Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Fürst Karl von Ligne.[]

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Ligne, (Fürst Karl von) geboren am 23. May 1735 Feldmarschall in Oesterreichischen Diensten, Ritter des goldenen Vliesses, Kommandeur des Theresienordens xc. diente mit Erfolg, namentlich 1789, gegen die Türken unter dem Feldmarschall Grafen von Haddik. Er ist jedoch in dem letzten Kriege ausser Thätigkeit geblieben, hält sich fortwährend in Wien auf, und ist gegenwärtig Kapitain der deutschen Garde. Durch seine 30 Bändchen starken Melanges militaires et literaires hat er sich rühmlich bekannt gemacht, und stand mit der Kaiserinn Katharina und dem alten Könige von Preussen in freundschaftlichem Briefwechsel.


Carl Fürst De Ligne, kaiserlich-österreichischer Feldmarschall.[]

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Geboren 1735. Gestorben 1814.

Fürst De Ligne, allgemein gekannt in Europa, allgemein geschätzt in dem Staate, dem er angehörte, behauptete einen ehrenvollen Platz in der Zeitgeschichte. Er wurde am 23. Mai 1735 zu Brüssel geboren. Seine Kindheit entwickelte früh jenes Aufstreben nach höherer Geistesbildung, das ihm bis zum Grabe treu geblieben, und zugleich den ritterlichen Muth, der, durch eine frühe Vertraulichkeit mit der Gefahr unterhalten und gesteigert, sich in den nachherigen Kriegen glänzend bewährt hat. In dem Vorgefühle seiner künftigen Bestimmung hörte er 1745 aus seiner Kinderstube die Schlacht von Fontenoy, und ergötzte sich 1746 an dem Anblicke der Beschießung von Brüssel.

Die Jünglingsjahre weihte er dem Studium der klassischen Literatur, vorzüglich aber den Kriegswissenschaften, welche er auch in der Folge bis an das Ende seiner Laufbahn leidenschaftlich betrieb. So ausgerüstet trat er im Jahr 1755 in österreichische Kriegsdienste, und erhielt eine Kompagnie im Regimente seines Vaters.

Sechszig bedeutungsvolle Jahre der neueren Geschichte mit ihren Staatsmännern, Kriegen und Schriftstellern sind an diesem merkwürdigen Mann vorübergegangen, in deren Begebenheiten er bald als handelnde Person thätig eingegriffen, bald sie als geistreicher Beobachter in Denkschriften und Briefen den Zeitgenossen und der Nachwelt überliefert hat. Die Schlacht von Collin, Görlitz, Breslau, Leuthen, und die Belagerung von Schweidnitz, an welcher er rühmlich Theil genommen, hat er mit treffenden Bemerkungen und höchst originellen Absichten geschichtlich dargestellt. In demselben Jahre 1757 wurde er zum Oberstlieutenant befördert. Im folgenden Jahre befand er sich beim Siege von Hochkirchen, eroberte mit stürmender Hand den sogenannten großen Garten von Dresden, und wurde mit der Stelle eines Obersten belohnt. Im Jahre 1759 wurde er mit der Nachricht von dem Siege, bei Maxen an den König Ludwig XV. gesendet und im nächsten Jahre befand er sich bei der Einnahme von Berlin, und bei der Schlacht von Torgau.

Nach dem Hubertsburger Frieden, bei Gelegenheit der Krönung Josephs II. zum römischen Kaiser, wurde er im Jahre 1764 zum Generalmajor befördert, und im Jahre 1770 begleitete er diesen Monarchen zu jener denkwürdigen Zusammenkunft mit König Friedrich II. zu Neustadt, von welcher er eine mit eben so viel Scharfsinn als Eigenthümlichkeit entworfene Schilderung hinterlassen hat. Im Jahre 1771 wurde er Inhaber eines Infanterieregiments, Feldmarschallieutenant, und Ritter des goldenen Vließes.

