hat in der Seßion am 20. in einem vom Kriegs-Minister ihm mitgetheilten Schreiben des General Chalbos aus Fontenay-le-Peuple vom 16. dieses Monats Nachricht erhalten von einem wichtigen Sieg, den derselbe über die Rojalisten erfochten. Sie seyen, sagt das Schreiben, bey dem hizigen Angriff unserer Truppen mit einem plözlichen Verlust von mehr als 400. Mann in die Flucht geschlagen worden. Hierauf sey man über ihre Artillerie hergefallen und habe sich derselben mit dem Degen in der Faust bemächtiget. Man habe sie 5. Meilen weit vom Schlachtfeld bis nach Bagnard verfolgt, und sie haben bey ihrer Flucht 16. Kanonen, einige Haubizen und mehrere mit Munition, Feldgeräth und Lebens-Mitteln beladene Wagen zurük gelassen, und über 600. Mann an Todten, und 80. Kriegsgefangene, unsere Armee aber nur 10. Mann verlohren. -- Von Nantes hat man ebenfalls durch ein Schreiben vom 12. und 16. Nachricht erhalten, daß die dortige National-Garde, ein Corps von etwa 300. Mann, ungefehr 2000. Rojalisten bey einem Angriff mit ziemlichem Verlust der leztern zurük geschlagen habe.

In der Seßion am 21. statteten die an den verurtheilten General Miaczinsky abgeordneten Commissarien dem N. Convent Bericht ab von dem, was sie bey ihrem dreymahligen Besuch von demselben vernommen hatten. Er sagte unter anderm: Er habe um des Dümourier Projekt gewußt, sich zum Herren von Brabant zu machen, und eine Vermählung zwischen dem jungen Egalite und der Tochter Ludwigs XVI. zu stand zu bringen; wobey der vormahlige Dauphin würde aufgeopfert worden seyn. Dümourier habe in Ansehung des Erfolgs seines Projekts auf die Mehrheit in dem N. Convent gezählt, und besonders für Petion und Gensonne viel Achtung gehabt, und sey mit ihnen in Correspondenz gestanden; auch auf Cüstine habe er sich verlassen; den Lacroix, Mitglied des N. Convents beschuldigte er: daß er zu ihm gesagt habe, er soll in den Niederlanden plündern, sie wollen es dann mit einander theilen, und er wolle sich im N. Convent seiner annehmen, u. s. w. -- Die 3. von Miaczinsky genannten Mitglieder des N. Convents wurden zu ihm gebracht, er behauptete in ihrer Gegenwart, was er über sie ausgesagt hatte, konnte aber weiter nichts beweisen; und daß seinetwegen und in einem Namen an das N. Convent geschrieben und um Aufschub der Vollziehung des Urtheils angesucht worden, davon schien er nicht einmahl etwas zu wissen. Nach diesem Bericht der Commissarien hat das N. Convent die dem Miaczinsky bewilligte Frist wieder aufgehoben, und das Todes-Urtheil ist am 22. auf dem Revoluzions-Plaz an ihm vollzogen worden; so wie auch gestern an dem ebenfalls vom Revoluzions-Tribunal verurtheilten Devaux, gewesenem Oberst-General-Adjutant bey der Armee, welcher auf des Dümourier Befehl das Commando an des Miaczinsky Stelle übernommen hatte zu einer Zeit, wo er schon wußte, daß derselbe die National-Commissarien nebst dem Kriegs-Minister habe arrettieren lassen.

Das N. Conv. hat in der Seßion am 20. ein gezwungenes Darlehn von einer Milliarde Livres dekretiert, welches von den Reichen herbeygeschaft werden, und wobey die Güter der Emigrierten zum Unterpfand dienen sollen. Manche finden dieses Dekret in mehrern Absichten ziemlich bedencklich, und es sind auch im N. Convent Einwendungen dagegen gemacht worden, die aber die Abfassung desselben nicht zu hintertreiben vermögend waren.

In der gestrigen Seßion erschienen Deputierte von der Sektion der Fraternität vor dem N. Convent, und thaten demselben Anzeige von einer ziemlich bedencklichen Sache. Es sey nemlich sagten sie, an vergangenem Sontag und Montag im Hotel des Maire eine aus Mitgliedern des Revolutions-Committe bestehende Versammlung gehalten worden, das erstemahl unter dem Vorsiz eines der Administratoren und das andere mahl unter dem Vorsiz des Maire selbst. In dieser Versammlung habe man vorgeschlagen, die Auftritte am 10. August und 2. September des vorigen Jahrs noch einmahl zu wiederholen, sich von 22. Mitgliedern des N. Convents zu bemächtigen, sie zu massakrieren und dann für Emigrierte auszugeben. -- Diese Anzeige veranlaßte noch mehrere andere von Dingen, die mit dem ebenerwähnten Projekt in Verbindung stehen. Als Marat dasselbe den von ihm sogenannten Staats-Männern schuld geben wollte, und den Deputierten Valaze angab, daß er alle Mitschuldigen des Dümourier schriftlich aufgefodert habe, am Montag sich bewafnet in dem N. Convent einzufinden; so gestand dieser das leztere ein, weil er eben gewußt habe, daß 33. von den Volcks-Representanten an diesem Tag mit Gewalt aus der Versammlung weggebracht und massakriert werden sollten. Lasource sagte, man habe ihn am Dienstag Morgens um 2. Uhr in seinem Haus arretieren wollen; er sey aber durch vorher erha_tene Nachricht in stand gesezt worden, es zu verhindern. Büzot sprach von 8000. Bürgern, die zufolg jenes Projekts hätten ums Leben kommen sollen. Cambon zeigte an, daß die Zwölfer-Commißion und das Committe der allgemeinen Wohlfahrt von diesen Complotten berichtet sey und sich wircklich Tag und Nacht mit genauerer Untersuchung der Sache beschäftige; Fonfrede sagte: es gebe Leute, die eine erdichtete Correspondenz mit Koburg und Pitt in ihren Brieftaschen haben, diese wolle man nach Ermordung der Mitglieder vom N. Convent zum Vorschein bringen und vorgeben, sie sey bey ihnen gefunden worden; man werde sie dann drucken lassen, um die Departements glauben zu machen, es seyen nur einige Contre Revolitionnärs massakriert worden. Dieser Umstand sey der Zwölfer-Commißion angezeigt worden; an welche dann auch diese ganze Sache durch ein Dekret des N. Convents gewiesen worden ist.

Paris, vom 27. May. [32]

In der Seßion am 24. wurde ein Schreiben der National-Commissarien aus Valenciennes vom 23. dieses verlesen, worinn sie berichten: Unsere Vorposten und die vordersten Schanzen des Lagers bey Famars seyen am 22. von den Feinden mit überlegener Macht angegriffen, und unsere Armee dadurch genöthiget worden, aus Besorgnis eines noch grössern Verlustes, dieses Lager zu verlassen und sich zurückzuziehen, dadurch befinde sich nun die Stadt Valenciennes in Gefahr, von den Feinden rings um eingeschlossen zu werden. -- Aber auf diese Nachricht folgte bald in der vorgestrigen Seßion eine für das N. Convent erfreulichere, in 2. Schreiben der Commissarien vom 24., aus Douay und Lille, deren lezterm ein Schreiben von dem General Lamarliere an eben diese Commissarien beygelegt war, und deren samtlicher Inhalt noch in eben dieser Seßion durch einen mündlichen Bericht des von der nördlichen Armee angekommenen General-Adjutanten, Levasseür, bestätiget wurde. Dieser theilte dem N. Convent folgende Nachricht mit: Die bey Menin kampierenden Holländischen Truppen seyen bis Busbeck, Tourcoin und Roncq vorgerükt; hierauf habe der General Lamarliere am 24. bey Tages Anbruch diese 3. Posten zugleich angreiffen lassen; die Feinde haben sich nach einer muthigen Gegenwehr überall zurük gezogen, und die genannten 3. Posten seyen ihnen weggenommen worden; 500. Mann von ihnen seyen auf dem Plaz geblieben und 300. zu Kriegs-Gefangenen gemacht worden, nebst 28. Officiers, unter denen sich 3. Staabs-Officiers befinden. Der Feind habe auf dem Schlachtfeld seine Verwundeten zurük gelassen, welche auf 20. Wagen nach Lille transportiert worden. Ausserdem haben ihm unsere Truppen 3. Kanonen, nebst seinen Munitions Wagen, Kriegs- und Mund-Vorrath und der Kriegs-Casse weggenommen. Die Feinde haben sich hinter Menin zurückgezogen; auf unserer Seite seyen einige verwundet und nur wenige getödet worden. -- Der Ueberbringer dieser Nachricht, (mit welcher, wie gesagt, das Schreiben des Generals Lamarliere übereinstim't; ausser daß es noch den Umstand beyfügt; die feindliche Cavallerie sey ganz theils geblieben theils gefangen worden) hat dem N. Convent zugleich eine Standarde überreicht, welche ein Grenadier vom 2ten Infanterie Regiment dem Feind abgenommen. Wer die Holländischen Truppen kommandiert habe, und was für Regimenter sich bey diesem aus 7. bis 8000. Mann bestehende Corps befunden, wird in allen diesen Nachrichten nicht gesagt.

Durch die Vorlesung der Briefe, welche diese Berichte enthielten, wurde ein ziemlich unruhiger Auftritt in dem N. Convent unterbrochen, der durch eine vor demselben erschienenen Deputation des General-Conseils der Commüne veranlast worden war. Diese hatte nemlich durch ihren Sprecher nachfolgenden Vortrag an das N. Convent thun lassen: "Ihr Representanten des Volks, das General-Conseil der Commüne würde sich sammtlich hier eingefunden haben, wenn nicht die gegenwärtigen bedenklichen Umstände dasselbe nöthigten, seine Seßionen nicht zu unterbrechen. Ihr sehet aber in uns die Deputierten desselben, die euch in seinem Namen billige Vorstellungen machen sollen. Es ist euch im Namen der Sektion von der Fraternität ein abscheuliches Complot klagbahr angezeigt worden. Man hat die Theilhaber an demselben nicht genannt, und dadurch läst man alle Bürger von Paris dem Verdacht ausgesezt. Ohne Zweifel giebt es Verräther in Paris; und es sind diejenigen, welche die Tyrannen daselbst unterhalten. Man muß sie entlarven. Diejenigen, welche die Denunziation unterschrieben haben, kennen die Strafbahren; wenn sie Patrioten sind, so werden sie dieselben anzeigen. Da unsere Mitbürger uns ihr Zutrauen geschenkt haben, so verlangen wir im Namen der Bürger von Paris Rache von euch; wir verlangen, daß die euch übergebene Petition von denen, die sie eingegeben haben, unterschrieben und dem offentlichen Ankläger bey dem Revoluzions-Tribunal zugestellt werde, damit einmahl wenigstens das Schwerdt des Gesezes die Verläumder einer Stadt treffe, die der Revolution alles aufgeopfert hat. Noch eine andere Veranlassung hat uns hieher gebracht. Die Mitglieder von dem Volcks-Magistrat, welche geschworen haben, entweder frey zu seyn, ohne zu sterben, können nicht ohne Unwillen die offenbahrste Verlezung der heiligsten Rechte mit ansehen. Wir kommen, um eich klagbahr anzuzeigen, daß die Zwölfer-Commißion sich an der Person des Stubstituten von dem Prokureur der Commüne, den Bürger Hebert, vergriffen hat. Er ist aus dem General-Conseil weg und in das Gefängniß der Abtey geführt worden. Das General-Conseil wird die Unschuld bis in den Tod vertheidigen. Es verlangt, daß ihr eine durch patriotische Tugenden und Einsichten achtungswürdige Magistrats-Person ihren Funktionen wieder gebet. Wir verlangen, daß dieselbe ungesäumt gerichtet werde. Willkührliche Verhaftnehmungen sind für rechtschaffene Männer Bürger-Kronen." -- Auf diesen Vortrag ertheilte der President des N. Convents nachfolgende Antwort: (und diese war hauptsächlich die Veranlassung zu dem oben erwähnten unruhigen Auftritt, der durch die Nachrichten von der Armee unterbrochen wurde:

"Das N. Convent, welches eine Erklärung der Menschenrechte entworfen hat, wird nicht zugeben, daß ein Bürger im Gefängniß bleibe, wenn er nicht strafbar ist; glaubet nur, daß euch ungesäumt Gerechtigkeit wiederfahren wird; aber höret auch die Wahrheiten, die ich euch zu sagen habe, Frankreich hat die National-Representation der Stadt Paris anvertraut; Paris muß dieselbe respektieren, seine konstituierten Autoritäten müssen alle ihre Vollmacht anwenden, um ihr diesen Respekt zu sichern. Wenn das N. Convent jemals verächtlich gemacht werden solte; wenn durch eine von den Insurrektionen, dergleichen seit dem 10. Merz unaufhörlich sich ereignen, und wovon die Magistrats-Glieder das N. Conv. niemals benachrichtiget haben, (hier erhob sich ein heftiges Gemurmel auf der linken, und eine Beyfalls-Aeusserung auf der entgegen gesezten Seite; aber der President fuhr fort:) wenn durch diese immer erneuerten Insurrektionen ein Vergehen gegen die National-Representation veranlast werden solte; so erkläre ich euch im Namen von ganz Frankreich, Paris würde vernichtet werden; man würde bald an den Ufern der Seine fragen, ob Paris jemals gewesen sey? Das Schwerdt des Gesezes, welches noch vom Blut des Tyrannen trieft, ist bereit, jeden zu treffen, der es wagte, sich über die National-Representation zu erhaben."

-- Bey diesem lezten Theil seiner Rede wurde der President besonders durch Aeusserungen des Unwillens auf der linken, und des Beyfalls auf der rechten Seite des Saals unterbrochen. -- Ueberhaupt scheint das Conseil der Commüne über die von der Sektion der Fraternität eingegebenen Anklage sehr aufgebracht zu seyn. Indessen soll die zwölfer Commißion höchst zuverlässige und ächte Beweise von der vorgehabten Conspirazion in Händen haben; alles, Zeit und Ort und die Opfer waren bereits bestimmt; aber als eben der Streich vollbracht werden solte, liessen die Mörder aus Schrecken den Dolch aus den Händen fallen. Mehrere Theilnehmer an der Conspirazion sind schon in Verhaft und das Zwölfer-Committe wird nächstens einen Rapport über die Sache abstatten. Das Conseil der Commüne möchte, wie es sche_nt, die Schuld und Strafe gern auf die Angeber wälzen; aber gutdenckende Bürger haben seine Bemühungen vereitelt, und es dahin gebracht, daß mehrere Sektionen die Autorität dieses Conseils nicht mehr anerkennen wollen, und versprochen haben, das N. C. gegen jeden Angriff zu vertheidigen; doch haben auch andere Sektionen sich für das Conseil erklärt und anheischig gemacht, dasselbe zu beschüzen; so daß man nicht weit davon entfernt ist, in Paris selbst einen Bürgerkrieg ausbrechen zu sehen. Das N. K. zeigt indessen bey diesen Umständen ziemlich viel Entschlossenheit; und unter anderm hat dasselbe in der Seßion am 24. nachfolgendes Dekret abgefaßt; und zwar auf einen Vorschlag von Seite der Zwölfer-Commißion: 1) Das N. K. sezt den offentlichen Wohlstand, die National-Representation und die Stadt Paris unter den besondern Schuz der gutgesinnten Bürger; 2) Jeder Bürger von Paris soll schuldig seyn, sich nach dem Sammelplaz seiner Compagnie zu begeben; 3) die Kapitäns sollen die Leute von ihrer Compagnie, um sich von ihrer Anwesenheit zu versichern, namentlich aufruffen; 4) der Poste bey dem N. Convent soll mit 2. Mann von jeder Compagnie verstärkt werden, ohne daß jemand ausser den offentlichen Beamteten, einen andern für sich stellen darf; 5) alle Bürger sollen in Bereitschaft seyn, an den Ort zu marschiren, den man ihnen anweisen wird; 6) so lange, bis zu der gesetzmäßigen Mahl eines General-Commandanten geschritten worden, soll dieses Kommando dem ältesten von den Chefs der Legionen aufgetragen werden; 7) die Generalversammlungen der Sektionen sollen um 10. Uhr Abends geschlossen, und dieses im Protokol der Seßionen angemerkt werden, auch die Presidenten dafür verantwortlich seyn; kein Fremder in einer Sektion soll an den Deliberationen Antheil nehmen dörfen; 9) die Commissarien der Sektionen sollen in andere nicht als solche aufgenommen werden, bis sie ihre Vollmachten verifiziert habe'.

