Von Bastille bis Waterloo. Wiki

NB Bern


Bern.[]

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Bern, Hauptstadt des Cantons dieses Namens, liegt auf einer Anhöhe, so daß sie unten schmal, ober aber immer breiter wird. Die Aar fließt auf 3 Seiten herum, und macht eine Halbinsel daraus, und auf der größten Höhe gegen Abend ist die Stadt mit Mauern, Gräben und Schanzen umgeben. Sie ist groß, hat sehr schöne Gebäude 1035 Häuser, und 13,339 Einwohner, nach den neuesten Zählungen. In dem Münster sind etliche 40 Fahnen aufgehangen, welche die Schweitzer dem Herz. Carl von Burgund bey Murten abnahmen. Diese Stadt hat 3 lange und breite Hauptstrassen, die auf beyden Seiten mit Schwibbogen versehen sind. Sie hat ferner ein akademisches Gymnasium, eine ansehnliche Stadt- oder Bürgerbibliothek, samt einem Antiquitäten- und Münzkabinete, eine gelehrte ökonomische Gesellschaft, und ein ehemals wohlversehenes Zeughaus. Es giebt allerley Fabriken in Bern, als von Krep, feinen Tüchern, Zeugen, seidenen Florwaaren, Leder, Uhren, Leinwand u. d. gl.


La Cathédrale à Bern.
La Cathédrale à Bern.

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Merkwürdigkeiten. Die Stadt Bern besass von jeher grosse Staatsmänner und Feldherren, wovon viele oben angeführt worden sind. Auf der Bahn der Wissenschaften haben sich gleichfalls mehrere ausgezeichnet und sind durch ihre Werke bekannt: z. B. als Geschichtsforscher Bernard Tscharner, Emanuel v. Haller, Haller von Königsfelden, F. L. Haller, Gottlieb Walther, Wattewille, May, Sinner, v. Müllinen, Schnell; als Naturforscher Gruner, Wyttenbach, Sprüngli, Höpfner, Rathsherr v. Haller und Andere; als landwirthschaftliche Schriftsteller Tschiffeli und viele Andere; als philosophische, moralische und politische Schriftsteller Ith, v. Bonstädten, Weiss, Karl v. Haller, Stapfer und Andere. Unter allen aber glänzt durch tiefe und umfassende Gelehrsamkeit, durch den allgemeinsten Ruhm, durch seine Gedichte, und durch seine grossen Werke über Botanik, Physiologie, Anatomie, Chirurgie u. s. w. Albrecht von Haller, gewöhnlich der grosse Haller genannt *). In dem Fache der Kunst haben sich auch Einige hervorgethan: Joseph Heinz studirte zu Venedig unter Paul Veronese, und ist nach Holbein der beste Maler, welchen die Schweitz hervorgebracht hat. Joseph Werner studierte in Paris, nahm Lebrun's Manier an und wurde ein geschätzter Maler; von ihm sind im Schloss St. Saphorin bey Morges gemalte Tapeten. Der Maler Webber, welcher den berühmten Cook auf seinen Erd-Umschiffungen begleitete, und zu dessen Reise die vortreflichen Zeichnungen verfertigt hat, war auch aus Bern. -- Sehenswerth sind: die Münze, Kornmagazin, Krankenhaus die Insel genannt, das Spital, die Waisenhäuser, Zeughaus **), der Münster ***) die Kirche zum H. Geist, eines der schönsten öffentlichen Gebäude Berns 1704. aufgeführt, die Stadt Bibliothek *). Hier befinden sich ausser der Bücher- und Handschriften-Sammlung: 1) Eine Sammlung von römischen, griechischen und gothischen Münzen **). 2) Eine reichhaltige Sammlung schweitzerischer Münzen und Medaillen, von Emanuel v. Haller gesammelt und in seinem Münz- und Medaillen-Kabinet vom J. 1781. in 2. B. beschrieben. 3) Mehrere römische Alterthümer, welche an verschiednen Orten des alten Kantons Bern gefunden worden sind; die Zeichnungen von Mosaik-Fussböden, die zu Avenche, Cheyre, Attiswyl K. Solothurn, entdeckt und zerbrochen wurden, und andere Alterthümer. 4) Die Bildnisse der Schultheisse oder Häupter von Bern. 5) Die kostbare Sammlung aller schweitzerischen Vögel der Prediger Daniel Sprüngli, durch freywillige Beyträge vieler Bürger Berns gekauft, seitdem sehr vermehrt und verschönert +). 6) Die schweitzerischen Säugethiere, treflich ausgestopft, beynahe vollständig *). 7) Die grosse Pflanzensammlung des Hrn. Dr. Tribolet, von der helvetischen Regierung angekauft, und seitdem sehr vermehrt. 8) Die herrliche Mineralien-Sammlung des Hrn. von Erlach, von der helvetischen Regierung angekauft und seitdem sehr vermehrt. 9) Die Sammlung von Versteinerungen, meistens aus der Schweitz, des Hrn. Pf. Sprüngli, von Hrn. Zeerleder der Bibliothek geschenkt. 10) Die halb erhobnen Abbildungen vom Oberlande, von der Landschaft Aigle und Bex und vom Gothard. Die Bibliothek so wie der Saal des Naturalien-Kabinets sind wöchentlich dreymal, nämlich Dienstags, Donnerstags und Sonnabends von 2-4 Uhr für Jedermann offen. -- Naturalien-Sammlung bey Hrn. Pfarrer Wyttenbach, vorzüglich Mineralien, Pflanzen und eine auserlesne naturhistorische Bibliothek. -- Pflanzen-Sammlungen bey Hrn. Rathsherr Albert von Haller, Hrn. Apotheker Morell, Hrn. Seringe, Hrn. Elementarlehrer Schärer. -- Insekten-Sammlungen bey Hrn. Studer, Meisner, Major Hortin. -- Sammlung von anatomischen Präparaten in dem anatomischen Theater der Akademie. --Das Mineralien-Kabinet des Hrn. Manuel und die medizinische Bibliothek in dem akademischen Gebäude. -- Die beyden botanischen Gärten, der eine innerhalb der Akademiegebäude, der andre unten an der Aar ohnweit dem Knaben-Waisenhaus seit 1804. eingerichtet und unter Aufsicht des Hrn. Albert von Haller. -- Des Grossen Hallers Denkmal in den botanischen Garten, seit 1808. vollendet. -- Landkartensammlung bey Hrn. Ryhiner von Morges. -- Gemälde- und Kupferstich-Sammlungen bey den HH. Alt-Venner Fischer, Alt-Seckelmeister Stetler, Rathsherr von Muralt, Schultheiss von Müllinen, Salzkassen-Verwalter Wild. -- Bibliothek der bessten Werke der neuen Litteratur auf der Lesegesellschaft.

