Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Ch. Jam. Fox.[]

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SLUB Dresden.

Fox, (Ch. Jam.) Sein Vater war Heinrich Fox, Staatssekretär und Generalzahlmeister der Armee unter Georg II., ein Posten, auf dem er einen großen Reichthum zusammenbrachte; er ward unter dem jetzigen Könige geadelt mit dem Titel Baron von Holland von Foxlei, und war lange Zeit ein Gegner des Lord Chatam, Vaters von Pitt. Sein 2ter Sohn, James Fox, ward ihm den 13. Januar 1749 geboren und wurde der Gegenstand seiner zärtlichsten Liebe. Er ließ ihn in dem Kollegium von Westmünster, sodann zu Eyton und endlich zu Oxford erziehen, und da den jungen Fox, in dem sich lebhafte Leidenschaften und ein ausserordentlicher Hang zur Verschwendung entwickelte, die Einförmigkeit der Schulstudien ermüdete, und er in mehrere Gegenden des Auslandes, namentlich nach Spa. Er benutzte 1768, als er erst 19 Jahr alt und also noch nicht wahlfähig war, den Einfluß seiner Familie, um sich von dem Flecken Mindgust zum Mitglied des Gemeindhauses wählen zu lassen, und zeigte darinn vom ersten Augenblick eine grosse Anhänglichkeit an die ministeriele Parthey. Dieses bewirkte, daß er durch den Kanzler North zum Lord der Schatzkammer ernannt wurde. Die Aenderung seiner Meinung schreibt man der Eifersucht zu, welche sich zwischen ihm und dem Sohne des Lord Guilford erhob. Dieser brachte ihn um seine Stelle, und Fox rächte sich an ihm durch lebhafte Angriffe gegen seine Administration. Mit nicht weniger Kraft zog er gegen die Verhandlungen des Ministeriums während des Amerikanischen Kriegs zu Felde, kam dahin es zu stürzen und ward für eine kurze Zeit in das Kabinet als Staatssekretär berufen. 1780 war er durch die Stadt Westminster ins Parlament erhoben worden und es gelang ihm seitdem sich durch dieselbe Stadt darinnen zu erhalten, was sein Ansehen und seinen Einfluß nicht wenig vermehrte. Er trat aus dem Ministerium, kam wieder hinein und verließ es zum zweytenmal, da seine Parthey nie genug Einfluß hatte, ihn darinnen zu behaupten. Seit dem Anfange des Revolutionskriegs sah man ihn wechselweise Beredsamkeit, seinen Scharfsinn, seine ihm natürliche Wärme und selbst häufige bittre Kritiken und Beleidigungen anwenden, um die englische Regierung zur Anerkennung der französischen Republik zu zwingen. In jeder Sitzung erneuerte er festbeharrend seine Anträge über diesen Gegenstand, lieh alle Formen, leerte den Köcher des Partheygeistes von den kräftigsten Pfeilen, um das Ministerium zu stürzen und den Frieden mit Frankreich als unverlässig und dauerhaft darzuthun. Nach dem Frieden von Amiens besuchte er Frankreich und Paris, speiste mit dem ersten Konsul und schien sehr zufrieden mit der Aufnahme die er empfangen hatte, so wie mit den Dokumenten, die er für seine Bearbeitung der Geschichte der Revolution von 1686 in den Archiven der auswärtigen Angelegenheiten sammelte. Nach seiner Rückkunft nach London hielt er im Parlament eine Rede von zwey Stunden, worinn er die Nothwendigkeit der Beybehaltung des Friedens auseinandersetzte, das neue Ministerium vertheidigte, Pitts Administration angriff und Bonaparte gegen die Beschuldigung der Ehrsucht rechtfertigte. 