Paris, vom 31. May. [33]

Die leztern Seßionen des N. Convents, besonders am 27. 28. und 29. waren im höchsten Grad unruhig; so daß, als das Protokol derselben verlesen wurde, man fand, daß der Sekretair in der Beschreibung der skandalösen Auftritte gar zu umständlich gewesen sey, und ihm deswegen durch ein Dekret aufgetragen wurde, den Aufsaz abzuändern; weil, wenn dergleichen leidenschaftliche Bewegungen vor die Augen der Republik kämen, dieses unter den Bürgern zu neuen Trennungen Anlaß geben könnte. Die Ursache zu diesen unruhigen Auftritten war die Zwölfer-Commißion und die von derselben anbefohlne Verhaftnemmung des Bürgers Hebert, Substituten von dem Prokureur der Commüne. Die meisten Sektionen von Paris und die Mitglieder des N. C. von der linken Seite verlangten die Cassation jener Commißion und die Freylassung dieses Gefangenen. Beydes wurde auch in der Seßion am 27. die bis nach Mitternacht daurte, dekretiert; allein am 28. wurde dieses Dekret, was den ersten Punkt anbetrift, mit 279. gegen 238. Stimmen wiederruffen. Aber die Zwölfer-Commißion ließ bald darauf durch einer ihrer Mitglieder, Rabaud von St. Etienne, dem N. Convent ihre freywillige Dimißion anzeigen. Dieser wolte zugleich im Namen derselben ihren Rapport über den Gegenstand ihrer Beschäftigung, hauptsächlich das angezeigte Complot betreffend, abstatten; aber man ließ ihn, da er zu verschiedenen mahlen zu reden anfieng, nicht zum Wort kommen; sondern es wurde beschlossen, daß dieser Rapport gedrukt und in die Departements versendet werden soll.

In der Seßion am 28. hat Cambon im Namen des Committe von der allgemeinen Wohlfahrt von den neulichen demselben durch Curiers überbrachten Nachrichten von den Armeen nachfolgenden Bericht abgestattet: "Von den nördlichen Armee hat das Committe keine ganz neuen Nachrichten erhalten. Dieselbe hat, seitdem sich die Feinde des Lagers bey Famars bemächtiget, ein anders bey Cesane bezogen. Cüstine muß gestern oder heute bey dieser Armee angekommen seyn. Die Nachrichten von |der Armee an den Alpen betreffen kleine Vortheile, welche die Vorposten unserer Truppen über die Piemontesischen erhalten haben. Die Contre-Revoluzionnärs scheinen in diesen Gegenden auch einige Bewegungen gemacht zu haben, welche die Piemonteser unterstüzen wolten; es kam zu einem hizigen Angriff, wobey aber von diesen nu~ 2. Mann, und von den unsrigen gar niemand umkam. Die Armee in Italien erwartet von den Feinden angegriffen zu werden, hat aber alle Anstalten zu einer muthigen Gegenwehr gemacht. Bey der Armee an den östlichen Pyrenäen ist ein Lager von 6000. Franzosen von 12000. Spaniern angegriffen worden; unsere Armee wurde anfänglich aus ihrem Lager zurük getrieben; die Gendarmerie rief: Rette sich, wer kann; und brachte unsere übrige Soldaten in Unordnung. Aber die Generals Boufflers, Dagobert und Soret sammelten sie wieder und machten sich wieder Meister vom Lager. Die Spanier wurden weit zurük getrieben; aber in der Nacht hat unsere durch einen panischen Schreken getäuschte Avantgarde die Armee genöthiget, in Perpignan einzurüken. Von den westlichen Pyrenäen hat man keine Nachrichten. Hingegen desto erfreulichere von den Küsten bey Rochelle, woher der dortige Commissarius berichtet, daß viele Landleute vom Departement de la Vendee zu ihrer Pflicht und zu ihren gewöhnlichen Geschäften zurükkehren, und daß man hoffe, der dortige bürgerliche Krieg werde bald ein Ende haben." Das Vergnügen des N. Convents über diese leztere Nachricht wurde aber sogleich in der vorgestrigen Seßion wieder gestört durch ein Schreiben der National-Commissarien bey der Armee an der Küste von Rochelle aus Niort vom 26. dieses Monats, worinn sie berichten, daß unsere Truppen am 25. bey Fontenay von den Rebellen geschlagen worden seyen. Schon am 24, schreiben sie, erhielten wir Nachricht, daß die Armee bey Chateigneraie unter dem Commando des General Chalbos einen Angriff besorge; 3. von uns begaben sich deßwegen mit dem General Dayat zu derselben; kehrten aber, weil sie alles ruhig fanden, am gleichen Tag wieder nach Fontenay zurük. Aber sogleich nach ihrer Abreise Abends um 6. Uhr erhielt der General Chalbos Nachricht, daß die Rebellen Anstalten machen, um ihn in Chateigneraie einzuschliessen, wo er sich unmöglich halten konnte. Er fand also gut sich nach Fontenay zurükzuziehen, wo er am 25. Morgens mit der Armee ankam. Um halb ein Uhr lief der Bericht ein, daß die Rebellen auf eben der Ebene zum Vorschein kammen, wo sie am 16. dieses geschlagen worden. Man schlug nun Generalmarsch und bald darauf stand die Armee in Schlachtordnung gegenüber einer sehr zahlreichen Menge von Rebellen, die sich in 3. Colonnen formiert hatten. Sie hatten keine Artillerie, aber sie giengen mit der grösten Unerschrockenheit auf die unsrige los. Das Gefecht war sehr hizig, unsere Truppen fochten mit dem grösten Muth und waren im Begriff die feindlichen Colonnen zum Weichen zu bringen, als der General Chalbos der National-Gendarmerie zu Pferdt Befehl gab, anzugreiffen, um sie vollends zu schlagen. Auch wär es um sie gethan gewesen, wenn der Befehl befolgt worden wäre. Aber schändlicher Weise rükten nur 5. Gensdarmes gegen den Feind an; die übrigen, durch die Desertion einiger Feigen erschrekt, wichen zurük und nahmen mit verhängtem Zügel die Flucht, wobey sie unsere ihnen im Weg stehende Infanterie übern Hauffen ritten. Mehr als 30. Man von derselben wurden von den Pferdten der Flüchtlinge todt getretten. Vergebens suchten wir und die Generalen sie wieder zu sammeln, nichts war vermögend sie aufzuhalten. Endlich da die Infanterie sich von der Cavallerie im Stich gelassen sah, gerieth auch sie in Unordnung, und die Flucht wurde bald allgemein; unsere von den Rebellen aus einander gesprengte Armee wurde auf der Strasse von Fontenay nach Niort verfolgt, wo der General Dayat und der Brigadier Nouvion, welche nur 25. Gensdarmes zusammen gebracht hatten, mit denselben 200. Mann von der feindlichen Cavallerie angrieffen und zum Weichen brachten; dadurch dekten sie den Rükzug eines Theils von unserer Infanterie nach Niort, wo die Cavallerie schon einige Stunden vorher angekommen war. Unsere dort anwesenden Collegen gaben sich bey der Ankunft dieser Flüchtlinge alle Mühe, um sie zu sammeln und zu bewegen, daß sie umkehren und den Rükzug der Infanterie deken solten; aber sie richteten nichts aus. Sie zogen nun mit den so eben dort angekommenen Grenadiers von der Wache des N. Convents aus, um sich wenigstens den weitern Progressen der Feinde entgegen zu sezen. Nur etwann 7. bis 800. Mann, ausser der Cavallerie, sind von unserer Armee in Niort angekommen; die übrigen sollen sich nach St. Hermand, Marans und andern Orten begeben haben; auch ist es wahrscheinlich, was man versichert, daß viele desertiert sind. Wir sind mit den Generalen entschlossen uns hier aufs äusserste zu wehren. Aber da wir zu wenig Truppen haben, um die Aussenwerke der Stadt zu vertheidigen, so haben die Generalen die Vorposten sich in die Stadt zurük ziehen lassen. Wir glauben, uns etwann 3. Tage lang halten zu können, und hoffen innerhalb dieser Zeit die von verschiedenen Orten verlangte Verstärkung zu erhalten, und so die Republik noch retten zu können, denn es ist unwiedersprechlich, daß, wenn Niort in die Hände der Rebellen fallen solte, la Rochelle und Rochefort in der grösten Gefahr, und es alsdann äusserst schwehr seyn würde, ihren Progressen Einhalt zu thun. Es heist, wir werden morgen angegriffen werden.

In der gestrigen Seßion ist das Ober-Kommando über die Armee am Rhein dem General Alexander Beauharnay aufgetragen worden.

Die bey dem neulichen Vorfall bey Turcoin in unsere Kriegs-Gefangenschaft gerathene 24. Holländische Officiers sind von den 4. Infanterie-Regimentern Hessen-Darmstadt, Randwyk, Waldeck und Quadt, und von dem Cavallerie-Regiment Sgravemaer.

Paris, vom 3. Brachmonat. [34]

Dieser Artikul unter diesem Datum ist nicht, wie sonst gewöhnlich, aus den Pariser Zeitungen selbst hergenohmen; weil die neuesten dieser Blätter hier, wie anderwärts, ausgeblieben sind. Die Ursache davon ist ohne Zweifel der am 31. des vorigen Monats in dieser Stadt ausgebrochene Aufstand, von dessen Umständen und Folgen wir aber eben wenig jenem Ausbleiben gegenwärtig noch keine genauen und zuverlässigen Berichte mittheilen können. Einige Nachrichten zufolge, die sich auf Partikular-Briefe beruffen, sollen bey diesem Aufstand nicht weniger schröcklichere Massakre vorgefallen seyn, als am 10. August und am 2ten und 3ten September des vorigen Jahrs; die Parthey des Marat oder die Sans-Cülottes, heißt es, haben die Oberhand behalten; die 22. von den Jakobinern schon lange proskribierten Mitglieder des N. Convents seyen in Verhaft genohmen, und die ruhigen Bürger von Paris den Gewaltthätigkeiten der Mörder und Plünderer preisgegeben. -- So fürchterlich lauten indessen die Berichte nicht, die wir im folgenden aus ein paar andern Blättern von den leztern Seßionen des N. C. einsweilen mittheilen wollen; mit dem Vorbehalt einer umständlichern Erzählung von dem Hergang der Sache, so bald wieder Nachrichten aus Paris selbst eingegangen seyn werden.

PortretMallarmé RIJKS

Das N. Convent hat seit dem 31. des vorigen Monats Mallarme zum Presidenten. Der erste Gegenstand der Berathschlagungen in dieser Seßion war eben die Bewegung, worinn sich an diesem Tag Paris befand, wo die ganze Nacht hindurch Sturm geläutet und General Marsch geschlagen worden war. Der Maire und der Minister der innern Angelegenheiten wurden vor das N. Convent gefodert. Jener sagte: die Munizipalität habe einsweiligen Commandanten der National-Garden die nöthigen Befehle ertheilt, zu verhindern, daß die Lärm-Kanone nicht losgebrannt werde. Er selbst habe sich mit den Ministern in das Committe von der allgemeinen Wohlfahrt, um dort von dem Zustand von Paris Bericht abzustatten und von da in das permanierende Conseil der Commüne begeben, wo er erfahren, daß an diesem Morgen Commissarien von den meisten Sektionen die Munizipalität suspendiert, aber bald darauf wieder eingesezt haben. Der President von der Sektion von Pontneuf that hierauf dem N. Convent die Anzeige, der Commandant des dortigen Postens habe von dem General-Commandanten Befehl erhalten, die dort befindliche Lärm-Kanone abfeuren zu lassen; er habe sich aber mit Genehmigung des Departements geweigert, dieses zu thun. Dem ungeachtet zeigte ein Mitglied des N. Convents an, diese Kanone sey wircklich losgebrannt worden. Ein anderes Mitglied verlangte, es soll dem vollziehenden Conseil aufgetragen werden, diejenigen gerichtlich zu belangen, welche haben Sturm läuten lassen. Dieses wurde auch dekretiert, aber das Dekret sogleich wieder zurück genohmen. In eben dieser Seßion erschien das Departement von Paris vor dem N. Convent um die gegen diese Stadt ausgesagten Verläumdungen zu wiederlegen. Es verlangte ein Akkusations-Dekret gegen Isnard, Brissot, Guadet, Vergniaux, Gensonne, Barbaroux, Rolland, Lebrün, Claviere, u. s. w. Es entstand ein grosser Tumult in der Versammlung; über 300. Petitionärs sezten sich unter die Mitglieder derselben, deren viele sich wegbegaben. Es wurde nachfolgendes Dekret abgefaßt: 1) Die öffentlich bewafnete Macht des Pariser Departements soll bis auf neuen Befehl aufgebotten seyn, und die konstituierten Autoritäten sollen dem N. Convent alle Tage Bericht abstatten von ihren genohmenen Maas-Regeln für die Sicherheit der Personen und des Eigenthums und die Handhabung der offentlichen Ruhe; 2) Das Committe von der allgemeinen Wohlfahrt soll gemeinschaftlich mit diesen Autoritäten sich mit Untersuchung der Complotte beschäftigen, welche in dieser Seßion dem N. Convent angezeigt worden: 3) Die Zwölfer-Commißion soll aufgehoben seyn; 4) Alle Verhandlungen und Papiere derselben sollen dem Committe von der allgemeinen Wohlfahrt zugestelt werden, um innerhalb 3. Tagen dem N. Convent Rapport darüber abzustatten; 6) Es soll am 10. des nächstkünftigen Augusts in Paris eine allgemeine und republikanische Föderation gehalten werden: u. s. w.