Die glückliche Periode der österreichischen Geschichte zwischen dem siebenjährigen und dem Türkenkriege, welche zwar die kommenden Erschütterungen vorbereiten sollte, aber mit geringen Ausnahme für Mitteleuropa dem Privatleben in Bezug auf Geistesgenuß blühend und freundlich dahin floß, scheint in dem Fürsten De Ligne den Drang nach literarscher Auszeichnung, nach Erweiterung seiner Kenntnisse und jener liebensw_rdigen Hang zur Geselligkeit vorzüglich begünstiget zu haben, der von einer hochherzigen Gemüthsart eine edle Richtung, und vor seiner Verbindung mit den merkwürdigsten Männern seiner Zeit besondere Anmuth und Würde erhielt. In diese Epoche, in welcher er sich noch im Genusse eines ansehnlichen Vermögens befand, fallen seine Reisen nach Italien und der Schweiz, nach Frankreich, Deutschland und Pohlen, die häufigen Besuche, mit welchen er von den Prinzen des französischen Regentenhauses auf seinem schönen Landsitze Beloeil beehrt wurde; seine Bekanntschaft mit Montesquien, d'Alembert, Rousseau, sein Umgang und Briefwechsel mit Voltaire, und sein ehrenvoller Antheil an Friedrichs II. Vertraulichkeit. Auch von der größten Frau ihrer Zeit sollte eine so seltene Vereinigung  mannigfaltiger Naturgaben nicht unbemerkt bleiben. Er wurde im Jahre 1787 mit wichtigen Aufträgen an die Kaiserin Katharina II. gesendet. Mit vieler Laune scherzt er in seinen Briefen über die vielen Sonderbarkeiten, zu welcher die Versetzung eines so glänzenden Hofes an die Ufer des Boristheues die Veranlassung war.

In der Eigenschaft eines Feldzeugmeisters und in einer militärisch-diplomatischen Sendung begab er sich 1788 zu dem Fürsten Potemkin, und begleitete die Bewegungen der russischen Armee bis nach der Eroberung von Oczakow. Im nächsten Jahre kommandirte er mit vieler Auszeichnung ein Armeekorps, theilte selbst mit Loudon den Ruhm der Einnahme von Belgrad, und wurde zum Kommandeur des Marien-Theresienordens ernannt.

So endete seine militärische Thätigkeit. In den folgenden Kriegen ward es ihm nicht gegönnt für das Wohl des Staates zu kämpfen, dem er durch die frühesten Eindrücke der Jugend sowohl, als durch ein hohes Pflichtgefühl verbunden war. Seine Gesinnungen für diesen Staat beurkundeten sich bald nach dem Ausbruche der französischen Revolution, als er sein in Brabant von einer langen Ahnenreihe angestammtes Vermögen Preis gab, um der Treue gegen seinen Herrscher genug zu thun. Eine herbere Prüfung hatte ihm jedoch das Verhängniß bestimmt. Im glorreichen Kampfe gegen Frankreich im Jahr 1792 fiel sein würdiger Sohn, der Oberste Fürst De Ligne, der einzige Schmerz, über den die Kraft seines Gemüthes ihn nie empor hob. Diese Wunde blutete noch in dem Vaterherzen, da es brach. Im Jahre 1807 wurde er zum Kapitän der Trabanten-Leibgarde und Hofburgwache, im Jahr 1808 aber zur Würde eines Feldmarschalls erhoben, welche durch eine seltene Fügung sein Vater und Großvater ebenfalls geführt hatten.

So weit sein öffentlicher Beruf. Im Privatleben war er ein Mann von seltener Persönlichkeit, ein Muster altfranzösischer Feinheit und Grazie; mit ausgezeichnetem Erfolge herrschte er über das gesellige Leben. Durch seine vielen Verbindungen in allen Theilen des gebildeten Europa, noch mehr durch seine witzige Worte, die oft mit unglaublicher Schnelligkeit in den entferntesten Ländern wiederholt wurden, war er nicht sowohl das Eigenthum einer Familie, eines Kreises von Freunden, einer Stadt, als des ganzen gebildeten Geschlechtes seiner Zeit, und dennoch von der Familie, den Freunden, der Stadt, wo er lebte, so geliebt, als wäre er einzig für sie alle gewesen. Mit seinem Rufe griff er in die entfernteste Welt, mit der unerschöpflichen Anmuth seines Umgangs erfreute er, was in seiner Nähe lebte. Indem er die Gegenwart mit der Heiterkeit seiner Laune und mit der Fülle seines Herzens liebend umfaßte, fühlte man mit Rührung -- er war der Widerhall einer schon verklungenen Zeit.