1803 schienen sich seine Meinungen der Kriegsparthey zu nähern. Im November desselben Jahrs ernannte ihn das französische Nationalinstitut zum Ehren-Mitglied für die Klasse der Wissenschaften. Den 23. August 1804 fieng er seine Angriffe gegen das Ministerium von neuem an und verlangte die Durchsicht aller in den letztern Sitzungen vorgenommenen Verhandlungen. Nach dem Falle Addingtons, behauptet man, wurde Fox dem Könige für das Ministerium vorgeschlagen; Se. Maj. schlugen ihn aber förmlich aus. Einige Zeit darauf übergab er bey dem Unterhause das Gesuch der irrländischen Katholiken und machte ihre Ansprüche gelten. Ihm verdankte hauptsächlich Melville die schimpfliche Ungnade, in die er im May 1805 fiel. Bey der Wiedereröffnung des Parlaments gegen Ende des Jahrs 1805, sprach er von neuem über die Gefahren, in welche England durch die Siege der Franzosen in Deutschland gesetzt werde; rühmte die Großmuth, mit der sich Oesterreich unter diesen Umständen aufgeopfert hätte; schmähte seine Alliirten, die ihm nicht zu rechter Zeit Hülfe geleistet hätten; und erhob sich mit ganzer Macht gegen das Ministerium, das er als Urheber von dem Unglücke des Kontinents anklagte. Kurz darauf eröffnete ihm Pitts Tod noch einmal die ministerielle Laufbahn. Es war den 29. Januar 1806, als er zu die Stelle eines Staatssekretairs und Ministers der auswärtigen Angelegenheiten berufen wurde; den 8. Februar ward er, nebst seinen Kollegen, dem Könige und der Königinn vorgestellt, und seitdem zeigte er sich nirgends, ohne die lebhaftesten Beyfallsbezeugungen zu erhalten. Der Herzog von Bedfort überließ ihm, bey seiner Abreise nach Irland, sein prächtiges Hotel zu London. Wenn man indeß den englischen Zeitschriften, die ihm entgegen sind, glauben darf, so veränderte zwar Fox mit seiner Lage, nicht völlig seine Sprache, milderte aber wenigstens auf eine sonderbare Art die politischen Ideen, die er bis dahin in dem Hause der Gemeinen ausgesprochen hatte. Doch war die neue öffentliche Laufbahn, in die er getreten war nicht von langer Dauer; denn sie endigte sich schon mit dem 13. September 1806, wo ihn plötzlich der Tod hinraffte; da er eben Anstalten traf, um den Frieden mit Frankreich zu bewerkstelligen. Fox war einer der ersten Parlamentsredner; seine Beredsamkeit gleicht einem Strom; ganze Sitzungen von 10 bis 12 Stunden wußte er zu wiederhohlen, beantwortete alle Reden seiner Gegner und fesselte, trotz seines ungünstigen Organs und des Mangels an Würde und Empfehlung in seiner Action, die Aufmerksamkeit der Zuhörer für ganze Stunden. Vor seinem letzten Eintritt ins Ministerium hielt er sich zu St. Anus-Hill bey Chertsey auf; hier stand er der Anbauung seines Landgutes, seines Gartens und seiner Baumpflanzungen vor. Um 7 Uhr des Morgens stand er auf, machte eine Promenade zu Pferde nach der Themse, badete sich darin, kam um 10 Uhr zurück zum Frühstück, arbeitete bis zum Mittagsmahl in seinem Kabinet und widmete den Abend häuslichen Vergnügungen. Der Bildhauer Nollekens hat seine Büste 22mal, sowohl für englische Grosse, als für verschiedene europäische Potentaten gearbeitet.


