Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Zeitungsnachrichten.[]

Paris, vom 21. Jan. [1]

Aus dem 28ten Bulletin der Armee in Spanien. "Valladolid, den 13ten Jän. Der in die Hände unserer Truppen gefallene Theil des feindlichen Schatzes belief sich auf 1 Mill. 800,000 Fr. Die Einwohner versichern, daß die Engländer 8 bis 10 Mill. mit sich fortgeführt haben. Der engl. General, der es für unmöglich hielt, daß die franz. Infanterie und Artillerie ihm gefolgt wären, und eine gewisse Zahl von Märschen über ihn gewonnen hätten, besonders in so schwierigen Gebirgen, als die von Gallizien sind, glaubte, daß nur Voltigeurs und Kavallerie ihn verfolgen könnten. Er nahm daher die Position von Castro, seinen rechten Flügel an die Tamboja anlehnend, welche durch Lugo fließt, und die keine Furten hat. Der Herzog von Dalmatien traf am 6ten im Angesichte des Feindes ein. Er verwendete den 7ten und 8_en zu Rekognoszirungen, und um seine Infanterie und Artillerie, die noch zurück waren, an sich zu ziehen. Er entwarf seinen Angriffsplan. Der feindliche linke Flügel allein war angreifbar; er manövrirte gegen diesen Flügel. Seine Anordnungen machten einige Bewegungen den 8ten hindurch nothwendig, da er die Absicht hatte, am folgenden Tage anzugreifen. Der Feind aber, dem dieß nicht entgieng, bewerkstelligte des Nachts seinen Rückzug, und des Morgens rückte unsere Avantgarde in Lugo ein. Der Feind hat in den Spitälern der Stadt 300 engl. Kranke, einen Artilleriepark von 80 Kanonen und 300 Munitionswagen zurück gelassen. Wir haben 700 Gefangene gemacht. Die Stadt und Gegend von Lugo liegen voll todter englische Pferde. Man kann nun über 2500 Pferde rechnen, welche die Engländer auf ihrem Rückzuge getödtet haben. Das Wetter ist abscheulich. Die Engländer suchen in größter Eile Corunna zu gewinnen, wo 400 Transportschiffe zu ihrer Einschiffung bereit liegen. Ihr Gepäck, ihre Munition, selbst ein Theil ihrer Artillerie, und über 3000 Mann, die gefangen gemacht worden sind, haben sie bereits verloren. Am 10ten war unsere Armee zu Betancos, in geringer Entfernung von Corunna. Der Herzog von Elchingen steht mit seinem Armeekorps bei Lugo. Wenn man die Kranken, die Verirrten, diejenigen, die von den Bauern getödter, und jene, die von unsern Truppen gefangen worden sind, zählt, so kann man rechnen, daß die Engländer den dritten Theil ihrer Armee verloren haben. Sie sind auf 18,000 Mann zusammen geschmolzen, und noch nicht zu Schiffe. Von Sahagun an haben sie einen Rückzug von 150 Stunden, bei schlechter Witterung, bei abscheulichen Wegen, mitten in Gebirgen, und auf den Fersen verfolgt, gemacht. Das Thörichte ihres Feldzugsplans läßt sich kaum begreifen. Dieß darf aber nicht dem kommandirenden General, der geschickt und klug ist, sondern es muß dem Geiste des Hasses und der Wuth beigemessen werden, welcher das engl. Ministerium beseelt. Auf diese Art 30,000 Mann hinauszuschicken, um sie aufreiben zu lassen, oder sie in den Fall zu setzen, in der Flucht ihre Rettung zu suchen, dieß ist ein Gedanke, den nur blinde Leidenschaft, oder der ungezügelste Dünkel eingeben kann. Die Stadt Lugo ist vom Feinde geplündert und verheert worden. Man darf dieses Unheil nicht dem engl. General beimessen; es ist eine gewöhnliche und unvermeidliche Folge von forcirten Märschen und eilfertigen Rückzügen. Die Einwohner des Königreichs Leon und von Gallizien verabscheuen die Engländer. Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist das bis jetzt vorgefallene, einen großen Sieg werth. Die Stadt Zamora, wo die Gegenwart der Engländer die Köpfe der Einwohner erhitzt hatte, verschloß vor dem Kavalleriegeneral Maupetit ihre Thore. Der Gen. Darricau erschien mit 4 Bataillons, legte Sturm an, nahm die Stadt, und ließ die Schuldigsten über die Klinge springen. Unter allen spanischen Provinzen ist Gallizien diejenige, welche den besten Geist zeigt; sie empfängt die Franzosen als ihre Befreier von den Feinden und von der Anarchie. Der Bischoff von Lugo und die sämtlichen Geistlichkeit legen die vernünftigsten Gesinnungen an den Tag. Die Stadt Valladolid hat dem König Joseph geschworen, und eine Adresse an Se. k. k. Maj. erlassen. Sechs Menschen, Anstifter von Aufruhr- und Mordscenen gegen die Franzosen, sind zum Tode verurtheilt worden. Fünf sind hingerichtet worden. Die Geistlichkeit hat um Begnadigung des sechsten, Vaters von 4 Kindern, gebeten. Se. Maj. haben dessen Strafe gemildert."


Quellen.[]

  1. Großherzoglich Hessische Zeitung. Darmstadt den 28. Januar. 1809. (Samstag.) Nro.12.