Künstler, Kunst- und botanische Handlungen. Ausgezeichnete Gebirgs- Landschafts- und Figuren-Maler sind: die HH. Rieter, Lafond, Volmar, Lory*). Bildnissmaler, Hr. Diogg. Bildhauer, Professor Sonnenschein. Büchsenschmied Ulrich arbeitet für die Waffenliebhaber von ganz Europa; seine Stutzer und Pistolen haben besonders den Vorzug des Weit- und Richtigschiessens. Mechanikus Christian Schenk verfertigte physikalische Instrumente, und Maschinen für Fabriken und Landwirtschaft. -- Kaspar Fälklin verfertigte alle Blas-Instrumente in höchster Vollkommenheit. -- Der trefliche Schreiner Hopfengärtner. -- Hr. Seringe *), Botaniker, verkauft alle schweitzerischen Pflanzen. -- Mineralienhandlung bey Hrn. Wisar. -- Kunst- und Buchhandlung bey Hrn. Gaudard, Walthard und J. J. Burgdorfer, bey welchem, ausser der neuesten und französischen Litteratur, die bessten Schweitzer-Landschaften, Kupferstiche u. s. w. zu haben sind.

Vaterländische- und Gelehrten-Gesellschaften und Schulanstalten. 1) Die ökonomische Gesellschaft, von Johann Rudolph Tschiffeli im J. 1758. gestiftet, nach dessen Tode der grosse Haller Präsident derselben war; die Verdienste dieser Gesellschaft um die Landwirthschaft in der Schweitz und in Deutschland sind sehr gross (S. Abhandlungen der ökonom. Gesellschaft, 14 Jahrgänge. Bern. 1762 -- 1776.). -- Die Gesellschaft vaterländischer Naturfreunde, von dem Hrn. Pfarrer Wyttenbach 1786. gestiftet, und 1802. nach einem ausgedehntern Plane eingerichtet (S. deren frühern Schriften in Höpfners Magazin für die Naturkunde Helvetiens). -- Theologisches Seminarium; und das Gymnasium, Akademie genannt, seit 1804. neu eingerichtet.

Kampffeste. Am Ostermontage halten die bessten Kämpfer aus den Landschaften Hasli, Brienz, Emmenthal und Schwarzenburg einen öffentlichen Schwingkampf auf dem Stadtwall von 9 - 12 Uhr.

Viehmärkte. Am ersten Dienstage jedes Monats grosser Viehmarkt zu Bern; den Zusammenfluss des Landvolkes bey dieser Gelegenheit zu sehen, wird dem Fremden merkwürdig seyn.

Pulver. Das zu Bern bereitete Pulver gehört zu dem bessten in ganz Europa; die Ladung desselben verhält sich zu der von französischem Pulver wie 7 zu 18.

Bäder. Kalte und warme Bäder giebt es an der Aare. (S. unten Heilbäder).

Spatziergänge, herrliche Aussichten. Spatziergänge und Alpenansichten 1) In der Stadt: Auf dem Münsterplatz, welcher 108. F. über die Aare erhaben ist; man bemerke in der 1344. erbauten Mauer dieses Platzes eine marmorne Tafel, mit einer Inschrift zum Andenken folgenden Sprunges: Der Student Weinzäpfli bestieg den 25. July 1654. aus Muthwillen ein Ross, welches auf diesem Platze weidete; andere Jünglinge jagten das Pferd, und Weinzäpfli wurde über das damals niedrige Geländer herabgeschleudert. Er fiel in einen Krautgarten, brach Arm und Bein, und wurde wieder hergestellt. -- Bey dem Kornhause -- Bey dem Ballhause -- Auf den obern und untern Graben -- Auf dem Wall, die kleine Schanze genannt. 