Fox auf dem Sterbebette.[]

[2]
Am 10. Juny 1806 sprach Fox zum letzten Mahl im Parlamente; von diesem Augenblick an, nahm seine Gesundheit täglich ab. Eine ernsthafte Krankheit schien es zwar nicht zu seyn; doch fühlte er selbst, daß seine Auflösung nahe war. Als man ihn z. B. um Beystand in einer gewissen wichtigen Angelegenheit ersuchte, erwiederte er: "Mein Leben ist thätiger gewesen, als es meine Kräfte erlaubten, und ich möchte sagen, meine Pflicht erheischte. Wenn ich nicht viel gethan habe, so habe ich doch wenigstens viel gesprochen, und noch mehr gefühlt. Meine Constitution ist erschöpft. Man muß sich in dieser Sache an jüngere Männer wenden!" -- Bald darauf kam er zum Liegen, und seine Füße schwollen beträchtlich an. Da er den Scorbut zu haben glaubte, nahm er starke Dosen von Chinadecokt. Im Grunde hielt er nichts auf die Medicin, consultirte daher auch Niemanden, sondern verschieb und verordnete sich alles selbst.

Er fühlte sich kränker, als er seinen Freunden zu seyn schien. -- Pitt" -- sagte er eines Tages -- "starb im Januar, und mit mir könnte es wohl noch vor Ablauf des Juny's zu Ende gehen." -- Als ihm seine Freunde dieß ausreden wollten, antwortete er: -- "Ich versichere euch, es ist mit mir, wie mit Pitt. Mein Magen ist gänzlich ruinirt; ich fühle, daß mein ganzes Wesen sich auflöst." -- Er hatte eigentlich die Wassersucht, und die Geschwulst an den Füssen wechselte beständig an Umfang ab. Dennoch wollte er von keinem Arte hören, und schrieb Alles nur seinen vielen Agitationen zu. Wenn diese aufhören würden, sagte er, würde es auch besser mit ihm werden, doch eher nicht. Unterdessen ward es immer schlechter mit ihm, so daß seine Freunde für sein Leben zu fürchten anfingen. Endlich Ausgange Juny erlaubte er dann einen Arzt zu rufen, nah, auch einige Arzneyen ein. Ungefähr vierzehn Tage darauf hatte ein Concilium statt, worin zuerst der Gebrauch eines starken Diureticums, und dann der Bauchstich beschlossen ward. Da die Geschwulst täglich grösser ward, verlangte der Kranke selbst die Operation. Kaum war dieselbe vorbey, als seine Kräfte so tief sanken, daß er lange Zeit kein Wort zu sprechen im Stande war. Am 10. July indessen schien er sich wieder ein wenig zu erholen, und unterhielt sich die beyden folgenden Tage häufig mit seinen Freunden, doch sprach er dabey immer von seiner nahen Auflösung.

Man sagte ihm unter andern, man rechne bey einer gewissen Landparthie auf künftige Weihnachten ganz sicher auf ihn. -- "Zu Weihnachten" -- erwiderte er -- wird es ganz anders aussehen. Sagen Sie mir doch, Mylord, was denken Sie von dem Zustande der Seele nach dem Tode?" -- Sein Freund war überrascht, und schwieg aus Verlegenheit. -- "Das sie unsterblich sey" -- fuhr Fox fort -- "daran zweifle ich durchaus nicht. Die Existenz der Gottheit beweist für jede geistige Existenz. Ist die Seele wirklich vorhanden, so kann sie ihrer Natur nach auch ewig vorhanden seyn. Auch ohne die christliche Religion hätte ich an die Unsterblichkeit der Seele geglaubt. Aber wie dieselbe vom Körper getrennt wirken kann, das übersteigt meine Fassungskraft. Wie dem auch seyn möge, vor Weihnachten werde ich es wissen." -- Als er seine Gemahlinn weinen sah, schien er sehr gerührt, faßte sie bey der Hand und sagte. "Ich bin glücklich, und mit Zutrauen erfüllt; ich kann sagen, daß ich über mein Schicksal in Gewißheit bin!" -- Die Ärzte benachrichtigten seinen Neffen, Lord Holland, daß wenig Hoffnung mehr vorhanden sey; denn am 20. August war die Geschwulst wieder da, auch lag der Kranke in der Lethargie. Man beschloß den Bauchstich abermahls; Fox sagte bey dieser Gelegenheit: -- "Ich frage nicht, on ich aufkommen werde; ich fühle wohl, daß es mit mir zu Ende geht. Aber wissen möchte ich wenigstens, wie lange es noch dauern wird!" -- Man sprach von Leuten, die eben so schlecht gewesen, und dennoch vollkommen geheilt worden wären. . . . "Nein" -- erwiederte Fox -- "bey meiner Constitution und in meinem Alter, niemahls. Ich frage noch ein Mahl, wie lange glauben Sie wohl, daß es noch mit mir dauern wird?" -- Die Ärzte wagte keine bestimmte Antwort.