Juni.[]

Paris, vom 3. Brachmonat. [35]

In der Seßion am 1. dieses, wo nicht mehr von dem Aufstand des vorigen Tages die Rede gewesen zu seyn scheint, that ein Mitglied Anzeige von einem Schreiben des General-Prokureurs vom Departement dü Püy-de-Dome, in der vormahligen Provinz Lyonois vom 28. May, worinn derselbe berichtet: man habe daselbst durch zween Commissarien des Departements von Cantal Nachricht erhalten, von einem fürchterlichen Aufstand im Departement der Lozere in Languedok. Die von Charlier, einem ehmaligen Mitglied der konstituierenden N. Versammlung und 60. Priestern angeführten Rebellen haben sich v. Marvejols bemächtiget und alle dortigen offentliche Beamteten massakriert; von da seyen sie nach Mende, dem Hauptort des Departements in Gevaudan marschiert, den man auch in ihren Händen glaube. Sie seyen nach St. Chely zurückgekommen, und wollen nun einen Versuch auf St. Flour dem Hauptort im Departement von Cantal unternehmen. Man habe 1000 Mann gegen sie aufgebotten, die innerhalb 8 Tagen parat seyn werden. Dieser Bericht wurde durch ein in der gestrigen Seßion von St. Flour vom 27ten May bestätiget. -- Eben auch in der gestrigen Seßion erhielt das N. C. einen nicht weniger unangenehmen Bericht von den nach Rochelle geflüchteten Administratoren des Departements de la Vendee in Poitou vom 27ten May, welche melden: der Hauptort dieses Departements Fontenay sey den Gegen-Revoluzionisten in die Hände gefallen. Unsere Munizion, Artillerie, Lebensmittel und die Papiere der Administration seyen verlohren, und die Feinde haben sich sehr grosser Reichthümmer von aller Art bemächtiget. Hingegen berichten die Commissarien bey der Armee an der Küste von Rochelle vom 28ten May aus Niort, die Rebellen seyen noch nicht vor dieser Stadt erschienen. -- Der Minister Claviere hat den N. C. schriftlich angezeigt, er sey genöthiget worden, sich auch seinem Haus zu flüchten, um einem gegen ihn ausgefertigten Verhaftsbefehl zu entgehen. Ein Mitglied des N. C. sagte: dieser Minister sey in der vorigen Nacht wirklich arretiert worden, man könne aber wegen seinem Schicksal unbesorgt seyn. -- Noch erschien in der gestrigen Seßion vor dem N. C. eine Deputation von allen Sektionen und konstituierten Corps von Paris. Der Sprecher derselben sagte: "Seit 4 Tagen hat das Volk von Paris die Waffen nicht abgelegt. Die Representanten, an welche es seine Vorstellungen gerichtet, lachen über sein ruhiges Betragen und seine Beharrlichkeit; die Fakel der Freiheit verliehrt ihren Glanz; die Säulen der Freiheit sind erschüttert; die Contrerevoluzionisten erheben ihr Haupt; aber sie mögen zittern, der Donner rollt und wird sie zerschmettern. Die Verbrechen der Aufrührer sind euch bekannt, wir haben sie euch angezeigt. Dekretieret sogleich, daß sie des Zutrauens der Nation unwürdig seyen; lasset sie in Verhaft nehmen; wir wollen die Verantwortung darüber bey den Departements auf uns nehmen: das Volk ist müde, sein Glük immer aufschieben zu sehen; noch ist es für einen Augenblik in euern Händen; rettet es, oder wir erklären euch, daß es sich selbst retten wird." -- Man wollte diese Petition an das Comitte von der allgemeinen Wohlfahrt weisen; aber kaum war dieses dekretiert, so entstand ein grosser Lärm auf den Galerien und in der Versammlung; und man verlangte, daß unverzüglich über das Anbringen deliberiert werden soll. Barrere schlug vor, die denunzierten Mitglieder des N. C. aufzufodern, sie möchten sich selbst in ihren Funktionen suspendieren, und das Ministerium zu erneuern. Isnard, Lanthenas, Düffaults und Fauchet thaten jenes, aber Barbaroux und Lanjüinais glaubten, es stehe nicht bey ihnen, einen Charakter abzulegen, den ihnen das Volk ertheilt habe. Viele Mitglieder beklagten sich darüber, daß sie nicht frey seyen, und daß die Wache des N. C. Befehl habe, niemand hinaus, noch hinein zu lassen. Zwey von den Wache habenden Officiers, als sie darüber angefragt wurden, gestanden, daß dieser Befehl wirklich gegeben sey, aber sie wissen nicht von wem. Bald darauf erschien ein Mitglied mit zerrissenem Kleid; die Schildwachen hatten es ihm zerrissen, weil er mit Gewalt weggehen wollte. Nun erhob sich das allgemeine Geschrey: Wir sind nicht frey. Einer verlangte, man soll der bewafneten Macht befehlen sich zu entfernen. Das ist nicht genug, sagte ein anderer, derjenige, der eine solche Ordre gegeben hat, muß mit dem Kopf dafür büssen. Beydes wurde dekretiert. Zwey arrettierte Schildwachen wurden vorgefodert, aber sie waren entflohen. Endlich sagte Barrere: Hier ist keine National-Representation mehr; lasset sie uns mitten unter dem Volk suchen, welches diejenigen, denen es sein Interesse anvertraut hat, mit seinem Leib schüzen wird. -- Ja, rief man von allen Seiten. -- Der President bedekte sich zum Zeichen der Traur; die Deputierten folgten ihm mit entblößten Häuptern. Als sie in den sogenannten Freiheits-Saal traten, sagten die Gerichtsdiener: Soldaten, hier ist die National-Representation; sogleich öfneten sich die Glieder, alle Bürger präsentierten das Gewehr, und man rief: Es lebe die Republik! Man gab den besoldeten N. G. Befehl, sich wegzubegeben, und sie gehorchten unverzüglich. Das N. Convent zog durch den National-Garten (der vormahligen Tüillerien) und über den Carroussel-Plaz mitten durch das bewafnete, aber sich ganz ruhig haltende Volk von Paris, welches rief: Es leben die guten Deputierten! Gebet uns eine Constitution; Einigkeit herrsche unter euch: die Republik oder Tod! -- Nun trat das N. C. unter lauten Beyfalls Aeusserungen wieder in den Versammlungs-Saal. Es dekretierte nun, daß die angeklagten Mitglieder, 5. ausgenommen, nebst den beyden Ministern Claviere und Lebrün in ihren Wohnungen Arrest haben sollen. Bald darauf wurde ein Schreiben verlesen nachfolgenden Innhalts: "Das ganze Volk des Departements von Paris sendet uns als Deputierte an euch ab, Bürger und Gesezgeber, um euch zu sagen, daß das so eben abgefaste Dekret die Republik rettet; wir bieten uns in gleicher Anzahl als Geisel für die arretierten Mitglieder des N. C. an, um ganz Frankreich für ihre Sicherheit gut zu stehen."

In der heutigen Seßion erhielt das N. C. von den Commissarien an den nördlichen Gränzen unterm 31. May die Nachricht, daß die Stadt Furnes, in den Oesterreichischen Niederlanden durch unsere Truppen von der ersten Division der nördlichen Armee eingenommen worden sey.

Paris, vom 7. Brachmonat. [36]

Die gewönlichen Zeitungen von hieraus sind nun wieder angekommen; so wohl die jüngst ausgebliebenen, als die neuesten bis auf oben genanntes Datum. Jene stimmen in allem überein mit den bereits aus andern Blättern mitgetheilten umständlichen Nachrichten von den neulichen Vorfällen und es ist nun zuverlässig gewiß, daß der Volks-Aufstand am 31. des vorigen Monats und den beyden darauf folgenden Tagen gar keine blutigen Folgen gehabt; obwohl dergleichen, so lang die Berichte nur noch Gerücht waren und allgemein und unbestimmt lauteten, sehr wahrscheinlich zu vermuthen waren, und wohl auch nicht unterblieben seyn würden, wenn das N. Convent dem Volk in seinen Forderungen nicht entsprochen hätte. Uebrigens aber enthalten diese unmittelbar aus Paris eingegangenen Nachrichten gar nichts, woraus die bereits mitgetheilte Erzählung von dem Hergang der Sachen ergänzt oder berichtiget werden könnte. Nur wird man vielleicht, um der Folgen willen, die Namen der zufolg des Dekrets arretierten Personen nicht ungern hier lesen. Dieselben sind: Gensonne, Vergniaux, Brissot, Guadet, Gorsas, Petion, Salles, Chambon, Barbaroux, Büzot, Birotteau, Rabaut de St. Etienne, Lasource, Lanjüinais, Grangeneüve, Lesage, Louvet, Valaze, Doulcet, Lidon, Lehardi; 10. Mitglieder von der Zwölfer-Commißion, und die beyden Minister Claviere und Lebrün. Das Committe vom allgemeinen Wohl hat bisher noch keinen Rapport über ihre Sache abgestattet ungeachtet es zufolg eines Dekrets vom N. Convent innerhalb 3. Tagen geschehen solte, und einige von ihnen auch schon schriftlich darauf gedrungen haben. Nur hat dieses Committe vorläufig den Vorschlag thun lassen zu einem Dekret nachfolgenden Inhalts: 1) Alle Revoluzions Committes in der ganzen Republik sollen kaßiert und auf den Zwek ihrer Errichtung, der in der Aufsicht auf die Ausländer besteht, eingeschränkt werden; 2) die Sektionen von Paris sollen sich nächstkünftigen Sonnabend versammeln, um zur Wahl eines Commandanten von der bewafneten Macht in Paris zu schreiten; 3) Es sollen 30. Mitglieder des N. Convents als Geisel für die Arrettierten sich in die Departements begeben. Der Vorschlag fand auf der linken Seite der Versammlung Wiederspruch, und es ist noch nichts darüber entschieden worden. In dem vormaligen General Conseil der Commüne, welches sich aber, seitdem es als solches am 31. May vom Volk kaßiert worden, nunmehr das allgemeine Revoluzions Conseil nennt, hat eben dieses Committe gestern schriftlich die Anzeige thun lassen: Es habe keine Beweise gegen die im Arrest befindliche Mitglieder des N. Convents, und wenn es nicht noch am gestrigen Tag dergleichen erhalte, so werde es seinen Rapport abstatten. Dieses Schreiben wurde dem Central-Revoluzions-Committe zugestellt, welches darauf anzeigte, daß es eine Commißion ernannt habe, um alles zu sammeln, was zur Erlangung eines Akkusazions-Dekrets gegen die beschuldigten Convents-Glieder erforderlich sey; und zugleich ernannte auch das General-Revoluzions-Conseil eine Commission, um die Klagen des Volks gegen dieselben in gleicher Absicht in Ordnung zu bringen und dem N. Convent zu übergeben. Die Sache wird also doch allem Anschein nach noch weitere Folgen haben. Indessen hat in der vorgestrigen Seßion des N. Convents ein Mitglied angezeigt, daß bewafnete Bürger von Bordeaux nach Paris auf dem Weg seyen, um für ihre unter den arretierten Convents-Gliedern befindlichen Deputierten die Freyheit zu fordern.

In der Seßion am 3. wurde abermals ein Schreiben der Administratoren vom Departement der Lozere in Languedok verlesen, worinn sie melden: Die Umstände dieses Departements haben sich seit ihrem leztern Bericht an das N. C. noch mehr verschlimmert. Die Rebellen haben Vortheile erhalten, und die Stadt Mende, der Hauptort des Departements, sey wirklich in ihrer Gewalt. Sie haben sich derselben ohne Schwerdtstreich bemächtiget, weil die Administratoren und diejenigen, die sich hätten vertheidigen können, diese Stadt abandonniert und nur die alten Leute, Weiber und Kinder dort zurük gelassen haben. Die Anzahl der Rebellen belauffe sich auf 8000. Am 27. des vorigen Monats sey ein Gefecht vorgefallen, in welchem dieselben 30. Todte und 21. Gefangene verlohren; dem ungeachtet aber haben sie St. Alban und Randon in Besiz genommen; den dortigen Freyheitsbaum umgehauen, die dreyfarbigte Fahne zerrissen und die weisse aufgestekt, sie der Kasse des Einnehmers bemächtiget, die Gefangene in Freyheit und 80. Patrioten ins Gefängniß gesezt, eine feyerliche Messe gehalten und die Nonnen wieder in ihre Klöster eingesezt. Zugleich rerlangen diese Administratoren erfahrne und patriotische Generalen, regulierte Truppen, Waaffen, Munizion und Lebens-Mittel. -- Nach einem vorgestern eingegangenen Bericht ist Marvejols wieder in unsern Händen und 300. dort befindliche Rojalisten sind gefangen worden.

Ein anderes Schreiben aber aus eben diesem Departement von St. Chely meldet; ein Bataillon aus dem benachbarten Departement von Avejron, welches den Rebellen-Anführer Charrier angegriffen, sey von demselben zurükgeschlagen worden und habe 3. Kanonen verlohren. -- Der Kriegs-Commissarius bey der Armee an den Pyrenäen hat dem Kriegs-Minister aus Val Carlos unterm 22. May berichtet: Es seyen 1800. Spanier, welche in dortiger Gegend ins Französis. Gebiet eingefallen, von 500. unserer Freywilligen mit Verlust ihrer Munizion und Bagage wieder aus demselben vertrieben worden. Von den übrigen Armeen sind keine ganz neuen Nachrichten eingegangen. -- Santerre hat aus Tours unterm 31. May an den Maire von Paris geschrieben: Er sey noch immer dort und warte auf die Bataillons von Paris, welche aber nicht ankommen; er dringt auf die Beschleunigung ihres Abmarsches, und daß man sie mit Kanonen und Munizions Wagen versehen soll. Eins dieser Bataillon sey zwar so eben angekommen, aber ohne damit versehen zu seyn. -- Ein Bürger aus Lyon hat der Commüne von dem dortigen Aufstand am 29. May Bericht abgestattet und gesagt, daß 8. bis 900. Menschen dabey umgekommen oder verwundet worden seyen. Auch das N. Convent ist durch einen ausserordentlichen Kurier von dem dortigen Departement von diesem traurigen Vorfall benachrichtiget worden.

Es war Marat, welcher an dem neulichen Volks-Aufstand und an der entschlossenen Forderung der Sektionen an das N. Convent den grösten Antheil hatte. Er fand sich am 1. dieses Monats in dem General Conseil der Commüne ein, und sagte: "Wenn ein freyes Volk sein Glük und sein Interesse einer von ihm selbst konstituierten Autorität anvertraut hat; so muß es sich ohne Zweifel auf seine Representanten verlassen, ihre Dekrete respektieren, sie nicht in ihren Berathschlagungen stören und sie in der Ausübung ihrer Funktionen als unverlezlich ansehen. Aber wenn diese Representanten des Volks sein Zutrauen betrügen; wenn das Volck, welches zu klagen immer Anlaß hat, findet, daß es in seiner Wahl getäuscht, oder daß diejenigen, die es gewählt, verführt worden sind, mit einem Wort, wenn die National Representation das gemeine Wesen in Gefahr sezt, anstatt es zu retten: dann, Bürger, muß das Volck sich selbst retten; es hat keine andere Hülfe mehr, als in seiner eigenen Energie. Mache dich also auf, du souveraines Volck, tritt vor das N. Convent, ließ ihm deine Addresse vor und gehe nicht eher weg, bis du eine entscheidende Antwort hast, nach welcher du dann auf eine Art handeln solt, die der Handhabung deiner Geseze und der Vertheidigung deines Interesse gemäß sey. Das ist der Rath den ich euch zu geben habe." -- Seit dem dieser Rath befolgt und seine Absicht erreicht worden, hat Marat schon zweymahl, mündlich und schriftlich sich selbst in seinen Funktionen als Mitglied des N. Convents, bis nach geendigtem Prozeß der angeklagten Convents-Glieder suspendieren wollen, um, wie er sagt, allen Anstoß und Anlaß zu Zwistigkeiten in der Versammlung, in so fern sie von seiner Person herkommen, aus dem Weg zu räumen. Man hat aber von seinem Anerbieten keine Notiz genommen.

