Auszug aus dem Briefwechsel des Generals Dufresse, Gouverneurs von Stettin.[]
Auszug aus dem Briefe des Generals Bülow an den Gouverneur von Stettin.[]
Im Hauptquartier zu Schwedt, den 15. März 1813.
Herr General!
Die gegenwärtigen Umstände haben die Verhältnisse, in denen ich zu Ihnen gestanden, geändert; sie nöthigen mich, über die neue Ordnung der Dinge mit Ihnen in Erläuterung zu treten, u. s. w., u. s. w. . . . Der Hr. Major von Kau wird die Ehre haben Ihnen dieses Schreibens zu überliefern. Dieser Officier kennt meine Absichten, und ich bitte Sie, ihm gefälligst die Einwendungen mitzutheilen, die Sie etwa machen dürften.
Genehmigen Sie, u. s. w.
- Der Generalkommandant des Armeekorps,
- Unterz. Bülow.
Antwort des Gouverneurs von Stettin.[]
Stettin, den 16. März 1813.
Herr General!
Ich bedaure eben so, wie Sie, die Umstände und die Ereignisse, welche Ihren König zu dem Kriege veranlassen. Ich glaubte in dem Umgang, den ich mit Ihnen zu pflegen die Ehre hatte, Ihre Achtung gewonnen zu haben, und es ist mir sehr schmerzhaft, zu sehen, daß ich mich getäuscht habe. Ihre nicht sehr großmüthigen Drohungen flößen mir keinen Schrecken ein. Sie können die mir anvertraute Festung angreifen; meine Kameraden und ich werden sie auf das Aeußerste vertheidigen.
Genehmigen Sie, u. s. w.
- Der Generalgouverneur der belagerten Festung Stettin.
- Unterz. Dufresse.
Auszug aus einem Briefe des Generals Tauenzien an den General Dufresse.[]
Im Lager vor Stettin, den 10. Mai 1813.
Herr General!
Die gestrigen Freudenbezeigungen erfolgten wegen des bei Pegau über die französische Armee erfochtenen Siegs (Lützen). In Rücksicht auf dieses Ereigniß glaube ich Ihnen eine Kapitulation vorschlagen zu können. Dieß ist keine beleidigende Zumuthung, Herr General; im Gegentheil lasse ich der Tapferkeit, der Einsicht und den Mitteln, die Sie zur Vertheidigung von Stettin anwenden, alle Gerechtigkeit widerfahren, u. s. w.
- Unterz. Der Graf v. Tauenzien.
Antwort des Generals Dufresse.[]
Herr Graf!
Ein Oberofficier, welchem sein Souverän eine Festung anvertraut hat, kann, wenn er sie nicht auf's Aeußerste vertheidigt, das Heil der Armee, die Ehre seines Dienstes, und den Ruhm seines Vaterlandes auf das Spiel setzen. Jede Kapitulation in einer belagerten oder blokirten Festung kann nur dann stattfinden, wenn Lebensmittel und Munition ganz erschöpft sind, oder die Besatzung einen Sturm auf die Mauern ihrer Festung ausgehalten hat, ohne sich einem zweiten noch gewachsen zu fühlen; endlich, wenn der Generalgouverneur alle Verpflichtungen erfüllt hat, welche sich ein Mann von Ehre selbst schuldig ist.
Dieß ist meine Antwort, Herr Graf, und ich bin überzeugt, daß sie die Achtung und Auszeichnung, womit Sie mich beehren nicht schwächen wird.
- Unterz. Dufresse.
Zweiter Brief des Generals Tauenzien.[]
Da sich die Festung Stettin im Belagerungszustande befindet, so muß jede Kommunikation abgebrochen werden. Wenn bisher in Beziehung auf das Herausgehen der Einwohner die größten Mißbräuche stattgefunden haben, so habe ich die Ehre, Sie zu benachrichtigen, Herr General, daß die strengsten Befehle erlassen sind, Niemand durch unsere Vorposten gehen zu lassen. Sie werden die Güte haben, Ihre Verfügungen darnach einzurichten.
- Im Lager vor Stettin, den 1. Juni 1813.
- Unterz. Der Graf Tauenzien.
Antwort des Generals Dufresse.[]
Die Festung Stettin ist allerdings im Belagerungszustand; dieß verbietet mir aber nicht, den Einwohnern der Stadt zu erlauben bei dem gänzlichen Mangel an Lebensmitteln einen gastfreundlichen Aufenthalt zu suchen. Diesen von den nothwendigsten Bedürfnissen gedrückten Unglücklichen den Durchgang zu verweigern, gehört nicht unter die Züge von Menschlichkeit, die von Seite der Militärs derselben Nation anzuführen sind.
Meine, besser überlegten, Befehle sind in dieser Beziehung gegeben; Sie mögen befehlen, was Sie wollen, es betrifft mich nicht: das äußerste Unglück Ihrer Mitbürger wird nicht auf meinem Gewissen lasten.
- Stettin, den 2. Juni 1813.
- Der Generalgouverneur der belagerten Festung Stettin.
- Unterz. Dufresse.
Quellen und Literatur.[]
- Manuscript von Achtzehn hundert und dreizehn oder kurze Darstellung der Begebenheiten dieses Jahres; ein Beitrag zur Geschichte des Kaisers Napoleon von Baron Fain, damaligen Kabinetssekretär. Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1825.