Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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N. 15. Regiment Garde.[]

[1] (Potsdamsche Inspektion.)

Garnison. Potsdam.

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Uniform. Ponceaurothe Aufschläge, Klappen und Kragen; Kragen und Rabatten sind an der Officier-Uniform mit einer silbernen Stickerei eingefaßt; außerdem ist sie mit 30 breiten gestickten mit reichen losen Quasten gezierten Litzen besetzt, wovon 8 auf jeder Rabatte, 2 unter derselben, 2 auf jedem Aufschlage, 2 auf der Tasche und 2 hinten stehen. Die silbernen Montirungsknöpfe sind etwas gewölbt und von einerlei Größe. Der Huth ist mit einer breiten gebogenen silbernen Massivtresse eingefaßt, hat eine weiße Plüme und einen Federbusch. Die Huth-Agraffe besteht in einer silbernen Kettelschnur. Silberne Achselbänder. Die Unter-Officier-Montirungen haben ponceaurothe Aufschläge, Klappen und Kragen. Jede Klappe ist mit 8 geschlungenen Schleifen mit Puscheln besetzt, und mit einer silbernen Musterbandtresse eingefaßt. Unter jeder Klappe befinden sich 2 dergleichen Schleifen, 2 auf jeder Taschenpatte, 2 auf jedem Aufschlage und 2 hinten in der Taille. Der Kragen ist ebenfalls mit einer façonnirten Bandtresse eingefaßt. Der dreieckige Huth hat eine gebogene silberne Bandtresse, eine Agraffe von silberner Häkelschnur, eine schwarze pferdehaarne Kokarde, und einen Cordon von schwarz und weißer Seide. Die Röcke der Gemeinen sind mit 30 silbernen Bandschleifen ohne Puscheln besetzt, welche, wie bei den Unterofficieren, vertheilt sind; doch fällt hier die silberne Klappen- und Kragen-Einfassung weg. Um den Huth eine glatte silberne Tressen.

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Beim 2ten und 3ten Bataillon ist die Officier-Uniform bloß mit 30 reichgestickten silbernen Schleifen, und zwar auf den Rabatten mit 8, unter denselben mit 2, auf den Taschen mit 2, auf dem Aufschlage mit 2, und in der Taille mit 2 besetzt. Um den Huth eine breite gebogene silberne Tresse. Silberne Achselbänder. Die Knöpfe wie beim 1sten Bataillon. Die Unterofficiere haben 26 silberne Bandschleifen mit Puscheln, nämlich: 8 auf jeder Rabatte, 2 unter derselben, 2 auf jedem Ausschlage, und 2 hinten. Bei den Gemeinen ist der Montirungsrock mit eben so viel hinten zugespitzten silbernen Bandschleifen ohne Puscheln besetzt. Um den Huth eine glatte silberne Tresse.

Die Flügel-Grenadiere der 3 Bataillons Garde tragen Filzmützen, vorne mit hohen lakirten schwarzledernen Schilden; auf diesen befindet sich ein versilbertes Blech mit einem schwarzen Adler, und über demselben eine weiße Granate. Um das lederne Schild läuft ein Kranz von gekräuselter schwarzer Wolle; und hinter demselben ragt seitwärts ein weißer Federbusch hervor. Die kleine hervorstehende Klappe an der Mütze ist, so wie der hintere rothe Umschlag, mit einer silbernen Bandtresse eingefaßt.

Canton. Hat keines. Alle Jahr giebt jedes Reg., sowohl von der Infanterie als von der Kavallerie, zwei Mann ab, welches auserlesene schöne Leute von bestimmter Größe seyn müssen: diese machen die Unrangirten aus. Ihre Anzahl ist ungewiß. Sie werden von einem Capitain commandirt, haben rothe Aufschläge und Kragen, weiße Unterkleider und Knöpfe, und einen uneingefaßten Huth. Aus diesen Leuten wird der Abgang bei der Garde und bei dem Bat. N. 6. ersetzt.

Stamm. Dieses Reg. wurde 1689 aus dem Reg. N. 13. errichtet. 1693 gab es das eine Bat., welches in Ungarn stand, zu dem Reg. N. 17. ab; 1695 stieß 1 Bat. v. Dörfling dazu, und 1702 gab es 2 Comp. zur Verstärkung des Reg. N. 17 ab. Der erste Chef war der G. M. Graf v. Lottum, welcher 1718 als G. F. M. starb. Nach ihm bekam es der Ob. Freiherr v. Rönen. Bei dessen Tode, 1720, ward er dem Ob. v. d. Goltz gegeben; und als dieser 1731 Chef des Reg. N. 5. wurde, erhielt es der Kronprinz, der es bei seiner Thronbesteigung, 1740, zur Garde ernannte. Das 1ste Bat. wurde fast gänzlich beibehalten; aus dem 2ten Bat. wurde das Reg. N. 34. errichtet; dagegen wurden zu dem beibehaltenen 1sten Bat. die schönsten und größten Leute aus der ganzen Armee hinzugefügt, und daraus 3 Bat., so wie gegenwärtig noch stehen, errichtet. Nach Absterben Friedrichs II, 1786, blieb es die Garde König Friedrich Wilhelms II, und bei dessen Tode, 1797, die Sr. jetzt regierenden Majestät.