Das N. Convent hat über den neulichen Volks-Aufstand eine Proklamazion an die Franzosen dekretiert, welche wir, weil sie auch einiges Licht über die Sache verbreitet, hier noch mittheilen wollen" -- "Franzosen! Es hat sich in Paris eine grosse Bewegung ereignet; die Feinde der Republik werden eilen, euch dieselbe als ein grosses Unglük vorzustellen; sie werden euch sagen, die Sturm Gloke und die Lärm-Kanone habe diese grosse Stadt einen Tag und eine Nacht hindurch in Schreken gesezt; Bewafnete bey tausenden seyen in Verwirrung aus allen Sektionen ausgezogen, haben das N. Convent umringt, und demselben ihren Willen als Geseze der Republik vorgeschrieben. Wir wollen euch die Wahrheit sagen. Strenge Maaßregeln, als sich für die Freyheit in einer erst noch entstehenden Republik schiken, hatten Mißvergnügen erwekt; man hat geglaubt, die Menschen-Rechte seyen verlezt; und die Sektionen einer Stadt, die schon zweymahl mit so vielem Ruhm zu einer Insurrektion geschritten ist, haben sich noch einmahl aufgemacht; aber ehe sie dieses thaten, haben sie alle Personen und alles Eigenthum dem Schuz aller gutgesinnten Republikaner übergeben. Wenn schon die Sturmgloke und die Lärm-Kanone gehört worden, so haben sie doch weder Unruhe noch Schreken verbreitet; die Geschäfte und die Arbeiten in den Werkstätten haben ihren Fortgang gehabt; alle Sektionen sind zwar bewafnet ausmarschiert, aber um sind in der grösten Ordnung und mit Respekt um die konstituierten Autoritäten und Volks-Representanten her zu stellen. Die Freyheit der Meinungen hat sich auch noch selbst in der Hize der Debatten des N. Convents gezeigt. Indem die Bürger die Abschaffung ihrer Klagen mit einigen vom patriotischen Eifer unzertrennlichen Uebertreibungen, und sogar mit dem Troz, welcher den freyen Mann karakterisiert, verlangten; so haben sie geschworen, für die Handhabung des Gesezes, für die Einheit und Untrennbarkeit der Republik und für die Sicherheit der National Representation zu sterben. Das National-Convent, welches man so gar für das Leben einiger seiner Mitglieder besorgt machen wolte, sah seine Besorgnisse in eben dem Augenblick verschwinden, wo die Unruhe allgemeiner wurde; und mitten in dieser Bewegung hat es bemerckt und auch durch ein Dekret erklährt, daß die Sektionen von Paris dem Vatterland einen guten Dienst geleistet haben. Während dem im Versammlungs-Saal der National-Representation die ehrenhafte Abhelfung der Klagen die Aussöhnung der Gemüther vorbereitete; zeigte ausserhalb desselben alles das Bild, nicht von Verwirrung und Unordnung, sondern von einem Volck voll Thatkraft, welches seine Rechte und seine Freyheit vertheidiget. -- Ihr zweif_lt wohl nicht daran, daß bey dieser Veranlassung die Ehrsucht, die Uebelgesinntheit und die Aristokratie wachsam gewesen sey, um von den Ereignissen zu profitieren; daß falsche Patrioten alles angewendet haben, um ihre Absichten zu erreichen. Aber die Mehrheit des Volcks, welches sich laut für die Gleichheit, für die Freyheit und das Eigenthums-Recht erklärte, hat noch niemahl ihre Hofnung getäuscht und ihre Entwürffe vereitelt. So ist es an diesem Tag hergegangen; was an demselben vorfiel, hat für kurze Zeit Besorgnisse erweckt; aber der Erfolg fiel glücklich aus; man hatte den erstaunenswürdigen Anblick von einem Aufstand, wobey das Leben und Eigenthum eben so gesichert war, als bey der vollkommensten gesellschaftlichen Ordnung. -- So befördern also alle Ereignisse die Freyheit; lasset uns gemeinschaftlich den Zeitpunkt ihrer Befestigung durch eine republikanische Constitution beschleunigen: Euere Representanten haben sich feyerlich anheischig gemacht, diese unauslößliche Band aller Departements zu stand zu bringen; sie laden euch zu einer brüderlichen Vereinigung auf den 10. August ein, welcher dann für immer das Jahres Fest der eroberten Freyheit seyn soll. -- Ihr Bürger von Paris, ihr habet gesehen, daß das Zutrauen des N. Convents sich niemahls von euch entfernt hat; daß dasselbe gern seine Berathschlagungen mitten unter einem Volck hält, bey welchem die Freyheitsliebe eine Leidenschaft ist, und in einer Stadt, welche die Bestrebungen eines ganzen Jahrhunderts für Europa, wie für Franckreich, zum Mittelpunkt der Wissenschaften und Kentnisse gemacht haben. -- Ihr Soldaten der Republick, befürchtet nicht mehr, daß, während dem ihr g_gen die Tyrannen und Rebellen fechtet, innerliche Zwistigkeiten die Sache der Freyheit in Gefahr sezen werden. Streitet künftig nur um den Ruhm der Tapferkeit, so wie wir geschworen haben, in Zukunft nur um den Ruhm der Erfüllung unserer Pflichten und der Ausopferungen für das Vatterland zu streitten."

Paris, vom 10. Brachmonat. [37]

Das Schiksal der mit Haus-Arrest belegten Convents-Glieder und Minister ist noch unentschieden, und es sind bisher noch keine bestimmte Klagen gegen sie eingegeben worden. Das Committe von der allgemeinen Wohlfahrt, welches diese Klagen annehmen, und darüber, so wie über die ganze Sache dem N. Convent Rapport abstatten soll; hat demselben vorläufig die auf seine Anfrage an das General-Conseil der Commüne erhaltene Antwort kommuniziert, worinn unter anderm gesagt wird: Als das General-Conseil dem National-Convent die Anzeige gethan, daß ein grosses Complot statt finde, habe man aus mehrern Briefen Nachricht gehabt, daß Truppen aus verschiedenen Departements gegen Paris im Anmarsch seyen; und daß verschiedene Departements in der Gegend des Jura-Gebirges sich vereinigen, um eine besondere National-Versammlung zu errichten. Diese beyden Umstände beweisen unläugbar, daß ein Complot statt finde, eine neue National-Versammlung zu formieren, die gegenwärtige aufzuheben, auf Paris loszugehen, und diese Stadt zu vernichten. Die Wircklichkeit dieses Complots treffe vollkommen zusammen mit den Wünschen und Drohungen der Convents-Glieder, die auf Verlangen des Volcks von Paris, welches eine Zeuge ihres Betragens gewesen, in Verhaft genohmen worden. Sobald das Dekret gegen dieselben abgefaßt worden, habe das Central-Revolutions-Committe sich damit beschäftiget, alle Umstände und Beweise zu sammeln, welche ein Akkusazions-Dekret gegen dieselben erheischen. Nur die in Paris vorgefallenen Bewegungen seyen die Ursache davon, daß diese Arbeit nicht bereits vollendet sey, sie werde es aber in einigen Tagen seyn, und dann sogleich dem Committe zugestellt werden. Es wäre unbillig einer mit so vielen Geschäften überhäuften Commißion diese Frist nicht zu gestatten.

In der Seßion am 7. wurde ein Schreiben des Prokureur-General-Syndik vom Departement der östliche' Pyrenäen vom 2. dieses an den Minister der innern Angelegenheiten verlesen, worinn er sich gegen denselben beklagt, daß er auf seine Foderungen schon so lange keine Antwort erhalten, da er doch wohl wisse, wie groß die Bedürfnisse von aller Art bey der dortigen Armee seye. Zugleich berichtet er: das Fort Bellegarde werde von den Spaniern noch immer heftig bombardiert; und ein Versuch, das Fort de la Garde und ein anderes bey Villefranche mit Lebens-Mitteln zu versehen, sey dadurch vereitelt worden, weil von der aus 1500. Mann bestehenden Bedeckung, die aus 3. Colonnen bestand, nur die Mitlere den ihnen ertheilten Befehlen Gehorsam leistete, die beyden andern aber aus einander lieffen; welches den kommandierenden Officier genöthiget, mit dem Proviant wieder nach Villefranche zurück zu kehren. -- In eben dieser Seßion erhielt das N. Convent die offizielle Nachricht, daß die 10000. Mann starke Armee der Rebellen im Departement der Lozere aus einander gesprengt worden, so daß die Administration dieses Departements ihren Aufenthalt wieder in Mende habe nehmen können. Eben diese Nachricht wurde in der vorgestrigen Seßion durch einen aus St. Flour abgeschickten ausserordentlichen Kurier bestätiget, mit dem Beygefügten Bericht, daß Charrier, der Anführer der dortigen Rebellen nebst seinem Adjutanten gefangen genohmen und beyde sogleich nach Rhodez dem Haupt-Ort des Departements von Avejron gebracht worden seyen, um dort zur Straffe gezogen zu werden.

Gestern wurde im N. Convent nachfolgende Addresse verlesen von den in Bordeaux residierenden Administratoren des Departements der Gironde vom 6. dieses um Mitternacht datiert: "Gesezgeber, es sind Nachrichten von euerer Seßion am 3. d. M. aus Bordeaux angekom'en. Von allen Seiten ließ sich ein Nachgeschrey hören. Die Bürger versammeln sich zahlreich in ihren Sektionen. Man schlagt uns die ausserordentlichsten Wahrheit zu sahen. Wir fürchten uns vor dem Zeitpunkt, wo wir genöthiget seyn werden, auch dieselbe ganz zu sagen." -- Das Convents-Glied, welches diese Addresse verlaß, sagte: Montpellier habe mit Bordeaux ungefähr die gleichen Gesinnungen. Gleich nachher wurde auch eine Addresse von allen constituierten Autoritäten der Stadt Rennes verlesen, worinn sie berichten: daß in dieser Stadt wircklich eine bewafnete Macht errichtet werde, die nach Paris gehen soll, nicht um gege' die Pariser zu fechten, sondern um die Ruhe in dieser Stadt herzustellen, dem N. Convent und den in Verhaft genohmenen Convents-Gliedern die Freyheit zu verschaffen, und die Ruhe-Störer und Anarchisten zu bestraffen, welche Paris unterjochen.

Paris, vom 14. Brachmonat. [38]

Das N. Convent hat am 10. dieses von den Administratoren von St. Flour im Departement von Cantale in der Provinz Lionnois ein Schreiben vom 5. erhalten, worinn sie sagen: Die dortigen Gefahren seyen zwar für einmahl vorüber, aber sie können wieder kommen, und man habe wirklich Entdekung gemacht, welche beweisen, der Complot habe allgemein seyn sollen, und nur wenige Tage späther würde der Sache nicht mehr zu helfen gewesen seyn. Zugleich äussern diese Administratoren ihre Unruhe und Besorgnisse über die ihnen kürzlich von Paris aus zugekommenen Nachrichten.

In der Seßion am 10. solte nach einem unlängst abgefaßten Dekret mit der Mittags-Stunde das N. C. sich mit der Constitution zu beschäftigen anfangen, und zwar diesmal sich von dem Wohlfahrts-Committe den neuen Plan zu derselben vorlegen lassen. Der President brachte auch die Sache in Vorschlag; aber es wurde von einigen Mitgliedern dagegen eingewendet, daß noch ehe man dieses Geschäft vornehme, das Verhafts-Dekret gegen die arrettierten Convents-Glieder in Untersuchung gezogen werden solte, weil durch ihre Abwesenheit das N. C. desorganisiert worden sey. Nachdem eine zeitlang für und wieder diesen zweiten Vorschlag geredet worden war, blieb es doch bey dem ersten und der Rapporteur des obengenannten Committe erschien vor der Versammlung; er verlas zu erst einen Preliminar-Discurs zu dem Constitutions-Projekt und dann den Plan von der Constitution selbst, welcher in 25. Kapitel eingetheilt ist unter folgenden Tituln: von der französischen Republick; von der Eintheilung des Volcks; vom Zustand der Bürger; von der Souveränität des Volcks; von den Primar-Versammlungen; von der National-Representation; von den Wahl-Versammlungen; vom Gesezgebenden Corps; von den Funktionen desselben; von der Abfassung des Gesezes; von der Vertheilung der Geseze und Dekrete; von den Verhältnissen des vollziehenden Conseils und gesezgebenden Corps; von dem Grossen National-Geschwornen-Gericht; von der Criminal-Justiz; von dem Cassations-Tribunal; von der Ablegung der Rechnungen; von der Kriegsmacht der Republick; von den National-Conventionen; von den Verhältnissen der französis. Republick gegen die auswärtigen Mächte; von dem Petitions-Recht und den Popular-Sozietäten. -- Das N. Convent dekretierte, daß dieser Constitutions-Plan unverzüglich gedruckt, an die Departements, Munizipalitäten, Armeen, und Popular-Gesellschaften abgesendet, jedem Convents-Glied 6. Exemplare davon zugestellt; sogleich am folgenden Tag um 1. Uhr Nachmittags die Berathschlagung darüber eröfnet und in allen Seßionen mit diesem Gegenstand so lang fortgefahren werden soll, bis die Constitution vollständig dekretiert sey. Das ist auch wircklich seither täglich geschehen, und es sind bereits einige Punkten festgesezt und genehmiget; von denen, wenn es der Raum gestattet, wenigstens die wichtigsten am Schluß dieses Artikuls angeführt werden sollen.

In der Seßion am 11. erhielt das N. C. von den Administratoren der Stadt Vendome ein Schreiben, worinn sie grosse Klagen führen über das Betragen eines Bataillons von dem Contingent der Stadt Paris bey seinem dortigen Durchmarsch nach dem Departement de la Vendee; sie haben den Freiheitsbaum umgehauen, die Gräber in den Kirchen violiert und die Bildsäulen von Heiligen verstümmelt. Andere nach ihnen angekommene Freywillige von eben diesem Contingent haben den von ihren Cameraden ausgeübten Unfug durch Wiederaufrichtung des Freiheitsbaums und sonst, so viel möglich wieder gut gemacht. Die Sache wurde an das Wohlfahrts-Committe gewiesen.