2) Ausser der Stadt: Nach der Engi ¼ St. weit, des Sommers ein anmuthiger Belustigungsort der Berner; nahe am Eingange auf einem offnen Platze geniesst man die ausgedehnteste Alpenansicht aus der ganzen Gegend von Bern. Um alle Gebirge genau kennen zu lernen, welche sich hier im Gesichtskreis darstellen, ist das herrliche Blatt: Darstellung der von Bern aus sichtbaren Alpenkette, von Studer und Rieter, unentbehrlich. Am Ende der Engi bieten sich zwey Rückwege nach Bern an. Der eine geht gerade fort durch eine in einen Tannenwald gehauene Allee nach Reichenbach, ehmaligen Wohnsitz der Helden: Ulrichs von Erlach (welcher seine Mitbürger in ihrer ersten und siegreichen Schlacht gegen die Oestreicher und Ritter am Donnerbühel im J. 1291. anführte), und dessen Sohns, Rudolphs von Erlach, Siegers bey Laupen im j. 1339. (s. diesen Artikel). Ohne Ehrgeitz und Eitelkeit nach so hohem Ruhm, baute der letztre als tugendhafter Bürger bis ins hohe Alter in Reichenbach sein Feld, und wurde im J. 1360. von seinem Schwiegersohn von Rudenz aus Unterwalden abscheulichen Andenkens, bey einem Wortwechsel wegen dessen Schulden, mit seinem eignen Siegesschwerdte, das an der Wand hieng, ermordet! Von Reichenbach kann man in einer Stunde entweder über Worblaufen oder über die neue Brücke (beydes malerische Gegenden) nach Bern zurückkehren. Der andre Weg am Ende der Engi, links, stösst sogleich auf den Bremgarter-Wald, wo man auf einen lichten mit Bänken besetzten Ruheplatz gelangt. Hier ist eine neue trefliche Aussicht; von diesem Standpunkte nach Bern zurück die gewöhnliche Heerstrasse. Auf der Anhöhe Stalden, und in den Alleen der Landstrassen, welche nach Solothurn links, und nach Thun rechts führen, sind sehr schöne Standpunkte und Uebersichten der Stadt und ihrer Gegend. -- Zum Untern Thor hinaus links längs der Aare, dann über die Höhe des Altenbergs, auf einen freyen Platz, wo eine weite Aussicht über die Stadt nach den Alpen; hier in der Nähe ein Lustwäldchen. -- Ein an ländlichen Schönheiten reicher Spatziergang führt vom Untern Thore nach Ostermannigen, wo ein Steinbruch für die Stadt, welcher wegen seines reinen Echo's merkwürdig ist. Geht man weiter nach Deiswyl und Stettlen, so erblickt man am Ende des Thals das Schloss Worb, und über dieses das Wetterhorn, Schreckhorn, Hochgant u. s. w., welches ein prächtige Aussicht gewährt. -- Der Philosophen-Gang führt nach dem Donnerbühel, wo wieder ein sehr schöner Standpunkt ist, merkwürdig durch die erste Schlacht der Berner gegen ihre Feinde im J. 1291. (s. die vorige Seite). -- Ein schöner Spatziergang nach dem Badhause, bey dem äussern Krankenhause vorbey, durch den Wald, und zurück über Bolligen; auf diesem Wege kann man den Panthiger-Hubel besteigen, wozu ein Führer aus dem nächsten Dorfe nothwendig ist. Auf dem Wege nach dem Emmenthale liegen Worb und andere Landhäuser in herrlichen Standpunkten und reizenden Lagen. -- Schone Standpunkte sind noch überdies bey vielen Landhäusern auf der Südseite der Stadt; an der Aare in der Gegend von Wabern eine vorzüglich schöne Ansicht der Stadt, wo wie der Jura-Kette (in welcher man die Hasenmatt oberhalb Solothurn deutlich erkennt), auf die weissglänzenden Alpen u. s. w. -- Auf dem Gurten 1 St. und auf dem Lengenberge einige St. von der Stadt viele schöne Standpunkte und Aussichten; eben so auf der Höhe des Belpbergs, und bey den Schlössern Rümligen und Burgistein 4 St. von Bern. Auf der Westseite der Stadt ist die Gegend sehr einförmig.