Das Glück mit seinen Gütern, die Natur mit ihren Gaben, die Zeit mit ihrem Wechsel und den Zufälligkeiten des Lebens hatten ein eigentliches Ganze an ihm gebildet. Die Hoheit seiner Geburt, das Wohlwollen so vieler bedeutenden Männer, die Gunst der Frauen, deren sich seine männliche Schönheit lange noch über die Gränzen der Jugend erfreute, hatte ihn liebend begleitet. Endlich die mannigfaltigen oft schwer zu vereinigenden Vorzüge, ein so treffender Witz ohne Dornen, eine solche Lebendigkeit mit so viel Ruhe, so viele Eigenthümlichkeit ohne Unart, die seltne Kunst, das Gespräch in ein Spiel zu verwandeln, indem er seinen Gegner gerne gewinnen ließ, endlich die unerschöpfliche Güte des Herzen, die tiefe Liebenswürdigkeit, das immer rege Bedürfniß, Hülfe und Trost in jedes verwundete Herz zu gießen, hatten über sein ganzes Wesen einen unverwelklichen Reiz verbreitet; jedem Unglücklichen verwandt, war sein Haus eine Freistätte der gebeugten Menschheit, wie es sich der geselligen Freude öffnete. Die ganze Generation war unter seinem Schatten aufgewachsen und gereift. So war er für die Jugend ein freundliches Bild der Vergangenheit, und für das Alter ein schonungsvoller Sachwalter der Jugend.

Am 13. Dezember 1814 im achtzigsten Jahre seines anacreontischen Alters ging er ohne Schmerz und Klage hinüber zur Vergeltung seiner Tugenden. Auf dem Kahlenberge bei Wien, wo er sich und den Musen einen Sitz errichtet, hatte er sich selbst die Ruhestätte bestimmt.


Der dreyzehnte December 1814.[]

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Gestorben Karl, Fürst von Ligne, K. K. österreichischer Feldmarschall xc.

Er zeichnete sich als Feldherr, Litterator, Geschichtschreiber, Moralist, Philosoph, Dichter und schöner Geist bedeutend aus. In seinen Jünglingsjahren widmete er sich mit grosser Anstrengung dem Studium der klassischen Litteratur und den Kriegswissenschaften. So vorbereitet trat er 1755 in österreichische Kriegsdienste, nahm Theil an den Schlachten von Collin, Görlitz, Breslau, Leuthen und an der Belagerung von Schweidnitz im Jahr 1757. --1758 eroberte er mit stürmender Hand den sogenannten grossen Garten von Dresden; 1760 war er bey der Einnahme von Berlin und bey der Schlacht von Torgau. Im Jahr 1764 wurde er General-Major und 1771 Feldmarschall-Lieutenant. In der Periode zwischen dem siebenjährigen und dem Ausbruch des Türkenkriegs widmete er sich neben seinen Berufsgeschäften ganz der Litteratur, machte schöne Reisen durch Italien, Frankreich, Deutschland, Polen und die Schweitz, und wurde von den größten Geistern Europa's, von Montesquien, D'alembert, Rousseau, Voltaire, Friedrich II. xc. hochgeschätzt und vertraulich behandelt. Seine militairische Thätigkeit endete sich mit der Einnahme von Belgrad 1789. Er lebte nun ganz den Wissenschaften, und opferte seinem Trieb zur Geselligkeit. Seine grossen Kenntnisse, sein treffender Witz, seine Lebhaftigkeit, mit eben so viel Ruhe gepaart, seine Kunst, das Gespräch gleichsam in ein Spiel zu verwandeln, in dem er seine Gegner gerne gewinnen ließ, und seine ungemeine Herzensgüte, empfahlen ihn überall. Jedem verwundeten Herzen wußte er Balsam einzuträufeln, mit jedem frohen froh zu seyn. Sein Haus war eine Freystätte für Unglückliche, und eben so sehr für Fröhliche offen. Der Ruf seines Genies war in aller Welt, und sein Herz war geliebt in seinen nächsten Umgebungen. Achtzig Jahre lebte er, und als Greis noch, wie Anakreon, mit Rosen bekränzt. -- Die meisten seiner gehaltvollen Schriften erschienen in französischer Sprache, der er meisterhaft schrieb, und sie bleiben beständige Denkmäler seines vortreffliche Geistes und Herzens.