In eben dieser Seßion war auch wieder die Rede von den in Verhaft genommenen Convents-Gliedern, und zwar aus Anlaß dessen, was Lacroix sagte und woraus man sehen kan, in was für einem Zustand Frankreich sich gegenwärtig befindet. Mehrere Departements, sagte er, nehmen Maaßregeln, die der Freiheit gefährlich sind. Verschiedene Convents-Glieder haben ihre Posten verlassen, und predigen weit von Paris den Bürger-Krieg und Verachtung gegen die Volks-Representanten. Da deliberiert ein Departement über die Absendung einer bewafneten Macht gegen Paris; dort deklariert eine Commüne, daß sie die Autorität der National-Representation nicht mehr anerkenne. Andere Departements haben ihre Contribution zurük behalten, verbotten, dieselben in den offentlichen Schaz abzuliefern, und verordnet, daß diejenigen, welche an der wirklichen Convents Glieder Stelle zu ihren Stellvertrettern ernannt worden, zusammen beruffen werden sollen; u. s. w. Er schlug deßwegen vor, sogleich am folgenden Tag und dann nach ein paar Tagen noch einmal alle Convents-Glieder namentlich aufruffen zu lassen, und diejenigen, die sich bey dem zweiten Aufruf nicht einfinden, für abwesend und in Zukunft als nicht mehr zum N. C. gehörig zu erklären; und den Administratoren der Departements bey Todes-Straffe zu verbieten, daß sie die Primar-Versammlungen nicht zusammen beruffen; und keine das N. C. betreffende Deliberation vornehmen sollen; sie möge nun die Absendung einer bewafneten Macht oder die Suspension der Contributionen betreffen. -- Diesem Vorschlag wiedersprach ein anderes Convents Glied, weil durch dergleichen gewaltsame Dekrete der Staat nur immer mehr zerrüttet und die Freiheit der Gefahr, verlohren zu gehen, ausgesezt werde. Die Unruhe komme blos von der Verhaftnehmung der 22. Convents-Glieder her; diese soll man in das N. C. zurükruffen, so werden die Departements bald ruhig werden. Noch ein anderer verlangte nicht ihre Freilassung; aber doch eine baldige Entscheidung ihres Prozesses. Am Ende wurde der zuerst erwähnte Vorschlag von Lacroix dem Wohlfahrts-Committe zur Untersuchung übergeben; mit dem Beysaz, daß alle Convents-Glieder, welche ohne Auftrag und Erlaubniß sich in die Departements begeben haben, in Verhaft genohmen werden, und alle Franzosen berechtiget seyn sollen, auf sie loszugehen. -- Noch erschien in eben dieser Seßion vor dem N. C. eine Deputation aus der Stadt Laval im Departement de la Mayenne in der Provinz Orleannois, deren Sprecher sagte: Gesezgeber, wir verlangen, daß die in Verhaft genommenen Convents-Glieder wieder in ihre Stellen eingesezt werden; daß man die Commüne von Paris in die von dem Gesez ihr vorgeschriebenen Gränzen einschränke, und daß diese verwegene Commüne ja nicht glauben soll, wir werden uns jemals unter das eiserne Joch beugen, womit ihre anarchische Autorität und drohet; ferner daß die Pressfreiheit, ohne welche die offentliche Freiheit nichts ist, gehandhabet, und daß diejenigen, welche durch die gehemte Cirkulazion der offentlichen Blätter dieselbe aufgehalten haben, vor die Tribunale gezogen werden sollen. Wir verlangen die Revision aller seit dem 31. May abgefasten Dekrete; denn wir können uns nicht Verordnungen unterziehen, die aus Furcht gemacht und mit Gewalt abgedrungen worden sind. Wir verlangen die Zurükberuffung aller in die Departements und zu den Armeen abgeschikten Commissarien, weil sie die ihnen anvertraute grosse Vollmacht mißbrauchen, und lauter willkührliche Handlungen begehen. Diese Petition wurde theils mit Hohn, theils mit Beyfall aufgenommen. Ueberhaupt aber diesen dergleichen Vorschläge oder Foderungen, wenn sie auch von verschiedenen Orten her ganz entgegengesezt lauten, nicht wenig dazu, den gegenwärtig in Franckreich herrschenden Geist und die Gesinnungen seiner Einwohner kennen zu lehrnen. -- In der vorgestrigen Versammlung meldeten die Administratoren von Moulins dem N. Convent daß Brissot, welcher sich dem Verhafts-Dekret gegen die 22. Convents-Glieder durch die Flucht entzogen hatte und unter dem Namen eines Schweizerischen Kaufmans, aber ohne einen vom Hr. Barthelemy unterschrieben Paß reisete, in ihrer Stadt angehalten worden sey; und zugleich überschickten sie ein Schreiben von Brissot, selbst an das N. Convent, worinn er sagt: die mörderischen Bedrohungen, während dem dasselbe von Bajonetten umringt über seine und mehrerer von seinen Collegen Verhaftnehmung deliberierte, haben ihn genöthigt, Paris zu verlassen und in einer unbekannten Einsamkeit abzuwarten, bis das N. Convent seine Macht und Würde wieder erlangt habe. Er sey deswegen unter einem angenohmenen Namen und mit einem falschen Paß abgereiset; zu welchem unläugbaren Fehltritt ihn bloß die Furcht ermordet zu werden bewogen habe. Er verlangt, durch Veranstaltung des N. Convents nach seiner Wohnung in Paris gebracht, und nur nicht unverhört verurtheilt zu werden. Die Sache wurde an das Wohlfahrts-Committe gewiesen. -- In eben dieser Seßion erhielt das N. Convent unangenehme Nachrichten von den National-Commissarien, oder (wie sie jzt heissen) Volcks-Representanten bey der Armee im Departement de la Vendee aus Tours vom 9. dieses Monats. Sie schreiben: "Die grösten Unglückfälle drohen uns. Die Rebellen machen täglich die grösten Fortschritte; unsere Armee hat eine gänzliche Niederlage erlitten; und sie gegen Angers und Tours zurückziehen müssen. Saumür ist heute in der Feinden Hände gefallen. Wir sind hier ohne Vertheidigungsmittel; unsere Truppen sind gar nicht zahlreich und wir haben Mangel an Flinten; die Rebellen scheinen die Absicht zu haben sich nach Bretagne und der Normandie zu begeben, wo sie Anhänger zu finden hoffen. Der General Menou ist ganz mit Wunden bedeckt hier angekommen. An der erlittnen Niederlage ist bloß die Feigheit einiger Bataillons schuld, welche schrien: Rette sich, wer kan!" -- Eben so wenig tröstlich lauten die in der gleichen Seßion erhaltenen Nachrichten der Volcks-Representanten aus Bayonne, im Departement der westlichen Pyrenäen, welche melden: die Stadt Desbains habe sich aus Mangel an Lebens-Mitteln an die Spanier ergeben; St. Jean de Lüz und St. Jean de Pied de-Port werden im Fall eines Angriffs sich nicht halten können, und wenn die Spanier sich dieser beyden Plätze bemächtigen sollten, so könne auch Bayonne sich nicht halten können, und wenn die Spanier sich dieser beyden Pläze bemächtigen sollten, so könne auch Bayonne nicht wiederstehen, wenn man nicht Truppen, Kanonen und Munition dahin schicke. Einer von den Vorposten unserer dortigen Armee sey forzirt, und der General la Genetierre gefangen genommen worden. -- Nach andern Berichten aus dem Departement der östlichen Pyrenäen haben die Spanier gegenwärtig 23,000. Mann in dem Distrikt von Ceret; 2000. kantonniren zwischen Ceret, St. Laurent und Praz de Molo; 9000. kampiren in dem Lager bey Boulon, und 6000. liegen vor Bellegarde. Täglich werden über 200. Bomben in diesen Plaz geworfen, dessen Wälle noch überdas aus Kanonen von grossem Caliber beschossen werden. Die Belagerten halten sich zwar gut, aber, heißt es in einem Bericht vom 2ten dieses, sie haben nur noch für 4. oder 5. Wochen Lebensmittel. -- Beruhigender als die vorigen lauteten die Nachrichten, welche der Kriegsminister in der gestrigen Seßion dem National-Konvent von einem Sieg unserer Truppen über die Oesterreicher bey Luxemburg mittheilte. Dieser Bericht sagt: Ein Corps von 10000 Mann unter dem General Laage sey nach Longwy vormarschiert, um sich der Stadt Arlon zu bemächtigen, wo die Feinde grosse Magazine hatten. Nach einigen Scharmüzeln kam es zu einem allgemeinen und blutigen Gefecht. Die Oesterreicher waren auf einer Anhöhe postiert, und von einer dreyfachen Verschanzung und einer fürchterlichen Artillerie geschüzt. Unsere Cavallerie trieb die feindliche zurük; hierauf bestieg unsere Infanterie die Anhöhe, grief die Oesterreichische Armee an, und verjagte sie aus ihren Verschanzungen. Der General fand nicht gut, den Feind in einem uns unbekannten Land zu verfolgen. Wir haben ihm 4 Kanonen und 5 Munitions-Wagen abgenohmen; und in Arlon uns ansehnlicher Magazine bemächtiget. -- In eben dieser Seßion erhielt das N. C. durch eine Depesche des General Wimpfen Befehlshaber der Armee an den Küsten von Cherburg, die Nachricht: daß die Administratoren des Departements von Calvados in der Normandie die 3 dortigen Nationalcommissarien als Geisel arrettiert habe, und sie zur Sicherheit für die in Paris in Verhaft genohmenen Volks-Representanten zurükbehalte.

Von Marseille wird unterm 4ten dieses berichtet, es sey daselbst das Signal gegeben worden von der Erscheinung einer zahlreichen feindlichen Flotte.

Die in den leztern Seßionen bisher dekretierten Artikul der neuen Constitution sind folgende:

1. Kap. von der Republik: die Französis. Republik ist nur Eine und untheilbar. 2. K. von der Volks-Eintheilung: das Französische Volk ist in Absicht auf die Ausübung seiner Souveränität in Primar-Versammlungen der Cantons; und in Absicht auf die Administration und Justiz in Departements, Distrikte und Munizipalitäten eingetheilt. 3. K. von dem Stand der Bürger: 1. Art. Jeder in Frankreich gebohrne und wohnhafte von vollen 21 Jahren; jeder Ausländer der in Frankreich wohnhaft, ebenfalls volle 21 Jahre alt ist und ein Jahr lang in der Republik von seinem Erwerb gelebt hat; wer ein Eigenthum in Frankreich erwirbt und schon ein Jahr lang da wohnt; wer eine Französin heirathet und schon ein Jahr lang da wohnt; er ein Kind adoptiert oder eine alte Person ernährt und seit einem Jahr in Frankreich wohnt; und endlich jeder Ausländer, dem das gesetzgebende Corps das Zeugniß giebt, daß er sich um die Menschheit verdient gemacht habe, hat Antheil an den Rechten eines Französischen Bürgers. 2. Man verliehrt die bürgerliche Rechte durch die Naturalisation in einem andern Land; durch die Annehmung von Stellen oder Gnadenbezeugungen von Seiten einer nicht pobularen Regierung; und durch die Verurtheilung zu infamirenden oder körperlichen Straffen; 3. die Ausübung der bürgerlichen Rechte wird suspendiert, durch eine gerichtliche Anklage und durch ein Contumaz-Urtheil, so lang dasselbe nicht ausgehoben ist. 4. K. von der Souveränität des Volks: das Volk ist der Inbegriff aller Französischen Bürger; es übt seine Souveränität aus in den Primarversammlungen. 5. K. von den Primarversammlungen: dieselben bestehen aus den seit einem Monat in jedem Canton wohnhaften Bürgern; sie bestehen wenigstens aus 200 und höchstens aus 600 Stimmengebenden Mitgliedern; ihre Einrichtung bekommen sie durch die Ernennung eines Presidenten, der Sekretarien und derer die die Wahlstimmen untersuchen müssen; ihre Polizey hängt von ihnen selbst ab; niemand darf bewafnet darinn erscheinen; die Wahlen geschehen mit lauter Stimme oder heimlich, wie es jedem Votierenden beliebt; und es kann also in keinem Fall eine gleichförmige Manier zu votieren vorgeschrieben werden; die Stimmen über Geseze werden mit Ja oder Nein gegeben (5. K. von der Volks-Representation: die beruhet allein auf der Volksmenge); jede aus 39 bis 41000 Köpfen bestehende Primarversammlung ernennt unmittelbar einen Deputierten; auf 40000 Personen wird ein Deputierter gerechnet.

Paris, vom 17. Brachmonat. [39]

PortretCollotHerbois MVP

Collot D'Herbois.

Das N. Convent, welches seit dem 14. den Bürger Collot d'Herbois zum Presidenten hat, ernannte den gegenwärtigen Oberbefehlshaber der Rheinischen Armee, Beauharnois, zum Kriegs-Minister; den Bürger Destournelle, zum Minister der offentlichen Contributionen an Clavieres Stelle, und den General Houchard zum Ober-Befehlshaber der Armee am Rhein. Beauharnois soll aber aus dem Grund, daß er in seiner gegenwärtigen Stelle besser, als beym Kriegs-Ministerium an seinem Plaz zu seyn glaube, diese leztere Ernennung abgelehnt haben.

Noch in der Seßion am 13. wurde ein Bericht verlesen, über das unlängst bey Saumür vorgefallene Gefecht, nach dessen für uns unglücklichen Ausgang diese Stadt in der Royalisten Hände gefallen ist. Es war am 9. dieses Abends nach 4. Uhr, als das Gefecht mit Scharmüzeln den Anfang nahm. Die Feinde rükten in 3. Colonnen an, und warffen Batterien auf; sie hatten unsere Vereinigung mit 5000. Mann, die in Thouars waren, gehindert. Unsere Geschwind-Schüzen, anstatt den Marsch der feindlichen Colonnen aufzuhalten, wiechen zurük. Zwey aus regulierten Truppen bestehende Infanterie-Bataillons grieffen den Feind mit dem Bayonet an, indessen aus kleinem Gewehr und Kanonen heftig auf ihn gefeurte wurde; dieses nöthigte ihn sich mit einem Verlust von 300. Mann in der grösten Unordnung zurükzuziehen. Nun wurden diese Bataillons von der zweiten feindlichen Linie angegriffen, und weil sie nicht von der Cavallerie unterstüzt wurden, so musten sie zurükweichen. Das aus neu angeworbenen Truppen bestehende Centrum gerieth durch dieses forzierte Zurükweichen in einen solchen Schreken, daß es ganz auseinander lief. Der Feind bemächtigte sich unserer Verschanzungen. Der General Menou suchte ein Corps Cavallerie zusammen zu bringen, aber seine Leute verliessen ihn; eben dieses wiederfuhr dem General Berrier, dem wie jenem das Pferdt unterm Leib erschossen wurde. Nun zog sich die ganze Infanterie in Unordnung zurük und durch die Stadt Saumür unter beständigem Geschrey: Verrätherey! Rette sich wer kann! Dem nur eine Stunde vor dem Gefecht bey unserer Armee angekommenen General Santerre hat man noch die Rettung der Kriegs Casse und eines Theils von der Artillerie und Bagage zu danken. Nach der Uebergabe von Saumür giengen die Royalisten über die Loire und ihre Armee verbreitete sich bis in das benachbarte Departement de la Sarthe, welche, nach der Aussage einer von demselben an das N. Convent abgeschikten Deputation, aus gänzlichem Mangel an Vertheidigungs-Mitteln gegenwärtig wohl in der Feinde Händen seyn dörfte. Diese Deputation ist gekommen, um von dem N. Convent Truppen, Waaffen, Munizion und Geld zu verlangen, ohne dessen schleunige Verschaffung es mit der Freiheit ihrer Mitbürger in dortiger Gegend aus seyn werde. -- In der vorgestrigen Seßion wurden zufolg eines neulich abgefasten Dekrets die Mitglieder des N. Convents zum erstenmahl aufgeruffen, um zu erfahren welche ohne Auftrag und Erlaubniß abwesend seyen. Einer von der rechten Seite rief bey Nennung seines Namens: Hier, anwesend bey der Tyranney! und als ein anderer deswegen auf seine Verhaftnehmung drang, so sagte noch einer: Die Tyranney sey so offenbar, daß eben jzt die Briefe auf der Post geöfnet würden. -- In eben dieser Seßion erschienen 2. Bürger aus dem Departement de la Creuse in Lionnois vor dem N. Convent und zeigten demselben an, daß die fürchterlichste Hungersnoth mehrere Commünen dieses Departements drüke, und daß bereits viele Einwohner desselben Hunger gestorben seyen. Es sey dieses blos eine Folge von der Taxation des Getraides. Seit 6. Wochen haben sie sich mit Kleien und Kräutern erhalten; aber nun mangle ihnen auch diese Nahrung. So lang sie das Pfund Brodt mit 11. Sous bezalt, haben sie keinen Mangel daran gehabt; aber seitdem es taxiert worden, bringen ihnen die Kornhändler kein Mehl und Korn mehr.

Von Marseille wird unterm 5. dieses berichtet: daß am 3ten Abends um 7. Uhr der dortige Club geschlossen und die Schlüssel dem General-Committe der Sektionen übergeben worden seyen. Man habe daselbst 4. Kanonen, viele Piken, und 15. Flinten gefunden; 15. den Feinden abgenohmene Fahnen, die dort in Verwahrung gebracht worden, seyen unter einer zahlreichen Bedeckung u. mit militarischer Musik in das General-Committe gebracht worden. Viele Mitglieder des aufgehobenen Clubs haben ihre Diplomen in den Sektionen niedergelegt, von denen dann verschiedene auf Picken in der Stadt herumgetragen worden; am 4ten sey eine allgemeine Illumination gewesen aus Veranlassung dieser sonderbahren Begebenheit, die man allgemein der Wirckung zuschreibe, welche die Nachricht von dem, was am 29. May in Lyon vorgegangen, hervorgebracht habe. Das schon so oft suspendierte und so oft wieder in Thätigkeit gesezte Volcks-Tribunal, werde von den Sektionen nächstens neuerdings wieder hergestellt werden. -- Von unsern Armeen an den Gränzen sind keine Nachrichten von Wichtigkeit kürzlich bey dem N. Convent eingegangen. Uebrigens fährt dasselbe fort, sich in allen Seßionen mit der neuen Constitution zu beschäftigen und es sind seit dem 14. weiter nachfolgende Artikul dekretiert worden: "8. Kapitel vom gesezgebenden Corps: dasselbe ist Eins, untrennbahr und permanierend; seine Seßion dauret ein Jahr; die gesezgebende Versammlung kommt am 1ten Julius zusammen; sie muß, um sich zu konstituieren wenigstens aus einem über die Hälfte der Deputierten bestehen; die Deputierten oder Volcks Representanten können zu keiner Zeit wegen ihren in der Versammlung des gesezgebenden Korps offentlich geäusserten Meynungen zur Rede gestellt, angeklagt, noch gerichtet werden; wegen einer crimminellen Handlung können sie über der That ergriffen und in Verhaft genohmen, aber weder ein Verhafts- noch Citazions-Befehl kan anderst, als unter Bevollmächtigung des gesezgebenden Korps gegen sie erkannt werden. -- 9. K. von der Haltung der Seßionen des gesezgebenden Korps: Die Seßionen der National-Versammlung sind offentlich und ihre Verbal-Prozesse oder Protokolle werden gedruckt; sie kan nicht deliberieren, wenn sie nicht wenigstens aus 200. Mitgliedern besteht; die Polizey an dem Ort ihrer Seßionen und in dem von ihr bestimmten äussern Umfang desselben kommt ihr zu; sie hat das Censur-Recht über die Aufführung ihrer Mitglieder in ihrer Versammlung; sie kan ihnen die Erlaubniß zu reden in der von ihnen verlangten Ordnung nicht verweigern; sie deliberiert nach der Mehrheit; 50. Mitglieder haben das Recht, den namentlichen Aufruf zu verlangen. -- 10. K. von den Funktionen des gesezgebenden Korps: das gesezgebende Korps proponiert die Geseze, und fast die Dekrete ab. Unter dem allgemeinen Namen der Geseze sind begriffen die Akten des gesezgebenden Korps betreffend: die Bürgerliche und Kriminal Gesezgebung; die General-Administration der gewöhnlichen Einkünften und Ausgaben der Republick; die Inschrift, das Gewicht, das Gepräg und die Benennung der Münzen; die Natur, den Betrag und die Einziehung der Contribuzionen, die offentlichen Ehrenbezeugungen und das Andencken grosser Männer; die Kriegs-Erklärungen. Unter dem besondern Namen der Dekrete sind begriffen die Akten des gesezgebenden Korps betreffend: die Errichtung der Land- und See-Macht; die Erlaubniß oder das Verbott des Einlauffens auswärtiger Truppen in unsern See-Häven; die Maas-Regeln für die allgemeine Sicherheit und Ruhe; die für ein Jahr oder nur für kurze Zeit gemachte Vertheilung der offentlichen Unterstüzungen und Arbeiten: die unvorgesehenen und ausserordentlichen Ausgaben; die Befehle wegen Ausprägung der Münzen von aller Art; die lokalen und partikularen Verfügungen für ein Departement, eine Commüne, eine Art von Arbeiten; die Vertheidigung des Gebiets, die Ratification der Verträge; die Ernennung und Absezung der Ober-Befehlshaber der Armeen; die Ausübung der Verantwortlichkeit der Mitglieder des Staats-Raths, der offentlichen Beamteten; die gerichtliche Belangung und Behandlung derer welche wegen Complotten und Vergehungen gegen die allgemeine Sicherheit der Republick angeklagt werden; die National-Belohnungen. -- 11. K. von der Abfassung der Geseze: den Vorschlägen zu einem Gesez muß ein Rapport vorangeschickt werden; nicht eher als 14. Tage nach abgestattetem Rapport oder Gutachten kan die Berathschlagung darüber eröfnet und die Artikul provisorisch erkannt werden; Wenn das Projekt angenohmen ist, so wird es gedruckt und an alle Commünen der Republick übersendet unter dem Titul: vorgeschlagenes Gesez. -- 12. K. von der Promulgation der Geseze und Dekrete: die Geseze, Dekrete und alle offentliche Akten bekommen die Ueberschrift: Im Namen des Französischen Volcks, in dem und dem Jahr der französischen Republick. -- 13. K. von dem vollziehenden Staats Rath: Es soll aus 24. Mitgliedern bestehen; die Wahl-Versammlung jedes Departements ernennt einen Kandidaten; und aus dem ganzen Verzeichniß wählt das gesezgebende Korps die 24. Mitglieder des Staats-Raths; derselbe wird bey jeder Legislatur im lezten Monat ihrer Seßion zur Hälfte neu besezt; der Staats-Rath hat allein die Direktion und Aufsicht über die allgemeine Staats-Verwaltung; er kan nur in Kraft der Geseze und der Dekrete des gesezgebenden Korps agieren; er ernennt, aber ausserhalb seiner Mitglieder die auswärtigen Agenten der Republick; er negoziert und schließt die Traktaten; und das gesezgebende Korps ratifiziert dieselben; er ernennt, auch ausserhalb seiner Mitglieder die Haupt-Agenten bey der Administration der Republick; die gesezgebenden Versammlungen bestimmen die Anzahl und die Funktionen dieser Agenten; dieselben machen kein Conseil aus; sie sind abgesondert, ohne unmittelbahre Beziehungen unter sich, und üben keine persöhnliche Autorität aus; die Mitglieder werden im Fall einer Malversation von dem gesezgeben Korps bey dem grossen geschwornen National-Gericht angeklagt; der Staats-Rath ist verantwortlich für die Nicht-Vollziehung der Geseze und die Mißbräuche, die er nicht angezeigt; er kan die von ihm zu ernennenden Agenten ab- und andere an ihre Stelle sezen; wenn der Fall da ist, so muß er sie bey den ordentlichen Richtern klagbar angeben.