Er willigte endlich in die zweyte Operation, wollte aber nach seinem Landhause gebracht seyn, um dort zu sterben. Da man es für unmöglich hielt, ihn so weit zu transportiren, so trug man ihn in die Nähe nach Choswick zum Duc von Devonshire. Hier ward am 30. August der zweyte Bauchstich gemacht, und der Kranke verspürte einige Linderung. So dauerte es fort bis zum 7. September Abends, wo sich die Ärzte überzeugten, daß sein Ende nahe sey. Sie sagten es zuerst seiner Gemahlinn und Lord Holland, worauf man den Kranken gemeinschaftlich darauf vorzubereiten anfing. Als er gehört hatte, daß er nur noch vier und zwanzig Stunden zu leben hätte, sagte er: "der Wille Gottes geschehe! Ich habe genug gelebt; ich sterbe zufrieden!" -- Niemand glaubte, daß er sich noch einmahl erhohlen würde, dennoch geschah es Er befand sich einige Tage über Erwartung wohl. Alle seine Freunde faßten wieder Hoffnung, nur die Ärzte nicht. So dauerte es fort bis zum 12. September Morgens, wo er plötzlich wieder zu sinken anfing. Alle Symptome deuteten auf den Tod. Seine Freunde nahmen Abschied von ihm; er winkte ihnen zu bleiben, und brachte dann und wann noch einige Worte hervor. So sagte er z. B. zu Lord Petty, der ihm am nächsten stand: -- "So ist die Ordnung der Natur! -- Es liegt viel auf Ihnen; (auf seinen Posten deutend) aber verliehren sie den Muth nicht!" -- Er wollte fortfahren, da aber Lord Petty sehr bewegt war, so ersuchten ihn die Ärzte, um des Kranken willen hinauszugehen.

Gegen Abend versammelten sich alle seine Freunde wieder bey ihm, doch schien es, daß er fast ausschließend mit seinem Neffen, Lord Holland, und seiner Gemahlinn beschäftigt war. Er redete sie verschiedene Mahl an, legte zuletzt, als ihn die Kräfte verließen, ihre Hände zusammen, und schien sie durch eine langsame Bewegung der seinigen segnen zu wollen. Am 13. September Morgens war er noch schlechter, und der Tod nahte mit schnellen Schritten heran. Um Mittag erschienen seine Freunde wieder, er verlangte die Hände seiner Gemahlinn und seines Neffen und vereinigte sie, wie den vorigen Tag. Da er, um dieß zu thun, sich aber nicht herumdrehen konnte, gingen diese beyden Personen auf die andere Seite des Bettes, wo er denn ihre Hände zusammenlegte, und die seinige darüber hielt. "Gott segne euch!" -- sagte er dabey, und dieß waren seine letzten Worte -- "Gott segne euch alle! Ich sterbe zufrieden; ich beklage euch!" -- Jetzt fiel er in Agonie. Um drey Uhr Nachmittags indessen öffnete er die Augen wieder, und sah alle Anwesende an, doch verweilte er dabey am längsten auf seiner Gemahlinn und Lord Holland. Endlich schloß er aber diese gebrochnen Augen für immer, und zwanzig Minuten vor sechs Uhr Abends verschied er. (Recollections of the life of Ch. Jam. Fox. London 1806.)


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

Ausländische Begebenheiten.

[3]
Großbrittanien.

Herr Fox wird wahrscheinlich während der gegenwärtigen Parlamentssitzungen dieselben nicht wieder besuchen, da die Aerzte sagen, daß seine Krankheit die Folge einer übermässigen Anstrengung sey.

[4]
Großbrittanien.