Heil-Bäder. Dergleichen nicht weit von Bern, wo der Fremde besonders Sonntags viel Gesellschaft findet, sind: 1) Das Aarzihle-Bad an der Aare durch bey der Stadt; dessen Wasser enthält, ausser einiger Schwefelleberluft und Luftsäure, Küchen- und Glaubersalz, Selenit, Salzsauern-Kalk und Bittererde; in Hautkrankheiten vortreflich. 2) Das Bad Thalgut, dessen Wasser besonders Eisen, Bittersalz, Küchensalz, Magnesia, Thon und Schwefelgas enthält, und alkalisch seifenhaft ist. Man wähle dahin den Weg über Gerzensee am südöstlichen Theil des Belp-Bergs, wo eine der herrlichsten Aussichten ist; man sieht da über einen weiten Thalgrund nach Thun, den Thuner-See und die hohen Alpen; links die Dörfer Kiesen, Wichtrach und Münsingen, und die schlängelnde Aar; rechts niedrige Hügel, das Schloss Bürgistein; hinter demselben den schönen Niesen und die Stokhorn-Kette. 3) Das Bad Engistein 2 ½ St. an der Strasse nach dem Emmen-Thale in einer fruchtbaren vom Signau-Bach bewässerten Gegend. 4) Das Bad Blumenstein 3 ½ St. und 5) Das Gurnigel-Bad, 6 St. (S. diese beyden letzten Artikel); der unterhaltendste Weg nach Gurnigelbad geht durch Belp, Zimmerwald, Balm, Riedburg, über Schwarzwasser-Brücke, durch Guggisberg.