Paris, vom 21. Brachmonat. [40]

Die Vollendung der Constitution in den Seßionen des N. Convents am 16, 17 und 18 dieses ist beynahe das einzige Wichtige was für diesmal unter diesem Artikul dem Publikum mitgetheilt werden kann. Es mag also wenigstens den Anfang machen; dem nachher auch das wenige übrige von anderer Art beygefügt werden soll. -- 14. Kapitel. Von den Verhältnissen des vollziehenden Staats-Raths mit dem gesezgebenden Corps: Der Vollziehende Staatsrath residiert bey dem gesezgebenden Corps; er hat den Eintritt in den Ort seiner Seßionen, und daselbst einen besondern Plaz; er wird angehört, so oft er etwas anzubringen hat; das gesezgebende Corps beruft ihn sammtlich oder zum Theil zu sich, wenn es dieses für gut findet. (15. K. In diesem war die Rede von der Errichtung eines Grossen-Geschwornen-National-Gerichts, um die Bürger gegen die Unterdrükung des gesezgebenden Corps und Staatsraths zu sichern. Aber der Vorschlag dazu wurde verworffen, und dem Wohlfahrts Committe aufgetragen, ein anderes Mittel dafür vorzuschlagen.) 16. K. Von den administrierenden Corps: In jeder Commüne der Republik ist eine Munizipal-Administration; in jedem Distrikt eine von den Volks-Versammlungen ernannte Intermediar-Administration; und in jedem Departement eine Central-Administration; die Munizipal-Administratoren werden unmittelbahr von dem Volk gewählt; die Departements-Administratoren von den Wahl-Versammlungen; die Administratoren und Munizipalitäts-Glieder haben keinen representierenden Charakter; sie können in keinem Fall in Ansehung der Vollziehung der Akten des gesezgebenden Corps etwas abändern, noch die Vollziehung derselben suspendieren; das gesezgebende Corps bestimmt der Funktionen der Administratoren und die Straffen, worein sie verfallen können; die Administrationen werden alle Jahre zur Hälfte neu besezt; ihre Seßionen sind offentlich. -- 17. K. Von der Civil-Justiz: Das Gesezbuch der Civil- und Criminal-Geseze ist für die ganze Republik das gleiche; in denen durch das Gesez bestimmten Bezirken sind Friedens-Richter, die von dem Volk gewählt werden; diese sollen die Partheyen unentgeltlich vergleichen oder zwischen ihnen ein Urtheil sprechen; sie werden alle Jahre neu gewählt; ihre Anzahl und Befugniß wird von dem gesezgebenden Corps bestimmt; in solchen Zwistigkeiten, worüber die Friedens-Richter nicht sprechen können, wenden die Bürger sich an von ihnen gewählte Schieds-Richter, und überhaupt kan ihnen das Recht, ihre Streitigkeiten durch dieses Mittel zu beendigen, nicht streitig gemacht werden. -- 18. K. Von der Criminal-Justiz: In Criminal-Fällen kan kein Bürger anderst vor Gericht gezogen werden, als auf eine von den Geschwornen erhaltene, oder von dem gesezgebenden Corps dekretierte Anklage; die Straffe wird von einem Criminal-Tribunal zuerkannt; der Prozeß wird öffentlich geführt; die Angeklagten haben von ihnen selbst gewählte oder von Amtswegen ernannte Räthe und Beystände. -- 19. K. Von dem Cassations-Tribunal: Es ist nur Ein solches Tribunal für die ganze Republik; dasselbe urtheilt nicht über die Hauptsache der Prozesse; sondern nur über die Verlezung der Formalitäten, und über das, worinn ausdrüklich dem Gesez zuwieder gehandelt worden ist. -- 20. K. Von den offentlichen Contributionen: Kein Bürger ist ausgenommen von der ehrenvollen Verpflichtung zu den offentlichen Abgaben beyzutragen. -- 21. K. Von dem National-Schazamt: Dasselbe ist der Central- und unzertheilbahre Punkt der Berechnung der Einnahmen und Ausgaben der Republik; es wird administriert durch Agenten, die Rechnung geben müssen, und von dem vollziehenden Staats-Rath ernennet werden; die Aufsicht über dieselben haben Commissarien, welche das gesezgebende Korps, aber nicht aus seinen Mitgliedern, ernennt, und die verantwortlich sind für die Mißbräuche, die sie nicht angezeigt haben. -- 22. K. Von der Rechnung über Ausgaben und Einnahmen des Staats. (Der Vorschlag hierüber wurde nicht sogleich dekretiert, sondern es soll erst noch etwas bestimmtes über diesen Punkt erkannt werden.) -- 23. K. Von der Kriegs-Macht der Republick: Die allgemeine Kriegs-Macht der Republick besteht in dem ganzen Volck; die Republick unterhält auch in Friedens-Zeiten eine bewafnete Land- und See-Macht; alle Franzosen sind Soldaten und werden in den Waafen geübt; Es ist kein oberster Kriegs-Befehlshaber; die Verschiedenheiten in Ansehung des Rangs und der Subordination finden nur statt in Absicht auf den Dienst und so lang derselbe dauert; die offentliche Kriegs-Macht, welche gebraucht wird, um den innerlichen Frieden zu erhalten, agiert bloß auf die schriftliche Auffoderung der Constituierten Autoritäten; die offentliche Kriegs-Macht, welche gegen auswärtige Feinde gebraucht wird, agiert zufolg der Befehle des exekutifen Staats-Raths; kein bewafnetes Korps ist befugt zu deliberieren. -- 24. K. Von den National Conventen: Wenn unter der Hälfte der Departements und einem darüber, der zehnte Theil der Ur- oder Primar-Versammlungen, insofern dieselben eine regelmässige Verfassung haben, die Revision der Constitutions-Akte oder eine Abänderung einiger Artikul derselben verlangt; so ist das gesezgebende Korps verpflichtet, alle Primar-Versammlungen der Republick zusammen zu beruffen, um zu vernehmen, ob ein N. Convent gehalten werden soll; dieses wird alsdann auf die gleiche Art, wie das gesezgebende Korps formiert, und vereiniget in sich alle Vollmachten desselben; es beschäftiget sich aber, in Beziehung auf die Constitution, nur mit denjenigen Gegenständen, um deren willen es zusammenberuffen worden ist. -- 25. K. on den Verhältnissen der Französischen Republick gegen die auswärtigen Nationen: die französische Nation erklärt sich als natürlicher Freund und Allierten aller freyen Völcker; sie mischet sich nicht in die Regierung anderer Nationen; leidet aber auch nicht, das andere Nationen sich in die ihrige mischen; sie gestattet allen Ausländern, die um der Sache der Freyheit willen aus ihrem Vatterland verbannet werden, einen Zufluchts Ort, und versagt denselben den Tyrannen; sie schliesset mit keinem Feind, der noch in ihrem Gebiet ist, einen Frieden. (Dieser leztere Artikul wurde, als dem gegenwärtigen Charakter der französischen Nation noch nicht ganz angemessen, besonders von Mercier, dem Verfasser des Buchs: Das Jahr 2440., bestritten; aber von andern in Schuz genohmen, und am Ende doch dekretiert.) -- 26. K. Von der Garantie oder Gewährleistung der Rechte: die Constitution garantiert allen Franzosen eine gemeinschaftliche Edukazion, offentliche Unterstüzungen, das Petitions-Recht, das Recht, sich in Popular-Sozietäten zu versammeln und den Genuß aller Menschen-Rechte; die Deklarationen der Rechte und die Constitutions-Akte werden auf Tafeln eingegraben, die im Versammlungs-Saal des gesezgebenden Corps und auf den offentlichen Pläzen aufgestellt werden. Dieses Kapitel schließt die Constitution, von welcher einige Artikel noch zu weiterer Ueberlegung und genauerer Bestimmung an das Wohlfahrts-Comitte gewiesen worden sind. Kaum hatte der President die Verlesung geendiget, so erhob sich ein einstimmiger Zuruf und ein Geschrey: Es lebe die Republik, und die Mitglieder des N. c. umarmten einander brüderlich. Nächstkünftigen Sonntag, als am 23ten dieses, soll die Deklaration der Rechte und die Constitutions-Akte in ihrer bestimmten Form noch einmal vor der Versammlung verlesen werden. Dann kommt es nur noch darauf an, ob dieses nun so schleunig und eifrig beendigte allerdings wichtige Geschäft auf die allgemeine innere Beruhigung den Einfluß haben werde, welchen man davon erwartet.

Hier folgen nun noch einige andere Umstände und Nachrichten die in den lezten Seßionen des N. C. vorgekommen sind. Am 17ten erhielt dasselbe Bericht von dem General Laage von dem neulich bey Arlon im Luxemburgischen vorgefallenen für unsere Truppen vortheilhaften Treffen und der Einnahme dieses Orts: wovon bereits Meldung gethan worden ist: Sodann, Nachricht von der Armee in Italien, deren Commandant, Brünet, meldet: die Erscheinung der Spanischen Flotte habe an der dortigen Küste Schreken verbreitet; dieser Umstand und der Muth der Soldaten habe ihn bewogen, die feindlichen Posten auf der obersten Höhe der Gebürge anzugreiffen, vermittelst welcher die Spanier sich mit den Piemontesern hätten zu einer gemeinschaftlichen Unternehmung verabreden können. Der Feind habe sein Lager verlassen, und sey bis nach Piemont zurükgetrieben worden, die Oesterreicher und Piemonteser haben 20 Officiers, 500 Gemeine, 2 Kanonen und viel Feldgeräth verlohren, woraus seine Soldaten sich nun lange Ueberhosen werden machen lassen; denn sagt er, wir sind wahre Sans-Cülottes dem Namen nach und in der That. -- In der Seßion am 18ten erschien vor dem N. C. eine Deputation des in Bourges residierenden General-Conseils vom Departement dü Cher, deren Sprecher im Namen dieser ganzen Stadt versicherte, das sie die vorgebliche Deputierten zu einem N. C. die man dahin schiken wolle, niemals aufnehmen werde. Der Vortrag dieser Deputation veranlaßte nachfolgendes Dekret: 1. Alle constituierten Autoritäten sollen berechtiget seyn, die auf allen Fall für die gegenwärtigen Conventsglieder ernannten Suppleanten zu arrettieren, wenn sie sich in irgend einer Stadt der Republik versammlen wollten; 2. Alle Emissarien, die mit vorgeblichen Vollmachten sich in die Departements begeben, um zu Föderationen aufzumuntern, sollen in Verhaft genohmen und dem Revolutions-Tribunal überliefert werden. In eben dieser Seßion erhielt das N. C. Nachricht von einem Vortheil, welchen unsere kleine Armee unter dem General Sandos über die Royalisten im Departement de la Vendee erhalten. Dieselben sind nemlich aus dem Schloß Hermenonde, ungeachtet ihrer über 4000 waren, von unserer blos aus 700 Mann Infanterie und 40 Reutern bestehenden Armee, mit Verlust von 12 Todten und vielen Verwundeten vertrieben worden. -- In der vorgestrigen Seßion wurde, betreffend das gegen ein neuliches Dekret des N C. wieder errichtete Volkstribunal in Marseille dekretiert: 1. Dieses Tribunal sey keine constituierte Autorität; seine Mitglieder seyen Mörder, und seine Urtheilssprüche Mordthaten; die Bürger von Marseille sollen autorisiert seyn, dieses vorgebliche Tribunal aufzuheben und auf seine Mitglieder ohne dafür verantwortlich zu seyn loszugehen; 2. Das Central-Comitte von Marseille soll caßiert seyn; 3. Die Presidenten desselben, Castellanet und Feron, vor das N. C. gebracht, und 4. den Administratoren des dortigen Departements anbefohlen werden, dieses Dekret, welches ihnen durch einen ausserordentlichen Kourier überschickt werden soll, vollziehen zu lassen. Es kommt nun ohne Zweifel viel darauf an, wie dieses Dekret in Marseille wird aufgenohmen werden.

Der Kriegsminister zeigte dem N. C. an, daß ein aus etlich und 30 Mann bestehendes Detaschement von des General Kellermanns Armee in den Alpen sich des Dorfs Claviere, des ersten Piemontesischen Postens, bemächtiget habe. -- Marat, der sich vor einiger Zeit freywillig in seiner Stelle als Conventsglied suspendierte, hat nun seinen Plaz in der Versammlung wieder eingenohmen. -- Zufolg eines von dem Justizminister dem N. C. eingegebenen Verzeichnisses sind von den 29 zum Hausarrest dekretierten Conventsgliedern nur 14 wirklich in Verhaft; zwey, nemlich Bergoin und Barbaroux sind, nachdem sie schon arrettiert waren, wieder entwischt; und 13 waren, als man sie arrettieren wollte bereits von Paris weg. Diese sind Lidon, Büzot, Lasource und Rabaut, (zwey Reformirte Geistliche) Brissot, (welcher unterwegs angehalten wurde und nun zufolg eines Dekrets, nach Paris zurükgebracht werden soll;) Salles, Chambon, Garsas, Grangeneuve, Lesage, Vigee, Louvet und Lariviere.