Die Gesundheit des Hrn. Fox war so weit hergestellt, daß er schon wieder mit seiner Gattin eine Spazierfahrt hatte machen können. Die Anzeichen der Wassersucht haben sich beträchtlich vermindert. Lord Greenville hatte ihn während seiner Krankheit fleissig besucht.

[5]
Großbrittanien.

Die öffentlichen Gerüchte und Blätter haben in den letzten Tagen die Abreise des Lord Holland nach Paris, und am 8. Jul. das nahe Absterben des Hrn. Fox verkündigt. Lord Holland befand sich indessen noch in London, und Hr. Fox ist, ob er sich gleich seit einigen Tagen zu Hause gehalten hat, wenigstens fähig, jeden, der ihm in Geschäften etwas zu sagen hat, zu sehen, und mit ihm zu conferiren. Die Geschäfte des auswärtigen Departements werden mit grosser Thätigkeit betrieben. Noch am 7. Jul. gieng ein Courier mit Depeschen von Deal nach Frankreich ab. Indessen sind am 8. die Stocks beträchtlich gefallen, und die Speculanten behaupten, daß einer der Präliminar-Puncte, welche durch eine Oppositionszeitung (the Courier) schon angegeben sind, vom Französischen Kaiser nicht zugestanden werde, nehmlich die Restitution Hannovers.

[6]
Großbrittanien.

Die Genesung des Herrn Fox ward (nach dem Ausdruck einiger Londonerblätter) mehr gewünscht, als von seinen Freunden wirklich erwartet. Er litt an der Brustwassersucht. Indessen war er immer noch fähig, jeden, der in Geschäften mit ihm zu sprechen hatte, zu sehen; blosse Freundschaftsbesuche aber wurden abgewiesen.

[7]
Großbrittanien.

Hr. Fox nahm alle Tage an Kräften zu. Am 11. Jul. wurde in seiner Wohnung ein ausserordentlicher Staatsrath gehalten.

[8]
Großbrittanien.

Die Gesundheitsumstände des Herrn Fox haben sich verschlimmert. Die Depeschen an das auswärtige Departement gehen jetzt, nachdem Hr. Fox sie gesehen an Lord Greenville. Das Publicum spricht von einer temporairen Ruhe von Geschäften von Seiten des Hrn. Fox, und von einen Interims-Substituten desselben, wozu man Lord Moira, Hrn. Thomas Greenville xc. nennt.

[9]
Großbrittanien.

Am 7. Aug. wurde Hr. Fox vom Hrn. Cline operirt. Bey 16 Quart Wasser wurden durch den Prozeß weggeschaft. Hr. Fox befand sich nach der Operation um Vieles besser.

[10]
Großbrittanien.

Die Gesundheitsumstände des Herrn Fox sind fortdauernd günstig. Er hat mehr Appetit als vorher, und verließ am 12. sein Schlafzimmer, um sich mit seinen Freunden im Visitenzimmer zu unterreden. Sein Appetit hat schon wieder so zugenommen, daß er vier Teller voll starker Fleischbrühe, auch etwas Fleisch, genoß. Der Prinz von Wallis, welcher sich stündlich nach seinem Befinden erkundigen lassen, kam noch am 8. Aug. selbst vorgeritten, und hatte eine kurze Unterredung mit dem ihm so theuern Patienten.


[11]
Großbrittanien.

Hr. Fox nahm täglich an Kräften zu; er hatte mit dem von Petersburg zurückgekommenen Bothschafter, Lord Leweson Gower, und mit dem dahin begehenden Marquis Douglas Conferenzen halten können, und die Aerzte hofften, ihn bald so weit hergestellt zu sehen, daß er sich aufs Land begeben könnte.

[12]
Großbrittanien.

Hr. Fox ist nach Chiswick aufs Land gegangen. Man hatte einige Bretter von der Hausthür in den Wagen gelegt, um so das Einsteigen in die Kutsche zu erleichtern. Am 27. Aug. Nachmittags um 4 Uhr erschien Hr. Fox beym Abfahren vor seiner Hausthür, wo sich eine Menge Menschen gesammelt hatte; er war schwach, schien indes sehr heiter, und scherzte über das Gerüst zum Einsteigen. Einer von den Aerzten des Hrn. Fox, Doctor Moselly oder Vaughan, wird sic abwechselnd zu Chiswick aufhalten. Das Wasser-Abzapfen dürfte bey Hrn. Fox nächstens wieder vorgenommen werden.