Merkwürdiges Denkmal in der Nähe von Bern. Das berühmte Denkmal der Frau Pfarrherrin Langhans in der Kirche zu Hindelbank von Nahl (seine geschickten Söhne leben in Kassel), ein Meisterstück der Bildhauerkunst; nur Schade, dɐss es in Sandstein ist. Die Frau Langhans starb am Ostermorgen 1760. bey ihrer ersten Entbindung. Der Künstler setzte dieses Denkmal aus Achtung für die Verstorbne, welche seltne Schönheit des Körpers und der Seele vereinigte. Die Grabschrift ist von dem grossen Haller.

Merkwürdige Gegenden und Orte in der Nähe von Bern. Angenehme kleine Reise von Bern nach Rübigen, Einschlag, Trimmstein, Wyl und Hochstätten durch sehr fruchtbare ländliche Gegenden voll schöner Standpunkte. -- Eine schöne Reise nach Langnau im Emmenthale, und von da über Burgdorf wieder zurück, (S. Langnau, Burgdorf und Emmenthal). -- Nach dem Grauholz und Fraubrunn, wo die Berner im J. 1798. gegen die Franzosen fochten, (S. Fraubrunn). -- Nach Laupen und Murten, wo 1339. und 1476. grosse Schlachten von den Schweitzern gewonnen wurden, (S. Laupen und Murten). -- Nach Aarberg und dem Bielersee (S. Bielersee). -- Ueber andere Reisen von Bern aus sehe man im I. Th. den XIII. Abschnitt, das V. Kapitel.

Hofwyl, das Landgut des Hrn. Emanuel Fellenberg, 2 St. von Bern. Dieses Landgut wird seit zwey Jahren wegen den ausserordentlichen Landwirthschafts-Verbesserungen und landwirtehaftlichen Maschinen und Anstalten seines würdigen Besitzers äusserst häufig besucht und ist in ganz Europa berühmt. Alle Jahre werden hier Ruralfeste gefeyert. Seit 1808. ist hier eine Bildungs-Anstalt für junge Landwirthe durch die Unter stützung der Regierung von Bern errichtet. Aehnliche Töchter-Anstalten sind in einem Kloster der KK. Freyburg und Thurgau seit 1807. eröffnet *). Die Reisenden fahren nach München-Buchsee, wenige Minuten von Hofwyl, wo dermalen ein gutes Wirthshaus gebaut wird.

Geognostische Beschaffenheit. . . . .

Versteinerungen. . . . .

Pflanzen. . . . .

Wege. Um die Gletscher des Grindelwalds, den Staubbach in Lauterbrunn, den Reichenbach im Hasle-Thal und die übrigen Thäler des Oberlandes zu besuchen, führt der Weg auf Thun *); dahin geht wöchentlich zweymal eine Postkutsche ab. (S. Thun). Nach Lausanne und Genf eine Postkutsche viermal wöchentlich; nach Solothurn und Basel zweymal; nach Aarau, Bruck und Zürich zweymal; nach Neuchatel viermal; nach Freyburg einmal.


Vue de l'Eglise du St. Esprit et de la Tour grand Christophe à Bern.
Vue de l'Eglise du St. Esprit et de la Tour grand Christophe à Bern.

Geschichte.[]