Der Commüne von Paris ist in ihrer vorgestrigen Seßion über den gegenwärtigen Zustand von Havre, diesem wichtigen See Haven in der Normandie, nachfolgende Anzeige gethan worden: die dortige Munizipalität sey mit einer unheilbaren Aristokratie angesteckt; 4000. Mann seyen schon einmahl im Begriff gewesen, über die dortigen Magazine der Republick herzufallen; um sie, und zugleich den Maire von Havre vor dem Grimm des Volcks zu retten, habe der Maire von Ingouville sein Leben in Gefahr sezen müssen. Der Freyheits-Baum sey umgehauen worden und die Patrioten werden allgemein verabscheut. Nicht nur die dortige Munizipalität, sondern der ganze Distrikt und das Departement der niedern Seine, nebst den Staabs-Offizieren und der ganzen aus 4000. Mann bestehenden National-Garde von Havre seyen völlige Gegen-Revolutionärs.

Am 18. dieses sind abermahls auf dem Revolutions-Plaz 12. Personen durch die Güillotine hingerichtet worden, welche am Tag vorher das ausserordentliche Criminal der Revolutions Tribunal zum Tod verurtheilt hatte, weil sie Antheil an einem Complot oder einer Verschwörung gegen den Staat gehabt, deren Absicht war, in der vormahligen Provinz Bretagne einen bürgerlichen Krieg zu erregen.

Seit dem 31. May weißt man hier überhaupt weniger, als jemahls, von den kriegerischen Begebenheiten sowohl an den Gränzen, als im Innern des Landes. Die Post-Aemter, von denen die Jakobiner Meister sind, fangen alle Briefe auf.

Paris, vom 24. Brachmonat. [41]

Die wichtigste unter den wenigen neuen Nachrichten, welche die hiesigen offentlichen Blätter enthalten, ist der diesmalige Zustand der Stadt Nantes, zufolg des in der vorgestrigen Seßion dem N. Convent darüber abgestatteten Berichtes. Es erschien nemlich vor demselben eine Deputation dieser Stadt, welche nachfolgende Addresse im Namen ihrer Bürger übergab: "Ihr Bürger und Representanten! Wie lange werdet ihr noch über den Zustand der westlichen Departements getäuscht werden? Vom Bürgerkrieg ergriffen und verheert haben die Departements de la Vendee, von Mayenne und Loire, und von der Niedern-Loire seit 4. Monaten bey euch um Hülfe angesucht. Saumür, dieser wichtige Paß an der Loire, ist in den Händen der Rebellen. Angers ist ihnen preis gegeben worden; und nun ist auch Nantes seinem Ruin nahe. Wenn ihr dieser Stadt nicht aufs schleunigste zu Hülfe kommet, so wird sie in der Rebellen Hände fallen, und dann von euch und von der Republik getrennt wird ihr nichts übrig bleiben, als ihre Hofnungslosigkeit und die Versicherung von ihren Brüdern vergebens bedaurt zu werden. Es ist jzt nicht mehr Zeit zu gewöhnlichen Mitteln. Die Sturmglöke der Freiheit muß in der ganzen Republik ertönen; ganz Frankreich muß sich aufmachen um die Empörer zu zerschmettern. Ohne diese ausserordentliche Maasregel ist alles verlohren; der Strom wird euch in seinem reissenden Lauff mit fortreissen. Unsere Mitbürger sehen die Nothwendigkeit hievon so wohl ein, daß sie uns hauptsächlich darum mit ihrer Vollmacht versehen haben, um eine solche allgemeine Bewegung zu veranlassen. Die Einwohner der Stadt Nantes sind beständig mit ihrer Vertheidigung beschäftiget; Männer, Weiber, Kinder und Greise; alle sind entschlossen, lieber umzukommen, als die Freiheit zu überleben. Das, ihr Gesezgeber, ist der Geist, welcher die Bürger dieser berühmten Stadt beseelt, und doch hat man sie der Gleichgültigkeit, der Eigennüzigkeit und Royalistischer Gesinnungen beschuldiget. Um die treulosen zu beschämen, die sie durch innerliche Trennung in den Abgrund stürzen wolten, haben die Administratoren und Mitglieder der Volks-Sozietäten sich in einer Kirche versammelt, deren Gewölbe wiederhalten von dem Geschrey: Zu den Waaffen! Es lebe die Freiheit! Es lebe die Republik! Wenn die Einwohner von Nantes verläumdet worden sind; solte dieses nicht zufolg eines verrätherischen Plans geschehen seyn? Zwanzigmahl haben sie verlangt zu marschieren; und immer hat man sie dadurch, daß man von einem General-System sprach, davon abgehalten. Ein anderer Umstand erwekt bey uns den Verdacht, man habe uns in eine gefährliche Sicherheit eingeschläffert, um unsern Feinden Zeit zu lassen, alle ihre Mittel zusammen zu bringen. Es sind nemlich Staabs-Offiziere durch Nantes paßiert, und eben indem sie uns Unterstüzung versprachen, haben sie die Truppen, die wir höchst nöthig hatten, mit sich genommen. Wir wollen euch noch mehr sagen: In Rennes versicherte man uns, es haben seit 2. Monaten uber 40,000. Mann Hülfs Truppen den Weg gegen Nantes genommen, und doch haben wir nur einige Bataillons gesehen; wir haben keines von jenen so oft versprochenen Unterstüzungs Mitteln gesehen. Gehet, sagten darum unsere unglüklichen Mitbürger zu uns, gehet und gebet den Departements Nachricht von den uns drohenden Gefahren; sagt ihnen, wenn sie nicht umkommen wollen, so müssen sie sich aufmachen; das Verbrechen sey im Begrif zu triumphieren. Sie haben uns befohlen euch nicht eher zu verlassen, als bis ihr die Maasregeln dekretiert habet, die wir euch vorschlagen und die euere Weisheit und Theilnehmung an unserm Zustand euch noch weiter eingeben werden. Aber wenn unser Unglük keinen Trost und keine Erleichterung bey euch findet, so wollen wir zu unsern unglüklichen Mitbürgern zurükkehren, deren blutige Leichnahme wir vielleicht nur noch antreffen werden. Dann wird uns weiter nichts übrig bleiben, als unser Blut mit dem Blut unserer Brüder und Kinder zu vermischen und aus Verzweiflung zu sterben." -- Diese rührende Addresse wurde zur Abstattung des schleunigsten Rapports an das Wohlfahrts-Committe gewiesen: daß ihre Veranlassung gegründet und die gegenwärtige Lage der Stadt Nantes in der That äusserst bedenklich seyn muß, erhellet aus folgenden Umständen, welche von einigen Convents Gliedern dem Bericht der Deputation noch beygefügt wurden. Einer sagte: Die Rebellen haben sich aller der Posten wieder bemächtiget, von welchen der Muth der Einwohner von Nantes sie vertrieben hatte; zwo ihrer Armeen eine von 30., und die andere von 50,000. Mann rüken von der Morgen und Abend-Seite gegen Nantes an. Ein Sekretär verlas ein aus dieser Stadt eingelauffenes Schreiben, worinn berichtet wird, daß die Gefahr von Tag zu Tag grösser werde. Lequinio versicherte, der Zustand von Nantes sey noch viel schlimmer, als die Deputierten ihn beschrieben haben; wie man aus ganz neuen erst am vorigen Abend erhaltenen Berichten ersehe. -- Indessen wurde der Vorschlag, in der ganzen Republik die Sturm-Gloke läuten zu lassen, und alle Departements aufzubieten, als zu gewagt und gefährlich mißbilliget, und dafür vorgeschlagen: man soll von dem Wohlfahrts-Committe eine Auskunft darüber verlangen, warum der General Biron, welcher das Ober-Commando in dortigen Gegenden hat, so unthätig bleibe, und wie stark seine Armee sey? -- Ein Mitglied dieses Committe verlas hierauf ein Schreiben von den Volks-Representanten im Departement de la Vendee aus Tours vom 18, dieses, worinn er berichtet: Er habe kürzlich in Niort den General Biron an der Spize einer muthigen ungefehr aus 25,000. Mann bestehenden Armee gefunden; in der Gegend von Sables d'Olonne kommandiere Boulard eine andere Armee von 12000. Man, und in Tours versammle man gegenwärtig eine dritte, die noch zahlreicher als die bey Niort seyn werde; alle 3. Armeen, die also über 60,000. Mann ausmachen, und mit allem erforderlichen gut versehen seyen, werden zugleich aufbrechen, um Nantes zu Hülfe zu kommen. -- So hätte man also von dorther nächstens etwas wichtiges und entscheidendes zu erwarten. Dem N. Convent wurde bey diesem Anlaß auch im Namen des Wohlfahrts-Committe angezeigt, daß Leute, die von den Rebellen zu Kriegsgefangenen gemacht und wieder losgelassen worden, nach Haus zurükkommen, und sich auf ihre von der Kathol. Armee erhaltenen Certifikate nicht wenig einbilden, und den Eid für gültig halten, wodurch sie sich anheischig gemacht haben, nicht mehr gegen die Royalisten zu dienen. Es wurde sogleich gegen alle dergleichen als freygelassene Kriegsgefangene oder sonst ohne Erlaubniß von der Armee zurükkehrende Soldaten ein Dekret abgefast, und auf jeden Fall die Straffe bestimmt.

Der zu Marseille gefangene Hr. von Orleans hat an das N. C. geschrieben und seine Verwunderung darüber geäussert, daß er nach dem mit ihm vorgenohmenen Verhör, und seiner daraus erhellenden Unschuld in einen noch genauern Verhaft gebracht und von seinem Sohn und seinen Domestiken gänzlich getrennt worden sey. Er verlangt, daß ihm so oder anderst der Proceß gemacht, und wenn auch nicht die Freiheit völlig wieder gegeben, doch wenigstens der Mangel derselben erträglich gemacht werde. -- Einer von den Commissarien, welche des Hr. von Orleans Papiere untersuchen mußten, hat vorläufig dem N. C. die Anzeige gethan, daß man darinn nicht die geringste Spuhr gefunden habe von der vorgeblichen Conspiration, wodurch dieser vormahlige Prinz auf den Thron gesezt werden sollte. Es soll nun dem N. C. nächstens von dieser Commißion über die ganze Sache ein Rapport abgestattet werden. -- Marat, der gegenwärtig an einer hizigen Krankheit danieder liegt, hat dem N. C. schriftlich angezeigt, der gewesene Maire von Lion, Charlier, werde nächstens dort hingerichtet werden, wenn man diesem nicht durch eine Citation nach Paris zuvorkomme; zugleich berichtet er, Roland sey in Lyon und Brissot habe sich sollen zu ihm begeben.

Deformes, Adjunkt des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, ist von dem Wohlfahrtscomitte an le Brüns Stelle vorgeschlagen und auch vom N. C. zu seinem Nachfolger ernannt worden. Auf die Weigerung des General Beauharnais die Kriegsministerstelle anzunehmen, hatte eben dieses Comitte den Bürger Alexander, Kriegscommissar bey der Armee in den Alpen vorgeschlagen, aber die wirkliche Ernennung ist noch aufgeschoben und dem Comitte aufgetragen worden, zu untersuchen, ob es nicht besser wäre, drey Kriegsminister zu haben. -- In der vorgestrigen Seßion ist in Ansehung des gezwungenen Darlehns von tausend Millionen Livres folgendes dekretiert worden; dasselbe soll nicht von den Capitalien noch dem Eigenthum, sondern von den Territorial-Handlungs- und Gewerbs-Einkünften genohmen werden: verheirathete Personen die nicht 10000, und Unverheirathete, die nicht 6000 Livres Einkommen haben, müssen nichts dazu hergeben; 14 Tage nach Bekanntmachung dieses Dekrets soll jeder Bürger sich in seine Commüne oder Sektion begeben, und daselbst den Betrag seiner Einkünfte anzuzeigen, schuldig seyn.

In der gestrigen Seßion erschienen Munizipalitätsglieder und 4 Nationalgarden aus der Stadt Moulins vor dem N. C. und zeigten demselben an, daß Brissot unter ihrer Bewachung in Paris angekom'en sey. Es wurde sogleich ein Akkusationsdekret gegen ihn abgefaßt; und zugleich dekretiert, daß die bereits in Verhaft befindlichen Conventsglieder jeder von 2 Gensdarmes bewacht werden und keine Communikation mit einander haben sollen; weil man von einigen unter ihnen sagte: Sie seyen bey Gensonne zusammengekommen und haben besondere Kouriers nach dem Departement der Gironde abgeschikt, um den Bürgerkrieg zu erregen. -- Indessen hat heute das allgemeine Sicherheitscomitte dem N. C. anzeigen lassen, daß 3 von diesen arrettiert gewesenen Conventsgliedern, nemlich Petion, Guadet und Lanjüinais Mittel gefunden haben, aus ihrem Hausarrest und von Paris wegzukommen.

Gestern ist im N. C. die neue Deklaration der Rechte, so wir sie vom Wohlfahrtscomitte nach den Grundsäzen der neuen Constitution abgefaßt ist, zweimal verlesen und dann genehmiget worden. Gleich nachher tratten alle constituierten Autoritäten des Departements und der Stadt Paris in den Versammlungs-Saal; und derjenige, der den Auftrag hatte, in aller Namen zu reden, wünschte dem N. C. Glük zu der Vollendung der Constitutionsakte. Es sey zu hoffen, sagte er, diese demokratische Constitution werde nun allen Haß auslöschen, alle Uebelgesinnten zum Schweigen bringen und eine Quelle von Glükseligkeit für das ganze Französische Volk seyn. Eine Deputation der 48 Sektionen von Paris verlangte ebenfalls den Volks Representanten zu danken und ihnen die allgemeine Erkenntlichkeit für die Vollendung der Constitution zu bezeugen. Sie zog vor den Gesezgebern vorbey unter dem Geräusch der Trommeln und dem tausendfach wiederholten Zuruf: Es lebe die Republik, die Sans-Cülottes, das N. Convent und die Montagne.

Deputierte von der Popular-Societät in Toulouse haben heute dem N. C. alle Administrationen ihres Departements als in einer deklarierten Gegenrevolution begriffen, angegeben; es seyen aus dieser Hauptstadt von Languedok Commissarien in alle mittägigen Departements ausgegangen: um eine gemeinschaftliche Verbindung unter denselben zu Stand zu bringen. Zugleich wurden Aufsäze vorgelesen, welche beweisen, daß man in Toulouse die Autorität des N. C. nicht mehr anerkennt und gegen alle Dekrete desselben protestiert.

Paris, vom 28. Brachmonat. [42]

Als am 23. nach der zweiten Verlesung der Deklarazion der Rechte von der Genehmigung derselben die Rede war, so fand diese zwar statt, aber die meisten Mitglieder des N. Convents auf der rechten Seite nahmen an der Deliberazion darüber keinen Antheil; ein Umstand, der von der andern mit Verwunderung bemerkt und auch geahndet wurde. Ein anderer Umstand verdient auch noch von dieser Seßion angemerkt zu werden, nemlich daß in derselben durch ein Dekret das martialische Gesez aufgehoben worden ist.