[13]
Großbrittanien.

Herr Fox mußte sich am 31. Aug. von neuem der Operation des Abzapfens unterwerfen. Der berühmte Wundarzt, Hr. Cline, verrichtete sie auch diesesmal, und 14 Quarter Wasser wurden abgezogen. Die Freunde des grossen Staatsmannes nähren die Hoffnung des Publikums zu seiner Erhaltung. Er selbst ist beständig zu London.

[14]
Großbrittanien.

Ueber des Hrn. Fox Gesundheitsumstände drückt sich das Morning Chronicle vom 10. Sept. so aus: "Wir haben die traurige Pflicht gegen das Publicum zu erfüllen, ihm anzuzeigen, daß der Staatssecretair, Hr. Fox, ehegestern von seinen Aerzten für sehr gefährlich erklärt wurde; er befand sich in einem Zustande von äusserster Schwäche, und in einer gänzlichen Abspannung, welche alle physischen Functionen unterbrach. Wir hatten zwar, auf den Glauben einer seiner Aerzte versichert, daß die Geschwulst abnähme, daß seine Glieder ihre gewöhnliche Gestalt wieder bekommen hätten, und daß alle Symptome die Rückkehr des freyen Blutumlaufs verkündigten. Wirklich hat die Heilkunst alle ihre Hilfsmittel erschöpft, aber ohne die Genesung des Kranken zu bewirken, oder der geschwächten Maschine einige Spannkraft wieder geben zu können. Unterdessen darf man, so lang er athmet, die Hoffnung nicht ganz aufgeben; die Sorgfalt der Aerzte kann vielleicht den gehinderten und schlafenden Blutumlauf noch einmahl aufwecken. Aber wir gestehen es mit Kummer, wir besorgen, unsere Leser haben sich auf die Nachricht von einem traurigen und unersetzlichen Verlust vorzubereiten. Das letzte, gestern Abend sehr spät von Chiswick angekommene Bulletin lautete so: Der Kranke befindet sich noch sehr übel, doch ist sein Puls etwas stärker als gestern." (Nach dem Französischen Amtsblatte ist Hr. Fox wirklich gestorben.)

[15]
Frankreich.

Der Argus sagt: "Die Londoner Ministerialjournale, welche bisher die beßten Hoffnungen zu Hrn. Foxens Besserung gaben, verkündigen am 10. Sept. Plötzlich, daß er in größter Gefahr schwebe, und vielleicht lebt er in dem Augenblick, wo wir dieses schreiben, nicht mehr. Zu jener Zeit wäre der Tod eines so ausgezeichneten Mannes für England ein grosser Verlust; unter den gegenwärtigen Umständen ist dessen Grösse nicht zu berechnen. Seit 15 Jahren hatte Hr. Fox sich unermüdet dem politischen Systeme des Cabinets von St. James, das der Erfahrung zufolge so nachtheilig für Großbrittanien war, widersetzt; also ließ sich nun, da er am Ruder stand, in der That hoffen, daß sein Einfluß im Ministerium besseren Grundsätzen Gehör verschaffen würde. Während der kurzen Zeit seiner Amtsführung konnte man sich keinen genauen Begriff von seinem Plan bilden, mithin auch nicht beurtheilen, ob dessen Ausführung England aus der kritischen Lage, worin es durch die vorige Administration gestürzt ist, gezogen hätte. Aber auf jeden Fall war sein Plan von dem seiner Vorgänger verschieden, und nach so vielem Unglücke flößte schon dieser Umstand ein günstiges Vorurtheil ein, und reichte zu, England wenigstens die Aussicht auf die Möglichkeit besserer Zeiten zu öffnen."