Der Fürst war am 29sten May 1735 zu Brüssel gebohren und stammte aus einem der edelsten Häuser Belgiens, dessen Glieder schon in den Zeiten der Kreuzzüge berühmt waren. Sein militärischer Geist offenbarte sich schon sehr frühe; denn in der Kinderstube hörte er mit Vergnügen das Getöse der Schlacht von Fontenoy 1745, und er ergötzte sich bey dem Anblick der Beschiessung von Brüssel im Jahr 1748, daher er auch die Kriegswissenschaften bis an sein Ende leidenschaftlich liebte.


Prinz de Ligne, kais. königl. österr. F. M.[]

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Der 13. December 1814.

Ein äusserst merkwürdiger Name unserer Zeit, der als er am heutigen Tage zu Wien in seinem 79. Jahre, bedauert von allen, die ihn kannten, zu seyn aufhörte, 60 davon in Verbindung mit den ersten Staatsmännern, Heerführern und Gelehrten der zweyten Jahrhunderts gestanden, und mit ihnen zum Theil selbst im Cabinette, Felde, und am Schreibtisch auf seine Zeit eingewirkt hatte.

Er stammte aus einem der edelsten Häuser Belgiens. Brüssel war der Ort, 1735 das Jahr, seiner Geburt. Aeusserst eifrig widmete er seine Jugendjahre der Erlernung der ernsten und schönen Wissenschaften, und dem Studium dessen, was der künftige Krieger wissen musste. Im 20. Jahre trat er in österreichische Kriegs-Dienste. Der siebenjährige Krieg bot dem feurigen tapfern Fürsten, eben so viel Gelegenheit zu Auszeichnungen, als er Eifer zeigte jede zu benützen. Besonders rühmlich wurde sein Name in den heissen Tage bei Collin, Leuthen, Hochkirchen, Dresden (1759), und Maxen genannt. Nach Beendigung des 7jährigen Krieges wurde er General-Major. Die Jahre von 1766 bis 1787 brachte er meistens in Frankreich, wo er am königlichen Hofe äusserst beliebt war, und auf Reisen nach England, Italien, Preussen, Russland u. s. w. zu. Kaiser Joseph II. wählte den Fürsten zum Begleiter auf seiner Reise mit der russischen Kaiserin Katharina nach dem Cherson 1787. Im Türkenkriege befehligte er unter Loudon einen Theil der Armee. Sein ältester Sohn fiel als ein junger Held im J. 1792 im Gefechte bei Boux. Zurückgezogen aus dem Getümmel der grossen Welt verlebte der Fürst sein Greisenalter theils zu Wien, theils zu Teplitz bei seinem Schwiegersohne dem Fürsten Clary, theils auf dem Kahlenberge in der Nähe von Wien, wo er ein Landgut hatte. Hier und in Teplitz pflegte er grösstentheils den Sommer zuzubringen.

30 Bände sehr lesenswerther Schriften, voll merkwürdiger Aufklärungen über seine Zeit beurkunden ihn als einen denkenden, scharfsinnigen und witzigen Kopf. Sein Umgang war äusserst liebenswürdig und aufheiternd.

Er war des röm. Reichs Fürst, erster Pair von Flandern, Pair, Marschall, Baillif und souverainer Offizier der Land- und Grafschaft Hennegau, Gouverneur von Mons, Pair von Namur und Artois, Grand von Spanien erster Klasse, und k. k. wirklicher geheimer Rath, Kämmerer und General-Feldmarschall, Ritter des goldenen Vliesses, Commandeur des militärischen Marien-Theresien-Ordens, Inhaber des 30. Infanterie-Regiments ect. ect.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.
  3. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  4. Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
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