In der Seßion am 24. ist zufolg des vom Wohlfahrts-Committe abgestatteten Rapports auf die von den ausserordentlichen Deputierten aus Nantes übergeben Addresse nachfolgendes dekretiert worden: Es sollen ungesäumt 4. Mitglieder des N. Convents sich in die mittlern und westlichen Departements von Frankreich begeben, um die dortigen Bürger zur Ergreiffung der Waaffen gegen die Rebellen im Departement der Vendee aufzufordern; das National-Schazamt soll die Summ von 500,000. Livres in die Casse des Distrikts von Nantes abgeben, um die erforderlichen Ausgaben zu bestreiten; es soll in der Stadt Nantes eine Central Correspondenz-Commission errichtet werden, welche aus den in die benachbarten Departements abgeschikten Volks-Representanten, 2. Mitgliedern von jeder Administration und 2. Mitgliedern von den Popular-Sozietäten bestehen soll; die in die mitlern und westliche' Departements abgeschickten Volks-Representanten sollen mit ihren Collegen bey der Armee im Departement der Vendee und mit den Generalen gemeinschaftlich für die Beschüzung von Nantes und die Unterstüzung seiner patriotisch gesinnten Bürger sorgen; und das Wohlfahrts-Committe soll sie zu dem End mit einer Instruktion versehen. -- Uebrigens sind seit den leztern Nachrichten von dem Zustand der Sachen in Bretagne keine Berichte von solcher Beschaffenheit eingegangen, wodurch die Neugier des Publikums der erregten Erwartung gemäß befriediget werden könnte. Alles hiehergehörige besteht in einem Schreiben von 2. National-Commissarien an die Pariser-Commüne aus Tours, und einem von dem General Biron an den Kriegs-Minister aus Niort, beyde vom 22. dieses. Jene melden: die in Saumür gewesene Armee der Rebellen gehe aller Vorstellungen ihrer Chefs ungeachtet auseinander; mehr als die Hälfte haben sich schon wegbegeben, um ihre Feldfrüchten einzusammeln. Saumür sey von ihnen geräumt; man versichere, es seyen ihrer noch 7. bis 8000. beysammen und gehen auf Angers los, u. s. w. -- Der General Biron schreibt: Er habe den Generalen Chalbos und Salomar den Auftrag gegeben, mit einem starcken Detaschement sich von Bürseau, einem wichtigen Posten der Rebellen zu bemeistern; die Unternehmung sey auch vollkommen gelungen, und es seyen dabey, ohne den geringsten Verlust auf unserer Seite, 200. Rebellen geblieben und 20. gefangen worden. Ueberhaupt würde alles an diesem Tag nach Wunsch gegangen seyn, wenn nicht bey dem Rückzug der zu dieser Expedition gebrauchten 6. Bataillons die gröste Unordnung geherrschet hätte: (über deren Beschaffenheit aber der General sich nicht bestim'ter erklährt hat.)

In der Seßion am 24. wurde nun auch die Constitutions-Akte nach der lezten Revision und Ergänzung des Wohlfahrts Committe noch einmahl verlesen und von dem N. Convent genehmiget. Die Canoniers, welche eben den Dienst bey demselben hatten, machten zufolg einer verlangten und erhaltenen Erlaubniß die Vollendung der Constitution durch eine Artillerie-Salve der Stadt Paris bekannt. Das Manuscript derselben soll nun in die Drukerey gegeben und jedem Convents-Glied sollen so bald möglich 10. Exemplare zugestellt werden.

Der in Verhaft gewesene Pethion ist zufolg eines dem N. Convent abgestatteten Berichts, nach einem Mittags-Essen bey einer Pariser-Bürgerinn, in deren Haus Mazüyer wohnt, entwischt. Dieser Mazüyer, auch ein Mitglied des N. Convents, soll ihm zu seiner Flucht behülflich gewesen seyn, und ist deswegen nun auch in Verhaft genohmen worden. Ueberhaupt hat die neuliche Flucht von 3. Convents-Gliedern ein Dekret veranlaßt, nach welchem die inhaftierten nicht zwar in ein offentlich Gefängniß, aber doch in ein vom Justiz-Minister anzuweisendes National-Gebäude gebracht werden, und weiter mit niemand und auch nicht unter sich einigen Umgang haben sollen. Auch Vergniaud hat sich entfernen wollen, und zu dem Ende am 25. Abends, da er von zwey Gensdarmes begleitet, ausfuhr, diesen 150. Livres angebotten, wenn sie ihn frey weggehen liessen. Aber sein Anerbieten wurde nicht angenohmen; und so ist er noch immer in Verhaft, wiewohl man kürzlich, aber ohne Grund, im N. Convent gesagt hat, er habe auch Mittel gefunden, sich von Paris zu entfernen.

In der Seßion am 25igsten wurde ein Schreiben vom General Cüstine aus Lille vom 23. verlesen, welches aber, ausser einer beyläuffigen Nachricht von ein paar un~~trächtlichen über die Feinde erhaltenen Vortheile weiter nichts enthielt, als Klagen über des General Ferriere Verläumdungen. Derselbe greift Cüstines militarische Talente an, und dieser hingegen giebt ihm Unwissenheit und Treulosigkeit schuld. Er verlangt ein entscheidendes Urtheil über die Sache von einem Kriegs Rath. Einer von beyden, entweder der angeklagte Cüstine oder der Verläumder Ferriere müsse den Kopf verliehren. -- In eben dieser Seßion dekretierte das N. Convent, daß die vormahlige Grafschaft Avignon ein eigenes Departement unter dem Namen "Departement von Vauclüse" ausmachen soll. Der Hauptort soll Avignon, und eben dieser Stadt, nebst Vauclüse, Orange und Lo~~eze sollen die Hauptörter der Distrikte seyn. Verschiedene Convents Glieder wiedersezten sich dieser Zerstückelung zweyer benachbarten Departements; aber man erwiederte ihnen: man müsse durch die Errichtung einer patriotis. Departements-Administration den Einfluß der Administration des Departements der Rhone-Mündungen und der Stadt Marseille schwächen, die sich gänzlich für die Gegenrevolution erklährt habe, und in deren Sektionen darüber deliberiert worden sey, keine Assignate mehr anzunehmen, auf denen nicht Ludwigs XVI. Bildniß befindlich sey. -- In eben dieser Seßion wurde dem N. Convent das Verzeichniß vorgelegt von denjenigen seiner Mitglieder, die ohne gültige Ursache abwesend sind; dieses Verzeichniß soll gedruckt und das Dekrets-Committe autorisiert werden, ihre Suppleanten in die Versammlung zu beruffen. -- Noch erschienen in eben dieser Seßion 4. Administratoren vom Departement der Eure und Loire und berichteten, die Stadt la Fleche im benachbarten Departement de la Sarte sey seit dem 23. in der Rebellen Händen, Mans, der Hauptort dieses Departements, sey ebenfalls in Gefahr, und wenn das N. C. nicht die wirksamsten Maaßregeln nehme, so werde nichts die Rebellen aufhalten können, bis nach Chartres vorzurüken, den Hauptort des Departements der Eüre und Loire. Da nun dieses an das Departement, worinn Versailles der Hauptort ist, und dieses leztere an das Departement von Paris gränzt, so kan man sich leicht vorstellen, daß eine Nachricht von dieser Art in dem N. C. ziemlich Aufsehen gemacht haben werde. Indessen wurde dasselbe zum Theil wieder beruhigt, da der von Birons Armee zurükgekommene Volks-Representant, Tallien, sagte, diese Armee befinde sich gegenwärtig in einer vortheilhaften Lage, und die in Tours sey 30,000. Mann starck.

In der Seßion am 26. wurde dem N. C. angezeigt, Charrier, der Chef der im Departement der Lozere geschlagenen Rebellen, (welcher also dich müste gefangen worden seyn) habe deklariert, daß er dem Wohlfahrts-Committe wichtige Geheimnisse zu entdeken habe; er sey deswegen auf dem Weg nach Paris gebracht zu werden. -- Der Kriegs Minister hatte dem General Wimpfen, Ober-Befehlshaber der Armee an der Küste von Cherbourg, Befehl zugeschikt, zufolg eines Schlusses vom Wohlfahrts-Committe nach Paris zu kommen. Dieser hat nun darauf geantwortet: Bretagne wolle die Republik, aber nicht die Anarchie; das N. C. müsse alle seit dem 31. May abgefasten Dekrete zurük nehmen, und er für seine Person könne nicht anderst nach Paris kommen, als an der Spize von 60,000 Mann. -- Auf diese Anzeige des Kriegs-Ministers wurde gegen den General Wimpfen ein Akkusazions-Dekret abgefast.

In der gestrigen Seßion wurde auf das vom Wohlfahrts-Committe eingegebene Gutachten dekrtiert, daß die Primar-Versammlungen der ganzen Republik auf den 10. August zur Annahm der Constitution zusammen beruffen werden sollen. Von jeder derselben soll dann ein Deputierter nach Paris kommen, um den N. C. von der Willensmeinung des Volks in Ansehung der Constitution Anzeige zu thun. Die Proklamazion von der Sanktion des Volcks soll eben auch am 10. August auf dem Föderazions-Feld geschehen. Ausserordentliche Kuriers werden heute noch von hier abgehen, um diese Zusammenberuffung und die Constitutions-Akte an alle konstituierten Autoritäten in ganz Franckreich, an alle Popular-Sozietäten und Armeen zu überbringen. -- Vorgestern und gestern hätte es hier leicht wieder zu einem für die gegenwärtig in Paris herrschende Ruhe gefährliche Auftritt kommen können. Es waren nemlich einige mit Seiffe befrachtete Schiffe von Rouen hier angekommen, und das Gerücht verbreitete sich, dieselben werden mit ihrer Ladung dahin zurückkehren. Dieses Gerücht nebst dem gegenwärtigen hohen Preis dieser Waare veranlaßte einen Zusammenlauf des Volcks nach dem Ort, wo die Schiffe sich befanden; viele Kisten wurden geöfnet und die darinn befindliche Seiffe um einen geringen Preis vertheilt. Die Sache wurde dem N. Convent angezeigt, als eine Verlezung des Eigenthums, und es wurde beschlossen, den Minister der innern Angelegenheiten kommen zu lassen, um von ihm zu vernehmen, was für Verfügungen er getroffen habe, um den Unfug, dessen Veranlassung man den Revolutions-Gegnern schuld giebt, abzustellen. Der Minister kam, und beruhigte die Versammlung durch die Nachricht, daß die Ordnung wieder hergestellt sey und den Uebelgesinnten durch die bewafnete Macht Einhalt gethan werde.

Paris, vom 1 Heumonat. [43]

Thüriot ist seit dem 28. Junius President des N. Convents. Dieses hat in seinen leztern Seßionen verschiedene Nachrichten erhalten von Vortheilen, die so wohl über die innerlichen als auswärtigen Feinde erhalten worden. Noch am 27. kam der Bericht, daß am 20. der General Beysser, welcher in Nantes kommandiert, an der Spize von 2400. Mann die Royalisten von dort verjagt und 2. Stunden weit verfolgt habe, sie seyen gegen Verneüil von 3. Posten vertrieben worden und haben 300. Mann verlohren. -- In der Seßion am 28. zeigte das Wohlfahrts-Committe dem N. Convent an, daß es von der Armee des General Biron vom 25. die Nachricht erhalten habe: Dieser General habe auf den Bericht, daß die Royalisten gegen St. Maxenz und Niort anrüken, ihnen den General Westermann entgegen geschikt. Es sey zu einem Gefecht gekommen, worinn die Feinde bey Parthenay mit grossem Verlust geschlagen worden. Man habe ihnen 150. Ochsen, 100. Pferdte, 100. Kriegsgefangene, 3. Kanonen und alle ihre Munizion weggenommen. Diese Nachricht wurde noch am gleichen Tag durch ein Schreiben vom General Biron selbst, welches ein ausserordentlicher Courier überbracht, bestätiget. In der vorgestrigen Seßion wurde ein Schreibe' v. dem General Leveneür aus dem Hauptquartier zu Abancourt vom 26. des vorige' Monats verlesen, woriñ er berichtet: Die Besatzung von Valenciennes habe am 15. 16, 17 u. 18. Ausfälle auf die sie belagernde Armee gethan, von denen besonders der am 17. die Feinde viel Volk gekostet habe; und wobey denselben 18. Kanonen vernagelt und sonst unbrauchbar gemacht worden. In der Nacht vom 20. auf den 21. seyen ihnen bey einem neuen Ausfall 3. Redutten und 13. Kanonen weggenommen und sie viele Leute theils getödtet, theils verwundet worden, daß von den leztern 126. Wagen voll nach Mons transportiert wurden. Unsere Truppen seyen von den eroberten Verschanzungen und dem Posten bey Marli Meister geblieben. Die Festung Conde vertheidige sich noch immer muthig. -- Von Tours meldet ein dort sich aufhaltender National Commissar, unsere Leute haben am 26. Junius wieder von Saumür Besiz genommen. Im Departement de la Vendee hat sich der General Sandos dreyer feindlichen Posten bemächtiget, und die Rebellen zu zweymahlen zurükgeschlagen. -- Der Befehlshaber der Armee in Italien, General Brünet, berichtet aus dem Hauptquartier Escarena: Die 5. Lager der Piemonteser auf den steilen Gebirgen, welche die Grafschaft Nizza von Piemont absondern, seyen von unsern Truppen zugleich angegriffen und die Feinde daraus verjagt worden; ihr Verlust bey diesem Vorfall bestehe in 400. Todten und 640. Gefangenen, der unsrige hingegen nur etwann in 60. Todten. Unsere Truppen haben sich von 2. Kanonen und dem Feldgeräth von 4. dieser Lager bemächtiget. Die Feinde haben sich bis nach Piemont zurük gezogen, welches ihre Communikazion mit den Spaniern unterbreche, wenn diese allenfalls eine Landung versuchen wolten. Eben dieser General berichtet in einem gestern verlesenen Schreiben: Das furchtbare Lager bey Fourches sey am 12. des vorigen Monats noch einmahl von unsern Truppen angegriffen worden, und würde, wenn diese den Angriff nur noch ein viertel Stunde länger fortgesezt hätten, eingenommen worden seyn. Wir haben bey diesem Angriff 100. Todte und 10. Gefangene; und die Feinde ein Bataillon nebst 5. Gefangenen verlohren, unter welchen sich der Neveu des feindlichen Generals befinde. -- Von dem General-Prokureur-Syndik des Departements der Niedern-Pyrenäen hat das N. Convent gestern die Nachricht erhalten, daß die Spanier aus Mangel an Proviant und wegen Theurung der Lebens-Mittel in Pampelona das Französische Gebiet auf der Seite von St. Jean de Lüz geräumt haben. Eben derselbe meldet, er habe von dem Prokureur der Commüne von St. Esprit den offiziellen Bericht erhalten, daß die Spanier am 22. Junius angegriffen und genöthiget worden seyen, ihre beyden Lager vor der Stadt Andaye zu verlassen; sie haben bey diesem Vorfall all ihr Gepäk verlohren und Andaye sey in den Händen der Franzosen.

Quellen.[]

  1. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 6 Hornung, 1793. Num. 11.
  2. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 13. Hornung, 1793. Num. 13.
  3. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 16. Hornung, 1793. Num. 14.
  4. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Hornung, 1793. Num. 15.
  5. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Hornung, 1793. Num. 16.
  6. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 27. Hornung, 1793. Num. 17.
  7. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 6. Merz, 1793. Num. 19.
  8. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 9. Merz, 1793. Num. 20.
  9. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 16. Merz, 1793. Num. 22.
  10. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Merz, 1793. Num. 23.
  11. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 23. Merz, 1793. Num. 24.
  12. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 27. Merz, 1793. Num. 25.
  13. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 30. Merz, 1793. Num. 26.
  14. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 3. April, 1793. Num. 27.
  15. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 6. April, 1793. Num. 28.
  16. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 10. April, 1793. Num. 29.
  17. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 13. April, 1793. Num. 30.
  18. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 17. April, 1793. Num. 31.
  19. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 20. April, 1793. Num. 32.
  20. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 24. April, 1793. Num. 33.
  21. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 27. April, 1793. Num. 34.
  22. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 1. May, 1793. Num. 35.
  23. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 4. May, 1793. Num. 36.
  24. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 8. May, 1793. Num. 37.
  25. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 11. May, 1793. Num. 38.
  26. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 15. May, 1793. Num. 39.
  27. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 18. May, 1793. Num. 40.
  28. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 22. May, 1793. Num. 41.
  29. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 25. May, 1793. Num. 42.
  30. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 29. May, 1793. Num. 43.
  31. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 1. Brachmonat, 1793. Num. 44.
  32. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 5. Brachmonat, 1793. Num. 45.
  33. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 8. Brachmonat, 1793. Num. 46.
  34. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 12. Brachmonat, 1793. Num. 47.
  35. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 12. Brachmonat, 1793. Num. 47.
  36. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 15. Brachmonat, 1793. Num. 48.
  37. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 19. Brachmonat, 1793. Num. 49.
  38. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 22. Brachmonat, 1793. Num. 50.
  39. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 26. Brachmonat, 1793. Num. 51.
  40. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 29. Brachmonat, 1793. Num. 52.
  41. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 3. Heumonat, 1793. Num. 53.
  42. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 6. Heumonat, 1793. Num. 54.
  43. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 10. Heumonat, 1793. Num. 55.
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