Die in vorstehendem Artikel erwähnte Besorgniß ist eingetroffen. Der Moniteur vom 17. Sept. sagt vorläufig: "So eben erhält man due unangenehme Nachricht von dem Tode des Hrn. Fox."

[16]
Großbrittanien.

Schon seit dem 8. Sept. war der Staatssecretair Fox von den Aerzten aufgegeben worden, und am 13. Sept. ist er Abends um 6 Uhr zu Chiswick in den Armen seines Neffen, des Lords Holland, im 57. Jahre verstorben. Die Aerzte hatten Tages vorher noch ein Consilium gehalten, nach dessen Beendigung sie ihm ankündigten, daß sein Ende nahe sey. Er hörte diese Nachricht mit Ruhe an, und verlangte noch einige seiner Freunde zu sprechen, die er durch Couriere herbeygeholt zu sehen wünschte. Die Nacht brachte er sehr unruhig zu, und am Sonnabend verlor er die Sprache, so daß er dem Grafen Fitzwilliam, der ihn besuchte, nur noch die Hand drücken, aber nicht mehr mit ihm sprechen konnte. Kurze Zeit vor seinem Hinscheiden fühlte er sich etwas leichter, und gab ohne Merkmale des Schmerzes ~ ~ ~ letzten Athemzug in einem Zeitpuncte von sich, wo seine Talente dem Vaterlande so nöthig waren. Der Verlust, den Großbrittanien durch den Tod dieses wahren Patrioten, Staatsmannes und Redners erlitten hat, wird von allen Ständen gefühlt, und eine gewisse Aengstlichkeit ist überall sehr sichtbar. In den letzt verwichenen Monathen hat England durch den Tod nachstehende berühmte Männer verloren. Am 5. October 1805 starb in Ostindien der zum Generalgouverneur dieses wichtigen Landstriches ernannte Marquis Cornwallis; am 21. Oct. 1805 fiel Lord Nelson; am 23. Jan. 1806 starb Pitt; am 12. Sept. dieses Jahres der ehemahlige Großkanzler, grosse Rechtsgelehrte, und unerschütterliche Richter Lord Thurlow, 71 Jahre alt, auf seinem Landsitze; am 13. Sept. Fox.

[17]
Großbrittanien.

Hrn. Fox Verwandte hatten die Absicht, den Leichnam desselben in einem Familiengewölbe beyzusetzen; allein Lord Holland hat den Wünschen vieler Verehrer des Verstorbenen nachgegeben, und Hr. Fox wird in der Westmünster-Abtey beygesetzt werden, und ist deshalb in die Stadt gebracht worden. Doch wird das Le chenbegängniß in aller Stille vor sich gehen.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. 1813.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 59. Mittewoche, den 23. Julius 1806.
  4. Wiener Zeitung. Nro. 60. Sonnabend, den 26. Julius 1806.
  5. Wiener Zeitung. Nro. 61. Mittewoche, den 30. Julius 1806.
  6. Wiener Zeitung. Nro. 62. Sonnabend, den 2. August 1806.
  7. Wiener Zeitung. Nro. 63. Mittewoche, den 6. August 1806.
  8. Wiener Zeitung. Nro. 68. Sonnabend, den 23. August 1806.
  9. Wiener Zeitung. Nro. 69. Mittewoche, den 27. August 1806.
  10. Wiener Zeitung. Nro 72. Sonnabend, den 6. September 1806.
  11. Wiener Zeitung. Nro 74. Sonnabend, den 13. September 1806.
  12. Wiener Zeitung. Nro 75. Mittewoche, den 17. September 1806.
  13. Wiener Zeitung. Nro 77. Mittewoche, den 24. September 1806.
  14. Wiener Zeitung. Nro 79. Mittewoche, den 1. October 1806.
  15. Wiener Zeitung. Nro 80. Sonnabend, den 4. October 1806.
  16. Wiener Zeitung. Nro 81. Mittewoche, den 8 Octtober 1806.
  17. Wiener Zeitung. Nro 82. Sonnabend, den 11. October 1806.

Porträten.[]


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