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Ende des XVIII. Jahrhunderts. Nachdem die Stadt Bern seit 600. Jahren zu dem mächtigsten Kanton der Schweitz erwachsen, und, ohnerachtet die drohendsten Gefahren so oft über dessen Haupte geschwebet hatten, durch Heldensinn und Tugend zu Ansehen, Ruhm und Reichthum stets mehr emporgeblühet war, so wandte sich plötzlich *) das Glück von diesem in so vieler Hinsicht merkwürdigen aristokratischen Staate; und alles, was die Väter so vieler Jahrhunderte durch Blut und Opfer aller Art errungen hatten, Gebieth, äusseres und innres Ansehn, Ruhm, der durch weise Verwaltung ersparte Schatz, giengen in wenigen Wochen des J. 1798. verlohren. Das Direktorium der Französischen Republik richtete gleich nach dem im September 1797. zu Campo Formio mit Oesterreich geschlossnen Frieden seine diplomatisch-politische Thätigkeit auf die Schweitz. Der bisher als Schweitzerboden geachtete Theil des ehmaligen Bisthum Basels wurde von den Franzosen besetzt; und so standen auf einmal die siegreichen französischen Kriegsleute an der Aare bey Büren, nur 5 Stunden von der Stadt Bern, und bald nachher rückte eine andere 15,000. M. starke Division Franzosen durch die Waadt bis auf die Grenzen des deutschen Bernergebieths, S. Waadt, Aarau **). Die Berner standen mit 18,000. M. der ihrigen und ohngefehr 8000. andere Milizen aus Solothurn, Freyburg, Zürich, von Dornach (nicht weit von Basel) bis Aigle unter der Anführung des General von Erlach, ohngefähr 30,000. Franzosen unter den Befehlen der Generale Brune und Schauenburg gegenüber, während stets unterhandelt wurde. Die Feindseligkeiten begannen Morgens am 2. Merz 1798. zu Lengnau, Büren, Murten, Freyburg (S. diese Artikel). Am 5 Merz, während Oberst Grafenried bey Neuenek die Franzosen über die Sense zurückschlug, musste sich die Stadt Bern der französischen Division des Gen. Schauenburgs, welcher von Lengnau über Solothurn anrückte und bey Fraubrunn die Berner-Militzen zerstreut hatte, ergeben (S. Neuenek und Fraubrunn). Der unglücklichste Tag nicht bloss für Bern, sondern für die ganze Eidgenossenschaft seit der Errichtung ihres Bundes im J. 1308. Denn ihre Unabhängigkeit war dahin, und mit ihr alle Geld- und Waffenmittel zur Behauptung der theuresten Güter eines Volkes. Mit dem XIX. Jahrhundert beginnt eine ganz neue Zeit für die Schweitzer, welche entweder, durch Gemeinsinn und Einigkeit stark, zu neuem Ruhm und hoher Gemein-Wohlfahrt emporsteigen, oder, durch Trennung und Selbstsucht geschwächt, aus der Reihe der selbstständiger Völker bejammernswerth verschwinden werden. Die von Frankreich vorgeschriebne Einheits-Verfassung musste von allen Kantonen nach vielem vergossnen Blute (S. Schwytz, Stanz, Wallis, Graubündten) angenommen werden. Die helvetische Regierung hatte in Bern (S. Aarau, Luzern) ihren Sitz vom Juny 1799. bis zum Frühjahr 1803. wo durch die Vermittlungsakte des ersten Konsuls von Frankreich die jetzige bestehende Federativ-Verfassung der XIX. Kantone eingeführt wurde.

*) Noch im J. 1792. fühlte sich Bern so mächtig, dass es den Gesandten der französischen Republick, Barthelemi, über ein Jahr auf seine Anerkennung warten liess.
**) Das ganze Spiel der gebrauchten Mittel, um die Federativ-Verfassung der Schweitz umzustürzen, und die im Innern der alten XIII. Kantone und ihrer unterthänigen Landschaften liegenden Ursachen, welche zu dieser schnellen Umwälzung beytrugen, findet man am Kürzesten zusammengefasst: In dem neuen Helvetischen Almanach für das Jahr 1799. Zürich. S. 125 - 184. und in dem Almanach für das Jahr 1801. S. 44 - 138. und die Kronik aller Ereignisse in den folgenden Jahrgängen dieses Almanachs. S. alle Schriften, die Staats-Umwälzung in der Schweitz betreffend, im I. Theil den XVIII. Abschnitt, das Kapitel: Neueste Geschichte.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Anleitung, auf die nützlichste und genussvollste Art die Schweiz zu bereisen. von J. G. Ebel, M. D. Zürich bey Orell, Füssli und Compagnie. 1809.
  3. Anleitung, auf die nützlichste und genussvollste Art die Schweiz zu bereisen. von J. G. Ebel, M. D. Zürich bey Orell, Füssli und Compagnie. 1809.

Literatur.[]

  • Beschreibung der Stadt und Republik Bern. Nebst vielen nützlichen Nachrichten für Fremde und Einheimische. Bern, bey der typographischen Societät, neben dem Hotel, 1794.
  • Beschreibung der Stadt und Republik Bern. Zweyter Theil. Welcher auch verschiedene wichtige Verbesserungen und Zusätze zum ersten Theil enthält. Bern, bey der topograph. Societät, neben dem Hotel, 1796.