Feldzüge. In den ältern Zeiten, ehe das Reg. zur Garde erhoben ward, befand sich 1 Bat. desselben 1690 in Ungarn, wo es gegen die Türken in dem Treffen bei Salankemen und Peterwardein focht. Im span. Erbfolgekriege war das ganze Reg. 1702 bei der Einnahme von Kaiserswerth. 1704 focht es in der großen Schlacht bei Hochstädt, und half Landau belagern und erobern, so wie 1706 Menin. In dem Treffen bei Oudenarde, 1708, stand es auf dem rechten Flügel, wo es den zweifelhaften Sieg zum Vortheil der Alliirten entschied. Hierauf diente es vor Winnendael. In der Schlacht bei Malplaquet, 1709, hielt es sich ungemein tapfer. Außerdem ward es zu den Belagerungen von Gent, Brügge und Ath gebraucht. 1715 machte es den pommerschen Feldzug mit. 1741 führte König Friedrich II das 1ste Bat. in die Schlacht bei Molwiz, auf welches der Feind den Hauptangriff that. Es verlor die Hälfte seiner Officiere, und von 800 Mann, woraus es bestand, blieben nur 180 Dienstfähig übrig. Zu dem zweiten schlesischen Kriege 1744 bis 45 nahm er nur 1 Commando von 60 Mann mit. 1757 bewies das 1ste Bat. in der Schlacht bei Collin eine Tapferkeit, wovon die Geschichte wenig Beispiele aufzuweisen hat; auch kamen von 1000 Mann nur einige Hundert aus dieser Schlacht zurück. Außer der Gren. Comp. dieses Bat. und noch 60 Mann Musq., die König Friedrich II mit nach Roßbach nahm, und die bei allen Vorfällen, wo sich der König nachher befand, zugegen waren, blieb der Rest des Bat., welches sich nach und nach ergänzte, während des 7jährigen Krieges in Breslau. Als diese Stadt, deren Commandant Tauenzien war, 1760 von Laudon belagert wurde, wollte das Bat, sich eher unter den Ruinen derselben begraben lassen, als sich ergeben. Durch des Prinzen Heinrichs Ankunft wurde die Stadt entsetzt. Das 2te und 3te Bat. oder Reg. Garde mit seinen Grenadieren befand sich 1742 in der Bataille bei Chotusitz. In einem Gefechte bei Sulowitz 1744 erwarben sich die Gren. mit denen des Reg. N. 18. so viel Ruhm, daß Friedrich II in seinen hinterlassenen Werken ihrer mit dem größten Lobe erwähnt. 1745 bewies das Reg. in den Schlachten bei Hohenfriedberg und Soor viel Muth. Ohne die Gran. war das Reg. 1757 in der Schlacht bei Roßbach, dagegen jene sich in der bei Breslau befanden. In der großen Schlacht bei Leuthen focht das ganze Reg. 1758 hielt es sich beim Hochkirchen Ueberfall, und 1760 in den beiden Schlachten bei Liegnitz und Torgau ungemein tapfer. 1762 war es in der Action bei Burkersdorf und im Treffen bei Reichenbach. Den baierschen Erbfolgekrieg von 1778 bis 79 machte es unter dem König. 1793 marschirte es wider die Franzosen an den Rhein, und hatte während der Blokade von Mainz im Lager auf der Gustavsburg verschiedene Gefechte mit dem Feinde; war hierauf bei der Belagerung von Mainz und der Expedition von Pirmasens, so wie in dem Gefechte von Kettricherhof und in den Bataillen von Pirmasens und Kaiserslautern. 1794 wohnte das Reg. der Expedition bei Kaiserslautern und den Gefechten von Trippstadt bei. Das 1ste Bat. war während des Krieges 1793 bei der Einnahme von Mainz und der Blokade von Landau, und 1794 in den Gefechten bei Trippstadt zugegen.

Chefs:

1689 G. M. Gr. v. Lottum, starb als G. F. M.

1718 Ob. Freih. v. Rönen, starb.

1720 -- v. d. Goltz, erhielt das Reg. N. 5.

1731 Se. Königl Hoheit der Kronprinz.

1740 Se. Maj. Friedrich II; es erhielt den Namen Garde.

1786 Se. Maj. Friedrich Wilhelm II.

1797 Se. Maj. Friedrich Wilhelm III.


Beim _sten Bat. waren folgende Commandeurs:

1740 Pr. Wilh. v. Preußen, starb bei Prag als G. L.

1743 Ob. v. Meyering, erhielt das Reg. Garde.

1744 Pr. Ferdinand v. Braunschweig.

1755 Ob. v. Ingersleben, starb als G. M.

1758 -- v. Tauenzien, erhielt das Reg. N. 31.

1764 Pr. v. Preußen, nachher Friedrich Wilhelm II.

1765 Ob. v. Billerbeck, nahm den Abschied.

1766 Obl. v. Laxdehn, erhielt als G. M. den Abschied.

1773 M. v. Scheelen, starb als G. M.

1786 -- v. Kunitzky, erhielt das Reg. N. 44.

1793 Obl. v. Ingersleben, erhielt das Reg. N. 6.

1798 Ob. v. Hirschfeld, jetzt G. M.


Beim Regiment waren folgende Commandeurs:

1740 Ob. v. Bredow.

1745 -- v Schultze.

1747 -- v. Meyering, erhielt das Reg. N. 26.

1749 -- v. Beschwitz.

1754 -- v. Meseberg.

1756 -- v. Geist, starb.

1758 -- v. Saldern, erhielt das Reg, N. 6.

1760 -- v. Möllendorf, erhielt das Reg. N. 5.

1771 -- v. Buttlar, dimittirt.

1776 -- v. Rohdich, erhielt das Reg. N. 6.

1779 -- v. Brünning, erhielt das Reg. N. 36.

1787 -- v. Röder, erhielt das Reg. N. 6.

1796 Ob. v. Schwerin, Absch. als G. M.

1798 G. L. v. Rüchel, als Chef; Ob. v. Alvensleben, Commandeur.


Quellen.[]

  1. Stammliste aller Regimenter und Corps der Königlich-Preußischen Armee. Für das Jahr 1804. Berlin, 1805. In Commission der Himburgschen Buchhandlung.
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