Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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La Tour Maubourg.[]


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La Tour Maubourg.

Dieser durch seine Talente und durch seinen edlen Character, so wie durch seine Schicksale ausgezeichnete Mann, der jetzt im Kerker zu Olmütz schmachtet, war vor der Revolution Marquis, Besitzer eines großen Vermögens, ansehnlicher Rittergüter, und Oberster eines Infanterie-Regiments. Er stammte von einer alten Familie ab, und zählte mehrere Marschälle von Frankreich unter seinen Ahnen, besaß die Hochachtung der Armee und hatte die glänzendsten Aussichten. Alle diese Vortheile opferte er großmütig auf, weil er, so wie viele andre rechtschaffene Männer, ein verändertes Regierungs-System für sein Vaterland durchaus nothwendig fand. Er war Mitglied der constituirenden National-Versammlung, wo alle seine Meinungen und Arbeiten dahin abzweckten, die reinste Liebe zur Freyheit und die Ehrfurcht gegen die Gesetze zu befördern. Als die Jacobiner im Jahre 1791 die Soldaten in Avignon zum Aufruhr reitzten, eilte la Tour Maubourg nach dieser Stadt, stellte die Ordnung wieder her, und triumphirte durch seine Klugheit und Standhaftigkeit über alle Factionen. Er war der vertrauteste Freund des Generals la Fayette, mit dem er zusammen erzogen wurde; übereinstimmend mit ihm durch Sinnesart, Grundsätze und Character; auch haftete nicht die kleinste Verläumdung auf ihn. Gemahl einer vortreflichen Gattin, Vater von sechs Kindern, zärtlich geliebt von vier Brüdern und Schwestern, die ihn als ihren Vater betrachten, und bedauert von zahlreichen Freunden.

Maubourg verließ seinen ruhigen Auffenthalt, als im Jahr 1792 der Krieg ausbrach, weil er sich als Patriot verpflichtet hielt, sein Vaterland gegen dessen auswärtige Feinde zu vertheidigen. Gegen die innern war er nach dem 10ten August (1792) zu schwach, da nun die darauf abzweckenden Versuche des Generals la Fayette mißglückten, und nur bey längerm Verweilen das Blutgerüst auf sie alle wartete, so begleitete er seinen edlen Freund auf jenem unseeligen Rückzug, der sie sämmtlich ganz ungeahnet in die Hände ihrer mächtigen Feinde brachte.

So ist der Mann, der als ein Revolutions-Opfer aus einem Kerker in den andern geschlept wurde, und sich jetzt in den Casematten von Olmütz befindet, gänzlich abgesondert von seinen Freunden la Fayette und Bureau de Pusy, welcher letztere durch eine gleichmäßige edle Sinnesart so würdig war, das harte Schicksal mit ihnen zu theilen, und so wie sie ein Märtyrer der Revolution zu werden. Ja man hat diese Theilnahme auch auf die Bedienten ausgedehnt, und diese trotz ihrer gänzlichen Unschuld an der Revolution und deren Folgen, seit vier Jahren eben so wie ihre Herren behandelt; nicht etwan weil man ihre Gegenwart rathsam fand, um diese ihre alte Herren zu bedienen, sondern um abgesondert von ihnen eingekerkert zu seyn; ein Problem zur Auflösung für diejenigen gutmüthigen Menschen, die bey der Idee von geheimen Ursachen zu jener Behandlung fortwährend beharren.

Bey dieser Gelegenheit kann man eine Bemerkung nicht übergehn. Jetzt endlich hört man in allen cultivirten Ländern Europens den lauten Tadel gegen die barbarische Behandlung schuldloser Männer, mit Inbegriff einer Dame und ihren Kindern in den Gefängnissen zu Olmütz; und Himmel! welcher Personen? Alle so sehr durch Tugend, durch Geist und hohen Sinn ausgezeichnet, daß eine solche die Menschheit erhebende Gruppe, Helden, Tugenden und Gratzien, vielleicht nie ein Gefängniß umschloß. Es ist immer noch erlaubt zu glauben, daß der wegen seiner persönlichen Denkungsart belobte Kayser Franz den Umfang dieser Behandlung nicht weiß, ja daß sie ihm vielmehr in einem ganz andern Lichte gezeigt wird. Nur auf diese einzige Art sind die Lumpen, die Strohsäcke, die ekelhaft hölzernen Trinkgefässe, die von Soldaten-Fäusten vorgeschnittenen Speisen, die von den jungen Damen für ihren Vater geflickten Schuhe, und andere Dinge zu erklären, wovon noch ganz neuerlich die Erlanger Zeitung das Umständliche, mit andern Berichten genau übereinstimmende, gemeldet hat; Dinge, die auch den Gefühldürftigsten empören, und endlich die Franzosen selbst aus ihrem Schlafe wecken müssen. Wie konnte auch in so wenig Jahren la Fayette und die Masse seiner edlen Handlungen vergessen werden, die uns die Geschichte der ersten Revolutions-Jahre aufbehalten hat? -- Auch haben machthabende Männer dieser leidenden Patrioten, als eine National-Pflicht fordern würde. -- v. A.

*) Das hier beygefügte Kupfer zeigt seine Bildung in einen jüngern Jahren vor der Revolution, als er noch nicht Hausvater war. Er ist nach einem damals sehr ähnlichen Gemälde entworfen, das mir seine Gemahlin, in Ermangelung eines neuern, mitgetheilt hat, und das freylich mit seiner jetzigen Gestalt im Gefängniß nicht sehr übereinstimmen dürfte. v. A.


Viktor, Marquis v. Latour-Maubourg.[]


Latour-Maubourg (Viktor, Marquis v.) Oberst,[2] Deputirter des Adels von Puy en Velay bey der General-Stände-Versammlung, war einer der ersten des Adels, der zu dem dritten Stande überging. In der Nacht vom 4. August 1789 entsagte er seinen Erbrecht in den Staaten von Artois. Als Ludwig XVI. zu Varennes arretirt wurde, legte Latour-Maubourg der Nationalversammlung den Eid der Treue ab, und war einer der Kommissäre, die den Auftrag erhielten, den König nach Paris zurückzuführen. Er begleitete Lafayette als Feldmarschall zur Armee des Zentrums und übernahm nach Gouvions Tode das Kommando der Avantgarde. Den 19. August theilte er Lafayettes Flucht und ebenso auch dessen österreichische Gefangenschaft. Durch Vermittelung des Direktoriums kam er im September 1797 wieder frey, wurde 1800 von Bonaparte zurückberufen und 1801 von dem Senat zum Mitglied des gesetzgebenden Körpers gewählt.


Victor Marquis de Latour-Maubourg.[]


Victor Marquis de Latour-Maubourg [3] war vor der Revolution Oberst vom Regiment Soissonois, und ward Deputirter des Adels bei der Etats-Generaux. Er war einer der ersten dieser Deputirten, die sich mit dem dritten Stande vereinigten. Er begleitete dann den General Lafayette zur Armee, verließ mit ihm Frankreich und theilte die Gefangenschaft desselben. Bald nach seiner Rückkehr nach Frankreich erhielt er eine Stelle im Senat. Jetzt befindet er sich als Commissär in Caen.


Marie Charles Cesar Fay de Latour-Maubourg.[]


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Sein jüngerer Bruder, Marie Charles Cesar Fay de Latour-Maubourg,[4] hat ebenfalls einen in der neuen französischen Geschichte ausgezeichneten Namen. Er ist geboren den 22. Mai 1768, und war beim Ausbruche der französischen Revolution Oberster des Regiments von Soissons. Als Deputirter bei den Etats-généraux schloß er sich, einer der ersten Adelichen, an die Nationalversammlung an. Bei der Flucht des Königs (21. Juni 1791) ward er mit zu der Commission ernannt, welche den König in die Hauptstadt zurückführen sollte. Hierauf commandirte er unter Lafayette den Vortrab des Heeres, ward in Folge des 10. Aug. nebst Lafayette geächtet, und als er mit diesem General das Heer verließ, zugleich mit ihm von den östreichischen Vorposten arretirt, und blieb, so wie Lafayette, Staats- und Kriegsgefangener, bis beide 1797, nach dem Frieden zu Campo Formio ihre Freiheit erhielten. Hierauf ward er, unter dem Consulate, im Jan. 1801, Mitglied des gesetzgebenden Körpers, und im März 1806, Mitglied des Senats. Er erhielt mehrmals den Auftrag, in den Provinzen die Nationalgarden zu organisiren, wobei er sich durch sein gemäßigtes Benehmen die Achtung und die Dankbarkeit der Einwohner erwarb. Den 8. April 1814 erklärte er sich für die wiederhergestellte Dynastie, und ward den 4. Juni von Ludwig XVIII zum Pair ernannt. Während der hundert Tage entschloß er sich, jedoch erst den 2. Juni 1815, die Pairswürde auch aus Buonapartes Händen anzunehmen. Damals bewies er bei mehrern Anlässen festen Muth und Widerstand gegen willkürliche Maßregeln. Die provisorische Regierung ernannte ihn den 25. Juni zu einem der Friedens-Bevollmächtigten bei den verbündeten Monarchen. In der Folge verlor er durch die Ordonnanz vom 24. Juli 1815 seine Pairswürde, worauf er eine Zeitlang auf seinen Gütern zurückgezogen lebte; allein durch die Ordonnanz vom 5. März 1819 ist sie ihm wiedergegeben worden.


Die Wetterfahnen Frankreichs.[]


Latour-Maubourg (Graf von Fay.) [5] Senator am 28. März 1806; Königlicher Pair am 4. Juny 1814; Kommandeur der Ehrenlegion unter dem Kaiser; Ludwigsritter am 1. Juny 1814 unter dem Könige, und am 23. August 1814 Grosskreuz der Ehrenlegion. Von Napoleon am 4. Juny 1814 zum Pair von Frankreich ernannt.


Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Paris, den 1sten May. [6]

Am 23sten traf der General, Senateur, Graf Latour-Maubourg, zu Brest ein, um die Kohorten der Nationalgarde zu organisiren.


Quellen.[]

  1. Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Hamburg 1797.
  2. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  3. Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Für das Jahr 1814. Leipzig, in der Expedition der Minerva.
  4. Zeitgenossen. XVII. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1820.
  5. Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 113. Freytag, den 10. May 1812.
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